Skip to main content

Full text of "Jahrbuch des Bukowiner Landes-Museums"

See other formats


This  is  a  digital  copy  of  a  book  that  was  preserved  for  generations  on  library  shelves  before  it  was  carefully  scanned  by  Google  as  part  of  a  project 
to  make  the  world's  books  discoverable  online. 

It  has  survived  long  enough  for  the  Copyright  to  expire  and  the  book  to  enter  the  public  domain.  A  public  domain  book  is  one  that  was  never  subject 
to  Copyright  or  whose  legal  Copyright  term  has  expired.  Whether  a  book  is  in  the  public  domain  may  vary  country  to  country.  Public  domain  books 
are  our  gateways  to  the  past,  representing  a  wealth  of  history,  culture  and  knowledge  that 's  often  difficult  to  discover. 

Marks,  notations  and  other  marginalia  present  in  the  original  volume  will  appear  in  this  file  -  a  reminder  of  this  book's  long  journey  from  the 
publisher  to  a  library  and  finally  to  you. 

Usage  guidelines 

Google  is  proud  to  partner  with  libraries  to  digitize  public  domain  materials  and  make  them  widely  accessible.  Public  domain  books  belong  to  the 
public  and  we  are  merely  their  custodians.  Nevertheless,  this  work  is  expensive,  so  in  order  to  keep  providing  this  resource,  we  have  taken  Steps  to 
prevent  abuse  by  commercial  parties,  including  placing  technical  restrictions  on  automated  querying. 

We  also  ask  that  you: 

+  Make  non-commercial  use  of  the  file s  We  designed  Google  Book  Search  for  use  by  individuals,  and  we  request  that  you  use  these  files  for 
personal,  non-commercial  purposes. 

+  Refrain  from  automated  querying  Do  not  send  automated  queries  of  any  sort  to  Google's  System:  If  you  are  conducting  research  on  machine 
translation,  optical  character  recognition  or  other  areas  where  access  to  a  large  amount  of  text  is  helpful,  please  contact  us.  We  encourage  the 
use  of  public  domain  materials  for  these  purposes  and  may  be  able  to  help. 

+  Maintain  attribution  The  Google  "watermark"  you  see  on  each  file  is  essential  for  informing  people  about  this  project  and  helping  them  find 
additional  materials  through  Google  Book  Search.  Please  do  not  remove  it. 

+  Keep  it  legal  Whatever  your  use,  remember  that  you  are  responsible  for  ensuring  that  what  you  are  doing  is  legal.  Do  not  assume  that  just 
because  we  believe  a  book  is  in  the  public  domain  for  users  in  the  United  States,  that  the  work  is  also  in  the  public  domain  for  users  in  other 
countries.  Whether  a  book  is  still  in  Copyright  varies  from  country  to  country,  and  we  can't  off  er  guidance  on  whether  any  specific  use  of 
any  specific  book  is  allowed.  Please  do  not  assume  that  a  book's  appearance  in  Google  Book  Search  means  it  can  be  used  in  any  manner 
any  where  in  the  world.  Copyright  infringement  liability  can  be  quite  severe. 

About  Google  Book  Search 

Google's  mission  is  to  organize  the  world's  Information  and  to  make  it  universally  accessible  and  useful.  Google  Book  Search  helps  readers 
discover  the  world's  books  while  helping  authors  and  publishers  reach  new  audiences.  You  can  search  through  the  füll  text  of  this  book  on  the  web 


at|http  :  //books  .  google  .  com/ 


über  dieses  Buch 

Dies  ist  ein  digitales  Exemplar  eines  Buches,  das  seit  Generationen  in  den  Regalen  der  Bibliotheken  aufbewahrt  wurde,  bevor  es  von  Google  im 
Rahmen  eines  Projekts,  mit  dem  die  Bücher  dieser  Welt  online  verfügbar  gemacht  werden  sollen,  sorgfältig  gescannt  wurde. 

Das  Buch  hat  das  Urheberrecht  überdauert  und  kann  nun  öffentlich  zugänglich  gemacht  werden.  Ein  öffentlich  zugängliches  Buch  ist  ein  Buch, 
das  niemals  Urheberrechten  unterlag  oder  bei  dem  die  Schutzfrist  des  Urheberrechts  abgelaufen  ist.  Ob  ein  Buch  öffentlich  zugänglich  ist,  kann 
von  Land  zu  Land  unterschiedlich  sein.  Öffentlich  zugängliche  Bücher  sind  unser  Tor  zur  Vergangenheit  und  stellen  ein  geschichtliches,  kulturelles 
und  wissenschaftliches  Vermögen  dar,  das  häufig  nur  schwierig  zu  entdecken  ist. 

Gebrauchsspuren,  Anmerkungen  und  andere  Randbemerkungen,  die  im  Originalband  enthalten  sind,  finden  sich  auch  in  dieser  Datei  -  eine  Erin- 
nerung an  die  lange  Reise,  die  das  Buch  vom  Verleger  zu  einer  Bibliothek  und  weiter  zu  Ihnen  hinter  sich  gebracht  hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google  ist  stolz,  mit  Bibliotheken  in  partnerschaftlicher  Zusammenarbeit  öffentlich  zugängliches  Material  zu  digitalisieren  und  einer  breiten  Masse 
zugänglich  zu  machen.  Öffentlich  zugängliche  Bücher  gehören  der  Öffentlichkeit,  und  wir  sind  nur  ihre  Hüter.  Nichtsdestotrotz  ist  diese 
Arbeit  kostspielig.  Um  diese  Ressource  weiterhin  zur  Verfügung  stellen  zu  können,  haben  wir  Schritte  unternommen,  um  den  Missbrauch  durch 
kommerzielle  Parteien  zu  verhindern.  Dazu  gehören  technische  Einschränkungen  für  automatisierte  Abfragen. 

Wir  bitten  Sie  um  Einhaltung  folgender  Richtlinien: 

+  Nutzung  der  Dateien  zu  nichtkommerziellen  Zwecken  Wir  haben  Google  Buchsuche  für  Endanwender  konzipiert  und  möchten,  dass  Sie  diese 
Dateien  nur  für  persönliche,  nichtkommerzielle  Zwecke  verwenden. 

+  Keine  automatisierten  Abfragen  Senden  Sie  keine  automatisierten  Abfragen  irgendwelcher  Art  an  das  Google-System.  Wenn  Sie  Recherchen 
über  maschinelle  Übersetzung,  optische  Zeichenerkennung  oder  andere  Bereiche  durchführen,  in  denen  der  Zugang  zu  Text  in  großen  Mengen 
nützlich  ist,  wenden  Sie  sich  bitte  an  uns.  Wir  fördern  die  Nutzung  des  öffentlich  zugänglichen  Materials  für  diese  Zwecke  und  können  Ihnen 
unter  Umständen  helfen. 

+  Beibehaltung  von  Google -Markenelementen  Das  "Wasserzeichen"  von  Google,  das  Sie  in  jeder  Datei  finden,  ist  wichtig  zur  Information  über 
dieses  Projekt  und  hilft  den  Anwendern  weiteres  Material  über  Google  Buchsuche  zu  finden.  Bitte  entfernen  Sie  das  Wasserzeichen  nicht. 

+  Bewegen  Sie  sich  innerhalb  der  Legalität  Unabhängig  von  Ihrem  Verwendungszweck  müssen  Sie  sich  Ihrer  Verantwortung  bewusst  sein, 
sicherzustellen,  dass  Ihre  Nutzung  legal  ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  ein  Buch,  das  nach  unserem  Dafürhalten  für  Nutzer  in  den  USA 
öffentlich  zugänglich  ist,  auch  für  Nutzer  in  anderen  Ländern  öffentlich  zugänglich  ist.  Ob  ein  Buch  noch  dem  Urheberrecht  unterliegt,  ist 
von  Land  zu  Land  verschieden.  Wir  können  keine  Beratung  leisten,  ob  eine  bestimmte  Nutzung  eines  bestimmten  Buches  gesetzlich  zulässig 
ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  das  Erscheinen  eines  Buchs  in  Google  Buchsuche  bedeutet,  dass  es  in  jeder  Form  und  überall  auf  der 
Welt  verwendet  werden  kann.  Eine  Urheberrechtsverletzung  kann  schwerwiegende  Folgen  haben. 

Über  Google  Buchsuche 

Das  Ziel  von  Google  besteht  darin,  die  weltweiten  Informationen  zu  organisieren  und  allgemein  nutzbar  und  zugänglich  zu  machen.  Google 
Buchsuche  hilft  Lesern  dabei,  die  Bücher  dieser  Welt  zu  entdecken,  und  unterstützt  Autoren  und  Verleger  dabei,  neue  Zielgruppen  zu  erreichen. 


Den  gesamten  Buchtext  können  Sie  im  Internet  unter  http  :  //books  .  google  .  com  durchsuchen. 


1^0-^-  6')'l'J,^oo,yO 


HARVARD 
COLLEGE 
LIBRARY 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


\v 


JAHRBITC^H 


des 


liiffidis  - 


^^^^:i„^ 


18  9  3.  i^ 


'-«;^«P-^ 


w^ 


A 


'.  V 


Re(lactions-Comit6 : 
S«   VuifMWiOii  A.  XiklUeii  Br.  I.  PoUk,  Curatoriums-Mitglieder 

und 

C.  A.  Koaitofcri  Schriftführer. 


11' 


HARVARD 

IuniversityI 


Czernowitz,  1893. 

Oonc.  Typo-  u.  Lithogr.  des  Erzb.  Silv.  Morariu- Andriewicz. 


Verlag  des  Biikowiner  Landes-Museums. 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 

I 


Digitized  by 


Google 


JAHKBUCII 


f    *fh, 


:  1  ? 


des 


)iik0wm@f  iiaadi§-llu§@iam! 


„•-*«;*!•: 


1  8  9  3.  P- 


"«:^«?- 


Redactions-Comite : 


B.  VasiaewiOii  A.  MiklUeii  Df.  L  PoUk,   Curatoriums-Mitglieder 


und 


C.  A.  &Oaitofcr„   Schriftführer. 


"W 


HARVAPL 

|university1 


Czernowitz,  1893. 

Co  HC.  Typo-  a.  Lithogr.  des  Erzb.  Silv.  Morariu- Andriewicz. 


Verlag  des  Biikowiner  Landes-Museiims. 


Digitized  by 


V 


Google 


Für  de-n  Inhalt  df^r  Artikel  si)id  die    Verfasser  allein  veratitioortlich. 


Digitized  by 


Google 


Inli.silts-'Verzeicli.xiis. 


— '^^ — 


Seite 
l 


Vorträge:^) 

Poiek:  „Kückblick  auf  die  Forschungen  zur  Landes-  und  Volks- 
pde  der  Bukowina  seit   1773",   abgehalten  in  der  constituirenden  Versamm- 

des  Bukowiner  Landesmuseuras  am  21.  Feliruar  189*2.  ergänzt  bis  Mitte  1893 
Kimowicz:  „Der  Christustypus  in  der  byzantinischen  Kunst,  in  be- 
ider er  Berücksichtigung  der  heimischen  Kirchenmalerei**, 
galten  in  der  ersten  Hauptversammlung  des  Bukowiner  Landesmuseuras  am 
Mär/  1893 


iPoIek:  „Ortsch  a  fts  Verzeichnis  der  Bukowina  aus  dem  Jahre  1775** 
Umstorfer:  Aus  den  ^M  ittheilungen  der  k.  k.  (.'entral-Comm  ission" 
•  Kaindl:    „Die    A  nthropologische  Gesellschaf  t    in  Wien    in    ihrem 

Hliältnisse  zur  Bukowina'* 

flKaindl:     ^Das  ehemalige   Bukowiner   Landesm.useum,   der  Serether 
^peuniverein    und    das   Münzen-    und   A  ntiqui  tätencabinet    an    der 

»versit.-it  Czernowitz" 

Chmidt:     „Zwei    Kreuze"    Archäologisch-vaterländisch-historische    Keminiscenz 
htes 


•21 

27 
4.-1 


r;- 


75 

7H 
81 


Der  in  der  ersten  Hauptversammlung  des  Bukowiner  Landesmuseums  am  26.  März 
-_*  Diony8  Olinski-Olinescu  abgehaltene  Vortrag:  ^Ergebnisse  der  archäo- 
mA«ii  Forflchnng  in  der  Bukowina"  wird  im  nächstjährigen  Jahrbuche   erscji^inen. 

Digitized  by  VjOOQIC 


n 


Digitized  by 


Google 


Vorbericht. 


Am  21.  Februar  1892  hat  sich  in  Czernowifz  ein  Lande.s- 
ntJseums-Verein  f^ebildet.  Seine  x\uff^abe  ist  »die  Hebung  und  Er- 
veilerung  der  Landeskunde  in  archäologischer,  allgemein  geschichf- 
icher,  kunsthislorischer,  ethnographischer  und  naturhislorischer 
Beziehung.«  Zur  Erreichung  dieses  Zweckes  soll  in  erster  Linie 
las  am  14.  Mai  dieses  Jahres  eröffnete  Bukowiner  Landesmuseum 
lienen.  Dem  Curatorium  des  Museums  schien  es  aber  auch  drin- 
amd  nöthig,  dass  sich  der  Verein  in  noch  directere  Beziehungen 
;ur  Bevölkerung  setze.  Aus  diesem  Grunde  hat  es  in  seiner  Sitzung 
^om  26.  März  d.  J.  die  Herausgabe  eines  Jahrbuches  beschlossen, 
las  dem  Zwecke  des  Vereines  gemäss  Aufsätze  aus  der  Alterthums- 
Lunde  sowie  aus  der  allgemeinen,  Tultur-,  Kunst-  und  Natur- 
geschichte der  Bukowina  enthalten  soll. 

Hiermit  wird  das  erste  Heft  der  Oeffentlichkeit  übergeben. 
Jöge  es  eine  freundliche  Aufnahme  finden  und  dem  Vereine  neue 
mierstützende  Theilnahme  zuführen. 

Czernowilz,  im  Juni   1893. 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


Rückblick 

auf  dto  FovtaliMgdn  rar  Undcs-  mi  Volkfkiiiio  dor  Bikowtea  «»it  1773. ') 


Auf  Kaiser  Joseph's  II.  Befehl  unternahm  im  Jahre  1773  der  Oberstlieute- 
nant des  2.  walachisehen  (Rodnaer)  Grenzregiments  Karl  Freiherr  von  Enzen- 
h  e  r  g  eine  Recognoscierungsreise  durch  den  nördlichen  Theil  der  Moldau.  Er 
liatte  zu  erforschen,  ob  sich  von  der  Erwerbung  dieses  I^ndstriches  ein  Vortheil 
für  die  österreichische  Monarchie  erwarten  Hesse,  insbesondere  aber,  ob  die  Her- 
stellung einer  dauerhaften  Strasse  von  Siebenbürgen  ül)er  Dorna  nach  Galizien 
möglich  wäre.  ^) 

Enzenberg's  Bericht  —  er  ist  unter  dem  Titel :  „Von  und  aus  der  Bu- 
kowina. Im  Sept  1781"  in  Schlözer's  „ Staats- Anzeigen^  Bd.  I.  S.  38  ff,  ab- 
gedruckt ^)  —  sprach  zu  Gunsten  der  Occupation;  er  ist  daher  ohne  Zweifel 
wert,  an  die  Spitze  der  landeskundlichen  Literatur  der  Bukowina  gestellt  zu 
werden. 

Die  ersten  österreichischen  Truppen  rückten  am  31.  August  1774  in  die 
Bukowina  ein;  das  eigentliche  Besatzungsheer  folgte  im  November   1774  nach. 

Mit  der  Besetzung  und  Organisierung  des  Landes  war  der  General  Gabriel 
Freiherr  von  SpI6ny  betraut.  Bevor  dieser  an  die  Lösung  der  letztgenannten 
Aufgabe  gieng,  war  er  vor  allem  bemüht,  sich  die  genaueste  Kenntnis  von 
dem   Lande  und  dessen  bisherigen  Einrichtungen  zu  verschaffen. 

Am  10.  Deceraber  1774  legte  er  dem  Hofkriegsrathe  einen  „ohnmass- 
^eblichen  Entwurf  zu  einer  militairischen  Einrichtung  des  k.  k,  enclavirten  Mol- 
dauischen Antheils"  vor,  worin  sich  auch  der  Zustand  des  occupierten  Land- 
striches mit  wenigen,  aber  scharfen  Zögen  gezeichnet  findet. 

Noch  weit  wichtiger  als  dieser  „Entwurf"  ist  für  die  Kenntnis  der  neu- 
gewonnenen Provinz  die  soeben  von  mir  unter  dem  Titel:  ^General  Spleny's 
Beschreibung  der  Bukowina"  (Czernowitz  1893)  herausgegebene  Denkschrift  aus 
dem  Jahre  1775.*)  Diese  Denkschrift  ist  als  die  erste  ausführliche  Landeskunde 
der  Bukowina  zu  betrachten. 

')  Die  vorliegende  Arbeit  ist  eine  zweite,  veränderte  und  um  die  IJteratur  der  letzten 
anderthalb  Jahre  vermehrte  Auflage  eines  am  21.  Februar  1S92  in  der  constituierenden  Ver- 
saramlnng  de«  Bukowiner  Landesmuseu ms- Vereins  in  Czernowitz  gehaltenen  Vortrages. 

*)  Siehe  meine  Schrift:  »Die  Erwerbung  der  Bukowina  durch  (>e«terreicli«  (Czernowitz 
18S9),  S.   13  ff. 

*)  Diese  Denkschrift  bildet  die  Grundlage  der  von  Prof.  Dr.  v.  Zieglauer  veröffentlichten 
BroÄchure:  -»Der  Zustand  der  Bukowina  zur  Zeit  der  iisterreichisohen  (X'cupatiou*  (Czernowitz  1888). 

*)  Ein  Auszug  ist  unter  dem  Titel:  »Description  de  la  Bukovina.  Extrait  de  1'  ouvrage 
de  M.  Le  General  de  Spleny  et  d'un  rapport  de  M.  Jeniach*;  in  ("anzler's  Magazin  für  die  neuere 
GMchicbte  und  Völkerkunde  (Leipzig  1790)  erschienen. 

Digitizeda/C^OOgle 


4  POLEK : 

Obwohl  die  Pforte  am  7.  Mai  1775  auf  die  von  Oesterreich  besetzter. 
Ländereien  für  immer  verzichtete,  blieb  dennoch  daselbst  der  Status  quo  be- 
stehen; erst  im  Jahre  1780  ward  mit  der  Reform  begonnen.  Die  Grundlage 
der  Neugestaltung  bildete  der  von  General  Baron  Enzenberg,  dem  Nach- 
folger Spl^ny's  seit  Anfang  April  1778,  unterm  30.  October  1779  dem  Hof- 
kriegsrathe  unterbreitete  Systemisierungsplan,  dem  ob  seiner  trefflichen  Schilde- 
rung des  damaligen  Zustandes  der  Bukowina  gleichfalls  ein  ehrenvoller  Platz 
in  der  Literatur  über  dieses  Land  gebtlhrt.  *) 

Am  1.  November  1786  wurde  die  Bukowina  als  Czernowitzer  Kreis  dem 
Königreiche  Galizien  einverleibt.  Die  Unterordnung  unter  ein  fremdes  Land 
konnte  nicht  ohne  Einfluss  auf  ihre  wissenschaftliche  Erforschung  bleiben.  In 
der  That  griff  diese  nur  insoweit  Platz,  als  bei  den  Gelehrten  und  den  Central- 
behörden  das  Streben  vorhandan  war,  eine  möglichst  vollständige  Kenntnis  von 
ganz  Galizien  zu  erlangen.  Erst  das  Jahr  1849  schuf,  indem  es  der  Bukowina 
die  Freiheit  wiedergab,  für  deren  wissenschaftliche  Erforschung  gunstigere  Be 
dingungen. 

In  erster  Linie  sind  es  die  geologischen  Verhältnisse  und  der  Bergbau, 
womit  nach  dem  Jahre  1786  die  Forschung  sich  beschäftigt. 

Den  Anfang  macht  der  als  Naturforscher  und  Ethnograph  bekannte  Fran- 
zose Balthasar  Hacquet,  von  1788  4ms  1810  Professor  der  Naturgeschichte 
an  der  Universität  zu  Lemberg.  Er  bereiste  während  der  Jahre  1788  und  1789 
die  Karpathen  und  veröffentlichte  die  hiebei  gemachten  Beobachtungen  in  Crell'^ 
ehemischen  Annalen  (1789  und  1791)  und  in  dem  vierbändigen  Werke:  „Neueste 
physikalisch-politische  Reisen  durch  die  Dacischen  und  Sarmatisehen  Karpathen" 
(Nürnberg  1790—1796). 

Durch  Hacquet's  Arbeiten  angeregt,  stellten  in  den  zwanziger  Jahren 
unseres  Jahrhunderts  Georg  Gottlieb  Pusch  und  Carl  Li  II  vou  Lilien* 
bach  (geb.  am  3.  November  1798  zu  Wieliczka,  gest.  am  21.  März  1831 1 
Untersuchungen  über  den  Bau  der  Karpathen  an.  Der  Bericht  des  ersteren 
findet  sich  unter  dem  Titel:  „Ueber  die  geognostische  Constitution  der  Kar- 
pathen und  der  Nordkarpathenländer"  in  Karsten's  Archiv  für  Mineralogie 
(Bd.  I.  Berl.  1829,  S.  29—55),  der  des  letzteren  ist  als  ^^ Journal  d'un  voyage 
geologique  faxt  h  travers  tonte  la  chatne  des  Carpathes,  en  Bukowine^  en  Tran- 
sylvanie^,  etc.  in  den  Memoiren  der  französischen  geologischen  Gesellschaft 
(1831,  I.  2.  S.  237—316)  abgedruckt. 

Um  die  Erforschung  der  Bukowina  in  floristischer  und  faunistischer  Be- 
ziehung haben  sich  in  der  Zeit  von  1786  bis  1849  Dr.  Friedländer, 
Dr.  Herbich  und  Professor  Dr.  Zawadzki  sehr  verdient  gemacht. 

Dr.  Friedländer  war  zu  Anfang  des  neunzehnten  Jahrhunderts  Arzt 
in  Zaleszczyki.  Er  unternahm  zahlreiche  Excursionen  bis  in  den  äussersten 
Südwesten  der  Bukowina  und  sammelte  allenthalben  die  selteneren  Pflanzen, 
die    er    seinem    Freunde  Dr.  Wilibald  Besser,    seit    1805   Arzt    in  Krakan, 

*)  Sie  beßndet  sich  in  dem  k.  und  k.  Kriegsarchive  und  wird  demnächst  von  mir  ver- 
öftentlicht  werden. 


Digitized  by 


Google 


Die  Forschüngbn  zur  Lakdbskündb  der  Bukowina.  5 

sandte,  der  sie  in  i^einem  Werke:  ^Primitiae  ßorcte  Galiciae  austriacae^  {Vienna 
1^09)  verwertete. 

Noch  bedeutender  sind  für  die  Bukowiner  Landeskunde  die  beiden  letzt- 
genannten Männer. 

Alexander  Z  a  w  a  d  z  k  i ,  geb.  am  6.  Mai  1798  zu  Bielitz  in  Oesterreichisch- 
Schlesieu  und  gest.  zu  Brunn  am  5.  Mai  1868,  sammelte  schon  als  Knabe  von 
seinem  Geburtsorte  aus  im  nahen  Gebirge  Pflanzen,  Insecten  und  Conchilien. 
Dieser  Sammeleifer  machte  sich  seit  seiner  im  Jahre  !  8 18  erfolgten  Uebersiede- 
lung  nach  Ijemberg,  wo  er  nach  Absolvierung  seiner  Studien  als  Supplent  der 
Physik  an  der  Universität  und  von  1830 — 1839  als  Professor  der  Mathematik 
und  Physik  an  der  Lehranstalt  für  den  Regularclerus  Galizieus  thätig  war,  in 
besonders  hohem  Grad  bemerkbar. 

In  Ijemberg  lernte  Zawadzki  den  um  sieben  Jahre  älteren  Dr.  Franz 
Herb  ich  kennen,  der,  aus  Wien  gebärtig,  im  Jahre  1825  als  Militärarzt  nach 
(jralizien  gekommen  war.  Beide  machten  nun  gemeinschaftliehe  Reisen  in  die 
Ceotralkarpathcn  sowie  in  die  Bukowina.  In  letzterem  Lande  boten  ihnen  der 
Ilareu,  Dzumaleu.  Suchard  und  andere  Alpengipfel  eine  reiche  Ausbeute  an 
Pflanzen,  welche  in  dem  von  Besser  herausgegebenen  Werke  fehlen. 

Die  Resultate  dieser  Reisen  sind  in  Zawadzki's  ,^Enumeratto  pJnntarum 
Galiciae  et  Bucowinae  oder  die  in  Galizien  und  der  Bukowina  wildwachsenden 
Pflanzen"  (Breslau  1835)  und  „Fauna  der  galizisch-bukowinischen  Wirbelthiere" 
(Stuttgart  1840)  niedergelegt. 

Dr.  Herbich  wurde  im  Jahre  1834  als  Regimentsarzt  nach  Czernowitz 
versetzt,  wo  er  bis  zum  Jahre  1856  blieb.  Während  dieses  22jährigen  Auf- 
enthaltes in  der  Bukowina  hat  er  seine  floristischen  Forschungen  daselbst 
ununterbrochen  fortgesetzt  und  ausser  zahlreichen  Aufsätzen  in  Zeitschriften  zwei 
grossere  Werke,  nämlich  :  ^Selectus  plantarum  rariorum  Galiciae  et  Bucovinae^ 
{Czemovicii  1839)  und  „Stirpes  rariores  Bucovinae^  {Stanislawoxo  1853}  ver- 
üffentlieht,  Werke,  die  ihm  filr  alle  Zeiten  einen  ehrenvollen  Platz  unter  den 
Botanikern  Oesterreichs  sichern. 

Was  die  ethnographischen,  culturhistorischen  und  volkswirtschaftlichen 
Verhältnisse  in  dem  gleichen  Zeiträume  anbelangt,  können  wir  drei  Männer 
nennen,  welche  nach  diesen  Richtungen  Hervorragendes  geleistet  haben  :  Samuel 
Bredetzky,  Joseph  Rohr  er  und  Michael  Franz  Stöger. 

Bredetzky,  geb.  zu  Deutsch-Jakubjan  im  Saroser  Comitate  am  1 S.  März 
1772  und  gest.  am  25.  Juni  1812  zu  Lemberg,  hatte  als  Superintendent  von 
C)«t-  und  Westgalizien  (von  1808 — 1812)  Gelegenheit,  die  Bukowina  zu  be- 
suchen, und  er  hat  durch  drei  Publicationen  dai^ethan,  dass  ihn  daselbst  nicht 
bloss  die  kirchlichen  Angelegenheiten  interessierten.  Er  schrieb  „Beyträge  zur 
nähern  Kenntnis  der  Bukowina"  (Vaterland.  Blätter  l.  Wien  1808.  Nr.  46), 
gedachte  in  seinem  „Historisch-statischen  Beitrag  zum  deutschen  Colon isations- 
wesen  in  Europa**  (Brunn  1812)  der  deutschen  Ansiedler  in  der  Bukowina  und 
gab  dem  Westen  Kunde  von  den  Lippowanern  (Sartori^s  „maier.  Taschenbuch.*' 
I.  1812.  S.  149—161). 

Digitized  by  V:iOOQIC 


6  POLEK : 

Joseph  Rohr  er,  1769  zu  Wien  geboren,  kam  ira  Jalrre  1795  nach  6a- 
h'zien  und  gehörte  diesem  Lande  durch  mehr  als  drei  Decenniou,  bis  kurz  v*>i 
seinem  am  21.  heptember  1828  erfolgten  Tode  an.  Anfangs  Polizeieommissir. 
wurde  er  im  Jahre  1806,  ohne  den  Doctorgrad  erlangt  zu  haben,  zum  Profctwci 
der  politischen  Wissenschaften  und  Statistik  am  Lyceum  zu  Lemberg  eroanut 
und  behielt  diese  Stelle  auch,  als  diese  An.^.talt  im  Jahre  1816  wieder  zu:  | 
Universität  erhoben  wurde,  bei.  Diesen  glänzenden  Erlolg  dankte  Rohrer  seiner 
schriftstellerischen  Thätigkeit  Durch  die  neuen,  fremdartigen  Verhältnisse  viel 
fach  angeregt,  hat  er  nämlich  seit  seiner  Uebersiedelung  nach  Galizien  ein^ 
stattliche  Reihe  von  Arbeiten  zur  Volks-  und  Landeskunde  Oesterreiehs  im 
allgemeinen  und  Galiziens  sowie  der  Bukowina  im  besondern  theils  selbständig', 
theils  in  verschiedenen  Zeitschriften  erscheinen  lassen.  Ich  nenne  Woss  deu 
„Versuch  über  die  Bewohner  der  österreichischen  Monarchie^,  der  sich,  die 
Deutschen,  Armenier  und  Juden  behandelnd,  fast  durch  den  ganzen  Jahrgang 
1803  des  Liechtenstern'schen  Archivs  für  Geographie  und  Statistik  hindurch 
zieht,  dann  die  „Bemerkungen  auf  einer  Reise  v(m  der  türkischen  Grenze  über 
die  Bukowina  durch  Ost-  und  Westgalizien^  Schlesien  und  Mähren  nach  \\'ien" 
(Wien  1804),  ferner  die  Abhandlung  über  „die  Wallachischen  Bewohner  der 
österreichischen  Monarchie'^  in  den  Vaterland.  Blättern  (IL  Wien  1810.  Nr.  3^ 
bis  43),  endlich  den  «politisch-arithmetischen  Versuch  über  die  Buko^^nna- 
(Ebenda.  1812.  Nr.  88). 

Nicht  minder  rührig  war  Dr.  Michael  Franz  Stöger.  Am  22.  September 
1795  zu  Wien  geboren,  studierte  er  daselbst  Philosophie  und  Jurisprudenz, 
erwarb  sich  aus  beiden  die  Doctorwürde  und  folgte  im  März  1827  einem  Rufe 
als  Professor  der  Statistik  an  die  Hochschule  in  Lemberg,  wo  er,  erst  38  Jahn 
alt,  am  18.  Jänner  1834  starb  Seine  Arbeiten  sind  zumeist  in  Fachschriflcß 
enthalten.  Auf  die  Bukowina  haben  insbesondere  die  nachstehend  verzeichnetcß 
Bezug:  „Die  jüdische  Bevölkerung  in  Galizien  und  ihre  Evidenzhaltung  nad 
österreichischen  Gesetzen"  (in  Wagner's  Zeitschrift  für  österreichische  Keoht- 
gelehrsamkeit.  1829,  Bd.  I.  S.  363—386),  ^Bemerkungen  über  Galiziens  Sali 
siedereien."  (Oesterr.  Archiv  für  Geschichte  etc.  1829.  Bd.  1.  Nr.  61),  „Notizci 
über  die  Bukowiner  Judenschalt"  (Ebenda.  1830.  Bd.  IL  Nr.  49;,  „Die  Flussei 
Galiziens^  (Ebenda.  1831.  Bd.  L  Nr.  56,  58—60),  ^National- Verschiedenheiteij 
in  Galizien"  (Ebenda.  1832.  Nr.  69)  und  „üebersicht  des  ersten  Regulirung>' 
planes  für  das  Kirchen wesen  der  nichtunirten  Griechen  in  der  Bukowina* 
(Ebenda.  1832,  Nr.  22,  23,  27,  29—31).  Im  Buchhandel  ist  das  folgende,  fiir 
die  Bukowina  gleichfalls  wichtige  Werk  erschienen:  ^Darstellung  der  gesetT- 
liehen  Verfassung  der  galizischen  Judenschaft"  (2  Bde.  lemberg,  PrzemysI, 
Stanislau  und  Tarnöw  1838). 

Von  allgemeinen,  die  Gcsammtverhältnisse  des  Landes  behandelDden 
Arbeiten  ist  ausser  dem  Werke:  „Die  Bukowina  im  Königreiche  Galizien* 
(Wien  1845)  von  Theophil  Bendella  (geb.  am  8.  Mai  1814  zu  Czeroowitz. 
gest.  am  2.  August  1875),  nur  noch  eine  im  „Hcsperus"  (Bd.  27  Prag  182(t 
Nr.  8)  anonym  erschienene,  gute  .topographisch-statistische  Uebersicht  der  Bu- 
kowina" zu  verzeichnen. 


Digitized  by 


Google 


Die  Fobschüngkn  zur  Landeskunde  dbe  Bukowina.  7 

Was  schliesslich  die  kartographischen  Darstellungen  anbelangt^  kann  nicht 
verschwiegen  werden,  dass  sich  auch  in  dieser  Hinsicht  die  Abhängigkeit  der 
Bukowina  von  Galizien  bemerkbar  macht.  Denn  ausser  I.  Liesganig^s  Karte : 
j^Regna  Galiciae  et  Lodmneriae  nee  non  Bukovina'^.  LeopoK  1790,  30  Bl.  fol. 
1  :  288.000  (vermehrt  und  verbessert  von  dem  k.  k.  General-Quartierraeisterstabe 
im  Jahre  1824)  und  ^^Carte  general  de  V Atlas  du  Royaume  de  Galicie  et  de 
Ix/domerie  avec  la  Bucovine^  (Vienne  1790,  2  BI.)  ist  nur  eine  einzige  Karte 
der  Bukowina  (ohne  Galizien),  und  zwar  von  dem  Buchhändler  Winiarz  im 
Jahre  1842  (Lemberg  und  Czernowitz.  1  Bl.  col.  fol.  1  :  288.000)  herausgegeben 
worden. 

1848!  Damit  erscheint  auch  für  die  Bukowina  die  Morgenröthe  bes- 
serer Tage. 

Im  Juni  des  genannten  Jahres  richtete  eine  Anzahl  gesinnungstüchtiger 
Männer  eine  Petition  an  das  Ministerium,  worin  die  Beschwerden  über  den 
Druck  der  galizischen  Herrschaft  ihren  Ausdruck  fanden.  Das  Ergebnis  war 
die  Emancipation  des  Landes. 

Welch  colossalen  Fortschritt  hat  die  Erforschung  der  Bukowina  seither 
gemacht!  Immer  neue  Zweige  hat  sie  in  ihren  Bereich  gezogen,  und  die  Lite- 
ratur ist  so  stark  angeschwollen,  dass  es  angezeigt  sein  dürfte,  die  ganze  Pe- 
riode in  zwei  Abschnitte  einzutheileu.  Als  Markstein  kann  mit  Fug  und  Recht 
das  Jahr  1876  bezeichnet  werden.  Vor  diesem  Jahre  geht  die  Anregung  zur 
Forschung  im  grossen  und  ganzen  von  den  Mittelschulen  des  Landes  aus; 
nach  demselben  fällt  diese  Mission  zumeist  der  Alma  tnater  Francisco-Jose- 
phina  zu. 

Ziehen  wir  auch  jetzt  wieder  zunächst  die  naturwissenschaftliche  Erfor- 
schung des  Landes  in  Betracht,  so  stossen  wir  sofort  auf  eine  Reihe  wohl- 
bekannter Namen :  Alth,Barber,  Cotta,  Denaro^vski,  Knapp, 
Knauer,  Paul,  Petrino,  Simiginowicz  u.  A. 

Obgleich  Advocat  von  Beruf,  leistete  Dr.  Alois  v.  A 1 1  h  (f  4.  November 
1886)  doch  sehr  Erhebliches  auf  dem  Gebiete  der  Geologie.  Die  Reihe  seiner 
diesbezüglichen  Schriften  hebt  mit  der  Schilderung  der  „Mineralquellen  der 
Bukowina"  (Bronnes  Jahrbach  für  Mineral.  1848.  S.  526—551)  an.  Hierauf 
folgen :  „Ein  Ausflug  in  -die  Marmaroscher  Karpathen  im  Sommer  1855"  (Mitth. 
d.  k.  k.  geograph.  Gesellschaft  in  Wien.  1858.  S.  1 — 13),  „Ueber  die  Gyps- 
iormation  der  Nord-Karpathenländer '  (.Jahrb.  d.  k.  k.  geolog.  Reichsanst.  1858. 
S.  143 — 158)  „Neue  Höhenbestimmungen  in  der  Bukowina,  der  Marmaros  etc." 
(Ebenda.  1859.  S.  345 — 349),  „die  Oberflächengestaltung  Galiziens  und  der 
Bukowina"*  (polnisch,  in  Rocznik  tow,  nauk.  krakow.  1861),  „die  Salz-  und 
Steinölquellen  in  Galizien  und  der  Bukowina"  (polnisch,  Sprawozd,  komüyi 
fizyogr.  V.  1871.  S.  49—93)  und  „die  bei  dem  Baue  der  galiz.  Eisenbahnen 
ausgeführten  Höhenmessungen  und  ihre  Bedeutung  fllr  die  Physiographie  des 
lindes"  (Ebenda.  VH.  1873.  S.  109—125). 

Der  berühmte  Geologe  Bernhard  v.  Cotta  (geb.  24.  October  1808  zu 
Klein-Zillbach,  gest.  14.  Sept.  1879  in  Freiburg)  besuchte  die  Bukowina  im 
Jahre  1855.  Eine  Frucht    dieser  Reise   ist    ausser    den  „Geologischen  Mitthei- 


Digitized  by 


Google 


8  POLKK : 

luDgen  aus  der  Bukowina''  in  Bronn's  Jahrbuch  für  Mineralogie  (1855.  S.  22 
bis  32)  die  in  dem  Jahrbuche  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  (VI.  1855.  S.  10,; 
bis  135)  veröffentlichte  Abhandlung:  „Die  Erzlagerstätten  der  südlichen  Br 
kowina."^  Bergrath  Dionys  Stur  {jetzt  k.  k.  Hofrath  i.  P.)  und  Bergrath  (jet?i 
Oberbergrath)  Carl  M.  Paul  machten,  von  Otto  l^eiherrn  von  Petrin' 
(geb.  13.  Februar  1834,  gest.  27.  Jänner  1884)  vielfach  unterstützt,  währen i 
der  Jahre  1872  und  1873  Aufnahmen  in  der  Bukowina,  worüber  sie  im  Jahr- 
buchc  der  k.  k.  geolog.  Keichsanstalt  (1872  und   1873)  berichteten. 

Franz  Simiginowicz  (von  1853  bis  1S58  Supplent  am  Gymnasium 
zu  (>zernowitz)  gab  einen  Beitrag  „zur  physischen  Geographie  der  Bukowina* 
(Wien  1856)  heraus,  sein  Bruder  Ludwig  Adolf  Simiginowicz  (jetzt  Pn^ 
fessor  an*  der  k.  k.  Lehrer-  und  Lehrerinnen-Bildungsanstalt  in  CzernoAvilx 
stellte  in  Wort  und  Bild  ..die  Bodenplastik  der  Bukowina"  (Kronstadt  187-' 
dar,  Dr.  Karl  Denarowski  (jetzt  k.  k.  Regierungsrath  i.  P.)  und  Dr.  Josef 
Barber  (Apotheker  in  Czernowitz)  schrieben,  erstercr  in  einer  18(58  in  Wiir 
herausgegebenen  Broschüre,  letzterer  in  den  Sitzungsberichten  der  k.  Akademit 
der  Wissenschaften  in  Wien  (Nat.  Gl.  60.  Bd.  1869  '2,  Abth.  S.  405— 41> 
über  die  „Mineralquellen  von  Dorna-Watra  nnd  Pojana-Negri  ,  Titus  v.  Altb. 
ein  Neffe  des  oben  genannten  Alois  v.  Alth,  veröffentlichte  in  dem  Jahres- 
berichte der  gr.-or.  Oberrealschule  in  Czernowitz  f.  1869  (S.  38 — 53)  y^di^ 
beobachteten  meteorologischen  V^erhältuisse  für  den  Horizont  von  Czernowitz*, 
und  Dr.  Blasius  KnaueV  und  Josef  Armin  Knapp  machten  sich  durch  ihn' 
botanischen  Werke  —  von  dem  ersteren  stammt  die  vortreffliche  Arbeit :  ^Die 
Flora  von  Suczawa'^  (Jahresbuch  des  gr.-or.  Obergymnasiums  in  Suczawa  für 
1863,  S.  1 — 16),  von  dem  letzteren  das  ausgezeichnete  Werk:  „Die  bisher 
bekannten  Pflanzen  Galiziens  und  der  Bukowina"  (Wien  1872)  —  um  die  Bu- 
kowina sehr  verdient. 

Wie  der  Natur,  so  wurde  auch  der  Einwohnerschaft  des  Landes  seit 
1849  mehr  Aufmerksamkeit  geschenkt.  L.  A.  Simiginowicz  theilt  rumä- 
nische Märchen  (Zeitschrift  für  Mythologie,  Bd.  I.  Göttingen  1853  und  1854 
S.  42—50,  469—472),  Professor  Johann  Sbiera  rumänische  Volkslieder  uivi 
Volksräthsel  (in  Foaea  So^ietä^it  pentru  literätura  §i  cultura  romdnä  In  Bud- 
vina.  Cernäu^X  1866  und  1867)  mit,  und  S.  Fl.  Marianu,  Professor  am 
Gymnasium  zu  Suczawa,  gibt  den  ersten  Band  seiner  romanischen  Volksdicli- 
tungen  (Poesii  poporale  romäne,  Cernäu^l  1873)  heraus;  der  Dichter  Josepb 
Hordynski  Ritter  v.  Fedkowicz  (geb.  am  8.  August  1834,  gest.  am 
11.  Jänner  1888)  entwirft  „Skizzen  aus  dem  Huzuleuleben"  (Czernowitz.  Zeitung 
1868.  Nr.  51),  Gregor  Kupczanko  debütiert  als  Octavaner  mit  rutheuisuhep 
Volksliedern,  Märchen,  Sagen  etc.  (Bukow.  Zoria.  1870.  Nr.  2,  3,  10 — 11. 
13 — 16),  Professor  Franz  Miklosich  lehrt  „Märchen  und  Lieder  der  Zigeuner 
der  Bukowina^  kennen  (Denkschriften  der  k.  k.  Akad.  d.  W.  philos.  bist.  Cl 
Bd.  23  und  24),  und  der  Reichsraths-Bibliothekar  Vincenz  Göhlert  giU 
Kunde  von  dem  geheimnisvollen  Völklein  der  Lippowaner  (Sitzungsb.  d.  k.  k. 
Akad.  d.  W..  philos.  histor.  Cl    Bd.  41.  S.  478—488). 


Digitized  by 


Google 


DiK  FORSCHUNOKN  ZUR  LANDESKUNDE  DER  BUKOWINA.  9 

Dass  bis  1875  über  das  geistige  Leben  in  der  Bukowina  nic;ht  viel  zu 
schreiben  war,  wird  niemand  wundernehmen.  Dennoch  sind  auch  auf  diesem 
Gebiete  drei  Schriften  anzuführen:  ^Kumäniseiics  Schulwesen**  von  dem  Di- 
rector  der  k.  k.  Lehrer-  und  Lehrerinnen-Bildungsanstalt  Demeter  Isopescul 
(Bericht  über  österr.  Unterrichtswesen,  aus  Anlass  der  Weltausstellung  heraus- 
gegeb.  Wien  1873.  Theil  IL  S.  560—567),  „Historischer  Rückblick  auf  die 
Gymnuriial-Rcorganisationspläue  in  Oesterreich  nebst  historisch-statistischen  Aus- 
weisen über  das  Czernowitzer  k.  k.  Gymnasium  seit  1850—1872"  (Czcrnowitz 
1873)  von  Dircctor  Stefan  Wolf  und  „lieber  die  Käthliclikeit  zur  Einführung 
tles  Geschworeneninstitutes  in  Galizien  und  der  Bukowina^  von  J.  K.  Ritter 
U  ni  I  au f  f  v.  F ra  n  k  w  e  1 1,  herausgcgeb.  von  Victor  Ritter  Uralauff  v.  Frank- 
well (Wien   1861). 

Auf  dem  Gebiete  der  wirtschaftlichen  Cultur  sind  folgende  Arbeiten 
hervorzuheben:  „Die  Entwickelung  des  Grundsteuerwesens  im  Herzogthume 
Bukowina  unter  österreichischer  Herrschaft*'  von  A.  Lippcrt  (Czermnvitzer 
Zeitung  1868;  Nr.  (>,  9,  13,  17,  21,  27  und  34),  weiter  die  „Denkschrift  des 
Verwaltungsrathes  der  k.  k,  Lemberg-Czernowitz-Jassyer  Eisenbahngcsellschaft 
betreffend  die  Sequestration  der  Linie  Lemberg-Czernowitz-Suczawa"  (Wien 
1873),  dann  der  „Hauptbericht  der  Handels-  und  Gewerbekammer  für  das  Iler- 
zogthum  Bukowina  für  185f  (Wochenschrift  der  Buk.  Handels-  und  Gewerbe- 
kammer 18.52,  Nr.  42—50,  in  2.  Aufl.  Czernowitz  1861),  für  1861  (Czcrno- 
witz 1862)  und  für  die  Periode  1862—1871  (Lemberg  1872),  endlich  A. 
Ficker's  „Darstellung  der  Landwirthschaft  und  Montan-Iudustrie  des  Herzog- 
thuras  Bukowina**  (Mitth.  aus  dem  Gebiete  der  Statistik  IIL  Wien  1854 
1.  H.  8.   1—100). 

In  dem  Zeiträume  von  1849 — 1875  wird  in  der  Bukowina  auch  die  Ge- 
schichtsforschung schon  gepflegt.  A.  F  ick  er  liefert  „Beiträge  zur  ältesten 
Geschichte  der  Bukowina  und  ihrer  Nachbarländei*^'  (Progr.  des  k.  k.  Ober- 
g\-ranasiums  in  Czernowitz  1852.  S.  11—24),  E.  Hormuzaki  (f  1874)  schreibt 
den  „Noth-  uud  Hilferuf  der  Gemeinden  des  Moldauisch-Campulunger  Okols 
in  der  Bukowina"  (Wien  1861),  J.  Maitynowicz  stellt  „Historische  Zeug- 
nisse Ober  die  Beherrscher  und  Einwohner  der  Bukowina  und  der  Moldau" 
(Bukow.  Zoria  1870.  Nr.  4 — 6,  8  und  9)  zusammen,  Aron  Pun)uul  (gest. 
24.  Jänner  1866)  gibt  ein  Werk  über  den  griech.-orient,  Religioni'fond  (Privire 
räpede  preste  mofiile  mon^stiresct,  din  carile  sa  format  märepil  fond  religia- 
nariu  al  hisericel  dreptcrd,  r^särit  din  Bticovina,  Cernäu^X  1H()5)  heraus  und 
A.  S.  Petruszewicz  schreibt  über  das  Radautz-Czernowitzcr  Bisthum  und 
»eine  Oberhirten"  (ruthenisch,  in  Bukow.  Zoria  1870.  Nr.  7,  10,12—16).  Auch 
Franz  Adolf  Wicken  hauser  (geb.  zu  Wurmbach  in  Niederösterreich  1809 
und  gestorben  zu  Czernowitz  am  6.  April  1891)  tritt  bereits  auf  den  Plan. 
Im  Jahre  1862  erscheint  die  erste  Abtheilung  seiner  .Moldawa  oder  Beiträge 
zu  einem  Urkundenbuche  für  die  Moldau  und  Bukowina"  (Die  Urkunden  des 
Klosters  Moldawitza),  welchen  „Die  Huldigung  der  Bukowina  am  12.  October 
1777"  (Bukow.  Hauökalender  für  1868,  S.  69-78)  und  „Bochotin  oder  Ge- 
schichte der  Stadt  Czcruäuz  uud  ihrer  Umgebung"  (Wien  1874)  folgen. 


Digitized  by 


Google 


10  Polek: 

In  Hinsicht  auf  die  allgemeine  Landes-  und  Ortsbeschreibung  sind  anzu- 
führen:  eine  ^Skizze  des  llcrzogthnms  Bukowina"  von  dem  Czernowitzer  Gyni- 
nasialdirector  Anton  Kral  (Zeitschrift  für  österr.  Gymnasien  II.  Wien  1851. 
S.  127 — 128),  dann  ^das  Königreich  Galizien  und  Lodoraerien  öammt  dem 
Herzogthume  Krakau  und  dem  Herzogthumc  Bukowina"  (Lemberg  1853)  von 
H.  Stupnicki,  ferner  die  ^Topographisch-statische  Darstellung  des  Herzog- 
thum»  Bucowina  mit  Schluss  des  Jahres  1861"  von  dem  Handelskammer 
secrctär  A.  Mikulicz  {Hauptbericht  der  Bnkow.  Handels- und  Gewerbekammer. 
Czernowitz  1862.  S.  27 — 284^,  weiter  die  „Geographisch-statistische  Ueber- 
sicht  Galiziens  und  der  Bukowina"  von  dem  Major  II.  von  Schmedes  (Lem- 
berg 18(>7,  2.  Aufl.  1869),  endlich  die  ,.  Heimatskunde  der  Bukowina"  von 
D.  Isopescul  (Czernowitz  1872). 

Wir  sind  bei  dem  letzten  Abschnitte  angelangt,  bei  dem  Abschnitte, 
welcher,  wie  ich  schon  bemerkte,  mit  der  P]röffnung  der  k.  k.  Franz- Josephs- 
Universität  beginnt  und  sich  bis  zur  Gegenwart  erstreckt.  Bevor  ich  jedoch 
von  den  Leistungen  dieses  Zeitraumes  spreche,  möchte  ich  mir  erlauben,  einige 
W^orte  zur  Rechtfertigung  des  von  mir  angenommenen  Ausgangspunktes  vorzu- 
bringen. 

Es  siu<l  Stimmen  laut  geworden  (u.  a.  in  „Deutschland."  Berlin  1890. 
Nr.  48),  dass  sich  die  Mehrzahl  der  Czernowitzer  Universitätsprofessoren  von 
den  geistigen  und  culturellen  Litcressen  des  I^andes  ferne  halte.  Dem  niuss 
ich  entschieden  entgegentreten.  Wie  man  in  dem  Folgenden  sehen  wird,  haben 
die  Professoren  aller  Facultäten,  soweit  sich  ihnen  die  Gelegenheit  darbot,  die 
Landes  und  Volkskunde  der  Bukowina  in  den  Bereich  ihrer  Forschungen 
gezogen.  Aber  weit  höher  ist  die  Anregung  zu  taxieren,  die  von  der  Univer- 
sität nach  allen  Richtungen  ausgegangen  ist.  Und  diesem  Umstände  ist  es 
hauptsächhc^h  zuzuschreiben,  dass  der  letzte,  kaum  18  Jahre  umfassende  Ab- 
schnitt eine  ausserordentliche  Fülle  literarischer  Erzeugnisse  in  sich  fasst. 

Was  zunächst  wieder  die  Natur  des  Landes  anbelangt,  möchte  ich  zuerst 
Otto  v.  Petrin  o's  Arbeit  „über  die  Stellung  des  Gypses  in  Ost-Galizieu  und 
Bukowina  innerhalb  der  Neogenablagerungen"  (Verhandl.  der  k.  k.  geolog. 
Reichsanst.  1875.  S.  217—220)  und  K.  M.  P  a  u  Ts  , Grundzüge  der  Geologie 
der  Bukowina"  (Jahrb.  der  k.  k.  geolog.  Reichsanst.  XXVI.  1876.  S.  261  bis 
330)  nennen.  Die  geologischen  Verhältnisse  von  Czernowitz  hat  Professor 
Friedrich  B  e  c  k  e  (seit  1890  an  der  Prager  Universität)  in  seiner  Abhandlung 
„Ueber  die  bei  Czernowitz  im  Sommer  1884  und  Winter  1884/85  stattgefun- 
denen Rutschungen*'  (Jahrb.  d.  k.  k.  geolog.  Reichsanst.  XXXV.  1885,  8.  397 
bis  406)  und  Director  D.  Stur  in  seinem  „Geolog.  Gutachten  anlässlich  der 
Versorgung  der  I^ndeshauptstadt  Czernowitz  mit  gutem  Trinkwasser"  (Czer- 
nowitz 1889)  gründlich  dargelegt;  Bergrath  B.  Walter  hat  ^die  Chancen  einer 
Erdölgewinnung  in  der  Bukowina"  (Jahrb.  d.  k.  k.  geolog.  Reichsanst.  XXX. 
1880.  S.  115—148)  nachgewiesen,  und  Ür.  A.  Löbcl  ist  seit  1887  uner- 
müdlich in  der  Schilderung  der  Mineral(|uellen  von  Dorna-Watra  (Revista  po- 
liticä.  8uczawa  1887.  Nr.  16  und  17;  Calindar.  Cernau^i  1890.  S.  96  bi.s 
128;    Oesterr.  Badezeitung  XX.    Wien   1891.    Nr.  4—7;     Bukow.    Rundschau, 


Digitized  by 


Google 


Die  Forschungen  zur  Landeskunde  der  Bukowina.  1 1 

Czernowitz  1891.  Nr.  1011,  1013,  1014,  1017,  1023  und  1025;  Gazeta  Buco- 
vinei,  Cernäu^i  1891.  Nr.  12—14). 

Für  die  klimatischon  Verhältnisse  dienen  uns  der  schon  genannte  Titus 
V.  Alth  (seit  dem  Beginne  des  Schuljahres  1879/80  Director  der  Staats-Real- 
schule in  Währing)  und  der  am  2.  Februar  1892  verstorbene  Czernowitzer 
Gymnasialprofessor  Dr.  A.  Wachlowski  als  Führer.  Der  erstere  hat  eine 
„Klimatologie  von  Czernowitz"  (Czernowitz  1875)  geschrieben,  der  letztere 
nachstehende  gediegene  Arbeiten  hinterlassen:  ,,Zur  Klimatologio  von  Czer- 
nowitz" (Czernowitz  1886.  S.-A.  aus  d.  Progr.  d.  k  k.  Obergyranasiums  in 
Czernowitz),  „Die  Hagclverhältnisse  in  der  Bukowina"  (Sitzugsb.  d.  k.  k.  Akad. 
d.  W.  Math.-nat.  Gl.  95.  Wien  1887.  2.  Abth.  S.  58-67)  und  „Ueber  die 
Niederschlags  Verhältnisse  in  der  Bukowina"  (Meteorolog.  Zeitschrift  IV.  Wien 
1887.  S.  362-368). 

Auf  dem  Gebiete  der  Botanik  haben  sich  zwei  ehemalige  Hörer  der 
Czernowitzer  Universität  rühmlich  hervorgethan :  A.  Procopianu-Pro- 
c  o  [)  o  v i  c  i  und  Dr.  K.  Bauer.  Von  ersterem  haben  wir  einen  „Beitrag  zur 
Kenntnis  der  Gefasskryptögameu  der  Bukowina"  (Verhandl.  d.  zoolog.-botan. 
Gesellschaft  in  Wien  1887.  S.  783—794),  dann  einen  „Beitrag  zur  Kenntnis 
der  Orchidaceen  der  Bukowina"  (Ebenda.  1890.  S.  185 — 196)  und  einen 
Beitrag  „zur  Flora  von  Suczawa"  (Ebenda.  1892.  S.  63—66),  von  letzteremeinen 
„Beitrag  zur  Phanerogamenilora  der  Bukowina  und  des  angrenzenden  Theiles 
von  Siebenbürgen'^  (Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  XL.  1890.  S.  218—221.  268 
271).  Ausserdem  sind  noch  zwei  gediegene  floristische  Arbeiten  anzu- 
fiihren:  „Beitrag  zur  Moosflora  der  Bukowina  und  Siebenbürgen"  von 
J.  Breidler  (Ebenda.  S.  148—152,  191—105)  und  „Beiträge  und  Berichti- 
gungen zur  Gefasskryptogamenflora  der  Bukowina"  von  J.  Dörfler  (Ebenda. 
S.  186—198,  226-230,  271—274). 

Selbst  die  Kenntnis  der  Fauna,  welche  seit  2jawadzki  fast  ganz  vernach- 
lässigt war,  hat  in  jüngster  Zeit  eine  nicht  unbedeutende  Erweiterung  erfahren. 
Dieselbe  ist  einem  Landeskinde,  C.  v.  Hormuzaki,  zuzuschreiben,  welcher 
seit  dem  Jahre  1888  in  den  zu  Berlin  erscheinenden  „Entoraologischen  Nach- 
richten" Beiträge  zur  Käferfauna  der  Bukowina  veröffentlicht. 

Bisher  sind  erschienen:  „Beiträge  zur  Käferfauna  der  Bucowina  und  Nord- 
nimäniens^^  (XIV.  1888.  Nr.  1—3,  5—7,  10—11),  „Ein  neuer  Beitrag  zur 
Kenntnis  der  in  der  Bucovina  einheimischen  Coleoptercn'*  (XVII.  1891.  Nr.  8 
bis  11),  ^yAcTonycta  var,  Bryophiloides,  eine  neue  Varietät  der  A.  Strigosa  F." 
(Ebenda.  Nr.  10),  „Beschreibung  einiger  neuer  Tagfaltervarietäten  aus  der  Bu- 
covina und  den  Nachbargebieten"  (XVIII.  1892.  Nr.  1)  und  „Lepidopterolo- 
gische  Beobachtungen  in  der  Bucovina"  (Ebenda.  Nr.  20  und  21). 

Mehr  noch  als  die  Natur  des  Landes  waren  dessen  Bewohner  seit  1875 
Gegenstand  des  Studiums. 

Da  sind  vor  allem  die  volksthümlicheu  Ueberlieferungen  in  Sagen,  Märchen, 
Liedern,  Sitten  und  Gebräuchen,  für  die  es  allenthalben  im  Lande  selbst  For- 
scher und  Sammler  gibt  Unter  den  Rumänen  treten  uns  in  dieser  Hinsicht  in 
erster  Reihe  wieder  J.  Sbiera  und  S.  Fl.  Marianu  entgegen.   Letzterer  hat 


Digitized  by 


Google 


12  Polek: 

im  Jahre    1876    den    II.    Theil    seiner    rumäniHchen  Volksdichtungen    heraus- 
gegeben und  seitdem  eine  Reihe  noch  bedeutenderer  Werke,  wie  „die  Farben- 
mischung bei  dem  rumänischen  Volke"  (Chromatica  poporului  romänii.    ßucn 
resci  1882),  „die  rumänische  Volksornithologie"  (Ornitologia  poporanä  romdna. 
2  voll.   Gemaust  1883),   die  Sammlung    „rumänischer  Zaubersprüche"  (Descän- 
tece  poporanc  romäne.    Suceava  1886)    und    die  „Hochzeit    bei    den  Rumänen' 
{Nunta  la  Rumdni,  Buctiresci  1890),  „die  Geburt  bei  den  Rumänen"  {Nascerea 
la  Romdni,  Bucnrcsci  1892)  luid  „das  Begräbnis  bei  den  Rumänen"  {Inmomian- 
tarea  la  Romdni.  Bucuresci  1892)  erscheinen  lassen,  indem  er  gleichzeitig  zahlreiche 
Sagen  und    Volkslieder  in  der    .,Revista  politica'*  (Suceava    188G — 1891)     vcr 
öftentlichte.  Sbiera  dagegen  hat  in  der  nämlichen  Zeitperiode  „rumänische  Volks- 
sagen^  (Poves^i  poporale  Rtmdnesci.  Cer/i4M{  i«S86*),  „Weihnachtslieder  und  Hoch 
Zeitssprüche"  {Colinde,  cintice  de  stea  §i  tträri  la  nunfl    Ccrnäu{  1888)  und  eine 
Volkstradition  über  „das  Leben  der  Rumänen  vor  der  Gründung  nationaler  Staaten*' 
(IraXul  Rominilor    Innäinte    de    fundarea    staturilor  nationale,    Cernäuf   1890 
bekannt  gemacht.     Ausserdem    sind    J.    B  e  r  a  r ,    B.     B  u  m  b  a  c ,    D.     Dan,, 
R.  Hürjuiu,  J.  Je^an,  R  F.   Kaindl,  R.  Noru,   L.  A.  Simiginowicz 
und  G.  Tamäiaga    als  Sammler    von    rumänischen    Volkssageu    und    Volks 
gebrauchen  anzuführen. 

lieber  die  Ruthenen  und  deren  volksthümliches  Leben  geben  uns  F  e  d- 
kowicz,  Kozaryszczuk,  Kupczanko,  L.  A.  Simiginowicz, 
Kaindl  und  Manastyrski  Aufschluss.  Fedkowicz  und  Koza- 
ryszczuk schildern  insbesondere  das  Huzulenleben,  ersterer  im  Bukow. 
Almanach  (Czernowitz  1885).  im  Bukow.  ruth.  Kalender  (Ebenda  1887)  und 
in  „Zerna"  (Ebenda  1887),  letzterer  in  der  zu  Wien  erscheinenden  „Nauka" 
(1889.  Nr.  6-12  und  1890.  Nr.  1,  2,  4—7,  10—12).  Von  Kupczanko's 
Arbeiten  gehören  hierher:  „Sitten  und  Gebräuche  der  Bukowiner  Ruthenen" 
(Bukow.  Rundschau.  1875,  Nr.  5),  „die  Hajdauachen"  (Czernowitz  1886),  ,,die 
Ruthenen  in  der  Bukowina*^  (Ausland  1887.  Nr.  2 — 6)  und  jjKrankheitsbesch wa- 
rungen bei  russischen  Bauern  in  der  Bukowina'*  (Am  Ur-Quell  1891.  Nr.  12 
bis  44,  23—46,  61—63,  75—77).  Simiginowicz  hat  Sagen  und  Märchen 
(Czernowitz.  Zeitung  1880.  Nr,  268  und  280  und  Bukow.  Hauskai.  1882. 
S.  XV — XX)  mitgetheiltund  „Kleinrussische  Volkslieder*  übersetzt  (Leipzig  1888). 

Besonders  bemerkenswert  ist  die  von  Kaindl  in  Geraeinschaft  mit  dem 
gr.-or.  Pfarrer  Manastyrski  herausgegebene  Schrift  über  „Die  Ruthenen 
in  der  Bukowina"  (Czernowitz  1889—1890).  Kaindl  hat  überdies  über  „Zauber- 
glaube  bei  den  Rutenen  in  der  Bukowina  und  Galizien*'  (Globus.  LXI.  S.  279  flF.  > 
geschrieben  und  ruthenische  Sagen  und  Märchen  in  der  „Buk.  Rundschau"  (1890), 
in  der  Zeitschrift  für  Volkskunde  (1888)  und  in  der  Monatsschrift  „Am  Ur- 
Quell'*  (1890  und   1891)  bekannt  gemacht. 

„Die  Deutschen  in  der  Bukowina'-  hat  bisher  nur  F.  A.  Wickenhauser 
und  zwar  in  „Die  deutschen  Siedelungen  in  der  Bukowina*'  (Czernowitz 
1885  bis  1887)  ausfuhrlicher  behandelt.  Als  Ergänzung  können  angesehen 
werden  die  Artikel :  „Deutschböhraische  Colonien"  von  Prof.  Dr.  L  o  s  e  r  t  h 
(Mittheil.    d.    Vereins    f.    Geschichte    der    Deutscheu    in  Böhmen,    Prag   1885. 


Digitized  by 


Google 


Die  FoBSGHüNaBN  zur  Landeskunde  deb  Bukowina.  13 

S.  373 — 384),  „Die  Deutschen  in  der  Bukowina"  von  Kupczanko  (Ausland 
1886  Nr.  50)  und  ausserdem  noch  meine  Broschüre:  „Der  Protestantismus 
in  der  Bukowina"  (Czernowitz  1890). 

In  Betreff  der  Juden  kann  ich  auf  meine  Broschüre  „Statistik  des 
Judenthums  in  der  Bukowina^'  (Sep.-Ahdr.  aus  d.  „Statist.  Monatsschrift*^  XV. 
Wien  1889).  in  Betreff  der  Armenier  auf  die  Schrift  des  gr.-or.  Pfarrers 
U.  Dan:  „Die  orientalischen  Armenier  in  der  Bukowina'*  (Czernowitz  1890) 
und  in  Betreff  der  Lippowaner  auf  die  Artikelserie:  ,^Ra8kol  i  Lipowany^^ 
(„Candela"  1983.  Nr.  7 — 10)  von  J.  Woro  bkie  wicz.  ferner  auf  üan's 
Schrift:  „Die  Lippowaner  in  der  Bukowina"  (Czernowitz  1890.  Auch  rumänisch), 
dann  auf  R.  F.  Kaindl's  Aufsatz:  „Die  Lippowaner*'  (Ausland.  LXV.  1892. 
Kr.  52)  und  meine  Abhandlung  „Die  Lippowaner-Colonien  in  der  Buko- 
wina" (Mittheil,  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft  in  Wien.  1885.  S.  301—312) 
verweisen. 

Ueber  die  Magyaren  handelt  ein  Artikel  von  G.  v.  MarcziiCny  im 
„Pester  Lloyd^^  (1883.  Mr.  93):  „Wie  die  Csango  nach  der  Bukowina  kamen*^, 
sowie  W.  Schmidt's  interessante  ,.PIauderei*'  in  der  „Ungarischen  Revue'* 
(VIL  Budapest  1887.  S.  G72  — 683):  „Die  magyarischen  Colouien  in  der  Bu- 
kowina*'. 

Selbst  die  Zigeuner  sind  nicht  vergessen  worden.  In  Hinsicht  auf  dieses 
Volklein  liegen  folgende  Arbeiten  vor:     „Die  Zigeuner  in    der  Bukowina"   von 

A.  Ficker  (Statist.  Monatschrift.  V.  1879.  S.  249—205),  ,^igeunerlcben  und 
Zigeunerdichtung''  von  L.  A.  Simiginowicz  (Heimat.  VIII.  1.  Wien  1882. 
S.  375 — 378),  „Volkslieder  der  Zigeuner*'  von  demselben  (Czernowitzer  Zeitg. 
1882.    Nr.    18),    „Beitrage    zur    Statistik    der    Zigeuner    in    Oesterreich*'    von 

B.  Karpeles  (Mittheil.  d.  anthropol.  Gesellschaft  in  Wien.  1891.  S.  31  bis 
bis  33),  „Ein  Beitrag  zur  Ethnographie  der  Zigeuner*'  von  R.  F.  K  a  i  n  d  I 
(Ausland.  1891.  Nr.  51)  und  „Die  Zigeuner  in  den  Donauländern  und  der 
Bukowina*'  von  D.  Dan  (Buk.  Nachrichten.  1893.  Nr.  1342—40,  1349—51. 
Auch  rumänisch). 

Schliesslich  sind  noch  in  Hinsicht  auf  die  Bukowiner  Einwohnerschaft 
im  allgemeinen  anzuführen: 

„Aus  Halb-Asien.  Culturbilder  aus  der  Bukowina  etc.'*  von  K.  E.  Fran- 
zos  (2.  Aufl.  Leipzig  1878),  dann  „Die  Völkergruppen  der  Bukowina*'  (Czer- 
nowit;5  1884)  und  „Volkssagen  aus  der  Bukowina**  (Ebenda.  1885),  beide  von 
L.  A.  Simiginowicz,  ferner  „Major  Himmel's  Körpermessungen  in  der 
Bukowina*'  (Referat  darüber  in  den  Mittheil,  der  anthropolog.  Gesellschaft  in 
Wien.  1888.  [83]— [84]  von  A.  Weisbach),  weiter  die  Broschüre:  „Das  Bauern- 
haus in  der  Bukowina**  (Czernowitz  1890)  und  „Typen  landwirthschaftlicher 
Bauten  im  Herzogthume  Bukowina-  (Sep.-Abdr.  aus  Bd.  XXII.  d.  Mittheil, 
d.  Anthropolog.  Gesellschaft  in  Wien)  von  dem  Architekten  und  Professor  der 
Staat s-Gewerbeschulc  in  Czernowitz  C.  Romstor fer,  endlich  die  Studien: 
„Ueber  die  Besiedelung  der  Bukowina**  (Mittheil,  der  k.  k.  geograph.  Oesoll- 
sehaft  in  Wien.    1391.    S.  32r) — 241)    und  „Die  Vertheilung    der    Siedelungen 

Digitized  by  VjOOQIC 


14  Tolek: 

in  der  Bukowina"  (Ebenda  S.  517 — 535)  von  R  F.  Kaindl  und  mein 
Aufsatz:  „Regenzauber  in  Osteuropa"  (Zeitsohrift  d.  Vereins  f.  VoHtskuode.  111. 
1893.  S.  85-87). 

Sehr  rege  ist  seit  1875  auch  das  Interesse  für  das  geistige  und  materielle 
Leben  in  der  Bukowina. 

Was  das  Volks-  und  Mittelsehulwesen  anbelangt,  erinnere  ich  an  die  seit 
1880  von  dem  Universitätsprofessor  Basil  v.  Repta  herausgegebenen  ,, Jahres- 
berichte über  den  Zustand  der  Volks-  und  Bürgerschulen  der  Landeslmupt- 
stadt  Czernowitz'*,  an  Dr.  S.  Grünberg's  Abhandlung:  „Das  Schulwesen  in 
der  Bukowina  in  seiner  historischen  Entwicklung  und  seinem  jetzigen  Zustande" 
(üesterr.-ungar.  Revue.  1.  Wien  1888.  S.  186 — 227),  an  meine  Broschüre: 
„Die  Anfange  dos  Yolksschulwesens  in  der  Bukowina"  (Czernowitz  1891)  uml 
an  die  von  dem  Czernowitzer  gr.-or.  Pfarrcooperator  C.  Morariü  in  der  ro 
manischen  Revue"  veröffentlichten  Artikel:  „lieber  das  romanische  Volksschul 
wesen  in  der  Bukowina^'  (Wien  1889,  Heft  5 — 7),  „Die  Gymnasien  der  Buko- 
wina'^ (1889,  H.  8  und  9),  „Die  gr.-or.  Oberrealschule  in  Cernäuf  (1881^ 
H.  10),  „Das  romanische  Lehrerbildungswesen  in  der  Bukowina"  (1890,  11.  2». 
„Die  Staats-Gewerbeschule  in  Cernäu^'^  (1890,  H.  4  und  5)  und  ,,Die  land- 
wirtschaftliche Lehranstalt  in  Oernäuf*  (1890,  H.  6). 

Ueber  das  theologisclie  Bildungswesen  belehren  uns  die  Professoren 
Isidor  v.  Onciul  und  Eusebius  Popowicz,  ersterer  in  dem  Aufsatze: 
„Einiges  über  den  Gang  und  die  Entwickelung  der  theologischen  und  clericalen 
Cultur  in  der  Bukowina*'  (Ceva  despre  mersnl  ft  desvoltamentul  culturet  Uolo- 
gice  fi  cUricale  in  Bucovina,  Candela  1883.  Nr.  1 — 7.  Ins  Deutsche  übertragen 
von  C.  Morariü  in  d.  „Roman.  Revue".  Wien  1888,  H.  10—12,  1889,  H.  1  bi.^ 
4),  letzterer  iu  seiner  Rectoratsrede:  „Die  theologische  Facultat  in  Czernowitz 
und  die  übrigen  gr.-or.  theologischen  Lehranstalten'*  (Facultatea  teologicä  din 
Cernäufl  §i  celelalte  §coale  teologice  ortodoxe  r^säritene,  Candela  1884. 
Nr.  9—11)*) 

Für  die  Kenntnis  des  allgemeinen  Bildungswesens  sind  folgende  Arbeiten 
wichtig:  „Die  Bukowiner  Landesbibliothek  und  die  k  k.  Universitäts-Bibliothek 
in  Czernowitz"  (Czernowitz  1885)  von  dem  k.  k.  Universitäts-ßibliothekar 
Dr.  Karl  Reifenkugel,  dann  „Mi§cäri  literare  la  Romäni  din  Bucovina^^- 
Oradea  mare  1890  (Die  literarische  .Thätigkeit  der  Bukowiner  Rumäueiii 
Grosswardein  1890)  von  J.  Sbiera  und  „Beiträge  zur  Geschichte  der  roma- 
nischen Literatur  in  der  Bukowina"  von  C.  Morariü  (Roman.  Revue  1891, 
H.  1,  3,  4,  6,  7—8,  9,  11—12),  ferner  „Die  Geschichte  des  Entstehens  und 
der  Entwickelung  des  Musikvereins  in  Czernowitz"  (Czernowitz  1882)  von 
L.  A.  Simiginowicz  und  .,Die  Musik  und  deren  Entwickelung  in  der  Bu 
kowina^*  (Im  Buchwald  1890.  Nr.  13;  1891.  Nr.  4,  5.  7,  11—13)  von  dem 
Musikdirector  A.  Hrimaly,  die  Jubilaumsfestschrift :  „Gut  Heil!"  von  O.  l 
Nussbauni  (Czernowitz   1892),  endlich  das  von   Dr.   Htitschek   am  24.  Sep- . 


M  Eine  von  mir    verfasste  Darstellung  der  Kntwickeliing   des    gesammten   Bukowiner  üo- 
terrichtswesens  befindet  sich  unter  der  Presse. 


Digitized  by 


Google 


Die  Fobschungbn  zur  Landeskunde  der  Bukowina.  15 

teaiber  1886  an  die  Haudels-  und  Qewerkaramer  in  Reiohenberg  erstattete  Re 
ferat  über  „die  Rechtspflege    in  Galizien    und*  in    der  Bukowina^'  (Reiehenberg 

1886). 

Demjenigen,  welcher  sich  über  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Bu- 
kowina ira  allgemeinen  unterrichten  will,  dem  können  Prof.  J.  Platteres 
„Sociale  Studien  in  der  Bukowina'  (Jena  1878),  dann  Prof.  F.  Kleinwäch- 
ter's  Schrift  über  „Die  Czernowitzer  Ausstellung  von  1886"  (Wien  1886), 
ferner  Prof.  E.  Misch  ler's  Aufsatz  „Wirtschaftskrise  in  der  Bukowina"  in 
Doru's  Volkswirtschaft!.  Wochenschrift  (1891.  Nr.  406  und  408j  und  Frau  Marie 
M  i  s  c  h  1  er 's  „Sociale  und  wirtschaftliche  Skizzen  aus  der  Bukowina"  im 
April-  und  Maihefte  1892  der  von  Peruerstorfer  herausgegebenen  „Deutschen 
Worte"  (wiederabgedruckt  in  der  „Bukow.  Rundschau."  1892.  Nr.  1139  ff.) 
empfohlen  werden. 

Die  finanziellen  Verhältnisse  des  Landes  beleuchtet  Prof  E.  M  i  s  c  h  1  e  r 
mit  dem  ihm  besonders  eigenen  Geschick  im  ersten  Hefte  (1892.  S.  24 — 71) 
der  von  ihm  begi'undeteu  „Mittheilungen  des  statistischen  Landesamtes  des 
Herzogthums  Bukowina''  (»Die  Stellung  der  Bukowina  im  Staatshalte").  Daselbst 
(S.  72  —  138)  findet  sich  auch  der  1.  Theil  einer  unter  Mischler^s  Leitung  ge- 
machten Zvisammenstellung  „des  Vermögens  der  politischen  Gemeinden  in  der 
Bukowina"  (die  Gemeinden  der  politischen  Bezirke  Kimpolung,  Radautz,  Sto- 
rozynetz  und  Wiznitz).  „Der  Vermögenstand  der  Stadtcommune  Czcrnowitz  und 
der  in  ihrer  Verwaltung  stehenden  Fonde"  ist  aus  K.  Ritter  v.  Weglowski's 
Bericht  an  den  Gemeinderath  der  Landeshauptstadt  Czcrnowitz  (Czcrnowitz 
1889)  ersichtlich. 

Ueber  die  Land-  und  Forstwirtschaft  wird  man  in  dem  Werke:  ^^Rapport 
»ur  les  fortts  de  la  Bukovine^  (Marseille  1878)  von  Lejourdan,  dann  in 
den  von  dem  Gestütsverwalter  Z.  T  r  i  n  k  s  über  das  Kadautzer  Gestüt  im 
Jahre  1884  in  der  Wiener  und  von  C.  Scherzer  „über  die  Viehzucht  in 
der  Bukowina  im  Jahre  1886  in  der  „Czcrnowitz.  landw.  Zeitg."  veröffentlichten 
Artikeln  Aufschluss  finden.  Das  Bukowiner  Verkehrswesen  beleuchtet  am  besten 
die  Denkschrift  E.  A.  Z  i  f  f  e  r's :  „Die  Localbahnen  i  n  Galizien  und  der  Bu- 
kowina" (Wien  1891),  und  Handel,  Industrie  und  Gewerbe  werden  sowohl  in 
den  Protokollen  der  Bukowiner  Handels-  und  Gewerbekaramer  als  auch  in  den 
Mittlieilungen  des  statistischen  Landesamtes  des  Herzogthums  Bukowina  (H.  1, 
S.  139  —  146),  dann  in  den  Schriflen  C.  Romstorfer's  („Ueber  die  gewerb- 
lichen Zustände  in  der  Bukowina"  im  4.  Jahresberichte  der  k.  k.  Staats- 
Gewerbeschule  zu  Czcrnowitz.  1886.  S.  3—22  und  „Einführung  einer  Haus- 
industrie in  der  Bukowina"  in  den  „Bukow.  Nachr."  1889.  Nr.  99—101), 
H.  Wiglitzky's  („die  Bukowinaer  Hausindustrie  und  die  Mittel  und  Wege 
zur  Hebung  derselben."  Czcrnowitz  18S8)  und  F.  Kl  ei  n  wilc  hter'ß  („Zur 
Frage  der  Verkaufshallen.*^  Wien  1890)  eingehend  gewürdigt,  lieber  „Die 
Propinationsfrage  in  der  Bukowina"  hat  A.  Ter  n  er  (Czcrnowitz  1869),  tiber 
„Da«  Propinationsrccht"  Dr.  J.  Rott  (Czcrnowitz  1^85)  geschrieben.  Noch 
wichtiger  ist  in  Betreff  dieses  Gegenstandes  das  Werk  des  k.  k.  Finanzprocu- 

Digitized  by  V:iOOQIC 


16  Polek: 

rators  Dr.  Victor  Korn.  Es  führt  den  Titel :     j,Da8  Propinationsrecht    in    Ga- 
lizien  und  in  der  Bukowina  und  dessen  Ablösung'*  (Wien   1889). 

Die  Darstellung  der  gesaramten  Culturverhältnisse  und  zwar  für  die  Zeit 
von  1775  bis  1875  danken  wir  A.  Ficker  und  H.  J.  Bi  der  mann.  Von 
ersterem  stanimt  die  rühmlich  bekannte  Schrift:  ,,Hundert  Jahre"  (S.-A. 
aus  d.  „Statist.  Monatschrift."  I.  Wien  1875),  von  letzterem  die  gleichfalls 
treffliche  Broschüre:  „Die  Bukowina  unter  österreichischer  Verwaltung  1775 
bis  1875"  (Wien   1875.  2.  Aufl.  Lemberg  1876). 

Ich  komme  nun  auf  die  Studien  zu  sprechen,  welche  sich  auf  die  Be- 
völkerungsstatistik und  Gesundheitsverhältnisse  beziehen. 

Die  statistischen  Grundlagen  für  die  Bevölkerungsverhültnisse  sind  durch 
die  Volkszählungen  vom  31.  December  1880  und  31.  December  1 890  geschaffen 
worden,  welche  die  Publicationen  der  k.  k.  statistischen  Centralcommission 
(»»Statistische  Monatsschrift",  „Oesterreichische  Statistik",  „Statist.  Jahrbuch^^  uod 
„Special-Ortsrepertorium")  zusammenfassen. 

Die  Gesundheitsverhältnisse  der  Bukowina  hat  zum  erstenmale  Regie- 
rungsrath  Dr.  K.  Denarowski  mittels  „Sanitätskarte  und  Comment^r*'  (Wien 
1880)  dargelegt  Diesem  Beispiele  folgend,  hat  .sein  Nachfolger  im  Sanitäts- 
departement der  Bukowiner  k.  k.  Landesregierung,  Regierungsrath  Dr.  B.  K  lu- 
czenko,  im  Jahre  1891  sowie  im  Jahre  1892  einen  ebenso  gediegenen  als 
umfangreichen  j^Sanitätsbericht  der  Bukowina"  (für  1890,  bezw.  1891)  heraus- 
gegeben. Kluczenko  hat  überdies  in  Gemeinschaft  mit  Dr.  Krämer  eine 
,,Mortalitätsstati8ik  der  Stadt  Suczawa  in  den  Jahren  1874 — 1888*'  im  2.  Bande 
des  östcrr.  •,Sanitäts- Beamten**  (1889.  Nr.  9 — 11)  veröffentlicht.  Sehr  interessant 
und  lehrreich  sind  auch  die  von  Dr.  W.  Philipowicz  in  den  ,,Wiener  medi- 
cinischen  Blättern"  (188S.  Nr.  14  und  15)  bekannt  gemachten  „Beobachtungen 
über  das  Vorkommen  von  Pellagra  in  der  Bukowina*-  sowie  Dr.  W.  Z  a  1  o 
z  i  c  c  k  i's  „Bericht  über  die  zweite  Wanderversammlung  des  Vereines  der 
Aerzte  in  der  Bukowina"  (Czernowitz  1889). 

Ueber  die  Heilanstalten  haben  wir  Arbeiten  von  Dr.  B.  Wolan  (j,Zur 
Geschichte  und  Entwickelung  des  öffentlichen  allgemeinen  Krankenhauses  in 
Czernowitz".  Czernowitz  1879)  und  N.  Ustyanowicz  („Denkschrift  über  die 
Entstehung  des  allgemeinen  Krankenhauses  Kronprinz-Rudolf-Stiftung  in  Rat^autz 
mit  Zugrundelegung  der  Entwicklung  der  Bukowina  seit   1775."  Radautz  1887). 

Besonders  reichhaltig  ist  die  Literatur,  welche  die  in  Czernowitz  geplante 
Einführung  der  Canalisierung  und  Wasserleitung  hervorgerufen  hat.  Ich  führe 
im  Nachstehenden  die  wichtigsten  Arbeiten  in  chronologischer  Ordnung  an: 
„Das  Grundwasser  von  Czernowitz"  von  A.  Mikulicz  (Bukow.  Zeit.  1877. 
Nr.  5),  „Zur  Wasserversorguugsfrage  in  Czernowitz.  Expose^  und  Gutachten** 
von  Professor  Dr.  Pribram  (Czernow.  Zeitg.  1878  Nr.  287),  „Zur  Frage 
der  Städtereinigung  und  Reinhaltung  in  ihrer  Anwendung  auf  die*  besonderen 
Ortsverhältnisse  in  Czernowitz"  (Czernowitz  1879)  von  J.  Gregor,  „Ueber 
die  Be-  um!  Entwässerung  der  Landeshauptstadt  Czernowitz.  Gutachten,  be- 
treff'end  die  Wasserversorgungs-  und  Canalisirungsfrage"  (Wien  1880)  von 
O.  Burghart,   „Expose    über    die  Wasserversorgung    der  Stadt  Czernowitz*^ 


Digitized  by 


Google 


DiK  Forschungen  zur  Landeskunde  der  Bukowina.  17 

von  G.  Rapf  (Biikow.  Nachrichten  1889.  Nr.  150—151),  ,, Gutachten  über 
Wasserleitung  vom  Versuchsbrunnen  in  Rohozna"  (Czernowitz  1889)  von 
B.  Salbach,  „Bericht  an  den  löbl.  Gemeinderath  der  I^ndeshauptstadt  Czer- 
nowitz über  die  an  den  bestehenden  Wasserversorgungsanlagen  und  Canali- 
siningen  der  Städte  Breslau,  Dresden  u.  s.  w.  gemachten  Wahrnehmungen  mit 
Rücksicht  auf  die  in  Czernowitz  einzuffihrenden  dergleichen  Anlagen"*  von 
L.  West  (Czernowitz  1889),  „Bacteriologische  Untersuchungen  über  das 
Wasser  aus  dem  Versuchsbrunuen  in  Kohozna"  von  Dr.  W.  Philipowicz 
(Bukow.  Nachrichten  1889,  Nr.  312),  ,^Zur  Wasser  Versorgungsfrage  **  (Ebenda. 
1891.  Nr.  812  und  813)  und  „Regenfall  und  Canalbauten  in  Czernowitz" 
(Kbbenda.  1892.  Nr.  1092)  von  Prof.  Dr.  A.  Handl,  „Das  Project  der  Czer- 
nowitzer  Tiefquellenleitung"  von  E.  T rebbin  (Ebenda.  1891.  Nr.  818,  820, 
821  und  829),  schliesslich  „Die  Wasser  Versorgungsfrage  in  Czernowitz  in  ihrer 
Entwicklung  und  ihrem  gegenwärtigen  Stande"  (S.-A.  aus  d.  Czeruow.  Zeitg. 
1893)  von  L.  West. 

Die  Bukowina  bildet    auch    ein    reiches  Forschungsgebiet    in    historischer 
und  prähistorischer  Beziehung. 

Die  Pflege  der  Archäologie  wurde  von  der  anthropologischen  Gesellschaft 
und  der  k.  k.  Centralcommission  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst-  und 
Baudenkmaie,  seitens  der  letzteren  insbesondere  durch  die  Ernennung  von 
Conservatoren  angeregt.  Die  Herren  J.  v.  Gutter,  D.  Isopescul, 
H.  Kl  aus  er  und  C.  Romstorfer  gaben  stets  getreulich  von  jedem  Funde 
in  den  „Mittheilungen"  der  k.  k.  Centralcommission  Nachricht  (Siehe  Jahr- 
gang VI.  ff.).  Romstorfer  hat  überdies  auch  zusammenfassende  Berichte, 
wie:  „Funde  in  der  Bukowina^  (Mitth.  der  k.  k.  Central-Commission.  XV.  1889. 
S.  32—33),  „Typus  der  Klosterkirclien  in  der  Bukowina.*^  (Ebenda.  XVI.  1890. 
S.  47 — 53),  „Sereth  als  Fundort  archäologischer  Gegenjstände."  (Ebenda.  XVII. 
1891.  S.  80—83),  „Die  alte  gr.-or.  Pfarrkirche  in  Rewna"  (Ebenda.  Not.  245, 
S.  251 — 252),  „Die  griechisch-orientalischen  Pfarrkirchen  in  öolka  und  Arbora" 
(Ebenda.  XVIII.  1892.  S.  44— 47),  „Goldschmuck  aus  Merezei  in  der  Bukowina" 
(Ebenda,  XIX.  1893.  Not.  1,  S.  65—66),  „Das  Tatarendenkmal  bei  Wama^ 
(Ebenda.  S.  117 — 119  und  „Das  Bukowinaer  Landesmuseum"  (Wiener  Zeitg. 
1893.  Nr.  110)  veröffentlicht. 

Sehr  beachtenswert  ist  auch  die  Schilderung,  welche  Bischof  M  e  1  c  h- 
sidec  (f  28.  Mai  1892)  in  den  Annalen  der  Bukarester  Akademie  der  Wis- 
senschaften {AnnaleU  Academre  Romane,  Ser,  IL,  T,  VII  Sect  IL  W86\ 
p,  'J05 — 293)  von  dem  Besuche  einiger  Klöster  und  alter  Kirchen  in  der  Bu- 
kowina („o  visitä  la  cäteva  mänästirl  §i  biserict  antice  din  Bucovina^)  gibt, 
dann  Eugen  A.  Kozak's  Abhandlung,  betitelt :  ^Resultate  meiner  Forschungen 
im  Kloster  Socawica  (Archiv  f.  slav.  Pilologie,  hcrausg.  von  Jagic.  Bd.  XIV. 
S.  235 — 255  und  XV.  8.  161 — 204),  ferner  die  Beschreibung  der  Miroutzkirche 
in  Suczawa  {y^Beserica  Miräu^ilor  den  Suceava^  in  „Candela".  XI.  1892. 
S.  533-540,  600-612  und  669-079)  von  Prof.  1.  v.  Onciul.  Schliesslich 
verdienen  erwähnt  zu  werden  D.  O  1  i  n  s  c  h  i's  Mittheilungen  über  „die  Alter- 

Digitized  b^fi^^OOQlC 


18  POLEK : 

lliümer  der  Bukowina"  (Antichttä^  in  Bticovina)  im  Bulletin  der  geograpli. 
Gesellschaft  in  Bukarest  (1885),  dann  zwei  Aufsätze  von  Prof.  E.  Maximovici 
über  die  Bukowiuer  Kirchen  (^Bisericele  noastre,^  Gazeta  Bucovinei.  1892. 
Nr.  84  und  94)  und  über  den  „Christustypus  in  der  byzantinischen  Kunst  in 
Berücksichtigung  der  heimischen  Kirchenmalerei**  (Czemow.  Zeitg.  1893 
Nr.  80),  ferner  die  nachstehenden  Artikel  des  Milleschoutzer  Pfarrers  Basil 
Tomiuc:  „Die  Kirche  in  Badeutz  und  die  an  ihr  entdeckten  FrescomalereieD" 
{Biserica  din  Bädeu^i  §i  zugrävituri  fresco  descoperite  m  ea.  Gazeta  Bucovinei. 
1892.  Nr.  56  und  57),  „Die  Geschiclite  des  Dorfes  Mileschoutz  und  die  Ruineo 
der  Ispravnikswohnung"  (ist-oria  satulin  Mile§äu}i  fi  ruinile  deacoperite  ale  locu- 
In^i  ispravnieului.  Ebenda.  1893.  Nr.  14  und  15),  „Die  Geschichte  <ler  Kirche 
und  des  Dorfes  Arbora^  (istoria  bisericei  §i  a  satului  Arbure,  Ebenda.  Nr.  21' 
und  „aus  der  Geschichte  der  Kirche  in  Woronetz"  (din  istoria  bisericei  deh 
Vorone}.  Ebenda.  Nr.  37  und  38)  und,  last  not  hast,  die  Artikel,  die  Dr.  R 
F.  Kai  n  dl  in  der  „Bukow.  Rundschau**  (1890.  Nr.  880  und  909)  und  in  den 
„Bukow.  Nachrichten**  (1890.  Nr.  607,  664  und  665)  über  .das  Münzcabinel 
und  die  Alterthümersammlung  an  der  Universität  Czernowitz**,  beziehungsweise 
„das  Antiquitätencabinet  an  der  Universität  Czernowitz"  veröffentlicht  hat. 

Wenden  wir  uns  der  Orts-  und  Landesgeschichte  zu,  so  stossen  wir 
zunächst  auf  zwei  wohlbekannte  Namen :  W.  Schmidt  und  F.  A.  Wicken- 
hauser.  Die  Werke:  .^Suczawa^s  historische  Denkwürdigkeiten*^  (Czemowitz 
1876J  und  ^Komano-Catholici  per  Moldaviam  episcopatus  et  rei  Romano- Catho- 
licae  res  gestae^  (Budapest  1887)  geben  Zeugnis  von  der  Gelehrsamkeit  de:* 
ersteren ;  der  Sammelfleiss  des  letzteren  ist  aus  dessen  „Geschichte  und  Ur 
künden  des  Klosters  Solka^  (2.  Bdch.  des  Werkes  „Moldowa".  Czemowitz 
1877),  „Geschichte  der  Klöster  Homor,  St.  Onufri,  Horodnik  und  Petrouti" 
(Czemowitz  1881),  „Geschichte  der  Klöster  Woronetz  und  Putna"  (Czernowitz 
1886 — 1888),  „Geschichte  des  Bisthums  Radautz  und  des  Klosters  Gros^ 
Skit**  (Czernowitz  1890)  und  aus  seiner  „Moldauisch-  und  Kussisch-Kimpoluog 
und  die  Einwanderung  der  Lippowaner^  betitelten  Urkundensammlung  (Czer- 
nowitz 1891)  zu  ersehen. 

Hierauf  möchte  ich  gleich  zwei  jüngere  Forscher,  Söhne  des  Buchen- 
landes, nennen :  Professor  Dr.  O  n  c  i  u  1  und  Dr.  R.  F.  K  a  i  n  d  1.  Ersterem 
danken  wir  ausser  mehreren  gediegenen  Abhandlungen  aus  der  älterec 
moldauischen  Geschichte,  die  nicht  stricte  hierher  gehören,  Beitrage  „zur  Ge- 
schichte der  Bukowina**  (Jahresbericht  des  k.  k.  Obergjmnasiums  zu  Czer 
nowitz  1887.  S.  3 — 29)  und  ^zur  rumänischen  Streitfrage"  (Mittheilungen  i 
Instituts  f.  österr.  Geschichtsforschung.  Erg.  Bd.  II.  1887.  2.  Heft,  S.  277  bis 
294),  letzterem  ausser  einem  Beitrage  „zur  Geschichte  der  Stadt  Czemowitz 
und  ihrer  Umgegend"  (Czernowitz  1888)  und  einer  bis  in  die  Mitte  des  14.  Jahr- 
hunderts reichenden  „Geschichte  der  Bukowina"  (Czernowitz  1888)  die  schöne 
Studie:  „Wo  fand  der  erste  Zusammenstoss  zwischen  Hunnen  und  Westgothen 
statt?'*  (Mitth.  d.  Instituts  f.  österr.  Geschichtsforschung.  XII.  1891.  S.  304 
bis  311). 


Digitized  by 


Google 


Die  Forschungen  zur  Imndkskünde  der  Bukowina.  19 

Den  beiden  eben  genannten  Forschern  hat  sich  jetzt  als  dritter  der  Realschul - 
Professor  Dr.  Daniel  W  erenka,  ebenfalls  ein  Bukowiner,  zugesellt.  Dieser  hat 
im  Archiv  ftlr  österreichische  Geschichte  ^Bd.  78,  Wien  1892)  unter  dem  Titel: 
„Bukowina's  Entstehen  und  Aufblühen.  Zeit  Maria  Theresias "*  die  Erwerbung 
der  Bukowina  durch  Oesterreich  auf  Grund  eines  reichen  Actenmaterials  ge- 
schildert und  im  17.  Jahresberichte  der  Staats-Unterrealschule  im  5.  Bezirke 
Wiens  (1892)  „die  Verhandlungen  Oesterreichs  mit  der  Türkei  bezüglich  der 
Erwerbung  des  Bukowiner  Districts"  veröffentlicht.  Ein  anderer  Bukowiner, 
Prof.  V.  Prelicz,  hat  eine  ,,Goschichte  der  Stadt  Sereth  und  ihrer  Alter- 
thümer"  im  Jahresberichte  der  k  k.  Unterrealschule  in  Sereth  (Sereth  1886) 
drucken  lassen. 

Von  mir  stammt  ausser  einer  ^historischen  Skizze"  von  Czeruowitz 
(Oesterr.  Städtebu<^h.  Bd.  11.  Wien  1888.  S.  1—6)  und  ,  Ausgewählten  Capitelu 
aus  dem  Gedenkbuche  der  römisch-kath.  Pfarre  zu  Czernowitz"  (Czernowitz 
1890)  eine  Geschichte  der  „Erwerbung  der  Bukowina  durch  Oesterreich"*  (Czer- 
nowitz 1889). 

Schliesslich  weise  ich  noch  auf  die  schon  erwähnte  Broschüre  Prof. 
v.  Zieglau er's  hin:  „Der  Zustand  der  Bukowina  zur  Zeit  der  öster- 
reichischen Ocoupation.  Dargestellt  im  Spiegel  der  ersten  Denkschrift  des  com- 
mandirenden  Generals  Freih.  von  Spl^ny"  (Czernowitz  1S88)  und  führe  nur 
noch  einige  für  die  Kenntnis  des  gr.-or.  Kirchen wesens  dienende  Schriften  an, 
nämlich:  „Die  Griechisch-Gläubigen  in  Oesterreich-Ungarn''  von  H.  J.  Bider- 
mann  (Statistische  Monatschrift  X.  Wien  1884.  S.  :580— 413,  477—496), 
Prof  J.  V.  Onciurs  Geschichte  des  gr.-or.  Religionsfonds  (Ptindul  religionar 
gr.or,  al  BucoviTiei,  Cemäu^  1891)  und  die  „Apologie  der  orthodoxen  gr.-or. 
Kirche  der  Bukowin.a"  1.  und  II.  (Czernowitz  1885  und  1890),  sowie  die 
Entgegnungen  auf  dieselben  von  J.  Szych  („Apologie  der  orthodox,  gr.-or 
Kirche  der  Bukowina  Nr.  I.  und  II.  beleuchtet  von  einem  gr.-kath.  Seelsorger 
in  der  Bukowina".  Czernowitz  1890)  und  S.  Daszkiewicz  („die  Lage  der 
gr.-or.  Rutlienen  in  der  Bukowiner  Erzdiöcese".  Czernowitz  1891). 

Es  erübrigt  noch,  der  hervorragendsten  Werke,  welche  die  allgemeine 
Landes-  und  Ortskunde  zum  Gegenstande  haben,  sowie  der  aus  diesem  Zeit- 
räume stammenden  Kartenwerke  zu  gedenken. 

Erstere  sind:  ^Nikotorija  hütoriko-geograficzeakija  swydinia  o  Bukovini^ 
(Einige  histor.-geographischo  Bemerkungen  über  die  Bukowina.  Kiew  1875) 
von  G.  Kupczanko,  dann  „das  Königreich  Galizien  und  Lodomerien  und 
das  Herzogthum  Bukowina"  (Wien  1884)  von  J.  Jandaurek,  ferner  „ver- 
gleichende graphische  Statistik  in  ihrer  Anwendung  auf  das  Herzogthum  Bu- 
kowina" (Wien  1886)  von  C.  A.  Romstorf  er  und  H.  Wiglitzky,  end- 
lich „die  geographisch-statistischen  Verhältnisse  der  Bukowina"  von  E.  Wo- 
robkiewicz  (Lemberg  1893)  und  die  schon  erwähnte,  von  mir  herausgegebene 
„Beschreibung  der  Bukowina"  von  Spidny  (Czernowitz  1893).  Hier  seien  auch 
der  „Verwaltungsbericht  der  Landeshauptstadt  Czernowitz"  für  1887 — 1890 
(Czernowitz  1889,  1890  und  1892)  und  Prof.  Th.  Gartner's  Wortgeschichte; 
„Bukowiner  oder  Bukowinaer?"  (Czernowitz  1889)  genannt. 

Digitized  by  V^OOQIC 


20  Polbk:  Die  Foeschünoen  zur  Landeskunde  der  Bukowina. 

Unter  den  kartographischen  Darstellungen  steht  obenan  die  vom  k.  k.  mi- 
litär-geographischen  Institute  in  Wien  heraus«regobene  Speeialkarte  der  österr. 
ung.  Monarchie  (Wien  187G  1  :  7r).000).  Ausserdem  sind  zu  nennen  die  „Schul- 
wandkarte des  Herzogthnms  Bukowina"  (Wien  1877.  Fol.  1:110.200}  von 
M.  V.  Baumgarten  und  die  .,Administrativ-Karte  von  den  Königreichen 
Galizien  und  Lodomerien  mit  dem  Grossherzogthume  Krakau  und  dem  Her- 
zogthum  Auschwitz,  Zator  und  Bukowina"  (Wien  1880,  61  Bl.  1 :  115.200)  von 
B.  Kummerer  Ritter  von  Kummersberg.  Letzterer  hat  auch  einen  Plan 
von  Czernowitz  herausgegeben  (Wien  1880.  fol.  1:10.800).  In  grösserem  Mass- 
ßtübe  (1:5760)  ist  der  Plan  dieser  Stadt  von  L.  West  (Czernowitz  1888.  fol. 
Chromolith.j  entworfen  worden.  Von  Czernowitz  und  Umgebung  existiert  auch 
eine  schöne  Reliefkarte.  Sie  ist  im  Jahre  1889  von  E.  Gottfried,  Hauptmann 
des  41.  Infanterie-Regiments,  angefertigt  worden  und  befindet  sich  in  dein 
k.  k.  Militär-Mappenarehiv  in  Czernowitz. 

Um  auch  die  bibliographischen  Nachweise  nicht  mit  Stillschweigen  zu 
übergehen,  sei  erwähnt,  dass  R.  F.  K  a  i  n  d  1  Literaturberichte  in  den  von  ihm 
redigierten  „Buchen blättern"  (Bukow.  Rundschau.  1888.  Nr.  614  ff.)  und  in 
der  „romanischen-^  Revue  (VIL  S.  186—192  und  416-431,  VIII.  S.  618  bis 
626)  veröffentlicht  hat.  Nahezu  vollständig  (von  1773  bis  1892)  ist  die  landes- 
kundliche Literatur  der  Bukowina  in  m  eine  m  „Rückblick  auf  die  For- 
schungen zur  Landes-  und  Volkskunde  der  Bukowina  seit  1773"  (Czernowitz 
1892)  und  in  meinem  .^Repertorium  zur  landeskundlichen  Literatur  der  Bu- 
kowina" (Czernowitz  1892)  aufgeführt. 


Digitized  by 


Google 


Der  Christustypus 

in  der  byzantinischen  Kunst,  in  besonderer  Berücksichtigung  der 
heimischen  Kirchenmalerei. 

Vortrag^  gehalten  in  der  ersten  Hauptversammlung  der  Mitglieder  des  Bukowiner 
Landesmuseums.    Von  E.  Maximowicz, 

Es  war  mir  bis  jetzt  nicht  gegönnt,  die  byzantinische  Malerei,  wie  sie  in 
den  kirchlichen  Denkmälern  der  Balkanländer  oder  am  Berge  Athos  vorkommt, 
aus  eigener  Anschanung  zu  studieren.  Zum  Glück  haben  wir  aber  in  unserem 
Lande  mehrere  alte  Klosterkirchen,  bei  welchen  die  kirchlichen  Malereien  zum 
grossen  Theile  noch  erhalten  sind.  Ja  bei  der  Kirche  in  Suczawitza  sind  diese 
Malereien,  welche  die  Wände  im  Inneren  und  Aeusscren  vollständig  ausfüllen, 
bis  auf  einige  Beschädigungen  auf  der  Nordseite  des  Gebäudes  noch  vollständig 
erhalten.  So  kann  man  hier,  wie  es  kaum  bei  einer  zweiten  Kirche  vorkommen 
dürfte,  das  ganze  System  des  Bilderschmuckes  und  deren  Anordnung  studieren. 
Seitdem  ich  selbst  mit  der  malerischen  Ausschmückung  der  hiesigen  gr.-or. 
Kirchen  betraut  bin  und  hier  specielle  Studien  mache,  schenke  ich  diesen 
Kirchenmalereien  in  Suczawitza  noch  mehr  Aufmerksamkeit.  Die  eminente  Be- 
deutung dieser  Darstellungen  und  ihren  Zusammenhang  mit  der  byzantinischen 
Kunst  habe  ich  aber  erst  durch  das  Studium  des  höchst  interessanten  Werkes 
von  H.  Brockhaus:  ^Die  Kunst  in  den  Athosklöstern"  erkannt.  Zum  weiteren 
Verständnisse  der  Bilder  bietet  das  Werk  von  Dionysios  „Epfirjvefa  TfJ?  C^YP^" 
4^txfj$",  Handbuch  der  Malereien  vom  Berge  Athos,  einen  guten  Führer. 

Die  Gestalt  des  Erlösers  nimmt  in  diesen  Kirchenmalereien  natürlich  die 
hervorragendste  Stellung  ein  und  erscheint  auch  typisch  als  die  bedeutendste 
Figur.  Ich  will  hier  in  Kürze  die  Entstehung  dieses  Christustypus  vorbringen. 
Es  ist  bezeichnend  für  das  Christenthum  als  Keligion,  dass  verhältnissmässig 
ziemlich  spät  das  Bild  Christi  als  solches  auftritt.  In  den  ersten  Anfangen  der 
sogenannten  altchristlichen  Zeit  wird  Christus  nur  durch  Allegorien,  wie  das 
Lamm  etc.  oder  gar  nur  mit  dem  Monogramm  angedeutet.  In  den  auf  uns 
überkommenen  Wandgemälden  in  den  Katakomben  ist  Christus  der  Gegenstand 
vieler  solcher  sinnbildlicher  Andeutungen.  Das  liebevolle,  mit  dem  Gedanken 
an  den  Heiland  beschäftigte  Gemüth  fand  überall  leicht  Beziehungen  auf  ihn. 
Als  historische  Gestalt  wird  Christus  aber  fast  gar  nicht  dargestellt.  Geschieht 
dies,  so  ist  selbst  in  den  einzelnen  Bildern  da  keine  Spur  von  dem  Bestreben, 
eine  typische  Gestalt  zu  schaff'en.  Man  wollte  da  nur  eine  Erinnerung  an  die 
geistige  Bedeutung  des  Erlösers  haben.  Kß  scheint  dies  sogar  absichtlich 
geschehen  zu  sein,  um  auch  einem  Scheine  des  Götzendienstes  zu  entgehen,  da 


Digitized  by 


Google 


22  Maxikowicz  : 

man  doch  in  jeder  Hinsicht  von  den  Heiden  sich  unterscheiden  musste,  von 
welchen  die  Christen  umgeben  waren. 

Mit  der  Annahme  des  Christenthums  durch  Kaiser  Constantin  erst  erhielt 
das  Christenthum,  welches  bis  nun  nur  geduldet  war,  eine  besondere  Bedeutung 
für  die  Welt.  Jetzt  erst  konnte  das  Christenthum  sich  entwickeln,  neue  Sitten 
und  Verhältnisse  schaffen. 

Die  Anerkennung  des  Christenthums  als  herrschende  Religion  hatte  auch 
auf  die  bildende  Kunst  grossen  Einfluss.  Und  was  früher  nur  sinnbildlich  dar- 
gestellt wurde,  gewann  bestimmte  Formen.  Es  war  jetzt  natürlich,  dass  sich 
die  Christen  nach  einem  Bilde  des  Erlösers  in  seiner  historischen  irdischen 
Gestalt  sehnten.  So  wie  das  Bestreben  der  ersten  Christen  war,  durch  die 
Darstellung  Christi  nur  übernatürliche  Vorstellungen  zu  erwecken,  wollten  die 
zur  Macht  gelangten  Christen  ein  zuverlässiges  Bild  des  Heilandes  besitzen. 
Interessant  ist,  was  der  Kuustschriftsteller  Schnaase  über  die  Entstehung  dieses 
Typus  schreibt. 

Wirklich  regte  sich  denn  auch  dieser  Wunsch,  ein  zuverlässiges  Bild  des 
Heilandes  zu  besitzen,  sehr  frühe.  Schon  Constantia,  die  Schwester  des  Kaisers 
Constantin,  sprach  ihn  gegen  Eusebius,  den  berühmtesten  Bischof  von  Caesarea, 
aus.  Allein  dieser,  sonst  gegen  die  Wünsche  so  hochgestellter  Personen  ziemlich 
nachgiebige  Geistliche  willfahrt  ihr  nicht;  er  fragt,  was  sie  unter  dem  Bild- 
nisse Christi  verstehe;  nur  die  Knechtsgestalt  des  Heilandes  könne  sie  meinen, 
denn  als  in  dieser  seine  göttliche  Herrlichkeit  durchstrahlte,  bei  der  Verklä- 
rung, wären  selbst  seine  Jünger  nicht  im  Stande  gewesen,  den  Anblick  zu 
fassen.  Er  verweist  sie  auf  die  Worte  der  Schrift,  diese  allein  gewährten  ein 
Bildnis.  Constantia,  indem  sie  ein  Bildnis  von  dem  Bischöfe  fordert,  scheint 
vorausgesetzt,  aber  nicht  sicher  gewusst  zu  haben,  dass  es  ein  echtes,  beglau- 
bigtes Bildnis  gebe.  Eusebius  selbst  spricht  sich  darüber  nicht  aus;  er  erzählt 
zwar  m  einer  andern  Schrift,  dass  er  bei  den  aus  dem  Heidenthume  bekehrten 
Christen  alte  Bilder  von  Christus,  sowie  von  Petrus  und  Paulus  gesehen  habe, 
und  dass  solche  gemacht  und  auf  Tafeln  gemalt  wurden.  Er  erwähnt  hiebei 
namentlich  einer  Statue  Christi,  welche  dem  Gerüchte  zufolge  nach  persönlicher 
Aehnlichkeit  des  Herrn,  die  blutflüssige  Frau  des  Evangelii  in  der  Stadt  Cae- 
sarea— Philipp!  oder  Paneas  in  Palästina  errichten  lassen.  (Julian  der  Christen- 
feind Hess  diese  Bildsäule  umstürzen.)  Eusebius  missbilligt  diese  heidnische 
Aeusserung  des  Dankes  und  wird  also  auch  wohl  die  Echtheit  des  Porträts 
nicht  angenommen  haben.  Wenigstens  muss  aber  die  allgemeine  Meinung  gewesen 
sein,  dass  es  kein  zuverlässiges  Bildnis  des  Heilandes  gebe,  weil  sonst  der 
Bischof  bei  seinen  den  Bildern  ungünstigen  Ansichten  sich  näher  darüber  ge- 
äussert haben  würde,  und  weil  überhaupt  die  Verschiedenheit  der  Meinungen 
über  Christi  Gestalt  dann  leicht  geschlichtet  gewesen  wäre. 

Die  ältere  Meinung,  welche  schon  Justin  der  Märtyrer  (um  VSO)  und 
nach  ihm  Andere  ausgesprochen  und  endlich  Tertullian  (f  220)  mit  grosser 
Heftigkeit  vertheidigt  hatte,  und  welcher  noch  Eusebius  auhieng,  hielt  fest  daran, 
dass  der  Heiland  in  hässlicher  Knechtsgestalt  erschienen  sei.  Bald  aber  wider- 
strebte dies  dem  Gefühle;     der  Heiland  musste  auch  in   seinem    irdischen  Er- 


Digitized  by 


Google 


DbB   ChRISTÜSTYPUS   in   DBB   BYZANT.    KuNST.  23 

scheinen  seiner  göttlichen  Natur  würdig  gewesen  sein.  Spätere  Kirchenväter 
Chrysostomus  (f  407),  Hieronymus  (f  420)  beziehen  schon  die  Beschreibung 
der  Schönheit  im  Psalm  45  auf  ihn,  und  diese  Ansicht  wurde  immer  mehr  die 
hen-schende;  auch  die  berühmten  Kirchenlehrer  Ambrosius  und  Augustinus 
theilten  sie.  Eine  bestimmte  Gestalt  hatten  aber  auch  diese  Kirchenväter  nicht 
vor  Augen.  Augustinus  bemerkt  ausdrücklich,  dass  Christi  Gesichtsbildung 
uns  völlig  unbekannt  sei,  und  dass  sie  daher  nach  der  Mannigfaltigkeit  der 
Gedanken  höchst  verschieden  dargestellt  werde.  Auch  schwankte  man  wohl 
noch  lange  zwischen  historischer  und  symbolischer  Darstellung. 

Die  neue  Ansicht  von  der  Schönheit  des  Herrn  gab  allerdings  eine  ge- 
föhrliche  Anregung  heidnischer  Gefühle.  Eine  byzantinische  Sage  erzählt  von 
einem  Maler,  der  es  gewagt  habe,  das  Bild  des  Erlösers  mit  den  Zögen  eines 
Jupiter  darzustellen;  darüber  sei  ihm  die  Hand  erstarrt,  und  nur,  nachdem  er 
reuevoll  gebeichtet,  durch  ein  Wunder  des  Erzbischofs  Gennadius  wieder  her- 
gestellt worden.  In  einer  Kuppel  der  Kirche  in  Suczawitza  befindet  sich  ein 
Christus,  deesen  Züge  an  Jupiter  sehr  erinnern.  Die  grauen  Haare  und  Bart 
dieses  Bildes  geben  förmlich  eine  Statue  wieder. 

Um  solchen  Uebeln  zu  entgehen,  musste  man  daher  wünschen,  ein  be- 
glaubigtes Bild  zu  besitzen,  und  es  entstanden  nun  seit  dem  fünften  oder  sechsten 
Jahrhundert  Sagen,  welche  die  Entstehung  eines  solchen,  und  zwar  nicht  durch 
gemeine  Kunst,  sondern  auf  übernatürlichem  Wege  erzählten. 

Die  zuerst  verbreitete  wai  die  von  dem  Könige  Abgarus  von  Edessa  in 
Mesopotanieu.  Eusebius  erzählt  bloss  von  der  Heilung  dieses  entfernten,  aber 
darch  die  Nachricht  von  Christi  Wundern  angeregten  Zeilgenossen  des  Herrn, 
und  zwar  so^  dass  sie  durch  einen  von  Christo  abgesendeten  Apostel  ver- 
mittelt wird. 

Der  armenische  Geschichtsschreiber  Moses  von  Chorene  im  ftlnften  und 
der  Grieche  Euagriui^  im  sechsten  Jahrhundert  fügen  aber  hinzu,  dass  Christus 
deni  Boten  Abgarus  sein  wunderbar  in  ein  Tuch  eingedrücktes  Bild  mitgegeben 
habe.  Andere  griechische  Schriftsteller  wiederholen  die  Sage  und  wissen  von 
Wundern  zu  erzählen,  die  durch  das  Bild  bewirkt  seien,  welches  endlich  im 
Jahre  944  feierlich  von  Edessa  nach  Constantinopel  gefuhrt  wurde  und  sich 
später  in  Rom  in  St  Silvester  befunden  haben  soll.  Die  verwandte  Sage  vom 
Veronikabilde  scheint  späterer,  und  z»var^ abendländischer  Entstehung.  Die  Sage 
ist  folgende:  Es  heisst,  dass  die  hl.  Veronika  dem  das  schwere  Kreuz  am 
Passionswege  tragenden  Christus  mit  einem  Tuche  den  Schweiss  vom  Gesichte 
abgetrocknet  habe  und  dass  auf  diesem^  Tuche  ein  Abbild  Christi  zurück- 
geblieben sei.  Zwar  nennt  schon  ein  griechischer  Schriftsteller  zu  Justinians 
Zeit  die  blutflüssige  Frau,  der  man  die  Christusstatue  in  Paneas  zuschrieb, 
Beronike,  aber  die  ausfuhrliche  Legende,  dass  sie  ein  auf  einem  Tuche  oder 
auf  einem  Stücke  seines  Kleides  abgedrucktes  Bild  des  Herrn  besessen,  welches 
dann  Heilung  eines  römischen  Kaisers  bewirkt  und  die  Zerstörung  Jerusalems 
als  Strafe  für  den  Tod  Christi  herbeigeflihrt  habe,  kommt  zuerst  in  einer  angel- 
sächsischen Handschrift  des  elften  Jahrhunderts,  und  demnächst  mit  manchen 
Veränderungen  bei  späteren  abendländischen  Schriftstellern  vor.  ludessen  hatte 


Digitized  by 


Google 


24  Maximowioz  : 

man  auf  byzantinischem  Boden  schon  im  sechsten  Jahrhundert  Tücher  mit  dem 
Bilde  des  Herrn,  und  zwar  mit  den  Wundenmalen,  welche  man  als  Grablüoher 
desselben  verehrte  und  es  dahin  gestellt  sein  Hess,  ob  das  Bild  darauf  wunder- 
barerweise entstanden  oder  durch  Malerei  zur  Erinnerung  an  das  Leiden  de« 
Herrn  und  zur  Bezeichnung  der  Bedeutung  des  Tuches  hinzugefügt  sei. 

Auch  zeigte  man  schon  im  sechsten  oder  doch  im  achten  Jahrhundert 
Marienbilder,  die  man  dem  Evangelisten  Lucas,  der  auch  Maler  gewesen, 
zuschrieb.  Endlich  kommen  gegen  das  Ende  des  sechsten  Jahrhunderts  mehr- 
fache Bilder  vor,  welche  man  ohne  nähere  Angabe  ihrer  Geschichte  als  „oi<ht 
von  Menschenhänden  gemacht''  (a^e^poTcotr^ai)  bezeicTinetc,  und  den  Beweis  ihrer 
Echtheit  nicht  durch  schriftliche  Urkunden,  sondern  vermöge  dadurch  bewirkter 
Wunder  führte.  Um  diese  Zeit  ist  denn  nun  auch  jeder  Widerstand  der 
Kirchenlehrer  gegen  die  Bilder  verschwunden,  und  am  Ende  des  siebenten 
Jahrhunderts  erklärte  sogar  eine  Synode,  dass  die  Darstellung  der  menschlichen 
Züge  des  Erlösers  der  althergebrachten  Abbildung  des  Lammas  vorzuziehen 
sei.  Begreiflicher  Weise  mussten  sich  schon  vorher  die  Züge  des  Antlitze> 
Christi  festgestellt  haben,  von  welchen  die  Kunst  fernerhin  nicht  abweichen 
durfte.  Daher  mag  das  unstreitig  unechte  Schreiben  eines  gewissen  Lentulus, 
den  man  unhistorisch  zum  Vorgänger  des  Pilatus  in  der  Statthalterschaft  von 
Palästina  machte,  obgleich  es  erst  von  einem  Schriftsteller  des  elften  Jahr- 
hunderts uns  mitgetheilt  wird,  wohl  schon  um  diese  Zeit  entstanden  sein.  In 
diesem  angeblich  an  den  römischen  Senat  gerichteten  Briefe  wird  Christus  als 
ein  Mann  von  stattlichem  Wüchse  beschrieben,  mit  dunklem  gescheiteltem 
Haare,  heiterer  Stirn,  fleckenlosem  Gesichte,  Nase  und  Mund  ohne  Tadel,  den 
Bart  stark  röthlich,  nicht  lang,  sondern  geschnitten,  die  Augen  leuchteo'i 
Dieser  Schilderung  entsprechen  denn  auch  die  Ohristusbilder  schon  sehr  frühe. 
und  wir  können,  bei  aller  Dürftigkeit  des  Materials,  doch  einigermassen  ersehen, 
wie  sich  das  Ideal  allmälig  feststellte.  Auf  einem  Sarkophage  in  der  Knpta 
der  Peterskirche,  der  vielleicht  noch  dem  vierten  Jahrhundert  angehören  mag, 
kommt  dieser  Typus  zuerst  und  zwar  neben  Darstellungen  des  jugendlichen 
Christus  vor.  Vom  Anfange  des  fünften  Jahrhunderts  an  finden  wir  diesen 
immer  mehr  ausgeprägten  Typus  in  einer  Reihe  von  kirchlichen  Mosaiken, 
unter  denen  die  in  der  Taufkirche  St.  Giovanni  zu  Ravenna  und  am  Triumpf- 
bogen  der  Paulskirche  bei  Rom  die  ältesten  sein  mögen.  In  allen  sehen  wir 
verwandte  Züge,  das  getheilte,  herabfallende  Haar,  meistens  auch  einen  kurzen 
Bart  am  Kinn.  Höchst  ausgebildet  erscheint  dieser  Typus  besonders  au  einem 
Bru.stbilde  in  den  Katakomben,  welches  wir  zwar  nicht  den  meisten  Malereier. 
dieser  Räume  gleichzeitig,  aber  doch  auch  wohl  nicht  später  als  in  das  siebente 
Jahrhundert  setzen  dürfen.  Uebrigens  erhielt  sich  neben  diesem  Typus  noch 
lange  die  Darstellung  des  jugendlichen,  bartlosen  Heilandes,  die  man  vorzagv 
weise  da  anbrachte,  wo  es  sich  um  eine  symbolische  Auffassung  oder  um 
höchste  Verklärung  handelte,  während  der  bärtige  Typus  bei  mehr  historischen 
Scenen  oder  bei  zur  Anbetung  bestimmten  Bildern  vorherrschte.  So  ist  in 
St.  Nazaro  e  Celso  zu  Ravenna  der  gute  Hirte  in  voller  Jugendschönheit, 
gegenüber  aber  der  Heiland,  der   gewisse   ketzerische    oder    heidnische  Bücher 


Digitized  by 


Google 


Deb  Cheistüstypüs  in  der  byzant.  Kunst.  25 

verbrennt,  männlich  und  bärtig,  in  St.  ApolJinare  nuovo  daselbst  in  einem 
chronologischen  Cyolus  des  Lebens  Christi  in  den  Passionsscenen  seine  Gestalt 
bärtig,  bei  seinen  Wundern  und  Reden  aber  jugendlich  dargestellt.  Eine  blei- 
bende Regel  bildet  sich  aber  nicht,  und  wir  finden  selbst  bei  der  Kreuzigung, 
nachdem  diese  zugelassen  war,  oft  die  jugendliche  Auffassung. 

Durch  die  Uebcrlieferung  ist  fast  nur  der  Typus  Christi  im  Maunesalter 
auf  uns  überkommen  und  wir  finden,  dass  dieselben  charakteristischen  Merk- 
male bei  den  heutigen  Bildern  geblieben  sind.  Eine  Stellung  des  Gesichtes 
genau  en  face,  herabfallendes  langes,  am  Scheitel  getheiltes  Haar  von  nuss- 
brauner  Farbe,  kurzer  nicht  reichlicher  Bart,  das  Gesicht  voll  Ernst  aber  ohne 
Herbheit  charakterisiert  den  Typus  Christi.  Jedenfalls  gibt  jeder  Künstler 
etwas  eigenartiges  diesem  Typus,  je  nach  seiner  Auffassung.  Interessant  ist  für 
uns  in  dieser  Hinsicht  die  Auffassung  zweier  moderner  Maler,  des  Malers 
•lobst,  der  gerade  mit  der  Ausschmückung  der  Kathedralkirche  beschäftigt  ist, 
einerseits,  und  andererseits  die  unseres  verstorbenen  Diöcesanmalers  Buczewski. 
Von  Jobst  ist  die  malerische  Ausschmückung  der  Kirche  im  Seminar  und  die 
crzbischöfiiche  Kapelle  in  der  Residenz  hier  zu  erwähnen.  Von  Buczewski  wäre 
beispielsweise,  weil  nahe  an  Czernowitz  gelegen,  die  Ikonostasis  der  Kirche  in 
Rewna  zu  nennen.  Wenn  man  diese  künstlerisch  bedeutenden  Arbeiten  ver- 
gleicht, wird  man  merken,  dass  bei  gleicher  Absicht,  stylgerechte  Kirchenbilder 
zu  schaflfen,  dennoch  da  eine  grosse  Differenz  in  der  .Auffassung  auftritt.  Jobst, 
Jer  heute  zu  den  bedeutendsten  Kirchenmalern  gehört,  bringt  einen  strengeren 
und  archaistischen  Typus  zur  Darstellung,  während  Buczewski  auch  die  byzan- 
tinischen Bilder  in  dem  an  der  Antike  und  der  Renaissance  geläuterten  und 
modificierten  Geschmacke  ausführte. 

Die  Christusgestalt  in  der  byzantinischen  Kunst,  wie  sie  uns  besonders 
in  der  mythisch  erhabenen  Mosaikdarstellung  in  den  byzantinischen  Kirchen 
entgegentritt,  ist  die  bedeutendste  Figur  in  der  Kirchenmalerei  und  hat  somit 
einen  besonderen  Typus  erhalten,  welcher  gewiss  durch  seinen  Ernst  und  Feier- 
4ichkeit  zur  Andacht  zu  stimmen  geeignet  ist. 

Leider  muss  man  sagen,  dass  während  in  der  Zeit  der  Renaissance  die 
berühmtesten  Künstler  des  Abendlandes  sich  der  Kirchenmalerei  in  den  Dienst 
gestellt  haben,  in  den  orientalischen  Kirchen  mehr  durch  eine  schablonenmässige 
und  unverstandene  Nachahmung  des  Hergebrachten,  statt  die  Veredlung  der 
Formen  in  den  Grenzen  der  überlieferten  Einfachheit  weiter  zu  bilden,  in  den 
letzten  Jahrhunderten  eine  Erstarrung  der  Typen  platzgegriffen  hat.  Der  Grund 
liegt  eben  darin,  dass  die  bedeutenden  Künstler  weniger  mit  diesen  Arbeiten 
betraut  und  diese  Malereien  mehr  zunftmässig  betrieben   wurden. 

Wie  die  Pflege  der  Kunst  überhaupt  im  Osten  erst  in  der  neueren  Zeit 
vom  höheren  Standpunkte  erfasst  wird,  sind  erst  jetzt  wieder  bessere  Zustän<le 
da  eingetreten. 

In  unserem  Lande  war  meinem  Vorgänger  in  der  Diöcesanmalerei,  Bu- 
czewski, die  Aufgabe  zu  Theil,  eine  Renaissance  der  byzantinischen  Kirchen- 
malerei anzubahnen,  indem  er  durch  entsprechende  Elemente  aus  der  Kirchen- 
kunst des  Abendlandes,  besonders  durch  die  Arbeiten  von  Führich  und  Schnorr 


Digitized  by 


Google 


26  Maximowioz: 

angeregt,  die  byzantinische  Malerei  aus  ihren  barocken  Formen  herauszog  und 
Typen  schuf,  welche,  ähnlich  den  letzten  Arbeiten  der  südslavischen  Kirchen- 
maler, durch  ihren  Enist  und  ihre  gut  gezeichneten  Formen  wirken,  und  dabei 
den  Ernst,  welcher  in  der  byzantinischen  Malerei  gelegen  ist,  bewahren.  So 
wirken  seine  hier  im  Lande  sich  befindenden  Kirchenbilder  vornehm  und  feier- 
lich. Ja  in  seinem  Hauptwerke,  der  Ikonostasis  im  Dome  zu  Agram,  hat  er 
eine  für  die  byzantinische  Malerei  bahnbrechende  Arbeit  geliefert. 

Es  lässt  sich  der  von  mir  gewählte  bedeutende  Stoff,  wie  es  der  Christus- 
typus iu  der  byzantinischen  Kunst  ist,  im  Kahmen  eines  Vortrages  nicht  genug 
erschöpfen.  Da  ich  aber  durch  meine  Thätigkeit  diesem  Stoffe  näher  stehe, 
hoffe  ich  auch  in  dieser  kurzen  Auseiandersetzung  eine  überzeugende  Ansicht 
ausgesprochen  zu  haben. 


Digitized  by 


Google 


Ortschafts  Verzeichnis  der  Bukowina 

Herausgegeben  von    Dr.  J.    P  0  I  6  k. 

Die  soeben  unter  dem  Titel :  „General  Spl^ny's  Beschreibung  der  Buko- 
ina"  (Czemowitz  1893)  von  mir  herausgegebene  Denkschrift  ist  (im  Manu- 
ripte)  mit  einer  „Tabelle"  versehen,  die  wegen  technischer  Schwierigkeiten 
das  kleine  Büchlein  nicht  aufgenommen  werden  konnte.  Gleichwohl  ist  diese 
ibelle  der  Veröffentlichung  wert ;  denn  sie  stellt  das  älteste  Ortschaftsver- 
ich nis  der  Bukowina  dar.     Mag  sie  also  hier  ein  Plätzchen  iinden. 

Die  Tabelle  enthält  auch  Namen  von  solchen  Ortschaften,  die  heute  nicht 
*r  Bukowina  angehören,  sondern  in  Bessarabien  und  in  der  Moldau  liegen, 
as  beeinträchtigt  jedoch  ihren  Wert  nicht  im  geringsten.  Im  Gegentheile, 
eser  wird  dadurch  nur  noch  gesteigert;  denn  jene  gegenwärtig  jenseits  der 
ukowiner  Grenzen  liegenden  Ortschaften  waren  mehr  als  ein  volles  Jahr  im 
esitze  Oesterreichs. 

Bei  ihrem  Einmärsche  in  die  Moldau  im  Herbste  1774  hatten  die  öster- 
iichischen  Truppen  einen  Oordon  von  Preworodek  am  Dniester  über  Dobro- 
3utz,  Czernawka,  Toporoutz,  Stanahora,  Czernowitz,  Ostrica,  Molodia,  Berlince, 
ereth,  Kalafindestie,  Sereth,  Suczawa,  Kapukodrului,  Wama,  Kimpolung  und 
'oma  bis  nach  Siebenbürgen  hin  gezogen.  ')  Diese  Grenze  erschien  mit  Recht 
em  Commandanten  der  Besatzungstruppen  General  Gabriel  Freiherm  von 
pl^ny  fehlerhaft.  Sie  gewährte  nicht  nur  den  Hauptorten  des  Occupations- 
ebictes  und  der  zur  Verbiüduug  Galiziens  mit  Siebenburgen  daselbst  projec- 
erten  Strasse  keinen  Schutz,  sondern  begünstigte  auch  noch  die  Desertion, 
[it  Bewilligung  des  galizischen  General-Commando's  rückte  daher  Spl6ny  noch 
M  Winter  1774/75  gegen  Osten  und  Süden  weiter  vor.  ^) 

Jetzt  lief  die  Grenzlinie  von  Preworodek  am  Dniester  über  Kokschan 
em  Bergrücken  des  Bukowiner  Waldes  entlang  bis  zur  Quelle  des  Rokitna- 
«iches.  Diesem  Bache  folgte  siiB  abwärts  bis  zu  seiner  Einmündung  in  den 
^•uth,  gieng  hierauf  diesen  Fluss,  dann  den  Herza-  und  Tirnafkabach  hinauf, 
Lara  nach  Ueberschreitung  einer  300  Schritte  langen  Wasserscheide  an  den 
dolnicabach  und  erreichte,  dem  eben  genannten  Bache  und  dem  Serethflusse 
entlang  sich  ziehend,  bei  der  Einmündung  des  grossen  Somusch  (Samusel  mare) 
n  den  letzteren  den  äussersten  Punkt  im  Süden.    Hier  bog    sie    nach  Westen 


')  Polek,  Die  Erwerbung  der  Bukowina  durch  Oeeterreich  (CzemowiU  1889).  S.  24  f. 
•j  Spl^ny's  Beschreibung  der  Bukowina.  S.  12  f. 


Digitized  by 


Google 


28  Polek: 

um,  lief  zuerst  den  Samusel  niare  und  den  Lamescheiierbach  hinauf  und  a 
sich  dann  in  der  Länge  von  800  Sehritten  über  freies  Feld  zum  Samusel  ni 
(kleinen  Somusch),  deu  sie  bei  der  Einmündung  des  Samusel  Baja  wieder  \a 
verliesB,  um,  abermals  ein  freies  Feld  durchschneidend,  au  die  Moldawa  i 
gelangen.  Diesen  Fluss  begleitete  sie  bis  zum  Suchabach,  iibersattelte  an  den 
Quelle  den  Berg  Munecl,  folgte  hierauf  dem  Laufe  des  Negrilassii-  und  *i< 
Slatiorabaehes  und,  nach  IJebersattelung  des  Uareu,  auch  des  Asmabachps  d< 
goldenen  Bistritza  und  der  Niagra-Dorna  und  endigte  jenseits  iles  Berges  h 
linassa  an  dem  Ostrande  Siebenburgens.  M 

Bevor  der  österreichische  Internuntius  in  Constantinopel,  Franz  Mari 
Freiherr  von  Thugut,  von  dieser  Grenzerweitcrung  unterrichtet  wurde,  hati»-« 
dem  Keis  Efendi  nebst  einem  auf  die  Erwerbung  der  Bukowina  bezügliclifl 
„Memoire"  auch  einen  „Abriss*^  einer  Karte  des  im  Herbste  1774  besetzt« 
moldauischen  Gebietes  tiberreicht.  -)  Diese  Karte  bildete  nunmehr  die  (iruDi 
läge  der  Verhandlimgen,  und  weder  der  Minister  noch  der  Grossherr  j^esii 
teten  eine  Veränderung  zu  Ungunsten  der  Türkei. 

In  dem  Vertrage  vom  7.  Mai  1775,  worin  „die  fjäudcrcicn  zwischeinlet 
Dniester,  Pocutien,  Ungarn  imd  Siebenbürgen"  für  innner  an  Ocsterreich  abp 
treten  wurden,  wurde  eine  (irenziinie  bestinunt,  derzufolgc  Dorna-kandrts 
Stulpikani,  Kapukodrubii,  Suczawa,  Sereth  und  Czernowitz  österreichisch  seiiH 
dagegen  die  zur  Festung  Chotin  gehörigen  Grundflächen  de:-  Türkei  verbleil« 
sollten. 

Bei  der  definitiven  Abgrenzung,  die  Mitte  September  1775  begann  ^ 
in  dem  Palamutkaer  Vertrage  vom  2.  Juli  1776  ihren  Abschluss  fand,  bcbauf 
tete  zwar  Oesterreich  beträchtliehe  Strecken  im  Süden,  dagegen  gelang  esila 
nicht,  die  Ostgrenze  in  der  gewünschten  Weise  durchzusetzen.  Es  musste  nifi 
nur  die  grosse  Enclave  zwischen  dem  Sereth  und  der  Suczawa  herausgtK« 
und  statt  des  Herza-  und  Thuriatkabaches  den  Lukabach  als  Grenze  annelini« 
sondern  auch  die  Hälfte  des  ßukowiner  Waldes  cfen  Türken  überlassen,  intif 
es  den  bei  Onuth  in  den  Dniester  mündenden  Czarny  potok  als  Nordostgr^i 
fesstellen  Hess.  Nur  so  viel  setzte  es  noch  durch,  dass  ihm  tur  das  zwistt« 
Onuth  und  Preworodek  gelegene  Gebiet  9  Gomarken  zwischen  dem  Huk« 
und   Rokitnabach  zugesprochen   wurden.  ^) 

Die  der  Türkei  zurückgegebenen  Gebietstheile  waren  verhaltnissmassi?^^ 
bevölkert.  Demnach  ist  durch  die  Abgrenzung  die  Zahl  der  Ortschaften  jh«i 
die  der  Einwohner  beträchtlich  vermindert  worden. 

Das  Spleny'sche  Verzeichnis  weist  290  Ortschaften  mit  62  Attincntf 
aus;  die  Gesammtbevölkerung  des  Districts  wird  darin  mit  17.047  Familw 
beziffert.  Davon  sind  Oesterreich  277  ganze  und  55  Attinenzcn  mit  eia< 
Bevölkerung  von  ungefähr  14.650  Familien  oder  75.000  Seelen  verblicitf« 
Aber  auch  die  Zahl  der  Klöster  hat  eine  Verminderung  erfahren.  Es  tiek 
zwei  grosse  und  drei  kleine  Klöster  weg, 

»)  Ebenda.  S.  S—VI. 

*)  Hortuuzaki,  Documente  privit(5re  la  istoria  liomänilor.  VII.  p.  125. 

9;  Polek,  a.  a.  O.  S.  38—48. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Ortschaftsverzeichnis  der  Bukowina  a.  d.  Jahre  1775.  29 

Dis  beiden  Haudschriften  '),  worin  das  Spl^nyVhe  Ortschaftsverzeiohnis  auf 
18  gekommen  ist,  stimmen  bis  auf  einige  Schreibfehler,  die  sich  in  der  Copie  des 
k.  Staatsarehives  finden,  überein.  ^) 

Der  Wiedergabe  habe  ieh  die  Handschrift  des  k.  k.  Kriegsarcliives  zu 
runde  gelegt  und  am  Scidusse  ein  alphabetisches  Register  beigefügt,  worin 
e  Xanien  der  in  der  Bukowina  liegenden  Ortschaften  und  Klöster  sowohl  in 
r  von  Spleny  gebrauchten  als  auch  in  der  heute  zumeist  (so  z.  B.  von  der 
k.  statistischen  Central-Commission  in  dem  Special  Ortsreportorium  der  Buko- 
na.  Wien  188;'))  angewendeten  Schreibw^eise  aufgeführt  erscheinen. 

Schliesslich  sei     noch     bemerkt,  dass  ich  die  Namen    der    an    die  Türkei 
rüt^kgefallenen  Ortschaften  und   Klöster  mit  einem  Sternchen  bezeichnet  habe. 


*)  Ueber  diese  Handschriften,  trovon  die  eine  in  dem  k.  und  k.  Kriegsarehive,  die  andere 
dena  k  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchive  aufbewahrt  wird,  findet  der  Leser  Näheres  in  der 
rrede  zu  Spl^ny'a  „Beschreibung  der  Bukowina.** 

*)  So  wird  die  Anzahl  der  Familien  von  Rosch  mit  240  statt  mit  146,  vom  ganzen  Be- 
ke  ^Dniester**  mit  1190  statt  mit  1800  ausgewiesen.  Statt  Csernanka  ist  Osernauka,  statt  Schipeniz 
liltencz,  statt  Piedikanze  Picelikauze,  statt  Groschen  (irosclien,  statt  Csortorie  Csorrorie,  statt 
**ti  Joesti  etc.  geschrieben.  Endlich  fehh  in  dem  mit  „Mittel"'  bezeichneten  Bezirke  neben  Le- 
irek  die  Ortschaft  Koto  ihkI  m  dem  Veizeichnisse  der  Klöster  das  Kloster  Slatiua.  ^-^  , 

Digitized  by  V:iOOQIC 


30 


POLEK : 


TABELLA 


nachbenannter  in  dem  Kaiserlichen  Königlichen  Bukoviner  Dintrict  »ich  befindlichen  OrtschaKi 
grosen,  mittleren  und  kleineren  Standespersonen,  Popen,  Bauern,  (lerichtsdienern,  KaiifN 
Armeniern,  Juden,   vagirenden  Zigeunern    und    Monasterien    sowohl    mann-    als    weiblichen  •! 

bchlechts,  als: 


'S 

1 

< 

<    - 

N  ^P  111  i  n  n 
der  (>  r  l  Kr  h  u  f  1  i^  n 

deren  /.ii  *>rt- 

1 

j 

1 

< 

SUtndmp. 

Oerlchtsdien 

er 

n 

Ii 

s 

es 

i 

c 

09 

1 

3 
< 

OD 

a 

e 

1 

Städtel  Czernovitz 

1 
Klokucska 

1 

2 

1 

4| 

10 

48 

18 

18 

78i    ': 

2 

Roschusch 

5 

2 

113 

5 

1 

20     |ll 

3 

Mihalcze 

4 

2 

49 

1 

4 

Karoina 

1 

45 

1 

5 

Kut«urmare 

2 

181 

ii 

6 

Voloka 

2 

62 

i 

7 

Korovie 

32 

8 

Mologye  und  Czahor 

2 

133 

1 

1 

1 

:; 

9 

Paginsky 

1 

14 

10 

Lukavicza  de  Sus    . 

2 

1 

37 

1 

h 

11 

Lukavicza  de  Csos 

2 

32 

<a 

12 

Mamornicza 

2 

1 

50 

2 

H 

13 

Ostricza 

2 

81 

2 

- 

14 

Horetze 

1 

32 

1 

1 

' 

— 

15 

Bauern  v.  Monaster  Horetze 

20 

1    .  1 

> 

16 

PhilippouU  * 

1 

27 

1      i 

O 

17 

Ternaf ka  * 

1 

2 

71 

c 

18 

Reatzka* 

2 

50 

!    '  ^ 

u 

19 

Zentln  * 

10 

1 

11 

1   ' 

0) 

20 

Mollnicza  * 

42 

( 

N 

21 

Sinichau  * 

2 

37 

o 

22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 

Godinesti  ♦ 

Picesti  * 

Fondoja  *  und  Kuliczen  * 

MogoHchesti  * 

Poda  de  Sus  * 

Poda  de  Csos  * 

Nova  Szeletz* 

. 

2 

1 

1 
3 
3 

4 

1 

1 

1 
1 
1 

30 
21 
32 
24 
5 
17 
16 

"" 

! 

« 
i 

Summa     . 

1 

•A 

28 

14 

43 

1312 

25 

25 

lOO 

_-1:j 

Digitized  by 


Google 


Obtschaftsvbbzbtohnis  dkb  Bukowina  a.  d.  Jahbb  1775 


31 


—  * 

II 

Nomina 
der  Ortschaften 

Nomina 
deren  zu  Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 

i 

< 

Standesp. 

1 

£ 

s 

Geriohtsdiener 

es 
E 

s 

s 

Cß 

'S 
o 

< 

1 

es 

1 

1 

S 

1 
< 

00 

C 

e 

0Q 

1 

1 

Strojeste  de   Cboh 

10 

10 

2 

Strojeßtie  de  Siis 

2 

1 

24 

27 

3 

Nova  SzelleU** 

10 

10 

4 

Lehecflen 

41 

41 

5 

Bojana 

2 

291 

293 

6 

Kat^ul  Ofitricze 

32 

32 

7 

Machala 

1 

68 

69 

8 

Raransche 

2 

66 

1 

69 

9 

Toporauz 

2 

142 

144 

10 

Csernauka 

1 

61 

62 

11 

ächerautzi 

1 

86 

87 

12 

Szadupriuka 

1 

33 

34 

13 

Szadagura 

1 

179 

180 

14 

RohoBzna 

4 

2 

49 

55 

15 

CBUcska 

1 

88 

2 

91 

16 

Lincesti 

ii 

34| 

1 

36 

17 

Szubranek 

3 

3 

81 

1 

88 

kl 

18 

Matnajesti 

Rewnau.  Bordien 

2 

1 

220 

221 

19 

Luzan 

1 

2 

86 

89 

•C 

—» 

20 

Schipeniz 

1 

1 

2 

85 

89 

3 

21 

Dubovetz 

2 

64 

66 

tm 

22 

Perhomet 

35 

36 

C-i 

23 
24 

Bevekauze 
Piedikauze 

2 

8 

32 
10 

33 

20 

25 

Niepolokautze 

5 

49 

i 

1 

55 

26 

Groschen 

1 

2 

87 

90 

27 

Ivankautz 

4 

11 

25 

1 

42 

28 

Havrilesty 

28 

29 

29 

Davidesti 

3 

42 

45 

30 

KJiwodin 

2 

61 

63 

31 

Szochovercha 

2 

37 

39 

32 

Kotzmann 

7 

6 

128 

141 

33 

l^aszkiuka 

2 

86 

88 

34 

Vitiliuka 

1 

29 

30 

35 

Val^va 

l 

2 

95 

1 

99 

36 

Ochechlibu 

1 

83 

l 

85 

37 

Chlivesti 

1 

87 

10 

48 

Summa     . 

2 

1 

24 

^ 

z 

2614 

3 

1 

4 

10 

2736 

Digitized  by 


Google 


32 

POLKK : 

II 

Nomina 

^    SUndesp. 

1           1  GericbUdiener 

'5 

c 

-t: 

Nomina 
der  Ortschaften 

deren  zu  Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 

'S 

c 

1 

c 
es 

i 

1 

£ 

Bauern 
Implatora 

■  3 
< 

1    CO      «    J. 

1 

Vaslantz 

1 

1 

113 

1 

2 

Kntsurmik 

3    ß 

2 

60 

1 

't 

3 

Varbaiitz 

2 

1 

3r> 

; 

X^ 

4 

(lyurkautz 

1 

2 

91 

t 

% 

5 

Pojananck 

2 

8 

2 

28 

4 

u 

6 

Horrosclioutzi 

1 

2 

84 

s 

7 

Dobronautz 

1 

68 

i 
1 

t;j 

8 

Pohorleoutz 

1 

2 

46 

'    ■ 

4? 

1 

9 

()nuch8zamo8ch.u.  Barauueg. 

2 

43 

4: 

10 

Mosoriuka 

2 

1 

41 

1 

44 

11 

Mitkau 

2 

2 

31 

1 

35 

12 

Okna 

' 

30 

:i! 

kl 

13 

Doroscheutz 

2 

46 

1 

^ 

0) 

14 

Vasileu 

2 

2 

35 

$^ 

•^ 

15 

Czinkau 

2 

2 

48 

1 

«3 

16 

Kolleutzi 

o 

2 

20 

24 

V 

17 

KapuHchenitz 

1 

2 

80 

1     ^ 

a 

18 

Bauern  v.  Chriscsiatek 

2 

i 

P 

19 

Svinice 

1 

.S     1 

16 

20 

Prilipitze 

2 

75 

'" 

21 

Slobocflie  Mitkau 

1 

33 

34 

22 

Babin 

3 

i--^ 

44 

4S 

23 

Borautz 

^1^ 

05 

24 

Eiselau 

2 

1 
11   2 

59 

5 

^  8,    7- 

25 

Siskautz 

• 

2 

51 

:^ 

2« 

Juschenetz 

2 

36 

3? 

27 

MaltinizA 

1 

1 

39 

41 

28 

Stobizin 

1 

2 

64 

1 

(1? 

29 

Veriezanka 

1 

3 

129 

IS3 

1 

30 

KadopiBt 

1 

2 

75 

1     7f 

3 

Sastafno 

4 

109 

IIJ 

32 

Tautri 

1 

71 

li 

Summe     . 

jZ 

26 

23'55 

1767luf  — 

1 

8 

If^y* 

■ 

1 

Proskaulz 

i 

22 

32 

:*\ 

u 

2 

Pobiesti 

1 

2 

90 

vi 

3 
4 

Draceniiz 
LinitZH 

1 

2 

95 
53 

1»! 
:v3 

I^atns 

- 

- 

1 

22 

f) 

270 

^i'i 

Digitized  by 


Google 


Ortschaftsverzbichnis  der  Bukowina  a.  d.  Jahre  1775. 


33 


'S 

1 
j 
Nomina 

der  Ortschaften       i 

i 
i 

Nomina 
deren  zu  Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 

* 

s 

SUndesp. 

s 

— 

'  Oerlcbtsdiener  ' 

iiiliiii 

Translat.     . 

_„ 

-'    li'22 

5 

270L  1    - 

i 

._  L 

298 

5 

Szeleneu 

1 

2 

41'    1 

46 

*i 

Klesnitze 

1 

1 

8        1 

1 

8 

7 

Ludeluisaiuson 

'    1, 

(>;     ■ 

1 

7 

b. 

8 

Barbiesti 

'       1 

1 

68' 

1 
1 

70 

CJ 

9 

Kalliniesti 

1   ->l 
"1 

1 

42' 

1 
1 

^5 

^ 

10 

K'^'Stesli                                       1 

:  iii 

o 

82,      ' 

10 

105 

o 

u 

Staniesti 

Tnnij 

1 

;  e'  8 

2 

6l'   5 

1  !  -^1 

•X 

1-2 

Csortorie 

1 

1 

15'      1 

17 

3 

13 

V'olok'a 

16 

3 

Vi 

32 

2 

U 

V'aszkautz 

4 

18S^      1 

192 

t 

15 

Szamostie 

3 

«2 

-^i      1 

33 

l« 

16 

Vilautze 

2 

15 

•2 

1 

47    2^ 

!  ««1 

i- 

17 

Karapczio 

2 

1 

SUj   3 

86 

>a 

18 

Panilla  de  Csos 

Szlobotka 

1 

1 

«•^    1 

83 

w' 

19 

Panilla  de  »Sus 

5 

4 

i      1 

105; 

1 

114 

20 

Milie 

1 

1 

811     i 

h:\ 

•21 

Ijtpas 

3 

5 

•2 

1 

«7 

97 

2-2 

Vi^nilza 

Gzernahusen 

l 

3 

«•> 

65 

Summa     .  , 

3 

•2 

28 

76 

3(5'l3r,o'l9'-!   -       10 

1       !       ,            : 

1531 

1 
•> 

1 
Onuth  *                                      1 

Pallamutka* 

2 

1          1 

30       1 

.40;  i 

30 
142 

3 

Koszavinicz  * 

2 

1 
89| 

1     '-»l 

kr 

4 

Raschkoff* 

2 

30, 

32 

= 

5 

Berbikautz  * 

•2 

113 

115 

^ 

6 

Rochatin  * 

•20       ! 

20 

o 

7 

Gjorgyuz  *                              i 

1 

•23       ! 

1 

24 

;^ 

8' 

Prehorodok  * 

2 

18      1 

20 

„ 

9 

1 

Kollinkautz  * 

17      1 

17 

Summa     . 
Buttillöv                                   ! 

Ploska,  Jablonis, 

Voloka 
Szlbotb,  Konietln 

2 
2 

— 

— 

-In 

5 

48o'-- 

1 

524 

1 

1 

1 

^ 

401 
529 

Popoeiiu,  Krewola 

2 

1 

O 
0 

1 

Seletin,  Stebny 
Wolosky 

2 

• 

1 
1 

Rnika,  Spetke 

2 

1 

2 

Kiinpolongo  Russesti 

Eiern,  Maranise 

2 

7 

306' 

1 

i 

313 

Latus     . 

12 

— 

— 

— 

,2 

830 

- 

_, 

— 

— 

842 

Digitized  by 


Google 


:54 


Polek: 


-  ' 

^  !  Sundesp. 

Gerichtudiener         | 

< 

X  0  II 

i  [1  ü 

r    ll   11   i  \  V   u 

I>öi-fi:rii 

- 

•5 

«           5       = 

i  1  i 

s 
aq 

ll 

.   1  1 

TriiMi?lBt     . 

!     1     1     ' 

12  --1--!  — 112 

830  - 

1 

OE 

1 

c 

■i\ 

: 
1 

! 

1 

h 

iiewir,  Pi^itnisna 

•> 

1 
1 

i2 

Sadu*  Hapliuri7. 

•) 

! 

1 

-z 

H 

Ro^itoki 

1 

'je*ln,    M<"Äy   Brody 

2 

!  '5 

115 

li'.' 

't 

Fjilk.ii 

1 

i     , 
— '— '— 

^ 

Summa     *  ^ 
t 

•21 

._^ 

1 

17 

04Ö  — 

1  —    Uhi 

1 

iVrliurnt'l 

LftbiiAiuBi  KttKlbrod 

»2 

1 

r>8  '  ■■ 

6\* 

2 

Ltjkavnt'/. 

MlhOTJl 

1 

l 

l 

65 

1           •'' 

;i 

S/..'idüVii 

5 

2 

14 

i 

4 

Panksi 

14 

14 

fi 

^tumj+iijr-ij',  H, 

KoiniiiOrpwt 

1 

1 

42 

U 

6 

Kftjirr/i' 

5 

!   -2 

45 

1 

'     T 

trvörflttni'5iti 

22 

1  ■  - 

1^ 

Kii.r!i[itM'/iii 

3 

1 

r,2 

.           IW 

9 
1   ^'* 

(.'hlihnkti 

»2 

•> 

i 

47'      ,' 

34  : 

n 

(1.11-llij 

l 

•20 

1  '  -' 

i^ 

lü 

[rr^li 

7 

1 

•27      ; 

35 

ar 

t:i 

J\^inill3! 

Burla 

l 

1 

2 

iS      ' 

;  *'' 

s 

u 

Viiküiiia  hUu^ 

OpiijeU 

,5'     1 

1 

15 

^ 

ITj 

t"sirt:+lll 

1 

4'          1 

p 

:2 

Li^ 

Hiiditifiv 

1 

5 

1 

12. 

'  I« 

17 

ßiitniucxy 

2 

68 

; 

^ 

18 

Kiipka 

1 

30      1 

M 

i- 

1'.» 

Kiiiininka 

fkntHi«stm 

l 

18     ; 

18 

a. 

W 11  f*  kaut/ 
BiieliryiiMiili 

2 

3 

1    ' 
1 
22 

i      - 

'iti 

Vrvtpftiiirt/ 

4 

'    1 

I24  ^' 

'i3 

Hui  HSV 

6|  : 

1            6 

■24 

MiiftcliHuixa 

i   l 

4 

1 

'      h 

'JIj 

Sv<*tuut*fri 

1 

26       1 

!  -• 

ift; 

S/Jrt'tli 

1 
i  '«^ 

5 

65      1 

'     1    li 

27 

Stunn^My 

1 

3 

«•f  ! 

85 

t!8 

Verbot?  ' 

2 

1 

•29I    ! 

1    St 

'2tt 

Kn^fin'si  * 

Rtideaty 

1 

1 

3 

78'     ' 

'    8i 

• 

^^^^ 

^^m 

-H 

huim     . 

6 

- 

3Ö 

T 

43 

964  -  - 

> 

lo'io^o 

Digitized  by " 


ORTSCHAFTSVEBZEICHKiS    DER    BUKOWINA    Ä-    D.    Ja^BE    1775. 


35 


t  ^ 


3<t 

im 

Xi 
■I  t 


H 

|f» 
1  I 
IJ 

i:i 
11 

i:> 

17 

11* 
21 


N  ü  m  ]  n  n 
ii  e  r  n  r  tMi-  ii  R  f  i  en 


Nomina 
!'    deren  ?,u  ürl- 


Truiisliit 
Tiiimutky  • 

Plijfiili«' 

Mili*icZi*iiy  11.  Drcsiviin 
Pnrlin*^Kt* 


Mitukül.  öüvtnitU 


Sinuiini     . 

Vikyve   ilr  (.'ftrw 

FruUiUtK 

Ilufutlliik 

Kolk;» 
riii"rUfti*li4'iiv 

KiiUiite^ll  luj  Kouipurffikcf 
KäJUnri4ti  Uli  Jeniik 

Uairainiofiti 
J  ^k  iihvMti 

KuAtttOft 


Lame     « 


Wttvdinai 

Bruiid 
AHwry 


IltUliA 


^  '  St  Ab  den  p. 

4/   I. 


I  Qerielitiidiieisflr 


3|J  IUI   E 


lii   1   I  1 


1-5'«      S 


;;::i^ 


I    i 
I    i       ; 

äs 

II 
14! 

u' 

4' 
1; 


I  ^ 

I   l 

'   1I 


m 

I  6 
1  1# 
I    1^ 

I   at 

I     ^ 

8 


»-*4    r4Mll4fi— - 


I  ij 


114*1 


'1 

Ho 
KU? 

7    ?«ö[ 

I  ;, 

!    ir. 
4^ 

t^i 

41' 


—   1^41  fißS 


I      I 


HO 

520 
411 

30 


M 

ua 

H 
72 
^T 
li^ 

m 
n 
m 

n 
n 

Tl 
41 
4ß 

3« 

44 

3& 


8    1    7 


-Digitized  by. 


w(^>ogIe 


m 

POLEK  : 

c 
< 

Nomina 
der  Ortsc  haften 

Nomina 
deren  zu  Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 

1  1  Sundesp.'      [           '  Gerichtsdieoer 

li:l  ll  i  41 1 1  i 

c  t  o*  LS2    ü  1  o      5    '  P    £     «     "5    : 

Translat.     .  1 

8 

'     1     1     !         ' 
1|   7  —  60  1203  -    -i     -    -li 

'      i      1      1 

20 

Thodorest 

i       '             '           '      ; 

2    34    i   ; 

i 

•27 

Szolonicz 

t         ,    i     17     '    !             ■' 

> 

28 

Pallacsana 

1              l!     53*     ,              '        ' 

0 

21» 

Lude  Hoiuora 

13                           !• 

^ 

80 

Kumaniesti 

1  2;        3^     37'     ,     ,               i'- 

._^ 

31 

Podoschana  , 

,           ■   2    107       *     '               1'" 

>• 

82 

Burditsly 
Hou)ora 

2      06                           H 

,     !     '     41       '     ,               ^' 

Summa     . 

8 

1    9— '70  1631  -.-    -    -l"' 

1      '          1      ' 

^  — ^ 

1 

Patrancz 

'    i  *>    48'    '    ;           '^ 

2 
3 

Mitokul 
Adingatta  * 

4 
5 

Burdoscheny  * 
Plopeny  * 

Bojana*    Merln», 
Fidiestl» 

3 

i           '•  3       57            1                '' 
1                 5'    148       1      .                l'^ 

6 

Szalze  * 

'      j      1    1,      3o       !               ,        \ 

7 

Rußzy 

Blovalare 

1 

Ij 

4      90      '     .         '       ^■' 

8 

Uydeslie  Moldove                   ' 

i  :  !r;  36!    '    :  *i 

9 

Secniicsen 

1  ,j  '      .  -, 
1  i.-.        1  ■ 

10 

Renseny 

;         '  ^       '1        1       1      " 

11 

Posancze                                     | 

i     ;     ;   9|   Hill     1     ;        '      1'" 

12 

Ti»:*auczy 

'          '     '     1 
i        3,     2f     ,     1 

0) 

13 

Ipodesty 

i 

'     !  10      ;    i    '■' 

- 

14 

St.  Iliie 

:        1    1    27'       ;      1     ^^ 

*, 

15 

Sk^e 

,  ,  !  «i  '^4'  i  ■  '  i 

10 

Pueniova 

:       i     e    :              1 

17 

Puynsy                                      1 

1  :i 

36  ;  ,    ,   ■■■■ 

s 

18 

Sili«chen 

1           ■          t                             ,                                          1 

ly 

Szanika 

,    4    :  ,     '6  1' 

20 

Jelzkany                                    ; 

1      '   -'  i        •^"  ' 

21 

Miboveny 

1 

|3 

■2«      l     '         i«    ^'• 

22 

Lesauek   und  Koto 

1          1 

u'    ■          i      " 

23 

üjgesiti   Unguren 

1 

2!  «4    :  ,     ■    1 

24 

Pillischen  Sturborsoye 

'          [ 

'       ■              ,        ■ 

25 

Stadt  Suczava                         i 

b    9  12 

'              1       ■> 

50     1          ;      ■ 

1 

\         1     1 1 .^'^ 

Summa 

4 

3 

5'   961  1046 '82  n*- 

1 

ä      1                     1 

Di 

gitiz 

ed 

oy< 

*j 

;    :     1 
oogle 

Ortschaftsverzeichnis  der  Bukowina  a.  d.  Jahre  1775. 


■37 


'S 
c 

< 

-Sc 

Nomina 
der  OrtKO  haften 

Noraina 
1    deren  zu  Ort- 
Iscliaften  geiiörigen 

Dörfern 

1 
< 

SUndesp. 

i 

£ 

3 

GerichUdlener 

s 

1" 

es 

1 

i 

B 

0 

4) 
3 

£ 

< 

OD 

c 
2 

ja 

2 

es 

S 

a 

D 
OD 

1 

Illisesty  u.   Praska 

1 

31 

" 

13 

44 

2 

Baja  * 

I 

1 

8 

120 

129 

3 

Stupka 

2 

49 

51 

4 

Gregojest 

I 

1 

48 

49 

5 

Mazanojest 

1 

21 

22 

6 

Korlata 

1 

25 

26 

7 

Horodniczen  * 

i     l 

4 

128 

133 

8 

Michajest  * 

1 

7 

7 

9 

Rotopanjesl  * 

1 

1 

1 

20 

22 

10 

Lamuschen  * 

, 

2 

42 

44 

n 

Bonest 

1 

1 

6 

7 

1-2 

Pitie* 

i 

1 

1 

2 

39 

42 

u 

13 

Oncest  * 

Hreaska 

A 

10 

10 

o 

14 

Herdopol  ♦ 

1 

2 

20 

22 

15 

Blysesty  de  Sus* 

*2 

12 

14 

16 

Ci yuroßt  ♦ 

2 

2 

22 

26 

3 

17 

Meresty  * 

19 

19 

o 

18 

Szille«ly  ♦ 

1 

7 

8 

•^ 

19 

Brendesty  * 

1 

2 

12 

15 

M 

20 

Dollhesty  * 

3 

56 

59 

1* 

21 

Litten  Ini  Bogdan 

1 

2 

19 

22 

o. 

22 

Zaharesti 

4 

4 

23 

Strojesti 

20 

20 

24 

Kapokodnilni 

Monozel,  Korllcziny 

2 

1 

2 

57 

59 

26 

Korlaczelly  Oory 

Bregesty 

1 

1 

,2 

1 

13 

26 

Korlaczelly  Slatina 

Bajasesty 

1 

1 

14 

i 

15 

27 

BerkiseBty 

l 

25 

26 

28 

GainjeBti 

12 

12 

29 

Valezaka 

2 

54 

56 

30 

Zuchomalia  ♦ 

2 

55 

57 

31 

Plysesti  de  Csos  *                   i 

7 

7 

32 

Li[)ovan  v.  Stnpka 

«1 

1 

I 

6 

.Suniiua     . 

5 

2|   7 

4f, 

979I  — 

1 
1 

13 

1046 

, 

1 

Szamostie  * 

1 

23 

i 

24 

u 

2 

Svoresty  din  dyal  * 

i  ^ 

6 

20 

i 

i     28 

r 

3 

Svoresty  din  val  * 

11 

4 

51 

56 

4 

Peresty  * 

1» 

l 

10 

!      1^-^ 

Latus     . 

i 

- 

1 

3 

— 

n 

104 

- 

^ 

120 

Digitized  by 


Google 


38 

Polkk: 

a 
< 

Nomina                i 

1 

der  Ortschaften 

Nomina 

deren  zu  Ort- 

»ohaften  gehörigen 

Dörfern 

'-5 

S 

S 

SUndesp. 

•II  i 

M  S    X 

c 

it 

ricbtAdiener 

ii 

U          ^           es 

/ 

TranPlat.     . 

1 

3 

!,2 

104 

— 

_- 

\t 

u 

5 
6 

SziminicKe  Kurz  * 
Dumbraven  *  und  Szelizen  * 

Woradek  * 

1 

1 

7 

3-2 
68 

53 

JS 

7 

Körökajest  * 

6 

Ö 

♦a 

8 

Balloscheny  * 

« 

-^ 

o; 

ii 

Fontonellile  * 

Roskan  * 

1 

3 

2 

3& 

i 

4< 

u 

10 

1  bitten!  mare  * 

Komy  * 

1 

1 

., 

•24 

i', 

►> 

11 

Scherbanest  * 

1 

^^ 

15 

U 

N 

12 

Honcesty  * 

1 

4 

74 

:s 

-X 

13 
14 
15 
16 

Gligoresty  * 
Bnrzocsen  * 
Bajnesti  * 
Mandaresti  * 

l 
1 

1 
2 

2 

24 

8 

12 

2 

11 
ij 

1 

Summa     . 
Torna 

Jakobeny 

3 

1 

— 
9 

4 

"" 

35 
4 

412 
302 

_^ 

— 

- 

46*1 

2 

Moldovi  Fundul 

l 

71 

) 

3 

Szad6va 

2 

76 

) 

Js 

kl 

4 

PosRoridn 

1 

74 

;:. 

Q 

5 

Rns8i8ch  Moldovitza 

Arczile 

1 

2 

95 

yl 

3 

6 

Formosul 

2 

33 

3:- 

o 

Ol 

7 

Skutelnicz  Moldovicza 

35 

i'i 

S 

8 

Frasinu 

l 

15 

1^ 

t2 

9 

Vama 

4 

132 

13t 

10 

Puksoye 

Dorotba 

1 

1 

17 

1' 

00 

9 

11 

Stulpikany 

BoJ.  ABtm,  Gseinine 

3 

2 

83 

tc^ 

12 

Kimpolongo 

Schokanesti 

1 

1 

6 

360 

1 

'Mn 

o 

13 

Voronetz 

9 

1 

1 

a 

^^ 

' 

^^^ 

^ 

lliii 

Summe     . 

7 

1 

' 

26 

1302 

_ 

Digitized  by 


Google 


Obtschaftstebzbichnis  deb  Bukowina  a.  d.  Jahbb  1775. 


39 


Nomina 
der  Ortschaften 

Anzahl  dieser 

SlADdM 

1"  1 

i 

o 

'       Gerlohtsdiener 

ilii  |i 

28 

Czemoviczer 

1 

3 

28 

14 

43 

1312.    25 

25 

100 

1 
1550| 

37 

Pruther 

2 

1 

24 

26 

53 

2614 

3 

1 

4 

10 

2736 

32 

Dniester 

26 

23 

55 

1767 

11 

8 

1890 

o 

22 

Csermoscher 

3 

2,     28 

76 

36 

1360 

19 

10 

1531 

u 

9 

Chotiraer 

11 

480 

49i 

X 

3 

Kussisch  Kiinpolonger 

21 

17 

945 

962 

bi 

39 

Perhometer 

8 

44 

1 

49 

1145 

24 1   I263| 

i* 

o 

33 

Vikover 

8 

' 

9 

70 

1631 

1711 

Im 

25 

Mittel 

4 

3 

5 

9 

61 

1045 

32 

1155 

et 

33 

Moldauer 

5 

2 

7 

45 

979 

13 

1046 

5 

16 

Szyrether 

3 

i 

9 

4 

35 

412 

460 

:« 

13 

Moldauisch  Kimpolonger 

7 

1 

26 

1302 

~ 

1329 

290 

Summa     . 

62 

22 

175 

149 

501 

14992 

26 

104 

97 

16124 

Ausser  diesen  befinden  sich 

noch: 

Kaufleute 
Armenier 
Juden 

• 

45 

68 
526 

Vagirei 
Sui 

ide  Zigeuner 

• 

294 

[iima  G 

eren 

Fan 

lillen 

17047 

Digitized  by 


Google 


40 


POLEK : 


Verzeichnuss 

deren    in    dem  Kajserlichen    Königlichen    Bukoviner    District    befindlichen    Monaslerien    tH)wnl 

mann-  als  weiblichen  Geschlechts. 


darinnen 

,: 

darinnen 

befinden 

1 

befinden 

»Ich 

1 

■Ich 

fl 

Nomina 

§ 

1 
1.  s 

Nomina 

' 

0 

<D 

li  Z 

c 

der  Monasterien 

X      .2 

1      03 

der  Monasterien 

£ 

c 

4)              t 

a    1 

^ 

1 

•5b      -Q) 

^ 

•5d 

*5d 

= 

3             3 

c 

s 

o 

—       o 

^ 

ö     5 

Ä 
U 

C8 
0 

I 

Radautz,  allwo  ein  Bischof 

10 

ß 

1 

10 

Translat  .     . 

401 

51 

Aht 

Putna,  allwo  ein  jubilirt. 
Erz    Metrop. 

2.") 

5 

30 

Jezkauy 

5 

»Szolka,  worunter  der  Dikeu. 

i 

Meresty 

4 

sogenannt  Suffraganeus  d. 

'1 

Rotunda  * 

>< 

> 

Metropoliten  von  Jassy 

17 

I7I 

Preudesty  * 

3 

1 

i 

Suczevitza 

53 

53 

Fidesty  * 

6 

t 

lUicesty 

5 

ö'j 

Schadova 

7 

', 

Horecze 

•20 

20i 

Pabin 

3 

d 

Skitul  Mauiajesti 

It 

4 

15 

Pruskaulzy 

3 

^ 

Mitokul  Mamajesti 

10 

10 

Visniza 

3 

7 

I" 

Christsehatek 

5 

.'» 

0 

Kabiost 

^^ 

i 

OD 

Luka 

4 

' 

p 

Heros  nicza 

4 

4 

OD 

Moldavicza 

15 

15 

Saniostie 

6 

(i 

o 

Voronecz 

16 

1 

'«    « 

Parbiesty  alias  Vostra 

6 

3 

y 

u 

Slatina  * 

16 

"■'!  - 

Onofry 

3 

J 

'f 

St.  llie 

)S 

>*'« 

Voloka 

14 

n 

Burdoschen,  *  allwo  ein 
Erzbischof  v.  der  griech. 

Kamona 

3 

3 

Nation 

i\ 

6 

8ohMtry|  ^^„^  ^  kleine,  Im  Walde 
\  «Ich  befindliche  Brcral- 
Orsoye  j                  tagen 

4 

4 

Dragoniirna 
Homora 

170 
11 

170 

11' 

5 

5 

Summa  deren     . 

466 

88 

551 

Batrauczi 

35 

35 

1 

Latus     . 

401 

51 

452 

1 
1 

j 

1 

Digitized  by 


Google 


OrTSCHAFTSTEBZBICHNIS  DBB  BUKOWINA   A.   D.    Jahbe    1775. 


41 


ZESegrister. 


Allen  Orten  und  OrtJ»be8tandtheilen  ist  sowohl  der  Charakter  als  auch  der  ^Antheil",  be- 
ziehungsweise (lerichtshe/.irk,  in  dem  sie  liegen,  heigefi'igt.  Dabei  kommen  folgende  Abkürzun- 
gen zur  Anwendung:  O  =  Ortschaft.  A  =  Attinenz,  Kl.  =  Kloster,  »St.  =  Stallt.  V.  =:  Vorstadt. 
M.  =  Markt.  1).  =  Dorf,  D.-A.  =  Dorfantheil,  W.  =  Weiler.  E.-H.  =  Einzelhäuser  -  1  =  Czer- 
noviczer,  II  =  Pruther,  lll  =  Dniester.  IV  =  Czeremuscher.  V  =  Kussisch  Kimpolonger,  VI  = 
rerhonieter.  Vll  =  Vikover,  VllI  =  Mittel.  IX  =  Moldauer,  X  =  Moldauisch  Kimpolonger  An- 
theil,  C'z.  =  üerichtsbezirk  Czernowitz,  D.-W.  =  Dorna-Watra,  (?.  =  Gurahumoru,  Ki.  =  Kimpo- 
lung.  Ko.  =  Kotzman,  K,  =  Kadautz.  Sa.  =  Sadagora,  Se.  =  Sereth.  So.  =  Solka.  Sta.  =  Sta- 
nestie.  Sto.  =  StoroÄvnetz.  Su.  =  Suczawa.  U.-l*.  =  Uscie-Putilla.  Z.  =  Zastawna. 


Arbory.  A.   VII  =  Arbora.  D.,  So. 

Arczile.  A.  X  =  Ardzel.  D.,  Ki. 

Babin,  O.   Ul  =  IJabin.   D.,  Z. 

Hachrynesti,  O.   VI  =  Hahrynestie,   D..  Se. 

Hadeiitz.  O.   VII  =  Komanisch-Hadautz,   D..  K. 

Haginsky,  siehe  Paginsky 

Hainsy.  O.  VI  =  Haince,   D..  Se. 

Hajasesty,  A.  IX  =  Hajaschesti.  D..  (r. 

Itallacsana.  s.  Pallacsana. 

Hanilla.  s.  Panilla 

liaraunegro.  O.   III  ==  ('zamypotok,   D..  Z. 

Harbiesti.  O.  IV  =  Berbestie,  D..  Sta. 

Hatrauczi,   Kl.  aufgehoben 

Hatrauczy,  O.   VI  =  Petroutz,  D..  Sto. 

Hauern  v.  Chrisesa tek.  O.  III  =  Krvszczatik,  I).,  Z. 

Bauern    v.    Monaster    Horetze.    O.   I.  =  Ludiho- 

recza,   l).,  Cz. 
Berhouiet,  s.  Perhomet 
Beresnicza.  Kl. :  aufgehoben. 
BerkiBesty,  O.  IX  =  Berkischesti.  D.,  G. 
Blovalun-.  VHI  =  Kuss-Plavalar.  D..  Su. 
Bobiesti.  s.  Pobiesti 
Bodoschana,  s.   Podoschana 
Bodoschinze,  s.  Podoschinze 

Bojana.  O.  II  =  Bojan,  M.,  Sa. 

Bojana  Astra.  Pojana  .\stra. 

Bojansuck,  s.  Pojansuck 

Bonest.  O.  IX  =  Bunesti.  I)..  Su. 

Borautz.  O.  111  =:  Borontz.   D..  Z. 

Bordien.  A.  II  =  Kurdei,   D.,  Cz. 

Bosancze.  s.  Posancze 

Braska,  s.  Praska 

Bregesti.  A.  IX  =  Brajesti,  D.,  G. 


Broskautz.  s.  Proskautz 

Brund,  A.  VII  =  Burla,  1).,  R. 

Budinsy,  O.   VI  =  Budenitz,  D.,  Sto. 

Buernova.  s.  Puemova 

Buksoye.  s.   Puksoye 

Burdiesty.  O.   VII  =  Pertestie,   1).,  So. 

Burla,  A.   VI 

Buttilov,  O.   V  =  Storonetz-Putilla,   I).,  U.-P. 

Buynsy.  s.  Puynsy 

Clüiboka,  O.   VI  =  Hliboka,   1)..  Se. 

(^livesti.  O.   II.  =  Cbliwestie,  I).,  Ko. 

Christschatek.  Kl. :  aufgehoben 

Chudiu.  O.  VI  =  Czudyn,   D.,  Sto. 

Csemauka,  O.   1  =  Czernawka,   D.,  Sa. 

Csiresul,  O.   VI  =  Czeresz,   D.,  Sto. 

Csortorie,  O.  IV  =  Czartoria,  D..  Sta.  , 

Csucska,  O.  II  =  Zuczka.  D.,  Sa. 

Czahor.  O.   l  =  Czahor,  D.,  Cz. 

Czemine.  A.  X.  =  Dzemine.   D.,  Ki. 

Czemahusen,  A.  IV  =  Czomohuzy,  I).,  W. 

Czernovicz.  ().   1  =  Czernowitz,  St. 

Czinkau.  O.   III  =  Czinkeu,   D.,  Z. 

Davidesti.  O.   II  =  Dawidesti,  D..   K. 

Dobronuutz,  O.  III  =  Dobronoutz.  I)..  Sa. 

Doroscheutz,  O.  111  =  Doroszoutz,  D.,  Z. 
I  Dorotha.  A.  X  =  Dorotha-Plotonitza,  I)..  Ki. 
j  Dracenitz.  O.   IV  =  Dniczynetz.  D..  Sta. 
I  Dragomirna,  Kl.  =  Dragomima.  Kl..  Su. 

Drestyan,  O.   VI  ^:  Trestiana,  D..  Se. 

Dubovetz.  O.  II  ^=  Duboutz.   D..   Ko. 

Eiern.  A.   V.  ^   rima-Kuska.  \V.  K. 

Falken.  A.  V.  =  Falken,  \V.,  K. 

Fasiczel.  A.  VII.? 


Digitized  by 


Google 


42 


POLBK : 


Formosul,  O.  X  =  Fromossa,  1).,  Ki. 

Frasinu,  ().  X  =  Fraissin,  I)..   Ki. 

Fratautz,  O.  VII  =  Koinaniscli-Alt-Fratautz,  1).,  K. 

FiinduK  iiioldovi,  s.  Moldovi  fiindiil. 

Gaiireny,  O,  VII  =  (taurenv,   I).,  Su. 

(iewir,  A.  V        Iswor,  D.,  K. 

(»regojcst,  O.  IV  =  Dragojesti.   I).,  G. 

(irenicesty.  O.   VII  =  (Jraniezi'stie,  I).,  J?e. 

(iyordanesti  ().  VI  =  lordanestie,   !>.,  Sto. 

Gyurkautz,  O.   III  =  lurkoutz,   I).,  Z. 

Hattna,  A.  VII  =  Hatna.   1).,  Su. 

HavrilrHty,  ().  II.        Ilawrilestie.  D.,   Ko. 

lloiuora,  ().   VII  =  (iuraluiuiora.  M.,  (i. 

lloiiiora  Kl.:  aufgchol»en. 

Horocze  Kl.:  aiifgehol»en. 

Horetzo,  O.  I  =  Horecza.  V.  v.  (V.ernowitz 

Ilorrodnik,  <),   VII  =  Horodnik,  1).,  K. 

Ilorroscheutzi,  (>.   III  =  Iloroszontz,   I).,  Z. 

Icesti,  ().   VI  =  Idzestie   1)..  Sto. 

Illie,  St.,  ().   VIIl  =  Ilic.  St.,  I).,  Su. 

Illie,  St.   Kl. :  aufgeholuMi. 

Illict»8ty,  Kl. :  aufgehoben. 

lllisesty.  ().   IX  =  IliKchesti,   1).,  G. 

Ipodesty,  O.  A^IU  =  Ipote.sti.   1).,  Su. 

Ispas.  ().  IV  =  I8pas8,   1)..   W. 

Ivankautz,  O.  II  =  Iwankoutz   I)..  K. 

Jabloniz  Voloka,  \.  V  =  lalifonitza,   D.,   U.-P. 

.lakoheny,  A.  X  =  .Jakol>euy   1).,   D.-W. 

Jakubesti,  O.   VII  ==  Jakohesti,   D.,  Su. 

Jaszlovicz,  (>.  VII  =  Ja.'^Iowetz.   1).,  So. 

Jesin,  A.  V  =  Fra^in,   V„  l^ 

Jetzkany,  (>.   VIII  =  Itzkany,   AU.  V.,  Su. 

.lezkany.   Kl.  :  aufgehol»en. 

,lu8chenetz.  O.   III  =  luzynetz,   I)..   Ko. 

Kahiest  Kl. :  aufgehoben. 

Kadopist,  ().   III  =  Kadobestie   1)..  Z. 

Kallafindesty.  (>.   VII  =  Kalafiudestie,   I).,  Se. 

Kallinesti  lui  lenak.    O.   VII  :=  Kaliuesti  bei  Je- 

naki.   ])..  Su. 
KallincHti    lui    Koniparenko.    <).  A^II  =  Kalinesti 

b.   Kuparenko.   I)..  Su. 
Kallinesti,  <>.  IV  =  Kalinestie.   1).,  Sta. 
Kalugerice.  A.  VII  =  Kalugeritze,   E.-H..  K. 
Kaniina.  O.   I  =  Kaniena.   1).,  (V.. 
Kaniona.   Kl.   aufgehoben. 
Kaiuunka.  O.   VI  =  Kanienka,   1).,  Se. 
Kapokodrului,  U.   IX  =  Kapukodrului.   D.,  (t. 
Karapczio,  O.  IV  =  Karapczeu.   I).,  W. 
Karapecziu,  ().   VI  =  Karapcziu.  I).  Sto. 
Kattul  Ostricze.  O.  II.  =  Kotul   Ostrica.   IX,  Cz. 
Kimpolongo,  (>.  X  =  Kiuipolung,  St.,  Ki. 
Kinipolongo  KusKesti,  ().  V  =  Dolhopole,  D.,  U.-P. 
Kisselau,  O.  III  =  Kisseleu,  D.,  Z. 
Klesnitze,  O.  IV  =  Pleschnitza,  W.,  Ko, 


I  Klivod\'n,  O.  II  =  Kliwodyn.  P..  Ko. 

I  Klokucska,  \.   1  =  Klokuczka.   V.  v.  (  zernowm 

I  Kolleutzi,  ().  111  =  Kuleutz.  I).,  Z. 

I  Koniniorest.  <).   VI  =  Komarestie,  D..  Sto. 

Konietin,  A.  V  =  Koniatyn,  !>.,  l'.-l*. 

Korlaczelly  (»ory,  ().   IX  =  Hrajesti,  L>-.  (i. 

Korlaczelly  Slatina  =  Hajaschesti,   I)..  G. 

Korlata,  ().   IX  =  Korlata,  I)..  U. 

Korlieziny,  \.  IX  =  Koniolunce,  I)..  (J. 
,  Korovie,  ().   I  =  Korowia,  D..  C'z. 
.  Kostena,  <>.   VII  =  Kostina,  D-,  Su. 

Kostesti,  <).   IV  =  Koste.stie.   I)..   SU. 

Koto.  ().   Vlll  =  Kut.  V.,  Su. 

Kotzuiann,  (>.   II        Kotznum,  M.   Ko. 

Kraszna.  O.   VI        Krasna  Ilski,  1).,  Sto. 

Krewola.  A.  V  :-  (ireblena,  I).,  V.-l\ 

Kuuianiesti,  ().   VII  .r.  Koiuanesti.  1)..  Su. 

Kupka,  (>.   VI  —  Knpka.  I).  Sto. 

Kutsunuare.  ().  I.  -  -  Kuczurniarc,   I)..  Cz. 

KutHunuik,  O.   III        Kuczunnik,   1).,  Z. 

Labiiszna,  .\.  VI        Lapuschna,  I)..  W. 

Laszkiuka.  ().  II  -      Liwzkowka,  I).,  Ko. 

Leheczen,  O.   II        Lehuczeny  Teutului,  I)..   J*i 

Lesauek,  O.   IX  =  Lisaura,  I>.,  Su. 

Lincesti.  O.   II  ^  -  Lenkoutz,  D.,  Sa. 

Linitza.  O.   IV  -     Illinitza.   1)..  Sta. 

Lipovan  vel  Stupka  (>.   IX:  besteht  nicht  mehr 

Litteni  lui   Hogdan.  <).   IX  --     Liteni,   I)..  Sn. 

Lude  Honiora.  ().  VII        Liulihumora.  I)..  Su. 

Lude  lui  Sanisoni.  <>.   IV  ? 

Luka.   Kl. :  aufgeholien. 

Lukavetz.  O.  VI  _    Lukawetz.  I).,  W. 

Lukavicza  de  Csos.  ().  II 

Lukavicza  de 

Lunka  niegrilessa  A.  X        Negrila-ssa.  P..  Ki. 

Luzan.  <).  II     ^  Luzan.   I)..   Ko. 

Machala.  O.  II    -    Mahahi.   I).,  Sa. 

Maltiniza,  O.  III        Malatynetz.   P..  Ko. 

Mamajesti.  O.  II    ^  Mamajestie,  Alt.  P..  Cz. 

Maniajesti.  Mitokul,  s.  Mitocul  Mamajesti. 

Mamajesti.  Skitul,  s.  Skitul   Mamajesti. 

Mamoniicza.  <).   I    -    Mamomica,  I)..  C'z. 

Maraezeu.  ().   VII        Meretzei.  P..  Su. 

.Maranizy.  A.   V  -  _  Marenicz,  P..  W. 

Mazanojest.  <).  IX      -  Mazanajesti.  P..  G. 

Meresty.   Kl. :  aufgehoben. 

Mesibrod.  \.  VI  lj=l  Mezybrody.   \V  ,  W. 

Mesy   Hrody.  A.   V        Mezyl)rody.  W..  W. 

Miboveny.  O.  A'III  — ^  Mihoweni,  P.,  Su. 

Mihalcze.  U.   1  —  MichaTcze.  P..  Cz. 

Mihova,  A.   VI  ^  Mihova.  P..  W. 

Mihuczeny,  O.   \'I    -    Mihuczeny,  P.,  Se. 

Milie,  ().  IV  -=  Millie.  P..  \V. 

Mitkau,  O.  111  —  Mitkeu,  P.,  Z. 


(Vsos.  o.  n  . 

,    ^    >  Lukawica.  P.,  ( z. 
Sus,  O.  I    / 


Digitized  by 


Google 


Oetschaftsvbbzeichnis  der  Bukowina  a.  d.  Jahbe  1775. 


43 


Mitokul,  C).  VIII  -_  Mitoka,  1).,  Su. 

Mitokiil  Maiimjesti,  Kl.:   aufgobolien. 

Moldovicza,  Kl. :  aufgehoben. 

Moldovi  fiindul,  O.   X  ^     Kiindul  nioldowi,  1).,  Ki. 

Mologve,  ().   I     -  Molodia.  1).,  (V.. 

Monczel,  A.   IX  "     Miinczel.  E.-H.,   Ki. 

Mosoriiika,  ().  III        MosHorowka.   1).,  Z. 

Miisclieniza.  O.  VI     -  Miinzenitza,   I).,  Se. 

Nesipitnl,  A.  V  -     Sipitiil,   W.,  K. 

Niegrilessa,  A.  X        Negrila.s3a,  I>.,  Ki. 

Nii'polokautze,  ().   II        Nepolokont/.  1).,  Ko. 

Nova   Szelletz,  ().   II        Nowosielioa,   D.,  Sa. 

Ochechlilm,  O.   II        ()szechlil>,  D.,  Ko. 

Okiia,   ().  III  -   Okna,  D..  Z. 

Onofry.   Kl. :  aufgehoben. 

Oniith,   O.   III  -  Onuth.  D.,  Z. 

Opajet/,  ().  VI        Opajetz,  E.H.,  Sto. 

Opreschany,  O.  \l    -    Opriseheny,  D.,  Se. 

O roschen,  O.   II      -  Oroszeny,  I).,   Ko. 

Orsoye,   Kl.:  aufgehoben. 

OKtricza,  O.  I        Ostrica.  I)..  C'z. 

Pabin,   Kl. :  aufgehoben. 

Paginftky.  O.  I        Kotul  bainski,  D.,  Cz. 

l'allacsana.  O.  VII        Halaczana.   D.,  Su. 

Pallicesti  lui  Czmortan.  ? 

I'anilla,  ().  VI  -    Moldauisch-Hanilla,  D.,  Sto. 

Panilla  de  Csos,  ().  IV>       „      .    ,   ,.     ...      ^.    „^ 
,     ,  ,     >  -    Kussisch  Hamlla,  D..  >> . 

l'anilla  de  Sus,  ().  IV  / 

l'anka,  <).   VI        Panka,  I)..  Sto. 

Parbiesti  alias  Vostra,  Kl.:  aufgehoben. 

Parhanczi,  O.  VII     -  Parhoutz,  1).,  Su. 

Patrancz.  O.  VIII        Petroutz,  1).,  Su. 

Perhomet,  O.Il  -.  Herhometh,   1).,  Ko. 

IVrhomet.  O.  VI   -   IJerhouieth  (a.  S.)  U..  W. 

Piedikauze,  O.  II     -  Piedykoutz.  I).,  Ko. 

Pietrassa,  A.  \    -  Petrasze,  I)..   \V. 

Pillischen  Sturborsoye,  O.  VIII  ? 

Ploska,   A.  V  -  Ploskn.  I).,  U.-P. 

Pobiesti,  O.  IV        Hobt-stie,  1).,  Sta. 

Podoschana,  O.  VII        Hotuszana,  I)„  So. 

Podoschinze,  O.   VI     -  Hotuschanitza,   l)..  Se. 

Pohorlentz,  O.  III  —   Pohorloutz,   I).,  Z. 

Pojana  Astra,  A.  X  ~  Ostra,  I).,  Ki. 

Pojansnck,  O.  III     -  Hojancznk.  l).,  Z. 

Popocziu,  A.  V  -_  Kopoczel.  \V..  U. 

Posancze,  O.  VIII    :   Hosancze,   1)..  Su. 

Possorida,  O.  X       Po^oritta,  D..   Ki. 

Praska.  O.  IX        Hnischka.  D..  (r. 

IVilipitze.  O.  III        Prelipcze,  I)..  Z. 

Prorotie,  O.  AI        Preworokie,  !>..  Se. 

l*roskautz,  O.   IV        Hroszkoutz,   1)..  Sto. 

Pruskautzy,  Kl.:  aufgeho]»eu. 

Puerlischeny,  O.  A'^II  V 

Puernova,  O.   VIII        Berindesti  {?u  D.,  Su. 


Puksoye,  O.  X    -  Hukschoja,  D.,  Ki. 

Purlincze.  ().   VI    _   Styvcze  (Herlince).   D.,  Se. 

Putna.   Kl.        Putna,  Kl. 

Puynsy.  <).   VIII         Hunince.  D.,  Su. 

Radautz,  O.   VII        Kadautz,  St.,  K. 

Itadauz,  Kl.  aufgehoben 

Kapuschenitz,  O.   III    -   Jiepuzynetz,   D,,  Z. 

Karausche,  (>.   II  -    Karai'icze,   D.,  Sa. 

Keuseny,  (>.   VIII        Keuseni,   D.,  Su. 

Kevekauze,  O.  II        Kewakoutz,  I).,  Ko. 
j  Kewna,  A.   II        Kewna,  D.,  C'z. 

Hohoszna,  O.  II        Koho^^na,  D.,  Sa. 
I  Komauiesti,  ().  VII   -  Komanesti.  D.,  Su. 

Kopecze,  O.  VI    -   Kopcze,  D.,  Sto. 
I  Koschusch,  O.  I     -  Koseh,  V.,  Cz. 
I  Kostoki,  O.   V        Kostoki,  D.,  W. 

Kudesty.  A.  VI  ~    Kudesti,   D.,  Se. 
I  Kuska,  A.  V        Kuska,  W.,  K. 

Kus.sisch    Moldovitza,    O.  X  —   Ku.^s-Moldawitza, 
!>.,  Ki. 

Kuszu  Padeutz,  O.  VII        Milleschoutz,  D.,  R. 

Kuszy,  O.  VIII        Kuss-Plavalar,   D.,  Su. 

Sachariz,  A.  VV 
1  Sadu,  A.   V        Sadcu,  W.,  K. 

Samostie,  Kl. :  aufgehoben. 

Sastafno,  ().  III       Zastawna.  D.,  Z. 

Schadova,   Kl. :  aufgehoben. 

Scharbautzy,  ().   VII        Scherboutz,  D.,  Se. 

Scherautzi.  O.   II        Szeroutz.  D.,  Sa. 

Sehipeniz,  ().  II  ^  ^  Szipenitz,   D.,   Ko. 

Schokanesti,  A.  X    '   Czokanestie,  D.,  D.-\V. 

Securicsen,  O.   VIlI  ~-'  Sekuriczeni,  D..  Su. 

Sehastry,   Kl.:  aufgehoben. 

Seletin.  A.  V        Seletyn,  D.,  K. 

Silischen,  ().  Vlll     -  Chilischeni,  D.,  Su. 

Sinauz,  ().   VI        Synoutz,  D.,   Sc. 

Siskautz,  O.  Ill    _   Sziszkoutz,  D.,  Ko. 

Skee,  O.  VIII        Skeja.  D..  Su. 

Skitid  Maniajesti,   Kl. :  aufgehoben. 

SkutelniczMoldovicza.O.  X     \Vatr.-Molda\v.D.,Ki. 

Sorotissna,  A.   V        Petryczauka.  D.-.\.,  Se. 

Spetke,  A.   V    *   Szpetki.  D.,   P.-P. 

Suiniesti,  O.  IV        Stanesti,  M.,  Sta. 

Staniesty.  O.  VI   —  Stanesti,  D.,  Se. 

Stebny  Wolosky,  A.   V        Stebne,   D  ,   P.P. 

Stobizen.  O.   III.  _     Stawczan.   U..  Ko. 

Storosiuetz.  <).  VI        Storoiynetz,   M.,  Sto. 

Stras.na,  O.  VII        Straza,   D.,  K. 

Strojesti  de  Csos,  O.  II.  ? 

Strojesti  de  Sus.  ().   II        («ogulina,   D..  Sa. 

Strojesty,  O.  IX        Stoje.-^ti,   D..  Su. 

Stulpikany,  O.  X    -    Stulpikany,  1).,  Ki. 

Stupka,  O.  IX        Stupka,   l).,  (i. 

Suczava,  O.  VIII  —  Suczawa,  St.,  vSu. 


Digitized  by 


Google 


44 


Polek: 


SucztiA-itzu,  Kl.    -  Suczttwitza,  KI. 
Sviiiice.  O.   III        Zwiniacze,  l)..  Z. 
Suetonefri,  O.  VI        St.  Oiiiifry,   D..  vSe. 
Szadagiira,  O.  II  -     Sadagora.  M.,  Sa. 
Szadomare,  O.   VII        Uoinan.-Satulniare,  D..  K. 
Szadova,  O.   VI    -   Zadowa,  D.,  Sto. 
Szadova,  O.   X        Sadowa.  D.,  Ki. 
Szadupriuka,  O.  II        Zadobrowka,  IJ.,  Sa. 
Szamka.  O.   VIII        Zamka,  V.,  Su. 
Szanioschen,  O.   III  r^   Saimiszyn,  D.,  Z, 
Szanio.stie,  O.   IV  —   Zaniostio,  D.   W. 
Szelcneu,  O.   IV        Zeleneu,  D.,  Ko. 
Szlohocsie  Mitkaii,  ().  JII.        Mitkau,   D.,  Z. 
Szloboszie,  A.   VII  -   l,^nter-Mile.«4choiitz.  I).,  Su. 
Szlobotka,  A.   IV  r    Hanilla    Sfohodzia,    I).,    W. 
Szihoth,  A.   V        Szypot,  1).,  K. 
Szireth  O.   VI  -  Screth,  St.,   Se. 
Szocliovercha,  O.   II  -    Suchowerchow,    D.,  Ko. 
Szolka,  O.   VII  -      Solka.  M.,   So. 
Szolka,  Kl. :  aufgehoben. 
Szolonicz.  O.  VII        Solonetz,  1).,  So. 
Szubranek,  O.  II  -    Szubranetz.  D..  Sa. 
Tautri,  C).  III  ^^  Touty,  D.,  Z. 
Terrepletze.  O.   VI        Terebiestie.   D.,   Se. 
Terrnianiesti,  O.   VII        Deruianesti,   I>.,   Su. 
Thodorest,  C.   VII    -   Theodoresti.  D.,  Su. 
Tissauezy.  <>.  VIII        Teschoutz,  D.,  Su. 
Toporauz,  O.   II        Toporoutz,  I)..  Sa. 
Torna,  O.  X.  -   Doma-Watra,  M.,  D.W. 
Tuny,   A.   IV  ^   Stane.sty.  Unter  ?  D..  Se. 


Ujgesti  Tugurcn,  O.   VIII        Videsti.   IK  Sn. 
Vü/.y  Huttilowa,  A.   V  -   iHcie-Putilla,  M.,  1    i' 
lydesti  Moldove,  O.   VIII  -  Videsti,    D.  Su 
Yakoma   (Opajetz).  O.   Vi        Opajeta,  E.-H  .  S: 
Valesaka.  O.   IX    -   \Vale.«4aka,   I).,  (i. 
Valeva,  ().  II        Walewa,   D.,  Ko. 
\'auia,  O  X        Wanui.  D.,  Ki. 
\arbantz.  (>.   III        Werboutz,   1).,  Z. 
\nA\\exi,  <).   III        Waj^sileu,  D.,  Z. 
Vaskautz,    O.  \l.        Waschkoutz    a.   S.,    D.,  S^ 
Va.-^zkautz.  O.  IV.    ^  Waschkoutz  a.   P.,   D..  ^^ 
Vaslautz,  O.  III        Wasbnitz,   I).,  Sa, 
Vericzanka,  O.  III        Werenczanka,  D.,  Z. 
Vikove  de  (^sos.  O.  VII  ^   Wikow.   Int.,  D..  t^ 
Vikove  de  Sus,  ().   VII        Wikow.  01)er-,  D.  K 
Vilautze,  O.  IV  -   Willawczc,   D..  W. 
Visnitza,  ()    IV.  -   Wiznitz,  St,   W. 
Vinniza,  Kl.:  aufgehol)en. 
Vitiliuka,  O    II  :  r  Witelowka,  D.,  Ko. 
Volcsinetz,  (>.   VI   -    Wolcz>nietz.   D.,  Se. 
Voloka,  ().  I        Woloka,  D  ,  Cz. 
Voloka,  O.  IV        Wofoka,  D  .  Sta. 
Voloka,   Kl.  aufgehol)en. 
Volovetz,  <).  VII      :  Wollowetz.  D.,  R 
Voroneez,  Kl  :  aufgehoben 
Voronetz,  ().  X        Woronetz,   D.,  (». 
Vo.stra,   Kl.:  aufgehoben. 

Warenozy.  A.  VII       Warnitza  -—  Font.  alba.  P  .>- 
Waydinell,  A    VII  --  Woitinell.   D..  R. 
Zacharestv.  O.   IX  r=r  Zacharesti.   I). .  i^u. 


^•^-Hh®-^-'-— f- 


Digitized  by 


Google 


Aus  den  Jittheiiungen  der  k.  k.  Gentrai-Gommission". 

ZiiAaniniengestellt  vo.i  Carl  A.   RoRIStorfer. 

Durch  (trilndung  der  k.  k.  Central-Comniis«ion,  «leren  Statut  nach  ihrer  Erweiterung  mit 
k.  k.  rnterricht«-Ministerialerlass  voui  21.  Juli  tH73  *)  puhlieirt  und  mit  Erlas»  vom  10.  Juni 
1S92,  Z.  10.445  ahgeändert  wurde '),  .wurde  die  archäologische  ForHchung  in  Oesterreich  in  nach- 
haltigster Weise  gefJirdert  Die  filr  die  einzelnen  Bezirke  im  KaiserstJiate  hestellten  Conserva- 
toren  filien  nicht  nur  einen  directen  EintluM  auf  die  Erhaltung  der  Kunst-  und  historischen 
Denkmale  in  Oestcrreich  aus,  sondern  sie  liefern  im  Vereine  mit  den  Correspondenten  der 
CVntral-C^ommission  Berichte  und  wissenschaftliche  Arheiten  üher  einzelne  Denkmale,  Urkunden 
u.  s.  w ,  welche  theils  in  den  Jahresberichten  der  Central-Commission  kurz  erwähnt  werden, 
theils  in  den  „  Mittheilungen  *  zum  Abdrucke  gelangen.  Auf  diese  Art  hat  sich  in  den  genannten 
Puhlicationen  das  reichhaltigste,  die  Kunst-  und  Alterthumsforsehung  behandelnde  Materiale  an- 
gehäuft, welches  in  Bezug  auf  die  Bukowina  nachstehend  chronologisch  zusammengestellt 
erscheint.  Es  wurden  hiebei  imter  Hinweglassung  etwaiger  Wiederholungen,  hauptsächlich  klei- 
nere Notizen  und  Arbeiten  I»eri\ck8ichtigt,  während  umfangreichere  Abhandlungen,  deren  Abdruck 
zu  viel  liaum  erfordern  würde,  einfach  citiert  erscheinen 

In  der  Folge  soll  in  diesen  Bl.ittem  alljährlich  über  die  in  den  „Mittheilungen  der 
k.  k.  (Vntral-Commission"  erschienenen  Arbeiten  berichtet  werden. 

Die  nachfolgende  Zusammenstellung  gewinnt  durch  die  Beigabe  (Fer  Original-Illustrationen 
erhrditen  Wert;  in  entgegenkommendster  Weise  hat  die  Ontral-C'ommission,  um  dies  zu  ermiig- 
lichen,  die  betreffenden  (liches  zur  Verfügung  gestellt. 

1863.     Band  VIII.,  Seite  32«. 

(Kirchengeräthe  )  „in  der  Broncegussanstalt  von  D.  Holle n ha ch  in  Wien  waren 
im  Monate  October  eine  Keihe  von  Kirchengeräthen  für  die  griechisch-nichtunirte  Kathedrale 
in  Ozernowitz  ausgestellt^  die  sich  wegen  ihrer  schttnen  stylistischen  Zeichnung  und  ihrer 
gelungenen  Ausführung  des  allgemeinsten  Beifalls  erfreuten  Die  Zeichnungen  rühren  von  dem 
Architekten  Hlawka,  dem  Erbauer  der  neuen  Kathedrale  und  bischöflichen  Residenz  in  CV.er- 
nowitz  her.**  Der  Notiz  erscheint  ein  in  der  „Oosterr.  Wochenschrift"  über  diese  (ierathe  ent- 
haltener ausführlicher  Bericht  angefügt.  . 

1879.     Band  5  der  „Neuen  Folge**,  Seite  XVI. 

(Olockenthurm  für  Putna.)  „Oberbaurath  Bergmann  referirte  über  das  im  Wege 
des  Cnltus-Ministeriums  .zur  Erstattung  eines  (tutachtens  herabgelangte  und  vom  technischen 
Departement  der  Bukowiner  Landesregierung  neu  verfasste  und  zur  Ausführung  vorgeschlagene 
1*roject  für  einen  (ilockenthurm  im  griechis.li-unirten  (?)  Kloster  zu  ]*utna  und  bezeichnete, 
den  neuen  Entwurf  als  eliensowenig  zur  Keallsirung  geeignet  wie  den  ersten,  sowohl  construc- 
tiver  als  stvlistischer  Bedenken  wegen.  Die  Section  pflichtete  den  Ausführungen  des  Keferenten 
bei  und  beschloss  dem  Unterrichts-Ministerium  von  der  Ausfuhrung  eines  oder  des  anderen  Pro- 
jcctes  eindringlichst  abzurathen,  dagegen  aber  aus  den  mehreren  vom  Referenten  vorgelegten 
Skizzen  eine  als  die  stylistisch  richtigste,  constructiv  verlässlichste  und  sehr  wenig  Kosten  bean- 
(»pmchende,  zur  .Ausführung  zu  empfehlen    Die  Section  konnte  nicht  umhin,  bei  diesem  Anlasse 


»)  Enthalten  im  XVIII.  Bande,  UTd.  Seite  261. 
•)  Enthalten  im  Jahresbericht  für   1H92,  Seite  122. 

5, 

Digitized  by 


'Google 


1 


46  Aus  DBN  Mittheilungen  der  k.  k.  Centbal  Comhission. 

ihr  lebhaftes  Hedauern  auB/usprechen,  dass  nicht  schon  der  erste  Entwurf  der  Central-Coin- 
niission  zur  Kegntachtung.  vorgelegt  wurde,  wodurch  nicht  allein  dem  Statute  der  Onlral- 
Comuiission  entsprochen,  sondern  auch  Zeit  und  Kosten  ersjmrt  worden  wären.  Die  (Vntral- 
Conimission  hat  daher  das  rnterrichts-Ministerium  dahin  zu  wirken,  dass  von  Seite  saninitlicher 
Staatshau-Organe  der  Wirkungskreis  der  Central -C'onimission  femer  nicht  so  sehr  ignorirt  werde, 
wie  dies  bisher  von  einigen  derselben  leider  der  Fall  gewesen,  dass  vielmehr  die  I^istungen 
einer  Commission,  die  aus  Fachmännern  besteht,  welche  ihre  langjährigen  Studien,  ihre  Kennt- 
nisse und  Erfahrungen  in  der  uneigennützigsten  AVeise,  blos  aus  Interesse  für  die  Sache 
der  Staatsverwaltung  zur  Verfügung  stellen,  von  diesen  künftighin  eine  bessere  Wurdigiiuji 
finden  möchten." 

1879.  Hand  5,  Jahresbericht  für  IHlH. 

{Prähistorische  Gegenstände.)  ,l)a  der  Section  Nachrichten  zukamen,  dass  die  in 
der  Hukowina  gefundenen  prähistorischen  (tegenstände  in  den  Sammlungen  der  Tniversität  lu 
C'zernowitz  in  nicht  entsprechender  AVeise  untergebracht  sein  sollen,  bes.'hloss  die  Section  sich 
vorläufig  durch  ihren  Conservator  für  die  Bukowina  nähere  Information  zu  verschaffen.* 

1880.  Band  i\  der  N.   F.,  Notiz  2t,  Seite   LXXVl. 

(Vom  Serether  Museum- Verein,)  ^Der  Obmann  dieses  äusserst  rührigen  Vereines. 
Herr  Josef  (iutter,  k.  k.  Hauptmann  i.  P.,  hat  als  (beschenk  für  die  wissenschaftlichen  Samm- 
lungen der  *k.  k.  Tniversität  in  Czemowitz  eine  grössere  Collection  in  der  Bukowina  aufgefun- 
dener antiker  Münzen  und  verschiedener  anderer  .Antiquitäten,  sowie  auch  eine  Partie  fossiler 
(»ebeine  gewidmet.  Die  ganze,  wertvolle  Sammlung  enthält  fünf  Denkmedaillen,  23  tnc-  und 
34  Silbermünzen,  ein  Elch-  oder  Elenfhierhorn,  einen  Theil  eines  Homzapfens  vom  Auerochsen, 
einen  Spiess,  vielleicht  zum  Braten  dienend,  ein  C'inerarium  (Schüsselchen  zur  Aufbewahnin? 
der  Leichenasche  bei  den  Kömern),  ein  (iefäss  aus  vorrömischer  Zeit,  einen  Hirsch  ebeneahn. 
eine  versteinerte  .VIeermuschel,  fünf  Holzversteinerungen  und  fossile  (iebeine  in  seclb 
Partien 

Femer  wird  aus  Sereth  berichtet,  dass  dort  von  Osten  nach  Westen  ein  hoher  Erdanfwiirf 
läuft,  an  dessen  Zerst'lrung  schon  lange  drei  Ziegeleien  arbeiten,  der  für  den  ArchÄologon  von 
grossem  Interesse  ist,  da  er  Funde  enthält,  die  der  Wissenschaft  sehr  wertvoll  sind,  weil  sie  in 
die  graue  A'orzeit  zurückreichen.  So  durchschneidet  denselben  eine  Mauer  ohne  Mörtel  oder 
Lehmbindung,  in  deren  Nähe  eine  Feuerstelle  mit  einer  grossen  Menge  von  Asche  und  Kohle 
und  verbrannten  Knochenüberresten  aufgefunden  wurde.  In  diesen  Kohlen  fand  man  eine  Stein- 
axt, ein  Feuersteinmesser,  ein  zugespitztes  Edelhirsch-Homstück  und  einen  Thonfuss.  rnfem 
dieser,  beiläufig  drei  Meter  tief  gelegenen  Feuerstelle,  ist  eine  brunneniihnliche  A^rtiefung  ver- 
schüttet; die  von  einer  Seite  ganz  blossgelegte  Anschüttung  hat  sich  von  der  Wand  losgel«tet 
und  nach  dieser  Seite  geneigt,  nachdem  der  A'ersuch  genKix:ht  wurde,  sie  zu  untergraben,  der 
aber  seiner  Lebensgefährlichkeit  wegen  aufgegeben  wurde.  Hier  zeigte  sich  eine  Auspftasteruni 
aus  gebrannten  Steinen.  Daselbst  fand  man  auch  verschiedene  sehr  primitiv  gearl>eitete  Thon- 
scherben  von  ungewöhnlicher  Dicke  aus  Schwarzerde,  in-  und  auswendig  verschmiert,  und  von 
unregelmässiger  Kundform.  Fernere  Funde  von  Thongefasscherben  aus  geschlemmteni  hehsu. 
die  daselbst  häutig  ausgegraben  werden,  und  Münzen  aus  der  Kömenseit.  geben  den  Beweis, 
dass  dies  Object  mit  nachträglicher  Mehraufschüttung  zur  Feldschanze  umgeformt  wurde. 

AVeitere  Funde,  als:  Eisenpfeilspitzen,  Sporne  und  ein  massiver  Silber-Siegelring  mit  der 
(fra\-irung  eines  gepanzerten  Armes,  der  ein  Schwert  aufrecht  einem  Halbmonde  entgegenhält 
und  welchen  drei  Kosen  umgeben,  beweisen,  dass  dieses  Object  auch  im  Mittelalter  als  Feld- 
schanze gedient  haben  musste,  was  die  daselbst  aufgefundenen  Menschengebeine  noch  mehr  l>e- 
kräftigcn.  Daselbst  werden  in  der  Tiefe  zwischen  3  und  4  Klafcer  auch  fossile  (iebeine  vonvelt- 
lieber  Thiere  gefunden,  die  aber  ungeachtet  grösster  A'orsicht  meistens  zerfallen.  Bios  ein  Zahn 
von  Mastodon  robustus  und  wenig  andere  (iebeine  konnten  erhalten  werden. 

Alle  diese  Funde  sind  theils  im  Landesmuseum  in  Czemowitz,  theils  bei  Hauptmann 
V.  (futter  untergebracht.** 


Digitized  by 


Google 


Aus    DEN    MlTTHEILÜNÖEN   DER   K.    K.    CENTRAL  COMMISSION.  47 

1880.     Band  (5,  Notiz  30,  Seite  LXXIX. 

{Archäologische  Funde  in  der  Bukowina).  „Alte  armenische  (irabsteine  wurden 
in  Sereth  aus  einem  Klosterfundament  gebrochen  und  bei  Ummauerung  des  Friedhofes  mit  ihrer 
Sculpturseite  nach  aussen  wieder  eingemauert,  deren  Zeichnungen  bei  Herrn  Finanzrath 
V.  Wickenhauser  sich  befinden  und  deren  Umschriften  in  deutscher  IJeberaetzung  hier  folgen: 
Nr.  1.  „Das  ist  der  Grabstein  des  gottseligen  Agopscha,  der  nun  verstorben  im  Jahre  1100  nach 
armenischer  Zeitrechnung  (1651  unseres  Kalenders),  den  30.  Jänner.'*  Nr.  2.  »Das  ist  derürai)- 
stein  des  gottseligen  Maren,  welcher  der  Sohn  war  des  Sahag  verstorben  im  Jahre  1102  (arme- 
nisch)** Nr.  3  „Das  ist  der  (irabstein  des  gottseligen  Ovanes,  seines  Weibes  Sartarig  und  seines 
Sohnes  Schadbey.  (iott  sei  ihrer,  Seele  gnädig  Im  Jahre  1108  (armenisch;  am  Mittwoch.** 
Nr.  4.  „Das  ist  der  Grabstein  des  Aswadur,  Sohn  des  Hanigc/.an  verstorben  im  Jahre  1100 
(annenisch)**.  Diese  Grabsteine  durften  wohl  lieweisen,  dass  die  Hauptniederlassung  der  Arme- 
nier nicht  in  Suczawa,  sondern  Sereth  war,  wa«  auch  der  Tmstand  erhärten  dürfte,  dass  bis  jetzt 
in  Suczawa  keine  Grabsteine  aus  jener  Zeitepoche  vorkamen.  Bei  der  Zerstörung  des  alten 
Klosterfundamentes  kamen  nicht  nur  die  oben  beschriebenen,  sondern  bei  30  Bruchsteine  arme- 
nischer Grabsteine  vor,  die  vermauert  wurden.  Der  Stein  Nr.  l  deutet  auf  die  spätere  Familie 
Afcopschowicz,  jener  Nr.  3  auf  die  noch  in  Galizien  lebende  Familie  Schadbey." 

1880.     Band  6,  Notiz  92,  Seite  CLVIII. 

{Glockenthurm  für  Putna.)  „Dau  Unterrichts-Ministerium  hat  die  Ausführung  des 
von  Ober-Baurath  Bergmann  augefertigten  Projectes  für  einen  neuen  Glockentliurm  im  gr.-or. 
Kloster  zu  Putna  über  die  Befürwortung  der  Central-Commission  genehmigt  und  zugleich  das 
l^ndesprn&idium  für  die  Bukowina  ersucht,  für  die  Folge  bei  ähnlichen  Hestaurirungs-  oder 
sonstigen  Zu-  und  Neubauten,  welche  auf  die  alten  Baudenkmale  des  Landes  Bezug  haben,  vor- 
erHt  in  Form  von  Skizzen  die  Anträge  der  Baubehörden  direct  an  die  Central-t.'ommission  zu 
leiten,  behufs  der  aUfälligen  Andeutungen  über  die  Art  und  Weise,  wie  die  bezüglichen  Pläne 
auszuarbeiten  wären.** 

1880.     Band  6,  Notiz  98,  Seite  CLX. 

{Archäologisch^  Funde  in  Sereth)  Es  wird  das  in  der  Notiz  21,  18H0,  bezüglich 
Sereth  Gesagte^  wiederholt  mit  der  Bemerkung,  djiss  die  erwähnten  Scherben  von  unregel- 
mässiger  Kundform  analog  den  im  Hünengrab  am  Jankulberg  bei  Graniczeschti  ^aufgefundenen 
sind  und  dass  sich  an  einer  weiteren  Stelle  die  Knochen  Überreste  zeigten.  Es  heisst  dann  weiter : 
^An  Münzen  fanden  sich  vor:  Eine  Trajan  und  eine  von  Faustina:  Erstere  hat  in  A,  das  lor- 
beerbekrcnte  Haupt  Trajans  und  die  Umschrift:  imperatori  trajano.  opt.  aug.  germ.  dac.  part; 
auf  dem  R.  die  Koma,  in  der  Linken  eine  Lanze,  in  der^Kechten  einen  zertrümmerten  Götzen 
ul>er  dem  Haupte  des  als  Triumphator  einherschreitenden  Trajan  haltend,  der  seinerseits  in  der 
Linken  die  Spolien,  in  der  Kechten  den  Lorbeerkranz  hält.  Der  \,  der  Faustina  zeigt  deren 
Kopf,  der  K.  eine  stehende  Pietas  und  auf  dem  erhalten  geblielienen  Kande  das  Wort  Augusta. 
Andere  römiscbe  Münzen  wurden  verworfen. **  Nach  einer  weiteren  Wiederholung  über  die  Kisen- 
funde  u.  dgl.  sehliesst  die  Notiz  :  „Eine  dritte  Sorte  Scherben,  die  seltener  vorkommt,  entstammt 
einer  jüngeren  Zeitperiode.'*  *> 


*)  Es  handelt  sich  somit  hier  um  eine  prähistorische  Ansiedlung,  die,  wie  es  häufig  der 
Fall  ist,  eine  sehr  ausgedehnte  Dauer  hatte,  indem  sie  aus  der  Zeit,  in  der  noch  polierte  Steine 
im  Gebrauche  waren,  bis  tief  ins  Mittelalter  reicht  Ob  die  den  Hügel  durchschneidende  Trocken- 
inaiier  und  jene  brunnenartige  (rrube  dahin  zu  rechnen  sind,  ist  nicht  sicher.  Unter  den  Thon- 
Bcherben  sind  welche  von  ungewöhnlicher  Dicke  und  un regelmässiger  rundlicher  Form  besonders 
a4ififäUig;  am  haufi^ten  aber  sind  die  Scherl)en  von  Gefässen  aus  geschlemmten  Thon,  zum 
Theile  Ton  sehr  sorgfaltiger  Arbeit  und  feiner  Glättung.  Viele  derselben  erinnern  an  die  Gefäss- 
t^c herben,  wie  sie  in  grosser  Zahl  in  den  Gräbern  und  prähistorischen  Ansiedelungen  von  Galianis 
vorkommen  (Horodnica;;  eine  spätere  Zeit  —  nämlich  jene  der  Kömerherrschaft  in  Dacien  - 
wird  durch  römische  Münzen  repräsentirt.  Zwei  der  Central-Commission  vorgelegte  Gefässüber- 
reste  von  feinem  gut  gebiannten  Thon  und  die  Merkmale  der  Töpferscheibe  tragend,  gehören 
<ier  römischen  Periode  an.  Uebrigens  dürfte  ein  Theil  der  zahlreichen  Topfscherben  auch  dem 
Mittelalter  angehören.     (Anmerkung  der  Kedaction  der  „ Mittheilungen •*). 


Digitized  by 


Google 


48  Aü8   DEN    MlTTHEILüNGEN   DER   K.    K.    CeNTEAL-CoMMISSION. 

1881.     Band  7,  Notiz  49,  Seite  LXXX. 

(Hünengräber  am  Jankulberge.)  „Conservator  G  u  1 1  e  r  hat  an  die  C^ntral-Com- 
mission  einen  ausführlichen  Bericht  über  die  am  Jankulberg  bei  Grauiczeschti  aufg^fundeneo 
sog,  Hünengräber  erstattet,  daraus  wir  Nachstehendes  inittheilen:  Veranlassung  zu  den  Fundfii 
gab  der  Bau  des  Pfarrhauses  (1872),  wozu  man  auf  dem  genannten  Berge  Bausteine  brach.  Aef 
dem  Grat  des  Berges  fand  sich  eine  Gräberstätt«  mit  unzugerichteten  Flussteinplatteu  in  eio« 
Lange  von  7  Fuss  und  Breite  von  4  Fuss  und  Tiefe  von  3  Fuss  ausgelegt  und  zugedeckt,  ä*- 
lag  3Va  Fuss  unter  der  Erdober  Hache  und  enthielt  nach  Abhub  der  Plattendecke  ein  grossen^ 
und  ein  kleineres  Geripp  über  einander  liegend.  I>eiu  grösseren  lagen  zwischen  den  Bein«, 
zwei  topfartige  Gefasse  aus  schwarzgebrannter  Schwarzerde  in  unregelniässiger  Kundfonn  m\ 
dicken  Wandungen.  Sie  enthielten  zum  sechsten  Theil  eine  dunkelbraune,  klebrig  feste,  geruch- 
lose, bilterlich  schmeckende  Masse;  rechts  des  Gerippes  lag  überdies  eine  sehr  gut  erhalteor 
Steinaxt  aus  Achat,  und  ein  versteinertes  keulenartiges  Holzstück;  das  Grab  ist  zerstört,  eiü 
Theil  der  Gebeine,  die  Axt,  Keule  und  Scherben  kamen  in  das  Landesmuseum  in  (''zemowitz 
Die  Gefasscherben  sind  mit  jenen  in  der  BeiH'schen  und  Mück*schen  Ziegelei  zu  Serelh  vor- 
kommenden, gleichartig.  In  neuester  Zeit  wurde  ein  zweites  Grab  aufgedeckt,  doch  sogleich  allr- 
zerstört  oder  verschleppt." 

1881.  Band  7,  Noüz  53,  Seite  LXXXL 

(Alt-armenische  Leichensteine  in  Sereth.)  „Conservator  Gutter  berichtete  m 
die  Central-Commission  über  mehrere  Funde,  die  gelegentlich  der  Entfernung  des  Fundameni? 
eines  vor  Zeiten  aufgelassenen  Klostergebäudes  in  Sereth  zu  Tage  kamen.  Man  fand  30  fin- 
gemauert  gewesene  Grabsteine,  wovon  jedoch  nur  noch  4  ganz  blieben,  dank  der  noch  recbi- 
zeitigen  Intervention  des  genannten  Conservators.  Es  sind  alt-armenische  Leiches- 
steine;  dieselben  wurden  nun  andernorts  zweckmässig  aufgestellt.  Ein  fünfter  Stein  wm^ 
an  anderer  Stelle  gefunden,  woselbst  man  die  Kirche  vermuthet.  Tnter  demselben  lag  ein  Ge- 
rippe in  ein  reich  mit  Gold  gesticktes  ganz  morsches  Brokat-Gewand  gehüllt.  Die  Steine  staniiBff. 
der  Inschrift  nach  ans  1552,  1651  und  1653.  Sie  sind  in  der  Mitte  mit  einem  stvlistisclus 
Pflanzenomament  geziert.  Die  Inschrift  in  armenischen  lottern  ist  am  Rande  umlaufend  ange- 
bracht und  gnt  erhalten.  Die  Personen  werden  kurz  bezeichnet,  wie  z.  B. :  Dies  ist  der  Grab- 
stein der  Kühe  des  Apiiham  und  der  .Vnnn.  welche  Kinder  des  Agapscha  Hauptes  der  St*ii 
Sereth  sind,  im  Jahre  1101  (arm.  Zeit);  oder  das  ist  der  Grabstein  des  gottseligen  Agop»:bL 
der  nun  verstorben  im  Jahre  1 100  den  30.  Jänner  (arm.  Zeit)  u.  s.  w."  (Vergl.  auch  Notiz  S» 
vom  Jahrgange  1880). 

1882.  Band  8,  Jahresbericht*fur  1881,  Seite  XI. 

(Tumuli,  Hünengräber,  Goldfund.)  ^Conservator  G  u  1 1  e  r  berichtete  über  :»eiot 
bisherigen  archäologischen  Forschungen  in  der  Bukowina,  namentlich  in  dem  alten  FürU^d- 
hchlosse  zu  Suczawa.  Der  Bericht  desselben  Conservators  über  Tumuli  Ixu  Petroutz,  Seretk. 
Korczeschti  und  Kopcze  wurde  zur  Kenntnis  genommen,  desgleichen  ein  weiterer  Beriefe 
über  am  Jankulberge  gefundene  sogenannte  Hünengräber  und  einen  bei  Hatna  gemachte? 
Goldfund.** 

1882.     Band  8,  Jahresbericht  für  1881,  Seite  XVIII. 

{Kirchlich-archäologischer  Unterricht.)  „Werthvolle  .Mittbeilungen  liefen  ein  \ot 
den  erzbischöflichen,  resp.  bischöflichen  Ordinariaten  in  Czernowitz  etc.  über  den  in  den  Mret- 
fenden  Diöcesan-Priesterseminarien  und  theologischen  Lehranstalten  schon  bestehenden  oder  eii- 
zuführenden  kunstgeschichtlichen  und  kirchlich-archäologischen  Unterricht** 

1882.     Band  8,  Notiz  71,  Seite  CXII. 

(Broncefunde  bei  Przelipcze.)  „(onservator  G  u  1 1  er  in  Sereth  theilte  mit,  d»* 
im  Jahre  1880  bei  Planierung  und  Bearbeitung  eines  Feldes  nächst  Przelipcze  in  der  ßukovi» 
eine  grosse  Anzahl  von  Broncegegenständen,  wohl  aus  einer  bei  dieser  Arbeit  zerstörten  Grube 
herrührend  gefunden  worden  ist.     Vou  den  Fundgegenständen    gelangten   einige  in  Privatbesia- 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN    MlTTHRILUNäEN    DER   K.    K     CkNTBAL-CoHHISSION. 


49 


einige,  darunter  ein  Helm  und  ein  Pferderüatzeug,  sollen  sich  im  Leml>erger  Museum  befinden. 
Zwei  Streitäxte  und  ein  Keit  wurden  der  Central-Comraission  vorgelegt,  sie  zeichnen  sich  durch 
gute   Erhaltung  aus.     Der  Tvpus  der  einen  Streitaxt,    bei    der  sich    der    Nacken    mittelst    eines 


Fig.  -2. 

lietfoudm-n  Halses  von  der  Schaftröhre  abhebt  und  eine 
fii  »ifindir*'  Scheibe  bildet,  ist  zahlreich  unter  den  Kroncen 
l'iiffurtii*  vertreten,  doch  ist  diinin  lenierker.s\vert,  dass 
s^lt'Ji  Hii'  Mitte  nicht  wie  sonst  zu  einer  Spitze  ausbildet. 
(Fig.  1).  Von  besonderer  Schönheit  und  VoUkommen- 
^'     *  heit  ist  die  zweite  Streitaxt,  welche  sich  ganz  den   sibi- 

rischen und  kaukasischen  Typen  anschliesst,  wenngleich  verwandte  Formen  in  Ungarn  vorkommen. 
Fig.   -2  zeigt  den  Kelt." 

1883.     Hand  9,  Jahresbericht  für  1882.  Seite  XXI. 

(Pu}*8tengruft  in  Humora  etc  )  „( Konservator  (i  u  1 1  e  r  berichtete  ilber  die  Enm*- 
nimg  der  alten  Fürstengruft  im  Kloster  Humora,  die  keine  besonderen  Hesultate  gab;  derselbe 
berichtete  femer  über  die  in  der  BeiH'schen  Ziegelei  zu  Sereth  gemachten  mittelalterlichen 
Funde.** 

1883.     Band  \K  Notiz  24,  Seite  L. 

{Reliquien- Brusikreuz^  Spinnwirtel  etc.)  „Einem  Berichte  des  Consenators  (Jutter 
zufolge,  fand  man  im  Sommer  1882  zu  Sereth  an  der  Stelle  eines  hingst  aufgelassenen  Friedhofes 
hei  Grabung  eines  Kellers  ein  Reliquien- Brustkreuz  aus  Bronceguss,  wahrscheinlich 
einstens  einem  F'rälaten  angehörig.  In  der  BeiH'schen  Ziegelei  fand  man  Thonsclierben  primi- 
tivster Form  nebst  Feuerstein-(»egenständen,  dann  eine  Aschenume  2(>  cm  hoch  und  24  cm 
breit,  ans  rothgebranntem  Thon,  daneben  kleine  Thontiegel  mit  schwarzer  Erde  angefüllt.  An 
einer  anderen  Stelle  fand  man  IY2  >"  unter  der  Erde  drei  Kohlen-  und  Ascrhenhaufen,  je  3  m 
von  einander  entfernt.  Die  oberen  Scbichten  dieser  Haufen  enthielten  abgenagte  Thierknochen. 
Fischgräten-Nadeln,  sageartige  Fischkiefer  und  Vogelschnäbel  und  ein  Spinnwirtel". 

1883.     Band  9,  Notiz   114,  Seite  CXLiX. 

[Tartaren- Denkmal)  „Der  (■on8er^'ator  Kitter  V.  (rutter  bat  au  die  k.  k.  Central- 
('oiuiiiis:«ion  über  das  Tartaren-Denkmal  iiei  Wama  nächst  Kisseleu  in  der  Bukowina  berichtet. 
r>a«>»elbe  ist  aus  Sandstein  angefertigt,  zwei  Klafter  hoch,  und  zum  Andenken  eines  durch  den 
Fürsten  Kakowitza  ül>cr  die  Tartaren  im  Jahre  17HJ  errungenen  Sieges  errichtet  worden.  - 
An  den  4  Seiten  der  viereckigen  Säule,  auf  welchem  eine  stark  ausladende  Deckplatte  und  eine 
niedrige  Abschlusspitze  ruht,  findet  mau  rumänis:;he  Inschriften,  die  ül)ersetzt  folgendermassen 
lauten: 

(Südlich.)  -  -  „Ich  Michael  Hakovitza  Woiwod  und  Fürst  der  ganzen  Moldau  im  Jahre 
I7lt5.  im  dritten  Jahre  meiner  Regierung  l»ekriegte  die  türkische  Pforte,  die  Deutschen"  .  .  .  nm- 
leserKch). 


Digitized  by 


Google 


50  Aus    DKN    MlTTHEILÜNQEN    DKR   K.    K.    CeNTRAL-CoMMISSION. 

(Oestlicli.)  —  , Vereint  mit  einigen  Deutschen  Buchten  Walachen,  rugam  und  .Vndkr* 
aus  Serviert*  unsere  Hauptstadt  .lassi  zu  erobern,  um  uns  gefangen  zu  nehmen,  und  sich  di**-- 
Hauptstadt  zu  unterwerfen,  so  wie  sie  es  vorher  mit  dem  Woda  Nicolaus  Maurocordato  Kürstr 
der  Wahichei  gemaclit  hahen.  Indessen  haben  wir  sie  durcli  die  Hilfe  (»ottes  f^änzlich  fi**t 
wunden  und  ihre  Leichen  übereinander  gehäuft.  Als  Zeichen  der  Erinnerung  hal>en  wir  di»-i*^ 
Kreuz  nel)8L  einem   Brunnen  errichten  lassen"  .  .  .  (unleserlich). 

(Nördlich.)  -  ^ Diese  steinerne  Saide  wurde  errichtet  als  wir  über  die  Ctehirge  M**-^i 
kaneschti  und  Sacharda  bei  Kodna  eindrangen.  Von  hier  giengen  wir  mit  Hano  einem  Anführe: 
einer  gro.H.sen  Zahl  von  Tartaren  nach  Bistriz,  machten  überall  grosse  Beute  und  steckten  ai* 
Ortschaften  in  Brand,  nur  die  einzige  Sta<lt  blieb  verschont.  Von  hier  kehrten  wir  «lurjfa  6» 
Marmarosch  zurück  .  .  .    «Vieles  unleserlich  )     Und  die  Tartaren  erlitten    eine    grosse   Niederlage* 

(Westlich.)  «Unter  Anführung   den  .lordaki   Kantakuzenos,  Anführung   der  Magasonen  .  . 
(unleserlich)'*. 

1883.  Jahresbericht,  Seite  57. 

(  Wandmalereien  im  Bt^rg schlösse  Suczawa.)  ^Auf  Ciiund  eines  l^richies«  ^k- 
Conservators  O  u  1 1  e  r  über  Wand  maierei  on  in  der  Ka(>clle  des  zerstörten  ßergschlusse:»  su  Su- 
czawa wurde  derselbe  ermächtigt,  eine  Informationsreise  dahin  zu  machen.*" 

1884.  Band  10,  Notiz  135,  Seite  CCXXIV. 

[Fnndc  in  Sfreth.)  „Auf  der  IWiirschen  Ziegelei  l)ei  Sereth  wurden,  wie  ConserTaur 
(i  u  1 1  e  r  berichtet,  in  neuerer  Zeit  viele  Tliongegenslände  (ni€*3 
nur  fragmentirt)  gefunden,  als  prähistorische  Ascheniirnen,  kleine 
Töpfchen,  eine  kleine  Thonfigu  r  (Fig  3  und  4»,  zwei  Meit-r 
tief  gelegen,  daneben  ein  Spinnwirtel.  Im  ausgetrockneten  BHchbe<it 
bei  C»U(1in  fand  mnn  allerncuest  einen  prähistorischen  Hammer  au» 
dunkelgrauem  harten  («estein,  gut  erhfllten,  D  cm  lang,  47«  «^bi 
breit,  auf  der  unteren  Seite  schneidig,  auf  der  oberen  Hach  unA 
abgeplattet,  er  hat  die  gewöhnliche,  annähernd  bügeleisen förmig 
(«estaltung.** 

1884.     Jahresbericht,  Seite  30. 

{Funde  in   Sereth.)   „Conservator  Gutter  legte   einen  Be 
rieht  über  den  Fnnd   von  römischen  Ziegeln  in    Sereth    vor.     Der- 
selbe sendete  Proben  von    verkohltem  (»etreide,    welches   nebst  Ht- 
Vorder-  und  Rückseite  Tassen    in    einer    Ziegelei    zu    Sereth    gefunden    wurde.     Die    vuo 

t'ig  3  pig    4  Dr.  Much  sehr  sorgfältig  eingeleitete  Untersuchung  ergab  da«  Vor- 

handensein von  Weizen  gemischt  mit  Koggen  Ein  gleichfalls  ^-or 
diesem  Consen-ator  vorgelegtes  Thonfigürchen  wurde  als  wichtiges  Fundstück  ältester  C'uUurstit 
erkannt.  Dr.  Much  erklarte  aus  diesem  Anlasse,  dass  er  sich  nicht  überzeugt  halte,  dans  raao 
es  bei  diesem  Funde  mit  prähistorischem  Weizen  zu  thun  habe  ** 

1884.  Jahresbericht,  Seite  59. 

(Berichte  über  Klöster.)  „Conservator  Gutter  übersendete  einen  interessanten  Be- 
richt über  das  Kloster  Putna,  wofür  ihm  gedankt  wurde.  Ueber  einen  weiteren  ebenso  wichtigen 
Bericht  desselben,  die  Baudenkmale  in  Suczawa  und  tue  SchlosHruine  Ctetate  betreuend,  endlich 
über  einen  dritten  Bericht  desselben,  betreffend  die  Klöster  St.  Onufrii,  Suczawitza  und  Drage- 
mirna.  referirte  Oberbaiirath  Bergmann,  und  .sprach  derselbe  den  Wunsch  aus.  dass  die  „Milthei 
hmgen**  über  diese  Baudenkmale  recht  bald  Ver(>tTentlichungen  bringen  mögen.** 

1885.  Band   11,  Notiz  1,  Seite  XIII. 

(Römische  Ziegel.)  „In  Sereth  wurden,  einem  Berichte  des  Ckinservators  Gutter  zn 
folge,  zwei  römische  Ziegel  aus  einer  .Mauer  gebrochen;  leider  war  es  nicht  möglich,  die  Mauer 
weiter  zu  untersuchen.  Sie  sind  sehr  hart  gebrannt.  11  cm  dick.  14  cm  breit:  der  grotüierc  i«i 
ganz  und   lU  cm.  lang.     Die  ersten  derartigen  Funde  in  der  Bukowina." 


Digitized  by 


Google 


Aus    OiSN    MiTTHBILUNOEN   DER   K.   K.    CeNTRAL-C0MIII88I0N.  51 

1885.     liand  11,  Notiz  121,  Seite  CXII. 

[Bronce  Kelte  aus  Presecareni.)  „C'onHervfttor  fintier  hatte  durch  Beine  Agenten 
n  Erfahrnng  gebracht,  daHS  im  Dorfe  Kupka  ein  sehr  alter  Kirchen-FundamentKtein  annge- 
ckert  wurde,  ferner  dare  zu  Pre- 
ecareni  ein  bedeutender  Bronce- 
lackcnfund  vorkam.  Dies  veran- 
ttsste  denselben,  diese  Fundstelle 
u  l>esichtigen,  um  sich  die  Ueber- 
eugung  hierüber  zu  verschaffen 
md  Verschleppungen  zu  verhin- 
lem.  Am  4.  d.  M.  reiste  der»ell)e 
lach  Presecareni.  begab  sich  zur 
•'nndstelle  in  den  Wald  und  sah 
inige  Meter  vom  nördlichen  Wald- 
ande  auf  einer  lieackerten  grossen 
Yaldhlösse  die  Stelle,  wo  ein  stark 

erstt'irter   Kroncekessel    durch    den  Fig.  r> 

^fliig  zerrissen  wurde.  In  der  Mitte 

lieses  Kessels  stand  eine  Thon-Urne  mit  Asche  gefüllt,  und  diese  umga)>en  liegend  12  Stuck 
ironce-Kelte.  Der  Kessel  und  die  Urne  wurden  durch  die  Knechte  ganz  zer8t4>rt,  die  Kelte  ver- 
chleppt.  Dem  Conservator  gelang  es  nur  mit  Muhe,  zwei  Kelten  für  das  J^andesmuseum  in 
'zernowitz  zu  bekommen;  selbe  sind  ganz  gut  erhalten,  grün  pattnirt,  vom  Schaftloch  bis  zur 
>oheide  11  cm  lang  und  die  Schneide  57^  cm  breit,  mit  kreis-  und  keilförmigen  erhabenen 
Streifen  verziert.**   (^Fig.  5). 

1885.     Jahresltericht,  Seite  40. 

{Fund^  auf  der  Hliboker  Hochebene)  „Conservator  (iutter  berichtete  ferner 
iber  Fnnde,  die  in  neuester  Zeit  \m  Wama,  Banilla  und  Sereth  gemacht  wurden,  worubor 
leschloflsen  wurde,  die  Durchfuhrung  systematischer  (Grabungen  auf  der  Hliboker  Hochebene  zu 
nbventioniren.** 

1885.     Jahresbericht,  Seite  64. 

{Kirche  zu  Wolowetz,)  „Conservator  Gutter  übersendete  einen  Bericht  über  die 
lirche  zu  Wolowetz  in  der  Bukowina.  Oberbaurath  Bergmann  bezeichnete  diese  ICirche  wegen 
er  Spuren   von  alter  Bemalang  als  beachtenswert.'' 


Band  12.  Notiz  2,  Seite  XXIV. 
(Mänzfunde,)     ^Conservator  (lUtter  in  Sereth  berichtete,  dass  im  Jahre  1885    bei  den 
^ersciianzungen    der  Furstenburg   in  Suczawa    viele  altrumänische  Silbermünzen    und    bei  ]{a- 
tlla  römische  Silbermunzen  in  grösserer  .Anzahl  gefunden    wurden.     Beide  Funde   wurden    fast 
jHDz  verschleppt.  ** 

I  1886.     Band  12.  Notiz  48,  Seite  X(^I1. 

{(jutter,)    „Am  8.  Mai  ist  der  Conservator  Josef  Kitter  v    (rutter  zu  Sereth  gestorben." 

1886.     Jahresbericht,  Seite  81. 

(Archäologische  mm.   Gesellschaft)     „T)ie   (Jründung    einer    archäologischen    runm- 

fhen  (iesellschaft  in  C/emowitz  wurde  zur  Kenntnis  «ler  (^entral-Commission  gebracht.'* 
1886.     Jahrcfibericht.  Seite  HO. 

(KutiSt-Topografie,)    .  .  .„endlich  machte  nurh  der  verstorbene  Conservator    v.   (Jutter 
h  AusBendung   von  Fngebogen   Vorl)ereitungen    zur  Materialsamtnlung    für  eine  Kunst-Topo- 
|»hie  der  Bukowina 


Digitized  by 


Google 


62  Aus  den  Mitthsilunosm  dsb  k.  k.  Cbmt&al-Commission. 

1886.     Jahresbericht,  Seite  45. 

(Funde  in  Ktsseleu  und  Gräberfeld  bei  Hliboka.)  „Corwervator  v.  Outter 
lej^te  vor  das  Progranini  für  eine  wissensohaft liehe  Diirchforsnhiing  <ler  Bukowina  nach  prähisto- 
rischen Denkmalen,  worüber  Dr.  M  ii  c  h  an  die  Central-! 'ominiifeion  befürworleDci  referirte,  femer 
ul»er  einen  gHtoseren  Fund  von  Thongefassen  in  Kisseleii  und  Qlier  ein  (iräberfeld  auf  der 
Ii  I  i  b  o  k  e  r  Hochebene.'' 

1886.  Jahresbericht.  Seite  7<>. 

{MirOHckirche  in  Suczawa.)  ^ConKcrvator  von  O  n  tter  machte  auf  den  Verfall  der 
Kathe<lrale  in  Mirontz  (Bukowina)  anfmerkwiiii;  eK  wunle  l>eHciilo88en,  den  ßauzuMtaiu!  d\^ht> 
Denkmalen  durch  ein  Kacborgan  erheben  zu  las-seii.  ( 'on8er\'ator  Laizner  bericlilete  in  der 
Folge  ni>er  diese  Kirche  und  bezeiclmete  sie  als  ein  hochwichtiges  («ebäude  orientaÜHclier  Bau 
weise,  worüber  die  Ceiitral-Commisston  ulter  Antrag  des  Baunithes  HIavku  beschlosM.  den  Krz 
bischof  von  (V.ernowitz  zu  bitten,  dieses  Baudenkmal  restauriren  /.u  hissen  und  wieder  kirchlidten 
Zwecken  zuzuführen.** 

1887.  Band  1.%  Notiz  120,  Seite  CLXXXV. 

(Leichenfeld  bei  Kalinestie,  lumuli  hei  Horodnik.)  „Consenator  Kl  au»  er 
in  Radu*itz  hat  an  die  (*entral-(>ommission  berichtet,  dass  er  l>ei  K  a  1  i  n  e  s  t  i  e  l>ei  (ielegenheir 
einer  Abgrabung  ein  regelmässig  angelegtes  Keichenfeld  gefunden  hat.  Die  Urnen  liegen  in 
geraden  Linien  und  in  regelmässigen  Zwischenräumen  In  einer  el>en  iu  Anwesenheit  d<fs  Vvn- 
servators  in  einer  Tiefe  von  circa  7  Fuss  ausgehobenen  Frne  fand  man  bei  ihrem  Zerfälle  wir 
Asche.     Bei   Horodnik  (and  derselbe  fünf  Tumuli  ähnlich  jenen  zu   Hliboka.** 

1888.  Jahresbericht.  Seite  r)5. 

[Prähistorische  Funde,  lartaren  Lager  bei  Hlinitza).  „Conservator  Romsiorfer 
berichtete  ül>er  einige  neuere  prähistorische  Funde  iu  der  Bukowina  und  machte  auf  die  sof 
Tartaren- L.igerstätte  l)ei  Hlinitza  aufmerksam.  Ks  wurde  l^eschlossen.  den  genannten  C'uiiserwtor 
zu  näherer  l'ntersuchung  der8ell>en  zu  veranlassen.'* 

1888.     Jahresliericht.  Seite  103. 

( Klosterkirche  in  Dragomirna,)  „Conservator  von  Z  a  c  h  a  r  i  e  w  i  c  z  l*erichirtr 
ul»er  die  Klosterkirche  von  Dragomirna  in  der  Bukowina.  Kefetent  Baurath  HIavka  \*^ 
zeichnet  die  Klosterkirche  Dragomirna  als  die  gHtsste  unter  den  Bukowiner  Kirchen  und  als  dir 
einzige,  welche  ganz  aus  Werkstein  ausgeführt  wurde  Derielbe  fugte  bei,  d  *S8  die  Hukowiaer 
Kirchen  sowohl  in  ihrer  Uesamrotheit  als  auch  viele  von  ihnen  für  sich  sellutt  so  Wel  des  Imer 
essanten  und  Bedeutenden  a  ifweisen,  was  eines  eingehenden  und  erschöpfenden  Stadiums  wertfc 
ist,  daher  es  sich  empfehle,  wenn  die  Central-Ckimmission  ihre  besondere  Aufmerksamkeit  dech 
sellien  zuwenden  machte.  Sie  umfassen  eine  fast  300jährige,  vorwiegend  selltststiindi^  Kun^ 
thätigkeit.  die,  wenu  auch  aus  dem  Wesen  des  by/antinischen  Styies  und  den  rituellen  Anfortlt» 
Hingen  der  orientalischen  Kirche  hervorgegangen  und  von  der  abendländischen  Fonnenbildiiu| 
des  Mittelalters  angeregt,  dennoch  sowohl  die  Gesammtconstruction  des  inneren  KirchenrauDd 
als  speciell  die  Entwicklung  des  Kuppelbaues  und  der  Kuppelfonu  einer  derart  selbststäodif^ 
Ausbildung  zugeführt  hatte,  wie  .Hell»e  von  keiner  anderen  Kunstepoche  versucht  wurde,  nnd  dil 
daher  auch  als  ein  besonderes  Verdienst  dieser  Kimstthätigkeit  und  aU  eine  hen-orra|rei»'il 
Eigenthümlichkeit  dieser  Baudenkmale  anerkannt  werden  mus.<<  —  Die  Central-Comnii^-l 
beschloss  daher.  Schritte  zu  thuu,  damit  durch  geeignete  Kräfte  diese  Buudenkmale  aufgenomui«^ 
und  archäologisch  durchforscht  werden.** 

1888.     Jahresl>ericht.  Seite  104. 

(Bausttjl  der  griech^-oricnt  Kirchen;    Gründung  eines  Museums)       .Con*H 
vator  Romstorfer  iu  (Ver.iowit/.  m.ichte  die  (/«»ntr.il-CJommission  auf  s;?ine.i  an  d.as   k    k    l'l 
terrichts-Ministerium  geleiteten  Bericht  über  den    typischen  Baustyl    der    gr.-or.  Kirchen    in  M 
Bukowina  aufmerksam  und  hebt  die  Nothwendigkeit  der  (Gründung  eines  Museums  für    die  W 
kowina  hervor.** 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN    MiTTHKILUNGEN    DER   K.    K.    CeNTEAL-CoMMISSION. 


53 


„Ein  8  t  e  i  u- 
zwischen    der 


ZJmm 


iJ 


i 


1889.     Band  15,  Seite  32  und  33. 

(Funde  in  der  Bukowina.)  Von  Consenator  C.  A.  Romstorf  er. 
I>  e  i  1  wurde  im  Vorjahre  am  rechten  Pruthufer,  fast  an  der  C)herfläche  liegend, 
Kisenhahn-  und  Strassen! )rllcke  bei  Czernowitz  von  Arbeitern  gelegentlicli 
der  Flusschotter-Gewinnung  aufgefunden.  Es  ist  ans  einem  sehr  harten 
Feuerstein  gehauen  und  geschliffen,  welcher  dunkel-  und  licht-grau,  ins 
fepiabrann  llbergehende  Marmorirung  zeigt,  hat  eine  grösste  Länge  von 
93  mm,  eine  obere  Breite  von  34,  im  unteren  Drittel  eine  grösste  Breite 
von  47  mm,  eine  45  mra  breite  Schneide,  welche  auf  3  mm  convex 
gestaltet  ist,  endlich  eine  grösste  Stärke  im  Kern  von  23  mm,  an  den 
Seitenflächen  von  17  mm.  Die  Schneide  ist  sehr  scharf  (Eigenthüraer 
Herr  Stadtingenieur   Ludwig  West  in  Czemowitzl. 

Ein  durch  lochtes  Steinbeil  (Hammer).  Es  1>e8teht  aus 
Diabas  (Grunsteingruppe,  meergrüner,  nicht  sehr  harter  Stein),  ist  an 
seiner  Oberfläche  und  namentlich  im  Innern  seiner  conischen  Durch- 
lochiing  ziemlich  glatt  geschliflTen;  die  Schneide  ist  stumpf,  zum  Theil 
schartig;  die  ovalförmige  Hammerfläche  ist  rauh.  Die  Abschürfungen  an 
der  Kante  zwischen  der  Aushöhlung  und  der  Oberfläche  rühren  von  den 
Bauern  her,  welche  das  Beil  im  Frühjahre  1885  in  Jordanestie  am  Ufer 
des  Sereth  nach  einer  UeberBchwemroung  des  letzteren  gefunden  haben. 
Die  grössten  Dimensionen  sind,  und  zwar  die  Länge  80.  die  Breite  42 
und  die  Dicke  35  mm;  das  Loch  hat  einerseits  18,  anderseits  22  mm 
Durchmesser.  Die  etwas  convex  gestaltete  Schneide  ist  28  mm  lang,  die 
Hammerfläche  misst  nach  der  Breite  20,  nach  der  Dicke  des  Beiles 
24  mm.  (Rigenthümer  Herr  Kolakowski,  Redacteur  der  Gazeta 
polska  in  Czemowitz). 

Das  in  Lutan  bei  Czemowitz  1887  bei  der  Fundirung  einer 
Freitreppe  des  Gutsbesitzei-s  Bogdan  von  Bottuschan  (etwa  15  Minuten 
vom  Pruth  entfernt)  aufgefundene  F  e  u  e  r  s  t  e  i  n  b  e  i  1  ist  132  mm  lang, 
nach  oben  ziemlich  spitz  zulaufend;  die  Schneide  ist  merkwürdiger- 
weise schräge  gegen    die  Symmetrielinie    gestellt    und    zeigt  diesl>ezüglich 

circa  10  mm.  Sonst  ist  das  Beil  ziemlich  roIi  liearbeitet.  Die  scharfen  Bruchkanten  sind  etwas 
abgeschlifien :  die  Schneide  ist  an  ihrer  hinteren  Seite  abgenützt  (Kigenthümerin  Frau  Bogdan 
von  Bottuschan,  Gutsbesitzers-Gattin  in  Lu2an). 

Nebige  Abbildung  stellt  einen  Silberschmuck,  wahr- 
scheinlich eine  Partie  Schläfenringe  dar,  welcher  im  Jahre  1H85  in 
Malatinetz,  Bezirk  Kotzman,  aufgefunden  wurde.  Der  aus  starkem 
Draht  gebildete  offene  Ring,  dessen  eines  plattf^odrücktes  Ende  eine 
Durchlochung  besitzt  und  dessen  zweites  Ende  )ilatt  geschlagen  und 
spiralförmig  aufgewunden  ist,  ebenfalls  eine  kleine  Durchlochung  bil- 
dend, trägt  die  Verzierung,  welche  der  Hauptsache  nach  aus  einzelnen 
Blüthen  besteht,  die  derart  aneinander  gereiht  snid,  dass  sie  eine 
Kugelform  bilden.  Jede  derselben  (von  denen  noch  vier  vorhanden, 
drei  jedoch  weggebrochen  sind)  besitzt  in  der  Mitte  eine  aus  kleinen 
Kügelchen  bestehende  Pyramide,  während  die  Blätter  aus  plattge- 
drückten aus  Drahtwindungen  erzeugten  Rohrstückchen  bestehen.  Letztere,  nebst  dünnen  spiral- 
fr^rraig  gewundenen  Drähten,  femer  Reihen  aus  Kügelchen  darüber,  bilden  die  weiteren  Verzie- 
rungen. Insbesondere  ist  ein  Theil  der  Ringscheibe  noch  mit  besagten  RohrstUckchen  bienen- 
zellenartig  ausgefüllt,  von  denen  ebenfalls  ein  Theil  weggebrochen  ist.  (Eigenthümerin  wie 
früher). 

Funde  aus  Hlinitza,  am  Pruth:  Nachdem  Bauern  schon  seit  Jahren  auf  dem 
Miserdziw  z.amki  bei  Hlinitza  Gefäßscherben,  Waffentheile  etc.  gefunden  hatten,  welche  der  dor- 
tige Gutsherr  Alezander  von  Flondor  erwarb  und  gross tenth ei Is  wieder  weiter  verschenkte,  Hess 
Herr  Oberst    von  Seraczin    durch    die    Regiments-Pionnier-Ahtheilung    unter  Leitung    des  Herrn 

Digitizedb^GoOgle 


Fig.  6. 
eine  Abweichung   von 


54  AVB   DEN    MlTTHEILUNGBN    DER   K.    K.    CeNTBAL-OoMMISSION. 

Oberlieiitenants  Knizlewski  im  Vorjahre  und  heuer  Grabungen  veranstalten,  welche  zahlreich 
Funde  zu  Tage  f«»rderten,  von  denen  der  Herr  ()l>erst  mir  einen  Theil  üherliess. 

In  dem  dort  befindlichen  Walle  befanden  sieh  in  der  Tiefe  von  0*5  m  von  der  ÜusseivB 
Seite  Kohle  und  Asche  in  einer  etwa  20  cm  dicken  Schichte ;  an  einer  anderen  Stelle  zeigten  >iv*l 
an  der  äusseren  Seite  von  oben  bis  zu  einer  Tiefe  von  0  s  m  Ziegel,  (?)  hierauf  Thon  ;  in  der 
Tiefe  von  1*5  m  Asche,   Kohle  und  Steine. 

Ich  begab  mich  an  Ort  und  Stelle  und  fand  selbst  eine  große  Zahl  von  Scherben,  dans 
Kohlen  u.  dgl.  im  Innern  der  aufgeschütteten  Dämme. 

Im   Inneren  des  umwallten   Raumes  wurden  in  der  Tiefe  von   Xb  bis   TS  m  gefunden 

Scherben  von  verschiedenen  (iefässen  etc.,   u.  zwar: 

a)  Theile  von  mit  der  Hand  geformten  Töpfen  aus  verschiedenen  Thon-  und  Tegel-liattungea. 
mehr  oder  weniger  ausgebrannt. 

b)  Theile  von  mit  der  Hand  sehr  roh  geformten  gr<»sseren,  an.«*cheinend  flachen,  viellekit 
rechteckigen  IwefiLsseu  mit  verticalen  niederen  Wänden;  vielleicht  auch  Ofent heile  mit 
bis  zu  drei  und  mehr  Zentimeter  Dicke,  im  Kern  fast  schwarz  scheinende  feste  EnW 
zeigend,  die  Oberflä^^he  theilweise  mit  in  Keihen  stehenden  Fingerspitzen- Eindröekrfi 
versehen. 

c;  Theile  von  auf  der  Drehscheibe  erzeugten  (lefässen,    deren   Wände    im  Innern    fest   liafl 

und  zumeist  blauschwans  sind,  oberflächlich    mehr    oder    weniger    die  Ziegelfarbe    xeigct 

und    mit    in  Parallelkreisen,    in   Wellen-    oder   Zickzacklinien    laufenden    einfachen   oder 

mehrfachen  Riffen    ver/.iert    sind,    welche    mit    einem    kammartigen    Instnimente    enenp 

wurden. 

Z  i  e  g  e  1  b  r  0  c  k  e  n  (?)  oder  Theile  von  vielleicht  in  der  Nähe  einer  Feuerstelle  dcp^ 
nirt  gewesenem  Thon,  wahrscheinlich  Wandbewurf  der  Hütten,  sowie  gel>rannte  Stucke  ^"^ 
Sandstein  u.  dgl. 

F  e  u  e  r  s  t  e  i  n  s  t  ü  c  k  c  h  e  n ,  fasst  weiss,  theilweise  blaugrau  marmorirt.  Ebenda  faul 
man  in  der  Tiefe  von  0'5  m : 

Verkohlten  Weizen,  zum  Theile  zu  grr»s.seren  Klümpchen  zu.samraengelitekfa; 
darunter  ein  Stuck,  welches  merkwürdigerweise  aus  Weizen  und  einer  porösen  Thonart  geniiM'bt 
besteht  und  ausgebrannt  ist. 

Ein  Eisen  stück,  der  Form  nach  das  obere  Mun<!stUck  einer  Säbelscheide,  aus  en«3 
zwei  Millimeter  starkem  Eisenblech  erzeugt.  Die  grösste  liebte  Breite  beträgt  an  der  <Witr 
seije  18,  an  der  rnterseite  nur  15  mm.  Die  Querplatte,  welche  das  38  mm  lange,  <».  I>ei> 
hungsweise  27»  n»m  breite  Loch  zum  Durchstecken  der  Klinge  enthält,  liegt  schräg  im  oval*^e 
16  mm  hohen  King.   Das  Stück  ist  schon  sehr  stark  vom  Rost  zerfressen. 

Vor  mehreren  Jahren  halten  Hauern  etwa  500  Schritte  von  den  Wällen  entfernt  in  eine? 
Schlucht  ein  sammt  Griff  40  cm  langes,  nun  stark  vom  Kost  zerfressenes  Messer  aufgefnndtr 
Der  Kücken  ist  gerade,  vorn  hat  es  eine  Längsverstärkung,  dann  einen  Lappen,  welcher  ei*i* 
gegen  die  Schneide  zu  gekehrt  ist  (auf  der  Rückseite  scheint  ein  ähnlicher  Lappen  abgebrock" 
zu  sein). 

Am  (iriff  sind  drei,  theilweise  noch  vorstehende  Nägel  angebracht,  welche  zur  Befe^' 
gung  der  Heftschalen  dienten. 

In  grösserer  Zahl  wurden  in  der  Bukowina  Bronce-Kelte  gefunden.  Eines,  ^r 
Hohlkelt  wurde  vor  etwa  drei  Jahren  von  einem  Bauer  an  dem  nordöstlichen  Abhänge  di^ 
Bergrückens  l'ropasna  bei  Hlinica  unfern  der  IJmwallung  ausgeackert.  Die  Oberfläche  if^f 
ziemlich  viele  gegen  1  mm  starke  Foren  (blasig)  und  trägt  eine  dicke  Grünspanschichte,  v.'i'\c^ 
nach  dem  .Vuffinden  theilweise  weggekratzt  wurde.  Im  Mittelschnitt  ergibt  sich  äusserlich  fi» 
so  ziemlich  regelmässiges  Sechseck.  An  der  Seite  zeigen  sich  die  Reste  eines  Oehr«.  An  x»f* 
Stellen  hat  es  Längsrisse.   Die  Wandstärke  beträgt  etwa   1   mm.  (Eigenthümer :  Oberst  Seraco»' 

Im  \'orjahre  fand  Herr  Oberlieutenant  Kruzlewski  im  Verein  mit  Herrn  Alexander  '^ 
Flondor  in  der  Nähe  des  Walles  von  Hlinitza  etwa  14  Bruchstücke  von  Ringen,  wovon  vier*' 
ziemlich  zu  einem  ganzen  Ring  passen.  Die  Oberfläche  ist  sehr  glatt  und  schön  gleichmäsai 
grün,  in  einer  Weise,  als  wäre  dieselbe  mit  einer  emailartigen  Schichte  überzogen.  Der  Ton  «»«^ 
Farbe  ist  etwas  dumpfer,  als  es  reiner  (irünspan  ist,  welcher   sich    unter    der  Oberfläche  i^'^f 


Digitized  by 


Google 


Aus    DEN    MiTTHEILUNOEN    DER   K.    K.    CeNTRAL-CoMMISSION.  55 

Der  Durchmesser  beträgt  etwa  10  cm;  die  grösste  Breite  12,  die  kleinste  6  mm:  die  Stärke 
iVt  nim.  Die  übrigeD,  etwa  10  Theile  sind  kürzer  und  scheinen  einem  zweiten  Kinge  angehört 
zu  haben  (Eigenthumer  derselbe). 

Der  Fundort  Hlinitza,  Ijeziehungsweise  der  Miserdziw  zaniki.  welcher  gegenwärtig  einen 
hübschen  etwa  60jährigen  Buchenwald  trägt,  scheint  dereinst  ein  befestigter  Punkt  oder  ein  ver- 
schanztes Lager  gewesen  zu  sein  (sogenanntes  Tartarenlager).** 

1889.     Band   15,  Notiz  36,  Seite  54  und  55. 

{Fandbericht.  Fortsetzung  ^  Von  Conservator  ('.  A.  Romstorf  er.  „An  weiteren 
Objecten  wurden  dem  Berichterstatter  von  Herrn  k  k.  Hofrath  Dr.  A.  Hammer,  beziehungs- 
weise vom  Stadtffirster  T.  v.  Z  v  c  z  y  n  s  k  i  behufs  eventueller  Einverleibung  in  das  hier  zu 
grundende  historische  Museum  die  nachstehenden  Pfunde  übergeben. 

1.  Gelegentlich  der  Grabung  der  Fundamente  eines  Maierhofes  in  Kotzman  fand  man 
vor  etwa  zehn  Jahren : 

a)  Zwei  Stück  Kinge,  genau  von  derselben  Form  und  Arbeit  (Silberfiligran),  wie  der,  welcher 
wie  der  oberwähnte  Silberschmuck  als  slavischer  Schläfenring  gedeutet  wurde.  Die  Stücke 
sind  jedoch  sehr  arg  beschädigt,  mit  Grünspan  überzogen  und  ist  der  den  Ring  schliessende 
halbkreisf<>rmige  Draht  bei  beiden  Stücken  weggebrochen. 

b)  Messing-  (oder  Bronce-)  Hlechverzierung,  gefunden  auf  der  Stirne  des  Gerippes,  wahr- 
scheinlich seinerzeit  an  der  Kopfbedeckung  befestigt  gewesen.  Auf  dem  dünnen  quadra- 
tis(*hen  mit  vier  Ijöchern  an  den  Ecken  und  roh  eingedrückten  Ornamenten  versehenen 
2  Vi  cm  grossen  riättchen  sitzen  melonenf^^rmig  geritt'te  Halbkugeln  mit  Draht^sen,  an 
welchen  blattförmig  ausgeschnittene  Plättchen  hängen,  welche  einerseits  geradlinig  eingra- 
virte  Kippen  und  Strichelchen  tragen.  Die  Drahtösen  dienen  gleichzeitig  zur  Befestigung 
der  Halbkugeln. 

c>  Kugeln.  H  mm  im  Durchmesser  aus  dünnem  Messing-  oder  Hronceblech,  wie  ersichtlich, 
aus  zwei  gepessten  Halbkugeln  zusammengelöthet.  .\n  ihrer  Oberseite  tragen  sie  eine  Oese, 
mit  welcher  sie  wahrscheinlich  an  eine  Schnur  angefosst  wurden,  während  auf  der  ent- 
gegensetzten Seite  eine  aus  vier  hirsegrossen  Kügelchen  bestehende  Pyramide  aufgelöthet 
ist.  welche  lebhaft  an  die  auf  dem  unter  ai  erwähnten  Silberschmnck  angebrachten,  zumeist 
aus  10  Rügelchen  bestehenden  kleinen  Pyramiden  erinnert.  Von  derartigen  Kugeln  sind 
vorhanden:  acht  ganze  und  fünf  halbe;  sie  sind  mit  einer  verhältnissmässig  starken  Grün- 
spanschichte überzogen  und  grcisstentheils  beschädigt. 

Von  den  Bewohnern  Kotzmans  erinnert  sicli  Niemand,  dass  an  der  Fundstelle,  wo  die 
erwähnten  Gegenstände  mit  Menschengebeinen  und  Zähnen  ausgegraben  wurden,  je  eine  Begräb- 
nisstätte gewesen  wäre;  es  scheint  demnach,  dass  die  (Gegenstände  von  einem  Krieger  herrühren, 
welcher  hier  sein  zufälliges  Utah  fand. 

2.  Die  Lanzenspitz**  von  27  cm  Gesammtlänge  (die  eigentliche  Spitze  8  cm  lang,  27  mm 
breit',  mit  einem  an  der  Unterseite  im  Lichten  3  cm  weiten  Schaft  zum  Aufstecken  und  Befe- 
stigen an  die  I>anzenstange,  endlich  einem  angeschmiedeten  Ohr,  ist  aus  einem  quadratischen 
Ktabe  gebildet  und  verräth  eine  ziemlich  rohe  Arbeit.  Sie  ist  schon  sehr  stark  vom  Koste  an- 
ijegrifTen,  der  Schaft  speciell  an  einigen  Stellen  bereits  durchgefressen.  Dieser  Gegenstand  wurde 
ror  etwa  15  Jahren  auf  der  Anhöhe  Horodestie  (bei  Staneslie  am  Czeremoszi,  woselbst  ein  ver- 
^hanzte«  Lager  gewesen  sein  soll,  in  dem  Abstürze,  der  sich  bei  einem  W'jisserriss  bildete,  gefunden 
jnd  zeigt**  sich  derselbe  in  einer  Tiefe  von  fast  3  m  unter  dem  Terrain.**   (Fig.  6  auf  Seite  53). 

1889.     Band   15,  Notiz  IGO,  Seite  215. 

{Kirche,  in  BadeutZ,)  ^Conservator  Klauser  und  Pfarrer  Tomini  haben  an  die 
[^entral-C'ommission  einen  längeren  Bericht  gerichtet  über  die  Kirche  in  Badeutz,  gelegen  im 
Kluasthale  der  Saczawa  auf  einem  Hügel  des  rechten  Ufere  des  Suczawitzabaches,  der  sich 
jnweit  davon  in  den  erstbenannten  Fluss  ergiesst  Kaum  wie  an  einer  anderen  Pfarrkirche  hat 
*ich  an  dieser  der  alterthümliche  Charakter  erhalten.  Ihre  (iründung  fällt  in  das  Jahr  1487,  wie 
rfne  Unk»  oberhalb  der  Kirchenthür  befindliche  Inschrift  erzählt.  Anderseits  wird  das  Jahr  1481 


Digitized  by 


Google 


56  Aus  den  Mittheilünobn  der  k.  k.  Cbntbal-Commission. 

angenommen.  Die  Kirche  von  welcher  die  Figur  deren  Gnindriss  veranflchaulicht.  hat  one 
Länge  von  24  m  bei  9'05  m  Breite.     8ie  ist  in  Kreuzform  gebaut,    mit  Steinplatten    gepflastert, 

hat  kleine  bogenformigf 
vergitterte  Fenster  mit 
Steingewänden.  Dielko- 
noBtasis  steht  in  der  Höbe 
und    Breite   bis    zu   den 

Mauern  reichend 
zwischen  Altarrauni  ond 
Schiff.  Die  Kirche  war 
bis  1790  sowohl  iio  In 
nem  als  aoch  an  den 
Aussenwänden  reich  be- 
malt. Als  jedoch  danak 
einige  bauliche  Repan- 
turen  nothwendig  win- 
den, hat  man  Alles  über- 
tüncht. Die  Kirche  battf 

früher  vier  Thörme,  damals  wurden  drei  davon  beseitigt,  nur  der  grosse  ist  geblieben,  aber 
in  einen  ganz  unpassenden  Dachstuhl  eingezwängt  worden.  Leider  ist  der  Bau  im  Laufe  der 
Zeiten  und  durch  menschlichen  Unverstand  stark  schadhaft  geworden,  doch  ist  zu  hoffen,  da» 
durch  eine  zweckmässige  Restaurirung  ihr  Bestand  weiter  gesichert  bleibt.  Im  Jahre  1^* 
ging  man  daran,  die  verdeckten  Fresken  allmälig  wieder  ans  Tageslicht  zu  bringen ;  die  Fresken 
des  Altarrauraes  sind  ganz  deutlich  geblieben,  weniger  in  der  dortigen  Wölbung.  Die  Bilder 
gruppiren  sich  in  drei  Reihen,  zwischen  der  ersten  und  zweiten  Reihe  ein  gemustertes  Band.  In 
der  untersten  Reihe  acht  Figuren,  die  heiligen  Väter  vorstellend,  in  der  zweiten  Reihe  di? 
Abendmahl  und  die  Fusswaschung,  in  der  dritten  Reihe  Cherube.  Im  Schiffe  (Männerabtheüung 
ebenfalls  noch  gut  erhaltene  Bilder.  Wir  sehen  gegen  Westen  links  beim  Eingange  das  Bildnii^ 
des  Stifters  Stephan  des  Grossen  mit  der  Familie.  Dersell»e  hält  das  Bild  der  Kirche  auf  seiner 
Hand,  es  dem  hl.  Procop  reichend,  der  gegen  Christus  —  dieser  auf  einem  Throne  sitaend  - 
weiset.  Femer  die  Kreuzigung,  Christus  vor  dem  hohen  Prieser,  die  Kreuzabnahme.  In  der 
Reihe  darüber  den  Tod  Mariens,  die  Verklärung  Christi,  manche  Darstellungen  sind  nicht  mehr 
bestimmbar,  (gegen  Süden)  die  Bildnisse  der  heil.  Märtyrer,  die  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde, 
die  Grabtragung  und  Grablegung  ('hristi,  die  Gefangennahme  u.  s.  w.  In  der  Weiberabtheilanf 
kommen  die  Wandbemalungen  ebenfalls  ziemlich  gut  erhalten  wieder  zum  Vorschein ;  hier 
findet  sich  auch  die  dreireihige  Anordnung.  Die  meisten  Bilder  beziehen  sich  auf  den  hL  Pro- 
copius.     An  der  Aussenseitc  sind  die  Bilder  durch  die  Kalktünche  unwiderbringlich  zerstört.' 

1889.     Band  15.  Notiz  239,  Seite  277. 

(Das  Kloster  Suczawiiza,)  „Unter  den  Klöstern  in  der  Bukowina  ist,  wie  Conser- 
vator  K  1  a  u  s  e  r  berichtet,  das  in  Suczawitza  unstreitig  das  schönste.  Es  liegt  am  Fasse  der 
Karpathen  in  einem  Seitenthale  des  grossen  Suczawathales.  Cnmittelbar  hinter  dem  Kloster  erbet4 
sich  der  Furcoi,  von  welchem  man  nach  Nordost  eiue  herrliche  Fermsicht  geniessen  uid  da* 
ganze  Suczawathal  bis  weit  über  Radautz  hinaus  überblicken  kann,  während  man  nach 
Süden  die  au&teigenden  Karpathen,  wundervoll  bewaldet,  wie  ein  wogendes  Meer  ^c^ 
sich  hat. 

Auf  diesem  herrlichen  Punkte  haben  die  fürstlichen  Mitglieder  der  Familie  Mogila  X^*^ 
das  Kloster  gegründet,  die  Hauptkirche  und  die  Klostergebäude  erbauen  und  mit  festungsartifTO 
Umfassungsmauern  umgeben  lassen. 

Die  Klostergebäude  sind  in  architektonischer  Beziehung  unbedeutend  und  machen  nur 
durch  ihr  reinliches  und  schmuckes  Aussehen,  das  sie  der  Fürsorge  des  jetzigen  Kloaterrorisle- 
hers  Herrn  Archimandriten  Philippowicz  zu  verdanken  haben,  einen  recht  freundlichen  Eindroek. 


Digitized  by 


Google 


Aus    DEN    MlTTHBlLUNOEN    DER  K.    K.    CENTRAL  COUUISSION. 


57 


Desto  interessanter  aber  ist  die  Hauptkirche.  Diese  ist  in  einem,  den  alten  Kirchen  der  Biiko' 
wina  ganz  eigenthüniUchen,  aus  dem  byzantinischen  Style  hervorgegangenen  Baustyle  in  Form 
eines  Langhauses  erbaut.  Der  ne- 
benstehende vom  Herrn  Prof.  E, 
Maximowicz  verfasste  Grund- 
riss  versinnbildlicht  dieselbe  deut- 
lich. Die  am  nördlichen  und  süd- 
lichen Ende  der  Kirche  angebauten 
Eingangshallen  stammen  offenbar 
aas  späterer  Zeit.  (Jeher  dem  Naos 
der  Kirche  erhebt  sich  der  Kirchen- 
thurm,  der  aus  dem  Tambour  und 
den  Laternen  besteht,  in  welcher 
die  zur  Beleuchtung  des  Innen- 
raumes nothwendigen  Fenster  an- 
gebracht sind. 

Von  Aussen  ist  die  ganze 
Kirche  mit  Fresken  überdeckt, 
welche  bis  auf  einen  kleinen  Theil 
noch  ganz  gut  erhalten  sind,  über 
deren  Wesen  wir  in  der  Folge 
Näheres  bringen  wollen. 

Im  Inneren  der  Kirche  beßn- 
den  sich  unter  Anderem  die  Grä- 
ber des  Stifters  des  Klosters  und 
dessen  Schwester.  Von  den  einst- 
maligen Kirchenschätzen  sind  nur 
mehr  wenige  erhalten  Hervorzu- 
heben sind  handschriftliche  Evan- 
gelien-Bücher, geziert  mit  Minia- 
turen, die  einen  bedeutenden  Kunst- 
werth  haben,  Opfer  und  Rauch - 
gefässe  aus  edlem  Metall,  gestickte 
Messgewänder  und  Oelgemalde,  in 
russischer  Manier  mit  Gold-  und 
Silberfiligran-Arl^eit  umgeben.** 

1889.   Jahresbericht,  Seite  38. 

{Landefmuseum,)  „Conser- 
vator  Romstorfer  berichtet 
über  das  hoffentliche  Zustande- 
kommen   eine»    historischen    I^an-  Fig.  9, 

desmnseums    in  Czenmwitz.    Referent  Dr.  1 1  g    findet    die    Umstände    für    das  (Zustandekommen 
einer  solchen  Institution  günstig  und  einer  Unterstützung  seitens  der  Central-Commission  werth.* 

1889.     Jahresbericht,  Seite  43. 

{Archäologische  Karte  für  die  Bukowina.)  „Anlässlich  eines  Berichtes  des  Con- 
servators  Romstorfer  über  Funde  in  der  Bukowina  hatte  Referent  Dr.  Much  Gelegenheit, 
sich  auch  über  die  beabsichtigte  Anfertigung  einer  archäologischen  Karte  für  dieses  Kronland 
auszusprechen.  Seine  Anschauung  geht  dahin,  dass  die  Aufnahme  von  archäologischen  Funden 
»Her  Art  und  aller  Zeiten  in  einer  Karte  bei  der  noch  wenig  durchforschten  Bukowina  angehen 
mag,  und  dass  deshalb  die  beabsichtigte  Karte  als  ein  verdienstvoller  Anfang  bezeichnet  werden 
kann;  sonst  wäre  eine  derartige  Anhäufung  nicht  empfehlenswert,  da  sich  die  Wissenschaft  für 
die  Anlage  von  Fundkarten  nach  den  einzelnen  Fundgegenstandsarten  und  mit  Rücksicht  auf 
gewisse  Zeitperioden  wiederholt  ausgesprochen  hat."* 

Digitized  by  V:iOOQIC 


;-)« 


Aü8    DEN    MlTTHEILÜNGEN   DER   K.    K.    CENTEAL-CoMiaSSION. 


1889.  Jahresbericht,  Seite  110. 

(Suczawitza,  Badetttz,  Warna  und  Suczawa.)  „Conser\ator  Klauser  berichtet« 
über  die  Kirche  zu  Suczawitza.  über  die  Kirche  zu  Badentz  und  über  das  sogenannte  TarUnen- 
Denkmal  bei  Warna  in  der  Bukowina.  Correspondent  Schmidt  erstattete  einen  Bericht  öb^r 
Suczawa  und  dessen  Denkmale.  "^ 

1890.  Band  16,  Seite  47. 

(Typus  der  Klosterkirchen  in  der  Bukowina),  von  Conservator  C.  A.  Rom 
ötorfer.  (Mit  einer  Tafel). 

1890.     Band  16,  Seite  51. 

(Zahasfria  bei  Putna  und  Wolowetz  )  „im  lieblichen  Putnathale.  vom  gleichw 
migen  Kloster  aufwärts  in  einer  Entfernung  von  etwa  dreiviertel  Stunden,  Hegt  auf  sanft  ^r 
neigtem  Wiesenplane  die  einsame  Ruine  eines  Kirchleins.  Unzweifelhaft  hat  es  einem  ehema- 
ligen Kloster  angehört,  das  hier  beMtand  noch  bevor  Putna  (1481)  gegründet  wurde.  Von  fem 
bemerkt  man  kaum  einiges  Steingerölle,  da«  zwischen  hohem  dichten  Buschwerk  durch'schimniert. 
rund  um  die  Kuine  und  auf  dem  Gemäuer  hat  dieses  längst  Wur/el  gefasst.    Keine  Sage.  k«K 

Aufzeichnung  meldet  Ober  die  Vergangeobni 
dieses  kleinen  Denkmals,  da«  trotzdem  kaon 
bis  hinter  das  13.  .Jahrhundert  zurüokreicb'^i 
dürfte.  In  nebenstehender  Figur  (Fig.  1*' 
erscheint  der  Grundris  (Vsoo  "*^-  ^'''  ^^ 
zeichnet.  Das  Kirchlein  hat  die  tj^-pische  .Be- 
lage der  moldauischen  Gotteshäuser  uüt  H*=b 
drei  nischenfJirmigen  .\psiden  und  fehlt  s^N 
das  kleine  Kämmerchen  mit  dem  Glulhen^ 
und  dem  Fensterschlitz  im  Gadem  nicht 
Eine  kleine  Vorhalle  vermittelt  den  Eingan? 
während  ein  zweiter  Dop|)elraum  daneben  w 
Wohnzwecken  gedient  haben  mag.  —  Di- 
Mauerwerk  ist  in  Bruchstein  au.sgeführt;  nacb 
aussen  hin  sieht  man  noch  Reste  derStrri'f- 
pfeiler  und  der  Blend-Arcaden,  wie  dies  \^ 
berührten  Stvle  ebenfalls  typisch  vorkoninii 
Der  Anlauf  der  Halbkuppel  ist  durch  eine 
Schiuir  Ziegel  in  Rohbau  gebildet,  welcW 
nach  Skizze  A  diagonal  lagern,  ein  Motiv. 
das  ebenfalls  an  älteren  Kirchenbauten  häußs 
^*^%'  l^^-  gefunden  wird.  Nel)en  dem  Kirchlein  ist  ^ 

Wölbung  eines  unterirdischen  Gemaches   bemerkbar. 

Wolowetz.  Am  Fusse  der  Hügelkette,  welche  die  Wasserscheide  zwischen  dem  J^'-- 
czawitza-  und  Solkathale  l>ildet,  und  etwa  eine  Wegstunde  von  Radautz  entfernt,  liegt  das  »M 

2-200  Einwohner  zählende  Dorf  Woloweu 
Vor  Zeiten  hatte  hier  ein  Kloster  bestan«!'^ 
Der  Sage  nach  stiftete  der  Woiwode  l*ra 
gosch.  der  Begründer  des  moldauische 
Fürstenlhiims,  Anfang  des  14.  Jahrhun- 
derts, die  hölzerne,  später  nach  Putna  fih^'- 
tragene  Klosterkirche.  Der  Sehern atisni'i> 
der  Bukowiner  gr.-or.  Archiepiscopal-lHoct'^ 
erwähnt  dieser  aus  weichem  Materiah'  ^f 
richteten,  im  Pfarrdorfe  Putna  betindliclw "^ 
Fig.   11.  Kirche  als  1346  in  Wolowetz  von  Dragox;'- 

erbaut,     1468    vom    Fürsten    Stephan   «It* 
Grossen  nach  Putna  übertragen,  1871  gründlich  reparirt.  Kach  Urekoa  soll    sie   zu    dessen  ZeS 


Digitized  by 


Google 


ADS    DEN    MlTTBBILUNOEN    DEE   K.    K.    CeNTBAL-CoMMISSION. 


59 


noch  in  ihrer  nrsprilngHcheu  Form  bestanden  haben.  Derart  wäre  das  erwähnte  Kirchlein  das 
älteste  Handcuknml  der  Bukowina.  An  Stelle  dieser  hölzernen  Kirche  hat  nnn  der  Woewode 
Stephan  der  (»ros>4e  in  den  Jahren  löOO  bis  1502  die  jetzt  bestehende  gemauerte  Kirche  her- 
gestellt, wie  die  aussen  an  der  Kirche,  links  neben  der  Eingangsthüre  befindliche  Steinplatte 
l>ezeugt,    deren  kirchenslavische  Inschrift  nach  W  i  c  k  e  n  h  a  u  s  e  r  lautet: 

„Der  gottesfürchtige  christusliebende  Jo.  Stephan  Woew.,  von  Gottes  (>naden  Hos- 
podar  des  Moldauischen  Landes,  Sohn  des  Woewoden  Hogdan,  mit  seiner  Ehe- 
gemahlin Maria,  Tochter  Haduls  des  Woewoden  und  seinem  vielgeliebten  Sohne 
Uogdan,  hat  diese  Kirche  im  Namen  der  Erhöhung  des  verehrten  und  lebengebenden 
Kreuzes  erbaut.  Angefangen  im  Jahre  7008  (15Ü0)    und    beendet    7010    (1502)    im 

40.  und  im  laufenden  6.  Jahre  seiner  Herrschaft  im  Monat  Sept.  4  " 
Der  Sage  nach  wurde  in  Wolowetz  der  Woewode  Dragosch  begraben.  In  der  jetzt  beste- 
henden Kirche  ist  jedoch,  wie  mir  W'ickenhauscr  mittheilt,  nach  seinen  mit  dem  dortigen  Pfarrer  Pro- 
topr.  C'onst  Tarangul  unternommenen  Nachforschungen  von  einem  Grabmal  keine  Spur  zu  finden. 
In  der  Grund rissanlage  (Fig.  11)  unterscheidet  sich  die  Kirche  wesentlich  von  den  Übrigen 
Kirchen  jener  Zeit  durch  den  Mangel  der  segment-  oder  halbkreisförmigen  Seitenapsiden  und 
der  Art  der  Einwölbung.  Selbst  wenn  diese  letztere  nicht  die  ursprüngliche  sein  sollte,  so  ist 
die  heutige  Form  durch  die  (iestalt  des  Grundrisses  mehr  oder  weniger  bedingt,  und  es  scheint, 
dass  die  Kirche,  selbst  nicht  in  der 
Vierung  eine  Kuppelwölbung  be- 
sessen habe.  Die  Vorhalle  oder 
der  Weiberstand  ist  gleich  dem 
Männerstand  mit  einer  von  star- 
ken Gurten  getragenen  halbkreis- 
f;)rraigen  Tonne,  die  Apside  jedoch 
mittelst  Halbkuppel  üiierdeckt.  In 
der  Thurleibung  bei  S  liegen  zwei 
Stufen,  welche  nach  abwärts,  vor 
der  Ikonostase  I  bei  Sj  zwei  Stu- 
fen, welche  nach  aufwärts  führen, 
derart,  dass  der  Männerstand  ge- 
genüber dem  Weiberstande  nnd 
dem  Altarraura  um  etwa  .-JO  cm  vertieft  erscheint.  In  letzterem,  und  zwar  an  der  Süd- 
\\and,  befindet  sich  das  kleine  typische  Kämmerchen  D,  das  sogenannte  Diaconarium  zum  Auf- 
bewahren der  heiligen  Messgefässe,  mit  einer  Ilerdnische  zur  Unterhaltung  von  (ilut,  endlich 
einem  Fensterchen. 

Nur  ^-ier  kleine  Fenster  erhellen  das  Innere,  das  nun  weiss  getüncht  ist  und  nur  ^och  im 
Tvmpanon  der  Thüre  S  gegen  die  Vorhalle  zu  ein  älteres  Freskenbild  zeigt.  Ebenso  erscheinen 
die  Aussenwände.  welche,  im  Gegensätze  zu  den  star- 
ken Strebepfeilern,  keinen  Sockelvor-tprung.  dagegen 
einen  aus.  kleinen  Nischen  bestehenden  Fries  besitzen, 
weiss  (Fig.  12).  Das  hohe  Schindeldach  ist  merkwür- 
digerweise an  der  westlichen  Giebel  wand  ebenfalls,  wie 
an  der  Ostseite  ül»er  der  Apside  halbrund  gebildet.  Wie 
fast  alle  Kirchen,  umgibt  auch  diese  der  Friedhof,  aus 
welchem  nebenstehende  Figur  ein  charakteristisches  stei- 
nernes Grabdenkmal  zeigt,  das  auf  der  tiscbartigen  Fläche 
die  zugehörigen  Inschriften  enthält  (Fig.   13). 

Nach  einer  mir  von  Herrn  Oli  nski-Glinescu  freundlichst  zur  Verfugung  gestellten 
auszugsweisen  l.'ebersetzung  des  im  „Liberaluh  (Nr.  4  bis  ö.  Ja.ssy  18HC)  von  Titus  H.  (' o- 
M  t  i  n  e  a  n  veröffentlichten  Artikels  über  Dragosu  Voda  hätte,  wie  alte  Leute  berichten,  zu 
i^iten  ihrer  (irosseltern  ein  Hirt  im  Walde  das  (iemäuer  der  in  Vergessenheit  gerathenen  Kirche 
aufgefunden.  Durch  die  Witterung  hatte  die  Kirche  arg  gelitten,  welche  weder  ein  Dach,  noch 
im  Innern  eine  Ikonostase  oder  Bilder  besass,  und  daraufhin  vollständig  renovirt  wurde. 


Fig.   12. 


Fig.   13. 


Digitized  by 


Google 


00 


Aus    DEN    MlTTHEILÜNGEN    DER   K.    K     CENTRAL  CoMMISSION. 


1890.      Band  16,  Notiz  6,  Seite  69. 

(Fiiflde   in  der   Bukowina,)      „im  AnKchlusse    an    den    im  Jahrgang    1889    der   Mit 
tlieiliingen  enthaltenen  gleichnamigen   Aufsati  und    der  Notiz  30    «ei    es    gestatttet    ülier    weiirff 
interessante,  noch  nicht  liekannt  gemachte  Funde  zu  ))erichten. 

1.  Ein  gro8Her  Thcil  eine«  PanzerhemdeH .  aus  circa  12  rani  grower. 
2  mm  dicken  Ringen  geflochten,  wurde  im  Jahre  1883  an  den  Ufern  dr» 
('ibou-Baches  l)ei  Kirlibaha  gefunden.  Vielfach  noch  gut  erhalten,  sind  jedoefe 
einige  Theile  defisellien  mit  dem  thonigen  Erdreiche  \*ei  starker  HoscbilduDg  ts 
festen  Klumpen  zusammengesintert  liegierungsrath  J.  Kochanowski  üljer- 
gah  es  dem  Schreiber  dieses  für  die  im  Entstehen  begriffene  archäologiseiir 
Sammlung  in  CzernowitK 

2.  Vier  kleine  Stücke  von  Panzerhemden,  welche  ganz  gi«c^ 
wie  das  sub  1  be8chriel>ene  gearl>eitet  sind,  aber  aus  8 — 12  mm  grosReu,  I  bis 
2  mm  starken  Ringen  bestehen,  wurden  vor  einigen  Jahren  in  Capu  dlmpulci. 
Bezirk  Gurahumoni,  beziehungsweise  in  Fundul-Moldovei,  Bezirk  Kimpolu&c 
gefunden    (Eigenthumer:  der  rumänische  archäologische  Verein   in   Czernowitz . 

3.  Ein  Schwert  (Fig.  14)  wurde  im  Jahre  1852  Iwi  Czemowitz  m 
Pruthflusse  gefunden.  Es  ist  zweihändig,  sammt  Griff  129  cm  lang,  die  mh 
Blutrinne  versehene,  oben  5  cm  breite  Klinge  allein  hat  eine  Länge  von  lOSoc 
Die  gerade  Parirstange,  zum  Theile  rund  l>earbeitet,  ist  17  cm  lang,  der  iRck 
einer  Kugel  nähernde  Knopf  hat  5  cm  im  Durchmesser.  Der  Griff,  aus  eines 
7s  cm  dicken,  oben  1'8,  unten  2  cm  breiten  Flacheisen  bestehend,  zeigt  d«Gi- 
lich  eine,  wahrscheinlich  durch  einen  Hieb  l>eigebrachte  Einbiegung.  Di^ 
Klinge  ziert  einerseits  ein  mit  dünnem  Messingdraht  eingelegtes,  mit  der  SpiUr 
nach  abwürtb  stehendes  kleines  Dreieck  zunächst  der  Querstange  und  etwa» 
tiefer,  parallel  mit  der  Blutrinne  laufend,  eine  Zeichnung,  welclie  aU  eir 
Wappenlhier  (springendes  Einhorn?/  gedeutet  werden  kann  *) 

4.  Ein  ähnlichcH  zweischneidiges  Schwert,  jedoch  ohne  nadi- 
weisbare  Verzierungen  und  nur  10^<  cm  lang,  leichter  gearbeitet  und  mit  fUeh«- 
aohteckigen  Knopfe  versehen,  wurde  im  Jahre  188(5  im  Walde  zu  Pojana  Mi- 
culi  nel)en  (Jura  Humorului  gefunden.  (Eigenthumer:  der  rumäuische  arch^y- 
logische  Verein  in  Czernowitz. 

5  Eisernes  Beil  (Fig.  151. 
breitbeilarlig,  jedoch  verhäUni» 
massig  sehr  gross,  36  cm  lang,  am 
Schaft  5  cm,  in  der  Schneide  Sl»  cm 
breit,  mit  28  cm  langem,  4  cm 
breitem  Schafte,  schon  sehr  \^r 
rostet,  wurde  vor  mehreren  Jahrer. 
in  Uogoszestie,  Bezirk  Sereth  g*" 
funden.  (Eigenthumer  derselbe.) 

Fig.   15. 

6.  Silberschmuck,  genau  die  gleiche  Arbeit.  Form  und  C>rösse,  wie  der  im  Jahr- 
gange 1889,  beschriebene  und  abgebildete,  im  Jahi-e  1S87  in  Wilswce,  Bezirk  Wiinilz,  aus|^ 
ackert.     (Eigenthumer  derselbe;  siehe  Seite  53.) 

7.  Zwei  Pfeilspitzen  aus  Bronce  dreischneidig,  3*/«  und  4  cm  lang,  ausgeackert  im 
Jahre  1886  in  Satuimare,  Bezirk   Radautz,  bei  einer  alten  Schanze,    femer    2  Stück    aneinaixl^ 


14. 


*)  Herr  (,'orrespondent  F.  A.  W  ickeuhauser,  dermaliger  Besitzer  des  Schwertes,  hat 
über  Ersuchen  des  (iefertlgten  eine  HusfQhrliche  historische  Skizze  geliefert.  Wann,  wie  und  durch 
wen  dieses  Schwert  in  das  Flu8.>*beet  gekommen,  erzählt  weder  eine  Sage,  noch  eine  l'rkuiide: 
durch  das  Zusammentreffen  der  Umstände  lä.H.st  sich  jedtich  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit 
sagen,  dass  das  in  Rede  stehende  Schlachisvdiwert  einem  Ritter  des  deutschen  Ordens,  etwa  ud. 
das  Jahr   1497,  angehört  hal>e. 


Digitized  by 


Google 


Aus   den    MlTTHEILVNGEN   DEB  K.    K.    CENTBAL-CoifUISSION. 


61 


geschmolzene  von    derselben  Grösse,    nur    zweischneidig,    und    2  Klumpen    dreischneidige,    ganz 
siiiMimmeu  geschmolzene   Pfeilspitzen.  (Fig.   16,   Eigenthümer  derselbe). 

8.  Lanzenspitze,  aus  Broncc,  zweischneidig,  sehr  schön  grün  patinirt,  sararat  Schaft- 
hul»e  14  Vi  cra  lang,  letztere  drei  Durchlochnngen  zeigend,  wovon  die  dritte  wohl  nur  durch 
^'e^^ostung  entstanden,  grösste  Breite  3  cm,  gefunden  vor  mehreren  Jahren  in 
Sekuriczeny,  Bezirk  Suczawa,  gelegentlich  eines  Hausbaues.  (EigenthGmer 
derselbe). 

9.  Drei  Aexte,  und  zwar  eine  Feuerstein-Axt  ohne  Durchioc  hu  ng,  eine 
Axt  aus  hartem  dunklen  Stein  mit  einer  Durchlochung  und  eine  solche  aus  ganz 
lichtem  Stein,  8  cm  lang,  ebenfalls  mit  einer  Durchlochung,  .sämmtlich  gefunden 
im  Walde  zu  Pojana  Miculi,  Bezirk  Gurahumora,  im  Jahre  1886.  (Eigenthümer 
derselbe).  Fig.  16. 

10.  Ein  besondere  grosses  Bronce'-Kelt  (Fig.  17)  und  ein  sehr  hübscher  Bronce- 
R  i  n  g  wurden  vor  etwa  10  Jahren  in  der  Bukowina  gefunden.  Ersteres  zeigt  nach  beistehender 
Skizze  eine  sehr  hübsche  erhabene  Zeichnung,  besitzt  eine  Länge  von 
13'3.  eine  obere  Breite  von  3*8,  eine  untere  Breite  von  4*6  cm,  endlich 
eine  Dicke  im  Bauch  von  rund  3  cm.  —  Der  Bronze-King  ist  ebenso 
wie  das  Beil  sehr  gut  erhalten,  hat  einen  äusseren  Durchmesser  von 
S'4  bis  *,)  cm,  eine  Stärke  von  4  bis  15  mm  und  besitzt  ein  sehr  reines 
eingravirtes  Muster.  (Eigenthümer:  Herr  k.  k.  Üniversitäls-Professor 
I>r.  Johann  W  r  o  b  e  1). 

11.  Im  Vorjahre  wurden  gelegentlich  der  AnpBanzung  des  un- 
mittelbar an  die  erzbischöfliche  Residenz  schliessenden  kahlen  soge- 
nannten Domnik-  oder  Bischofs-Berges  in  C'/emowitz  namhafte  Erd- 
arbeiten nothwendig,  insbesondere  grub  man  die  Kuppe  behufs  Herstel- 
lung eines  Plateau  stellenweise  bis  auf  nahezu  2  m  ab.  Dieser  Hügel 
beherrscht  ein  weites  Stück  der  Pruth-Ebene.  die  nördlichen  Höhen  und 
<1as  enge  Thal  des  Klokuczka-Baches  mit  seinen  kleinen  Zuflüssen  und 
.scheint  sohin  strategisch  wichtig.  Vor  vielen  Jahren  soll  einmal  in  den 
an  seinem  Fusse  liegenden  Ziegeleien  Goldschmuck  gefunden  worden 
worden  sein.  —  Der  unterzeichnete  Conservator  setzte  sich  nun  mit  den 
oberwähnte  Arbeiten  au.'tführenden  Stadt-Ingenieur  L.  West  und  Stadt- 
gärtner A.  P i  o  t  r o  w  s  k  i  in  Verbindung  und  besichtigte  oft  die  einzelnen 
Erdabhebungen.  Ausser  einem  regelrecht  hergestellten  Grabe,  das  in  fast 
2  ra  Tiefe  ein  vermodertes  Skelet,  wohl  aus  Jüngster  Zeit  stammend, 
enthielt,  wurden  jedoch  keinerlei  Fundobjecte  entdeckt  und  zeigte  sich 
eine«  ehemaligen  Baumwuchses.    (Romstorfer).  ** 


Fig.  17. 
auch    kaum    die  Spur 


1890.     Band  16,  Notiz   18,  Seite  77. 

{Messingschild,)  „Conservator  Carl  A.  Komstorfer  berichtete,  dass  anlässlich  der 
Ausbesserung  eines  Waldweges  im  Ostrathaie  mehrere  Lan- 
zonspitzen  und  zwei  gleiche  in  nebenstehender  Abbildung  (Fig.  18) 
im  Viertel  der  natürlichen  Grösse  wiedergegel)€ne  Messingschild- 
chen  gefunden  wurden.  Die  Messingplatte  ist  37«  mm  dick,  laub- 
üägenartig  ausgeschnitten  und  nachträglich  etwa.n  zugefeilt  und  ge- 
putzt. Auf  der  Rückseite  ist  ein  keilfc^rmiger  Ansatz  zum  Be- 
festigen dieses  Schildchens  aneinen  anderen  Gegenstand.  Die 
I>arstellung  ist  eine  Wiedergabe  des  Moldauischen   Wappens." 


1890.     Band  16,  Notiz  57,  Seite   133. 

{Schwert  ttnd  Steinbeil.)  „wie  Coi.servator  Klaus  er 
herichlet,  wurde  in  der  Nähe  von  Suczawa  gelegentlich  des 
PBügens  da«  in  Fig.   19  abgebildete  Schwert  und  auf  den  Feldern 


^W^ 


Fig.   18. 
Digitized  by  VjOOQIC 


62 


Aus   DEN    MlTTHEIJiUNGEN   DBB   K.    K.    CeN TB AL-CoU MISSION. 


bei  .1  a  8  1  o  w  e  t  %  (Kadautz)  ein   1 1   cm  langes  Steinbeil  gefunden    nebet    mehreren  SilbenDunxen 
(Philipp    I\'.).     Was   das  Sehwert    anbelangt,    so    l>esit/t    e*»,    dem    fachmännischen    Urtheile    dt> 

k.  k.  Custns  Boeheini  zufolge,  vollständig  die  sogenannt? 
gothische  Form  deutscher  Reiterschwerter  des  14.  bis  1,"».  Jahr 
hiinderts.  Die  (iefässreste.  namentlich  die  lange  Parirstange 
deuten  mehr  nach  der  älteren  Zeit.  Die  Klinge  scheint  einer 
italieniscben   Werkstätte  zu    entstammen. ** 

1890.     Band   Iß,  Notiz   178.  Seite  258. 

(Broncef linde  aus  Prelipcze  und  Presecareni 
^Ais  FJrgänzung  der  Berichte  des  ehemaligen  Consenator» 
V.  Glitte r,  welche  der  Notiz  71  im  Jahrgange  l88!i  nod 
der  Notiz  121  im  .Jahrgange  188ö  zu  (irunde  liegen,  tbeili 
Herr  K.  F.  Kaindl  (Czernowitzj  folgendes  mit;  Von  den 
BronoeAmden  aus  Prelipcze  (Notiz  71),  welche  in  Privat- 
besitz übergegangen  waren,  gelangte  unlängst  eine  Streitaxt 
in  das  Antiquitäten-Cabinet  der  Universität  Czernowitz.  Auch 
diese  A.xt  zeichnet  sich,  wie  die  erstbeschriebene  in  der  citinwi 
Notiz,  dadurch  aus,  dass  sich  ihr  Nacken  mittels  eines  beson- 
deren Halses  von  der  Schaftröhre  abhebt  und  eine  seil^täo- 
dige  Scheibe  bildet.  Diese  Scheibe  ist  kreisförmig  und  geht 
in  eine  Spitze  aus.  Ihre  Länge  beträgt  34  cm.  Die  Schnei«if 
ist  0'/^  cm  breit.  Wie  die  Gussränder  beweisen,  ist  die  An 
in  einer  Form  gegossen  worden,  die  aus  zwei  symmetrischen 
Stücken  bestand  und  in  der  Richtung  der  Schneide  sich  theili^ 
-  Nach  der  oben  angeführten  Notiz  121  gelangten  von  den 
12  Bronce-Kelten,  welche  in  Presecareni  im  Frühjahre  l^«ö 
gefunden  worden  waren,  zwei  in  das  Museum  zu  Cxemowitf 
oder  richtiger  an  die  l'niversilät  daselbst.  Hier  l>efindet  sich 
jetzt  aber  nur  mehr  e  i  n  Kelt,  auf  den  überdies  die  in  der 
Notiz  angeführten  (irös>cnausmasse  und  Beschreibung  nicht 
passen.  Der  Kelt  ist  nämlich  10^ /^  cm  lang  und  seine  Schneid* 
ist  4'/2  cm  breit,  während  in  der  Notiz  die  Länge  mit  11  cm. 
die  Breite  mit  TiVa  cm  angegeben  ist.  Auch  die  allgemeine 
Angabe,  dass  die  Kelle  „mit  kreis-  und  keilförmigen  erha 
benen  Streifen  verziert"  seien,  passt  nicht  auf  den  vorhandenn 
Kelt,  und  die  Alibildung  (Fig.  ö)  in  den  Mittheilungen  ent- 
spricht el»enfall8  demsell  en  nicht.  Offenbar  gelten  also  Be- 
schreibung und  Allbildung  in  der  Notiz  71  nur  dem  gegen- 
wärtig verlorenen  Kelt;  und  so  ist  uns  dieser  wenigstens  in 
Wort  und  Bild  erhalten." 

1890.     Jahresbericht,  Seite  39 
{ Alter  thümei'sammlnng     und     Landesmuseum. 
^K.    F.   Kaindl  erstatte I.»  einen   Bericht  über   die   durch   ihn 
geordnete  Alterthümersammlung  an  der  Iniversität  in  Czernowitz  und  Conservator  Romstorfer 
ül>er  das  in  Czernowitz  zu  gründende  Landesmuseum." 
1890      .Jahresbericht.  Seite  52. 

{lumulus   von  Danila,)     „Correspondent  Prof.  Schmidt  zeigte  an,   dass   die  Durrb- 
forschung  des  Tumulus  von   Danila  (Bukowina)  demnächst  erfolgen  wird." 
1890.     .lahresbericht,  Seite  *.»7. 

[Manuscript.)      ^Conservator  Isopescul    in  Czernowitz    machte    aufmerksam    auf  ein 
Manuscript  liturgischer  (iesange  in  kirchenslaviscber  Schrift." 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN    MiTTHEILUNÖKN    DEB   K,    K.    CeNTEAL-CoMMISSION.  63 

1890.  Band  17,  Seite  80. 

(Sereth  als  Fundort  archäologischer  Gegenstände),    von  consenator   c.    a. 

Konidtorfer.  (Mit  einer  Illustration). 

1891.  Band  17,  Notiz  103,  Seite  123. 

[Suczawa)  „Correspondent  W.  Schmidt  hat  der  C'entrairommission  sehr  werthvolle 
MiHheiiungen  über  die  archäologische  Bedeutung  der  Stadt  Suczawa  gemacht,  die,  früher  Re- 
sidenz der  moldauischen  Hospodare,  in  der  Mitte  des  1«.  Jahdmnderts  aus  mannigfaltigen  Tr- 
sachen  ganz  gewaltig  an  Bedeutung  verlor.  Die  stolzen  Bauten  der  ehedem  bei  Hofe  bedienstet 
gewesenen  rangsüchtigen  und  titeldurstigen  Bojaren,  deren  Gassenfronten  mit  Gemälden  heimi- 
scher Gescliichts-Kreignisse  geschmückt  waren,  verschwanden  spurlos.  Von  jenen  40  Kirchen, 
deren  mit  dem  morgenländischen  Doppelkreuz  geschmückte  Kuppeln  die  ehemalige  moldauische 
Hauptstadt  zu  einem  Klein-Byzanz  machten,  haben  nur  elf  den  Zeitläuften  Widerstand  zn 
leisten  vermocht.  Einige  haben  auf  den  Innenwänden  noch  ziemlich  wohl  erhaltene  Fresken, 
welche  einen  italienischen  Einfluss  nicht  verleugnen  können..  In  technischer  Beziehung  verdient 
unter  allen  diesen  Kirchen  die  sogenannte  Miroucer  Kirche  die  meiste  Berücksichtigung.  Sie 
liegt  am  Ostende  der  Stadt  an  der  Xordseite  eines  Höhenzuges,  auf  desben  Vorsprung  gegen 
Nordwesten  die  spärlichen  Trümmer  der  alten  Fürstenburg  stehen.  Die  Miroucer  Kirche  ist  ein 
vollendet  stylgerechter  byzantinischer  Kirchenbau,  der  ein  besseres  Schicksal  verdient  hätte,  als, 
der  schützenden  regelrechten  Dachdecke  beraubt,  den  vandalisch  wirthschaftenden  Händen  der 
Fruchtmakler  zu  dienen,  die  sie  zum  Schüttboden  bestimmten.  Das  Schloss  ist  in  seinen  Kuinen 
eine  ergiebige  Fundstelle  für  mittelalterliche  Münzen,  namentlich  die  Stelle,  wo  sich  die  Burg- 
kapelle befand  und  wo  über  Manneshöhe  emporstehende  Mauerreste  mit  Freskenresten  erhalten 
sind,  die  die  gewaltsame  Zerstörung  des   Baues  durch  Sprengung  überdauert  haben." 

1891.     Band   17,  Notiz  104,  Seite  1*23. 

(Menzel. )  ,,Corre8pondent  W.  Schmidt  berichtet  ül)er  das  Dörfchen  M  e  r  i  z  e  i  in 
der  Bukowina.  Einen  merkwürdigen  Fleck  Erde  bildet  das  Dörfchen  M  e  r  i  z  e  i  nächst  der 
ersten  Htatiou  Hatna  der  Lemberg-C'zernowitz-Suczawaer  Bahn,  zwischen  Hügel  gebettet  und 
von  einem  Wildbache  gleichen  Namens  gegen  Hatna  begrenzt.  Die  reichen  hier  gemachten 
f»oldf linde  zogen  die  allgemeine  Aufmerksamkeit  um  so  mehr  auf  diese  Siedlung,  als  es  wohl 
bekannt  war.  dass  mancher  Bauer  durch  den  unter  der  Hand  geschehenen  Verkaiif  des  von 
dem  launenhaften  Zufalle  ihm  in  den  Sv-hoss  geworfenen,  an  gewinnsüchtig  lauernde  Zwischen- 
händler abgegebenen  Fundes  zu  Wohlstand  gekommen  sei.  Selbst  amtliche  Recherchen  erwiesen 
sich  bei  der  austiuchtreichen  Schlauheit  so  des  Finders  und  Feilbieters,  wie  des  Käufers  als 
fruchtlos,  bis  endlich  im  Jahre  1878  sicher  zu  verfolgende  Spuren  auf  die  Thatsache  führten, 
da^^  nach  einem  starken  Regengüsse  im  Juli,  nach  dem  Fallen  des  Wildbaches  Merezei,  ver- 
schiedene üoldgegenstände  wieder  gefunden,  aber  verheimlicht  und  um  ein  relatives  Spottgeld 
an  einen  wandernden  Händler  verkauft  worden  seien.  Finder  und  Käufer  wurden  zu  Stande 
>^ebracht  und  samiut  den  Fundgegenständeu  in    die  Bezirkshaujitmannschaft    gestellig    gemacht. 

Verzeichnet  wurden  ein  schweres  nuissives  goldenes  Armband  primitivster  Form  in 
Schlangengestalt,  und  einige  dergleichen  Fibeln.  Sämmtliche  Stücke  zeigten  bedauerliche  Spuren 
von  Reibung  mit  dem  Gesteine  des  Torrentes,  über  welch  letzteres  der  dahinstürmende  Wasser- 
schwall desselb^  sie  rollen  liess.  Auch  ein  Mahlzahn  eines  Trsus  primogenius  kam  bei  dieser 
Cielegenheit  zum  Vorschein.  Der  damalige  Bezirkshauptmaun  Anton  He  seh  mann  sah  sich 
veranlasst,  mit  einer  Commission  an  Ort  und  Stelle  sich  zu  begeben,  um  durch  eingehende  Be- 
richtigung des  Terrains  die  Provenien-^  der  Funde  feststellen  zu  können. 

Correspondent  Schmidt  war  dieser  Commission  ))eigezogen  und  verfolgte  den  Lauf 
de»  Wildbaches  stromaufwäi ts,  um  irgend  ein  leitendes  Anzeichen  zu  entdecken.  Obgleich  er 
bis  zur  Quelle  vordrang,  war  nichts  auffallendes  oder  massgebendes  zu  sehen,  und  es  kann  mit 
aller  Bestimmtheit  angenommen  werden,  dass  derlei  (ioldfunde  nur  bei  besonders  reicher  Wasser- 
fölle  des  Wildl>ache8  in  einer  nicht  unerheblichen  Entfernung  von  seiner  rechten  oder  linken 
\  'ferscite  und  wohl  von  dieser  als  der  sich  verflachenden,  ausgewaschen  und  davongeführt  werden, 
sobald  die  wilde  Fluth  eine  Höhe  erreicht   hat,    imi    ihre  Strömung  auch    über    dem  Bergungs- 

Digitized  by  V:iOOQIC 


64  Aus   DEN    MlTTHBILÜNGEN   DER   K.    K.    CENTRAL  CoMMISSION. 

platze  der  Werthsachen  spielen  lassen  zu  können.  Die  zu  etwaigen  Nachgrabungen  miüieran- 
gezogenen  Landleute  versicherten,  keine  Ahnung  darüber  zu  haben,  woher  all'  diese  Schätz*^ 
kämen. 

Dagegen  war  derselbe  so  glücklich,  eine  andere  Entdeckung  machen  zu  können.  Bei  d^iu 
Rückgänge  spähte  er  in  Sehweite  in  der  Gegend  herum  und  gewahrte  eine  nach  Osten  stril 
abfallende,  nach  Westen  aber  sanft  verlaufende  Höhe  von  beiläufig  20  m,  deren  Gipfel  mii 
einem,  von  einer  Buche  bestandenen  Tumulus  gekrönt  war.  Oben  angelangt,  bemerkte  er  dir 
ihm  von  anderwärts  her  nur  zu  gut  bekannten,  profanen  Augen  aber  unsichtbaren  Boden welhm, 
die  jederzeit  eine  frühere  (irabstätte  erkennen  lassen.  Der  Tumulus  hielt  so  ziemlich  die  Mitte 
des  Plateaus  ein,  während  ringsherum  die  eingesunkenen  Grabstätten  sich  unterscheiden  Hessen 
Trotz  des  stark  hereinbrechenden  Abends  hatten  der  Herr  Bezirkshauptmann  und  die  ubrigeo 
Commissions-Glieder  den  liugel  bestiegen  und  Schmidt  wies  auf  seine  Entdeckung  und  lies*, 
als  seine  Worte  ungläubig  belächelt  wurden,  unter  den  von  ihm  bezeichneten  Stellen  freie  Wak! 
pBegen,  um  durch  einen  Querdurchschnitt  vorläufig  nur  den  Beweis  der  Richtigkeit  seiner  .\a 
schauung  zu  erbringen,  und  brachte  auch  aus  drei  derartigen  Ruhestätten  so  voUständifc  cald- 
nirte  Wirbelsäulenreste  zu  Tage,  dass  man  Mühe  hatte,  einige  Stücke  in  einem  Gla^e  zu  dem 
Behufe  sicher  heimzubringen  um  in  aller  häuslichen  Ruhe,  mit  Zuziehung  von  Sachkundigen, 
das  beiläufige  Begrabensein  dieser  menschlichen  Reste  bestimmen  lassen  zu  können.  Mehrer? 
Aerzte  erklärten,  um  in  diesen  Zustand  der  Verkalkung  zu  gerathen,  müsse  das  Knochengerü>tt^ 
des  Menschen  mindestens  zweitausend  Jahre  im  Boden  gelegen  haben,  was  zu  dem  Beschlnä9» 
führte,  demnächst,  nach  eingeholter  Bewilligung  des  Grundherrn  Baron  Johann  Kapri.  genanf 
Suche,  Nachgrabungen  und  Aufdeckung  des  Tumulus  zu  veranlassen.  Die  Kostenfragen  ver- 
schoben vorläufig  die  Ausführung  dieses  Beschlusses. 

Von  weiteren  Goldfunden  aus  der  Gegend  von  Merizei  verlautete  seitdem  nichts,  wa> 
aber  keineswegs  ausschliesst,  dass  derlei  Funde  gemacht  und  wie  früher  verheimlicht  wiurlen. 
zum  vermeintlichen  Vortheile  des  Finders." 

1891.     Band  17,  Notiz  160,  Seite  178. 

(Conservirung  von  Baudenkmalen  in  der  Bukowina,)  „Conservator  Professor 
Romstorfer  hatte  schon  im  Mai  d.  J.  der  Central-Cominission  einen  sehr  wichtigen  Berichl 
über  die  nothwendige  Conservirung  zahlreicher  wichtiger  Baudenkmale  in  der  Bukowina 
vorgelegt.  In  demselben  machte  er  aufmerksam  auf  die  Klosterkirchen  in  Putna,  SucKawituu 
Dragoraima,  auf  die  älteren  Pfarr-  und  Filialkirchen  in  Horecza.  Toporoutz,  Sereth  (2),  Mona 
styryska.  Suczawa,  (4)  lUischestie,  Petroutz,  St.  lllie,  Radautz,  Suczawitza,  Solka,  Komaresiie, 
Arbora,  Wolowetz,  Ober-Milleschoutz,  Satulmare,  Kloster  Humora,  Woronetz,  Watra-MoWowitea  etc., 
abgesehen  von  den  vielen  Holzkirchen.  An  der  Kirche  in  Humora  ist  der  Mörtel  des  etwa  1  m 
hohen  Sockels  theilweise  ganz,  theilweise  bis  auf  den  unteren  aufgepickten  Anwurf,  welcher 
prächtige  Malerei  trug,  abgefallen.  Die  gegen  30  cm  ausladenden  hübschen  Sockel -IVofilsteine 
sind  zumeist  locker  oder  gar  herausgefallen,  die  Fugen  meist  ganz  ohne  Mörtel;  —  das  Pflaster 
um  die  Kirche  herum  hat  sich  bereits  derartig  gesenkt,  dass  es  nicht  nur  nicht  mehr  den  Zweck 
erfüllt,  sondern  geradezu  schädlich  für  den  Bau  geworden  ist.  Bei  Aufhebung  der  Klöster  i« 
diese  Kirche  Pfarrkirche  geworden,  die  Ikonostasis  daselbst  ist  hoch  beachtenswert.** 

1891.     Band  17,  Notiz  176,  Seite  183. 

(  Wehergewicht^  Verschanzung en^  Münzen,  \  „Conservator  Professor  Romstorfer 
hat  an  die  Central-(.'ommission  berichtet,  dass  man  in  der  \'orstadt  Rosch  in  Czemowitz  1887 
beim  Ausheben  eines  Teiches  in  )>eiläufig  3  m  Tiefe  ein  ellipsoides  4  cm  langes,  3Vj  cm  dicken 
Weberge wicht  aus  rothgebranntem  Thone  fand.  An  der  Fundstelle  konnten  Baumreste  und  ge- 
brannter Thon  constatirt  werden. 

Auf  den  Höhen  von  (Turahumora  bestehen  mehrere  befestigte  Punkte,  Schanzen  genazmc. 
so  eine  bei  Piciorul,  sie  ist  abgeplattet  und  umwallt.  An  einer  Stelle  erkennt  man  ein  aus  Bruch- 
steinen aufgefithrtes  überwölbtes  unterirdisches  (Jemach. 

In  8chi[>ot  nächst  Suczawa  fand  man  Münzen  altpolnischen  (lepräges  (16.  und  17.  Jahrhun- 
dert), dann  acht  Münzen  moldauischer  und  türkischer  Provenienz.'* 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN    MiTTHBILUNGEN   DER   K.    K.    CeNTBAL-C0MMI88I0N. 


65 


1891.     Band   17,  Notiz  196,  Seite  \HH. 

(  Steinkugeln  in  Suczaioa,)  „(.'on-^ervator  Komstorfer  hat  «ier  (lentral-CoiiiiuisHion 
bekannt  gegeben,  dass  man  im  Ziergarten  nelien  dem  alten  \VohngelȊnde  des  Archimandriten 
in  S  u  c  z  a  w  a  circa  6  Meter  entfernt  und  in  der  Tiefe  von  etwa  Vi  Meter  acht  Stück  unge- 
l*:lhr  30  cm  im  Durchmesser  haltende  rauiibearlieitete  Steinkugeln  fand;  eine  derselben  wurde  dem 
Landesmuseum  öberlassen.*^ 

1891      Band   17,  Notiz  245,  Seite  251. 

(Die  alte  gr.  ar.  Kirche  in  Reiona  )  Pruthaufwärts.  in  einer  Entfernung  von  etwa 
zehn   KiloiWeter  von  Czernowitz,  liegt  knapp  am  Waldgebirge,    bis    zu  welchem  der  Fluss  lieran- 


Fig.   19. 

tritt,  die  erst  vor  etwa  einem  Jahrhundert  entstandene  Ortschaft  Rewnu  Vordem  befand  »ich 
daselbst  ein  zum  „Skit-mare"  in  (iaiizien  gehöriges  Nonnenkloster,  för  welches  das  in  Rede 
stehende  hölzerne  Kirchlein  erbaut  wurde.  Eine  in  die  Pfosten  der  Ilauptthure  eingegrabene  und 
bemalte  kirchen« hivische  Inschrift  lautet  nach  der  Uebersetzung  des  dortigen  Herrn  Pfarrers: 
„Im  Jahre  1744  ist  diese  Kirche  erbaut  worden  zu  Ehren  des  heiligen  Nicolaus  durch  die  P'ür- 
sorge  und  Mühewaltung  des  ehrwürdigen  Hieromonachen  Isaias,  Pro-Igumen  des  Skit-mare, 
(irunder  dieses  Ctebäudes,  zur  Ablassung  seiner  Sllnden,  Amen  Nachher  ist  diese  Kirche  renovirt 
worden  1764.'*  Unter  dem  erwähnten  Gebäude  durfte  djis  nun  Bchon  verschwundene  Klosterhaus 
gemeint  sein.  Seit  .\ufhebung  des  Klosters  im  Jahre  1784  diente  die  Kirche  bis  zum  Jahre  IH89 
als  Pfarrkirche,  in  welchem  Jahre  in  der  Nähe  der  alten  baufällig  gewordenen  KircHie  eine  neue, 
etwas  grössere  Pfarrkirche  errichtet  wurde.  Das  ehemalige  Kirchlein  ist  eines  der  ältesten  aus 
Holz  hergestellten  Denkmale  in  der  Bukowina  un  I  vermöge  seiner  Form  und  .Vusfuhrung    wohl 


Digitized  by 


Google 


66 


Aus    DEN    MiTTHEILDNGEN    DEB    K.    K.    CeNTBAL-CoMMISSION. 


der  interessanteste  derartige   Bau.     Ohne  der  später    hinziigerü^ten    halboffenen    und    nchlies^lieh 
ganz  verschalten  Vorhalle  int  die  Kirche  kaum  13  iii  lang,  während  die  gn^sste  Breite  8  in  betripjL 

Der  (Jriindriss,  vollBtändig 
typisch  nach  den  alten  gr.- 
or.  Kirchen  gebildet,  zeigt 
ein  auf  der  Westseite  gele- 
genes Vorschiff,  den  soge- 
nannten Weiberstand,  femer 
das  Hauptschiff  oder  den 
Männerstand  mit  zwei  klei- 
nen Seitenapsiden  und  d«i 
Altarraum  (Hanctuarium  . 
welcher  polygonal  alw»chlies*i 
und  nel>en  welchem  sich  ein 
Kämmerchen  befindet.  I)a< 
Vorschiff,  jetzt  gegen  da> 
Hauptschiff  zu  ganx  offen, 
war  ehedem,  wie  man  deut- 
lich erkennt,  durch  eioe. 
wahrscheinlich  eine  ver- 
schliessbare  Thüre  enthal- 
ter.de  Wand  vom  Haupt- 
schiffe getrennt.  Die  r.wpi 
im  steinernen  Fussboden 
noch  sichtbaren  lA>cheT 
dürften  für  die  Thurpfosten 
dieser  Wand  gedient  habea 
Ueber  dem  niedrigen  Vor 
schiffe  ist  die  sich  nach  ihrer 
ganzen  Breite  g€^n  d» 
Hauptscluff  zu  öffnende  Em 
pore  angeordnet,  von  welcher 
aus  ehedem  eine  Thöre  a«f 
den  an  der  Westseite  ange- 
ordneten balconartiger»  offe- 
nen Gang  führte.  Das  Haupt- 
schiff trug  die  achtseitij^. 
zur  Verjüngung    venniiteli 


Fig.  20  und  21. 
eine    Laterne    übergehende  Kuppel. 


nach  oben  in  eine  Laterne  übergehende  Kuppel.  Den  üebergang 
daselbst  ein  in  Holz  hergestelltes  Zahnschnittgesims.  Djis  Dach  ist  steil,  tritt  nur  wenig  Gl»eT  die 
Wandflächen  vor  und  trägt  zwei,  der  Laterne  gleich  gestaltete  schlanke  Thürmchen ;  im  unteren 
Cieschosse  ziehen  sich  ringsum  noch  flache,  sehr  weit  ausladende  Dachflächen  Die  W'ände,  auf 
Bruchsteinuntermauerung  ruhend,  sind  in  Blockbau  aus  Halbholz  hergestellt;  die  oberen,  durch 
keinen  Dachvorsprung  geschützten  Theile  derseU)en  tragen  eine  gemusterte  Schindelverkleidunf. 
Die  Dacheindeckimg  ist  mit  »Schindeln  hergestellt,  die  schlanken  Thürmchen  sind  mit  Blech  ein- 
gedeckt. Der  Fussboden  ist  im  Vorschiff  mit  Bruchsteinen  gesichert,  im  Uebrigen  aas  Pfosten 
hergestellt;  das  Sanctuariura  und  die  südliche  Apside  wurden  um  eine  Stufe  erhöht  angelegt 
Die  HauptthUre.  nur  90  cm  breit  und  170  cm  hoch,  befindet  sich  auf  der  Westseite,  wahren^ 
auf  der  Nordseite  eine  Nebenthüre  angeordnet  erscheint.  Zwischen  .\ltarraum  und  Hauptschiff 
steht  die  dreithürige.  in  Roccocoa»-cl»itektur  mit  reichen  Schnitzereien  und  Vergoldungen  aus^ge^ 
führte  Ikonostase,  deren  Bilder  im  Allgemeinen  sehr  gut  gemalt  sind.  Da  der  obere  Theil  der 
selben  einen  ganz  anderen  Charakter  tragt  und  zum  unteren  Theile  auch  in  Bezug  auf  die  Di- 
mensionen nicht  pa.'ist,  dürfte  er  einer  alten  Bilderwand  entnommen  worden  sein'.  Im  Para{»ei 
findet  ulan  die  Jahreszahlen  1791  und  1792.  Vor  der  Bilderwand  stehen  vier  aus  Holz  gedrehte 
grosse  I.ieuchter  für  je  drei   Ker/en.     Das  Sanctuariiim  enthält  den  Altartisch,  über  welchem    au 


Digitized  by 


Google 


Aus    DBK   MlTTHBILUNGflN  DBB  K.   K.    CeNTBAL-CoMMISSION*  G7 

der  Decke  ein  Bild  hängt,  unter  dem  »ich  ein  anderes,  jedenfalls  älteres  Gemälde  beßndet,  ferner 
an  einer  Ecke  eine  aus  Lehm  erbaute  Feuerstelle  Die  südliche  Seitenapside  ist  mit  fünf  Steh- 
lehnen (Strani)  eingerichtet.  Mit  Ausnahme  der  Contouren  der  Apsidenöffnungen,  welche  mit 
Linien  eingefasst  erscheinen  und  einer  cartoucheartigen  Flächenberoalung  in  der  Hauptapside, 
sind  die  Wände  im  Innern  in  einfacher  Hohelung  belassen.  Aussen  ist  der  glatt  gehobelte  und 
durch  den  vorerwähnten  Gang  geschützte  untere  Theil  der  Westfa9ade  auf  Gypsgrund  ßgural 
liemalt.  Der  Thurflügel  enthält  in  hübscher  Conception  die  Darstellung  eines  Engels,  welcher 
mit  der  Linken  ein  Kind  führt,  während  seine  rechte  Hand  auf  das  Auge  Gottes  hindeutet.  Die 
iibrigen  Malereien  sind  grösstentheils  abgefallen.  Die  Holzarbeiten  erscheinen  in  verhältniss- 
müHsig  sehr  correcter  Weise,  mit  grosser  Sachkenntnis  und  Sorgfalt  durchgeführt;  leider  steckt 
im  gesammten  Bauwerk,  für  welches  merkwürdiger  Weise  Linden-  und  Eschenholz  verwendet 
wurden,  sowie  in  der  Ikonostase  der  Holzwurm,  dessen  Zerstörung  grosse  Fortschritte  macht. 
Infolge  ungenügender  Fundirung  und  rutschigen  Untergrundes  hat  sich  die  Oslseite  der  Kirche 
gesenkt,  wodurch  hauptsächlich  dieselbe  baufällig  geworden  ist  und  nicht  mehr  benützt  wer- 
den kann    (Fig.   19,  20  und  21).** 

1891.     Jahresbericht,  Seite  37. 

(Zur  Errichtung  des  Landes- Museums.)  „Die  Oonservatoren  in  der  Bukowina: 
Schiürath  Isopescul,  Schulrath  K 1  a u s e r  und  Professor  Komstorfer  setzten  die  Central- 
Commission  von  der  in  der  abgehaltenen  Enquete- Versammlung  in  Betreff  Errichtung  eines  Landes- 
Museiirns  in  Czeniowitz  gefassten  Resolution  in  Kenntnis  und  ersuchten  um  Ertheilung  eines 
Mandates,  durch  welches  sie  ermächtigt  werden,  die  weiteren  Schritte  in  dieser  Angelegenheit 
zu  unternehmen.  Referent  Director  Dr.  Ilg  beantragte  folgende  Beantwortung:  ,Mit  lebhaftem 
Interesse  hat  die  Central-Comraission  aus  dem  Schreiben  vom  24.  Juni  d.  J.,  Z.  120,  entnommen, 
dass  nunmehr  für  das  Entstehen  eines  Landesmuscu ms- Vereines  in  der  Bukowina  gegründete 
Hoifhuiig  vorhanden  ist  Die  jetzige  Vereinigung  hervorragender  Persönlichkeiten  des  Landes 
scheint  jene  Kräfte  zu  enthalten,  die  eine  Verwirklichung  des  schon  so  lang  von  der  Central- 
Conimifision  gebilligten  Projectes  zu  diesem  Ziele  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  und  zur  hier- 
ortigen  Befriediginig  erwarten  lassen.  Die  Massregeln,  welche  zur  (Gründung  eines  Landes- 
Museums  in  der  Bukowina  getroffen  werden,  erscheinen  ganz  im  Geiste  der  Central-Commissiou 
gehalten  und  haben  überhaupt  bisher  nur  erfreuliches  zu  Tage  geliefert,  daher  die  Central-Com- 
mission  sich  mit  der  Mittheilung  der  drei  Herren  Oonservatoren  ganz  einverstanden  erklären 
kann  und  ihrer  vollen  Zustimmung  hierUl)er  Ausdruck  gibt.'  Besagter  Antrag  wurde  zum  Be- 
schlüsse erhoben.  In  der  Folge  berichtete  Professor  Romstorfer  neuerlich  über  die  günstige 
Entwicklung  der  Angelegenheit  einer  Errichtung  dieses  Landesmuseums.  (Jahresbericht  1890, 
Seite  39^"*) 

1891.     Jahresbericht,  Seite  111. 

{jRestaurirungS' Arbeiten  in  gr.-or.  Kirchen.)  „Conservator  Romstorfer  er- 
stattete einen  eingehenden  Bericht  über  die  ehemalige  Klosterkirche  zu  R  e  v  n  a  in  der  Bukowina. 
Derselbe  erstattete  auch  einen  Bericht  Ober  die  von  ihm  untersuchte  ehemalige  Klosterkirche  in 
S  o  I  k  a  und  die  zu  A  r  b  o  r  a,  und  wurde  l>eschlossen,  die  Aufmerksamkeit  des  k.  k.  Ministe- 
riums für  Cultus  und  Unterricht  auf  diese  Denkmale  zu  lenken.  In  der  Folge  machte  derselbe 
weitere  Mittheihmgen  in  Betreff  der  Restaurirung  der  erwähnten  durch  Blitzschlag  zerstörten 
Kirche  zu  S  o  1  k  a.  Auch  berichtete  derselbe  Conservator  über  die  nothwendigen  Restaurirungs- 
Arl>eiten  in  der  Klosterkirche  zu  H  u  m  o  r  a,  und  wurde  über  Antrag  des  Professors  L  u  n  t  z 
Iteschloflsen,  die  liesagte  Restaurirung  l»eim'k.  k.  Ministerium  für  Cultus  und  Unterricht  zu  be- 
antragen. Femer  machte  derselbe  aufmerksam,  dass  den  Kirchenbauten  in  der  Bukowina  über- 
haupt nicht  die  erforderliche  Sorgfalt  zugewendet  werde.  Die  ('entral-Commission  anerkannte 
die  l^estondere  Wichtigkeit  dieses  Berichtes,  wahrte  aber  hiebei  ihren  Standpunkt  mit  dem  Be- 
merken, dass  sie  von  den  wenigen  vorkommenden  Restaurinmgen  in  der  Bukowina  leider  keine 
Anzeigen  erhiilt.  wie  denn  überhaupt  fast  nichts  versucht  wird,  die  an  so  vielen  Orten  bestehenden 
bauliehen   Uebelstände  zu  beueitigen.** 

*;  Vergl.  anch  Jahresbericht  1HH9,  Seite  38. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


6^  Aus  den  Hittheilüngen  der  k.  k.  CentbalCommission. 

1891.  Jahresbericht,  Seite  111. 

{Erdwerke.)  ^Conservator  Schulrath  K  l  a  u  s  e  r  berichtete  iiber  einige  Erd werke  t*' 
ü  u  r  a  h  u  ra  o  r  a.  die  aus  dem  Jahre  1^54  Rtammen  und  als  Orenzliefestigungen  dienteo.* 

1892.  Band  18,  Seite  44. 

(Die  griechisch-orientalischen  Pfarricirchen  in  Sollca  und  Arbora.)  vom  co^ 

servator  Carl  A.  Komstorfer.     Mit  einer  Tafel. 

1892.     Band  18,  Notiz  50.  Seite  116. 

(Münz-  und  Gold f und.)  ^C-orrcKpon<lent  Pn»fe8«or  \V.  Schmidt  in  Snczawa  h£ 
an  die  Central-C'oramission  berichtet.  (\ttHB  sich  gegen  Ende  Mai  d.  J.  ein  interessanter  MHii^uT>'i 
dort  zugetragen  hat.  Man  machte  denselben  am  Nordostende  der  Stadt  an  der  Au8iniind:iM 
der  Wasserleitung.  Es  waren  101  Stück  Münzen  mit  sehr  stark  aufliegender  Patina,  Bei  es 
herer  Untersuchung  erkannte  man,  dass  man  es  mit  türkischen,  polnischen  und  lithaiiiiscfc^' 
Münzen  zu  thun  habe,  Kupfermünzen  gewöhnlicher  Sorte.  Nur  zwei  Stück  waren  darunter.  <Bf 
beachtenswerth  erscheinen:  eine  moldauische  silberne  l'iastermünze  Peters,  des  Vorgängers  Stephas 
des  Grossen  (vor  1456).  der  nur  sehr  kurz  regierte,  und  eine  zweite,  ein  Mes.singjetton  der  Sta-r 
Wien  1683,  eine  Nothmünze.  —  In  den  ersten  Tagen  des  Monats  Juni  fand  man  l»ei  Meriw 
einige  (»oldgegenstände,  zwei  Stücke,  eines  \)^/^  Ducaten,  das  andere  2  Ducaten  schwer.  Erscen*- 
soll  eine  Art  Fibula  mit  Anhängseln  und  Schmelzbesatz  gewesen  sein.^ 

1892.     Band   18,  Notiz  141,  Seile  '240. 

{Steinmetzzeichen,)  „An  der  ehemaligen  Klosterkirche  Humora  finden  sich  Scfii 
metzzeichen,  davon  einige  hier  in 
Abbildung  (Fig.  22)  beigegeben  sind. 
Die  Zeichen  a  bis  d  erscheinen,  wie 
C'onservator  Rom  stör  fer  berich- 
tet, in  der  Laibung  des  spitzbogigen 
Hauptportales,  e  bis    g    wiederholt 

an    den   Sockelsteinen.     Jedes  Zei-  y^„    22 

eben  ist  .H  cm  hoch.** 


a       b         c        d         e        J^         g 


1892.     Jahresbericht,  Seite  39. 

{Landesmuseum)  „Das  Curatorium  des  Bukowiner  Landesmuseunis  in  Czemo^iu 
zeigte  seine  ('onstituirung  an.  lieber  Aufforderung  des  k.  k.  MinisteriuniK  für  Cultus  und  Unufr- 
rieht  gab  die  Central-Commission  in  der  Folge  ül)er  die  Wirksamkeit  dieses  l.^ndeämuseum$  etn 
Gutachten  ab  und  sprach  sich  hiebe!  über  selbes  sehr  vortheilhaft  aus.** 

1892.     Jahresbericht,  Seite  62. 

(Grabungen  und  Münzfund.)  „Conservator  Klauser  berichtete  ul>er  die  gertni-er 
Erfolge  der  Grabungen  in  Ünter-Horodnik  (Bukowina)  und  über  einen  Munzenfand  bei 
Sereth.  Referent  Dr.  Kenner  bemerkte  hinzu:  Die  durch  den  Fundort  interessanten  3^unz«f 
.sind  augenscheinlich  auf  dem  Handelswege,  welcher  das  Schwarze  Meer  und  die  Donau  mit  d^r 
Ostsee  verband,  an  die  Fundstelle  gelangt.  Sie  gehören  zu  einer  (iruppe  von  Fundmünzm 
welche  das  Bestehen  und  die  Richtung  des  Weges  anzeigen,  und  ist  daher  jede  neue  Oertliehkei: 
welche  durch  solche  Funde  markirt  wird,  wichtig.** 

1892.     .Tahresbericht,  Seite  117. 

{Gr.-kath.  Kirche  in  Cz^-rnotvitz)  „Conservator  Professor  Rom  st  orfer  berirlr 
tete  über  die  zur  Deniolirung  bestimmte  ^^riecbiseb-kniholische  Kirche  zu  (' z  e  r  n  o  w  i  t  z  uiw 
über  die  archäologische  Bedeutung  ihrer  Einrichtung.  Uebor  Referat  des  Ministerialrathes  I>r 
Lind  wird  gegen  die  Deniolirung  keine  Einwen<huig  erhoben.  Von  «ler  Kircheneinrichtung  t^ 
mit  Ausnahme  des  .Xltars  und  der  Ikonostasis  nichts  bedeutend.  Diei^e  könnten  in  der  neiie? 
Kirche  wieder  Verwendung  ünden.  l'uter  den  Messgewiindern  befinden  sich  zwei  aus  dem  vori^f 
Jahrhunderte,  welche  einen  höheren  Kunstwerth  besitzen.     Für    die    Erhaltung    deräelben,    sowi»- 

Digitized  by  VjOOQIC 


Aus  dbn  Mittheilüngen  der  k.  k.  Central  Commission.  69 

für  die  Erhaltimg  von  sonstigen  älteren  Objecten,  welche    etwa    gelegentlieh    des    Umhaue»  zum 
Vorscheine  kommen  sollten,  wäre  Vorsorge  zu  treffen." 

1892.     Jahresl)ericht,  Seite  117. 

{Klosterkirche.  Humora.)  „Ueher  Anfrage  des  Ministeriums  sprach  sich  die  Central- 
Commisäion  in  Angelegenheit  der  Kestaurirung  der  ehemaligen  griechisch-orientalischen  Kloster- 
kirche zu  Humora  dahin  aus.  dass  mit  Rucksicht  .sowol  auf  das  interessante  Ohject  an  und 
für  sich  mit  seiner  typisch  liyzjintischen  Anlage,  als  dessen  zum  Cultuszwecke  noth wendigen  Er- 
liaitiing  die  wohlerwogenen  Anträge  der  Bukowiner  Landesregierung  zur  Ausfuhrung  empfohlen 
werden  können,  liezü^lich  der  äusseren  Malerei,  von  welcher  die  kaum  mehr  deutlich  erkenn- 
b.aren  Spuren  uher  dem  Sockel  wohl  nur  der  Rest  einer  sich  einst  vielleicht  K\\^t  die  ganze  Fa- 
vade  erstreckenden  farbigen  Decoration  sein  dürfte,  könnte  es  wohl  in  Anbetracht  des  gering- 
fijgigen  Vorhandenseins  und  der  verhältnismässig  grossen  Kosten  von  einer  Neuherstellung  sein 
Abkommen  finden  Dagegen  glaubt  die  Central-('ommi.«»sion  ganz  besonders  die  ehethunlichste 
Kfcst«urirung  der  Ikonostasis  empfehlen  zu  sollen." 

1892.     Jahre8l>ericht,  Seite  118. 

[Rfjm.-kath.  Kirche  in  Gurahvmnra.)  ^lieber  das  an  die  Central  Commission  ge- 
langle Project  eines  Erweiterungsbaues  für  die  römisch-katholische  Kirche  zu  CJ  u  r  a  h  u  m  o  r  a 
spra<*h  sich  die  Central -Com  mission  anempfehlend  aus." 

1892      .Tahresl)ericht.  Seite  118. 

{Alte  gr.'Or.  Holzkirche  in  Revna.)  „Conservator  Homstorfer  berichtete  über 
die  alte  Kirche  zu  Revna.  die  wegen  Haufälligkeit  demolirt  werden  soll.  Es  wurde  beschlossen 
anzastrelien,  dass  zunächst  von  dieser  Kirche  sorgfältige  Aufnahmen  angefertigt  werden;  sollte  es 
sich  heraiLSstellen,  dass  ein  Theil  des  Materia Ics  brauchbar  und  wieder  verwendbar  wäre,  so 
möchte  die  Kirche  an  einer  geeigneteren  Stelle  in  ihrer  bislierigen  Gestaltung  aufgeführt  werden." 

1892.     Jahresbericht,  Seite  118. 

[Gr-or.  Pfa)^kirche  in  Sereth.)  „leber  Aufforderung  des  k.  k.  Mini.steriums  für 
CiiUiis  und  rnterricht  gab  die  Central-(-ommi8.sion  ihr  (iutachten  über  das  von  der  Landesregie- 
rung in  Czemowitz  vorgelegte  Project  einer  Kestaurirung  der  griechiHch-orientalischen  Pfarrkirche 
St.  .lohann  in  Sereth  dahin  ab.  da.ss  der  eigentliche  (iegenstand  die  Frage  der  Form  ist,  welche 
das  neu  herzustellende  Dach  des  Centralthurmes- erhalten  soll.  Demnach  wird  das  vorgelegte 
Project  als  zulässig  bezeichnet;  doch  schiene  der  Central-Commission  ein  Kuppeldach  eher  zum 
(Vntralbau  zu  passen  als  ein  spitzer  Helm," 

1892.     Jahresbericht,  Seite  118. 

{Gr-or.  Pfarrkirche  in  Solka.)  ^In  Betreff  des  im  Wege  des  k.  k.  Ministeriums 
für  Cultus  und  l'nterricht  an  die  Central-Commission  gelangten  Hestaurirungsprojectes  für  die 
griechisch-orientalische  Kirche  in  Solka  wurde  das  bezügliche  Project  gutgeheissen  und  zur 
Ausfnhmng  empfohlen." 

.  1892.     Jaihresbericht.  Seite   118. 
{Schweift  aus   Szipot.)     „Kegierungsrath  Dr.   Kenner  referirte  über    einen    Munzen- 
f\\\u\    und  den   Fund  eine«  alten  Schwertes  in  S  /  i  p  o  t  -  K  a  m  e  r  a  1  e.     Conservator  H  o  e  h  e  i  m 
gab  fM.'in  C Gutachten  Ober  letzteres  dahin  ab,  dass  selbes  aus  der  Kenaissance-Zeit  stanmien  dürfte." 

1892.     Jahresbericht,  Seite  11s. 

(Terracotta)  .,Con8ervator  Klauser  berichtete  übel  den  Fund  eines  Terracotta- 
HeVi^U  in  Dragojestie.  das  an  das  Czemowitzer  Museum  abgegeben  wunle." 

1892.     Jahresbericht,  Seite   11 9. 

(Woronetz,)  „Conservator  Komstorfer  l>erichtete  ül>er  die  zur  Kestaurirung  gelan- 
gende griechisch-orientalische  Kloster-,  jetzt  Pfarrkirche  in  Woronetz  und  die  danel>en  be- 
liu«lliclien,  zur  Demolirung  bestimmten  Ruinen,  wabrseheinlich.  wenigstens  theilweise,  Reste  des 
ehemaligen  Klostergebäudes." 


DigitizecJ^by 


Google 


70 


Aus   DEN   MiTTHSILUNOBN   DER   K.    K.    CENTRAL- COMMISSION. 


1892.     Jahresbericht,  .Seite   119. 

{Gr.'Or,    Pfarrkirche    in    Radautz.)     ^ Der  griechistth-onVntalische  Pfarrer  von  OW- 
Milleschoiitz  herichtete  über  die  Malerei  in  der  Kirche  zu   Hadaiitz." 


1893.     Band   1*1,  Notiz   1.  Seite  60. 

(Goldschmuck  aus  Merizei  in  der  Bukowina.)  Am  H.  Ilande  der  Mittheilungm 
der  k.  k.  (Vntral-Coniniissi«)n  Jalirgang  188*2  erstattete  <ler  nun  verstorbene  ( 'onju*r\ al^r 
V.  (i  litt  er  in  Seretli  Bericht  üb«  r  einiMi  l»ei  Hatna  geiuacliten  (lolilfiuid.  Im  heurigen  .laliri 
•  Anfangs  .luni  ls'j*2i  fand  man  neuerdings  in  jener  (iegend.  vie  bereits  Correspontient  \V.  Schmidt 
aus  Suczawa  notilicirte  <sub  Nr.  50  der  Mitiheihingen,  islhji  (ioblgegenstiinde.  und  zwar  rin 
Stück  mit  circa  .'lO  tl.  und  ein  zweit<'S  mit  circa  10  ti.  reinem  Gobiworthe.  I)iesell>en  wunien 
bereits  durch  das  Bukowiner  Landesmuscum  angekauft  und  erscheinen  so  dem  Lamb'  erhahen. 
während  gewöhnlicli  'thunlicbst  verheimlichte)  Funde.  Münzen  etc.,  besonders  aus  der  liegend 
von  Suczawa,  durch  Zwischenpersonen  an  Händler  nach  Jassv   und   Bukarest  gelangen. 

Von  Sereth  erstreckt  sich  nach  Süden  ein  Hochplateau,  das  geg<'n  Suczawa  hin  in  ein 
gnisstentheils  bewaldetes,  diirch  tiefe  Scliluchteu  zerrissenes  Hügelland  übergeht.  Den  bedentend 
sten  Terrain-Einschnitt  bildet  der  im  Hochplateau  entspringende,  genau  südlich  gerichtete  Hatns 
oder  Merizei-Bach.  an  <les8en  beiden  Tfern  sich  an  seinem  T'nterlaufe  die  langgestreckten  Orte 
Merizei  und  Hatna,  letzteres  am  links.seitigen  l'fer.  berinden.  Im  Mittellauf  des  Baches,  etwa- 
oberhalb  Merizei.  und  zwar  auf  dem  entgegengesetzten  hoch  gelegenen  Ufer  liegt  der  HngfS 
Zamezysz,  de.«isen  Name  auf  ein  ehemaliges  festes  Lager  hindeutet  imd  auf  welchem,  nach  Mir- 
theilung  des  Ingenieurs  A.  Is  s  e  c  z  e  s  c  u  1.  Spuren  von  Brandgräbem  bemerkbar  sind.  In  diesTm 
ßaclie  nun  wurden  nach  einem  Hochwasser  die  zwei  in  Iv'de  stehenden,  unten  in  Fig.  iiJ  in 
natürlicher  Grösse  abgebildeten  (ioldgegenstände  von  einem  (irundbesitzer  aus  Merizei  aufgefunden 
Hie   Fundstellen  der  Stücke  kann  loder  will   vielleicht)  der   Bauer  nicht  mehr  angel>en. 

Das  grö.ssere  der  Stücke  besteht  aus  einem  massiven  Kiuge,  au  welchem  drei  beweglirl*. 
ebenfalls  ganz  aus  (iold  hergestellte  Ringe  hängen,  die  ol>en  je  un*t  einem    angefügten,    nnt  .\I 

mandinplätlcheu  ausgelegten  On« 
mente  versehen  sind,  an  der  rnler^iie 
aller  zu  einem  Hacken  ausgehHmmert 
erscheinen,  der  sich  in  einer  Entfer- 
nung von  P/i  mm  unter  dem  Orna- 
ment hinzieht.  In  diesem  Zwischea- 
raum  wurde  unstreitig  der  Stofl*  (festes 
Leder V)  geschoben,  auf  welchem  der 
Schmuck  -  wahrscheinlich  die  eine 
Hälfte  einer  Spange  bildend  —  mit 
dem  in  der  Zeiclmung  ersichtlichen 
neun  goldenen  durch  angeschmiedete 
Oesen  gehende  Nieten  befestigt  war. 

Der  zweite,  ebenfalls  massiv  in 
(lold  geschmiedete  und  mit  Almundii^ 
(das  mittlere  Sti'ick  knopfiormig)  ausgelegte  Schmuckgegenstand  hat  an  seiner  rnterseite  «mm 
perlstabartig  ausgeschnittenen,  rundumher  laufenden  (lolddrath  angeliUhet  und  besitzt  in  der 
Mitte  einen  durch  die  (irundplatte  nach  abwärts  reichenden,  5  mm  langen.  2  mm  starken 
Silberstift. 

Die  beschriebenen  Schmuckgegenstäude  sind  im  Charakter  und  der  Ausführung  ziemlich 
älndich  und  dürften  orientalischen  l'rsprungs  sein.      K  o  m  s  t  o  r  f  e  r.'' 


Fig.  23. 


1893.     Band   1«),  Seite   117. 

Das  Tartaren-Denkmal  bei  Warna. 

Mit  einer  Illustration. 


\'om    Couservator    Carl    A.    H  o  ni  s  t  o  r  f  r  r 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN    MlTTHEILÜNGEN    DER   K.    K.    CENTRAL- COMMISSION.  7l 

1893.     Band   10.  Notiz  61,  Seite   138. 

{Münze.)  „Dr.  Kaindl  in  Czernowitz  luit  der  Central-Coninüssion  initgetlieilt.  dass 
sich  im  Münzcabinet  der  dortigen  Universität  eine  Münze  von  I^ucinR  Veras  (  M>1  72)  befindet, 
welche  vor  etwa  273  Jahren  hei  der  Anlegung  einer  Strasse,  welche  die  Neiigasse  und  den  ka- 
tholiüchen  Friedhof  ver]>indet,  in  der  Tiefe  eines  Meters  gefunden  wurde.  Sie  wurde  am  F\ind- 
orte  für  das  genannte  (*abinet  erworben.** 


"^"erzeiclxxiis 
der  Conservatoren  und  Correspondenten  der  k.  k.  Central-Commission. 

a)    ConBervatoren. 

Mikulitsch  Andreas,  pens.  ('ameral-Be/irksbaumeister  in  Czernowitz,  bereits  im  Jahre 
1872  angeführt. 

Isopescul  Demeter,  k.  k.  Schulrath  und  Director  der  Ijehrerbildungsanstalt  in  Czemowitz; 
für  die  lU.  Scction,   Ünterr.-Min -Erlass  vom   14.  Sept.   187.^,  Z.  9(513. 

Petrinö  Otto,  Freiherr  von,  Präsident  des  Laudescultur- Vereines  in  Czernowitz;  für  die 

I.  Seotion;   1872  bis   KS7«J. 

Schwerdtner  Victor.  Architekt  und  k.  k.  (Tcwerbeschul-Professor  in  Czernowitz;  für 
die  II.  Seetion;  von   1877  bis  1878. 

Outter  Josef,  Ritter  v.,  pens.  Hauptmann  in  Sereth;  für  die  1.  Section  ;  von  1880 
bis   1885. 

L  a  i  z  n  e  r  Josef,  Director  der  k.  k.  Staatsgewerbeschule  in  Czernowitz ;  für  die  II.  Section  ; 
von   1880  bis  1887. 

Klauser  Heinrich,  k.  k.  Schulrath  und  Gymnasial-Direclor  in  Radautz ;  für  die  I.  Section ; 
It.    U.-M.-Erl.  vom  31.  Jänner   1887,  Z.  2542i»  ex   1886. 

Romstorfer,  Carl  A.,  Architekt  und  k.  k.  Gewerbeschul-Professor    in  Czernowitz;   für    die 

II.  Section;  lt.  U.-M.-Erl.  vom  8.  Mai  1888,  Z.  2686. 

b)  Correspondenten. 

Getzlinger  I..eopold,  Dr.,    k.    k.  Bezirksarzt  in    Wiinitz,  früher  in   Kim  polung.    seit    1881 

Kasprzycki  Carl,  Dr.,  k.  k.   Bezirksar/t  in   Wiinitz ;  von   I88I   bis  1884. 

Losen  h  Johann,  Dr.,  k.  k.  T'niversitätfiprofessor;  seit  1881;  1893  nach  On»z  über- 
siedelt. 

Miknlitsch  Andreas,  pensionirter  Ca meral- Bezirksbaumeister  in  Czernowitz;  von  1881 
bis  1884. 

Neubauer  Ernst  Rudolf.  Gymnasiai-Direktor  in  Radautz;  von  1881  bis  1890. 

Neumann  Ferdinand,  k.  k.  Baurath  i.  P.  in  Czernowitz,  früher  Leiter  des  Baubezirks 
in  Sucxawa;  seit  1871. 

Wickenhauser  Franz  Adolf,  k.  k.  Finanzrath  in  Czernowitz;  von   1881   bis  1891. 

Kluczenko  Basil,  Dr.,  k.  k.  Sanitätsrath  in  Czernowitz,  früher  k.  k.  Bezirksarzt  in  Su- 
ez« wa  ;  seit  1883. 

StefanelH  Theodor,  k.  k.  Bezirksrichter  in  Kimpolung,  früher  k.  k.  Kreisgerichts  Adjunkt 
in  Suczawa;  seit  1886. 

Laizner  Josef,  k    k.  Gewerbeschid-Director  in  Czernowitz;  seit   1888. 

Schmidt  VV^ilhelm,  k.  k.  emer.  Gymnasial-Professor  in  Suczawa;  seit   1889, 

Olinaki-OlinesCU  Dionys,  k.  k.   Finanz-Coneipist  in  Czernowitz;  seit  1891. 

Polek  Johann,  Dr.,  k.  k.  Universitäts-Bibliotheks-Custos  in  Czernowitz;  seit  1893. 


Google 


Digitized  by " 


Die  Anthropologische  Geselischaft  in  Wien  in  ihrem  Verhältnisse 

zur  Bul(owina. 

Von  Dr.  Raimund  Friedrich  Kaindl. 


Die  Beziehungen  zwischen  der  Anthropologischen  Gesellschaft  in  Wien  und  der 
Hukowina  reichen  bis  in  das  erste  Jahr  des  He^tehens  der  Gesellschaft  zurück.  Schon  im  ersten 
Mitgliedervereeichnis  derselben,  das  in  dem  kurz  nach  dem  Inslebentreten  der  Gesellschaft  am 
30.  März  1870  heniu6gegeben«*n  Probehefte  ihrer  Mittheilungen  veröfTentlicht  wurde,  erscheim 
Otto  Freiherr  von  Tetrino  als  Mitglied  ders»*lben  Aus  seiner  Feder  bringt  auch  schon  die 
vierte  Nummer  derselben  Mittheilungen,  wertvolle  Berichte  über  Funde  von  Steingeräten  in  der 
Bukowina;  und  in  den  an  das  k.  k.  Nnturhistorische  Hofmuseum  übergangenen  Sammlung*^, 
der  Gesellschaft  wird  uns  als  ein  Geschenk  Petrin  o's  der  erste  uns  erhaltene  Steinfund  a«b 
der  Bukowina  aufbewahrt. 

P  e  t  r  i  n  o  hat  auch  in  den  folgenden  Bänden  der  Mittheilungen  einige  Aufsätze  ver- 
öffentlicht, doch  haben  die-selben  keinen  unmittelbaren  Bezug  auf  die  Bukowina  Bald  scheinen 
überhaupt  alle  Beziehungen  unterbrochen  worden  zu  sein  und  zwar  für  eine  lange  lieihe  M^n 
Jahren.  Erst  im  .fahre  188H  wurde  wieder  die  unterbrochene  Verbindung  hergestellt,  indem  1er 
Obersliibsarzt  Dr.  A.  W  e  i  s  b  a  c  h  der  (»esellsohaft  die  Arbeit  des  Miyors  H.  von  Himmel 
über  seine  Körpermessungen  in  der  Bukowina  vorlegte.  Seit  dieser  Zeit  sind  un.sere  Beziehungtn 
zur  Anthropologischen  (icsellschaft  immer  reger  geworden. 

Schon  im  Jihre  1.S89  hat  Major  Himmel  der  (tesellschaft  reiches  Matefrial  über  dix^ 
Huzulen.  Humanen  und  Riithenen  in  der  Bukowina,  das  auf  seine  Veranlassung  zumeist  von 
Priestern  gesammelt  worden  war.  ül)erlassen.  Da  der  Berichterstatter  sich  damals  bereit*.  *cii 
mehreren  Jaliren  mit  der  Volkskunde  der  Hu/ulen  beschäftigt  hatte  »md  gerade  im  Jahre  I8>«§ 
die  Arbeit  über  die  Kutheuen  in  der  Bukowina  verötteutlichte.  so  vertraute  ihm  die  Gesellschaft 
im  Jahre  1890  dasjenige  Material  aus  der  Saniniliuig  Himmels  an,  welches  auf  die  Ilurulen 
Bezug  hatte.  Auf  Grund  demselben  und  seiner  eig«Mien  langjährigen  Forschungen  verfsÄSte  der 
Berichterstatter  die  umfangreiche  Arbeit  über  die  Huzulen,  welche  gegenwärtig,  von  der  Anihrv- 
pologischen  Gesellschaft  subventioniert,  im  Verlage  der  Buchhandlimg  Holder  in  Wiec 
erscheint.  Indessen  hat  auch  das  Material  über  die  Rumänen  einen  Bearbeiter  in  Hern 
D.  Olinski-Olinescu  gefunden,  der  eben  mit  der  Sichtung  desselben  beschäftigt  isJ. 
Sehr  reich,  wenn  auch  nicht  in  allen  seinen  Theilen  von  gleichem  Werte,  ist  das  Matertal  ilber 
die  Kuthenen,  welches  bisher  nicht  verwertet  wurde,  da  der  Schreiber  dieser  Zeilen,  welcher 
auch  die  Bearbeitung  des8ell»en  geplant  hatte,  durch  andere  Beschäftigung  daran  verhindert  wurdt-. 

Seit  dem  Jahre  1889  begann  bereits  auch  der  Präsident  der  Anthropologischen  «iesdl- 
schaft.  Freiherr  von  A  d  r  i  a  n  -  W  e  r  b  u  r  g.  in  seinen  „Jahresberichten'*  auf  die  Bukowina 
Rücksicht  zu  nehmen,  also  gerade  in  der  Zeit,  da  in  der  Bukowina  das  Interesse  an  der  ethn«i 
graphischen  und  prähistorischen  Forschung  rege  geworden  war.  Zunächst  enthielten  die  Herichif 
nur  einzelne  Notizen;  seit  1891  bieten  sie  aber  eingehendere  Mittheilungen  über  die  Bestrebungen 
in  der  Bukowina  auf  prähistorischem  und  ethnographischem  Ciebiete.  Der  Jahrgang  1891  der 
Mittheilungen  bringt  auch  bereits  einen  kleinen  Aufsatz  aus  der  Feder  des  Berichterstatter*, 
und  die  Mittheilungen  des  folgenden  Jahres  die  wertvolle  .Vrbeit  (\  A.  Roms  torfers  ül'cr 
die  Bauernhäuser  in  der  Bukowina. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anthbopologischb  Gesellschaft  in  Wien  etc.  73 

Im  Jahre  1890  erhielt  die  Gesellschaft  vom  Herrn  Hofrath  Albin  von  Hammer  acht 
Steingeräte  aus  der  Bukowina.  Sie  befinden  sich,  wie  das  von  Petrino  geschenkte,  in  den 
Sammlungen  des  k.  k.  Naturliistorischen  Hofmuseums  und  werden  weiter  unten  näher  be- 
schrieben werden. 

Hatte  die  Anthropologische  dresellschaft  schon  die  in»  Jahre  18t>0  erfolgte  Eröffnung  des 
Münzen-  und  Antiquitätencahinets  an  der  Universität  in  Czernowitz  und  ebenso  den  vom  Bericht- 
erHtatter  in  demselben  Jahre  angeregten  Plan  der  Errichtung  eines  Ethnographischen  Museums 
in  Czernowitz  mit  Interesse  zur  Kenntnis  genommen,  so  l>egrüMste  die  im  Jahre  IH92  die  Be- 
gründung des  Landesmuseums  mit  besonderer  Sympathie  und  leitete  mit  demselben  sofort  den 
Schriftentausch  ein. 

Endlich  ist  zu  erwähnen,  dass  die  Anthropologische  Gesellschaft  im  Jahre  189'2  beschlossen 
hat,  Ausgrabungen  zu  prähistorischen  Zwecken  in  der  Bukowina  vorzunehmen,  und  in  diesem 
Jahre  durch  den  Berichterstatter  diesbezügliche  Verhandlungen  mit  dem  Landesmuseum  eröffnete. 

II. 

Die  oben  erwähnten  St  ein  gerate  aus  der  Bukowina,  welche  in  den  Jahren  1H70  und 
IHUO  in  den  Besitz  der  Anthropologischen  (Tesellschaft  gelangt  sind,  l>efinden  sich  derzeit  in  der 
prähistorischen  S<immlung  der  anthropologisch-ethnographischen  Abtheilung  des  k,  k.  Naturhisto- 
rischen Hofmuseums.  Es  sind  neun  Objecte,  welche  dasellwt  in  einem  (Jlaskasten  aufge- 
stellt sind. 

Inv.  Nr.  1990.  .Streitaxtfragment  aus  lichtem,  verwitterten  mikrokrvstallinischen  feldspat- 
und  quarzhältigen  (lestein,  7  cm  lang,  neolithisch,  aus  Czernowitz ;  Geschenk  des  Freiherrn 
Petrino.  Vergl.  die  Bemerkungen  unten  im  Abschnitt  HI. 

Inv.  Nr.  15090.  Feuerstein  bei  I  nordischen  Typus;  13  cm  lang,  4  cm  breit,  neolithisch, 
aus  Kuczurmare  Geschenk  des  Hofrathe«  Hammer.  Diese  .\xt  ist  verhältnissmässig  schmal 
und  dick,  so  dass  ihr  Kopfende  (quadratisch  ist.  Man  vergl.  etwa  bei  S.  Müller,  Stenaldcren  die 
Fig.  59.  Die  schmalen  Seiten  der  Axt  sind  nicht  geschliffen. 

Inv.  Nr.  16091.  Desgleichen,  gleicher  Typus,  doch  flacher;  10  cm  lang,  4  cm  breit, 
nf'olithiscli,  aus  Franzthal,  Cieschenk  de«  Hofrathes  Hammer.  Diese  Axt  hat  ein  rechteckiges 
Kopfende  ;  vergl.  etwa  Fig.  02  bei  Müller  a.  a  O.  Sie  ist  weniger  sorgfältig  geschliffen  als  die- 
jenige unter  15090*  an  den  schmalen  Seiten  ebenfalls  ungeschliffen. 

Inv.  Nr.  15092.  Mittleres  Bruchstück  eines  durchbohrten  Steinhammers  aus  Diorit; 
5  7  cm  lang,  neolithisch.  aus  Kaczyka,  (ieschenk  des  Hofrathes  Hammer. 

Inv.  Nr.  15093.  Fünf  Feuersteinspäne  (Messen  <»b  — 11  cm  lang,  neolithisch,  aus  Kirli- 
baba,  (beschenke  des  Hofrathes  Hammer. 

Erwähnt  sei  noch,  dass  im  Arcliiv  der  prähistorischen  Samuilung  Fase.  XIII  (Bukowina) 
eine  Copie  der  bekannten  Karte  der  Fundstellen  prähistorischer  Gegenstände  in  der  Bukowina 
von  D.  Olinski-Ülinescu  aufbewahrt  wird. 

III- 

Es  erübrigt  uns  noch  auf  jene  Artikel  in  den  Mittheilungen  der  .Vnthropologischen  Ge- 
sellscliaft  hinzuweisen,  welche  auf  die  Bukowina  Bezug  haben.  Der  besseren  Uebersicht  halber 
wiederholen  wir  hiel>ei  auch  die  schon  früher  genannten. 

O.  von  Petrino,  Steingeräte  aus  der  Bukowina  I,  109  f.  —  Bericht  über  eine  Steinaxt 
aus  Syenit  aus  Suczawa,  ferner  eine  im  Jahre  1805  in  Kisseleu  gefundene  Steinaxt,  über  zwei  Aexte 
aus  Mamomitza  und  endlich  über  das  oben  genannte  Steinaxtfragment  aus  ('zernowitz.  Freiherr  P  e- 
trino  hat  aus  der  Be.schaffenheit  des  Materials  des  letzteren  (Gerätes,  dem  auch  die  in  Kisseleu 
und  Mamomitza  gefundenen,  an  Aussehen  geglichen  haben  sollen,  besondere  Schlüsse  gezogen.  Er 
glaubte  aus  dem  Umstände.  da.«6  dickes  Materi'.il  weniger  hart  und  weniger  tauglich  erschien,  auf  ein 
besondere«  Volk  schliessen  zu  müssen,  das  diese  (leräthe  fertigte.  Der  Schreiber  dieser  Zeilen  hat 
sich  gegen  diese  Auffassung  schon  in  seiner  (teschichte  der  Bukowina  (IhHH)  I.  14  ausgesprochen  und 
das  Material  jener  Geräte  als  verwittertes  Feldspatgestein  erklärt.  Diese  Auf fjiasung  ist  gegen- 
wartig durch  die  vom  Herrn  Custos  Szombathy  am  Objecte  selbst  vorgenommene  und  oben 
in  .\l>schnitt  II  mitgetheilte  Bestimmung  als  richtig  erwiesen.  Geräte  aus  deuiselben  Material  imd 


Digitized  by 


Google 


74  Die  Anthropologische  Gesellschaft  in  Wien  etc. 

gegenwärtig  von  demselben  AiiHsehen  finden  sich  x.  II.  auch  in  den  Pfahlhauten  des  Attervr^ 
Erwähnt  sei  noch,  dass  von  der  Axt  der  untere  mit  der  Schneide    versehene  Theil    erhalten  k 

Dr.  Fligier  erwähnt  in  einer  Mittheiinng  in  XI,  100  das  Vorhandensein  von  Kurlian^n- 
gräl>ern  in  der  Bukowina. 

Dr.  A.  Weisbach*s  Refenit  über  die  von  Major  von  Hininiel  in  der  Bakowina  a. 
200  Kuniänen  und  Ruthenen  und  100  Israeliten  vorgenommenen  Körpennessungen.  Miilhfi 
hingen  XVIII,  [8;^  f]  Vergl.  auch  in  XIX.  111  die  von  Weisbach  auf  Grund  der  Messung 
von  Himmel  ausgeführten  Vergleiche  unserer  Rumänen  und  Kuthenon  mit  anderen  ße^-olk- 
rungselementen. 

v.  A  nd  rian-Werl»urg's  Berichte  ül»er  die  Bukowina  in  XIX,  [H],  XX  [33],  XXI  H 
und  [19|,  XXII   [-22]   und   [28  f.],  endlich  XXIIl   [48  f|. 

B.  Karpeles,  Beiträge  zur  Statistik  der  Zigeuner  in  Oesterreich;  mit  besonderer  B<- 
rücksichtigung  der  Bukowina.  Mittheihingen  XXI  [31   f]. 

H.  V.  Kaindl,  l'eber  die  ethnographischen  und  archäologischen  Forschungen  in  der  Bc 
kowina  im  J.    1890.  Mittheilungen  XXI  [33  f]. 

V.  A.  Kom Stoffe r,  Typen  der  landwirthschaftlichen  Bauten  im  Herzogthume  Buko- 
wina. Mit  ft  Textseiten-Illustrationen  und  einer  Textfigur.   Mittheilungen  XXII,   103  ff. 

~'-i  "      ' 

•     Am  Schlüsse  seiner  Mittheiluugen  gestattet  sich  der  Berichterstatter,  den  Herren  ('iii?tOilt- 
des   k.    k.  Hofmuseums    F.     Heger    und    J.  Szombathy,    ferner    den    Herrn    Assistfott 
Dr.   W.   Hein  und   Dr.  M.   Hoernes   für  ihr    freundliches  Entgegenkommen    beim  Zuwuiinitii- 
stellen  des  vorstehenden  Berichtes  seinen  besten  Dank  auszusprechen. 
Wien,  am   12.  Mai   1893. 


Digitized  by 


Google 


Das  ehemalige  Bukowiner  Landesinuseuin,derSerether  Museumverein  und 
das  Münzen-  und  Antiquitätencabinet  an  der  Universität  Gzernowitz.') 

Von  Dr.  Raimund  Friedrich  Kaindl. 

Das  ohomalige  Bukouiner  Lande smuscimi 'j  ist  im  .fahre  l«r>3  Ijegründet  worden,  naelidein 
snlion  sielien  .Jahre  vorlier  die  k.  k.  Central-Conmiission  zur  Erforschung  und  Erhaltung  von 
kunst-  und  hi.HtoriHchen  Denkniah'n  in  Wien  durch  die  Ernennung  einen  Conservators  die  archU- 
ologiHche  ForHchung  im  Lande  angeregt  hatte.  ^)  Die  Theilnahme  an  der  Vermehrung  der 
Samndung  war  im  Lande  yehr  rege,  8o  dans  das  Museum  mit  dem  Schhmse  des  .Jahres  1H71 
eine  reiclie  Fülle  verschiedenartiger  Ohjecte  besass.  Es  befanden  sich  nämlich  d.asell)st  4*2  aus- 
gestopfte Säugethiere  mit  liiezu  gehörenden  Skeletten  und  Präparaten),  205  ausgestopfte  Vttgel. 
Skelette  und  Nester.  25  Amphibien  und  Fische,  673  lns<'cten,  441  («esteiue  und  Minemlien, 
iM»  Molnsken,  52  andere  Ohjecte  (^Sonstige"),  47  Petrefacte,  10.')  Alterthümer,  CA)  Medaillen  und 
endlich  2.'i43  MUnzen  und  zwar:  IS  aus  Gold,  iKH  aus  Silber,  1551  aus  Kupfer  und  13 
aus  Bronze. 

Fm  Jahre  1871  war  auch  der  Serether  Museum-Verein  gegründet  worden,  der  in  kurzer 
Zeit  schon  100  Mitglieder  zählte.*)  Sein  Zweck  war,  für  das  Landesmuseum  Alterthümer  zu 
.•sammeln,  imd  dieser  Aufgabe  ist  der  Verein  unter  seinem  thätigen  Obmanne  .f.  E.  v.  (i  utter^) 
getreulich  nachgekommen.  Dem  regen  Eifer  dieses  Mannes  verdanken  wir  eine  reiche  Fülle 
von  Münzen,  Alterthi\mern  und  fossilen  (»ebeinen,  die  er  theils  an  das  Landtsmuseum  ablieferte, 
iheils  nach  L.'ebergabe  des-sellien  an  die  Fniversität  an  diese  sandte.  ^)  Nach  seinem  im  Jahre 
\XHV»  erfolgten  Tode  kamen  zahlreiche  Antitiuitäten  aus  seinem  Nachlasse  an  den  romanischen 
An-häologen verein,  der  in  demsell>en  Jahre  in  Czernowitz  begründet  wurde.  Dagegen  Ir-sie  sich 
der  Museum  verein  auf. 

Indessen  waren  im  Jahre  1«77  die  Sammlungen  des  Landesmuseunis  der  zwei  Jahre  zuvor 
erJiflneten  Franz  Josefs-rniversität  übergeben  worden.  ')  Da  es  dasell  st  aber  an  einem  Kaume 
fehlte,  in  welchem  die  gesammte  Sammlung  hätte  unterbracht  werden  kiJnnen,  so  wurde  deu 
einzelnen  Theilen  derselben  ein  verschiedenes   Los  zutheil. 

Die  M  ü  n  z  e  n  wurden  unter  Schloss  imd  Hiegel  wohl  verwahrt,  und  in  gleicher  Wei.se 
ist  mit  dem  in  den  folgenden  .Jahren  einlaufenden  (»eschenkon  verfahren  worder.  Die  fossi- 
len (t  e  b  e  i  n  e  kamen  an  da«  zoologische  Institut  und  sind  hier  von  J*rof.  V.  (»raber 
IT  l?<i>2j  sorgsam  behandelt  und  üliersichtlich  aufgestellt  worden;  durch  spätere  Erwerbungen 
vermehrt,  befinden  sie  sich  auch  gegenwärtig  in  dem  genannten  Üniversitäts-Institute.  *)  Der 
dritte  Theil  der  Sammlungen  endlich,  die  Alterthümer,  konnten    am    allerwenigsten   ange- 

V)  Vergl.  Kaindl,  Kleine  Studien  (1893)  S.  5  «*. 

*)  Vergl.  Hauptbericht  und  Statistik  fi\r  das  Herzogthum  Bukowina  für  die  J*eriode  lHli2 
bih  1S7L  Herausgegeben  von  der  Bukowiner  Handels-  und  (iewerbekannuer.  Lemberg  1872, 
S.  3'.)«». 

'j  Jahrbuch  der  k.  k.  Central-Commission   185r>.  8.  31». 

*)  Hauptbericht  S.   409. 

*»  l'eber  (^  u  1 1  e  r  vergl.  V.  P  r  e  l  i  c  z  im  Jahresberichte  der  rnterrealschule  Sereth  1880.^ 

*)  Vergl.  den  Bericht  (1  u  1 1  e  r's  in  den  Mittbeilungen  der  k.  k.  (Vntral-Commission  1880, 
Notiz  21.  Die  daselbst  genannten  Fossilien  und  Alterthümer,  und  ebenso  offenbar  auch  die 
Mimzen  befinden  sich  richtig  in  den  Sammlungen. 

')  *  Protokollarisches  Verzeichnis  der  vom  Landesmus?um  der  Bukowina  übernommenen 
Alterthümi'r."   (>zernovvitz  21.   Mai   1877.  (iezeichnet:  (loldbacher,   Vrba  und  Z  a  c  h  a  r. 

•)  Die  merkwürdigsten  Fossilien  sind  vom  Schreiber  dieser  Zeilen  in  seiner  (icsenichte  der 
Bukowina,  Czemowitz   1888,  L  S.   (i  angeführt  worden. 


Digitized  by 


Google 


70  Das  ehemalige  Bukowiner  Landesmüsbum  etc*. 

iiiei>8on  auf  l>ewahrt  werden.  Erst  nachdem  einzeliie  Objecte  verdorben  oder  verloren  waren, ' 
wurden  die  Antiquitäten  dem  Prof.  A.  H  a  n  d  1  üliergeben,  der  sie  in  einem  (Jlaska^ten  sorgfältig 
aufstellte.  •)  Im  Jahre  IHK«»  gelangten  sie  wieder  an  die  TniverHitätskanzlei  zurück. 't  Indejacn 
waren  durch  Zusendungen  (tutter's  einige  neue  (iegenstände  hinzugekommen. 

Mit  Beginn  des  Studienjahres  IHSS  war  mittlerweile  jener  Theil  des  rniversitatsgebäadcK 
welcher  bisher  von  der  l^ehrerbildungHanstalt  eingenommen  war,  in  die  Benutzung  der  l'niveraiu: 
übergangen.  Hierdurch  ist  es  dem  l'rof.  K.  K  a  f  u  z  n  i  a  c  k  i.  der  im  Studienjahre  l>*Hy/W' 
Kector  war,  mr»glich  geworden,  die  Krrichtung  eines  Münzen-  und  AnÜ4|uitäten-Cabin€tes  ana« 
regen,  auf  welchen  Vorschlag  auch  die  Regierung  einging.  Ein  Zimmer  wunle  eingerichtet,  imd 
schon  am  21.  Juli  1S9Ü  konnten  die  Münzen  imd  Alterthümer  dem  l*rof.  f^oserth.  der  da; 
Custodiat  übernommen  hatte,  übergeben  werden.  Die  Abtheilung  für  Münzen  bestand  damal* 
aus  35H9  Münzen  und  Medaillen,  is  Wertnoten,  l  Notenphotographie  und  3  (lenimen:  dir 
Abtheilung  für  Antiquitäten  aus  «»*,♦  Nummer  in  HX  Stücken. 

Mit  grossem  Aufwand  an  Zeit  und  Mühe  widmete  sich  l*rof.  Loserth  der  Bestimmung 
der  M  ü  n  z  e  n.  Die  Zahl  derselben  wuchs  stetig  zumeist  durch  Schenkungen,  welche  zun»  grüs&ieo 
Theile  durch  den  Herrn  Custos  persünlich  veranlasst  wurden;  doch  hat  auch  die  Regierung  DiMi 
der  Landtag  bedeutende  Subventionen  dem  Cabinete  zutheil  werden  lassen.  Wie  rasch  die  Saiußi 
lung  sich  entwickelte,  kann  man  der  folgenden  Zusammensiellung  entnehmen. 

21.  Juli   1890:  3oH9  Münzen  /die  Duplikate  mitgezählt),   IS  Werthnoten,  1  Notenphotograpbiir. 

3  Gemmen. 
29.  Mai  1891:  2500  Münzen  (ohne  Duplikate  u.  s.  w.),  20   VVerthnoten,    l   Xotenphotograph'h-. 

3  Gemmen. 
12.  April   1892:  28(>3  Münzen  (ohne  Duplikate  u.  s.   w.);  Stand    der    anderen    Objecte    umer- 

ändert. 
29.   Mai   1892:  3218  Münzen  (ohne  Duplikate    u.  s.   w.^;    Stand    der    anderen    Objecto    unrer 

ändert. 
1.  April   1893;  3721   eingestellte  Münzen,   Medaillen  und  Jetons;  fast  300  unbestimmte  und  nichi 

eingestellte  Münzen;  etwa   1000  Dubletten;     13    Bracteaten;    Stand    der    anderen    Gbjeci«' 

unverändert. 
Die  Gesammlzahl  der  Münzen  betrug  somit  am  1.  April  1893  über  .'lOOO  Stück.  Sie  hat  somh 
in  etwa  zwei  und  cinhalb  Jahren  um  circa  löOO  Stück  zugenommen,  ein  Krfolg,  den  wir  allein 
den  Bemühungen  des  Custos  zu  verdanken  haben.  Leider  ist  uns  derselbe  aber  durch  seine  am 
l.  April  1S93  erfolgte  Berufung  nach  Graz  entzogen  worden.  Das  (^binet  ist  gegenwärtig 
geschlossen.  ■*) 

Im  Herbste  des  Jahres  1890  sind  auch  die  Alterthümer  durch  den  Schreiber  diejw 
Zeilen  geordnet  worden.  Im  Laufe  der  Zeit  waren  die  Zettel  und  Nummern,  welche  densell« 
beigegeben  waren,  theils  verloren  gegangen,  theihi  auch  wohl  verwechselt  worden.  Es  galt  somit 
nach  Andeutungen  der  noch  vorhandenen  Zettel,  ferner  den  .\ngaben  eines  im  Jahre  1877  ie- 
gelegten  Verzeichnisses,  und  endlich  durch  Vergleich  mit  einzelnen  Berichten  in  den  Mitthei- 
limgen  der  Central-Commission  in  Wien,  die  Bestimmung  der  Objecte  durchzuführen.  Es  iÄ 
natürlich,  dass  dieselbe  nicht  in  jedem  Falle  gelaug.  Das  Ergebnis  dieser  Arbeit  ist  in  eintr 
vom  Berichterstatter  angefertigten  und  dem  Cabinete  übergebenen  „Bestimmungs-Tabelle  «it-r 
am  29.  Mai  1891  im  Cabinete  der  Universität  Czernowitz  vorhandenen  Alterthümer**  verzeichnrt 
An  dem  genannten  Tage  besass  das  Cabinet  70  Nummern  in  «t»  Stücken;  seither    war  die  Zahl 


M  Es  ergibt  sich  dies  aus  dem  \'ergleiche  des  Verzeichnisses  vom  21.  Mai  1877  mit  deiL 
unten  im  Texte  angeführten  Stande  der  Sammlung  bei  der  Eröffnung  des  Cabinetes  an  (^r 
Tniversität. 

*)  Nach  dem  damaligen  Stande  sind  sie  zun»  Theil  in  der  eben  citirten  Geschichte  der 
Bukowina  beschrieben  worden. 

')  Protokollarisches  Verzeichnis  vom  17.  Deccmber  1?«89.  (iezeichnet  von  HandL 
E  1  t  e  r,  r  i  e  t  s  c  h  m  a  n  n. 

*)  Näheres  über  die  Münzen  des  C'abiuets,  insbesondere  über  die  ultmoldauisichen,  find*-* 
man  in  der  „Bukowiner  Rundschau'*  Nr.  9+0  ilH9l)  und  Nr.  1273  (1893);  ferner  in  der  Komi 
nischen  Revue   IS90,  S.  «»50  rt".  und  in   K  a  i  n  d  1.  Kleine  Studien  S.  ü  fl*. 


Digitized  by 


Google 


Das  ehemalige  Bukowineb  IjAndesmuseum  etc.  7? 

bis  zum  1.  April  1893  um  2  Nummern,  Itestehend  aus  eben  äo  vielen  Htuekeii  geivaehsenJ) 
Dieser  geringe  Zuwachs  findet  seine  Erklärung  in  dem  Umt^tanrlt',  daäs  gteioliz^'itig  mit  d^in 
Entstehen  des  Cabiuets  an  der  Universität  die  Sammlungen  für  im*f»r  ^eplanti^fl  n^ues  Liinde^- 
inuseum  ihren  Anfang  nahmen  und  die  Alterthümer  schon  dniuaU  ziirafi!*!  dii^si^M  ^Jigefilhrt 
wurden.  Zufolge  einer  Eingabe  der  Museumsleitnng  hat  sclili**ssliüh  aiti  ü2.  Mür/.  \S\i3  der 
Senat  der  Universität  beschlossen,  alle  im  Cabiuete  der  lliiivertiitfit  üitfgt'K teilten  Alu^rthhmer 
unter  Wahrung  des  Eigenthumsrcchtes  dem  Landesmuseum  ah  iihvTvfalmn,  Die  Uebergabc?  fand 
am    7.   April  1898  statt. 

Wien,  am  14.  Mai  1893. 


i-y^^ 


*)   Ein  Verzeichnis  der  (legenstände  und  die  Beschreäbun^  ili»r  murkvviirdiger(*n  deß^tllM'O 
findet  man   l>ei  K  a  i  n  d  1,  Kleine  Studien  8.  9  ff.  Digitized  by  CjOOQIC 


Zwei  Kreuze. 


Archäol  ogiscli-vaterländiscJi-bistcriscbe    Reminiscenz. 

Von  Prof.  Wilhelm  Schmidt. 

Rührende  Pietät  für  das  Forterlien  der  VerraachtniHse  der  heinigegangenen  Altvordern.  Kx 
nicht  allein  in  den  stolzen  Burgen,  SchloKsern  und  Palästen  altadeliger  (»eschlechter  und  in  dr 
stattlichen  Häusern  wohlhahender,  lang  angesessener  Hlirgerfaniilien,  wahre  Schätze  von  (Jefffi** 
ätäuden  zusammengebracht,  welche  dem  Stoße,  «ler  N'eredlung  dessellien  durch  die  KunsL  iui<'^^ 
und  neWn  der  Lieh-  und  Werthhaltung  des  Besitzers,  härfig  auch  durch  historische  Kemiü- 
ceuzen  einen  imschätzbaren  Hort  von  sehenswertheu,  höchst  instructiven.  alterthümlichen  Cnri- 
sitäten  bilden,  die  —  leider  —  nur  wenigen  Auserwählten  zu  (iesichte  konmien.  vergönnt  wird 
In  der  Oefi'entlichkeit  besteht  hierüber  sehr  häutig  nicht  einmal  eine  blasse  Ahnung  ui.^ 
deshalb  entziehen  sie  sich  in  den  meisten  Fällen  jeder,  wie  iuimer  gearteten,  eingehenderen  IV 
sprechung.  Sie  sind  für  die  Wissenschaft,  für  die  culturelleu  Ixückschläge  der  Zeugen  vergaii- 
gener  Tage,  so  gut  wie  nicht  vorhanden  und  reihen  sich  in  Folge  dessen  jenen  bekla^nswertbe" 
Verlusten  an,  welche  von  habgieriger  Plünderung  zur  Zeit  an  lauernder  Kriegsliedrängnis.  von  dtfl 
Sturmfluten  plötzlich  heranbrechender  (tewäsNcr.  von  schomiugslosen  Flammen  grosser  Feoe^ 
brUuste,  von  den  vulkanischen  Eruptionen  und  wie  die  schweren  uml  verhängnisvollen  Heimsuchniigfr 
des  Krden-  imd  Menschengeschickes  immer  noch  heissen  mögen,  veranlasst,  auf  das  Kerbh"U 
bitterer  I^lienserfahruugen  zu  setzen  sind. 

In  dem  weitgezogenen  Kreise  der  Letzteren  l)egegnen  wir.  so  weit  auch  un.sere  Heimii. 
die  Bukowina,  der  ehemalige  Bestandtheil  <los  moldauischen  Douaufürstenthumes,  in  die  l^er.- 
pberie  desselben  hineingezogen  erscheint,  zwei  unersetzliche  i  Verlusten  von  Erzeugnissen  hufh 
gediehener  Kunstentwicklung  in  der  N'eredlung  eines,  bereits  an  und  fi\r  sich  edlen  Stoflies.  l"^ 
meine,  das  Missgeschick,  welches  die  beiden,  historisc^h  vielliesprochenen  Kreuze  des  Fürae. 
Alexander  L  a  p  u  s  c  h  n  e  a  n  und  der  Suczawer  griech.  -orientalischen  Mt- 
t  r  o  p  o  1  i  e  betroft'en  hat  und  wohl  zunächst  in  diesen  Blättern  einer  kurzen  Erwähnung  thrfl 
haft  zu  werden  deshalb  verdient,  um  es  klar  werden  zu  la.ssen,  mit  welchen  uuberecbenbiree 
Factoren  wir  es  zu  thun  haben  und  wie  verdienstvoll  Beiträge  zu  Museumszwecken  seien,  weü 
es  darum  sich  handelt,  die  todte  Vergangenheit  in  die  lebende  (Gegenwart  zu  dem  Ziele  hernl»^ 
zutragen,  um  in  die  alte  Zeit  sich  hiueiulel^n,  belehrende  Vergleichungeu  anstellen,  das  be«Ä 
(Gebotene  schätzen,  zum  Fortschritte  sich  aneiferu  und  rastlos  fortwirken  zu  können  auf  dei 
nicht  eben  unbeschwerlichen  Bahnen  cultiu'eller,  das   Dasein  verschönernder  Entwicklung. 

Alexander  Lapuschnean.  welcher  nach  dem  Erlöschen  des  Mannsstarome«  ^ 
Dragoscluden,  oder  —  wie  die  heimischen  Chronisten  bevorzugen  --  der  Muschat,  durch  y^ 
nisches  Zuthun  auf  den  moldauischen  Fürstensitz  gelangte  und  durch  seine  Vermählung  nA 
Roxanda.  der  einzig  lebenden  Tochter  Peters,  beigenannt  R.iresch,  und  Reprä.santanthi  des  aitn» 
Fürstengeschlechtes,  der  eigenen  Erhebmig  den  8temi)el  der  I^egitimität  aufdrucken  wollte,  Ale- 
xander war  nicht  allein  darauf  bedacht,  die  trotz  des  Pfortentributes  namhaflen  Einkünfte 
seines  Fürstenthiimes  vorsorglich  in  der  Schatzkammer  oder  Zccha  von  Venedig,  mit  vrelchrt 
Dogenstadt  die  M«)ldau  stets  regen  Verkehr  unterhielt,  sicherzustellen,  sondern  er  war  zogleiiA 
ein  mecäncnartig  angelegter  Freund   und   Fr»rderer  von  Kunst  und   Wissenschaft. 

In  letzterer  Beziehung  hat  es  die  Geschichte  verewigt,  dass  er  ein  ausgesprochener  IJehhtktf 
von  seltenen  und  theneren  Büchern  gewesen  sei    Seine  Vorliebe  für  die  Schöpfungen  der  Kunst JeA*l' 
-  -  wenngleich   hiel)ei  der  nationale  Zug,  mit   Keichtbnm  und  Seltenheiten  zu  glänzen  und   iHg*" 
meines  .Vufsehen  auf  sich  zu    lenken,    mit  verschmolzen  war.  bezeugt  die  bis  auf  uns   g^**" 

Digitized  by  V:iOOQIC 


^.äsA 


Zwei  Krbüzb.  79 

inene.  dooumentarisch  beglaubigte  (leHhichte  i\e^  von  ihm  bei  den  Herniannstädter  Goldschmieden 
Ijestellten  und  auch  fertig  gewordenen  Kreuzes. 

In  Siebenbürgen  war,  unter  den  deutschen  Ansiedlem  des  Landes,  das  Gewerbewesen 
schon  seit  137r»  nach  festvereinbarten  Zunft^^atzungen  geregelt,  welche  darnach  angethan  waren, 
lUe  Erzeugnisse  jeder  Innung  tadellos  uiarktgerecht  zu  gestalten  und  somit  Ruf  und  Absatz 
siclierzustellen.  Vor  allem  aber  legte  die  (roldschmiedezunft  in  ihren  Leistungen  fast  euro- 
paischen Ruf  Geniessendes  an  den  Tag.  So  war,  um  nur  Eines  Beispieles  Erwähnung  zu  thun,  in 
Stnijtsburg  am  Marosch,  d.  i.  in  (iross-Enved,  ein,  der  Hermannstädter  Goldschmiedeinnuug  in- 
c-orporirter  (»enosse  der  Erste,  welcher  eine  ganz  normal  gehende  Miniaturuhr  in  einen  Ring 
fiipiste,  wouiit  Johann  Sigisnnmd  Zapolya  die  besondere  (iunst  des  Grossultans  für  sich  gewann. 
Kein  Wunder  daher,  dass  auch  der  moldauische  Fürst  nach  einer  ganz  besonderen  Specialität 
fürstlichen  Schmuckes  verlangend,  an  die  (Toldschmiede  zu  Ilermaunstadt  sich  wandte,  deren 
seltene  Kunstfertigkeit  früher  bereits  von  den  moldauischen  Fürsten  vielfach  war  in  Anspruch 
^^onommen  worden. 

Seine  Hoten  übergaben  dem  Hernuinnstädter  Zunft-  oder  Gildeuvorsteher  der  Goldschmiede 
imn  das  Edelmetall,  die  Perlen  und  das  Edelgestein  zur  Herstellung  eines  Kreuzes,  dessen 
Kinge  mit  Perlen  besetzt  sein  sollen.  An  Arbeitslohn  wurden  300  Gulden  deponirt  und  das  ge- 
lieferte Werk,  nachträglich,  auf  die  zu  jener  Zeit  riesige  Summe  von  80.000  Gulden  Werthes 
tce^ichätzt.  Fürst  Alexander  bekam  es  jedoch  nie  zu  (lesichte,  viel  weniger  in  Besitz. 

Johann  Sigisnnmd  Zapolya  behielt  es  wegen  der  in  der  Moldau  durch  den  von  ihm  ge- 
bansten, aljeuteuerlicheu  Prätendenten  um  das  Fürstcnthum,  durch  Heraclides  Despota  veran- 
la.sstcn,  Alexanders  Vertreibung  nach  sich  ziehenden  Fnruhen  im  Lande,  wohl  in  der  Absicht, 
dasselbe,  wenn  die  von  ihm  Job.  Sigismund  Zapolya)  bei  der  Pforte  waruj  befürwortete  Wieder- 
oinsetzimg  des  gewaltsam  Depo.ssedirten  gelingen  sollte,  dem  Eigenthümer  zustellen  zu  lassen, 
was  jedoch  nicht  hinderte,  bei  dem  Besuche  des  Sultans  Suleiman  zu  Belgrad  mit  diesem  um 
<lcn  Hals  gehängten  Kreuze  zu  erscheinen,  dessen  Kostbarkeit  und  kunstfertige  Herstellung 
zierten  es  doch  unter  Anderem  Neun  Diamante  nebst  Vier  Rubinen  ungewöhnlicher  Grcsse,  -  den 
prachtgewohnten,  grossherlichen  HJ^flingen  und  Würdenträgern  Rufe  'des  Erstaunens  und  der 
Bewunderung  entlockte.  Hierauf  übergab  er  das  Kleinod  der  Huth  des  Hermannstädter  Stadt- 
rathes  fli>r»*2),  in  dessen  Verwahrung  es  bis  auf  die  Zeiten  Sigmund  Bathory's  blieb,  dem  1571 
die  zu  Mediasch  NTrsammelten  siebenbürgisclien  Stände  dieses  Kreuz,  über  flehentliches  Bitten, 
zur  Tilgung  seiner  Schulden  überliCvSsen.  Mit  welchem  Rechtstitel  und  warum  .\lexander  nach 
>einer  Wiedereinsetzung  oder  seine  wegen  Erfolglassung  seines  Nachhisses  aus  der  Zecha  7a\ 
Venedig  nicht  müssigen  Erben,  nach  seinem  T«)de  die  W^iedererlangung  dieses  Schatzes  gar  nicht 
oder  vielleicht  vergeblich  verfochten,  darülier  fehlen  alle  verlässliehon  (^iiellenberichte  gerade  so 
sehr,  wie  über  die  weiteren  Schicksale  dies<'S  hochberiihmfcen   K'uister/eiignis.ies, 

G'anz  genau  gleichzeitig  wenden  sich  die  Blicke  des  (Jeschichts-  und  Kunstfreundes  einem 
anderen  Kreuze  zu,  welches  den  hohen  Schmuck  und,  traditionell,  einen  der  wesentlichen  \u- 
ziehungsgegenstände  der  Suczawer  Metropolitankirche  für  die  frommgläubige  Menge  l>ildete. 

Wir  wissen  aus  den  chronistischen  l'eberlieferungen  anderer  Länder,  was  ein  solches 
Kreuz  zu  bedeuten  hatte,  wie  zugleich,  welch  grossartigen  nuiteriellen  Werth  es  repräsentirte. 
Das  Pretium  aflTectionis  war  dabei  sicher  aller  Berechnung  entzogen.  Erzählt  doch  die  verbürgte 
Tradition,  da.ss  einzelne  Domkirchen  Eurojia's  aus.ser  unzähligen  Votivgeschenken  in  (iold  und 
Silber,  an  denen  Edelsteine  funkelten,  auch  kostbare  Geräthe,  Gewänder,  Teppiche  und  C'ruci- 
tixe  besassen.  die,  mit  (loldplatten  überzogen,  in  der  lebensgrossen  (iestalt  des  Gekreuzigten,  in 
Gold  und  Juwelen  gefasste  Reli«|uien  in  sich  schlössen,  so  dass  nur  das  tToldgcwichtdes  Ganzen 
in  Mainz  z.  B.  Sechshundert^  Pfund  betrug;  ein  ähnliches,  mit  feinster  Filigranarbeit  ver- 
liehenes, unschätzbares  Kreuz  bewahrt  noch  heute  die  Kathedrale  von  Hildesheim. 

Dieses  c  o  1 1  o  s  s  a  1  e  ,  silberne,  nach  dem  Herkommen  der  gr.-or.  Kirche,  der  Figur  des 
de«  Gekreuzigten  entbehrende  Kreuz,  dem  zur  Seite  zwei,  verhältnismässig  grosse,  gleichfalls 
i^ilbeme  Leuchter  standen,  hatte  der.  nach  Verdrängung  Alexander's  zur  Herrschaft  gelaugte 
und  zur  Festigung  derselben  durch  bewaffnete  Macht  in  Geldnoth  belindliche  Usurpator  Hera- 
dides  an   sich  gezogen,    um    es    dur<"h    den    herbeigerufenen  Hermannstädter  Münzer,  Wolf^  zu         j 

Digitized  by  V:iOOQIC 


80  Zwei  Krbuze. 

Thalern  umwandeln  zu  lassen,  welche  Münzsorte,  gerade  zu  diej»er  Zelt,  durch  die  von  dem 
Grafen  Schlick  zu  loachimsthal  geprägte  Geldsorte  war  in  Umlauf  gesetzt  worden. 

Dieser*  kirchenschänderische  und  kirchcnräulierische  Vorgang,  welcher  bei  des  Despiien 
hoch  tragischem  Ende  wesentlich  verhängnisvoll  mitwirkte,  schien  den  Zeitgenossen  derart  unge- 
heuerlich, dass  die  hervorragendsten  und  einflussreiclisten  Persönlichkeiten  aller  linder  —  w\i 
noch  vorhandene  Correspondenzcn  derselben  ausser  Zweifel  setzen  —  alle  Mühe  und  sell»^i 
namhafte  Kosten  sich  nicht  reuen  Hessen,  um  in  den  Besitz  einzelner  Exemi>lare  dieser  vom 
Landesclerus  unter  Bann  verprmten  Münze  zur  wechselseitigen,  werth vollen  Beschenkung.  zu  gelang«! 

So  gehen  unschätzbare  Kunstwerke  rettungslos  im  Strome  der  Zeiten  unwiederbringlicl» 
verloren  und  eben  ihr  tief  beklagenswerther  V^erlust  legt  uns  die  Mahnung  und  Pflicht  nilw- 
nach  allen  Kräften  mitzuwirken,  dass  von  solchen  Gegenständen  gerettet  und  erhalten  werde. 
was  eben  noch  zu  retten  und  zu  erhalten  uns  vergönnt  ist,  um  durch  systematisch  geordn^tt 
Zusammenstellung  derselben,  wie  solche  nur  ein  „viribus  unitis**  zu  Stande  gebrachtes  Lande? 
museura  bieten  kann,  einen  höchst  instructiven  Blick  in  die  Cultur-  und  Sittenverhältnisse  dfr 
in  der  engsten  Heimat  sich  abwickelnden  Folgenkette  jeweiliger,  durch  den  allbeherschendea 
(ieist  der  Zeit  oder  durch  zwingende  Verhältnisse  derselben  eingetietene  Phasen  der  social«' 
Entwicklung  nachgehen  zu  können,  zum  Steigern  des  in  uns  mächtig  pulsirenden  Triebes  tu 
höherem  Aufschwünge. 


-  >  ■   K  ■■'»■'  :tSt i""^i   '  < 


Digitized  by 


Google 


Vermischtes- 


(Die  feierliche  Eröffnung  der  Sammlungen)  des  I^ukowiner  Landesmuseums  fand  imi 
Sonntag,  den  14.  Mai  1893.  11  Uhr  vormittags,  in  Anwesenheit  des  k.  k.  Kegierungsi-urlifS 
.J.  S  t  r  o  n  e  r  als  Vertreter  des  am  Erscheinen  verhinderten  k.  k.  Landespräsidenten  Frriherni 
V.  K  r  a  u  s  8 .  dann  des  gr.-or.  EncbischofB  Dr.  Sylvester  M  o  r  a  r  i  u  -  A  n  d  r  i  e  w  i  e  i£ .  des 
k.  u.  k.  Brigadiers  und  Militärstations-Commandanten,  Generalmajors  E.  Kitter  M  a  y  e  r  von 
Marnegg,  des  Landwehr-Brigadiers,  Generahnajors  von  J  o  r  k  a  s  c  h  -  K  o  ch,  des  lülrgur- 
meisters  Anton  K  o  c  h  a  n  o  w  s  k  i  Ritter  von  Stawczan,  der  Vertreter  des  Landesau88i"huH8**ii* 
des  gr.-or.  Consistoriums.  des  Czemowitzer  Magistrates,  der  k.  k.  Franz-Josefs- üniversit;U,  diT 
Biikowiner  Sparcassa,  der  Mittelschulen,  endlich  von  Landtagsabgeordnetf^n  und  Mitgliediern  di*^ 
Museunisvereines  durch  den  Obmann  des  C'uratoriums,  I^andeshauptmann  Johann  Lupul,  r^Uilt- 
In  seiner  Ansprache  begriisstc  Letzterer  die  Erschienenen,  hob  die  besondere  Bedeutung  tWs  neu- 
gegründeten  Museums  in  archäohigischer,  etlmographischer,  euUur-  und  naturwissenschiirtlieher 
und  kuDsthistorischer  ]{e/jehung  hervor,  indem  er  dieser  scliönen  Institution  im  Lande  dn^  beste 
Gedeihen  wünschte.  Mit  einem  dreimaligen,  von  den  .Anwesenden  niit  Begeisterung  auf^tHiosii- 
menen  Hoch  auf  Se.  Majestät  den  Kaiser  erklärteer  <las  Museum  fUr  eröffiiet.  Schulrjith  Ue- 
meter  Isopescul  gab  sodann  in  seiner  Festrede  vorerst  eine  eingehende  Darstellung  der 
Entstehung  des  Bukowiner  Laudesmuseums.  wies  auf  die  Unterstützung  und  Forderung  hin, 
welche  diesem  Institute  seitens  des  k.  k.  Ministeriums  für  Cultus  und  ünterriclit,  der  k.  k.  T.un- 
desregierung,  des  Bukowiner  Landesausschusses,  der  k.  k.  ('entral-C'ommi.ssion  für  Kuusl-  rmd 
historische  Denkmale,  des  Bukow^iner  gr.-or.  Consistoriums,  der  anthropologischen  Gesr-Ilsrluift 
in  Wien,  der  hiesigen  Sjtarcussa  und  einzelner  Personen  zu  Theil  wurde  und  sprach  die  llulT- 
nung  aus.  dass  das  Museum  auch  für  die  Zukunft  allseitige  Unterstützung  Hndeu  möge.  Nsali 
Besichtigung  der  Sammlungen  trugen  die  meisten  der  Anwesenden  in  das  aufgelegte  Getleuk- 
buch  ihre  Namen  (38)  ein. 

(Besuch  der  Sammlungen.)  Für  den  öffentlichen  Besuch  sind  die  Sammlungen  unenl- 
geltlich  jeden  Sonntag  von  3  bis  .")  Uhr  nachmittags  zugänglich.  Die  grösste  Besucherzahl  war 
bis  jetzt  I4(}  (am  28.  Mai),  die  geringste  32  (am  fi.  August).  In  Summa  besuchten  an  15  Sonntagen 
1162  Personen  das»  Museum,  so  dass  im  Durclischnitt  auf  einen  Sonntag  77  Personen  entfallen.  Au 
einzelnen  Wochentagen  wurden  die  Samudungen  überdies  noch  für  corporativeu  Besuch  geöfTnei. 
insbesonders  den  Theilnehmern  des  L  Bukowiner  Gewerbe-Oenossenschaftstages  und  den  des 
Czernowitzer  Sängerfestes,  wovon  16',)  Personen  ihre  Namen  in  das  Besuchsbuch  eintrugen, 
während  circa  90  Besucher,  mangels  der  nöthigen  Zeit,  dies  nicht  thun  konnten.  —  Am  16,  Augimt 
besnchte  femer  noch  Herr  Josef  Szorabathy,  Custos  am  k.  k.  Hofmuseum  in  AVieu  das 
Bukowiner  Landesmuseum,  in  welchem  er  eingehende  Studien  machte.  —  Die  Gesammt^nbl  der 
Besucher  erreichte  demnach  im  Zeiträume  von  37^  Monaten  die  Höhe  von  mindestens  1  HSH  Ks 
wäre  wünschenswert,  dass  dieser  ausserordentlich  zahlreiche  Besuch  in  der  Zuknnft  iinhalcpu 
würde.  ^  , 

Digitized  by  VjOOQIC 


82  Vermischtes. 

(Das  SchaufU88*8Che  Museum.)     Im  Wege    des    liukowiner    k.   k.     I^iidespräsidiam»  Irt 

Director  C  a  in  i  1 1  o  SchaufuBs  seine  von  8eineni  Vater  und  ihm  '^usammengeätelilaSt  5* 
Colin  an  der  Elbe  befindlichen,  mit  '1-  UU  300.000  Mark  bewertheten  Haramlungen.  zum  gr^tssenc 
Theile  naturhit*torischer  Objcete,  dem  Hukowiner  Landesmuseum  als  Schenkung  angeboten  uatfr 
der  Bedingung,  dass  das  Bukowlnor  IjandeHuiuseum  Sorge  trägt,  die  Sammlungen  unter  der  OiivB' 
tion  von  Schaufuss  aufzustellen  und  zu  conserviren.  Teber  die  Annahme  dieser  werth\xī 
Schenkung,  welche  allerdings  nicht  unbedeutende  T'nterhaltungskosteu  erfordern  durfte,  wird  d« 
Curatorium  des  Landesmuaeums  zu  entscheiden  haben 

(Vereinigung    des   Bukowiner  Landesmuseums    mit  dem   Bukowiner  GewerbemaseHL) 

Vom  ('uratoriumsuiitgliede  beider  Museen,  Herrn  Nicolaus  Kreiherrn  von  M  u  t«  t  a  t  s  a ,  gini|r 
die  Anregung  aus.  die  beiden  hiesigen  Museen  räumlich  zu  ven^inigen,  in  der  Art,  dasf*  d» 
vom  (j'enerbemuseum  geplante  Musealgebäude  eine  solche  (Grösse  erhalten  solle,  dass  in  dHir- 
selben  auch  die  Sanmdnngen  des  Landesmuseums  für  immer  und  kostenlos  untergebracht  wrr- 
den  können.  Eine  Besprechung  von  Vertretern  l)eider  Museen  am  7.  Mai  d.  J.  ergab,  d^^m  Art 
(»edanke  nicht  nur  durchführbar  sei,  sondern  dass  es  aus  vielerlei  (rründen  im  einioentea  la- 
teresse  beider  Institutionen  gelegen  wäre,  wenn  derselbe  zur  Ausführung  gebracht  werden  kr»Batl 
und  es  wurde  nun  über  einstimmigen  Beschluss  dem  Bukowiner  Landtag  eine  Eingabe  mde^ 
breitet,  mit  der  Bitte,  die  Ausführung  des  Gebäudes  durch  Zuwendung  einer  Subvention  t« 
lO.OUO  zu  ermr>glichen.  Leider  konnte  der  Bitte  für  heuer  nicht  willfahrt  werden.  —  In  d^  aa 
H.  August  unter  Vorsitz  des  k.  k.  Liindespräsidenten  Freiherrn  von  Krauss  abgehaltenen  CV 
ratoriumssitzung  des  (ieweriiemuseums  brachte  der  Schriftführer  des  Landesmuseuma,  Profe«* 
('.  A.  \\  o  ni  st  o  rf  e  r,  die  Frage  der  Unterbringung  des  Landesmuseums  in  dem  zu  errichteaalM 
(iewerbemuseumsgebäude  zur  Sprache,  worauf  seitens  des  Vicepräsidenten  des  Gewerbemnseiuö»» 
Ilaudelskammerpräsidenten  F.  ('.  Langen  h  a  n  hervorgehoben  wurde,  dass  die  bereits  begonnenr 
gemeinschaftliche  Action  behufs  Ausführung  des  (iebäudes  im  nächsten  Jahre  auch  ii 
der  Folge  eine  gemeinschaftliche  sein  wird.  C.  A.  R 


Digitized  by 


Google 


;'    .'Y^  ^/;CVS^- 


A/^ 


.^ 


Rßr>/)EW.(ii^c-'^''^ 


JAHRBUCH 


des 


Bukowiaif  £i%idt@-Mii@tims 


Zweiter  Jahrgang,    ^^^y; 

1894.       !;■;'    : ;  ^.| 

(X-da.t  e  .A.-b'blld.-va.iigrea..)  %,^       •'   '^     *^ 

Redactions-Comit^ : 

E.  Maximowicz,   A.  Mikulicz,  Dr.  J.  ^olek, 

(Ouratoriuiiis-Mitglieder)  ' 

und 

C.  A.  Romstorfer, 


Czernowitz,  1894. 

C  o  n  c.  T  y  p  o-  u.  L  i  t  h  o  g  r.  den  E  r  z  I».  S  i  1  v.  M  o  r  a  r  i  n  -  A  n  d  r  i  e  w  i  c  z.  | 

Verlag  des  Bnkowiner  Landcs-Museums. 


Digitized  by 


Goo 


Digitized  by 


Google 


JAHRBUCH 


des 


Zweiter  Jahrgang. 

1894. 

Rodactioiis-Comite : 

E.  Maximowicz,   A.  Mikulicz,  Dr.  J.  Poiek 

(Curatoriums- Mitglieder) 
und 

C.  A.  Romstorfer 

(Schriftführer). 


Czernowitz  1894. 

Conc.  Typo-  u.  Litliogr.  des  Erzh.  Silv.  Mor  ariu- A  n  <l  r  i  p  tv  m'/. 


Verlag  des  Biikowiner  Landes-MuBeums. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Für  den  Inhalt  der  Artikel  sind  die    Verfasser  allein  verantwortlich. 


Digitized  by 


Google 


Die  ehemalige  russische  Münzstätte  In  Sadagdra. 

Vortrag,  gehalten  in  der  Hauptversammlung  der  Mitglieder  des  Bukowiner 
LandeS'Museums  am  6    Mai  1894,  von  Dr.  J,  POLEK. 

Die  Einmischung  dei'  Czarin  Katharina  II.  m  che  Ang(*legenheit(»n  Polens 
ftihrtc  im  Herbste  1768  zu  einem  Kriege  zwischen  der  Türkei    und  Russhmd.  *) 

Die  eigentHche  Action  begann  im  Frühjalu^e  1769.  Die  Russen  waren  vom 
Glück  begünstigt  Sie  besetzten  am  21.  September  die  Festung  Chotin,  naiimen 
fiinf  Tage  später  die  Hauptstadt  der  Moldau,  Jassy,  ein  und  bemächtigten  sich 
am  17.  November  desselben  Jahres  Bukarest's,  der  Hauptstadt  der  Walachei. 
Beide  Donaufüi-st^ntlmmer  huldigten  der  Czarin. 

Wemigleich  Katharina  II.  damals  luu'  scherzweise  d^m  Feldmarschall  Ru- 
manzow  sclmeb,  er  solle  ihr  doch,  imchdem  sich  schon  beide  Hospodaren  in 
Petersburg  befänden,  auch  den  Grossvezier  und,  wenn  mögUch.  selbst  den  Sultan 
als  Kriegsgefangenen  schicken,  so  war  sie  doch  im  Enist  entschlossen,  den  Krieg 
bis  zur  völligen  Niederwerfung  der  Türken  fortzusetzen.  *) 

Der  zweite  Feldzug  (1770)  war  ganz  darnach  angethan,  die  Czarin  in  ihren 
Hoffnungen  zu  bestärken.  Die  Russen  siegten  nämlich  zu  Wasser  und  zu  Lande 
und  nahmen  den  Tüi'ken  die  meisten  Festungen  diesseits  der  Donau  weg.  Aber 
jetzt  envachte  die  Eifersucht  der  Nachbarn,  besonders  Preussens,  Fi-ankreichs  und 
Oestenrichs.  Friedrich  der  Grosse  ennahnte  am  4.  Jänner  1771  die  Kai- 
serin Katharina,  allen  Absichten  auf  die  Krim  sowie  auf  die  Donaufürstenthümer 
zu  entsagen ;  dränge  man  die  Pforte  zu  sehr,  so  könne  es,  meinte  er,  leicht 
geschehen,  dass  diese  Macht  sich  dem  Wiener  Hofe  in  die  Anne  werfe.*)  Auch 
in  Russland  hielt  man  den  Bruch  mit  Gestenreich  für  nicht  imwahrscheiidich, 
Katharijm  IL  wusste  ihn  aber  diu-ch  die  Vereinbarung  in  Betreff  Polens  hint- 
unzuhalten. 

Die  erste  Theilung  Polens  ei'A^eckte  bei  der  Pforte  che  Besorgnis,  djiss  auch 
in  Betreff  ihrer  zwischen  den  Git)ssmächten  Vereinbanmgen  geü'offen  seien.  Sie 
war  daher  gerne  zu  Friedensunterhandlungen  geneigt.  Trotzdem  verhelfen  die 
riougresse  zu  Fokschan  (im  Juli  1772)  und  Bukarest  (im  Herbste  desselben  Jahres) 
nsultatlos.  Nach  neuen  Niederlagen  streckt*»n  die  Türken  endlich  doch  die  Waffen, 
und    Russland    begnügte    sich    im    Frieden    zu    K  utschuk- Kai  nard sehe 


*)  Üeber  diesen  Krieg  siehe  Hammer,  „Gesciüchte  des  Osmanischen  Reiches**.  IV.  Bd. 
2.  Ausg.  Pesth  1830,  S.  570  ff.,  Herr  mann,  „Geschichte  des  russischen  Staats".  V.  Bd. 
Hamburg  185a,  S.  607  ff.  and  Brückner,  „Katharina  die  Zweite«.  Berlin  1883,    S.  269   ff. 

*)  Brückner,  a.  a.  O.  8.  276. 

^)  Ebenda,  8.  291. 


Digitized  by 


Google 


4  POLEK : 

(21.  Juli  1774)   mit   den   Festungen    Kertsch   und  Jenikale,   mit  Kimbum   und 
Asow  samnit  Umgebung  und  mit  der  freien  Scliiffahrt  auf  dem  Schwarzen  Meere.  M 

Der  Entschluss,  die  Türkei  bis  aufs  Aeuserste  zu  bekämpfen,  legte  Katiia- 
rina  II.  den  Gedanken  nahe,  ihr  Heer  auf  dem  kürzesten  Wege  mit  dem  Solde, 
insbesondere  aber  mit  der  mangelnden  Seheidemünze  zu  versorgen.  Sie  ord- 
nete die  Errichtung  einer  Münzstätte  in  der  Moldau  an  und  betraute  mit  deren 
Ijeitung  den  Ostseeländer  Peter  Freiherrn  von  Gartenberg  (niss.  Sada^cSrskii- 

Gai-tenberg  fand  sich  im  Herl)ste  1770  in  der  Moldau  ein.  Seine  nächst«' 
Aufgabe  war,  sich  den  zur  Anlegung  der  Münzstätte  geeignetsten  Platz  auszu- 
suchen. Ohne  Zweifel  kam  es  dabei  ausser  dem  Holzreiclitlmm  ijislx*sondere  auf 
die  grösstmögliche  Sicherheit  vor  dem  Feinde  an.  Diesen  Bechngungen  entsjiracL 
am  besten  die  Czernowitz  gegenüber  Hegende,  damals  mit  undurclidringlicliem 
Ui-wnld  bedeckte  Pi*utheb(*ne  unweit  Kohozn«,  dessen  Besitzer  gegen  ein  ontspn*- 
chendes  Entgelt  in  die  Anlegung  der  Münzstätte  willigten.  *) 

Die  Ankönnnlinge  verbreiteten  bald  reges  Ix^hen  in  der  bisher  nur  von 
Wölfen  bewohnten  Gegend.  *Die  alten  Buchen  wimlen  gefällt,  das  Gestrüpp 
ausgehauen  uiul  der  Waldgnmd  urbar  gemacht«.  An  dem  Bache  Tarnawa  wunU- 
die  Münze  aufgebaut,  und  nahe  dal)ei  richt<'ten  die  Arbeiter  ihiv  Wohnun^ren 
her.  GartcMilKTg's  Ijeutseligkeit  sowie  die  gmvisse  Aussicht  auf  guttMi  Venlieml 
locküMi  alsbald  auch  HandwerkcT  und  tiewerbsleute  herbei,  die  sich  gleichfalk 
wo  es  ihnen  beliebte,  häuslich  niederliessen  und  sowohl  in  Sadagöra  —  di(^ni 
Namen  scheint  die  Colonie  von  alh^m  Anfang  an  gi^führt  zu  haben  —  als  anili 
in  der  Umg(»bung  lohnende  Arbeit  fanden.  '') 

Die  Münzstätte  war  ^kaiserliche;  ti*otzdem  hatte  Gartenberg  hinsichtlich 
der  Prägung  fast  völlig  freie  Hand.  Er  übernahm  vom  Staate  die  erbeuteten 
tüi*kischen  Kanonen  und  liefeiix3  von  den  daraus  g(»prägten  Münzen  eine  dem 
Preise  des  Mati?rials  entsprechende  Menge  an  die  Kriegscasse  ab.  Den  Ri*st  d«^- 
Münzen  komite  er  b(»hufs  Hereinbrigung  der  Prägungskosten  durcli  eigens  von 
ihm  im  Lande  ^aufgestellte  Ijeute«^  gegen  Gold  und  Silber  wechseln;  dcK'h  sollti' 
die  Gesannntsunnne  des  von  ihm  geprägten  (ileldes  den  Betrag  von  2  Millionen 
Rubel  nicht  übei^steigen.  *) 

Die  Sadagörer  Münzen  wurden  bald  zu  einer  drückenden  Last  für  die 
Bevölkennig  der  beiden  Donaufürstenthümer.  Abgesehen  davon,  diiss  sie  in  Bezug 
auf  die  Qualität  des  Materiah^s  und  des  Gewichtes  innner  schlechter  wurden, 
machte  die  in  Undauf  gelmichte  Sunnne  den  Betrag  von  3  Millionen  RuIk4  aus. 
Das  geschah,  ohne  dass  Feldmai'schall  Rumanzow,  von  dem  »alles«  abhieng. 
warnend  oder  sti-afend  eingriff.  Aber  auch  die  übrigen  Officiere  sahen  nicht  nach ; 


1)  Ebenda,  S.  305. 

')  In  der  Regietratur  der  k.  k.  Bukowiner  Landesregierung  beßndet  sich  die  Copie  einer 
aus  dem  Moldauischen  ins  Lateinische  übersetzten  Urkunde  (Copia  ex  idiomate  Moldavico  in 
Latinum  trauslata),  worin  die  AntheUsbesitzcr  von  Koho/.na :  Michahiki  Krakalie,  Gregorius  ßrinzan. 
(Jabriel  Kasaczeskul  und  Manoli  Potlog  aussagen,  dass  sie  Baron  Gartenberg  für  die  Benutzung 
ihrer  Erbgüter  schadlos  hielt  (dabat  ali(|uam  partem  ex  nostris  bonis  haereditariis). 

^)  Wi  c  k  e  n  h  au  ser,  die  deutschen  Siedolungen  in  der  Bukowina.  L  Bdch.  Czernowitz 
1885.  S.  53  ff. 

*)  Feldmarschallieutenant  Vincenz  Freiherr  v.  Barco  an  den  Hofkriegsrathsprasidentev 
Grafen  A.  v.  lladik,  Jassy,  12.  Jänner  1774  (bei  Werenka,  Bukowina's  Entstehen  und  Auf- 
blühen.  Wien  1892.  S.  69.) 


Digitized  by 


Google 


Die  EHBMALiaE  russische  .Münzstätte  in  Sadaoöea.  5 

war  ja  die  Sadagörer  Scheidemünze  nur  für  die  Mainischaft  bestimmt,  während 
sie  selbst  iliren  Gehalt  in  Gold  und  Silber  diiect  aus  Russland  bezogen.  Sie 
mochten  aber  auch  darum  geschwiegen  haben,  weil  sie  »directe  durch  die  dritte 
Hand«  an  dem  Münzgewinne  Antheil  nahmen.  So  half  sich  den»  die  Bevölke- 
rung, so  gut  sie  konnte.  »Von  der  Zeit,  wo  dieses  scidechte  Geld  mehr  kenntbar 
worden,  nahm  sie  es  nicht  mehr  zum  Xeiniwerte  an,  so  dass  zu  Anfang  des  Jahres 
1774  v.n  der  Münzstätte  7,  an  anderen  Oilen  6  fl.  Scheidemünze  für  den  Uu- 
caten  gegeben  wurden.  *) 

Der  schlechten  Sadagörer  Münze  ist  es  auch  zum  Theile  zuzuschreiben 
wenn  sich  die  Zuneigung,  deren  sich  die  Russen  zu  Anfang  des  Krieges  in  den 
Donaufurstenthümern  zu  erfreuen  hatten,  zuletzt  in  Abneigung  verwandelte ; 
mussten  doch  (he  Kaufleute  und  Bojaren  vom  Divan  zur  Umwechselung 
der  zur  Zeit  des  Ausmai*sches  der  Russen  in  der  russischen  Kriegscfisse  befind- 
lichen 800.000  fl.  Scheidemünze  dm'ch  Execution  gezwungen  werden.  *)  That- 
sächUch  gieng  danmls  der  letzte  Rest  an  Gold-  und  Silbennönzen  aus  dem 
Lfiwide,  und  es  trat  eine  solche  Geldnoth  ein,  dass  alle  Producte  wie  nie  zuvor 
im  Pn»ise  sank(»n.  ') 

Mit  der  Beendigung  des  Krieges  fiel  auch  die  Nothwendigkeit  des  Bestandes 
einer  russischen  Münzstätte  ausserhalb  der  Grenzen  Russlands  weg.  Die  Saxla- 
görer  Munzbeamten  fiengen  übrigens  schon  im  April  1774  ihre  Habseligkeiten  zu 
verkaufen  an.  Jedesfalls  war  das  Münzamt  zur  Zeit  des  Einmarsches  der  ösU^i- 
reichischen  Truppen  in  die  Moldau,  d.  i.  am  81.  August  1774,  schon  aufgelassen; 
denn  am  4.  Septem Ixn*  1774  bot  ein  gewisser  Doering,  so  zu  Satakura  (Sada- 
göra)  des  Baron  GartU^iberg  sein  ganzes  Werk  gefnbret,  ein  vernuigender  Mann<v,  *) 
dem  Fehhnarschallieutenant  Baron  B  a  r  c  o  eine  Quantität  von  5  bis  6000  Cent- 
neni  Kanonenmetalls  zum  Kaufe  an.  ^) 

Die  Sadagörer  Münzen  geben  von  der  jeweiligen  SU^llung  Russlands  zu 
den  Donaufurstenthümern  Zeugnis.  Im  Anfange  äussert  sich  darin  die  Freude 
des  Siegers  und  dessen  Entschluss,  diis  Erob;»rte  zu  behalten;  dann  aber  nehmen 
sie  immer  mehr  moldauisch- walachisches  Gepräge  an.  ^) 


>)  Ebenda. 

»)  Bar  CO  an  Hadik,  Jassy,  6.  December  1774.  (Ebenda,  S.  154.)  —  Vgl.  auch  Urica- 
riiil,  hrag.  von  Theodor  Codrescu,  T.  VI.  (Jassi  1875,,  8.  430  f. 

*)  Näheres  bei  V.  A.  Urechiä,  „Memoriü  asiipra  periodei  din  istoria  Rom&niloru  de  la 
1774__1786«  in  „Analele  acaderaiei  romane".  Seria  IL,  Tom.  XII.  Bucuresci  189J  p.  700  f. 

*)  Barco  an  den  cominandirenden  General  von  Galizien  FZM.  Freiherr  v.  Ellrichshausen , 
Jskssyy  6.  September  1774.  (Werenka,  a.  a.  O.  S.   124.) 

*)  Das  Schreiben  trägt  die  Aufschrift:  Proraemoria  an  Ihro  Excellence  den  Herrn  General- 
lieutenant v.  Barco  und  lautet: 

Bei  Euer  Excellenz  wird  hierdurch  angefraget,  ob  Sie  von  einer  Quantität  ciroa  5—0  m. 
(5  bis  6  Tansend)  Centner  Kanonennietalle  einen  Gebrauch  zu  machen  wissen.  Den  Wiener 
Centner  liefre  ich  bis  am  Dniester  für  10  :^  ^Ducaten);  im  zweiten  Fall  aber,  wenn  man  für 
dero  Hof  fertige  Kanonen  nach  vorgeschriebenem  Kaliber  inclusive  aller  Kosten  verfertigte, 
könnte  (ich)  solches  den  Centner  zu  fünf unddre issig  Ducaten  liefern. 

Ich  erwarte  über  beide  Fragen  von  Euer  Excollenz  auf  das  baldigste  Resolution.  Sada- 
gnra  den  4.  September  1774.  J.  A.  Döring.  (Siehe  Werenka,  a.  a.  O.  8.   122.) 

«)  Vgl.  die  Abbildungen  1  und  6. 


Digitized  by 


Google 


6 


Polek: 


Bis  jetzt  kennt  man  28  Typen  dieser  Münzen,  nämlich:  4  Medailleii, 
4  silberne  Prol)est(Mnpel  ans  den  .Jahren  1771,  1772  und  1778  und  15  verschie- 
dene Kupfennunzen  aus  den  Jahren  1771  bis  1774.  ^) 

Am  häufigsten  sind  die  Münzen  aus  dem  Jahre  1772  und  1778,  seltener 
kommen  die  aus  dem  Jahre  1774,  am  seltensten  die  aus  den  Jahren  1771  vor. 

Im  Jahre  1771 
wurden  Fönfko- 
peken-,  Dreiko- 
peken- und  Drei- 
dengi-  (oder  auch 
Pard-)Stucke,     in 

den  folgenden 

Jahren  nur  Zwei- 

para-  (Drei  ko|K?- 

ken-)  und  Para- 

Fig.  1.  (Dreidengi-) 

Stücke  geprägt.     —  Den  ältesten  Tj7)us  zeigt  die  Abbildung  1.  ^) 

Die  Mitti^  der  Haui)tseite  dieser  Münze  ninnnt  eine  Säule  ein,  an  dert*n 
oberen,  mit  dem  Herzogshute  gekninU'n  Ende  innerhalb  eines  ausgeschweiften 
Zierrahmens  ein  ovaler  Schild  mit  der  Namenschiffre  Katharina's  II.  (E  IL  iji 
einander  gestellt)  zu  sehen  ist.  Hinter  der  Säule  sind  Waffen  und  Fahnen,  an 
ihrem  unteren  Ende  (rechts)  eine  Trommel  und  <lie  Fasces  mit  dem  Beile,  (links) 
ein  Kanonein*ohr  und  Lanzen  gruppiert.  Das  Ganze  ruht  auf  einer  Doppelleist*' 
auf,  unter  der  die  Jahreszahl   1771  steht. 

Auf  der  Rückseite  erscheint  der  gekrönte  nissische  Doppeladler  mit  Scepter 
und  Schwell.  Unterhalb  der  Fänge  des  Adlers  nimmt  man  zwei  ovale  Schilde 
mit  d(»n  Wappen  der  Moldau  (()chs(?nkopf)  und  der  Walachei  (auf  einer  Zackon- 
ki-one  stehender  Adler  mit  dem  Kreuz  im  Schnabel  und  dem  Halbmond  zur  Recht^Mi) 
wahr.  Im  Abschnitt,  der  auch  hier  durch  eine  Doppelleiste  und  zwar  in  gleicher 
Höhe  wie  auf  der  Hauptseite  von  der  bildlichen  DarsteUung  getrennt  ist,  steht 
die  Wertzahl:  5  Kou'beK'k  (Kopeki)  und  unter  dieser  ein  S,  d.  i.  der  Anfangs- 
buchstabe des  Münzmeisters  (Sadagörski)  oder  des  Pi-ägeoites  (Sadiigöra).  *) 

Der  älteste»  Typus  der  kleineren  Scheidemünze,  des  Dmdengistückes 
(=  IVa  Kopi»keii  oder  =  1  türk.  Para),  dürfte  in  Figur  2  (bei  Chaudoir  Nr.  3), 
zu  erbHcken  sein. 


*)  S  t  u  r  d  z  a ,  Uebersichl  der  Münzen  und  Medaillen  des  Fiirstenthums  KiimKnien.  8ep. -Ab- 
druck aus  dem  IV.  Bande  der  „Numismatischen  Zeitschrift **.  Wien  1874,  S.  84. 

•)  Die  .\bbildungen  sind  bis  auf  Nr.  5  und  (5,  denen  Münzen  aus  der  Sammlung  des 
rumänischen  archäologischen  Vereins  (derzeit  im  Rukowiner  Landesmuseum)  zur  Vorlage  dienten« 
nach  Tafel  41  (Partie  11)  in  Chaudoir's  Aper<;u  sur  les  mounaies  russes  et  sur  les  roonnaies 
etrangeres  qui  ont  eu  cours  en  Russie  (St.  Petersbourg  lS3(i)  hergestellt. 

')  IrrthllmÜcli  liest  .los.  Neu  mann  in  seiner  „Beschreibung  der  bekanntesten  Kupfer- 
mfinxen**  (I.  Bd.  Prag  18.')S,  S.  102)  5  statt  S.  Hier  sei  noch  erwähnt,  dass  die  obbeschriehene 
Münze  auf  der  von  Cesarc  Bolliac  unter  dem  Titel  «Daco  Romane**  herausgegelienen  Tafel 
(Fig.  127)  ohne  Mi\nzzeichen  abgebildet  ist.  Ob  Iclztere  Darstellung  auf  einem  Versehen  lieruht« 
oder  ob  sie  einen  neuen  Typus  veranschaulichen  soll,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden,  da  mir 
bisher  weder  die  eine  noch  die  andere  Münze  zu  Gesichte  gekommen  ist. 


Digitized  by 


Google 


Die  ehbmaligb  russische  Münzstätte  in  Sadaoöra. 


Die  Hauptseite  dieser  Muiize  enthält  in  der  Mitte    die    gekrönte  Namens- 
chiflfre  Katharina'«  II  (E  II),  im  Abschnitte  die  Jahreszahl  1771.  Auf  derRück- 
Reite  ist  der  gekrönte  russische 
Doppeladler   mit  Sceptt^r    und 
Schwert     und     den     obbe- 
schriebenen  Wappenschilden, 
hier   jedoch    nicht    unter    den 
Fängen,  sondern  auf  der  Brust, 
dargestellt  Im  Abschnitte  steht 

als  Wertangabe    3    ;i,EHrM  Fig.  2. 

(Dengi). 

Aus  demselben  Jahre  stimmen  auch  die  von  den  fiüheren  sehr  stark  ab- 
weichenden Typen  8 — 5. 

Bei  Figur  3  (Chaudoir 
Nr.  2)  fällt  zunächst  die  Um- 
schrift auf,  die  uns  sowohl  auf 
der  Haui)t-  als  Rückseite  ent- 
gegentritt Die  der  Hauptseite 
laut*»t:  3  ;i,EHrM  1771,  die 
der  Rückseite:  UOÄJ[.  11  APA 
nOJlü  (Mold.  Para  Polo).  »)  *^'g  »• 

Aber  auch  noch  andere  Untei-scheidungsmerkniale  sind  vorhanden.  Abge- 
sehen davon,  diiss  der  Fui*stenhut  nicht  wie  \m  dem  ei"stcMi  Typus  dieser  Münze 
(Fig.  2)  auf  dem  E  aufruht,  sondern  darüber  schwebt  und  das  E  links,  rechts 
und  unterhalb  mit  je  einem  Punkt  versehen  ist,  hält  hier  der  Adler  nicht  Scepter 
und  Schwert,  sondeni  Scepter  und  Reichsapfel  in  den  Fängen.  Ileberdies 
findet  sich  unterhalb  des  Adlers  der  Münzbuchstabe  S. 

Noch  weiter  entfernt  sich 
die  hier  und  ebenso  bei  Chau- 
doir   mit    4.    bezeichnete 
Münze  von  dem  ersten  Typus 
des     Dreidengistückes.      Auf 

ihrer    Hauptseite    grupi)ieren     ^        ^  j^  \       wt^lp^ 

sich  4  doppelte  und  gekrönte       ^     <»       V^  X.^Ä«aiPms 

E,  gerade  und  verkehrt  hi 
einander  gestellt,  kreuzförmig 
um  die  Zahl  II.  Die  Rückseite  zeigt  den  fast  um  die  Hälfte  verkleinerten 
Adler  der  unmittelbar  vorher  beschriebenen  Münze  (Fig.  3).  Dieser  letzteren 
Münze  sind  auch  Weiiangabe  (IIA PA  —  3  ;i,EHrM)  und  Umschrift  (MOJW: 
1771  nOJIO:)  entnommen. 


Fig.  4. 


')  Ich  gebe  die  Umschrift  nach  Chaudoir's  Darstellung  wieder.  Ist  diese  Lesung  richtig, 
dann  muss  der  Prägojtempel  fehlerhaft  gewesen  sein;  denn  die  Umschrift  hat  nur  einen  Sinn, 
wenn  BOJIO  (Volo  =  Voloskia  oder  auch  Vo?oscyna)  statt  POJ[0  (Polo)  steht.  Nur  so  wird 
die  Para  als  eine  moldauisch-walachische  oder  der  Moldau  und  Walachei  angehörende  Münze 
bezeichnet  Oder  sollte  Chaudoir  falsch  gelesen  haben?  Das  werden  die  glücklichen  Besitzer 
dieser  Münze  entscheiden  können. 


Digitized  by 


Google 


8 


Polek: 


Ein  ganz  neues  Bild  bietet  der  vierte  Typus  des  Dreidengistuckes  aus  dem 
Jahre  1771,  wovon  die  Abbildung  5.  ein  Exemplar  gibt,  dar.  Von  der  Haupt- 
seite ist  die  NanienschiffiTe  der 
Czarin,  von  der  Rückseite  der 
nissische  Adler  ganz  ver- 
schwunden. Dafür  sind  auf 
ersterer  die  Wappen  schilde  der 
DonaufÜrstenthümer,  von  dem 
Fiirstenhut  bedeckt,  ferner  die 
Jahreszahl  und  die  Umschrift : 
MOH.    MOJi;ii.    H    BAJIAK 


Fig.  5. 


(Mon.  Mold.    i  Wahik.),    auf  letzterer,    der  Rückseite    nämlich,    innerhalb    eines 

Quadrates,  dessen  Enden  fast   bis    an    den  Münzrand  reichen,    die  Wertangabe: 

RAPA  3  ;tEHrH  zu  sehen. ') 

Mit  dem  letztbeschriebenen  Typus  hatte  das  Divideugistück    die    l)leil>ende 

Fonn  erlangt.     Nur  in  der  Umschrift  fand  noch  eine  Abänderung    statt,    indem 

im    Jahi-e    1772    an    die  St^^lle    von    BAJIAK.    die  Bezeichnung  BAJIOCK.    trat 

(Vgl.  Fig.  6.) 

Im    Jahiv    1772    taucht    als    grössere  Münzeinheit    dtus    Dreikopekenstück 

(Fig.  6)  auf.     Es  gleicht  hinsichtlich  des  Gepräges  ganz  dem   letzten  T>t)us  des 

Dreidengistuckes  und  ruft 
den  Gedanken  wach,  ob 
diese  Gattung  von  Sada- 
g6rer  Münzen  nicht  die 
gleiche  Wandlung  wie 
letzteres  dm'chziunachen 
hatte.  Wenigstens  leuch- 
tet nicht  ein,  dass  neben 
dem  total  veränderten,  fast 
ausschliesslich  raoldauisch- 
walachische  Symbole  zur 


Fig.  6. 


Schau  tragenden  Dreidengistucke  das  Fünfkopekenstück  von  durchaus  russischem 
Gepräge  in  Geltung  geblieben  sei.  Hofften  wir,  dfiss  ein  glücklicher  Fund  auch 
dieses  Räthsel  lösen  werde. 

Die  Sadagörer  Münzstätte  war  auch  für  den  Guss  von  Glocken  und  leichten 
Geschützen  eingerichtet. 

Sicher  ist,  dass  im  Jahre  1778  eine  20 '/^  Centner,  im  Jahre  1774  eine  18 
Centner  schwere  Glocke  für  die  Klosterkirche  in  Horecza  (bei  Czemowitz)  in 
Sadagöia  gegossen  wurde. 


')  Eine  solche  Münze  nnd  zwar  aus  dem  J.  1772  gibt  Brllckner  fa.  a.  O.)  S.  119  wieder, 
begeht  aber  dabei  den  Fehler,  dass  er  sie  als  „in  .Jassy  geschlagen"  bezeichnet. 

Die  irrige  Meinung,  dass  während  der  .Jahre  1771—1774  neben  der  russischen  Münz- 
stätte zu  Sadagt'ira  noch  eine  zweite  solche  Münzstätte,  und  zwar  zu  Jas.-^y,  bestanden  habe,  ist 
auch  in  Humänien  verbreitet.  (Siehe  Urechiä  a.  a  O.  p.  700.)  Sie  ist  vielleicht  dadurch  ent- 
standen, dass  Chaudoir  (a.  a.  O.  Partie  I.  p.  192j  Sadagora  eine  „kleine  Stadt  bei  Jassy*  (pe- 
tite  ville  pres  de  Jassi)  nennt. 


Digitized  by 


Google 


DiB   SHEMALIOE   BUSSISCHE   MÜNZSTÄTTE   IN   SaDAGÖRA.  9 

Die  grössere  Glocke  trug  »oben«  folgende  Inschrift:  »»Mich  hat  gemacht 
Johann  Chrisian  Valentin  von  Sadgöra  ini  J.  1773««  (lat);  »unterhalb  auf  der 
Bilder  Wandung«  war  zu  lesen:  >»Zu  Ehren  der  heiligsten  Dreifaltigkeit  und  zu 
Preis  der  liochgelobü^n  Jungfrau  Maria  in  der  Wohnstätt  ihrer  verehrten  Geburt, 
genannt  Horacza,  ist  diese  Glocke  gegossen  worden  in  Sadagöra  unter  General 
Peter  Pi*eihen'n  von  Gartenberg  auf  Kosten  des  geehrten  Iguniens  dieser  Be- 
hausung Artimons  Kiuizki  im  J.  1773«  <  (russ.).  Die  »oben  am  Haubenband« 
l)efindliche  Inschrift  der  kleineren  Glocke  lautete  folgendennassen:  »»Mich  hat 
gemacht  Meister  (Meistor)  Johann  Christian  Valentin  in  Sadagöra  im  J.  1774«« 
(russ.);  »unterlmlb«  stand:  »»Zur  Ehre  der  Geburt  der  reinsten  Jmigfrau  ist 
diese  Glocke  gemacht  durch  Vater  Ailimon  im  Kloster  Horacza,  Igumen  dieses 
Klosters,  unter  dem  Schutze  des  Herrn  Fieihenn  Gartenberg (FapTeMÖepKa)«  (russ.).  ^) 

Dass  in  Sadagöra  auch  der  Kanonenguss  betrieben  wm*de,  erhellt  aus  dem 
oben  (S.  5)  citierten  Briefe  Döring^s;  noch  deutlicher  spricht  hiefiur  ein  in 
dem  k.  und  k.  Kriegsarchive  aufbewahrtes,  weiter  imten  citieiles  hofkriegsrath- 
liches  Rescript  vom  15.  Mai  1776. 

Nach  der  Aufhebung  des  Munzamtes  drohte  der  jungen  Ansiedlung,  die 
unter  Gartenberg  selbst  die  Marktgerechtsame  besessen  hatte,  der  Untergang. 
Er  wurde  nur  dadurch  aufgehalten,  dass  General  Gabriel  Freiherr  von  Spleny, 
der  erste  Administrator  der  Bukowina,  die  zurückgebliebenen  Arbeiter,  so  gut 
er  konnte,  unterstützte.  *)  Spleny  empfahl  überdies  die  Ansiedlung  dem  Schutz 
und  Schirm  des  Hofkriegsrathes  und  der  Kaiserin.  »Unter  diesen  Dörfern«  (der 
Bukowina),  schreibt  er  im  Sommer  1775,  verdient  das  sogenaimte  Sadagura, 
diisH  von  selbem  eine  besondere  Erwähnung  gemacht  werde.  Es  ist  dies  der  Ort, 
allwo  während  letzten  Krieg  ein  sicherer  Baron  Gartenberg  die  Russische  Münze 
und  mit  dieser  eine  neue  Coloiüe  von  verschiedenen,  meist  protestantischen  Hand- 
werkeni  und  Handlangem  mid  zum  Theil  auch  von  Juden  angeleget  hat  Da- 
selbst sind  von  eben  diesem  Münzamt  einige  der  obspecificierten  Gattung  Leute 
zurückgeblieben,  welche  sich  mm  bei  mir  gemeldet  haben,  dass  sie  unter  ge- 
wissen Bedingnissen,  wonmter  jedoch  die  PVeiheit  der  protestantischen  B^ligion 
die  vornehmste  ist,  standhafte. Häuser  erbauen,  Fabriken  anlegen  und  so  succes- 
sive  eine  königliche  Frei-  und  Handelstadt  errichten  wollen.« 

»Weilen  nun  die  Lage  dieses  angetragenen  Städteis  in  Ansehung  des  an- 
zuhoffenden  Comercii  dergestalten  situieret  ist,  dass  die  aus  der  Moldau,  Walla- 
chei,  daim  aus  der  Brazlavischen  Woiwodschaft,  polnisch  Podolien  und  aus  dem 
Kiowisclien  Gouvernement,  nicht  minder  mit  der  Zeit  die  aus  Siebenbürgen  nach 
Galizien,  Polen  mid  auch  weiters  handeln  wollende  Negotianten  daselbst  als  in 
einem  Mittelpunkt,  theils  passieren  müssten,  theils  ohne  grosser  Detour  passieren 


*)  Wickenhaaser,  Horecza.  (Czernowitz  1880).  S.  14. 

•)  Nach  Wickenhauser,  „Deutsche  Siedelungen"  I,  S.  60,  gewährte  er  ihnen  am 
7.  Juli  1775  Gewerbefreiheit,  genehmigte  ihre  städtische  Verfassung  und  räumte  ihnen  „überdies 
6  Freijahre  von  allen  Lasten  und  alle  Vorrechte  gleich  den  Städten  Galiziens  und  Lodomeriens 
ein".  Dagegen  wird  in  der  schon  (S.  4)  erwähnten  Urkunde  von  den  Erbherren  (Heredes)  8ada- 
göra's  hervorgehoben,  dass  Spleny  den  Ansiedlern  die  Befreiung  von  den  gutsherrlichen  sowohl 
als  auch  den  landesft&rstlichen  Abgaben  auf  drei  Jahre  zugesichert  habe  (.  .  .  libere  habitent  ac 
ab  Omnibus  vectigalibus  sint  excepti  l.credura.  Simili  modo  ac  caesaria  vectigalia  per  spatium 
triam  annoram  illis  remittuntur.) 


Digitized  by 


Google 


10  Polek:   Dib  bhxmaliob  bussisohb  Münz3t1ttb  ik  Sadaoöba. 

hönnen»  so  scheint  mir,  dass  der  Antrag,  aus  benanntem  Sadagnra  eine  könig- 
liche Preistadt  zu  machen,  nicht  allerdings  zu  verwerfen  sei«.  ') 

Diesen  Antrag  lehnte  der  Hofkriegsrath  am  15.  Mai  1776  mit  dem  Be- 
merken ab,  »dass  Sadagura  wegen  seiner  nahen  Lage  an  denen  Grenzen  niemals 
für  eine  Handelstadt  ein  gelegener  mid  angemessener  Ort«  sein  werde,  umso- 
mehr  als  die  von  Baron  Gartenberg  dahin  gebrachten  Leute  nur  solche  Hand- 
werker seien,  die  er  »zur  Vermtinzung  der  durch  die  Russen 
eroberten  türkischen  Kanonen  und  Giessung  einiger  leich- 
ten Feldstücken  habe  gebrauchen  können,  mithin  auf  eine  Commercial- 
gemeinde  keine  Rucksicht  verdienen«.^) 

Trotzdem  wagte  es  General  Spleny  kurz  darauf  noch  einmal  zu  Gunsten 
der  jmigen  Colonie  ein  Wort  zu  sprechen.  Mit  Bezug  auf  obige  Entscheidung 
schreibt  er  nämlich  am  9.  Juni  1776: 

»Endlichen  solle  mich  in  Betreff  des  von  mir  zu  einer  Handelstadt  ange- 
tragenen Orts  Sadagura  in  Anterthänigkeit  üussern,  dass  sich  daselbst  einige 
Handwerker,  als:  Schmied,  Maurer,  Müllner,  Wagner,  Fleischer,  Backe,  Schuster 
und  Schneider  annebst  einer  Anzahl  Juden  allschon  niedergelassen  luid  einige 
gute,  der  Militärsbequaiiiening  angemessene  Häuser  bereits  erbauet  haben.  Gleich 
wie  sie  nun  von  mir  keine  positive  Verheissung  gehabt,  so  wird  es  von  aller- 
höchst^ai  Orten  abhängen,  selbes  als  eine  Stadt,  Marktflecken  oder  Dorf  zu  be- 
trachten. Wahrhaft  ist  es,  dass  uns  überhaupt  dieses  Örtel  zum  guten  Behuf 
dienet;  denn  ausser  obigen  Handwerksleuten  werden  wir  von  da  mit  gutem  Bier 
luid  gutem  Mehl  versehen,  anerwogen  nur  daselbst  eine  gute  Beutebnfthl  und 
ein  Bräuhaus  vorhanden,  welche  seit  der  Zeit  der  anwachsenden  Colonie  erbauet 
worden  sind< .  ') 

Aber  auch  diese  Fürsprache  war  von  keinem  Erfolg  begleitet,  und  so  blieb 
denn  Sadagdra  ein  Dorf,  bis  es  auf  Ansuchen  des  nachmaligen  Besitzers  Theodor 
von  Mustatza  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  7.  Dec^mber  1801  zu 
einem  Marktflecken  erhoben  wurde.  *)  Heute  zählt  dieser  Ort  circa  5000  Ein- 
wohner. 


>  ■    I? !■  S£®ji>    I    1»    ■< 


')  8  p  1  ^  n  y*B  Beschreibung  der  Bukowina,  hrsg.  v.  J.  Polek.  (Czernowitz  1893),  S.  28  f. 

«)  Ebenda,  8.  29.  Anmerk.  2. 

«)  K.  u.  k.  Kriegsarchiv,  Sect.  II.  1776— 53— Öl. 

*)  Wickenhause r,  deutsche  Siedelungen,  I.  127. 


Digitized  by 


Google 


Prähistorische  Recognoscierungstour  nach  der 
Bukowina  im  Jahre  1893. 

Von  Josef  Szombathy, 

k.  u.  k.  Cu8to8  am  Naturhistorischen  Hof-Museum  in  Wien. 

Je  weiter  die  prähistorische  Foi*8chuiig  in  den  am  Nordsaume  der  Kar- 
pathen  gelegenen  Ländern  unserer  Monarchie  und  in  Russland  fortschreitet,  desto 
deutlicher  sehen  wir,  dass  der  weite  NordosteJi  Europas  während  der  vorrömischen 
Culturperioden  eine  von  der  mitteleuropäischen  wesentlich  verschiedene  Entwicklung 
genonmien  hat.  Die  Unterscheidiuig  der  grossen  Perioden  der  Bronzezeit,  der 
Erston  Eisenzeit  (Hallstattperiode)  und  der  Zweiten  Eisenzeit  (Lat^ne-Periode) 
lji8st  sich  hier  nicht  mit  demselben  Rechte  oder  wenigstens  nicht  mit  derselben 
Schärfe  wie  im  Westen  durchführen.  Die  Cultur  ist  hier  viel  länger  als  in 
Mitteleuropa  auf  der  neolithischen  Stufe  stehen  geblieben,  hat  dann  eine  relativ 
kurze,  in  den  verschiedenen  Provinzen  verschiedentlich,  theils  von  der  nordischen 
oder  ungarischen  Bronzecultur,  theils  von  der  keltischen  (Lat^ne-)Cultur  des  Westens, 
theils  wieder  von  der  barl)ari8iei't  griechischen  Cultur  der  Pontusländer  beeinflusste 
Metallperiode  durchgemacht,  um  endlich  durch  die  Aufiiahme  der  von  dem  römi- 
schen Weltreiche  ausgesti'euten  Industrieproducte  eine  wenigstens  scheinbare  An- 
näherung an  die  westliche  Cultm'  zu  eireichen. 

Es  ist  eine  der  anziehendsten  Aufgaben  für  den  Prähistoriker  mit  Pickel 
und  Spaten  zu  untersuchen,  in  welcher  Art  und  in  welchem  Maasse  die  einzelnen 
Provinzen  an  dieser  Culturentwicklung  theil  genommen  haben.  Nebenher  haben  wir 
darauf  zu  achten,  ob  die  Ausgrabungen  nicht  vielleicht  doch  Spuren  für  einen  in 
sehr  frühen  Zeiten  nördhch  der  Karpathen  sich  hinziehenden  Strom  orientalischer 
Einflüsse  auf  die  nordische  Bronzecultiu-,  welchen  Worsaae  und  Sophus  Müller  sei- 
nerzeit in  den  Kreis  ihrer  Erwägungen  gezogen  hatten,  an  das  Tageslicht  bringen. 
Galizien  hat  zu  diesem  mosaikartig  sich  aufbauenden  Bilde  der  Vorzeit  bereits 
manchen  wertvollen  Sünn  beigetragen,  während  die  Bukowina  bisher  in  der 
Erforschung  ihrer  archäologischen  Denkmäler  einigermaassen  zurückgeblieben  ist. 
Es  entsprach  dem  Arbeitspläne  der  Wiener  Anthropologischen  Gessellschaft,  auch 
dieses  Land  unter  den  eben  skizzierten  Gesichtspunkten  in  den  Kieis  ihrer  prak- 
tischen Arbeiten  einzubeziehen  und  durch  einige  kleine  Untern ehnunigen  die 
Anregungen  zu  umfassenderen  systematischen  Grabungen  zu  geben.     Die    Unge- 


Digitized  by 


Cooglc 


12  Szombathy: 

wissbeit,  ob  ein  solcher  Versuch  in  dem  vom  Centrum  des  Reiches  weit  ent- 
fernten Ijande  nicht  etwa  auf  l>esondere  Schwierigkeiten  stossen  oder  gänzlich 
scheitern  werde,  hätte  die  Ausfiihning  unserer  Al)sichten  vielleicht  noch  lanp^ 
verzögert,  wenn  nicht  die  nach  so  vielen  Richtungen  Segen  verh(»is8ende  Grün- 
dung des  Bukowiner  Landes- Museums  gezeigt  hätte,  da^ss  der  Boden  des  Landen 
für  ein  solches  ITnteniehmen  vorbereitet  ist  Eine  an  das  Curatorium  des  Landes- 
Museums  gerichtete  Anfrage  der  Anthropologischen  Gesellschaft  fand  eine  s«» 
freundhche  Erwiderung,  dass  meine  Entsendung  zu  einer  Recognoscienings- 
toiu*  in  der  Ausschusssitzung  am  20.  Mai  1893  zum  Besclilusse  erhoben 
wurde. 

Zu  meiner  Vorbereitung  für  die  Reise  war  ich  so  glücklich,  ausser  dem 
grössten  Theile  der  nicht  sehr  umfangreichen  einschlägigen  Literatur,  über  welche 
Herr  Dr.  Polek  und  HeiT  Professor  Romstorfer^)  voitreff liehe  UebersichteD 
gegeben  haben,  auch  unpublicierte  Behelfe  benützen  zu  können.  Von  diesen  sei  in 
erster  Linie  eine  von  Hemi  Olinsky-Olineskul  mit  grossem  Fleisse  entworfeiw^ 
und  mit  Bemerkungen  versehene  Karte  der  prähistorischen  und  rimiischen  Fund- 
stellen der  Bukowina,  von  welcher  die  Anthro[)ologisclie  Gesellschaft  eine  Copie 
besitzt,  erwähnt.  Diese  in  den  westlichen,  gebirgigen  Theilen  des  Landes  fct 
jungfräuliclie  Karte  wies  mir  sofort  den  Weg  in  die  mit  Fundorten  reich  besäten 
breiteren  Flussthäler  und  das  Vorland  der  Kar|)athen.  Von  ebenso  grossem 
Nutzen  waren  mir  sodann  die  reichen  handschriftlichen  Notizen  des  Herrn 
k.  k.  Consei*vaü)rs  C  A.  Romstorfer  und  die  Samndungen  des  Landes- Museums, 
welche  mir  Herr  Romstorfer  während  der  ersten  Tage  meines  Aufenthaltes  in 
Czemowitz  für  das  Stucüum  zur  Verfügung  stellte.  Diese  Behelfe  gaben  mir 
weilvolle  Belehrungen.  Es  kaiui  jedocli  nicht  meine  Absicht  sein,  an  dieser 
Stelle,  an  welcher  es  sich  um  die  Aufsammlung  neuen  vaterländischen  Mate- 
riales  handelt,  über  jene  von  fremder  Hand  gesanunelten  Materialien  näher  zu 
l>erichten;  ich  werde  mich  hier  auf  die  kurze  Aufzählung  dessen,  was  ich  selbst  von 
den  vorchristlichen  Alteithümern  der  Bukowina  gesehen  habe  oder  an  dessen 
Aufsammlung  ich   theilzunehmen  Gelegenheit  hatte,  beschränken. 

Ich  traf  am  15.  August  in  Czemowitz  ein  und  wurde  durch  Hemi  Pn>- 
fessor  Romstorfer  sofort  in  medias  res  geführt.  Er  machte  mich  zunächst  mit  Herrn 
Landesausschuss- Beisitzer  Baron  Nikolaus  Mustatza,  dem  verständnisvollen 
und  eifrigen  Förderer  des  Landes- Museums,  bekaimt  und  theilte  sich  filrderhin 
mit  diesem  Herren  in  die  liebenswürdige  Aufgabe,  mir  meine  Wege  in  der  Bn- 
kowina  zu  ebnen.  Ich  werde  nicht  mnhin  können,  im  Laufe  des  Be- 
richtes auch  noch  anderer  zahlreicher  Unterstützungen,  welcher  ich  mich 
zu  erfreuen  hatte,  zu  gedenken.  Zu  ganz  spcciellem  Danke  verpflichtete  mich 
die  Bereitwilligkeit,  mit  welcher  der  Hen-  Landespräsident  Baron  Krauss 
die  Organe  der  k.  k.  Landesregierung  zur  Fördenuig  meiner  Studien  anzuweisen 
die  Gute  hatte. 


')  Dr.  Johann  Polek,  Repertorium  der  landeskundlichen  Literatur  der  Bukowina,  Cxer- 
nowitz  1892,  und  Carl  A.  RomBtorfer,  Aus  den  Mittheilungen  der  k.  k.  Central-CoinniissioiL 
dieses  Jahrbuch.  1893.  p.  45. 


Digitized  by 


Google 


PrÄHISTORISCHB  REOOaNOSCIBRUNGSTOUB  NACH  DER  BUKOWINA   I.  J.   1^93.       13 

An  dem  zwischen  dem  19.  August  und  dem  2.  September  gelegenen  Theile 
meiner  Excursion  nahm  auch  Herr  Dr.  R.  Kai n dl,  dermalen  Privatdocent  an 
der  Czernowitzer  Universität  welchen  ich  bereits  in  Wien  zur  Theilnahme  ein- 
geladen hatte,  regelmässig  theil.  Ich  will  schon  an  dieser  Stelle  mit  gebührender 
Anerkennung  erwähnen,  dass  er  durch  seine  Kenntnis  der  ruthenischen  Sprache 
meinen  Verkehr  mit  ruthenischen  Arbeitern,  besonders  bei  den  Grabungen  in 
Hlibok<a,  erleichterte.  ') 

Meine  Einführung  war  so  ra*sch  vollzogen,  dass  ich  bereits  am  17.  August 
in  Gesellschaft  der  Herren  Baron  Mustatza  und  IVofessor  Romstorfer  an  einer 
Aasgrabung  in  Schipenitz  theilnehmen  konnte.  Diese  Ix)calitat  erwies  sich  als 
l)e8onders  interessant.  Ich  habe  sie  spätiM'hin  noch  zweimal  und  zwar  am 
19.  AugiLst  luid  in  Gesellschaft  des  Hemi  Baron  Mustatza  am  6.  September 
inspiciert.  Bei  jeder  dieser  Gelegenheiten  wurde  ich  durch  die  Gastfreundschaft 
der  Frau  Baronin  Pulcherie  Wassilko,  des  Herrn  Baron  Mustatza  und 
des  Herrn  Basil  v.  Kostin  zu  herzlichem  Danke  verpflichtet 

Schipenitz  liegt  ca.  15  km  WNW.  von  Czernowitz  am  Rande  der  AUu- 
>'ionen  des  linken  Pnithufers.  Der  am  Westende  des  weitläufigen  Doj-fes  wohnende 
Unterlehrer  Basil  A  r  e  y  c  z  u  k  (richtiger  Arycz)  hatte,  geführt  durch  da«  Märchen 
von  einem  vergrabenen  Schatze,  in  seinem  offenen  Stalle  eine  Gmbe  gegraben  und 
war  dabei  auf  eine  alte  Culturschichte  mit  Thongefössresten  gekommen.  Eine 
Partie  dieser  Reste  nebst  dem  Bnichstücke  einer  Feuersteinsäge  gelangte  durch 
Herrn  Baron  Musbiza  nach  Czernowitz.  Drei  ganz  erhaltene  Gefösse  dieses 
Fundes,  welche  sich  dm'ch  feinen,  gelben,  ziemlich  gut  gebrannten  Thon  und 
eine  eigenthümliche,  von  einer  R(»ihe  polnischer  Fundstellen  bekannte  Bemalung 
mit  Spiraloid-Omamenten  auszeichnen, ')  konnte  ich  im  Landes- Museum,  die 
Reste  einer  grossen,  ähnlich  bemaltc^n  Unie  bei  Herrn  Baron  Mustatza  sehen. 
Das  letzterwähnte  Stück  habe  ich  seither  zusammensetzen  lassen.  Es  gedieh  zu 
einem  GU^fösse  von  64  cm  Höhe  und  67  cm  Durchmesser  und  zeichnet  sich  durch 
seine  seltsame  Form  mit  schmalem  Fuss,  breitem  Bauch  und  unverhältnismässig 
kleinem,  sich  Uiich  oben  verengendem  Halstheile  aus. 

Herr  Baron  Mustatza  hatte  dafür  Sorge  getragen,  dass  die  Fundstelle  nicht 
wieder  verschüttet  wurde  und  dass  wir  nicht  imr  an  ihr  selbst  die  Grabung  fort- 
setzen, sondern  auch  in  ihrer  Nachbarschaft  noch  eine  Anzahl  anderer  Versuchs- 
gräben eröffnen  konnten.  An  allen  diesen  Stellen  trafen  wir  unter  einer  Humus- 
decke von  20—50  c?w,  eine  circa  50  cm  miichtige  Culturschichte  mit  reich- 
liehen Aschen-  und  Holzkohlenresten  und  gebrannten  Wandl)ewurfstücken  von 
Hütten,  deren  Wände  aus  Reisig  geflochten  und  mit  Lehm  verkleidet  waren. 
Dies  laast  schliessen,  dtiss  hier  die  alte  Ansiedelung  durch  eine  Feuei^brunst 
zugnuide  gegangen  ist.     Ausserdem  führt  diese  Culturschichte  verschiedenartigen 


*j  Wie  ich  nach  der  Ablieferung  des  Berichtes  erfuhr,  hat  Uerr  Dr.  Kaindl  auch  in  ver- 
schiedenen Bukowiner  Zeitschriften  die  Resultate  meiner  Excursion  mitgetheilt.  Ich  bitte  den 
Leser,  dass  mich  entschuldige,  wenn  ich  ihm  nunmehr  bekannte  Thatsachen  wiederhole. 

«J  Romstorfer,  Gefasse  ans  Schipenitz.  Mittheil.  d.  k.  k.  Central-Coram.  Bd.  XIX. 
1893.  Notiz  Nr.  136,  p.  243  und  Fig.  29—31  p.  256. 


Digitized  by 


Google 


r 


14  SZOMBATHY : 

Wegwurf,  wie  zerschlagene  Knochen  von  Hausthieren,  besonders  vom  Rind,  Schaf 
und  Schwein,  Thongefösscherben  von  der  olK»n  beschriebenen  Art,  Messerspähne, 
Schaber  und  sägeähnliche  Bruchstücke  aus  grauem  Feuerstein,  Bruchstücke  von 
thönemen  Webstuhlgewichten  u.  a.  m.  Unter  den  Thongefassresten  erscheinen 
auch  jene  seltsamen  Zwillingsgebilde  aus  zwei  offenen,  an  l>eiden  Enden  sieh 
erweiternden  Cylindern,  die  durch  zwei  oder  drei  Querstege  mit  einander  ver- 
bunden sind.  Die  Bestimmung  dieser  auch  in  CJalizien  wiederholt  gefiind(*nen 
Doppclgeiksse  ist  heute  noch  nicht  erkaiu^t  Die  spät<»ren  von  Herrn  Baron  Mu- 
statza  geleiteten  Niicbgrabungen  lieferten  auch  noch  zwei  kleine,  leider  keinerlei 
typologische  Anhaltspunkte  gewährende  Bronzerestchen,  u.  zw.  das  Randfrap- 
mentchen  einer  Schale  und  ein  geschmolzenes  Kltimpchen. 

Das  Gesammtbild,  welches  aus  diesen  Funden  reconstiuieil  werden  kann. 
ist  also  das  einer  —  wie  bereits  gesagt  —  durch  Feuer  vernichteten  Ansie<k*- 
lung  von  dem  überreif- neolitischen  Chai'akter  der  analogen  galizischen  Funde. 
Welcher  engeren  Stufe  der  mitteleuro})äischen  Metallperioden  diese  ihrer  Cultur 
nach  der  jüngeren  Steinzeit  angehörende  Fundstätte»  zeitlich  gleichzustellen  ist 
kann  nach  den  mir  bisher  lu^kannt  gewonlenen  Funden  nicht  bestimmt  g(*sagt  werden. 

Die  von  Hemi  Areyczuk  zuei-st  aufgegrabene  Stelle  hat  noch  einen  beson- 
deren Fund  ergeben.  Hier  folgte  unter  der  dem  Niveau  der  alten  Ansiedelung 
entsprechenden  Culturschichte,  und  von  ihr  durch  ein  ciiva  80  cm  mäclitiges 
Band  von  taubem,  aber  doch  gemischtem  Lehm  getrennt,  eine  zweite  Schichte 
von  dicht  gehäuftem,  rotli  gebraiuitem  Wandbewurf  und  unter  ihr  eine  bis  jcii 
einer  Tiefe  von  2  m  reichende  und  auf  einer  dünnen  Aschen-  und  Kohlensclüchte 
aufhihende  Ablagerung  von  massenhaften  Thongefössresten.  Diese  Anhäufinig 
schien  eine  Langenausdehnung  von  etwas  über  2  ?w,  eine  Breite  von  1  m  und 
eine  Höhe  von  50  cm  zu  haben  und  ganz  in  roth gebranntem  Ijehni  einge- 
schlossen zu  sein.  Die  Stelle  lässt  sich  nur  als  Ueberrest  eines  alten,  unter  der 
Erde  angelegt  gewesenen  Töpfen)fens  auffassen,  und  wir  können  sagen,  das 
Finderglück  hat  uns  direct  an  die  Stelle  der  localen  Erzeugung  der  merkwürdig 
ornamentierten  ThongeßLsse,  durch  welche  die  Culturstufe  von  Schipenitz  sich  aus- 
zeichnet, geflihrt 

Einige  kleinere  Funde  aus  der  Gegend  von  K  o  t  z  m  a  n  erwarb  ich  für  das 
Landes-Museum  von  Herrn  Lehrer  Prokopowicz,  welcher  sie  mir  am  1 9.  August 
zur  Ansicht  überbrachte.  Es  befinden  sich  danmter  2  kleinei*e  Meissel,  2  Schaber 
mit  zugearbeiteten  Enden,  1  zugearbeitc^te  Spitze  und  8  Spähne  aus  Feuerstein, 
welche  durch  den  Sowitzabach  von  der  Anhöhe  Slata  gora  bei  Kotznmn  herah- 
geschwemmt  wurden;  dann  1  kleiner,  flacher  Feuei-steinmeisel,  welcher  l)ei  Du- 
boutz  vom  Pruth  ausgeschwenunt  wiu'de,  ferner  1  bmnzener  Hohlkelt  mit  Oehr 
und  2  keltische  und  8  römische  Münzen  von  der  vMohyla«  SO.  von  Kotznian 
mld  endlich  aus  einem  Garten  von  Chliwestie  1  kleines  gi-aues  Töpfchen  von 
neolithischem  Charakter  mit  zwei  vertical  durchstochenen  Ansätzen,  1  schwarzer, 
runder  Schlagstein,  die  Hälfte  eines  dicken,  weissen  Feuersteinbeiles  und  eine  sill>enie 
Hadriansmünze,  welche  (nicht  ganz  zuverlässig)  in  dem  piimitiven  Töpfchen  ge- 
funden worden  sein  soll.  Auf  der  mit  dem  Namen  Mohyla  bezeichneten  Hügel- 
kuppe   bei    Kotzman   steht   nach    Herrn    Prokopowicz'    Mittheilung    ein    gro^isa' 


Digitized  by 


Google 


P&ÄHI8T0B18GHB  ReOOÖNOSCIBBUNGSTOUB  NACH  DEE  BüKOWINA  I.   J.  1893.      15 

ninder  Tumulus  (Mohyla),  welcher  auf  drei  Seiten  von  einem  hohen  Erdwalle 
umgeben  ist,  in  welchem  ein  Stein  mit  Inschrift  zu  sehen  sein  soll.  Auch  ein 
Brouzekessel  soll  da  gefunden  worden  sein.  Es  verdient  angemerkt  zu  werden, 
dasj^  die  Steinbeile  in  Kotzman  Pliszkamen  =  Keilsteine  heissen,  und  nach  der 
Meinung  der  Ijcute  bei  Gewittern  vom  Himmel  fallen;  wir  haben  also  auch  hier 
die  so  weit  verbreitete  Deutung  als  Donnerkeile. 

Am  23.  August  konnte  ich  die  Ausgrabmigen  in  der  Gegend  von  Hli- 
b  o  k  a  beginnen.  Die  Tumuli  dieser  Gegend  wurden  von  mehreren  Localforschem 
einer  sehr  späten  Zeit  des  Mittelalters  zugeschrieben  und  man  vennuthete  in 
ihnen  Massengi*aber  der  im  Jahre  1497  in  dieser  Gegend  gefallenen  Polen,  deren 
Heer  hier  von  den  Moldauern  überfallen  und  vernichtet  wurde.  Der  eifrige  Local- 
forseher  Heir  Professor  W.  S  c  h  m  i  d  t  in  Suczawa  hat  auch  einen  dieser  Tu- 
muli (meiner  Meinung  nach  ganz  unvollständig)  untersucht  und  dabei  wirklich 
die  Ueberzeugung  von  der  Richtigkeit  jener  Meinung  gewomien.  Mir  ist  nicht 
bekannt,  welche  thatsächlichen  Beobachtungen  ihn  dabei  geleitet  haben.  Meine 
Funde  sprechen  für  ein  viel  höheres  Alter. 

Die  Tumuli  liegen  im  Osten  von  Hliboka  in  mehreren  Gruppen  auf  den 
in  noixl-südlicher  Richtung  von  Mihuczeny  und  Dymka  gegen  das  Sereththal  bis 
zu  dem  Oeitchen  Slobodzia  herabziehenden  Hügelrucken.  HeiT  Julius  Urycki, 
Mechaniker  mul  Gutsbesitzer  in  Dymka,  welcher  diese  Grabhügel  vortrefflich 
kennt,  war  so  freundlich,  mir  die  einzelnen  Gruppen  zu  zeigen.  Ich  habe  hier 
im  Ganzen  86  Tumuli  gezählt.  Zwei  derselben,  welche  zwei  verschiedenen,  ca. 
2  km  S.  von  D}inka  auf  dem  Hen*schaftvSgebiet(^  des  Herrn  BronisJ'aw  Ritter 
von  Skibniewski  gelegenen  Gru[)pen  angehören,  konnte  ich  ausgraben.  Der 
erste  gehört  einer  auf  der  Höhe  des  Hügelröckens,  Yg  km  N.  von  der  Cote  395 
der  Specialkjirte  (1 :  75.000)  gelegenen  Gnippe  von  4  Grabhügeln,  deren  einer 
von  Prof.  Schmidt  ausgegraben  vviurde,  zu.  Er  hatte  eine  Höhe  von  1-8  m  und 
einen  Durchmesser  von  14  w.  Der  zweite  Tumulus  gehört  der  auf  dem  West- 
abhauge  desselben  Rückens,  ca.  7^  km,  W.  von  der  Cote  395  gelegenen  Gruppe 
von  21  Grabhügeln  an,  hatte  beiläufig  dieselbe  Höhe  wie  der  vorige  und  einen 
Diux»hmesser  von  12  w.  Beide  enthielten  Brandgräber. 

Man  konnte  an  einer  die  Basis  des  Tumulus  im  Niveau  des  gewachsenen 
Bodens  bedeckenden  dünnen  Brandschichte  von  2  bis  6  m  Durchmesser  erkennen, 
dass  die  Verbrennung  der  Leiche  an  Ort  und  Stelle  stattgefunden  hat.  Die  cal- 
cinierten  Knochen^  sind  in  einer  im  Centrum  des  Tumidus  angelegten  kleinen 
Grube  gesammelt,  wo  sie  im  ersten  Tumulus  direct  in  die  Erde,  im  zweiten  in 
einen  als  Ossuarium  dienenden  bauchigen  Topf  hinterlegt  wurden.  An  Beigaben 
fanden  sich  im  ersten  Grabe  9  ThongefUsse,  von  welchen  8  töpfchen-  oder 
schusselformige  Geßsse  in  einem  Halbkreise  um  die  Brandgrube  herumgestellt, 
das  9.,  eine  kleine,  spitze,  rothgebrannte  Amphora,  in  die  Grube  hineingestellt 
war.  Im  zweiten  Grabe  fand  sich  ausser  einer  kleineren  Zahl  leider  gänzlich 
zerdrückter  Thongefasse  ein  kleines,  gerades  Eisenmesserchen.  Die  Thongefösse 
sind  sämmtlich  auf  der  Drehscheibe  erzeugt.  Diese  Fundumstände  machen  es 
höchst  wahrscheinlich,  dass  die  Tumuli  bei  Hliboka  der  Zeit  des  römischen 
Kaiserreiches,  also  den  ersten  Jahrhunderten  unserer  Zeitrechnung  angehören. 


Digitized  by 


Google 


16  Szombathy: 

Auf  dem  mit  dem  Flurnamen  Putryna  belegten  Ostabhange  desgleichen 
Htigelrttekens  verräth  sieh  eine  alte  Ansiedelung  durch  einzelne  Thonge&ssreste 
und  zahlreiche  geschlagene  Feuersteinobjecte,  von  welch  letzteren  Herr  Julius 
Urycki  einige  aufgesammelt  hatte.  Da  auf  den  betreffenden  Feldern  die  Feld- 
frucht ziu*  Zeit  meiner  Anwesenheit  noch  nicht  geerntet  war,  koinite  ich  keine 
Nachgrabung  vornehmen. 

Ein  weiteres  Object  meiner  Untersuchung  war  die  circa  1  km  nördlich  von 
Hliboka  im  herrschaftlichen  Walde  gelegene  Wallanlage  Zamczyste,  welche 
mir  Herr  k.  k.  Postmeister  Johann  UrAcki  zeigte.  Es  ist  eine  dreieckige,  in 
Gestalt  eines  kleinen  Plateaus  gegen  OSO.  vorspringende  Bergzunge  des  vom 
Plaiul  Paltin  herabziehenden  bewaldeten  Rückens  Pat^iczynsUie.  Sie  ist  gegen 
WNW.,  wo  ihr  Tcirain  ohne  natürlichen  Absatz  an  den  sanft  ansteigenden  Berg- 
rucken anschliesst,  durch  3  concentrische  Wälle  abgeschlossen,  während  sie  gegen 
S.  und  NO.  von  steilen  AblUllen  begrenzt  mid  längs  des  nordöstlichen  Randes 
noch  ausserdem  mit  einem  ganz  niederen  Walle  eingesäumt  ist  Der  dreieckige 
Imienraum  ist  30  m  lang  und  35  m  breit  und  liegt  circa  2  m  tiefer  als  der 
übrige  Raum.  Dann  folgt  gegen  den  inneren  Wall  hin  eine  10  m  brtnt(\  erhöhte 
Terrasse.  Die  Wälle  sind  durch  je  einen  Aussengraben  vei*sturkt.  Der  innere 
W^all  ist  sehr  steil  und  von  der  Sohle  des  Grabens  an  g(»rechnet  5  m  hoch. 
Der  mittlere  Wall  hat  eine  durchschnittliche  Höhe  von  3*/^  m,  der  äussere  eine 
solche  von  2^/^  w.  Der  ebene  Raum  zwischen  je  zwei  Wällen  ist  20  m  breit  Es 
ist  wahrscheinlich,  dass  die  Wälle  nach  rückwärts  anschliessende  Flanken  hatten ; 
Theile  davon  sind  an  den  Nordenden  erhalten,  der  grösste  Theil  derselben  scheint 
durch  die  an  den  Plateaumndern  unentwegt  vor  sich  gehende  Abnitschung  des 
Erdreiches  zei-stört  worden  zu  sein. 

Das  Resultit  zahlreicher  Grabungsvei-suche  ist  folgend(»s:  Am  Zamczyste 
findet  sich  keine  ausgesprochene,  auf  (»ine  länger  andauernde,  intensive  Besiede- 
lung  deutende  Cidturschichte.  Vor  dem  äusseren,  sowie  zwischen  dem  äusseren 
und  dem  zweiten  Walle  wurde  nichts  gefunden.  Im  Innenraume  sowie  zwischen 
dem  zweiten  und  dem  Innen  walle  wurden  in  der  15 — 25  cm  mächtigen  ober- 
flächlichen Erdschichte  vereinzelte  ThongefHsscherben  gefunden,  deren  einige  hart 
grau  gebrannt  waren  und  von  wahrscheinlich  mitü^lalterlichen  Drehscheil>en- 
geffissen  herrührten,  während  andere  schlechter  gebrannte  nicht  genügend  gut 
erhalten  waren,  urti  beurtheilt  werden  zu  können.  Im  Innenraume  wurden  in 
einer  an  Scherben  etwas  reicheren  Schichte  an  einer  Stelle  noch  drei  kleine 
Feuersteinwerkzeuge,  nämlich  ein  Schaber,  das  Bnichstück  eines  Messerchens 
und  ein  dreieckiges  Werkzeug,  gefunden.  Ein  Ausschnitt  aus  dem  Innenwalle 
zeigte  auch  in  dem  lehmigen,  gelben  Anschnttungsmateriale  einige  Scherben. 
Ebenso  wiu'den  in  dem  grauen  liehni  des  2*4  m  unter  der  Krone  des  Walles 
anstehenden  m^prünglichen  Bodens  verschiedene  Scherben  und  nel>en  diesen  ein 
Spinnwirtel  aus  schwarzem  Thon  gt^funden. 

Diese  Fimde  hissen  sich  am  besten  durch  die  Annahme  erklären,  dass  ain 
Zamczyste  einst  eine  wenig  ben fitzte  neolithische  Cultus-  oder  Ansiedelungsstätte 
existiite,  auf  welcher  in  einer  späteren  Periode,  vielleicht  zu  Vertheidigungs- 
z\vecken,  die  Wallanlage  errichtet  wurde.  Nur  durch  diese  Aimahme  ist  das  Vor- 


Digitized  by 


Google 


Pbahistobische  Recognoscierüngstodb  nach  dee  Bukowina  i.  J.  1893.    17 

kommen  der  alten  Scherben  an  der  Basis  imd  im  aufgeschütteten  Erdmateriale 
des  ersten  Walles  zu  erklnren.  Welcher  Zeit  die  ^A'nlle  ihre  eudgiltigo  Ausge- 
staltung zu  verdanken  haben,  ist  nach  meinen  Funden  nicht  zu  bestimmen. 

Bezüglich  zwei  weiterer  Localitäten  möchte  ich  ein  ganz  negatives  Eesultat 
anmerken.  Die  eine  derselben  ist  der  zwischen  Hliboka  und  Zamczyste  gelegene 
Waldrand,  an  welchem  sich  unregelmnssig  verlaufende  grosse  Erdwälle  und  Kuppen 
hinzielten.  Diese  wurden  mehrfach  ah  alte  Erdwerke  angesprochen.  Nach  einge- 
hender Besichtigung  glaube  ich  aber  sagen  zu  köinien,  dass  sie  keinen  Anspnich 
Hilf  diese  Bezeichnung  erlieben.  Sie  sind  die  Producte  von  kleineren  und  grösseren 
Bergabnitschungen.  Die  zweite  Stelle  ist  die  mit  dem  vielverspreclienden  Namen 
Stary  sad  bezeichnete»,  jetzt  in  der  Umwandlung  zu  einem  Felde  begriffene 
Waldparzelle  der  Hen'schaft,  zwischen  Hliboka  und  den  von  mir  untersuchüMi 
Tiimulusgruppen.  Hier  sollen  vor  Kurzem  zwei  tordierte  Goldringe  von  etwa  8  cm 
Durchmesser  gefimden  worden  sein.  Herr  Postmeister  Urycki  hat  diese  Kinge 
gesehen,  jedoch  der  jetzige  Besitzer  derselben  wai*  nicht  dazu  zu  bewegen,  sie 
uns  zu  zeigen.  Man  vermuthete  auf  dem  Süiry  sjul  prähistorische  Gräber,  aber 
meine  Versuche,  bei  welchen  ich  in  dieser  einen  Parzelle  81  kleinere  Gruben  aus- 
heben Hess,  brachten  gar  nichts,  als  an  einer  Stelle  einige  nichts  sagende  jüngere 
Thonscherben  zutage. 

Diese  Arbeiten  waren  trotz  der  Ungunst  des  Wetters  bis  29.  August  so 
weit  beendet,  dass  ich  nur  eine  (am  5.  September  vorgenommene)  Nachmessmig 
ftir  die  Planskizze  der  Tumuli  nothwendig  hatte.  Diese  rasche  Erledigung  wäre 
nicht  möglich  gewesen,  wenn  mir  nicht  von  den  verschiedenste]!  Seiten  die 
fix?iin<llichste  Unteretützung  zutheil  geworden  wäre.  So  wie  ich  Heirn  Ritter  von 
Skibniewski  für  die  Erlaubnis  zu  den  Grabungen  auf  seinem  hen-schaftlichen 
Gnnule  zu  bestem  Danke  veri)flichtet  bin,  so  schulde  ich  ihm,  wie  auch  den 
Herren  Gutsverwalter  Karl  Ludwig,  Postmeister  Johann  Urycki  imd  Guts- 
l)esitzer  tTuHus  Urycki  für  ihre  Gfustfreundschaft  und  ihre  kraftige  Förderung 
meiner  Arbeiten,  sowie  der  Frau  Postexpeditorin  Olga  G  r  i  g  o  r  o  w  i  c  z  und  den 
Herrn  Bahnbeamten  der  Station  Hliboka  für  manche  specielle  Untei-stutzung 
meinen  verbindlichsten  Dank.  Herr  Professor  Romstorfer  war  so  freundlich,  mit 
nach  Hliboka  zu  kommen  und  seine  Ortskeimtnis  so  wie  sein  Ansehen  als 
k.  k.  Conservator  fiir  mich  geltend  zu  machen.  Nachdem  meine  Arbeiten  in 
Gang  waren,  reiste  er  nach  Radautz  und  Suczawa,  wo  er  Vorbereitungen  für 
meinen  nachfolgenden  Besuch  traf  und  kam  daini  am  26.  August  wieder  nach 
Hliboka  zurück,  um  an  der  erst*Mi  Begehung  des  Zamc?yste  und  dem  Absei ilussc 
der  Tiimulus-Ausgrabung  theil  zu  nehmen. 

Die  Zeit  zwischen  dem  80.  August  und  dem  2.  September  widmete  ich 
der  Recognosciennig  der  Gegend  von  Radautz.  Hier  erwarteten  mich  sozu- 
sagen bereits  die  Unterstützungen,  deren  ich  geni  mit  herzlichem  Danke  gedenke, 
von  allen  Seiten.  Von  der  k.  k.  Bezirkshauptmannschaft  erhielt  ich  durch  den 
in  Abwesenheit  des  Herrn  Bezirkshauptmannes  amtierenden  Herrn  Bezirks-Com- 
niLssar  v.  Mikuli  ehie  besondere  Kmpfehlung  für  die  geplante  Ausgiabung  in 
Unter- HoHKlnik,  Herr  Conservator,  Schulrath  Director  H.  Klauser  erbot  sich, 
mich  trotz  lU'berliäufung  mit  Amtsgeschätlen  auf  meiner  ei-sten  Recognoscicrungs- 


Digitized  by 


Google 


18  SZOMBATHY : 

fahrt  zu  begleiten  und  Herr  Dr.  M.  Kipper,  welcher  genaue  Daten  über  die 
Verbreitung  der  Tuniuli  in  der  ganzen  Nachbarschaft  gesammelt  hattt\  stellte  mir 
diese  ziu-  Verfügung  und  pn)tegierte  mich  bei  der  k.  und  k.  GestüLsdirection,  wo 
speciell  Herr  Wirtsclmftsinspector  Schmetterlein  die  zuvorkommendsU»  Un- 
terstützung meiner  Arbeiten,  soweit  sie  sich  auf  die  ihm  unterstehenden  Gut^- 
gebiete  erstivcken  würden,  auf  sich  nahm. 

Das  wichtigste  Untei-suchungsobject  waren  die  Tumuli  von  Unter- H<>- 
rodnik,  \V.  von  Radautz.  Auch  hier  begegnete  ich  der  festgewurzelten  An- 
nahme, d«ss  es  sich  um  Massenbegräbnisse  aus  der  Polenzeit  handle.  Die  Tu- 
muli sind  in  kleinen  (Tnqipen  oder  tnnzeln  st^»hend  über  einen  mehr  als  10  Jbw 
langen,  nördlich  um  das  (lebiet  von  Unter-Horodnik  sich  h(»rumziehenden  Streifen 
ausgestivut.  Die  ei'sten  bildiMi  eine  (Gruppe  von  vier  sehr  abgeflachti?n  Hügeln 
und  liegen  in  den  Feldern  nördlich  an  der  von  Rjidautz  htTausfülirenden  Bi^zirics- 
strasse,  beiläufig  1  km  OSO.  von  dem  Brücklein  über  den  Posen-Bach.  Eine 
zweite  Grupp(»  hegt  '/^  km  NW.  von  diesem  Brücklein,  ebenfalls  an  der  Nonl- 
seite  der  Bezirksstrasse.  Sie  besteht  uns  5  sehr  ansehnlichen  Grabhügeln.  Den 
grössU'n  von  diesen  hat  HeiT  ConservjJtor  Klauser  untersucht,  indem  er  von 
seinem  Gipfel  aus  einen  5  m  tiefen  Schacht  abUnifen  Hess;  was  wohl  —  nelien- 
bei  bemerkt  —  nicht  lege  ai*tis  ist.  Man  fand  in  der  Tiefe  eine  Schichte  mit 
»Spuren  von  gebranntem  Kalk,  Knöchelchen  und  einem  Topfscherben ^ .  In  der 
Folge  haben  die  Bauern  die  anderen  vier  Tunndi  nach  ihrer  Art  aufgegraben 
und  von  dem  Inhalte*  einen  Schädel  und  ein  topfförmiges  Thongefass  unzertrüm- 
mert  zutage  gebracht.  Diese  Funde  wurden  zwar  abgeliefert,  schienen  aln^r  nicht 
der  Aufbewahnmg  würdig.  Vorher  hatte  auch  HeiT  OI)ei>}t  Dokunal  einen 
der  Hügel  bis  zu  eiiuT  Tiefe  von  Vj^  Klaftern  ausgegraben,  ohne  Funde  gewahr 
zu  werden.  Diese  Tumuli  sind  also  gründlich  zei*stört,  ohne  in  ihrer  Eigenschaft 
als  wichtige  und  anziehende  Documente  aus  weit  entlegener  Vorzeit  auch  wirklich 
gelesen  worden  zu  sein. 

,  Von  dieser  (liruppe  aus  geht  der  mit  jdten  Gral)hügeln  besetzte  Streifen 
über  den  N.  von  Unter-Horodnik  bis  gegen  Voitinell  hinziehenden,  als  Hutweide 
dienenden  Höhenrücken  Verfii  Colnicu.  Ich  habe  hier  in  5  Gruppen  33  Tumuli. 
welche  zum  Theil  bereits  ausgegraben  sind,  gezählt  Ferner  sind  längs  der  vom 
Gestütshofe  Neu-Prädit  nach  Alt-Prädit  führenden  Strasse  12  Tumuli  zu  sehen, 
von  welchen  5  vereinzelt  stehen,  während  7  bei  Cote  478,  N.  von  Mittel-Prädit 
zu  einer  Gruppe  vei-sanunelt  sind.  Endlich  li(^gen  im  W.  von  Horodnik,  an  der 
von  Radiiutz  nach  Wikow  führenden  Reichsstrasse  und  zwar  400  Schritte  SO. 
von  dem  Jägerhause  Kalogorica  (C^ote  495  der  Specialkaiie)  3  Tumuli.  Iiu 
Ganzen  kennen  wir  hier  also  jetzt  57  Tumuli. 

Für  eiiu^n  Grabungsversuch  wählt<*  ich  eine  Gnippe  auf  der  Hutweide  von 
Unter-Hon>dnik.  Ich  öffn(»te  hier,  auf  das  In^stc*  von  dem  Herrn  Oi-ts vorstände 
Onofrei  Teleaga  unterstützt  drei  Tunmli.  Der  erste  derselben  mit  12  w  Durch- 
messiT  und  1*7  m  Höhe  enthielt  zwei  wohl  untei-scheidban*  Gräber.  Das  alten* 
von  ihnen  war  ein  im  (Vntruin  des  Tumulus  in  (*ine  60  cm  breite  und  20  cm 
tief  in  den  gewachsenen  Boden  eingesenkt*»  Grube  hinterlegtes  Brandgrab,  welches 
nebst    (»iner    massigen    Menge    von    Holzkohlen resten  und    einigen    calcinierten 


Digitized  by 


Google 


Prähistobisohb  Rbcognosciebungstoüe  nach  der  Bukowina  i.  J.  1898.    19 

Knochenft^gmenten  einen  schönen  Steinhammer,  eine  kleine,  reclitc*ekige,  an  den 
\ier  Ecken  mit  Löchern  versehene,  zngeschlifFene  Stcinphitte  und  zwei  Brucii- 
stöcke  von  Feuerstein  laraeilen  enthielt  Das  jüngere  von  ihnen  lag  in  einer  ca. 
50  cni  über  dera  gewachsenen  Boden  hinziehenden  hituniinösen  Schichte,  eben- 
falls gams  nahe  am  Centrum  des  Tumulus.  Es  war  ein  Skeletgrab,  in  dem  das 
Skelet  in  zusammengeknickter  Lage  (»liegender  Hocker«)  sich  befand.  Die 
Knochen  konnten  nicht  conservieil  werden;  ans  der  ansehnlichen  Stitrke  der 
Röhrenknochen  und  der  Länge  eines  Oberschenkels  (54*5  cm)  kann  jedoch  auf 
eine  grosse  und  stai'ke  Pei^son  geschlossen  werden.  Ausser  einigen  in  der  bitu- 
minösen Schichte  zerstreuten,  schlecht  erhaltenen  Thonscherben  wurde  bei  die+^em 
Gnil>e  nichts  gefunden.  Der  zweite  Tumulus  mit  14  w  Durchmesser  und  l*.S  m 
Höhe  enthielt  in  seinem  Centnun  im  Niveau  des  urspiiinglichen  Bodens  ein 
nicht  conservierbares  Skelet  in  geknickter  Lage,  sonst  al)er  keinerlei  wichtigertMi 
Fund.  Auch  in  ihm  zeigt  sich  unter  dem  Skelet  eine  kohlenhältige,  90  cm  unter 
das  Bodenniveau  hinabgehende  Mulde,  in  der  jcnloch  keine  Funde  anzutreffen  . 
waren.  Im  8.  Tumulus  (mit  einem  Durchmesser  von  7  m  luid  einer  Höhe  von  60  cm) 
Hess  sich  etwa>i  unter  dem  Niveau  eine  Art  Cultui'schichte  erkennen,  sonst  aber  nichts. 

Dieses  Fundergebnis  mit  dem  neolithiscben  Brandgi-abe  und  den  offenbar 
als  Nachbestattung  m  die  TumuU  geratlienen  charakteristischen  Skeletgräbern, 
deren  Alter  noch  nicht  zu  bestimmen  ist,  reicht  nicht  zur  vollständigen  Orientie- 
rung hin.  Der  Ungunst  des  Wetters  wegen  schloss  ich  am  L  September  die 
Grabung  ab;  ich  hoffe  aber,  diese  Untei-suchung  heuer  fortvsetzen  zu  können. 
Vorläufig  müssen  wir  uns  mit  der  Kenntnis  begnügen,  dass  in  den  Cirabhügeln 
von  Unter- Horodnik  Gräber  einer  Stufe  der  jüngeren  Steinzeit  und  andere  nach 
ihnen  hinterlegte  Gräber,  welche  aber  nach  der  Skeletlage  auch  als  von'ömisch 
anzunehmen  sind,  vorkommen. 

Um  ein  Stückchen  von  dem  fruchtbaren  Südosttheile  der  Bukowina  kennen 
zu  lernen,  wendete  ich  mich  von  Radautz  nach  Suczawa  und  kehrte  von  da 
längs  der  Grenze  Rumäniens  über  Sereth  nach  Czeniowitz  zm-Uck. 

In  Suczawa  veqjfiichteten  mich  Herr  Professor  M  a  r  i  a  n,  welcher  mir 
nebst  den  bedeutenden  historischen  Sehenswürdigkeiten  Suczawa's  auch  die  prä- 
historischen Stätten  zeigte  und  Herr  R.  v.  P  r  u  n  k  u  1 ,  welcher  freundhch  hieran 
theilnahm,  zu  bestem  Danke.  Auf  der  (he  Stadt  von  der  Nordwestseite  her  be- 
herrschenden und  das  Suczawathal  weithin  überblickenden  Anhöhe  Zamka,  auf 
welcher  eine  alte,  mit  Erdwällen  nach  dem  Systeme  V  a  u  b  a  n  s  angeblich  von 
S  o  b  i  e  s  k  i  befestigte  Kirchenanlage  nothdürftig  erhalten  ist,  sind  keinc^rlei  Spiu*en 
prähistorischer  Besiedelung  zu  erkennen.  Auch  die  den  Nordrand  des  Plateaus 
einsäumenden  Wälle  scheinen  jüngeren  Datums  zu  sein.  Im  SO.  der  Stiidt  hegen 
auf  einem  l  km  NNO.  von  der  Kuppe  »Movile«  entfernten  Rücken  (nicht  wie 
der  Name  errathen  üesse,  auf  dieser  selbst)  drei  grössere,  durch  di(*  früher  hier 
l>etriebene  Feldwirtschaft  abgeflachte  Tumuli. 

In  dem  zvidschen  dem  Suczawa- Flusse  und  dem  Seivth  liegenden  Hügel- 
lande sind  prähistorische  Fundstellen  nicht  selten.  In  der  NW.  von  Suczawa 
hegenden  Gemeinde  H  a  t  n  a  sah  ich  auf  der  an  der  Hauptstrasse  gelegenen 
und  unmittelbar  an  die  Gemeijide  Merecei  angrenzenden  Hutweide  3  Tunmli. 


Digitized  by 


Google 


20  Szombathy: 

4  grosse,  tumulusälmlicho  Hügel  stehen  am  Fusse  der  Anhöhe  Odaia,  welche 
Hatna  an  der  Ostseite  übeirn^j^t  In  Danila,  von  wo  Goldfnnde,  u.  zw.  Ann- 
spiralen und  Ohrringe  bericliü»t  werden,  sollen  auch  noch  4  uneröifnete  Tumuli 
stehen. 

In  Calinesti  Coparencu  wurde  unmitt^^lbar  hinter  dem  Sciilosse  des 
Herrn  Gustav  Marin  bei  der  Abgrabung  des  sanft  ansteigenden  Termins  ein 
Umengräberfeld  angotrotfen.  Ausser  den  keramischen  Beigaben  gab  es  hier  keine 
auffallenden  Funde,  und  von  diesen  konnte  nicht  mehr,  als  seinerzeit  in  die 
Hand  des  Herrn  Hauptmann  Gutter  gelangte,  gerettet  werden.  Herr  Marin 
selbst,  welcher  sich  für  die  Funde  persönlich  sein'  interessiei-t,  koimte  von  spä- 
teren Abgrabungen,  bei  welchen  noch  mehrere  Gräber  gefunden  wunh^n,  niu* 
eine  einfache  ti)i)ft()nnige  l^rne  retten.  Icli  habe  dem  Gutsherrt»n  von  Cahnesti 
die  fivundlichste  Aufnahme  und  Fühnnig  zu  danken.  Er  zeigte  mir  auch  auf 
der  Anhöhe  Cote  o.'JO  der  Specialkarte,  O.  vom  Schlosse,  drei  alte,  nicht  un- 
mittelbar mit  einand(»r  zusannnenhängende  Wälle,  von  welchen  zwei  quer  ölier 
den  Nordabhang  der  Kupjie  laufen,  Wtährend  der  dritte  westlich  von  ihnen  und 
senkrecht  zu  ihnT  Richtung  liegt.  Es  ist  nicht  unwalirscheinlich,  dass  bei  Cali- 
nesti noch  mancher  interessante  prähistorische  Fund  gemaclit  werden  wird. 

Bei  dem  NO.  von  Berkouc  an  der  Strasse  gelegenen  Wirtshause  stehen 
4  Tunmli  im  freien  Felde,  zum  Theile  durch  einen  Feldweg  luul  durch  den 
Pflug  deformiert.  Die  von  8  e  r  e  t  h  nach  Hadikfalva  fahrende  Strasse  pas- 
siert SW.  von  den)  Maierliofe  Odaya  3  Tumuli.  Weiter  N.  von  dieser  Stelle, 
bei  der  Cote  418  der  Sp.  K.  stehen  2  Tumuli  und  auf  einem  dersell)en  eine 
Bildsäule.  Der  gegen  S.  zu  weiter  entfernte  Gii)fel  Jankula  scheuit  auch  einen 
grossen  Tumulus  zu  tragen.  Noch  weiter  südlich,  auf  dem  Dealul  Jancului  l)ei 
Granicestie  wurden  bekanntlich  im  Jahre  1872  zwei  Stein kistengraber  mit 
Skeleten  und  neolithischen   Beigaben  aufgedeckt  ') 

In  Sereth  selbst  ist  die  Beiirsche  Ziegelei  als  ergiebige  Fundstelle  be- 
kainit.  ')  Ich  besuchte  dieselbe  unter  der  freundlichen  Fühnmg  des  Herrn  Beill, 
konnti»  aber  —  wenn  hier  überhaupt  vonnals  mehrere  Fundschichten  zu  unter- 
scheidt»n  waren  —  nur  mehr  ansehnliche  Reste  der  römischen  Culturscliichte, 
die  mächtige  Brandspuren  zeigt,  und  der  noch  immer  zahlreiche  ordinäre  Thon- 
gefässi*este  entnommen  werden  können,  auffinden. 

Den  Abschluss  meiner  Toureji  bildete»  eine  Excursion,  welche  ich  am 
7.  Sei)t(»mber  in  Gesellschaft  von  Herrn  und  Frau  Professor  Romstorfer 
nach  lllinitza  machte,  um  der  interessanten,  grossailigen  Wallanlage  daselbst 
einen  Besuch  abzustatten.  Herr  Ritt^T  von  Flondor,  auf  dessen  B(*sitz  der 
ßurgwall  li<*gt,  lieh  uns  in  der  zuvorkommendsten  Weise  seine  Unterstützung. 
Die  dennalen  mit  Wald  bedeckte  Bergimse,  welche  dif^  Wälle  trägt^  heisst  Zamka 
und  richtet  sich,  von  einigen  Vorbergen  gedeckt,  nach  N.,  dem  Tl  ale  des  Pruth 
zu.  Vorne  hinaus  ist  eine  beiläuüg  100  m  breite  und  60  m  lange  Fläche  durch 


«)  Gutter,  Miuheil.  d.  k.  k.  Central-Comm,  Bd.  VI.,  IHftO,  Notiz  45,  p.  I.XXXV;  sani 
zweiten  Male  mit  unwesentlichen  Abweichungen  publiciert  in  denselben  Mittheil.  Bd.  VH,  1881. 
Notiz  49,  p.   I.XXX. 

*}  Siehe  besonders:  C.  A.  Romstorfer,  Serelh  als  Fundort  archäologischer  (iegeustande; 
>ütth.  d.  k.  k.  Central-Comm.  B.  XVII.,  p.  80. 


Digitized  by 


Google 


PhähistobischeRecognosciehüngstoüb  nach  der  Bukowina  i.  J.  1893.    21 

einen  annähernd  halbkreisftJnnigen  Wall  umgrenzt  An  sie  schliesst  sich,  dem 
allmälig  aufsteigenden  Rucken  folgend,  eine  beiläufig  ebenso  breite  und  ca.  30  m 
lange,  rechteckige,  von  einem  stärkeren  Walle  umgebene  Fläche  und  an  diese 
weiterhin  eine  etwa  120  m  lauge,  in  der  Breite  bis  zu  30  m  abnehmende,  eben- 
falk  von  allen  vier  Siiten  mit  Wällen  umgebene  Fläche  au.  Dort,  wo  diese 
uniwalltc^n  Flächen  an  einander  grenzen,  laufen  die  Wälle  in  absichtlicher  Unter- 
onlnuug  des  jeweils  tiefer  gelegenen  Walles  als  Doppelwall  neben  einander. 
Hinter  der  dritten,  langgesti'eckten  Fh'lche  folgt  nach  einem  Tnten^alle  von  8  m 
ein  quer  über  den  Rücken  ziehender,  gewissermassen  die  letzte  Umvvallungslinie 
verdoppehider,  mit  seinem  Vorgraben  nach  aufwärts  (S.)  gerichteter  Wall,  nach 
weiteren  50  m  ein  zweiter,  hoher,  und  nach  weiteren  nahezu  50  m  ein  dritter, 
doppelter  Wall.  Das  ist  also  eine  recht  wohl  zur  Veilheidigung  taugliche  An- 
lage mit  fünf  grösseren  Abtheilungen.  Der  Besucher  findet  in  den  Wällen  und 
zwischen  denselben  zahlreiche  offene  Ausgrabungsstellen,  und  kann  da  im  Vorbei- 
gehen einigen  Einblick  in  verschiedene  Brandstellen  mit  grossen  Mengen  ver- 
kohlten Getreides  und  in  Cultui*schichten  anderer  Art  gewinnen.  Zur  genauen 
Beurtbeilung  der  ganzen  Anlage  werden  aber  noch  weitere  Grabmigen,  welchen 
Hen*  Professor  R(mistorfer  sich  zu  widmen  gedenkt,  nöthig  sein. 

Mit  diesem  kurzen  Fachberichte  ist  all  das,  was  die  Reise  durch  die  Bu- 
kowina mir  bot,  noch  lange  nicht  erschöpft.  Es  treten  dem  Wanderer  ja  aller- 
orten uaturhistorisch  sowie  kunst-  und  culturgesclüchtlich  interessante  Einzeln- 
heiten in  solcher  Fülle  entgegen,  dass  man  sich  den  mannigfaltigen  Anregungen 
nicht  verschliessen  kann ;  aber  ich  widerstehe  der  Versuchung,  über  meinen 
Rahmen  hinaus  zu  treten,  denn  das  durch  das  ganze  Land  vertheilte  ausgezeich- 
net« Studiemnaterial  hat  das  volle  Reclit  darauf,  nur  von  Fachminneni,  deren 
Kraft«  ja  dem  Landes-Museums- Vereine  in  so  beneidenswerthem  Masse  zu  Ge- 
bote stehen,  bearbeitet  zu  werden. 

Ich  kann  diese  Reiseskizze  nicht  schliessen,  ohne  den  Behörden  und  den 
zaidmchen  Privat[)ersonen,  deren  freundliche  Unterstützung  mir  zutheil  wurde, 
ganz  besondei-s  aber  Herrn  k.  k.  Conservator,  Pmfessor  C.  A.  Roujstoi-fer,  noch- 
mals meinen  herzlichsten  Dank  auszudrucken. 


'^•-H-®4+- 


Digitized  by 


Google 


Der  rumänische  archäologische  Verein 

Von  Dr.  Raimund   Friedrich   Kaindl. 

Im  ersten  Bande  unseres  Jahrbuches  hat  Prof.  Romstorf  er  über  die 
Beziehimgen  der  k.  k.  Central- Commission  zur  Bukowina  gehandelt,  und  der 
Schreiber  dieser  Zeilen  berichtete  über  djis  Verhältnis  der  Wiener  Anthro- 
pologischen Gesellschaft  zur  Bukowina,  über  das  ehemalige  Landes- Museum,  den 
Serether  Museum- Verein  und  da.s  Münzen-  und  AntiqiutÄtencabinet  an  der  l^ii- 
versität  Czeniowiti^. ')  Es  erübrigt  nun  noch  einiges  über  den  rumänischen  arcliäo- 
logischen  Verein  in  Czeniowitz  mitzutheilen.  ^) 

Dieser  Verein  wurde  vom  Herrn  Finanzconcipisten  Dionys  O.  Olinescu 
im  Jahre  1886  begründet.  Sein  Zweck  war  >das  Interesse  der  Rumänen  für  die 
Erhaltung  ihrer  nationalen,  kirchlichen  und  weltlichen  Antiquitäten  wach  zu 
erhalten;  zur  Verbreitung  der  archäologischen  Kenntnisse  nach  Möglichkeit  bei- 
zutragen; auf  dem  Boden  der  Bukowina  oder  auch  anderwärts  gefundene  Anti- 
quitäten zu  sammeln,  zu  beschreiben  und  zu  consenieren ;  für  die  Erhaltung  der 
historischen  Bauten,  Monumente  und  Ruinen  einzustehen,  endlich  archäologische 
Untersuchungen  anzustellen.  ^ 

Den  Gmndst^K'k  der  Sammlungen  des  Vereines  bildete  eine  bedeutende 
CoUection  von  Antiiiuitilten,  welche  die  Gemahlin  des  am  8.  Mai  1886  verstor- 
benen OonseiTatoi-s  J.  von  Gntter  Heirn  Olines.cu  übermittelte.")  Durch 
diese  reiche  Spende  sah  sich  der  Verein  instand  gesetzt,  seine  Sammlung  schon 
auf  der  im  Herbst  1886,  also  noch  im  Gründungsjahre,  stattfindenden  Landes- 
ausstellung zu  exi)onieren.  Der  Verein  wiu'de  für  dieselbe  mit  einer  silbernen 
Verdienstmedaille  bedacht  und  seine  Bemühungen  fanden  in  mehreren  Blattern 
lobende  Anerkennung. 

Seither  hatte  sich  die  Sanunlung  durch  zahlreiche  Geschenke  vermehrt 
Die  meisten  dei-selben  spendete   der  Schriftsetz(T   der    erzbischöflichen  Druckerei 


^)  Bei  dieser  Gelegenheit  mag  eine  berichtigende  Bemerkung  über  den  in  diesem  Berichte 
8.  76  mitgetheilten  Stand  der  Sammlungen  des  Cabinetes  vom  1.  April  1893  erlaubt  sein.  Statt 
3721  eingestellter  Münzen  etc.  soll  es  heissen  3781,  und  statt  21  Wertnoten  sind  25  anzusetzen. 
Die  Zahl  der  am  7.  April  an  das  Landes-Museura  abgetretenen  Alterthumer  belief  sich  auf  75 
Nummern  in  04  Stucken,  also  um  3  Nummern  und  3  Stücke  mehr  als  airi  1.  April.  Man  vergl. 
auch  den  Rectoratsbericht  in  der  „Czern.  Zeitung". 

•)  Für  die  folgenden  Mittheilungen  sind  zu  vergl.  der  Bericht  des  Vereinasecrctärs  C. 
Morariu  in  der  Rom.  Revue  VI  (1890)  S  362  ff;,  ferner  die  Vereinsnachrichten  in  der  ,Ga- 
xeta  Bucovinei"   1891  Nr.  64  und   1892  Nr.  3. 

')  Daher  finden  sich  in  der  Sammlung  des  Vereines  einzelne  Gegenstände,  die  nach  Be- 
richten Gutters  bereits  in  den  Mittheilungen  der  Central-Commission  beschrieben  und  abge- 
bildet sind,  so  z.  B.  die  ThonHgur  aus  Sereth  (Mitth.  X.  Notiz  135)  u.  A. 


Digitized  by 


Google 


Dbb  buhänisghb  abghJLologisohb  Vbrbin  in  beb  Bukowina.  23 

in  Czemowitz,  Herr  D.  Bucevschi;  ferner  die  Herreu:  V.  Morariu,  Z.  Vo- 
ronea,  Pfarrer  Sbiera,  V.  Vasiloschi,  D.  Nosievici,  Onufreiu  Miro- 
novici,  F.  A.  Wickenhauser,  E.  Ciuntuleac,  E.  Cozub,  M.  Dra- 
cinschi  u.  A.  Am  Anfang  des  Jahres  1892  besass  der  Verein  folgende 
Objecte.  ^) 

I.  4  Urkunden,  darunter  eine   vom  Woewoden  Constantin  Michael  Ra- 

covi^  ddto.    14.  Mai  1756,  imd  die  anderen  vom  Woewoden  Gregor 

loan  ddto.  14.  Juni  1763. 

n.  1    armenisches   Evangelienbuch   mit    9   Bildern   und    1   rumänisches 
Psalterbuch;     beide    Manuscripte    angeblich   aus  dem  XVII.  Jahr- 
himdert 
in.  12  Copien  von  Grabschriften. 

IV.  9  Stück  verschiedenartiger  Werkzeuge  (Messer,  Beile,  Hämmer  etc.) 
und  2  Lehmgötzen  aus  der  Steinzeit. 
V.  43  prähistorische  Thon gegenstände. 

VI.  1  Nähzeug,  bestehend  aus  Pischknochen,  Thierhönieni,  Vogelschna- 

bebi  u.  s.  w. 
Vn.  3  fossile  Gegenstände. 
Vrn.  1  silberner  Ring. 
IX.  39  paläontologische  Gegenstände. 
X.  16  Gegenj-tände  aus    der   Bronzezeit    (Ketten,    Lanzen-    und    Pfeil- 
spitzen, Binge  u.  s.  w.) 
XI.  1  Aschenunie,  2  Ziegeln,  ferner  6  silbenie,  1  messingene,  1  kupferne 
Münzen;     sämmtliclie  Gegenstände  aus  der   Römerzeit   und    in   der 
Bukowina  gefunden. 
XII.  101  Objecte    aus    der  Eisenzeit,    daiiinter    alte  Schlösser    angeblich 
aus  dem  X. — XII.  Jahrb.,  Pfeilspitzen,  Säbel,  Lanzen,  Binichstücke 
von    Panzerhemden,     Signalraischen,    Messer,    Gabehi,   Pferdezaum- 
gebisse,  Sporen  u.  s.  w. 
Xm.  1  silberner  Ring. 
XIV.  1  kupferner  Schlüssel. 

XV.  1  versteinerte  hölzerne  Börste  angeblich  aus  der  Mongolenzeit. 
XVI.  1  Reliquienbnistkreuz. 

XVn.  15    Gegenstände    aus    neuerer^Zeit,    nämlich  1  Säbel,    Pfeilspitzen 
Bogen,  Gewelirschäfte,  Kugeln,  Pistolen,  Messer,  Gabeln  u.  s.  w. 
XVin.  2  silbenie  und  2  kupferne  Gegenstände  (Si)oren  und  Siegelstempel). 
XIX.  12  kupfenie  und  8  silbenie  nunänische  Münzen,  danniter  die  älteste 
aus  der  Zeit  des  Woewoden  Peter  Muschat  (1375 — 1391)  sein  soll. 
XX.  18  silbenie  und  29  kupferne  polnische  Münzen. 
XXI.  21  deutsche  Münzen. 
XXn.  69  österreichische  Münzen. 

*)  Das  Verzeichnis  der  Gegenstände  ist  nach  den  in  der  Anmerkung  3  citierten  Berichten 
wiedergegeben.  Die  Bestimmung  einzelner  derselben  dürfte  wobl  zweifelliaft  sein. 


Digitized  by 


Google 


24       Kaindl:  Deb  rumänische  abchäologisghe  Verbin  in  dbr  Bukowina. 

XXni.  15  türkische  Münzen. 
XXIV.  9  russische  Münzen. 

XXV.  1  griechische,  1  spanische,  1  italienische  und  1  schwedische  Münze. 
XXVI.  5  Münzen  unbekannten  Ursprungs. 
XXVII.  10  Medaillen. 
XXVIII.  10  iStück  Papiergeld. 

Um  diese  reichhaltige  Sammlung  jedermann  zug«anglich  zu  machen,  bt^schloss 
der  Verein,  dieselbe  zur  Aufstellung  in  den  Räumen  unseres  Landes-Museuni« 
zu  überlassen.  Die  Uebergabe  erfolgte  noch  vor  der  am  14.  Mai  1893  efolgteii 
Eröffimng  des  Museums. 


^^--*-^i'®-h"*-^ 


Digitized  by 


Google 


Eine  moldauische  Sturmfahne  drei- 
hundertjähriger Vergangenheit. 

Von  Prof.  -K^UJa..  ScOaLraid-t. 

Mit  gei'echtfertigter  Pietät  sieht  nicht  nur  der  V^olksstamniesgenosse,  sondern 
wohl  jeder  menschlich  und  ehrenhaft  fühlende  Mann  auf  ein  aus  längst  ver- 
klungenen  Zeiten  stammendes  militärisches,  ohne  allen  Zweifel  hochgelialtenes 
Palladium  hin,  welches  ganze  Ströme  Blutes  um  sich  herum  in  den  Sand  rinnen 
sah,  bevor  es  den  kraftlos  gewordenen  Händen  des  letzten,  todesmuthigen  Trä- 
gers und  Beschützers  entsank  und  in  den  schwererkämpften  Besitz  des  triumphi- 
i-endeii  Siegers  gelangt  sein  mochte. 

Selbst  das  treue  Bild  einer  solchen,  gewiss  seltenen  und  keineswegs  aller 
Welt  leicht  zugänglichen,  heiligen  Relicpiie  muss  rührend,  mahnend  und  wohl 
auch  begeisternd  wirken. 

Es  bildet  daher  nicht  nm*  in  instructiver,  der  sonst  weitschweifenden  Phan- 
Uisie  die  richtigen  Schranken  ziehender,  sondern  auch  in  manch  anderer,  nicht 
zu  untei"sch ätzender  Beziehung  viel,  ja  sehr  viel  der  Charakterbildung  zugute 
kommenden  Elementes,  wemi  heutzutage  das  allgemeine  Streben  productiver 
Geister  dahin  geht,  den  jeweiligen  Kindern  ihrer  tiefen  und  mühseligen  Studien, 
sobald  sie  dieselben  der  Welt  zeigen,  in  das  Wickelband  auch  Illustrationen  mit- 
zugeben, geeignet,  den  I^eser  in  jene  Sphären  zu  versetzen,  in  welchen  der  un- 
emitidete  Forscher  und  Verfasser  bis  zum  Fertigwerden  seiner  Schöpfung  sich 
bewegte. 

Dieser  lobens-  und  anerkennungswürdigen  Gepflogenheit  tiiig  auch  Ale- 
xander Mika  volle  Rechnung,  u.  zw.  in  seiner,  zur  Neige  des  vorigen  Jahres 
(1893)  herausgegebenen  Monographie,  das  Leben  und  Wirken  des  auch  in  Volks- 
liedern bis  auf  die  Jetztzeit,  gepriesenen  Kronstüdter  Königsrichtei-s  Michael 
Weiss  besprechend.  ^) 

Unter  den  Illustrationen,  welche  seinem  reich  ausgestatteten,  mit  vielem 
Forscherfleisse  zu  Stande  gebrachtc»n,  gründlichen,  die  historische  Literatur  wahrhaft 


»)  Mika  Sandor:  „Weiss  Mihaly  (1569  —  1612)  Budapest  1893.  8.  maj.  magyarisch. 
—  Zu  bcdanern  ist  nur  das  Eine,  dass  Mika  nicht  auch  die  Volkssagen  und  Volkslieder  mit- 
theüe,  welche  diesen  keineswegs  fUr  die  siebonbürgisch-sächsische  Nation  allein,  sondern  für  die 
Geschicke  des  österreichischen  Kaiserhauses  thätigon,  heldeaartig  angelegten  und  seine  Sache 
mit  seinem  Blute  besiegelnden  Mann  verherrlichen  und  der  Unsterblichkeit,  nicht  nur  in  der 
Geschichte,  sondern  auch  im  Herzen  und  Mundo  seines  Volkes  Übergeben.  Bei  der  notoriscli 
regen,  alle  rtihmiichen,  volksthümlichen  Raminiscenzen  verwerthenden  geistigen  Rührigkeit  der 
siebenb&rgisch  sächsischen  Ethnographen  ist  vorauszusetzen,  dass  Mika's  Werk  den  Anstofs  dazu 
geben  werde,  aach  in  dieser  Richtung  eine  Lücke  nicht  klaffen  lassen  zu   wollen.  h.  2. 


Digitized  by 


Cooglc 


26  Schmidt  : 

bereicherndem  Werke  beigegeben  sind,  ist  es  namentlich  das  illuminirte  Bild  einer 
moldauischen  Stumifahne  des  XVII.  Jahrhundertes,  welches,  als  unserer  engeren 
Heimat  —  war  ja  doch  Suczawa  Füi-stenresidenz  —  nahestehend,  unsere  Auf- 
merksamkeit und  unser  ungetheiltes  InttM'esse  voll  und  ganz  in  Anspnich  nimmt 

Unwillkührlich  drängt  sich  hiebei  die  Frage  auf :  AVie  kam  diese  Tro- 
phäe nach  Siebenbürgen?  Wie  stand  es  um  die  kriegerische 
Tüchtigkeit  der  Moldauer  jener  Tage? 

Die  Beantwortung  der  ersten  Frage  muss,  ihrer  inneren  ^^eraidagung  nach, 
als  jeder  näheren  Besprechung  sich  in  vorhinein  entziehend,  als  unlösbar 
bezeichnet  werden.  Wenngleich  die  Geschichte  unverkennbarer  Fingerzeige  genug 
bietet,  wtirum  die  Moldau  wider  Siebenbürgen  in  dem  Zeiträume  zwischen  1569 
und  1612  die  Waffen  zu  ergreifen  sich  gezwungen  gesehen  habe,  bleibt  es  un- 
ausführbar, angeben  zu  sollen,  wann,  wo  und  wie  diese  Sturmfahne  verloren 
gegangen  sei.  Wenn  wir  aber  der  zweiten  Frage,  wie  es  um  die  militä- 
rische Tüchtigkeit  der  Moldau  gestanden,  uns  gegenüberstellen, 
wäre  die  Antwort  sehr  leicht  und  daher  auch  sehr  schnell  gefunden,  wenn  es 
um  ein  Jahrhundeil  vorher  sich  handeln  würde,  mit  einem  einzigen,  der  mol- 
dauischen Kriegsgeschichte  entnommenen  Zuge,  zumid  aus  einer  Zeit,  welche 
den  Glanzpunkt  dei-sellx^n  bildet,  vorzugehen.  Viel  richtiger  wird  es  daher  sein, 
ein  gedrängtes  Gesanjmtbild  moldauischer  Waffengänge  bis  hinab  an  die  Neige 
des  sechzehnten  Jahrhundeils,  wenngleich  nur  in  rasch  gezeichneten  Contouren, 
uns  vor  Augen  zu  halten. 

Die  allerälteste,  historisch  verbürgte  Kunde  moldauischen  Kriegsruhnies  fährt 
uns  in  die  Zeit  Alexanders  des  Guten,  dieses  Begründei^s  der  staatlichen  Ord- 
nung des  Füi-stenthumes  und  namentlich  in  das  Jaln*  1425  zurück,  währenddessen 
Verlaufes  der  i)olnische  König  Wl^adislaus,  am  Tage  Johannis  des  Täufei^  (24.  Juni) 
seinen,  wider  die  deutschen  Ritter  gerichteten  Zug  in  die  Mark  Brandenburg,  welcJie 
der  spätere  Volkswitz  als  die  Sandbüchse  des  h.  römischen  Reiches  deutscher 
Zunge  bezeichnete,  angetreten  hatte.  ')  Dem  Banner  des  weissen  Adlers  hatte 
sich  eine  moldauische  Kriegerschaar  angeschlossen,  welche  Fürst  Alexander  der 
Gute,  als  Lehensti'äger  Polens  zm^  Heeresfolge  veri)flichtet,  *)  beigestellt  hatte  und 
vei'schwiegen  darf  nicht  werden,  dass  die  Haltung  dieses  Contingentes  durch  eine 
Schilderung  seiner  findigen  Geistesgegenwart,  seines  unerschütterlichen  Muthes 
und  seiner  persönlichen  Tapferkeit  rühmlich  her\orgehoben  werde.  Lesen  wir  doch, 
wenngleich  in  präganter  Kurze  Folgendes:  ") 

*  Vierhundert  Wallachen  wai*en  zufällig  ausgesendet  worden,  bei  der  Feste 
Marien  bürg  Beute  zu  machen.  In  grosser  Zahl  aus  der  Burg  ausfallende 
deutsche  Ritter  beabsichtigten  einen  Angriff  auf  dieselben.  Die  bedeutende  üeber- 
macht  des  heranstürmenden  Feindes  gewahrend,  zogen  sie  sich  zwar  zurück,  nicht 


»)  Dlugosz:  Hist.  Pol.  ed  Frankf.,  Hb.  IX.  p.  909  ad  annum.  Stryjkowski  edit 
1582.  p.  454. 

')  BekaDntlich  datirt  der  diesfällige  Huldigungsact  von  Suczawa,  12.  März  1402.  Dogiel: 
Cod.  Diplom.  Reg.  Polon.  Tom.  I.  p.  600.  Paprocki  setzt  den  Lehnseid  in  seinem:  «Ogröd 
krolewski**  i.  e.  „Eönigsgarten"  irrig  in  das  .Jahr    1403. 

•)  K  romer:  „De  origine  &  gestis  Polonorum"  ed  Colon.  Lib.  XIX  p.  290. 


Digitized  by 


Google 


Eine  moldauische  8tüemfahne  deeihündebtjIhe.  Veegangenheit.      27 

aber  mii  zu  fliehen.  Im  Gegentheile.  Gewohnt  auch  als  Fusstinippe  zu  kämpfen, 
sprangen  sie  aus  dem  Sattel,  deckten  sieb  diu*cb  die  Stumme  des  nahe  liegenden  Wal- 
des und  empfingen  die  Heranbrausenden  mit  einem  so  dichten  Pfeilbagel,  dass  Jene 
zur  Flucht  sich  wandten.  Riusch  heiTorbrechend  und  das  Ross  besteigend,  setzten 
die  \'ierhundert  nach  und  kehrten  mit  reicher  Beute  und  vielen  Gefangenen  in 
das  I.ager  zmück.^ 

Wenige  Jahi-zehende  später  begann  der  Ruhmeslaiif  Stephan's  des 
Grossen,  »des  Türk^nhammei's«,  wie  vOr  ihm  Johannes  H  un yady  und  nach  ihm, 
Eugen  von  S a v o y  e n  »der  edle  Ritter«,  genannt  wurden.  Mit  weit  ausge- 
henden Hoheitsplänen  sich  ti-agend  mid  hiezu  der  Werthschätzung  des  ungarischen 
Wahlköniges  Mathias  C  o  r  v  i  n  u  s^)  in  kluger  Weise  sich  bedienend,  ^)  wurde 
dieser,  heute  noch  den  gerechten  Stolz  der  eigenen  Stammgenossen  bildende,  in 
Sagen  und  Liedern  verherrlichte  Held,  nicht  nm*  zum  Schrecken  des  Feindes,  sondern 
zugleich  zum  vielumworbenen  Gegenstande  staatlicher  Combinationen.  Wenngleich 
in  seinen  Heerlagern  die  Zeltgassen  von  der  Sprachen  buntem  Gemische  wider- 
ballten, die  Mehrzahl  u.  zw.  die  erdrückende  Mehi-zahl  seiner  streitbaren  Mannen 
waren  seine  Landeskinder,  welche  mit  nationaler  Streitlust  und  Tapferkeit 
die  zum  Siege  führenden  Schlachten  entwürfe  des  eigenen,  heldenhaften  Füi'sten, 
in  freudiger  Todesverachtung  zu  verwirklichen,  mannhaft  redlich  mithalfen. 

Ich  sagte  »mit  nationaler  S  treitlust  und  T  apfer  keit«  und 
mit  vollem  Bedachte.  Demi,  als  nach  Stephans  des  Grossen  Tode  (1505)  dessen 
Sohn  Bogdan  zur  Herrschaft  gelangte  und  —  angeblich  dem  politischen  Te- 
stamente seines  Vaters  Folge  leistend,  der  Pforte  huldigte,  kam  zwar  eine  Zeit 
der  Ohnmacht  über  die  Moldau,  währte  jedoch,  trotz  der  abhängig  gewordenen 
Stellung,  trotz  des  hohen  Tributes  und  trotz  anderer,  durch  die  politische  Ueber- 
gangsperiode  geschafl'ener  llebelstände,  nicht  lange.  Peter  R  a  r  e  s  c  h  ,  der  letzte 
männliche  Muschat,  später  mazilirt,  ')  war  es,  der  während  seiner  ersten  Regie- 
rungsdauer, durch  seine  Theilnahme  an  den  Kämpfen  zwischen  Ferdinand  I 
und  zwischen  Johann  Z  a  p  o  1  y  a ,  bezüglich  der  Thronfolge  in  Ungarn  *)  den 
alten   Waffennihm  der   Moldau    wieder    bethätigte,    der    neuerdings    aufleuchten 


*)  Cf.  Wenrich:  „Die  moldauische  Lehensherrschaft  in  Siebenbürgen"  im  Archive  des 
Vereines  fQr  siebenburgische  Landeskunde.  Neue  Folge,  Band  VI. 

•)  Polen,  Europa's  Vormauer  wider  die  Tataren  und  Türken,  wärmte  zu  jener  Zeit,  um 
sich  Stephans  zu  yersichem,  den  alten  Streit  mit  Ungarn  um  die  Oberherrlichkeit  um  so  eifriger 
au£,  als  Stephan  dem  polnischen  Könige,  dem  Gebote  der  Staatsklugheit  folgend,  sogar  gehuldigt 
hatte.  (Dogiel  Cod.  Dipl.  I.  693;,  Mathias  Corvinus  wies  jedoch  alle  derartige  Zumuthungen 
mit  Entschiedenheit  zurück  und  sprach,  wo  es  um  Stephan  sich  handelte,  jederzeit  nur  von: 
^vojeroda  noster."  Cf.  „Epistolae  Mathiae  Regis  Hungariae'*.  Klausenburg  1745.  8  und  insbe- 
sondere das  hieraus  bei  Praj:  „Disserl  VI**  und  bei  Benkö:  „Milcovia**  I.  31  abgedruckte 
Schreiben  des  Königs. 

■)  M  a  z  i  l  bedeutet  nach  türkischer  Wortwurzel  einen  Abgesetzten,  Ent- 
fernten, bei  Seite  Geschobenen  und  dient  im  Rumänischen  zur  Bezeichnung  abge- 
setzter Fürsten  nnd  —  urkundlich,  zur  Bezeichnung  von  Freibauern,  als  dem  geringsten 
Landadel. 

*)  Hiertiber  Cf.  besonders :  S  c  h  u  1 1  e  r :  „Ludwig  G  r  i  1 1  i  und  sein  Ende"  in  dem  von 
der  k.  k.  Akad.  der  Wissenschaften  herausgegebenen  Archive  für  österr.  Geschichtsforschung" 
Band  XXI  und  im  Separatabdrucke.  Ferner  W  i  1 1  s  t  o  k  ^im  Programme  des  Bistritzer  Ober- 
gymnasiaros  von  ISöS"  und  Kramer:  „Aus  der  Gegenwart  und  Vergangenheit  der  k.  Frei- 
stadt Bistritz"  1858  8^  neben  den  bekannten  Quellenschichten  eines  Istvanfi,  Simigian, 
Verantius  a.  A.  m. 


3» 

Digitized  by 


Google 


28  Sohmidt: 

sollte,  als  nach  Alexander  Lapuschnean,  der  erste  fremde  Prätendent  auf 
den  moldauischen  Furstenstuhl,  Johann  Jacobus  Heraclides  (Despota),  mme 
nach  dem  zu  Lemberg  hingerichteten  Stefan  Tomscha  I,  Johann  Podkowa, 
beigenannt   der  Grausame,  zur  Herrschaft  gelangten.  ^) 

Für  die  Zeit  Alexander's  Lapuschnean  sowie  für  jene  des  Despoten,  vou 
dem  wahriich  nicht  behauptet  werden  kann,  ob  er  ein  glucklicher,  wenngleich  tra- 
gisch endender  Abenteurer  oder  ein  verkannter  und  daher  nicht  gebührend  gewür- 
digter Held  gewesen,  besitzen  wir  sehr  gewichtige  Zeugnisse,  die,  weil  zeit- 
genössisch und  von  Augenzeugen  stammend,  keinem  Zweifel  können  ausgesetzt 
werden. 

AVu*  wollen  mit  Alexander  Lapuschnean  beginnen,  dessen  unglücklicher 
Kampf  wider  den  fremden  Usurjiator  Johann  Jacob  Heraclides  —  bei  Verbie  —  *) 
am  10.  November  1561,  wohl  keineswegs  zu  Gunsten  moldauischer  Tapfericeit 
sprechen  würde,  weim  nicht  bezeugt  wäre,  dass  der  erste  Angriff  wie  herkömmlich 
mannhaft  abgeschlagen  und  erst  der  zweite,  mit  Zuhilfenahme  einer  gelungenen 
Kriegslist  siegreich  sei  durchgeführt  worden. 

Der  Biograph  des  auf  diese  Weise  zur  Flerrschaft  gelaugten  Despoten,  Gra- 
tiani,')  welcher  sein  in  elegantem  Latein  geschriebenes  Werk  dem  polnisciien 
altadeligen  Jünglinge  Lodzia-Tomicki  widmete,  *)  weiss  der  moldauischen  Krie^- 
tuchtigkeit  des  Rühmlichen  nicht  genug  nachzusagen.  »Die  Moldauer  —  schreibt 
er  —  beginnen  den  Kampf  mit  einer  Verwegenheit,  mit  so  grossem  Selbstver- 
trauen und  mit  solch  siegesgewisser  Geringschätzung  selbst  der  grössten  Ueberzahl 
des  Gegnei-s,  dass  von  ihnen  sogar  die  git)ssten  Heereshaufen  in  schimpfliche 
Flucht  gejagt  werden  .  Dieses  Zeugnis  bestätigt  —  freilich  in  etwas  anders  lau- 
tender, wörtlicher  Fassung,  ein  zweiter  Zeitgenosse  von  keineswegs  gering  an- 
zuschlagender Bedeutung  u.  zw.  der  siebenbürgische  Sachse  Georg  Reichers- 
torfer,*^)  der  Geheimschreiber  der  imgarischen  Königin  Maria,  wie^  nach- 
träglich, deren  kaiserlichen  Biniders,  Ferdinands  L,  von  welchem  derselbe  sogar 
mit  Gesandschaftsreisen  an  die  hohe  Pforte  betraut  wurde.  Eine  cUeser  Gesandschafts- 
reisen  ging  über  die  Moldau,  wobei  der  schai-fe  Beobachter  nicht  nur  Grele- 
genheit  hatte»,  Land  und  Leute  genau  keimen  zu  lernen,  sondern  auch  entspre- 
chende Müsse  fand,  diese  seine  Beobachtungen  durch  eine  Beschreibimg  sammt 
Karte  der  Moldau,  der  ersten    ihrer  Art,  durch  den  Dmck   l)ekamit  werden   zu 


>)  Cf.  Hajdeu:  ,,Inon  cel  Cumplit'^  Bukarest  1865.  8  maj. 

*)  Cf.  Letopisetele  etc.  ed  Kogalnicean.  Bukurest  1872.  8.  maj.  I.  Appendix  pag. 
436  und  Sinkaj's  Chronik,  Bukurest  1886.  8.  maj  p.  333  sq. 

»)  6  r  a  t  i  a  n  i^s,  des :  „Episcopus  Ameriniis**  Werk  führt  den  Titel :  „De  Joanne  Hera- 
clide  Despota  libri  tres  Varsaviae,  e  typographia  Mitlerinn4  1759.  8  min.,  e  mannscripto  K- 
bliothecae  Zaluscianae.  Diese  Ausgabe  liefert  den  Beweis,  dass  der  berühmte  Cardinal  Mai  irrte^  wenn 
er  in  seinem  Spicilegium  romanum  die  Ansicht  aussprach,  er  publicire  dieses  Werk  zuerst;  tob 
diesem  erschien  Übrigens  1860  nach  einem  Exemplare  der  Göttinger  Bibliothek  eine  neuerliche  Aus- 
gabe, jedoch  nur  in  der  sehr  beschränkten  Zahl  von  vierzig  Abzügen,  von  denen  Einer,  mit  Nr.  tfr6 
bezeichnete  in  meinen  Besitz  gelangte.  Legrand  veranstaltete  1889  eine  weitere  zu  MaisooBe- 
nuve  in  4^  min. 

*)  Wahrscheinlich  war  das  ein  sehr  naher  Anverwandter  des  um  jene  Zeit  so  bervLiimten 
Staatsmannes  und  Bischofes  von  Krakau,  Peter  Lodzia  Tomicki. 

«)  Ueber  ihn  Cf.  S  c  h  u  1 1  e  r :  „Georg  Reicherstorfer  und  seine  Zeit"  im  XXI.  Bande 
des  von  der  kais.  u.  königl.  Akademie  der  Wissenschaften  herausgegebenen  „Archiv"  für  Kunde 
österreichischer  Geschichtsquel'en".  Wien  1859.  8.  maj.  (Erschien  auch  im  Separatabdrucke.) 


Digitized  by 


Google 


Eine  moldauische  Stubmfahne  dreihundebtjähb.  Vergangenheit.      29 

lassen.  ')  Seine  Worte  über  das  Volk  lauten:*)  »Gens  ista  atrox  est  &  admo- 
duni  barbara,  in  rebus  tarnen  militaribus  &  bellicis,  suo  more  exi- 
raie  instructa«,  d.  h.  »Es  ist  ein  grausames  und  barbarisches  Volk,  in  Waffen-  und 
Kriegsdingen  aber  nach  seiner  Art  hoch  erfahren.« 

Ohne  hier  auf  weitere  Zeugnisse,  deren  es  wahrhaft  noch  viele  gibt,  weiter 
eingehen  zu  wollen,  dürfte  uns  der  später  aufgekommene  Spruch  genügend  be- 
gründet erscheinen,  welcher  die  kriegerische  Tüchtigkeit  der  moldauischen  Recken 
mit  anderen  vergleichend,  sagt :  »Fünf  krimische  Tataren  gelten  für 
Zehn  B u d j  a k e n,  aber  Fünf  Moldauer  überwinden  Zehn  wider  sie  kom- 
mende krimische  Tataren«. 

Um  dieses  Bild,  das  ehrenhafte  Gefühle  berechtigten  Stolzes  in  der  Brust 
unserer  Heimatskinder  zu  wecken  und  zu  erhalten  geeignet  ist,  mit  den  letzten 
Pinselstrichen  zur  Vollendung  zu  bringen,  weise  ich  nur  noch  auf  die  Geschichte  der 
unter  ziemlich  abenteuerlichen  Umständen  emporgekommenen  Republik  des  hei- 
ligen Marcus,  Venedig's  hin.  ^) 

Wie  jede  am  Meere  sich  mühsam  emporschwingende  menschliche  Siede- 
lung,  auf  Schiffahrt  und  Handel  gewiesen,  so  gelangte  auch  dieser  Staat,  dessen  Ober- 
haupt, der  Doge,  »nach  Aussen  Herr,  zu  Hause  Gefangener«  war, 
durch  kluge  Benützung  der  Umstände,  namentlich  zur  Zeit  der  Kreuzzüge,  zu 
präpondcrirender  Machtentfaltung  und  politischer  Bedeutmig. 

Dass  auch  die  Moldau  mithineingezogen  wurde  in  die  Kreise  der  specula- 
tiven  Berechnung,  konnte  zu  einer  Zeit  nicht  ausbleiben,  da  dieses  Fürstenthum 
bis  zur  Entdeckung  des  Seeweges  nach  Ostindien,  welcher  dem  Welthandel  andere 
Bahnen  vorzeichnete,  die  vorzüglichste  Etappe  des  damaligen  Verkehres  zwischen 
dem  Oriente  und  zwischen  dem  Occidente  bildete  und  an  Naturproducten  selbst 
reich,  so  mancher  kaufinämiischen  Unternehmung  reichen  Gewinn  versprach.  Immer 
freundschaftlicher  gestalteten  sich  daher  die  Verhältnisse  zwischen  diesen  beiden 
Staaten.  Venezianische  Aerzte  besorgten,  als  Hofmedici,  die  leibliche  Wohlfahrt 
des  Fürsten,  dessen  Schätze  mit  Vorliebe*)  in  sogenannten  Ducaten'*)  oder  Zecchinen*) 
in  der  venezianischen  Bank  fruchtbringend  angelegt  wurden ;  venezianische  Maler 
bedeckten  die  Wände  der  Kirchen  mit  kunstreichen  Gemälden  oder  Goldschmiede 
lieferten  den  Gold-  und  Silber- Schmuck  der  Altäre  und  der  Fürstinnen,  da- 
gegen aber  stillten  moldauische  Rosse  ihren  Diurst  in  der  Adria,  in  deren  AVellen 
sich  die  Kutschma  ^)  des  in  Sold  genommenen  moldauischen  Kriegers  spiegelte  ®). 


>)  Beides  ist  in  dem  bekannten  Werke  Papin's:  „Tesaurulu".  Bukurest  1864.  4^  wieder 
pablicirt  worden  u.  zw.  mit  einer  gleich  anfangs  beigebrachten,  die  Genesis  früherer  Publica- 
tionen  beleuchtenden,  sehr  instructiven,  interessanten  und  inhaltsreichen  Note. 

«)  l    c.  p.  137. 

■)  Cf.  „Saggio  sopra  i  Veneti  primi."  Venedig  1781.  4^  (der  Verfasser  hat  sich  nicht 
genannt,  gedruckt  wurde  das  Werk  bei  Btampatore  e  librario  Pietro  Savioni,) 

*)  Die  ungarischen  Goldmünzen  galten  als  die  schönsten,  die  venezianischen  als  die  be- 
liebtesten. 

^  Der  Name  „Ducate**  stammt  von  der  Inschrift  auf  den  Miinzen  der  Dogenstadt :  ,,Tibi 
Christe  sit  datus,  quem  regis,  iste  ducatus",  d.  h.  „Dir  Christus  sei  geweiht,  das  Du  regierst, 
dies  Uerzogthum.**  Da  auch  Silbermünzen  diese  Umschrift  trugen,  gab  es  auch  Silberducaten. 

*)  Von:  „Zeccha"  =  Staatsbank. 

^  Kutschma  hiess  und  heisst  nach  einer  tatarischen  Wortwurzel  die  spitz  zulaufende 
Lamp^mütze.  Nach  Gol'Qbiowski:  „Trachten  in  Polen".  Krakau  1862.  8  min.  p.  147 
aach  in  Polen  bekannt  u.  zw.  von  wai>serblauem  Zobel. 

»)  Beweise  hiefUr  finden  sich  zahlreich  in  Hurmuzaki*s  bekannter  Urkundensammlung, 
die  speci^e  Anführung  ginge  zu  weit.  ^^  1 

Digitized  by  V:iOOQIC 


30  Schmidt: 

So  blieb  es  lange  Jahre  hindurch  und,  in  der  moldauischen  Heimat  selbst 
gab  es,  namentlich  in  den  Siebziger  Jahren  des  sechzehnten  Jahrhunderte»,  zur 
Zeit  der  Wojewodschaft  Johajm  Podkowa's,  beigenaimt  y-Der  Grausame-f, 
dieser  Törkengeissel,  der  Veranlassungen  mehr  als  genug,  den  alten  Waffen- 
ruhm zu  vollen  Ehren  gebracht  zu  sehen. 

Leider  war  indessen  die  Moldau,  wie  der  spottlustige  Pole  sie  nannte, 
zum  »Wach  telfelde  geworden,  das  Jedermann  abj  agen  könuec, 
und  unter  Johann  Zamojski's,  des  berühmten  polnischen  Kronfeldhauptnianm^s 
Schlitz  und  Schirme,  war  Jeremias  M  o  h  i  1  a  ziu*  Herrschaft  der  Moldau  gelangt ; 
der  Nachkomme  kriegerischer,  auf  den  Schlachtfeldern  von  l'ngani,  sich  unter 
Johann  Hu ny  ad y  henorragend  auszeichnender  Ahnen  ^)  und  der  mit  demWojt*- 
woden  der  Walachei,  Michael  dem  Sieghaften,  welcher  eine  walachiscbe  Uni- 
versalmonarchie  anstrebte,  in  blutige  Kämpfe  verwickelt  wurde.  ^) 

Und  hiemit  stehen  wir  vor  der  zu  besprechenden  Stiumfahne,  deren  Ent- 
stehung, wie  sogleich  soll  dargethan  werden,  der  Concertion  nach,  schon  in  die 
letztangedeutete  Zeit,  d.  i.  in  die  Neige  des  sechzehnten  Jahrhundeiles  ßlllt.  Es 
ist  ein  schönes  militärisches  Heiligthum  und  besticht  aus  der  Stange,  mit  einem 
umfangreichen,  silbernen  Knaufe,  unter  welchem,  ein  den  KnautTials  als  Quaste 
umgebender  gestutzter,  schwarzer  Rosschweif  bis  auf  das  Fahnentuch  herabhängt 
welch  Letzteres,  mehr  lang  als  breit,  flaggenartig  an  die  Stange  genagelt,  an 
den    auslaufenden  Enden    nicht  gezackt  kt,  sondern    senkrecht    sich    abschliesst. 


*)  Daten  hierüber  liefert  Stupnicki  in  seinem  „Polnisches  Wappenbuch**  Lemberg 
1855.  4*  min.  Tom.  II.  p.  158  sq.,  wo  es  auch  heisst,  die  Mohila's  seien  die  Nachkommen 
des  römischen  Rittergeschlechtes  des  Mutius  (?!);  Einer  derselben  sei  nach  Griechenland 
ausgewandert  und  habe  daselbst  in  einer  Schlacht,  als  Feldherr,  nach  errungenem  Siege,  die 
Gefallenen,  Freund  und  Feind,  in  vielen  und  grossen  Grabhügeln  bestattend,  zu  der  neuen  Benen- 
nung der  Familie  den  Anlass  gegeben.  Es  sei  vergönnt,  hiebei  auf  Zweierlei  hinzuweisen.  Erstens, 
dass,  die  Auswanderung  zugegeben,  ^yohl  erweisbar  sei,  dass  in  Griechenland  und  weit  darüber 
hinaus,  als  in  Constantinopel  und  weiter,  die  slavische  Sprache,  anlässlich  dort  verbreiteter  «la- 
vischer Bevölkerung,  gang  und  gäbe  gewesen.  (Cf.  den  Eccurs:  „ lieber  das  slavische  Element  im 
Rumänischen",  in  Schmidt's:  „Das  Jahr  und  seine  Tage  in  Meinung  und  Brauch  der  Ro- 
manen Siebenbürgens^*,  llermannstadt  1866,  8^  min.);  dass  aber  die  griechischen  hlstoriicben 
Quellen  über  einen,  mit  den  angegebenen  Umständen  verbundenen  Sieg,  namentlich  unter  der 
Leitung  eines  Nichtgriechec,  gar  keine  Meldung  thun.  Wohl  sehen  wir  in  dem  Wappen  d» 
Familie  Zwei,  mit  den  Griffen  nach  auswärts  gekehrte,  in  der  Scheide  steckende,  gekreuzte 
Säbel,  also  jedenfalls  ein  kriegerisches  Emblem,  allein-  die  Adjustirung  dieser  Hiebwaffe  seboa 
an  und  für  sich,  d.  i.  das  Vorhandensein  zweier  Ringe  zur  Einhängung  derselben  nicht  in  eine 
sogenannte  Steck-  sondern  in  eine,  den  Leib  umspannende  Hängekuppel,  widerspricht,  von  dem 
späten  Aufkommen  der  Säbel  gänzlich  abgesehen,  der  angeblich  in  Griechenland  und  in  erwähnter 
Art  erworbenen  Nobilität,  so  sehr  in  Byzanz  Rang-  und  Würdenunterschied  blühtbn.  Stap- 
nicki, oder  wer  sonst  den  Namen  M  o  h  i  1  a  glaubte  bis  auf  die  veranlassenden,  schanrigen 
Siegesdenkmale  zurückführen  zu  müssen,  übersah  jedenfalls  den  Widerspruch,  in  welchem  CT 
sich  befinde,  indem  er  den  Namen  der  moldauischen  Fürstenfamilie  mit  „y'*  schreibt  und  ihr 
eine  abgesonderte  Adelsfamilie  M  o  g  i  1  a  voraussendet.  Scheinbar  wäre  Mohjla  kleinrussisc)^, 
Mogila  dagegen  polnische  Schreibart  und  Praumtiation  und  hatte  somit  nichts  Weiteres  aaf  sich, 
wenn  das  Geschlecht,  der,  von  Stupnicki  Mogila  Genannten,  im  Wappen  nicht  eben  einen  Grab- 
hügel führen  würde,  dessen  Mitte  ein  stehendes,  die  Querseiten  aber  ein  liegendes  Kreuz  schmücken 
so,  dass  gerade  auf  dieses  Adelsgeschlecht,  das  jedoch  —  wie  erwähnt  —  von  dem  mol- 
dauisch-wojewodalen  vollständig  isolirt  wird,  die  griechische  Schlachtenleitung,  selbst  wenn  die- 
selbe begründet  wäre,  was  jedoch  nicht  der  Fall  ist,  schon  des  Wappenbildes  wegen,  besser 
passen  würde. 

•)  Cf.  Teutschländer:  Gesch.  Michaels  des  Sieghaften,  Wien,  Gräser,  neben  den 
reichen  und  bekannten  Quellen  in  deutschen,  ungarischen,  lateinischen,  rumänischec,  ja  sdbat 
polnischen  archivalischen  Publicationen,  deren  Anführung  über  Zweck  und  Raumgebot  dieses 
Aufsatzes  hinausgehen  würde. 


Digitized  by 


Google 


Eine  moldauische  STaaMFAHNE  dbrihundertjähk.  Vergangenheit.      31 

Das  Flaggen-  oder  Fahnentuch  besteht  aus  zwei  wagrecht  sich  abhebenden  Fel- 
dern, deren  oberes  weiss,  das  untere  dagegen  roth  ist.  Im  oberen,  weissen  Felde 
wird  in  schwarzen  Lettern,  in  glagolitischen  Schriftzügen  gelevsen:  »Jon  Jeremija 
Mobila,  Bozijo  milostijo  Hospodar  Zemli  Moldawskoj,  wlet  7109  mies.  Mart  15 
d.«,  deutsch:  Johann  Jeremias  Mohila,  von  Gottes  Gnaden  Hospodar  (Hen*)  des 
moldauischen   Geländes,  im  Jahre  1601  im  März  am  löten. 

Bevor  wir  dem  imteren  rothen  Felde  unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden, 
wollen  wir  uns  mit  dieser  Inschrift  derart  beschäftigen,  um  über  die  Bedeutung 
derselben  vollständig  uns  klar  zu  werden. 

Dass  die  Inschrift  slavisch  und  speciell  ruthenisch  laute,  kann  bei  dem 
Umstände  keineswegs  beiremden,  da  bis  um  die  Mitte  des  siebzehnten  Jahr- 
hundertes,  wie  allgemein  bekannt,  die  ruthenische  Sprache  die  Curialsprache 
war,  der  wir  auch  in  den,  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhaltenen  Lapidarepi- 
grammen der  gr.-or.  aus  jenen  Tagen  datirenden  Kirchen  begegnen.  Erst  —  wie 
bemerkt  —  um  die  Mitte  des  siebzehnten  Jahrhundertes  fahrte  der  damalige 
Wojewode  der  Moldau,  Basil  Lupu  die  rumänische  Sprache  ein,  *)  was  jedoch 
nicht  hinderte,  dass  die  slavische  Sprache  noch  bis  an  die  Neige  des  XVII.  Jahr- 
hunderts im  Curialstyle  fast  ganz  ausschliesslich  und  über  diese  Zeit  hinaus  insofenie 
bestand,  als  die  jeweiligen  landesfürstlichen  Kundgebungen  vor  deren  rumäni- 
schem Texte  den  rutheni sehen  Fürstentitel  als  Eingang  luid  nach  dem 
Texte  die  gleichfalls  ruthenische  Schlussformel  aufwiesen:  »Der  Herr  selbst 
hat  es  befohlen«  oder:  »Andei"s  wollet  ja  nicht  handeln!«  und  das  Wort:  »Im 
Jahre«,  nebst  dem  weiteren:  »Gelesen«  vor  dem  Namenszuge  des  mitunterferti- 
genden Kanzlers  oder  Logopheten  enthielten.  Zuletzt  wurde  freilich  die  Jahres- 
zahl nicht  mehr  nach  der  sogenannten  adamitischen-  oder  Weltschöpfungsära, 
deren  Neujahr  bekanntlich  auf  den  1.  September  fallt,  sondern  naeh  christlicher 
Aera  und  nicht  mehr  durch  einzelne,  bestimmten  Zifferwerth  darstellende  Buch- 
staben, sondern  diux^h  arabische  Zahlen  ausgedruckt. 

Die  Inschrift  unserer  Fahne  zeigt  in  der  zeitfiblichen  Bezeichnung  .der 
Jahreszahl  durch  Buchstaben,  das  Jahr  7109,  der  als  nähere  Zeitbestimmung,^) 
der  Monat  März  beigefugt  wurde. 

Wir  werden  somit  in  das  Frühjahr  von  1601  gewiesen.  Doch  hierüber 
weiter  unten. 

G^hen  wir  zu  dem  zweiten,  dem  unteren  Theile  des  Fahnentuches  Über. 

Es  ist  roth  und  zeigt  in  der  unteren,  ausflatteniden  Ecke  das  moldauisclie 
Ijandeswappen,  den  Ochsenkopf  mit  einem  Sterne  zwischen  den  Hörnern,  in 
einem  Ringe,  dem  ein   lateinisches  Kreuz  aufgesetzt  ist.  Alles  in  Gold  gestickt. 

Zu  bedaueni  ist  es,  dass  wir  nicht  in  der  Lage  sind,  dm'ch  einen  Vergleich 
mit  früheren  oder  späteren  militärischen  Bannern  feststellen  zu  köimen,   ob    die, 

*)  Melchiaedek  hat  in  seiner  Huscher  Chronik  —  Bukurest  1869.  8®  —  aus  der, 
selbstverständlich  unvermeidlich  gewordenen  Uebergangsperiode  gar  ergötzliche  Sprachproben, 
darunter  wahrhaft  haarsträubende  sinnlose  Gebetforraeln  der  Geistlichkeit,  in  einem  eigenen 
Anbange  veröffentlicht. 

•)  Bei  der  Reducirong  der  Schöpfungsära  auf  christliche,  werden  vor  1.  September 
jeden  Jahres  6508,  nach  oder  mit  1.  September  5509  abgezogen,  da  mit  September  die  Welt- 
ära big  z«m  l.  Jänner  des  nächsten  Jahres  um  Eine  Einheit  voraus  ist.  Daraus  erklärt  sich  die 
oothwendige  Gepflogenhett,  der  Jahreszahl  der  Schöpfungsära  das  Monatsdatum  beizufügen,  was 
bei  lat  1.  a.  Urkunden  der  Kalenderheilige  ersetzte. 


Digitized  by 


Google 


32  Schmidt  : 

bei  diesem  Feldzeichen  ziir  Geltung  gebrachten  Farben  »weiss,  schwarz,  roth 
und  gokU,  nicht  etwa  damalige  Landes-  und  Nationalfarben  gewesen  seien,  wie 
heute  »blau,  roth,  gokU.  Es  ist  ja  doch  ganz  unzweifelbar  die  weisse  Fari)e 
des  oberen  Fahnentuchfeldes  keineswegs  in  der  alleinzigen  Absicht  zur  Verwen- 
dung gekommen,  um  die  schwarze  Inschrift  kennbarer  und  weithin  sichtbarer  zu 
machen.  Dies  koimte  denn  doch  eben  so  gut  durch  eine  goldene  oder  sin>enip 
Inschrift  auf  dunklem  Grunde  bewerkstelligt  und  erreicht  werden,  wenn  es  über- 
haupt n  ö  t  h  i  g  gedacht  werden  müsste,  die  unter  eine  Feldfahne  sich  schaarenden 
Streiter,  die  denn  doch  wissen,  wem  sie  Leib  und  Ijeben  zugeschworen,  durch 
eine  besondere  darauf  hinweisende  Fahneninschrift  erst  noch  daran  zu  eriunem. 
Titel  und  Wurden  des  Kriegsherren  auf  dem  flatternd  vorangetragenen  Panniere, 
sind  —  wenigstens  unseren  heutigen  Begriffen  nach  —  kein  Ersatz  für  einen 
begeisternden  Mahnmf,  wie  er  jetzt  auf  jedem  Bande  miliUirischer  Draj>eau's  zur 
Losung  für  Tausende  wird. 

Da  Mohila  gewiss  keine  Neuenuig  einführte,  denke  ich  meinestheils,  es 
handle  sich  um  ein  Banner,  welches  nicht  einem  Natioimlaufgebote,  son- 
dern Söldnerscharen  vorangehen  sollte,  die  geradezu  nm*  in  persönlichem 
Abhängigkeitsverhältnisse  zu  Jeremias  Mohila  standen,  d.  i.  von  ihm  für  seine 
Zwecke  besoldet  wurden.  Die  Reisläuferei,  das  Söldnerthum,  stand  1601  noch 
immer  in  voller  Blüthe  und  die  moldauische  Geschichte  der  kurz  vor  Jeremias 
Mohila  geführten  Kämpfe,  zeigt  uns  die  von  den  beiden  Frohnsperger  ') 
gedrillten  »frmnmen  ^)  Landesknechte  neben  deutschen  Hackenschützen,  unga- 
rischen Simenen*)  und  Abenteurern  aus  aller  Herren  Ijändern,  besonders  begehrt 
und  gesucht  jedoch  deutsche  Artilleristen,  da  dieselben  die  Ersten  waren,  welche 
die  1531  von  dem  Italiener  Tartaglia  gelehrten,  auf  Tragweite  und  Ziel- 
fähigkeit der  Geschütze  berechneten  mathematischen  Gnuidsätze  sich  zu  eigen 
gemacht  hatten.*) 

Da  wir  die  Farben  des  um  —  beschäftigenden  Banners  im  mohilanischen 
Wappen  wiederfinden  —  weiss  die  Säbelscheiden,  roth  das  Schildfeld, 
schwarz  die  Säbelgritfe,  golden  schliesslich  die  —  man  möchte  sagen  —  pro- 
phetisch auf  dem  Schilde  nihende  Krone,  so  dürfte  wohl  kaum  ein  Zweifel  darüber 
können  erhoben  werden,  dass  die  Bestimmung  des  kriegerischen  Ehrenzeichens  die 
kiu-z  zuvor  angedeutete  gewesen  :  sei.  Söldnern  als  H  a  u  s  t  r  u  p  p  e  n  sollte 
sie  zum  Sammelzeichen  dienen. 

Die  Inschrift,  wenn  nicht  mthenisch  selbst,  ist  keineswegs  geeignet,  Be- 
fremden -wv  chzunifei  i . 

Wissen  wir  es  doch  sell)st,  weil  wir  es  in  den,  über  den  Portalen  älterer, 
gi'.-or.  Kirchen,  in  der  ehemaligen  Rjidautzor  gr.-or.  Episcopalkirche  sogar  in 
einer  ganzen,  in  einen  Monolitli    gehauenen    Urkunde  besehen    und    lesen,    dass, 

*)  So  und  nicht  Frundsberg  erscheint  der  Name  im  Berichte  der  mit  des  firanaö- 
sischen  Königs  Franz  I.  schliessenden  Schlacht  bei  Paria  —  1515  —  wo  die  drei  Waffengat- 
tungen: Fussvolk,  Reiterei  und  Archeley  zum  ersten  Male  zusammenwirkten.  Cf.  Scherr^ 
„Geschichte  der  deutschen  Cultur  und  Sitte".  Leipzig  1870.  8  min. 

*)  Lucus  a  non  lucendo. 

')  Nach  Cantemir  „Beschreibung  der  Moldau*'.  Jahr  1861  8  min.  p.  183  war  das  Wort 
„Simene"  die  landläufige  Bezeichnung  filr  Söldner. 

<)  8  c  h  e  r  r  l.  c.  p.  307. 


Digitized  by 


Google 


EiNB   MOLDAUISCHE    StUBMFAHNE   DBEIHUNDSaTJÄHB.    VERGANGENHEIT.        38 

WO  die  Hand  des  Landesfürsten  mitthätig  gewesen,  es  an  einer  dessen  Wir- 
ken kund  gebenden,  dauernden  Inschrift  nicht  gefehlt  habe.  Landläuliger  alter 
Brauch  war  es  und  blieb  es,  bis  in  die  spätesten  Zeiten  herab. 

Etwas  auflfallend  ist  der  Platz,  welchen  das  in  Gold  gestickte  Landes- 
wappen erhalten  hat  und  dies  umsomehr,  als  durch  Anbringung  desselben  in  der 
untersten  rechten  Ecke  der  flaggenartigen  Fahne,  die  Selbstentrollung  dei-selben 
und  somit  auch  dm  Hervortreten  des  Wappens  wegen  der  Schwere  desselben, 
wesentlich  behindert  erscheinen. 

Minder  befremdend  ist  das  dem  Ringe,  welcher  das  Landeswappen  um- 
gibt, aufgesetzte  einarmige  lateinische  Kreuz,  welches  uns  gar  niclit 
so  selten,  als  man  eigentlich  glauben  sollte,  auf  älteren,  zu  religiösen  Zwecken 
bestimmten  Kunstgebilden  der  orientalischen  Kirche  begegnet.  Ich  selbst  war 
vor  wenigen  Wochen  so  glücklich,  der  hohen  k.  u.  k.  Central- C/ommission  für 
kunst-  und  historische  Denkmale  das  photographische  Bild  eines,  allen  Anzeichen 
nach,  viele  Jahrhunderte  zählenden  Reliquiariums  einzusenden,  welches  eine  Kreuz- 
partikel bergend,  bestimmt  gewesen  sein  mochte,  an  der  beigefügten  Kette  hän- 
gend, neben  dem  usuellen  Pectoralkreuze,  die  Brust  irgend  eines  gr.-or.  Kirchen - 
forsten  zu  schmücken.  Dies  kostbare  Kunstkleinod,  bestehend  aus  einer  18  Cen- 
timeter  im  Umfange  und  1  Centimeter  in  der  Höhe  messenden  silbernen  Kapsel, 
vereinigte  vollständig  in  sich,  was  einer  Kunstantike  den  fast  unschätzbaren 
Werth  verleiht.  Der  Stoff  ist  Edelmetall  und  im  Inneren  kostbai*es  Sandel- 
holz. Die  Veredlung  dieses,  an  luid  für  sich  werthvoUen  Stoffes,  konnte  wohl 
kaum  eine  mehr  künstlerische  sein,  da  von  Aussen  verschiedene  Rankenver- 
schlingungen  u.  dgl.  in  meisterhaflier  Filigran- Ausführung,  die  beiden  Kapsel- 
flächen decken,  während  biblische  Scenen  das,  die  innere  Füttenmg  bildende 
Sandelholz  in  zartester  und  bewunderungswürdiger  Plastik  en  relief  zu  höherem 
Werthe  steigern.  Das  hohe  Alterthum  unterliegt  keinem  Zweifel  und  ein 
pretium  affectionis  lässt  sich  schon  deshalb  schwerlich  beziffeni,  weil 
religiöse  Pietät  gegenüber  dem  in  der  Kapsel  angebrachten  Heiligthume  und 
vielerlei  sonstige,  dem  menschlichen  Gemüthe  unveräusserbare,  an  dieses  herr- 
liche Pninkstück  sich  knüpfende  Reminiscenzen  zusammenwirken.  Und  auch 
dieses  Kleinod  der,  wenngleich  stumme,  nichts  destoweniger  eine  sehr  eindringlich 
packende  Wirkung  übende  Zeuge  dahingeschwundener  Herrlichkeit,  hat  an  dem 
beim  Tragen  nach  oben  gerichtetem  Rande  das  lateinische  Kreuz. 

Der  Schluss  der  Inschrift  auf  der  Fahne,  die  nach  Jahr  und  Monatstag 
angesetzte  Zeitbestimmung  der  Beschaffung  derselben,  vei^etzt  uns  in  die  bewegte 
Zeit  Michaels  des  Sieghaften,  des  Wojewoden  der  Walachei,  der  nichts  Gerin- 
geres anstrebte,  als  die  Vereinigung  sämmtlicher  Rumänen  zu  einem  grossen, 
ehrfurchtgebietenden  und  mächtigen  Gesammtstaate,  von  seiner  Dynastie  beherrscht 
und  sein  grosses  Ziel  hätte  Michael  nicht  verfehlt,  weim  er  von  d(un  kaiser- 
lichen, um  Aas  Interesse  seines  Herrn  —  Rudolph's  II  —  besorgt<Mi  Generalen, 
Georg  Basta,  nicht  würde  gewaltsam  zur  Seite  geschafft  worden  sein.  ') 


*)  Wir  besitzen  zwei  Monographien  Über  Michael.  Die  Eine  von  B  .  .  .  .  in  rumänischer, 
die  Zweite  von  T in  deutscher  Sprache.     Beide    benützen    das    überaus    reiche  Quellen- 


Digitized  by 


Google 


34      Schmidt;  Eine  mold.  Stübmfahne  DBEiHaNDBRTJ.  Vebqangbnhbit. 

Dass  bei  diesen  seinen  unverkennbar  zu  Tage  tretenden  Grossmachtgelüsten 
die  Moldau  von  feindlichen  Angriifen  nicht  wenle  verschont  bleiben,  war  leicht 
vorauszusehen  und  veranlasste  den  Fürsten  Jeremias,  frühzeitig  an  erfolgreiche 
Mittel  der  Abwehr  zu  denken.  Was  war  natürlicher,  als  dass  er,  der  Unzuläng- 
lichkeit der  eigenen,  weinigleich  notorisch  tapferen  Streitmacht  sich  bewusst,  in 
erster  Linie  an  Diejenigen  sich  wandte,  durch  deren  kraftiges  Zuthun  er  auf  den 
Fürstenstuhl  gelangt  war,  an  die  benachbarten  Polen,  denen  schon  wegen  ihres 
Verhältnisses  zur  Pforte,  sehr  daran  gelegen  sein  musste,  den  Einfluss  in  der 
Moldau  zu  behaupt(»n.  *) 

Mitten  in  diesen  Kriegstrubeln,  zu  deren  Beschwörung  die  Werbung 
von  Soldtruppen  vorgenommen  werden  musste,  nnisste  wohl  auch  Jerennas  Mohila 
zu  solchem  Abwehrmittel  greifen*)  und  an  einen  derart  gewoimenen  Streithaufen 
mag,  zum  Untei-schiede  von  den  heimischen  Kriegern  auch  in  dieser  Beziehung, 
eine  derartige  Fahne  gegeben  worden  sein,  der  ich  den  Namen  Sturmfcihne  bei- 
legte, weil  es  galt,  dieselbe  dem  Anstürmer  gegenüber  im  Gegenanstunne  zu  ent- 
falten und  die  ich  für  eine  speciell  mohilanische  halte,  weil  nm*  durch  die 
Schärfe  des  Schwertt^s  entschieden  werden  sollte,  ob  Jeremias  Mohila  die  Moldau, 
dessen  Bruder  Simeon  aber  die  Walachei  werde  behalten  können. 

Zum  Schlüsse  werde  mir  die  Bemerkung  gestattet,  dass  ich  angesichts  der 
historischen  Zeugnisse  über  die  jederzeit  anerkannte  und  ruhmlich  hervorgehobene 
kriegerische  Tüchtigkeit  der  Rumänen,  von  welcher  auch  die  k.  u.  k.  rumänischen 
Regimenter  in  den  vielen  Feldzügen  vor  und  seit  Napoleon  I.  mid  erst  körz- 
hch,  gelegentlich  der  bosnischen  Occupation,  wo  namentlich  unser  wackeres 
Hausregiment  sich  unvergängliche  Lorbern  holte.  Beweise  lieferten,  dass  ich,  heute 
—  ich  wiederhole  es  —  die  Vollberechtigung  des  Titels  anerkenne,  welchen 
das  1762  als  zweites  Siebenbürger  Grenz- Infanterie- Regiment  errichtete,  mit 
einer  goldenen  Medaille  an  der  Leibfahne  ausgezeichnete  Regiment,  anlässlich 
der  Seculaifeier  seines  Bestandes,  dem,  an  alle  stammgenössischen  Waffenbrüder 
gerichteten  Festgedichte  gab,  des  Titels: 

„  VirtuB  romana  rediviva,^ 


roaterial  nicht  in  erschöpfender  Weise,  wobei  noch  den  Einen  übel  verstandener  Patrioüsmiu 
vom  Standpunkte  der  Objectivität  herab  und  in  das  vaste  Gebiet  der  Phantasie  drängt,  dem  An- 
deren die  Furcht,  in  gewissen  Kreisen  missliebig  zu  werden,  stellenweise  unverzeihliches  Schwei- 
gen auferlegt.  Für  Keinen  von  Beiden  besteht  Cicero's  Gesetz  für  den  HiRtoriographen  lu 
Recht:  „Ne  quid  falsi  dicere  audeat,  ne  qui  veri  non  dicere  audeat".  Für  strenge  Wissenschaft 
sind  sie  als  nichtbestehend  zu  betrachten. 

»)  Das  umständlichere  hierilber  sieh  bei  Schmidt:  „Suczawa's  historische  Denkwür« 
digkeiten".  Czemowitz  1876.  8.  min.  p.  147  sq. 

•j  In  der  Geschichte  Polens  führen  dieselben  den  Namen:  „Autorament"  zum  unter- 
schiede von  den  nationalen  Bannerherrentruppen. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfange  des  k.  k.  Staatsgestutes  Radautz. 

Von  Dr.  Jobann  Polek. 

Nach  dem  siebenjährigen  Kriege  war  es  keine  leichte  Siiche,  den  jähriichen 
Pferdebedarf  der  Annee  zu  decken;  denn  viele  Gestute  waren  eingegangen 
uiid  die  von  Bauern  gezüchteten  Pferde  unbrauchbar. 

Das  schwere  Material  suchte  das  Aerar  damals  in  der  Regel  im  Lie- 
feningswege  aufzubringen,  die  Beschaffung  des  leichten  aber  überliess  es  den 
betreffenden  (Chevauxlegers-  und  Husaren-)Regimentern,  indem  es  ihnen  gegen 
einen  von  allen  drei  Stabsoflficieren  unterzeichneten  Revers  die  nöthigeu  Geld- 
mittel zur  Verfügung  stellte. 

Die  von  den  Regimentern  mit  dem  Einkaufe  betrauten  Officiere  besuchten 
alle  inländischen  Pferdemärkte  und  Gestüte,  kamen  jedoch  häufig  nur  im  Aus- 
lande, namentlich  in  Podoben  und  in  der  Tartarei,  zum  Ziele.  *) 

Nach  der  Besitzergreifinig  von  Galizien  dm'ch  Oesterreich  schmeichelte  sich 
der  Hofkriegsrath  mit  der  Hoffnung,  den  Bedarf  an  Dienstpferden  für  die  in  die 
neuerworbene  Provinz  verlegten  Chevauxlegers-  und  Husarenregimenter  dort  sowohl 
als  in  den  anstossenden  Landern  leichter  und  wohlfeiler  mit  Hilfe  von  Liefe- 
i'anten  aufzubringen.  Er  trug  daher  noch  im  J.  1772  dem  galizischen  General- 
comraando  die  Abschliessung  von  Verträgen  mit  verlässlichen  Hiindlem  auf 

Auf  diese  Weise  sind  bis  Anfang  1774  529  Remonten  erworben  worden. 
Die  letzte  Lieferung  (des  Juden  Isaak  Hirschl)  kam  jedoch  mir  dadm*ch 
zustande,  dass  das  galizische  Öeneralcomnaando  ein  unter  einem  »geschickten« 
Oflicier,  dem  Oberlieutenant  Joseph  v.  Cavallar  vom  Chevauxlegersregimente 
Kaiser  Joseph  IL  (heute  Uhlanenregiment  Nr.  6),  stehendes  ^Commando«  mit 
15.000  fl.  i» Verlagsgeldern«  mitgab.  ^) 

Inzwischen  hatte  jedoch  Kaiser  Joseph  II.  den  Befehl  erlassen,  auch  die  in 
GaUzien  untergebrachten  zwei  Dragonerregimenter  (Darmstiult  und  Modena)  mit 
leichten  (Chevauxlegers- )Pferden  zu  versehen.  Dadiu'ch  war  das  Erfordernis  an 
Remonten  auf  ungeföhr  2000  Stück  gestiegen.  Eine  so  grosse  Anzahl  Pferde 
schien  dem  Hofkriegsrathe  nm*  mittelst  eines  Hauptlieferanten  rasch  und  wohl- 
feil aufbringbar.  Es  fand  sich  jedoch  niemand,  der  die  Mittel  hatte  oder  sich 
getraute,  eine  solche  Liefenmg  zu  übi»rnehmen.  Da  sciilug  das  galizische  General- 
commando  vor,  dass  das  Aerar  nach  dem  Beispiele  anderer  Mächte,  z.  \\,  Preussens, 
das  damals  durch  Husarenconunanden  in  Podolien  remontieren  Hess,  den  Ankauf 
der  abgängigen  Pferde  selbst  besorge,  und  l)ezeichnete    zugleich    den  Oberlieute- 


»)  «eil.  11.     «}  Beil.  1. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


36  Polek: 

iiant  Cavallar  als  den  Mann,  dem  wegen  seiner  besonderen  Geschicklichkeit 
sowie  wegen  seiner  Kenntnis  von  den  pferdereichen  Gegenden  das  Ankaufs- 
geschaft  übeiiragen  werden  könnte. 

Diesem  Vorschlage  stimmte  sowohl  der  Hofkriegsrath  als  auch  der 
Kaiser  zu.  ') 

Cavallar  gab  im  Jahre  1774  766,  im  Jahre  1775  871  Stuck  Remonten 
an  die  Regimenti»r  ab.  ^) 

Der  verhältnismässig  billige  Einkaufspreis  —  im  Jahi-e  1774  kam  eine 
Remonte  auf  56  fl.  l'^f^  kr.,  im  Jahre  1775  auf  55  fl.  llVg  kr.  zu  stehen, 
während  sonst  ein  Chevauxlegerspfeixi  19,  ein  Husarenpfei-d  15,  im  r>urch- 
schnitte  also  eine  Remonte  17  Ducatt»n  oder  71  fl.  58  kr.  kostete')  —  und  der 
noch  inmier  bedeuteride  Abgang  an  leichten  Pferden  —  das  galiz.  Generalcom- 
mando  beziiferte  ihn  njit  3490  Stück  —  bewogen  den  Kaiser  einen  »weiteren 
Remonteneinkauf«  und  zwai*  von  8000  Stück  und  darüber  unter  der  Leitmig 
des  inzwischen  zum  Rittmeister  ernannt(»n  Cavallar  zu  bewilligen.  '•) 

Diese  Remontieimng  nahm  fast  zwei  volle  Jahre  in  Anspruch  und  führte 
Cavallar  bis  in  die  am  Nordabhange  des  Kaukasus  gelegene  Kabarda,  *)  Es 
wm-den  im  J.  1776  2677  Pferde  (2619  Remonten  und  58  Gebrauchspferde),  im 
Jahre  1777  2911  Pferde  (2843  R.  und  68  G.),  im  Ganzen  also  5588  Pferde 
(5462  R.  und  126  G.)  angekauft,  wovon  man  im  J.  1776  2520,  im  J.  1777 
2425    Remonten  assentierte.  ^) 

Schon  im  Jahre  1775  hatten  viele  der  von  Cavallar  gekauft^en  Pfeixle  nicht 
das  vorgeschriebene  Mass.  Cavallar  hatte  sie  angenommen,  tlieils  weil  sie  jimg 
und  schön,  theils  weil  ohne  sie  die  grossen  Pferde  nicht  erhältlich  waren.  Dazu 
kam  noch  eine  erhebliche  Anzahl  von  dem  Einkaufe  des  Jahres  1776.  Auf 
Cavallai-'s  Rath  wurden  diese  Pferde  im  J.  1776  in  die  Bukowina  abgeschickt 
und  daselbst  mit  sehr  geringen  Kosten  unterhalten. ') 

Im  Ganzen  belief  sich  die  Zahl  der  im  J.  1776  in  der  Bukowina  imter- 
gebrachten  Pferde  auf  539  Stück.  Davon  befanden  sicli  ®) 

in  Sereth 132  Stuck 

>  Kuczunnare        .  .  .  .  .     107       ^ 

»  Jurkoutz  .  .  .  .  .       66       s^ 

*  Tereblestie  .  .  .  .  .       66       » 

*  Sadagöra  .  .  .  .  .  64  » 
»  Wolowetz  und  Suczawitza  .  .  .  54  » 
»  Fratautz              .          .          .          .  .       50       » 

Durch  den  Einkauf  des  Jahres  1777  wurde  nicht  nur  der  momentane  Ab- 
gang an  leichten  Pferden  vollständig  gedeckt,  sondern  es  blieben  auch  noch 
503  Stuck  (458  Remonten  und  45  Gebrauch si)ferde)  übrig.  *) 

Diese  überzähligen  Pferde  sollten  in  der  Bukowina  überwintern.  *In  Rück- 
sicht dessen«,  dass  Cavallar  »lUe  beste  Einsicht  und  Kenntnis^  hatte,  wie  dies 
»zum  Nutz(»n  des  Aerars  und    des  Dienstes«    gescheh(Mi    könnte,    trug    ihm   das 

>)  Beil.  I.  «)  Beil.  III  u.  LH.  ')  Beil.  IV.  -•)  Beil.  III.  »)  Beil.  VI  u.  XII.  •>  Beil. 
V.   u.  XII.     ^)  Beil.  VII.,  VUl.     8j  Beil.  X.     »)  Beil.  XI.  u.  XII. 


Digitized  by 


Google 


Ddb  AnfInqb  DBS  K.  K.  Staatsgestütbs  Radaotz.  37 

galiz.  Geiieralcommaudo  auf,  hierzu  aii  Ort  und  Stelle  unter  Mitwirkung  des 
Generals  Baron  v.  Spleny,  der  damals  die  Bukowina  verwaltete,  die  nöthigen 
Einrichtungen  zu  treffen.  ^) 

Cavallar  liess  sofort  —  es  war  Mitte  November  —  in  den  am  Flusse  Sereth 
gelegenen  Ortschaften  Czerepkoutz  und  Styrcze  je  einen  halbgedeckten 
Stall  (Okol)  erbauen  und  stellte  darin  die  Pferde  2u  fast  gleichen  Theilen  (in 
Czerepkoutz  229  R.  u.  23  G.,  in  Styrcze  229  R.  u.  22  G.)  auf.  Zur  Wartung 
der  Pferde  theilt<^  er  jedem  Stalle  1  Corporal,  1  Schnued,  16  Gemeine  und 
16  Bauemknechte,  ziu*  Aufeicht  1  Oberlieutenant  zu;  er  selbst  nahm  sein  Quar- 
tier in  dem  nahen  Stadtchen  Sereth.*) 

Sollte  der  Pferdestand  der  leichten  Reiterei  in  Galizien  complet  erhalten 
werden,  dann  durfte  das  Remontierungsgeschäft  weder  im  Jahre  1778  noch  in 
den  darauf  folgenden  Jahren  ruhen. 

Das  Generalcommando  bezifferte  in  seinem  Berichte  vom  31.  December 
1777  den  jährlichen  Abgang  mit  1500  Stück.  Davon,  meinte  es,  Hessen  sich 
zwei  Drittheile  in  Oesterreich  und  der  angrenzenden  Moldau  aufbringen,  die 
übrigen  aber  konnte  man  in  Russland  und  zwar  in  der  Weise  beschaffen,  dass 
man  ein  ftir  allemal  einen  Freipass  für  ein  paar  hundert  Stück  erwirkte  und, 
da  sich  die  Handelsleute  wegen  des  bestehenden  Ausfuhrverbotes  zu  keiner  con- 
tractlichen  Lieferung  verstunden,  im  Herbste  oder  Winter  500  bis  600  »auser- 
lesene* Stück  bestellte,  die  im  Fruhlinge  durch  einen  Officier  mit  Hilfe  von  tar- 
tarischen  Knechten  oder  Commandierten  über  die  Grenze  zu  befordern  wären.  So 
wurde  es,  besonders  wenn  es  möglich  wäre,  die  dreijährigen  Pferde,  die  immer  unter 
anderen  angenommen  werden  müssten,  durch  ein  Jahr  im  Temeser  Banat  und 
in  der  Bukowina  ^ohne  besondei*en  Aufwand  zu  halten  und  zu  pflegen^,  ein 
Leichtes  sein,  das  jährliche  Remontenerfoixleniis  zu  decken.  ^) 

Kaiser  Joseph  war  nicht  abgeneigt,  diesen  Vorschlag  zu  genehmigen;  er 
hielt  es  jedoch  für  nöthig,  darüber  vorher  den  Rittmeister  Cavallar  »mündHch 
zu  vernehmen*.  *) 

Während  seiner  Anwesenheit  im  Mäi*z  1778  in  Wien  arbeitete  Cavallar 
einen  Plan  für  die  weitere  Remontierung  aus.  Darin  empfahl  er  zum  Ankaufe 
sowie  zur  Wartung  der  Remonten  die  Zusammensetzung  eines  besondeivn  Per- 
scmales,  das  nicht  wie  bisher  jährlich  wechseln,  sondern,  wenngleich  aus  verschie- 
denen Regimentern  ausgewählt,  beständig  beisammen  bleiben  und  bei  einem 
jährlichen  Erfordernisse  von  1300  bis  1400  P*fenlen  aus  1  Commandanten, 
3  Ober-  und  3  ünterlieutenanten,  3  Wachtmeistern,  3  Fourieren,  3  Feldscheren), 
3  Schmieden,  3  Sattlern,  24  Coq^oralen  und  360  Gemeinen  bestehen  sollte.  Für 
den  Anfang  hätten  alle  Individuen  ihre  Montur  vom  Regimente,  dem  sie  bis 
dahin  angehörten,  mitzubringen,  später  seien  sie  gleichmässig  zu  montieren.  Zur 
Verpflegung  des  Personales  hielt  der  Rittmeisttn*  im  Quartier,  d.  i.  bei  der  W^ar- 
tung  der  Pfeitle,  den  »Cavalleristeiigehalt*,  l>ei  auswärtigen  Diensten  auch  noch 
eine  Zulage  für  dringend  nöthig;  in  Hinsicht  auf  die  Verpflegung  der  Pferde 
aber  uberliess  er  es  der  hohen  Behörde,  zu  entscheiden,  ob  das  Futter  von  den 


>j  Beil.  XIII.     «)  Beil.  XI,  XII.  II.  XIII.     »)  Beil.  XIII.     *)  Beil.  XIV. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


38  Polbk: 

k.  k.  Magazinen  geliefert  oder  von  dem  Remontierungspersonale  selbst  gekauft 
werden  sollte,  und  bemerkte  nur,  dass  es  am  wiilsehaftlichsten  wäre,  sämmt- 
liche  Pferde  in  Podolien,  Pokutien  und  in  der  Bukowina  aufeustellen,  weil  in 
diesen  Ländern  »gute,  mehrere  und  wohlfeilere  Fom*age<  zu  finden  sei.  ') 

Dem  Hofkriegsrathe  schien  dieser  Vorschlag  beacVtenswert.  Er  würde, 
berichtete  er  am  28.  März  dem  Kaiser,  »das  Gute«  mit  sich  bringen,  dass 
die  Remonten  vor  der  Abgabe  an  die  Regimenter  gereinigt  und  etwas  zugeritten, 
somit  gleich  bei  der  Assentierung  in  Gebrauch  genommen  werden  könnten. '') 

Joseph  II.  entschied,  dass  Cavallar,  nachdem  ihm  bekannt  gegeben  worden, 
wie  viel  Remonten  beiläufig  erforderlich  seien,  um  5  Chevauxlegers-  und  7  Hu- 
sarenregimenter besUindig  in  completem  Stande  zu  erhalten,  unverzüglich  nach 
Galizien  zurückkehre,  sich  daselbst  jede  Gelegenheit  zum  Einkaufe  von 
Pferden  zunutze  mache  und  berichte,  wo  und  wie  viel  Pferde  er  alljährlich  auf- 
zubringen imstande  sei ;  übrigens  habe  er  für  die  Zukunft  dortlaudes  aus- 
schliesslich und  allein  den  Ankauf  der  Dienstpferde  zu  besorgen.  ^) 

Diese  kaiserliche  Entsciiliessung  dürfte  auch  noch  durch  den  Umstand  beein- 
flusst  worden  sein,  dass  bei  dem  letzten  Cavallar'schen  Einkauf  (in  den  Jahren 
1776  und  1777)  für  das  Aerar  ein  Ersparnis  von  91.304  fl.  4778  kr.  eraielt  wor- 
den war.  *) 

Cavallar  erstattete*  noch  vor  seiner  Abreise  von  Wien,  am  3.  April,  den 
abverlangten  Bericht.  Er  erkläitc^  dass  er,  falls  er  in  Russland  nicht  remon- 
tieren dürfe,  auf  GaliziiMi,  Polen  und  die  Moldau  angewiesen  sei.  In  letztere« 
Lande  hätten  die  Armenier  von  Tismenice  und  Stanislau  (in  Galizien)  einige 
Gestüte,  was  ihnen  die  Herbeiziehung  anderer  Pferde  ermögliche.  Es  seien  idso 
inmierhin  viele  Remonten  aufzubringen ;  doch  lasse  sich  ihre  Zahl  —  der  Hof- 
kriegsrath  hatte  ihm  am  30.  Mäi-z  das  jährliche  Erfordernis  mit  1610  Stück 
(560  für  die  Chevauxlegers-  und  1050  für  die  Husaren regimenter)  beziffert  *)  — 
im  voraus  nicht  bestimmen.  Schliesslich  bat  er  um  Ergänzung  des  ihm  bereits 
unter-stellten  Personals  und  um  dessen  Ausstattung  njit  den  nöthigen  Requi- 
siten. *) 

Aber  Cavallar  wartete  vergebens  auf  eine  endgiltige  Entscheidung;  daher 
suchte  er  am  11.  Juni  geradezu  um  die  Bestätigung  seines  »Planes«  an. 

Damals  machten  588  Remonten  und  75  Gebrauchspfei-de  den  eff*ectiven 
Pferdestand  in  der  Bukowina  aus.  Die  VV^m-tung  dieser  Pferde  wurtle  von  116 
Gemeinen  (zumeist  vom  2.  tjarnisonsn^gimente)  besorgt,  so  dass  ein  Mann  6 
Pferde  zu  lK»dienen  hatte.  Die  Aufsicht  lag  2  OberlieuÜMuinten  und  10  Corpo- 
ralen  ob.  Mit  Recht  drang  daher  der  Rittmeistei*  auf  die  Vermehrung  des  Re- 
montierungspersonals.  ^) 

Doch  erst  Mitte  Juli  kam  die  Angelegenheit  in  Fluss.  Es  ist  bekannt, 
dass  damals  des  Wittelsbachischen  Erbes  wegen  ein  Krieg  mit  Pi-eussen  drohte. 
Schon    standen    die    beiderseitigen    Armeen,    von    Joseph  II.  und    PViedrich   II 


')  Beil.  XV.     »)  Beü.  XVI.     »)  Ebenda.     *)  Bnil.  XVII.     «)  Beil.  XVIII.     •)  Beil   XIX. 
^;  Beil.  XX. 


Digitized  by 


Google 


DiK  Anfänge  de»  k.  k.  Staatsgestütbs  Radautz.  39 

gefuhrt,  einander  gegenüber.  Joseph  II.  sah  den  Ereignissen  mit  geringer  Zu- 
versicht entgegen.  Diese  wuchs  ei'st,  als  er  wahrnahm,  dass  auch  in  dem  preussi- 
schen  Heere  nicht  alles  so  wohlbestellt  sei,  als  er  glaubte.  Am  13.  Juli  bat  er 
die  Kaiserin  um  Ven'ollständigmig  seiner  Truppen,  um  Pferde,  Waffen  und  Ge- 
schütze. *)  An  demselben  Tage  trug  er  dem  General  der  Cavallerie  Grafen  C  a- 
r  a  m  e  1 1  i ,  der  während  des  Feldzeugmeistei's  Grafen  H  a  d  i  k  Abwesenheit  beim 
Heere  im  Hofkriegsrathe  den  Vorsitz  führte,  auf,  dass  allen  Hindernissen,  die 
dem  Remontierungsgeschäfte  des  Rittmeisters  Cavallar,  woran  ihm  »sehr  viel  ge- 
legen <f  sei,  entgegenstünden,  »vorgebogen  und  obbemeldtem  Cavallar  zu  noch  stär- 
kerer Betreibung  dieses  dennalen  so  wichtigen  Geschäfts  alle  Unterstützung  ver- 
schaffet werde«.  ^) 

Unter  solchen  Umständen  konnte  ein  Antrag  auf  Errichtung  eines  eigenen, 
dem  Rittmeister  Cavallar  zu  unterstellenden  Remontierungscommandos  auf  keine 
Schwierigkeiten  stossen.  Und  dieser  Antrag  wurde  vom  Hofkriegsrathe  mittelst 
Vortrages  vom  14.  JuH  dem  Kaiser  unterbreitet  und  sofort  genehmigt.  *) 

Diese  Allerhöchste  Enischliessung  machte  der  Hofkriegsrath  dem  galiz. 
G^ueralcommando  am  22.  Juli  mit  dem  Bemerken  kund,  dass  die  zu  dem  Re- 
montienmgscommando  bestimmten  Individuen  nicht,  wie  es  Cavallar  am  11.  Juni 
vorgeschlagen  hatte,  bei  ihren  Regimentern  völlig  in  Abgang  zu  bringen  seien, 
sondern  in  deren  Stand  weiter  zu  verbleiben  hätten.  *) 

Cavallar,  der  nunmehr  in  K  o  t  z  m  a  n  seinen  Wohnsitz  nahm,  erhielt  noch 
im  Juli  und  August  1778  einen  Theil  des  von  ihm  verlangten  Pei-sonals 
sowie  der  nöthigsten  Requisiten  zugewiesen.  Auch  wurden  auf  General  Baron 
E  n  z  e  n  b  e  r  g's  Befehl  in  der  Bukowina  4  neue  Stallmigen,  nämlich  2  in  Wasz- 
koutz,  1  in  Sadagöra  und  1  in  Styrcze,  dann  2  Quasikasei'nen,  1  in  Waszkoutz 
und  1  in  Styrcze,  und  in  letzterem  Orte  auch  noch  1  Officiersquartier  erbaut.  ^) 
Dass  unter  solchen  Umstanden  der  Einkauf  und  die  Abgabe  der  Remonten  nicht 
stockte,  ist  selbstverständlich.  *) 

lui  Jänner  1779  bestand  das  Remontierungscommando  aus  1  Commandanten, 
2  Rittmeisteni,  1  Oberlieutenant,  2  Fourieren,  8  Schmieden,  26  Corporalen,  309 
Gemeinen  und  40  bäuerlichen  Knechten,  zusammen  also  aus  384  Köpfen.  Die 
Zahl  der  Pferde  belief  sich  damals  auf  648  Stück,  wovon  512  Remonten  mid 
136  Gebrauchspferde  waren.  '^) 

Die  Vertheilung  des  Personals  und  der  Pferde  auf  die  einzelnen  Stationeji 
ist  aus  der  folgenden  Tabelle  zu  einsehen : 


»)  Arneth,  Geschichte  Mari«  ThereBiJi^s,  Hd.  X.,  S.  450.  «)  Beil.  XXl.  *)  Beil.  XXII. 
*)  BeiL  XXIII.  *)  Btil.  XXIX  u.  XXXIX.  ^)  Siehe  Beil.  XXIX  u.  LH.  ^)  Beil.  XXVII  u. 
XXVIII. 


Digitized  by 


Google 


40 


POLBK: 


Officiere 

Mannschaft 

Knechte       | 

Pferde 

l 

a 
'S 

9> 

'S 

o 

Stationen 

1 

i 

p2 

1 
1 

■g 

t 

1 
B 
S 

•«3 

1 

1 

o 

»4 

1 

2 
1 

1 

1 

'S 

1 

1 

Kotzman 
Kuczurroare     . 
Lask6wka 
Rohozna 
Sadagöra 
Sereth      . 
Styrcze    . 
Szubranetz 
Walawa  . 
Waszkoutz  a.  Cz. 
Zadobr6wka     . 

1 
1 

1 

1 

2 

1 
1 

1 

5 
2 
2 
2 
5 
1 
2 
2 
2 
2 
1 

43 
26 
28 
27 
49 
17 
20 
22 
25 
39 
13 

1 

1 

6 

3 

20 
3 

7 

33 
26 
38 
51 

82 

39 

29 
75 

28 
28 
66 
17 

10 
7 
11 
14 
26 

11 

8 
8 

8 

8 

20 

5 

3 

4 
5 
4 
4 

2 

1 

5 
5 
2 
2 

1 

Zusanimer 

. 

3 

1 

2 

3 

26 

309 

1 

t 

38 

512 

136 

37 

1 

Die  Vervollständigung  des  Conimandos  sollte  jedoch  nicht  so  bald  eifolgen. 
Im  Gegentheile,  es  droht*^  ihm  sogar  die  Gefahr  der  Auflassung. 

Mit  Rücksicht  auf  den  Umstand,  dass  die  Pferdelieferanten  beim  Beginne 
des  bairischen  Erbfolgekrieges  mit  der  Remontenabgabe  im  Rückstand  ))lieben, 
hatte  der  Hofkriegsrath  am  16.  Juli  1778  durch  das  galizische  Generalcommando 
von  Cavallar  die  Aeusserung  abverlanget,  ob  er,  falls  ihm  auch  in  Ungarn  und 
Siebenbürgen  zu  remontieren  gestattet  würde,  in  Kriegszeiten  900  Chevauxlegers- 
und  1000  Husaren-,  in  Friedenzeiten  620  Chevauxlegers-  imd  1B80  Husaren- 
pferde von  fünQährigem  Alter  zu  verechaffen  sich  getraue.  *) 

Darauf  erwiderte  Cavallar  am  29.  Jänner  1779,  dass  er  bis  zum  Frühjahr 
1300  bis  1400  Pferde  beisammen  zu  haben  hoffe  und  daher  der  Ergänzung 
seines  Commandos  entgegensehe.  Sollte  er  auch  in  Siebenbürgen  reniontieren 
dürfen,  so  könne  man  auf  1800  bis  2000  Pferde  sicher  rechnen.  In  diesem  Falle 
wunle  jedoch  die  Verstärkung  seines  Commandos  bis  auf  549  Köpfe  und  zu 
dessen  Veq)flegung  die  damals  beim  Fuhrwesen  gebräuchliche  doi)pelte  Lohnung 
nöthig  sein.  ^) 

Dieser  Bericht  fand  in  Wien  eine  gänzlich  geänderte  Situation  vor.  Es 
waren  nämlich  in  Ungarn  mid  Siebenbürgen  nicht  nur  die  in  Aussicht  gestellten 


1)  Beil.  XXX.     «)  Beil.  XXIX. 


Digitized  by 


Google 


Die  Akfäkob  des  k.  k.  Staatsgestütbs  Radautz.  41 

Remont^n  noch  rechtzeitig  während  des  Krieges  geliefert  worden,  sondern  die 
liefenmten  erboten  sich  eben  jetzt,  mehrere  Tausend  im  Jahre  1779  beizu- 
stellen. ')  Zudem  waren  die  Friedensverhandlungen  eingeleitet  und  in  kurzem 
die  Beendigung  des  Krieges  zu  erwarten. ') 

Der  Hofkriegsratli  schlug  daher  in  seinem  Vortrage  vom  15.  April  die 
Fortsetzung  der  Remontierung  fdr  die  Friedenszeit  in  der  bisherigen  Weise  vor. 
Demnach  sollti^  Cavallai'  nur  den  jährlichen  galizischen  Bedarf  von  ca.  800  Pferden 
mittels  eines  schwächeren  Commandos  aus  der  Moldau,  Polen  und  Galizien 
decken.  Für  den  Fall  aber,  dass  er  die  Bewilligung  zum  Ankaufe  des  ganzen 
Abganges,  also  von  1800  Remonüni,  erhi(4te,  empfahl  der  Hofkiiegsrath,  die 
Kostrn  des  Commandos  dadurch  zu  vermindern,  dass  in  jedem  Chevauxlegers- 
und  Husarenregimentc;  eine  mit  dem  Stande  des  Remontienuigscommandos  proportio- 
tionierte  Zahl  von  Ofticiers-  und  Unterofficiersstellen  offen  bliebe  und  die  Mann- 
schaft grösst(mtheils  dem  zweiten  Garnisonsregimente  entnommen  würde.  *) 

Joseph  II.  zögerte  diesmal  mit  seiner  Resolution.  Er  wollte  vorher  in  die 
Kostt*nUl>erschläge  für  die  einzelnen  Projecte  Einsicht  nehmen.  *) 

Diese  Kosten  Ubei-schläge  fielen  nicht  zu  Gunsten  des  Remontierungscom- 
mandos  aus;  denn  darnach  würden  die  Cavallar'schen  Rcmonten  künftighin  in 
Friedenszeiten  weit  mehr  als  die  während  des  Krieges  in  Ungarn  und  Sieben- 
bürgen im  Liefemngswege  erworbenen  gekostet  haben.  ^)  Dass  die  Cavallar'schen 
Reraont(*n  zur  Zeit  ihrer  Eintheilung  in  die  Regimenter  bereits  gereinigt,  an  hartes 
Fatt<»r  gewöhnt,  etwas  zugeritten,  kurz  dienstfiihiger  waien,  darauf  nahm  der  Hof- 
kriegsratli in  seinem  Vortrage  vom  15.  Mai  keine  Rücksicht  Kein  Wunder  also, 
da«s  der  Kaiser  »den  Vorschlag  zu  einem  eigenen  Remontieiningscommando« 
nicht  mehr  billigte.  ^  Infolge  dieser  Allerhöchsten  Entschliessung  trug  der  Hof- 
kriegsrath  dem  gaJiz.  Generalcommando  die  Einstellung  des  Pferdeankaufes  bis 
auf  weiteres  auf.  ') 

Euie  andere  Gefahr  drohte  dem  Cavallar'schen  Remontieiningscommando 
von  Seite  der  Bukowiner  Districtsverwaltung.  In  seinem  Eifer  für  das  Wohl  der 
ihm  unterstehenden  Provinz  stellte  General  Karl  Freiherr  v.  E  n  z  e  n  b  e  r  g  unter 
gleichzeitiger  Henorhebung  der  hohen  Verdienste  Cavallar's  dessen  Commando 
nicht  nur  als  eine  die  Bukowiner  Bevölkeiiing  schwer  druckende  Anstalt,  sondern 
auch  ^Is  ein  grosses  llindeniis  der  dem  I^mde  nützlichen  Ansiedelung  hin  und 
sprach  auch  wiederholt  die  Meinung  aus,  dass  die  Bukowina  durchaus  keinen 
rel>erfluss  lui  Heuwiesen  und  Weiden  habe.  ®) 

Diesen  Angriffen  suchte  Cavallar  dadurch  zu  begegnen,  dass  er  auf  die 
geringe  Inanspruchnahme  der  Bevölkenmg  bei  der  Erbauung,  bezw.  Ausbesse- 
nmg  der  Stallungen  sowie  auf  seine  bedeutenden  Heuvonüthe  hinwies  und  der 
damab'gen  Zuwanderung  aus  Galizien  jeden   Wert  absprach.  ®) 

Trotzdem  wurde  Cavallar  die  seinem  Conunando  drohende  Gefahr  niclit 
abgewendet  haben,  wenn  ihm  nicht  von  anderer  Seite  Hilfe  gekommen  wäre.  Es 
stellte  sich  nämlich    heraus,    dass    die    ungarischen    und    siebenbüigischen  Regi- 


»)  Beil.  XXXI.  «)  Arneth,  a.  a.  O.  «.  582  ff.  ^)  Beil.  XXXI.  *)  Beil.  XXXI.  *)  Beil. 
XXXII-XXXV.  «)  Beil.  XXXVI.  ^)  Beil.  XXXVII.  ^)  Beil.  XXXVIII  und  XLIL  »)  Beil. 
XXXIX. 


Digitized  by 


Googh 


42  Polek: 

menter  nicht  imstande  waren,  die  ihnen  nothigen  Reiuonten  durch  eigenen  An- 
kauf aufzubringen.  Daher  genehmigte  Kaiser  Joseph  II.  fiber  X'ortrag  des  Hof- 
kriegsrathes  vom  14.  October  1780  und  29.  Jänner  1781  für  Ungarn  und  Sieben- 
bürgen die  Errichtung  von  3  aus  Chevauxlegers-  und  HusarenoflScieren  beste- 
henden Remontierungscommanden  (2  für  Ungarn  und  1  für  Siebenbürgen)  und 
ordnete  in  Betreff*  Oaliziens  an,  dass  es  daselbst  »einstweilen«  bei  der  bisherigen 
Beschaffung  der  leicliten  Remonten  »unter  der  Aufsicht  des  Rittmeisters  Cavallar^ 
verbleibe;  sobald  aber  »die  Umstände  in  der  Bukowina  die  Verpflegung  der 
Remonten  daselbst  nicht  mehr  zuliessen«,  sei  auch  in  Gahzien  ein  gemischtes 
Commando  zu  errichten  und  die  Aufsicht  darüber  dem  Rittmeister  Cavallar,  der 
»ohnehin  die  dortigen  Gegenden,  Märkte  und  übrigen  Umstände  bcit  langer  Zeit 
her  am  besten  kennen  müsse«,  zu  übertragen.  *) 

Da  es  nicht  sicher  war,  ob  die  in  Ungarn  und  Siebenbürgen  angekauften 
Remonten  die  für  die  leichten  Carabiniersescadronen  erforderliche  Qualität  be- 
sitzen würden,  setzte  der  Hofkriegsrath  den  bei  Cavallar  beständig  zu  haltenden 
Remontenvorrath  unter  Annahme  eines  zehnpercentigen  Abganges  auf  400  Olie- 
vauxlegers-  uiÄ  690  Husarenpferde  fest  *) 

Demgemäss  schlug  das  Generalcommando  im  Einvernehmen  mit  Ca- 
vallar die  Zusammensetzung  des  Rcmontienmgscommandos  aus  246  Köpfen 
(grösstentheils  vom  2.  Garnisonsregimentc-)  und  182  Gebrauchspferden  vor.  Zur 
Unterbringung  der  Pferde  erklärte  es  (he  Erbauung  je  eines  Okols  für  300  Pferde 
zu  Bajaschesti,  Bojan  und  Fratautz  sowie  eines  Stalles  für  100  Pferde  nebst 
einer  Commandantenswohnung  zu  W  a  s  z  k  o  u  t  z  für  dringend  nöthig,  wobei  es 
bemerkte,  dass  in  der  Bukowina  »ausser  einem  besonderen  Misswachs«  kein 
Futtermangel  zu  besorgen  sei.  ') 

Sowohl  die  bedeutende  Verminderung  der  Kosten,  welche  die  Heranziehung 
des  Gamisonsregimentes  zum  Zwecke  der  Remontierung  zur  Folge  hatte,  *)  als 
auch  die  Versicherung  des  Generalcommandos,  dass  es  in  der  Bukowina  nie  an 
Futter  für  die  Remonten  mangeln  werde,  veraidassten  den  Hofkriegsrath,  das 
Cavallar'sche  Commando  »für  ein  beständiges  Commando«  anzusehen  und  ui 
seinem  Vortrage  vom  31.  October  1781  dessen  ordentliche  Regidierung  als  ebenso 
»nützlich  als  nothwendig«  hinzustellen.  Kaiser  Joseph  genehmigte  sofort  den  Vor- 
schlag und  eniannte  unter  einem  den  Rittmeister  Cavallar  »wegen  seiner  bereits 
geleisteten  Dienste  und  zu  noch  iuehrerer  Aneiferung«  zum  Major  »mit  der 
ganzen  Gage«.  *) 

Die  rasche  Vermehrung  des  Pferdestandes  durch  den  Kauf  sowohl  als 
auch  diu'ch  die  mit  den  erkauften  Remonten  überkommenen  und  von  diesen 
selbst  in  den  Depots  geworfenen  Fohlen  bewogen  den  Hofkriegsrath  im  J.  1792 
nebst  der  Herrschaft  Waszkoutz  die  dem  Bukowiner  gr.-or.  Rehgionsfonds  gehörende 
Domäne  Fratautz  (auch  Radautz  genannt)  in  Bestand  zu  nehmen  und  das 
Cavallar'sche  Remontienmgscommando  zu  einem  »Bukowiner  Beschäl-,  Gk^tüts- 
und  Remontierungsdepartement«  zu  erheben. 


»)  Beil.  XLIII,  XLIV,  XLVI.  «;  Beil.  XLVU.  »)  Beil.  XLVIII.  *)  Beil  XLIX.  »)  BeiL  L. 

/Google 


Digitized  by " 


Die  Anfänge  des  k   k.  StAATsaBSTüTES  Radautz  43 

Dieses  Departement  hatte  auch  für  die  Verbesserung  und  Verbreitung  der 
Pferdezucht  in  der  Bukowina  und  in  Gahzien  zu  sorgen.  Deshalb  wurden  von 
nun  an  auch  Vaterpfenle  von  guter  Race  herbeigeschaffi  und  die  besten  Stuten 
aus  den  in  den  Depots  befindHchen  Renionten  sowohl  fiir  das  eigene  Gestüt  als 
auch  für  den  änneren  Landinann  (fiir  letzteren  gegen  Verbindlichkeitsrevers)  aus- 
gewählt. 

Im  Jahre  1812  wurde  der  Sitz  des  Departements  von  Waszkoutz  nach 
Radautz  verlegt.  In  demselben  Jahre  trat  Cavallar  {damals  bereits  in  den 
Preihemistand  erhoben)  als  Feldmarschallieutenaut  in  den  wohlverdienten  Ruhe- 
stand. ^) 


^)  Beil.    LH.  Vgl.  A  8  b  6  t  h )  Kellgionsfondsberfdchaft  Radautat)  HMg.  v.  J.  Poiek,   Czer^ 
ttowitz  1891,  S.    17  ff. 


Digitized  by 


Google 


44  Polek: 


Beilage  n/) 


Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  Sect.  1774—98—197.)  Wienn,  24.   Marx  1774. 

Von  der  Zeit  an,  wo  Euer  Majestät  Truppen  in  Fehlen  vorgerucket  Bind  und  ^on  Gallizieo 
und  Lodomerien  Besitz  genommen  hatten,  mnchte  der  Hofkriegsrath  sich  die  Rechnung,  daM 
die  darunter  befindliche  Chevauxlegers-  und  Husarenregimenter  ihren  Abgang  an  Pferden  aus 
dem  Lande  selbst  und  den  umliegenden  Provinzen  mit  kürzerer  Hand  und  im  wohlfeileren 
Preise  leichtlich  würden  erholen  können.  Man  trug  also  dem  dortlandes  bestellten  Generalcom- 
mando  bereits  im  Jahr  1772  auf,  sich  um  tüchtige  Lieferanten  umzusehen  und  über  eine  dem 
gesammten  Abgang  angemessene  Anzahl  Kemonten  zu  oontrahieren. 

Unter  denjenigen,  so  sich  lim  die  Lieferung  meldeten,  war  ein  Jude  Namens  Isaak 
Hirschl  der  einzige,  welcher  annehmliche  Hedingnisse  eingieng,  mithin  das  Chevauxlegerspferd 
zu  18  und  das  Husarenremonta  zu  14  Ducaten,  folglic'i  um  2  und  respective  3  Ducaten  wohl- 
feiler, als  man  sie  von  anderwärtsher  überkommet,  bis  auf  den  Assentaplatz  und  z^-ar  ohne 
Anticipation  zu  liefern  accordierte. 

Da  man  mit  der  ersten  Lieferung  dieses  Juden,  welche  er  im  Anfang  vorigen  Jahres  mit 
181  Stück  bewerkstelligte,  in  Ansehung  der  Qualität  zufrieden  zu  sein  Ursache  hatte,  inzw^iscben 
aber  die  2  Dragonerregimenter  in  Gallizien  Modena  und  Darmstatt  auf  den  Ohevaux'egersfn« 
zu  setzen  der  Antrag  gefasset  wurde,  wodurch  die  Zahl  der  erforderlichen  Kemonten  nunmehr 
bis  gegen  2000  Stück  anwuchs,  so  wünschte  man  die  Lieferung  zu  verstärken,  und  obschon  sich 
um  diese  Zeit  ein  zweiter  Lieferant,  nämlich  der  Jud  Daniel  Mannheimer,  in  einem  gleichen 
Contract  auf  200  Stück  Kemonten  eingelassen  hatte,  wurde  aus  der  nicht  ungegründeten  Bei- 
.sorge,  es  möchte,  wenn  mehrere  Particularlieferanten  angenommen  würden,  einer  dem  andern 
den  Handel  im  Einkauf  verderben,  mithin  die  Liefernng  noch  langsamer  werden,  dem  General- 
commando  von  hieraus  aufgetragen,  sich  vielmehr  um  einen  tüchtigen  Hauptlieferanten  zu  be> 
werben,  und  weil  der  Hofkriegsrath  den  allerhöchsten  Dienst,  mithin  die  Ergänzung  der  Regi- 
menter, deren  Stand  von  einer  Musterung  zur  anderen  sich  sonst  immer  mehr  geschwacbet 
haben  würde,  allen  anderen  Betrachtungen  vorziehen  zu  müssen  glaubte,  so  gab  man  ihme 
Generalcommando  mit,  sich  an  den  wohlfeileren  Preis  eben  nicht  zu  binden,  sondern  nur  auf 
die  Beförderung  und  auf  die  Güte  der  Kemonten  das  hauptsächliche  Augenmerk  zu  richten. 

Nach  Äusserung  des  Generalcommando  sind  jedoch  bis  hieher  alle  Versuche,  um  durch 
Lieferanten  zu  der  benöthigten  Anzahl  Kemonten  zu  gelangen,  unkräftig  geblieben,  theih  weil 
es  an  Leuten  fehlet,  die  eine  solche  Lieferung  entreprennieren  können,  und  jene,  die  es  könnten, 


*)  Bis  auf  die  eigenhändig  geschriebenen  Allerhöchsten  EntSchliessungen  in  Nr.  I  u.  V  und  die 
Allerhöchsten  Handschreiben  Nr.  XXI  und  XLIV,  dann  die  eigenhändigen  Schreiben  Enzen- 
berg*s  Nr.  XXIV  und  Cavallar*s  VII  und  XXXIX  gebe  ich  alle  Urkunden  mit  moderner  Recht- 
schreibung wieder.  Nur  bei  Eigennamen  habe  ich  durchwegs  die  ursprüngliche  Schreibung  bei- 
behalten. 

Für  die  in  zuvorkommendster  Weise  erfolgte  Zusendung  der  Originale  —  sie  ruhen  bis 
auf  eines  (Nr.  LH),  das  sich  bei  der  k.  k.  Kadautzer  Gestütsdirection  befindet,  in  dem  k.  n.  k. 
Keichskriegsarchive  in  Wien  —  sage  ich  an  dieser  Stelle  sowohl  dem  Director  des  k.  u.  k. 
KeichskriegsarchivB  Herrn  Generalmajor  Leander  Rittir  v.  Wetz  er  als  auch  dem  Director 
•^es  k    k.  Staatsgestütes  Kadautz  Herrn  Oberstlieutenant  Maximilian  N  a  s  k  e  den  wärmsten  Dank. 


Digitized  by 


Google 


DiK   ÄNFÄXaB   DES   K.   K.    STAATSGESTtTES    RaDAUTZ.  45 

unbillige  Bedingnisse  forderen,  theils  weil  das  Land  selbst  und  die  benachbarte  Gegenden  «hucb 
die  furgeweste  Unruhen  von  cavalleriemässigen  Pferden  entblösset  worden  und  dagjeaAgt,  wmt 
sich  vorfindet,  für  Remonten  entweder  eu  klein,  zu  alt  oder  zu  jung  iai, 

Dpf  Jud  Hirschl  hat  zwar  bis  nunzu  drei  und  Mannheimer  erpt  eine  Lieferung  gemacht, 
beede  jedoch  haben  in  allem  nicht  mehr  dann  529  Stück  Remonten  zusammengebracht,  wovon 
die  zwei  Regimenter  Modena  und  Darmstatt  lediglich  52  Stück  Chevauxlegerspferde  haben 
überkommen  können,  und  Hirschl  würde  mit  der  letzten  Lieferung  gar  in  das  Stocken  gerathen 
sein,  wenn  nicht  das  Generalcommando  demselben  einen  ^schickten  Officier,  nämlich  den 
Oberlientenant  Cavallar  von  Euer  Majestät  allerhöchsten  Namen  führenden  Chevauxlegersregi- 
ment,  nebst  einem  Schmied  und  einigen  Commandierten  auf  Kosten  des  Lieferanten  in  die  Moldau 
beigegeben  und  diesem  Commando  aus  der  Kriegscassa  15.000  fl.  Verlagsgelder  zum  Einkauf 
erfolget  hätte,  womittels  dann  der  Lieferant  und  hauptsächlich  durch  die  Bemühung  des  be- 
nannten Oberlientenants  eine  Anzahl  von  226  Stück  theils  Chevauxlegers-,  theils  Husarenre- 
monten  aufzubringen  imstande  gewesen  ist. 

Da  nun  die  Erfahrung  zeiget,  dass  die  Contrahierung  mit  Lieferanten  in  Gallizien  der 
Weg  nicht  sei,  mit  Remonten  in  ergiebiger  Anzahl  aufzukommen  und  unter  anderen  die  ober- 
wähnten 2  Regi munter  Modena  und  Darmstatt  mit  Pferden  vom  Chervauxlegersschlag,  woran 
über  obige  52  allein  noch  146G  Stück  abgehen,  beritten  zu  machen,  damit  selbe  ihre  dermalige 
Pferde  an  die  Dragonerregimenter,  denen  solche  sehr  gut  zustatten  kommen  werden,  abgeben 
können,  so  hat  mehrberührtes  Generalcommando  den  zur  allerguädigsten  Einsicht  in  original! 
anverwahrten  Vorschlag  an  den  Hofkriegsrath  gelangen  lassen,  worin  dasselbe  auf  den  selbst- 
eigenen Ankauf  nach  dem  Beispiel  anderer  Mächte,  sowie  derzeit  wirklich  preussische  liusaren- 
coromandi  in  Podolien  remontieren,  umsomehr  antraget,  als  selbes  eben  den  Oberlieutenant 
Cavallar  wegen  seiner  besonderen  Geschicklichkeit  und  weil  er  bei  seiner  letzthinigen  Reise 
diejenigen  Gegenden,  wo  noch  gute  Pferde  anzutreffen  sind,  auszuforschen  sich  bemühet  hat, 
für  den  Mann  hält,  der  dieses  Ankaufsgeschäft  auf  Rechnung  des  Aerarii  mit  Nutzen  besorgen 
konnte. 

Das  Generalcommando  gedächte  also  erholten  Oberlieutenant  mit  einem  dem  vorhaben- 
den Einkauf  angemessenen  Geldverlag  in  die  Tartarei  abzusenden,  demselben  noch  ein  paar 
andere  pferdverständige  Officiers,  dann  einen  erfahrnen  Schmied  und  die  erforderliche  Com- 
mandierte  beizugeben,  annebst  auch  den  Juden  Hirschl  nicht  zwar  als  Lieferanten,  sondern  nur 
als  Mäkler  oder  Unterhändler  gegen  einer  täglichen  oder  von  jedem  erkauft  werdenden  Stück 
ihme  abenreichenden  Belohnung  mitzuschicken,  wo  sodann  der  einkaufende  Oberlientenant  Ca- 
vallar jedes  Remonta  in  dem  wahren  Ankaufspreis  dem  Aerario  zu  verrechnen  hätte. 

Nach  dem  letzteren  Versuche  ist  das  theuerstc  Remonta  auf  BO  Rubeln  oder  52  fl. 
30  kr.  Rh.  auf  der  Stelle,  dann  mit  Einbegriff  der  übrigen  Unkosten  gleichwohlen  nicht 
b9her  als  der  mit  denen  Juden  Hirschl  und  Mannheimer  angestossene  Contract  zu  stehen  ge- 
kommen, woraus  das  Generalcommando  den  Schluss  machet,  dass  wenn  auch  alle  übrigen  Un- 
kosten mit  Einbegriif  der  Diäeten  und  Zulage  für  die  Commandierte  zu  sothanem  Preise  deren 
30  Rubeln  geschlagen  würden,  dennoch  eine  Wirtschaft  pro  aerario  und  fUmehmlich  die  Erlan- 
gung einer  ausgebigen  Anzahl  Remonten  zu  erreichen  sein  dürfte. 

Der  treugehorsamste  Hofkriegsrath  muss  bekennen,  dass  dem  Allerhöchsten  Dienste  an 
dem  Erfolg  der  schon  in  das  dritte  Jahr  sich  verziehenden  Remontierung  in  Gallizien  gelegen 
sei  und  man  also  bei  dem  Umstand,  wo  kein  antleres  Mittel,  zum  Zweck  zu  kommen,  vorhanden 
ist,  nicht  abgeneigt  wäre,  dem  Generalcommando  die  Einleitung  dieses  eigenen  Ankaufs  nach 
dem  vorstehenden  Antrag  zu  überlassen,  wenn  auch  der  Preis  inclusive  aller  Kosten  auf  jenes, 
waa  man  dem  Lieferanten  Bogdanovich  in  Hungarn,  nämlich  1 1  Ducaton  für  ein  Husaren-  und 
20  Ihicatcn  für  ein  Chevauxlegerspferd  bezahlet,  ansteigen  sollte.  Nur  will  man  sich  hiezu 
von  Euer  Majestät  die  allergnädigste  Bedeckung  in  tiefster  Ehrfurcht  hiemit  erbitten. 

In   Abwesenheit  des  Kriegspräsidenten 
Jos.  Baron  Siskevics. 

{Eigenh.  Ritldbemerkung) :  Bey  den  angezeigten  Umständen  begnehmige  fch  das 
Einnithen  des  Hofkriegsraths;  dessen  Überlegung  anbey  jedoch  überlassen  will,  ob  es  thunlich  sej; 


Digitized  by 


Google 


46  Polek: 

in  Gallizien,  Siebenbürgen  und  Hnngarn  einen  gewissen  Preiss  zu  bestimmen,  nach  welchem  von 
demselben  auf  denen  in  den  lindem  errichteten  Pferdmärkten,  oder  zu  benennenden  SteHoogt- 
örtem  taugliche  Landpferde  Ubemomroen  werden  könnten. 

Jotaph  Correfem. 

XX 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Concept.  (K.-A.  II.  8ect.  1774-98-197.)  Wienn,  2.  April   1774. 

In  pfliehtschuldigfeter  Folge  der  Allerhöchäten  Bewilligung  und  Anordnung  hat  sich  der 
treugehorsamste  Hofkriegarath  sogleich  gegenwärtig  gehalten,  an  das  Generalcommando  in  Gal- 
lizien die  nöthige  Verfugung  ergehen  zu  lassen,  wornach  der  ßinkauf  deren  Remonten  für  die 
Chevauxlegers-  und  Husarenregimenter  durch  eigene  in  die  Tartarei  abzuschickende  Officiers 
und  Commandierte  nach  dem  Vorschlag  des  Generalcommando  eingeleitet  werden  m5ge. 

Über  den  zweiten  Absatz  der  diestallig  Allerhöchsten  Resolution,  womittelst  Euer  Ma- 
jestät der  Überlegung  dieses  treugehorsamsten  Hof  mittels  zu  überlassen  geruhen,  ob  es  thunlich 
sei,  in  Gallicien,  8iel>enbUrgen  und  Hungarn  einen  gewissen  Preis  zu  bestimmen,  nach  welchem 
auf  donen  Pferdemärkten  oder  zu  benennenden  Stell ungsörtern  taugliche  Landpferde  übernommen 
werden  könnten,  findet  man  sich  verpflichtet,  Euer  Majestät  folgende  allerunterthänigste  Vorstel- 
lung zu  machen. 

Die  Husarenregimenter  remontieren  sich  selbst  gegen  Einlegung  ihres  von  allen  3  Subs^ 
officiers  gefertigten  Keraontarevers  und  mittelst  der  ab  aerario  empfangenen  Anticipation.  Sie 
besuchen  also  durch  ihre  abgeschickte  Officiers  schon  von  selbsten  nicht  nur  alle  Pferdemärkte, 
sondern  auch  alle  im  ganzen  Lande  nur  immer  zu  erfindende  Gegenden,  wo  sich  noch  einige 
Pferdzügel  von  dem  erforderlichen  leichten  Cavallerieschlag  ausforschen  lUsst. 

Es  ergiebet  sich  hieraus,  dass  nicht  allein  der  Preis,  den  sie  für  ein  Remontapferd  zu 
bezahlen  pflegen,  allerorten  zur  Genüge  ohnehin  bekannt  ist,  sondern  auch,  dass  sie  durch  diese 
Ausforschung  nichts  unversucht  lassen,  was  immer  in  oder  ausser  denen  Pferderoärkten  ange> 
IrofiTen  werden  kann,  eine  Bemühung,  welche  weit  ausgiebiger  ist,  als  wenn  diese  Pferdüber- 
nahm  nur  auf  einige  Stellungsörter  beschränket  würde.  Sie  ist  aber  auch  dem  Aerario  weit 
nützlicher,  weilen  manches  Pferd  wohlfeiler,  ein  anderes  wiederum  theurer  ohne  allen  Zwang 
und  bloss  nach  der  mit  dem  Eigenthünier  trefi'enden  Behandlung  erkaufet  und  eben  dadurch  der 
mät^sigste  Preis  erlanget  wird,  weilen  eines  das  andere  überträgt. 

Dieser  Vortheil  würde  sogleich  verloren  sein,  aUbald  man  einen  gewissen  Preis  und  ge- 
wisse  Örter  bestimmet  hätte;  dann  jeder  EigenthUmer,  welcher  sein  Pferd  höher  als  um  diesen 
Preis  schätzte,  würde  solches  gar  nicht  dahin  bringen,  aus  Beisorge,  er  müsse  es  um  den  ge- 
setzten Preis  geben.  Es  würden  also  nur  solche  N'erkäufer  sich  einfinden,  welche  selbst  bei  sich 
überrzeugt  wären,  dass  ihre  Pferde  nicht  so  viel  wert  seien  als  der  gesetzte  Preis  ansmachet, 
und  eben  weil  der  Preis  vorgeschrieben  wäre,  würden  sie  es  doch  nicht  geringer  veränsseren 
wollen,  mithin  das  Militare  gezwungen  sein,  schlechtere  Pferde  um  theueres  Geld  zu  erkaufen, 
weilen  keine  andere  an  dem  Stellungsort  vorhanden  wären. 


III. 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.    1770-78-40.)  Wienn,  3.  Februarii  1776. 

Es  ist  der  Rittmeister  C  a  v  a  1 1  a  r  von  Euer  Majestät  allerhöchsten  Namen  fuhrenden 
Chevauxlegcrsregiment,  wehher  infolge  der  auf  den  hofkriegsräthlichen  Vortrag  vom  28.  Jänner 
1775  erflossencn  alleriiöchstcn  Kesolution  zum  Kemonteneinkanf  für  die  iu  Gallizien  liegende 
Chev-auxlegers-    und    Husarenregimenter   niehrmaleu   in    die   auswärtige    l^ovinzen   abgewhicket 


Digitized  by 


Google 


DiB  Anpänqb  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radaütz.  47 

wurde,  nunmehro  zurSckgekommen  und  hat  über  das  diesfällige  Remontierungsgeschäft  und 
sonstig  verschiedene  dahin  einschlagende  Umstände  seinen  Bericht  mittelst  des  gallizischen 
Oeneralcommando  eingereichet.  Der  Hofkriegsrath  verweilet  dahero  nicht,  sothanen  Bericht 
Euer  Majestät  zur  Allerhöchsten  Einsicht  zu  unterlegen  und  von  dem  Ausschlag  dieses  neuer- 
lichen auswärtigen  Remontenankauf  folgendes  zu  bemerken. 

Vermög  des  von  dem  gallizischen  Oeneralcommando  eingesendeten  Rapport  bestehet  die 
Anzahl  der  vom  Rittmeister  Cavallar  erkauften  Pferden  in  910  Remonten,    47  Gehrauchpferden. 

Zu  Zalleszick  ')  auf  dem  Assentplatz  eingetroffen  sind  806  Remonten  und  47  Gebrauchs- 
pferde. 

Von  diesen  896  Remonten  wurden  bei  der  durch  den  Generalmajor  Kiss  vorgenommenen 
Superarbitrierung  als  diensttauglich  befunden,  sofort  zu  denen  in  («allizien  liegenden  5  Chevaux- 

legersregimentern 538 

und  in  den  dasigen  5  Husarenregimentem 333 

zusammen  also  assentiert 871 

und  Untauglichkeit  halber  sind  plus  oiferenti  verkauft  worden    ...  25 

facit  obigen  Stand  per 896  Remonten. 

Die  mitgebrachte  obige  47  Gebrauch pferde  aber  sind  an  die  Regimenter  zur  einsweiligen 
Dienstleistung  etngetheilet  worden  und  durften  bei  einem  etwaig  künftigen  weiteren  derlei  Ein- 
kauf wieder  zu  verwenden  sein. 

Nach  Aeusserung  des  gallizischen  Generalcommando  und  des  superarbitrierenden  General- 
major Kiss  sind  vorberührte,  in  einem  Alter  von  3  bis  7  Jahren  be6ndliche  für  die  Regimenter 
wirklieb  assentierte  871  Remonten  zwar  von  dem  weiten  Marsche  und  rauhen  Wetter  mager 
und  langhaarigty  sonsten  aber  kurz  gefesselt,  stark  knochigt  und  gut  gestellet,  auch  durchaus 
von  besserer  Consistens  und  weit  dauerhafter  als  die  durch  Lieferanten  in  der  Moldati  theuerer 
erkaufte  Pferde  und  versprechen  überhaupt  gute  diensttaugliche  Pferde  zu  werden. 

Obgleich  der  Rittmeister  Cavallar  sich  alle  MUhe  gegeben  hat,  mit  den  Pferdhändlern  in 
denen  von  ihme  betretenen  auswärtigen  Landen  einen  weiteren  Contract  auf  Pferde,  wie  er 
solches  bei  dem  vorigen  Einkauf  erwirket  hat,  vorläu6g  anzustossen,  so  ist  doch  ihme  dieses 
derroaleo  nicht  möglich  gewesen,  weilen  der  Verbot  bestünde,  mit  fremden  Nationen  derlei 
Contracte  zu  machen.  Er  getrauet  sich  aber  auf  den  Fall  eines  fernerweit  vorhabenden  Ein- 
kaufs in  dem  Donischen  bei  den  ihme  sciion  bekannten  Pferdelieferanten  heuer  noch  eine 
grossere  Anzahl  Remonten  aufzubringen,  wofeme  deren  freier  Einkauf  bei  dem  russischen  Hof 
erwirket  wird,  nnd  es  findet  derselbe  zu  dem  Ende  nöthig,  dass  der  in  drei  Ahtheilungen  zu 
setssende  Transport  mit  3  besonderen  Pässen,  in  welchen  alle  nissische  kais.  l^ndc  ohne  Aus- 
nahm oder  wenigstens  die  Länder  Saporogien,  Klein-  und  NeurusMland,  das  Donische  Kosaken- 
gebiet and  die  Kovanner ')  Tartarei  ausdrücklich  zu  benennen  wären,  von  dem  russischen  Hof 
versehen  und  die  Commandi  mit  Anfangs  Mai  abgehen  gemacht  werden,  damit  selbe  mit  den 
Pferden  gegen  Enie  Oetobris  wiederum  zurück  eintreffen  mögen,  wo  hiernächst  auch  Cavallar 
sehr  furträglich  hält,  wenn  bei  dem  Fürsten  der  Moldau  die  Erlaubnis  des  freien  Durchgangs 
der  Pferden  effectuieret  würde,  massen  hiedurch  die  Pferde  beständig  auf  der  Weide  bis  auf 
den  Assentaplatz  zu  Szaleszick  getrieben,  mithin  in  bessere  Beschaflenheit  und  Aussehen  erhalten 
werden  könnten. 

Nun  ist  zwar  die  Berechnung  des  Rittmeisters  Cavallar  über  den  dermaligen  aufgehabten 
neuerticheti  Remontenankauf  noch  nicht  eingelanget,  mithin  der  Preis,  wie  theuer  ein  Remonta 
ausfalle,  hierorts  derzeit  noch  nicht  bekannt,  man  zweiflet  jedoch  nach  der  mittelst  des  obge- 
dachten  Bericht  vorläufig  eingelangten  Versicherung  gar  nicht,  dass  derlei  auswärts  aufgebrachte 
Pferde,  ohnerachtet  solche  diesesmal  nicht  wie  vorhin  nÜerorten,  sondern  lediglich  an  den 
polnischen  Grenzen  roautfrei  passieret  worden  sind,  dahingegen  von  selbigen  an  der  Ottschakow- ') 
oder  Nahejer  Tartareigrenze  ob  jedem  Stück  30  kr.    an    türkischer    Maut    hat   bezahlet  werden 


>)  Zaleszczyki,  Stadt  in  Galizien  (am  Dniester). 

^)  Kovanner  =  Kubaner,  d.  i.  am  Flusse  Kuban  (im  NW.  des  Kaukasus)  gelegen. 

*)  Otschakow,  Stadt  im  Gouv,  Cherson. 


Digitized  by 


Google 


48  Polek: 

müssen,  gleichwohlen  nicht  so  hoch  zu  stehen  kommen  werden,  als  der  für  die  in  Gallizien 
liegende  Chevauzlegers-  und  Husarenregimenter  ab  nerario  verwilligte  Remontenpreis  a  19  und 
respective  16  Ducaten  betrHgl. 

Gleichwie  dahero  einestheils  der  diesfallige  auswärtige  Remonteneinkauf  den  Vortheil  des 
AerarJi  allerdings  hoffen  lässt,  anderentheils  aber  vermög  der  Anzeige  des  galliziscfaeD  General- 
comroando  denen  dortländigen  5  Chev.iuxlegcrs-  und  5  Husaren regimentern  über  Abschlag  der 
dermalen  erhaltenen  Ca vall arischen  Remonten  annoch  auf  den  resolvierten  Kriegsfass  3490 
Pferde  ermanglen,  welche  Anzahl  Pferde  durch  die  eigene  inländische  Remontierung  nebst  deme. 
dass  solche  dem  Aerario  kostbarer  zu  stehen  kömmt,  sehr  schwer  und  langsam  aufzubringen  . 
sein  wird,  dahingegen  dem  Dienst  darangelegen  ist,  dass  die  Regimenter  mit  allen  Kräften  auf 
den  bestimmten  Stand  an  Pferden  gesetzet  werden,  wo  sodann,  wann  die  Regimenter  einmal 
corap'et  sind,  der  jeweilige  geringe  Abgang  ganz  leicht  durch  den  inländischen  Ankauf  wird 
erholet  werden  können :  so  traget  der  Hofkricgsrath  kein  Hedenken  Euer  Majestät  allerunter- 
thänigst  einzurathen,  dass  ein  weiterer  Remonteneinkauf  in  den  auswärtigen  Landen  auf  Kosten 
des  Aerarii  veranstaltet  und  zu  Besorgung  dieses  Geschäfts  mehrmalen  der  Rittmeister  CavalUr, 
welcher  sich  bishcro  in  der  Sache  mit  besonderem  Eifer  und  Geschicklichkeit  zum  Nutzen  des 
Aerarii  gebrauchen  lassen  und  von  der  Beschaifenheit  der  Länder,  wo  die  Pferde  zu  verkaufen 
sind  und  Überhaupts  von  dem  ganzen  Werke  die  geprüfte  Kenntnis  und  Erfahrenheit,  auch  nach 
seiner  gethanenen  Aeusserung  zur  ferneren  Übernahm  dieser  Commission  sich  nebst  denen  bei- 
gehabten 2  Officiers,  benamtlich  dem  Oberlieutenant  Schmidt  von  Modena  und  Unterlieutenant 
Dachner  von  Daruistadt  Chevauxlegers  willig  erkläret  hat,  verwendet,  sofort  demselben  der 
Auftrag  zur  Erkaufung  einer  neuerlichen  Anzahl  von  etwa  1500  Pferden,  sonderlich  aber  vom 
Chevauxlegersschlag,  zuma'.en  die  Chevauxlegersrcgimenter  alleinig  noch  1868  Pferde  abgängig 
haben,  gemacht  werden  könnte. 

Wenn  über  den  gegenwärtig  alleroh nmassgebigsten  Antrag  die  Allerhöchste  Begenehroi- 
gung  erfolgen  sollte,  wird  der  Hofkriegsrath  nicht  entstehen , 

allenthalben  das  Behörige  dergestalten  fürzukehren,  damit  der  Rittmeister  Cavallar  mit  Anfang 
des  künftigen  Monats  Maii  in  Marsch  gesetzet  imd  demselben  a  proportione  der  anzukaufenden 
Anzahl  Pferden  ein  hinlängliches  Commando,  mithin  nebst  den  bereits  bei  dem  letzten  Einkauf 
verwendeten  obbenannten  2  Officiers  noch  weiters  nach  dem  Ermessen  des  gallizischen  Genfml- 
commando  ein  und  anderer  tüchtige  Oberofficier  und  mehrere  vertraute,  wohl  conduiaierte  und 
der  pohlnisch  und  wallachischen  Sprache  kundige  Unterofficiers  und  Gemeine  sowohl  von 
Chevauxlegers-  als  Husarenregimentern  beigegeben  werden,  auf  dass  die  Pferde,  sowie  sie  in 
den  auswärtigen  Landen  erkauft  und  gesammlet  werden,  immer  gleich  nach  und  nach  trans- 
portsweise  bei  annoch  guter  Jahreszeit  und  Witterung  abgeschicket  werden  und  somit  sämmUich 
eingekaufte  Pferde  bis  Ende  Octobris  zu  Szaleszick  zur  Superarbitrier-  und  Assentierung  dn- 
treflfen  mögen.  Wo  im  übrigen  der  Hofkriegsrath  sich  vorbehält,  sobald  die  von  dem  gallizischen 
Generalcommando  untcreinstens  abgefordert  werdende  Berechnung  des  Rittmeisters  Cavallar 
über  den  letztbewirkten  Remonteneinkauf  einlangen  wird,  Euer  Majestät  die  Anzeige  des  eigent- 
lichen Geldbetrags,  welchen  diese  Rcmonten  gekostet  haben,  sogleich  allerunterthänigst  nach- 
zutragen. 

A.  6.  V.  Hadik. 

{Randbemerkung)  :  Den  Mir  in  gegenwärtigem  Vortrag  einberichteten  Einkauf  einer 
Anzahl  Remontapferden  in  denen  russischen  Provinzen  nehme  Ich  zu  Meiner  Wissenschaft  und 
gewärtige  nur  noch  die  hierüber  von  dem  Rittmeister  Cavallar  einzuschickende  Berechnung. 

Ich  begenehmige  hiernächst  den  von  dem  Hofkriegsrath  Hir  dieses  Jahr  abermalen  da- 
selbst angetragenen  Pferdeeinkauf,  mit  dem  Unterschied,  dass,  da  die  in  Gallizien  Hegende 
Cavallerieregimenter  bemerktermassen  einen  so  beträchtlichen  Abgang  an  Pferden  auf  den  der- 
maligen completen  Fuss  haben,  anstatt  1500,  wie  der  Hofkriegsrath  vorschlägt,  der  Antrag  aaf 
3000  Pferde  gerichtet,  dem  zu  diesem  Geschäft  mehrmalen  verwendet  werdenden  Rittmeister 
Cavallar  aber  mitgegeben  werde,  so  viele  dem  Dienst  angemessene  I^ferde,  als  solcher  nur 
immer  aufbringen  kann,  zu  erkaufen.  Daher  hat  der  Hofkriegsrath  auch  die  Anzahl  der  diesem 


Digitized  by 


Google 


Dir  Anfänge  des  k.  e.  StaatsoestOtes  Radautz. 


49 


erstgedachten  Rittmeister  mitzugebenden  Commandierten  nach  Verhältnis  der  einzukaufen  oban- 
getragenen  Pferden  zu  bestimm«»n. 

Soviel  aber  die  zu  diesem  Ankauf  wie  auch  zur  freien  Mautpassierung  erforderliche 
Pässe,  dann  den  Durchzug,  der  zu  erkaufenden  Pferde  durch  die  Moldau  betrifft,  trage  Ich  unter 
einem  das  Nöthige  der  Staatskanzlei  wegen  Loswirkung  aller  dieser  Gegenständen  auf,  mit 
welcher  also  der  Hofkj-iegsrath,  da  der  Rittmeister  Cavallar  mit  seinem  Commando  schon  mit 
Anfang  Mai  aufzubrechen  hat,  unverzüglich  hierwegeo  das  nOthige  Einvernehmen  zu  pfegen, 
zugleich  aber  derselben  die  Namen  derjenigen  Officiers,  welche  zu  diesem  Ankauf  befehliget 
werden,  anzuzeigen  hat,  damit  solche  in  denen  von  dem  russischen  Hofe  abverlangt  werdenden 
Pässen  namhaft  gemacht  werden   können. 

*  Joseph  Corr. 


ITT". 

Ausweis 

deren  von  dem  Herrn  Rittmeister  Cavallar  erkauften  Remontenpferden,  dann  wie  hooiijedwe- 
deres  zu  stehen  kommet   und    welche  Erspaning    dadurch    dem    allerhöchsten  Aerario  zufliesset. 


Orig.  (Kr.-A.  II.  S.   1776—78-89.) 


Vermög  Geldausgab  sind  anerkauft  worden  .... 
Hievon  wurden  laut  ausgestellten  Assentlisten  au  nachbenannte 
Regimenter  abgegeben,  und  zwar 

Ihro  Majestät  des  Kaisers 

Löwenstein- 

Darmstadt- 

Modena- 

Kinskj- 


Lemberg,  9.  Februar  1776. 

Stück 
944 


Chevauxlegers 


84 
111 
97 
1-24 
.       122 
538 
Da  aber  hierunter  auch  die  von  denen  von  voriger  Stellung 
entloffenen  36  Pferden  wiederum  eingebrachte  13,  dann   das  zu 
Mickulincze  ruckgelassene    und    nach    de^en    erhaltener  Dienst- 
tauglichkeit für  das  Nadasdjsche  Hosarenregiment  assentierte  eine 
Gebrauchpferd    miteinbegriffen    ist,     als     wird    sowohl     hierorts 
als    nacbstehendermassen     bei    denen    Hubarenregimentem    von 
diesen    zasammen    ausmachenden    14    Stück   die    Hälfte    abge- 
schlagen mit 7 

mithin  verbleiben 

73 

48 

60 

66 

■  —AL 

334 

7 


Ihro  Majestät  des  Kaisers 

Haddik- 

Esterhazy- 

Nadasdy- 

Barco- 


Husaren 


HievoD  werden  obangefUhrtermassen   decontieret 

dahero  restieren 
Von  denen  von  voriger  Remontastellung    beigehabten  Gebrauch- 
pferden II  45  und  dermalen  weiters    angekauften   47,    zusammen 
aosmacheoden  92  Pferden    sind    denen    Regimentern  zugetheilet 
worden,  als 

Darmstadt-  \  ^  ,  21 

Modena-      /Chevauxlegers ^^ 


531 


327 


Digitized  by 


Google 


50 


Polbk: 


Ihro  Majestät  des  Kaisera    \ 10  Stück 

Nadasdy-  5 

Haddik-  \  Husaren      ....  5 

Esterhasj-  8 

Barco-  ) 5 

~77~~ 

Hievon  gehören  znr  vorigen  Stellung 33 

folglich  in  die  dermalige  44 

Untaaglichkeit  halber  sind  verkauft  worden  31.  Davon    betreffen    die 

jetzige 29 

Femers   werden  in  Abgang  gebracht  und  zwar 

an  ersoff'enen         .......  3 

„    entloffenen 6 

n    todtgeschossenen i 

S.  V.  crepierten     .         .         .         .         .         .         .         11 

"~22~~ 
Hierunter  sind  einbegriffen,  so  in  die  vorige  Stellung  gehörig  .  9 

Ueber  Abzug  werden  zur  gegenwärtigen  ausgesetzet  .         13 

Summa  obetehender'        .         .         944 

Jenseits  ausge wiesend  944  Remonten  kommen  verm?)g  der  von  eröffneten  ff.        kr. 

Herrn  Rittmeister  Cavallar  gelegten  Rechnung  summariter  in  Geld  zu  stehen  50343     31 

Um  dargegen  darzuthun,  wie  hoch  eines  deren  assentierten  858  Remon- 
ten zu  stehen  komme,  will  man  den  Satz  annehmen,  als  wann  die  denen  Re- 
gimentern zugetheilte  44  Gebrauch  pferde,  und  zwar  jedwederes  nur  zu  8  Ducaten 
verkaufet  worden  wäre,  welches  betraget  und  von  obiger  Ausgab  zu  decordieren 

kommet 1490  fl.     8  kr. 

Für  die  Uutauglichkeit  halber  verkaufte  31  Pferde  sind  ge- 
löset worden  510  fl.  50  kr.    Hievon  betreffen  nach  dem 

Dividenten  für  29 477    „  53    „ 

Der  in  Empfong  genommene  MQnzgewinn  betraget  .         1025    „  25    „ 

Summe  des  Abzugs                                .  2994     26 

Combinando  bestünde  die  Ausgab  annoch  in 47349       5 

Wann  dahero  dieser  Betrag  mit  denen  erwähnten  858  wirklich  assentier- 
tierten  Remonten    dividieret    wird,    zeiget    sich,    dass    eines    zu    stehen  komme 

auf 55  fl.  llVe  ^' 

Worbei  bemerket  wird,  dass 

1.  Die  Chevauxlegerepferde  solchergestalten  mit  denen  Hnsarenremonten 
einen  gleichen  Preis  bekosten. 

2.  Weilen  die  abgängige,  so  unter  obiger  Geldauslag  einbegriffen  «nd, 
nicht  mit  in  die  Repartition  genommen  worden,  und  folgsam  von  denen  wirklich 
assentierten  übertragen  werden  müssen,  diese  letztem  eben  dadurch  etwas 
mehreres  bekosten. 

3.  Sofeme  diese  858  wirklich  assentierte  Remonten  hierlandes  wären 
anerkaufet  worden,  solche  nach  dem  denen  Regimentern  bewilligten  Remonta- 
geld  gekostet  hätten,  und  zwar 

531  Chevauxlegerspferde  i  19  Ducaten  oder  80  fl.  26  kr.     .  42710  fl.     6  kr. 

327  apjajdudissnH  ^  15  Ducaten  oder  63  fl.  36  kr.     .  20764  fl.  30  kr. 

zusammen     .  63474  fl.  36  kr. 

Es  haben  aber  ein  solche  noch  gekostet         ....  47349  fl.     5  kr. 

folgbar  erweiset  sich  Ersparang 16125  fl.  31  kr. 

J.  Jos.  Carpeitier 

Obercommissär. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k   STAATsaESTüTES  Radautz.  51 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Eigeoh.  (K.-A.  II.  S.  1776-78—89.  Wien,  28.  Februar  1776. 

{Randbemerkung) :  Diese  berechnung  dient  zur  guten  nachricht,  und  sind  dem  Ca- 
vallar  2000  fl.  wegen  so  mühsam  als  gut  verrichteten  Coramission  anzuweisen  als  eine  remu- 
neration. 


Fürst  Lobkowitz  an  Joseph  II. 

Copie.  Auszug.  (K.-A.  II.   S.  1776—78-129.)  Petersburg,  März  1776. 

Wenn  meine  in  Betreff  des  bewussten  Pferdankaufes  bei  allhiesiegem  Hofe  gepflogene 
Unterhandlungen  einen  günstigen  Krfolg  anhoffen  lassen,  so  musi  ich  solchen  grossentheils  dem 
Grafen  v.  P  a  n  i  n  und  noch  mehr  dem  Herrn  v.  Potemkin  zueignen.  Die  Befehle,  die 
letzterer  bereits  au  den  Chef  der  Kosaken  ausgestellet,  sind  eine  deutliche  Probe  seiner  will- 
fährigen Gesinnung.  Ich  zweifle  auch  nicht,  der  Feldmarschall  Romanzow  werde  ebenfalls 
seinerseits  zu  dieser  vorhabenden  Absicht  sich  bereitwillig  finden  lassen.  Indessen  lässt  sich  vor- 
sehen, dass  es  schwer  halten  wird,  eine  so  beträchtliche  Anzahl  von  Pferden  aufzubringen.  Ich 
glaubete  daher,  dass  das  zu  diesem  abgesehenen  Ankauf  bestimmte  Detachement  nicht  nur  den 
Winter  zu  Cx^rkosk  *)  zubringen,  sondern  dass  auch  ein  Theil  davon  durch  das  Gouvernement  von 
Astracan  durchpassieren  und  sich  an  den  Fluss  Yaik  *)  begeben  sollte,  wo  man  nicht  nur  gute 
Pferde,  sondern  auch  sobhe  in  zureichender  Anzahl  finden  und  anbei  derer  Ankauf  dem  all  hie- 
sigen Hofe  ganz  gleichgültig  fallen  würde;  wo  aber  im  Gegentheil  derselbe  wohl  darauf  auf- 
merksam 8ci.i  düifie,  dass  nicht  allzu  viele  Pferde  aus  Klein-  und  Neurcussen,  von  wannen  die 
in  häufiger  Anzahl  dermalen  bestehende  leichte  Truppen  sich  zu  remontieren  haben,  ausser 
Landes  gebracht  werden  mischten.  Wenn  Eure  Majestät  diesen  meinen  unterthänigslen  Vorschlag 
Jhro  allergnädigsten  Beifall  gönnen,  so  werde  ich  mich  eifrigst  verwenden,  dass  die  zu  dieser 
Abmcht  erforderliche  Ordres  an  den  Chef  der  an  besagtem  Yaikfluss  wohnenden  uralischen 
Horden  von  hieraus  ergehen  mögen.  Der  Zug  bis  dahin  ist  sonder  Anstand  seiner  weiten  Ent- 
legenheit halber  sehr  beträchtlich;  ich  bin  aber  versicheret,  dass  die  Pferde  allda  um  einen  ganz 
leichten  Preis  zu  haben  sein  und  die  Transportierungskosten  ganz  gering  ausfallen  würden. 
Aussemeni  könnte  derjenige  Officier,  der  sich  den  Winter  hindurch  zu  Czerkosk  aufzuhalten 
liatte,  während  der  Zeit,  als  das  vorerwähnte  Commando  an  den  Yaikfluss  abgienge,  jemanden 
in  dieCabarda')  absenden,  um  zum  Gebrauche  Eurer  Majestät  seligsten  einige  Pferde  auszuwählen, 
die,  wenn  sie  g^t  ausfielen,  allerhöchst  Ihro  gewiss  zum  Vergnügen  gereichen  würden. 


Cavallar  an  FZM.  Graf  Siskovics. 

Eigenh.  (K.-A.  II.  8.  1776-78—346.)     Feldlager  bei  Ruskovka  im  Donischen,  2.  August  1776. 

Euer  Excellencz  hoch-gnädiges  Befehl  Schreiben  von  dato  Lemberg  21.  May,  nebst  denen 
Iktröflfenden  Pohlnischen  Bässen  ist  mir  aller  erst  den  9.  Jully  durch  Herrn  Rittmeister  v.  Ka- 
nisiaa  Behändiget  worden;  Worauss  mit  äusserster  BestUrtzung  zu  entnehmen  gehabt,  das  die 
▼origcs  Jahr  überbrachte  Kiuionta  Pferdte  Bey  der  Lezthinig  vorgewesten  Musterung  übermessen, 
und  Bey  denen  Chevaux  Legers  Regimentern  unter   der  Maass  Befunden  worden;    Die   annebst 


')  Tacherkask,    Kreistadt    am  Don.     *)  Yaik  =  Ural.     ^)    Kabarda,    Berglandschaft    am 
IfordabbaDg  des  Kaukasus. 


Digitized  by 


Google 


52  PoLEK : 

gegebene  hohe  Rieht  Schnor,  ist  denen  aussw^rtd  Commandirten  Herren  Officiers  abgegeben, 
und  ich  werde  nach  änsserster  Möglichkeit  auf  den  unterthOnigsten  Befolg  Bedacht  seyn.  Abge- 
wichenes Jahr  habe  vermög  dem  eingeschUkten  Summarischen  Extract  45  Stuck  Pferdte  mit 
14  Faust  1  Zohi  angezeugt,  auch  nach  der  mithabend  Kais.  KOnigl.  Hof-Kriegs-Räthlichen  Maaas 
also  Befunden,  solche  aber  in  Handel,  um  andere  grosse  Pferdte  nicht  auss  zu  lassen,  die  Han- 
dels Leuthe  nicht  zu  Disgoustiren,  und  zugleich  auch  weillen  solche  Besonders  Jung  und  Schßn 
waren,  auch  ferneren  Wachsthum  anscheinen  lassen,  angonohmen;  welche  hohe  Ahndung  mir 
auch  anheuer  werde  auf  BUrden  müssen;  alleinig  nach  meinen  ausweiss  wären  bey  voriger 
Assentirung  vermög  denen  Samentlichen  Assenta  Listen  dannoch  so  viellc  Dragoner  Pferdte,  als 
in  dem  ein  gesandten  Summarischen  Extract  angezeUgt  habe,  ausgefallen,  wann  denen  Drago- 
nern Dragoner  und  denen  Houssarn  Hussarnmässige  gegeben  und  Sammentliche  Pferdte  durch 
eine  Hände  gemessen  und  zugetheillet  worden  wären. 

Euer  Excellencz  solle  also  zum  Vorauss  unterthönigst  gantz  gehorsamst  Bitten,  damit  hin- 
künftig dieserwegen  alle  Zufriedenheit  seye,  Bey  Vorgang  dieser  Assentirung  deren  nun  an- 
kauffenden  Pferdten  dem  hochgnädigen  Befehl  zu  ertheillen,  dass  Samentlicho  Rimonta  mit  der 
Kays.  Königl.  Hof-Kriegs-Käthlichen  Maass  durch  eine  Hand  gemessen  und  in  nach  Befund 
derselben  und  nach  hoher  Vorschrift  denen  Lribl.  Regimentern  zugetheillt;  die  allenfahls  zu 
klein  Befundente  Junge  aber  über  WUnntter  an  einen  Orth  in  der  Bukowina  aufgestolL  und 
nach  in  Frue  Jahr  erreichenden  Gross  allererst  an  die  Regimenter  abgegeben  werden  möchten; 
dann  ich  binn  versichert,  dass  von  all  jennen  so  ich  übernohmen  nur  wenige  allzu  sehr  wilde, 
doch  besonders  Schöne  l^erdte,  ohne  Maass  angenohmen. 


FZM.  Graf  Siskovics  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  n.  S.  1777-48—94.)  Lemberg,  22.  Februar  1777. 

Das  Superarbitrier-  und  Assentierungsgeschäft  zu  Zalesczik  über  den  durch  den  Rittmeidter 
Cavallar  in  denen  kais.  russischen  Landen  für  das  jüngst  abgewichene  1776te  Militäijahr  pro 
aerario  besorgten  Remontenankauf  hat  sich  von  darumeu  bis  anhero  verzogen,  weilen  der  durch 
des  Modenaischen  ChevauxlegersregimentsOberlieutenant  Schallmayer  den  28.  Octobris 
el.  a.  expedierte  und  in  Marsch  gesetzte  7.  Transport  nach  Anzeig  gedachten  Rittmeisters  Ca- 
vallar gleich  in  denen  betretenen  ersten  Tagen  entftert  scheue  geworden  und  ohngeachtet  aller 
durch  die  beigehabte  Commandierte  und  Kosaken  angewendeten  Mühe  die  Pferde  jedoch  voll- 
ends entloffen  und  allererst  rückwärts  2  Meilen  an  Miusfluss  bis  auf  75  Stück  wieder  zusam- 
men gebracht  worden  sind. 

Derlei  Hindernissen  haben  sich  nicht  wenige  in  dem  ferneren  Anherozug  ergeben,  wodurch 
dahero  sowohl  als  auch  durch  die  nachgefolgte  rauhe  Witterung,  dann  anmit  sich  ergebener 
Passierungen  und  allenthalben  erwachsene  unwegsame  Strassen  die  Zeit  dergestalten  sich  ver- 
spätet hat,  dass  dieser  Transport  erst  den  10.  gegenwärtigen  Monats  mit  255  Remonten  in  be- 
rührtem Zallesczick  eingetroffen  ist. 

Die  Assentier-,  Superarbitrier-  und  Vertheilung  desselben  hat  sich  bis  den  15.  ejusdem 
erstrecket,  und  nachdeme  mit  selbem  für  heuer  das  Ende  vollends  erreichet  worden  ist,  worde 
Herr  Generalfeldwachtmeister  K  i  s  s  nebst  dem  Feldkriegscommipsario  H  ö  l  z  I ,  welch  beeden 
diesfalliges  Geschäft  obgelegen  hatte,  instande  gesetzet,  den  in  der  gehorsamst  nebenfolgenden 
Anlag  erstatteten  Finalbericht  enhero  zu  unterlegen. 

Nach  Inhalt  desselben  belaufet  sich  die  Anzahl  derer  erkauften  Remonten  und  Gebraudi- 
pferden  zusammen  auf  2677  Stück.  Hieven  wurden  denen  diesseitigen  Cavallerieregimentem  and 
Ihre  Majestät  des  Kaisers  Allerhöchsten  Namen  führenden  Chevauxlegersregiment  auf  den  Ab- 
gang des  completen  Standes  abgegeben  19B1,  als  dermalen  noch  zu  jung,  theils  schwach  and 
gebrechlich  zur  winterlichen  Pfleg-  und  Wartung  in  die  B  u  c  k  o  v  i  n  a  abgeschickef  und  denen 
Regimentern  nur  einsweilen    zugetheilet    539,    Un  tau  glich  keit    halber    wieder    verkauft  6,  dunh 


Digitized  by 


Google 


DiB  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Badaütz.  53 

Deserteurs  entführt  2,  als  marode  zarückgelassen  3;  dagegen  sind  mit  Ein begrifT  deren  Eingangs 
erwähnten  75  des  7.  Transports  in  allem  enlloden  79,  crepiert  12,  dann  sonsten  auf  zerschiedene 
Art  verunglücket  8. 

Hierunter  ist  die  Anzahl  derer  entlofienen  vorderist  beträchtlich,  da  aber  er  Rittmeister 
Cavallar  damalen,  als  erwähnter  7.  Transport,  gleich  anfänglich  noch  zur  Hilfe  beigekommen  (sie), 
so  sind  verm5g  dessen  sub  9aa  verflossenen  Monats  Novembris  abgestatteten  Berichts  bereits  nach 
der  Hand  anwiederum  34  zusammengebracht  worden,  und  verhoffet  anbei  durch  die  allenthalben 
gemachte  Furkehrung,  wo  nicht  alle,  jedannoch  die  meiste  zurückzubekommen,  die  er  demnach 
gegenwärtigen  Winter  ilber  bei  sich  behalten  würde. 

Bei  der  beträchtlichen  Anzahl  deren  in  der  Buckovina  vorhandenen  jungen  und  schwachen 
Remonten  hat  man  der  Nothwendigkeit  zu  sein  befunden,  zur  Oberaufsicht  derselben  und  derer 
von  jeglichem  Cavallerieregiment  dabei  befindlichen  Commandierten  einen  eigenen  StabsoÜlcier, 
und  zwar  von  dem  Esterhazischen  Husarenregiment  den  Herrn  Obristwachtmeister  P  a  1 1  a  s  t  i 
anzustellen,  ihne  darumen  behöfig  zu  belehren,  wie  zugleich  auf  dass  mau  von  Zeit  zu  Zeit  ab- 
seiten  dieses  Generalcommando  die  erforderliche  Wiasenschaft  und  Kenntnis  habe,  zu  Abstattung 
eine««  monatlichen  Rapports,  wo  es  aber  auf  sonderheitliche  Vorfälle  ankommet,  auf  unverlangte, 
de  casu  in  casum  abzuführende  Berichte  anzuweisen. 

Die  Fütterung  bestehet  in  einer  halben  I*ortion  geschrotenen  Habers,  in  der  gewöhnlichen 
Heaportion,  und  weilen  in  diesem  pistrict  das  vorgeschriebene  Häckerling  nicht  eneeuget  werden 
kann,  in  Verabreichung  des  daselbst  vorfindigen  Haberstrohes.  Man  führet  hiernäch^t  dabei  die 
fernere  Absicht,  dass  wie  von  diesen  Remonten  ein  so  andere  sich  erholen,  zu  Kräften  und  zur 
Diensttauglichkeit  oder  respective  zur  Abgab  an  die  Regimenter  gelangen  werden,  ein  solche 
hinkÖnftiges  Frühjahr  von  dar  abzuschicken,  um  fUr  jene,  welche  etwa  mit  der  heurigen  Ritt- 
meister Cavallarischen  Stellung  einkommen  dürften,  den  nöthigen  Raum  zu  gewinnen. 

In  Betreff  der  diesjährigen  Remontierung  hat  oftwiederholter  Rittmeister  Cavallar  sub 
5ta  Novembris  vorigen  Jahrs  einberichtet,  dass  er  sich  l>ei  vorgefundenen  Zeitraum  nacher 
Astracan  verfüget  wegen  einigen  sowohl  am  Yaickfiuss  als  in  der  Cabarda  heuriges  Frühjahr 
2u  unternehmenden  Pferdeankauf  Kundschaft  eingezogen,  theils  auch  einen  Commandierten  bis 
Saratow  gegen  den  eben  berührten  Yaickfiuss  seitwärts  abgeschicket,  andurch  aber  in  glaubwür- 
dige Erfahrenheit  gebracht  habe,  dass  am  Yaickfiuss  die  Pferde  sehr  klein  beschaffen  seien,  so 
dass  selbte  sich  nicht  einmal  nach  der  Husarenmass  auswachsen;  ausserdeme  seien  sie  von  einem 
besonderen  Clima  und  bei  ihrer  Uebertreibung  in  die  europäische  Lande  zu  befahren,  dass  sie 
fneistens  umfallen,  wie  femers  die  Transportierung  vom  Yaick-  bis  an  den  Donnfluss  sehr 
beschwer-  und  gefährlich. 

In  der  Cabarda  dagegen  findeten  sich  zwar  wenige  zugleich  im  Preise  theurere  Pferde, 
doch  von  grösserem  Schlag  vor,  und  der  Weg  sei  ebenfalls  beträchtlich.  Seinem  Antrag  nach 
kommete  der  Sammelplatz  zu  Mostock  zu  machen,  von  wannen  die  Transporten  recta  über  Stepp 
nacher  Czirkasko  eingeleitet  und  somit  die  Halbscheid  gegen  den  Hinweg  ersparet  werden 
kannte. 

Es  scheinet  derselbe  sonach  dasiger  Enden  so  viele  Pferde,  als  er  für  den  Allerhöchsten 
Dienst  angemessen  befinden  würde,  anzukaufen  und  die  übrige  Erfordernis,  sobald  ihme  dies- 
fällige  Anzahl  bestimmet  würde,  in  dem  Cuban-  und  Donischen  oder  sonstenwo  in  dasiger 
Gebend  aufzubringen. 

S<»viel  nun  es  den  anheuer  zu  besorgenden  ferneren  Remontenankauf  belanget,  hat  man 
ihme  Rittmeister  Cavallar  bereits  mitgegeben,  wienach  bei  denen  angezeigten  Umständen  ein 
solcher  am  Yaickfiuss  vorzüglichst  vermieden  werden  müsse,  und  weilen  auch  von  hieraus  die 
Anzahl  der  Pferde,  welche  er  dasigerenJen  aufbringen  dürfte,  nicht  bestimmet  werden  kann,  so 
vennOge  man  sich  lediglich  dahin  zu  äusseren,  dass  nach  Ihro  Majestät  allerhöchster  Intention 
der  femerweite  Ankauf  zwar  allerdings  auf  2000  Pferde,  wann  nämlich  ein  solche  in  der  Ca- 
barda, dann  in  dem  Cuban-  und  Donischen  oder  sonstwo  dasigerenden  aufzubringen  thunlic!i, 
gerichtet  werden  könne;  sollten  sich  dagegen  unübersteigllche  Hindernissen  ergeben,  müsse  man 
sich  ohnehin  nur  mit  der  anzukaufen  thunlich  gewesten  Anzahl  begnügen,  hierbei  aber   komme 


Digitized  by 


Google 


54  Polbk: 

vorderist  in  dem  Anbetracht,  dass  mit  denen  voriges  Jahrs  eingekommenen  Transporten  allschoo 
eine  sehr  betrachtliohe  Anzahl  an  jungen  und  schwachen  Pferden  eingelanget  ist,  auch  nuo- 
mehro  die  hierendige  Regimenter  allbercitH  completieret  sind,  die  Annahme  weiterer  so  vieler 
derlei  Pferden  nach  möglichster  Thunlichkelt  zu  vermeiden. 


Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  Sect.  1777-43—94.)  Wien,  15.  Mänc  1774. 

(Randbemerkung) :  Den  Bericht  wegen  des  vorjährigen  Remontaeinkaafs  des  Ritt- 
meislers  Cavallar  in  denen  russischen  Landen  nehme  Ich  einstweilen  und  bis  zu  Rinlangiing 
seiner  diesfalls  zu  legenden  Berechnung  zur  Nachricht.  Nur  ist  der  Verlust  der  45  entloffeneii 
Pferden  belrächtlich  und  hätte  durch  sorgfältige  Fürsicht  allerdings  vermieden  werden  sollen. 
Dahero  bewillige  Ich  auch,  dass  bei  dem  diesjährigen,  mit  2000  Stück  angetragenen  und  etwa 
künftigen  fernem  Einkauf  der  Rimonta  in  denen  russischen  Landen  zur  diesfälligen  desto  iiche- 
reren  Transportierung  auch  kosak-  und  tartarische  Knechte  in  der  n<5thigen  Anzahl  verwendet 
werden  können.  Es  ist  jedoch  immer  auf  die  eigene  Commandierte  am  meisten  sieh  zu  ver- 
lassen, mithin  sind  diese  letztere  nicht  sehr  zu  verminderen,  damit,  wann  unter  denen  Kosaken 
und  Tartaren  Misshelligkeiten  oder  Unruhen  entstünden,  hierbei  derTtansport  nicht  etwa  Gefahr 
laufe  und  hierdurch  der  Verlust  ungleich  grösser  als  der  Aufwand,  den  man  hierbei  hatte 
ersparen  wollen,  ausfallen  möge.  Wie  dann  auch  dem  Cavallar  durch  die  Behörde  mitzugei)en 
ist,  mit  denen  hierzu  aufgenommen  werdenden  tartarischen  und  kosakischen  Knechten  ausser 
dem  t.äglich  ihnen  accordierten  («ehalt  auf  den  Fall,  wann  der  Transport  ohne  Schaden  und 
Verlust  an  Ort  und  Stelle  einträfe,  pr  Kopf  eine  Krgölzlichkeit  besonders  noch  zu  bedingen, 
welche  ihnen  sodann  auch  zu  v<;rabreiclieu  ist.  Nebst  diesem  ist  annoch  dem  Cavallar  aufzu- 
tragen, dass  er  sich  bewerbe,  ein  oder  andere  armenisch  oder  jüdische  Lieferanten  zu  finden, 
welche,  wann  es  auch  eine  gerin^t^o  Anzahl  nur  wäre,  hinfüro  nlljährlicli  dergleichen  Pferde  ans 
diesen  Gegenden  gegen  einen  zu  machenden  Preis  nacher  Szalecik  richtig  und  gewiss  ablie- 
ferten, damit  die  Regimenter  complet  erhalten  und  auch  für  alle  mögliche  Fälle  immer  eine 
Correspondenz  zu   Vergrösserung  auch  deren  Einkäufen  erhalten  würde. 

Joseph  Corr. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz. 


55 


CD 


§ 


CO     bQ 

£ 


CO 
CO 


W 


o 
E 


CO 
CO 


o 

CO 


CO 


a> 


g    S 

s    ^ 

o 


1 

»H 

1 

t- 

CO 

•^ 

^^*" 

"* 

Od 

—   "    SI 

1 

1 

1 

1 

tH 

tH 

o 

"* 

■^ 

*a 

04 

t- 

—        tl 

1 

1 

1 

ßM 

« 

<M 

»^ 

-^ 

(?i 

1 

1 

e» 

»^ 

91 

eo 

C  1  1            Vi 

1 

1 

f 

1 

"-€ 

■Ö 

1 

1^ 

w^ 

3» 

&i 

iw 

Ck 

K           tl 

1-1 

1 

1 

1 

1 

^ 

S 

5^ 

ifl 

L 

^ 

T-i 

i> 

CS 

ß    "  tx 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

« 

J5 

1 

»o 

Ü 

vo 

o> 

*- 

•31 

EP 

ap 

1^ 

o 

lO 

1^3 

tt 

^^ 

i    "  tl 

r^ 

1^ 

'"' 

04 

«"2 

*-(■ 

aa 

:3 

t^ 

5S 

g& 

0» 

lO 

■* 

,F*» 

Ö 

JS3 

s     **    tl 

i^ 

t« 

C*5 

O* 

1^ 

t- 

*ffl 

1^ 

fO 

V4 

fe^  ^  tl 

1 

1 

t 

8Q 
91 

^SpATrai^JX 

«1 

*-i 

*^ 

1 

1 

1 

r 

1 

1 

^ 

r- 

j 

'^ 

91 

IN 

Ö^l 

^N 

O 

*     s 

1 

1 

iM 

1 

*o 

S 

•3D 

^O 

^ 

o 

lO 

» 

l- 

c 

V 

*     s 

"^ 

^ 

'* 

^ 

-f 

^ 

irs 

t^ 

+* 

TO 

13 

^ 

(K 

Ci 

t£ 

Ȁ 

>rj 

so 

^ 

eg 

^^ 

b 

*      y 

--^ 

eo 

W4 

o 

E3 

< 

f-l 

55. 

M> 

{» 

-^ 

■3^ 

1 

1" 

iTS 

•* 

03 

«i 

fij 

3 

< 

g 

1 

1 

1 

f^ 

^1 

ä 

**       9 

^4 

1 

1 

1 

^ 

1 

1 

1 

1 

irj 

s«H«mft 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

1^ 

1 

— 

^ 

' 

I- 

O 

-* 

t^ 

OÖ 

ts 

O 

CJ 

iS 

04 

' 

S 

s 

09t|.mil-eM 

Ö5 

^ 

^ 

« 

kQ 

^ 

i£ 

o 

**» 

3 

■? 

'it 

iH 

i?> 

O 

eJC 

*a 

91 

ist 

o 

t- 

si 

uainjg 

■(F-i 

-FN 

1-* 

t- 

05 

}»IttdH 

^ 

.a 

l- 

Ol 

-^ 

o 

c 

§ 

1 

1 

1 

1^ 

S 

1 

-^ 

^ 

O 

^ 

s 

QC 

i  i  a           'Jitsnii 

1 

\ 

1 

1 

O 

^ 

« 

IS 

^ 

^ 

s   i   S 

00 

II  i 

*^  "M^o 

3 

1 

1 

1 

t 

1 

w^ 

!    s 

FD 
1^ 

c 

___.^ 

3 

Et 

*a 

s 

£ 

£ 

.s 

1 

1 

1 

e 

1 

1.2 
11 

s 

1 

■1 

1 
1 

s 

1 

f 

i 

!9 

J 

'^ 

£ 

a> 

d 

c 

1 

i£ 

O 

ä 

4J 

K 

Ol 

1 

ES 

1 

Ol 

i 

1 

1 

o 

^ 

hc 

1 

0 

0« 

^ 

1 

"E 

"S 

^ 

^ 

« 

.^ 

^ 

iJ 

1 

£ 

C 

D 

Q 

Ö 

O 

p 

O 

D 

Digitized  by 


Google 


56  Polek: 

2S:i. 

Instruction 

an    die   zwei  Herren  Oberlieutenants  Schollmeyer  von  Modena  Chevauxlegers-    und  S«e- 

detzki  von  Hadik-Husarenregiment,  welche  mit  denen  anno  1777  pro   aerario   erkauften, 

annoch  uneingetheilten  bi»  weiteren  hohen  Befehl  sur  Pflegung  über  Winter  in  der  Buco- 

wina  verbleibenden  Renionten,  neu  und  alten  Gebrauchpferden  coinmandiert  sind. 

Eigenh.  (K.-A.,  IL  S.  1773-43-31.)  Tzerepkivska,  «)  5.  December  1777. 

Es  ist  dieser  antragende  Dienst  so  neu  als  vielfältig,  dass  nicht  möglich,  alle  Vorfallen- 
heiten  vollkommen  zu  beschreiben  und  hierüber  Erläuterung  zu  geben,  hingegen  aber  auch  dem 
Allerhöchsten  Aerario  so  vorzüglich  angemessen,  dass  durch  bezeigenden  Fleiss  und  Eifer  dieser 
einer  der  merkwürdigst  und  verdienstlichsten  sein  kann.  Daliero  habe  (ich)  zu  solchem  obbe- 
sagte  2  Herren  Oberlieutenants,  welche  schon  2  Jahre  sothanen  Kemontierungsgeschaft  mit 
möglishster  Sorgfalt  und  bezeigter  Geschicklichkeit  abgewartet,  vorgemerket  und  das  Zutrauen 
gefasset,  dass  sich  selbe  in  jenen  Fällen,  welche  diese  Instruction  nicht  erörteret,  nach  Dienst- 
angelegenheit gegenwärtig  halten  und  Selbsten  regulieren  werden,  mithin  nur  höchst  nöthig  zu 
bemerken  finde,  dass 

dem  Herrn  Oberlieutenant  Schollmeyer  zur  Verwahr-  und  üeberwinterung  seiner  von  denen 
ersten  6  Transporten  übrig  verbliebenen  118  Remonten,  dann  19  neuen  und  4  alten  Gebrauch- 
und  von  dem  7ten  Transport  zugegebenen  111  Remonten,  mithin  in  Summa  252  ärarischcn 
Pferden  die  allererst  aujetzo  neu  erbauende  Okol  Nr.  1,  so  an  der  Slowoda  Tzerepkivaka  unweit 
dem  Fluss  Szired  *)  auf  der  Anhöhe  lieget,  übergeben  werd,  allwo  der  Herr  Oberlientenant  die 
Ausfertigung  sothaner  Okols  nach  meiner  Angab,  auoh  allenfalls  bni  findender  kleinen  Verbes- 
serung nach  Dienstange messenheit  zeitlichst,  und  solang  man  noch  die  dermaligen  Arbeitsleute 
beihanden  hat,  zu  verfertigen  trachten  wolle. 

Der  Herr  Oberlieutenant  Szedetzki  hat  zu  seinen,  vom  7ten  Transport  übrig  verbliebenen 
229  Remonten,  17  neuen  und  5  alten  Gebrauch-,  in  Summa  eben  261  Pferden  die  Okol  Nr.  2 
gleichfalls  am  Fluss  Szired  herwärts  Stirtza  ')  nahe  bei  der  Überfuhr  bereits  angelegter  übernommen 
und  mit  nämlichen  Maßsregeln  im  Stande  setzen  zu  lassen. 

Die  übrig  verbleibende  13  alte  Gebrauchpferde  sind  dem  Wachtmeister  Kaol  von  Kaiser 
Chevauxlegerregiment  zu  übergeben,  welcher  seinerzeit  für  denen  Commandierten  erMigt  lob- 
lichen Regiments  zu  dem  Rückmarsch  Gebrauch  machen,  indessen  aber  selbe  in  einem  Qnaitier- 
stall  zu  Szired  pflegen  lassen  solle. 

Der  damalige  Stand  aller  übrig  ärarischen  Pferden  ist  also 


RemoDU 

Gebntaebpferde 
nene               alte 

bei  Herrn  Oberlieutenant  Schollmeyer    . 

19 

4 

„                   „                 Szedetzki 

229 

17 

5 

„           Wachtmeister  Raul    .     . 

— 

~ 

13 

Summa 

458 

36 

22 

516  Stück 
Jedem  Herrn  Oberlieutenant  wird  1  Corporal,  1  Schmied  und  8  Gemeine  von  ihrem 
Regiment,  dann  3  Gemeine  von  Kaiser  Chevauxlegers,  femers  5  Gemeine  vom  2len  Gamisons- 
regiment  und  8  Strusch-Bauern  zugegeben,  welch  letztere  all  Wochen,  nämlich  an  Sonnabend 
abgelöst  werden.  Wovon  die  Commandierte  von  der  Cavallerie,  solange  es  dermalen  thunlicfa  ond 
dann  auch  bei  Zulaf^sung  des  Wetters  und  in  Frühjahr,  die  Pferde  auf  der  Weide  zu  futtenm 
und  zur  Tränke  zu  treiben,  die  Gemeine  vom  Iten  Garnisonsregiment  zur  Zubringung  der  Fou- 
rage  und  die  8  Struschen  bei  Tag  und  Nacht  zu  Tragung  des  Futters  und  möglichster  Reini- 
gung der  Okol  zu  verwenden  der  Antrag  ist. 


*)  Czerepkoutz,  Dorf  im  Ger.-B.  Sereth. 

«)  d.  i.  Sereth. 

«)  Styrcze,  Dorf  im  Ger.-B.  Sereth. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgbstütes  Badautz.  57 

Wobei  ich  zu  erinneren  nOthig  finde,  dass  unter  diesen  zu  gebenden  Militare  und  Civile, 
insoviel  es  der  Dienst  erforderet,  genau  auf  der  Schuldiglieit  zu  halten,  übrigens  aber  wohl  zu 
betrachten  seie,  das«  diese  Arbeit  besonders  beschwersam,  mithin  wegen  der  grossen  Strapaze 
ein  so  anderes  Individuum  nach  Möglichkeit  zu  menagieren  und  selbe  mit  gelinder  Art  zu  be- 
handlen  nOtzlicher  sein  werde,  weilen  bei  solchen  Umständen  die  Liebe  das  meiste  arbeitet. 

Was  aber  denen  Herren  Gificiers  und  übrig  Benannten  zu  einer  täglichen  Diät  oder 
Zulag  hoherorten  ermessen  wird,  werde  nach  erhaltend  hochgnädigen  Befehl  von  Lemberg  aus 
sogleich  bekannt  machen,  wornach  sohin  ohne  Anstand  die  allseitige  Abgab  zu  veranlassen 
kommet. 

Die  Futter-  und  Tränkung  sammentlicher  Pferden  kommet  bei  dermalen  noch  gelinder 
Witterung  und  auch  dann,  wann  in  Winter  dergleichen  Zeit  einfallen  solle,  nachstehendermassen 
zu  regulieren:  Frühe  zwischen  5  und  6  Uhr  wird  Heu  aufgegeben,  dann  nach  Aufgang  der 
Sonne  die  Pferde  in  die  Tränke  getrieben  und  nach  solcher  Tränkung  mit  4  Mann  auf  die 
Weide  gelassen,  abends  bei  Sonnenuntergang  wiederum  getränket,  allwo  inzwischen  bis  deren 
Rückkunft  in  der  Okol  schon  Heu  aufgestreuet  sein  muss. 

Bei  der  Tränkung  recommandiere  vorderist,  die  erste  Tage  genau  darauf  zu  sehen,  dass 
die  Pferde  einen  Weg  gehen  lernen  und  nicht  eines  da,  das  andere  dorten  über  Berg  oder 
Hügel  laufen,  wo  sohin  die  Gewohnheit  sicher  einen  beständigen  Weg  machen  wird. 

Ingleichen  empfehle  jederzeit  bei  Tag  und  Nacht,  wann  Heu  vorgegeben  wird,  eine 
gleiche  Mass  zu  halten,  diesen  die  Nothwendigkeit  hinlänglich,  niemals  aber  einen  Ueberfluss 
zu  verabfolgen. 

In  harter  Winterszeit,  allwo  nicht  mehr  auf  die  Weide  getrieben  werden  kann,  wird  eben- 
falls frühe  zwischen  5  und  6  Uhr  Heu  vorgegeben,  nach  Sonnenaufgang  getränket,  in  Zeit  der 
Trankung  Heu  aufgestreuet,  nachmittag  2  Uhr  mehrmalen  Heu  gefuttert,  mit  Sonnenuntergang 
wiederum  getränket,  auch  während  solcher  Zeit  Heu  getragen  und  nachts  12  Uhr  desgleichen 
Heu  vorgegeben. 

Hier  ist  zu  bemerken,  dass  für  jeden  Tabon  200  Schock  Habergarben  zu  füttern  ange- 
tragen, welche  Fütterung  aber  allererst  a  Imo  Januarii  ihren  Anfang  nehmen  und  bis  ultima 
Februarii  daueren  solle.  Dahero  wollen  sich  die  Herren  Gberlieutenants  sodann  berechnen,  was 
auf  einen  Tag  komme.  Und  dieses  tägliche  Haberfutter  solle  allezeit  nach  der  Abendsträukung 
auf  einmal  gegeben  werden;  mithin  bleibet  zu  solcher  Abendzeit  das  Heufutter  zu  unterlassen 
and  allerst  wiederum  mitternachts  zu  geben. 

Jedem  Herrn  Gberlieutenant  werden  zu  Erkaufung  sothaner  200  Schock  Habergarben 
200  fl.  Rhn.  zu  verwenden  erlaubt;  es  ist  aber  wirtschaftlich  darob  zu  halten,  dass  ein  Schock 
nicht  höher  dann  per  ein  Gulden  erkauft  werde,  und  wann  der  Preis  geringer  als  ein  Gulden 
kommet,  wäre  der  Ueberrest  auf  mehrere  Schock  zu  verwenden,  mir  aber  hierüber  seinerzeit 
der  Ausweis  zu  erstatten. 

Wann  das  in  denen  Stalleren,  besonders  für  die  marode  Pferde  höchst  nöthige  Streu- 
strebe  nach  vorheriger  Ansuchung  bei  die  Herrn  Commissarii  nicht  gratis  erlangt  wird,  können 
doch  sothane  Herrn  Commissarii  einige  Hilfe  geben,  dergleichen  um  einen  geringeren  Preis  zu 
erkaufen  und  in  letzterem  Fall  wird  der  Betrag  in  künftige  Rechnung  angesetzet. 

In  die  an  denen  Okols  angebaute  Ställer  kommen  marode  und  allenfalls  gar  schwache 
Pferde  nebst  4  Gebrauchpferden  aufgestellter  zu  füttein  und  nach  Nothdurft  in  Stall  zu  tränken. 
Das  Wasser  tragen  die  Struschen,  die  Pflegung  dieser  Pferde  aber  bleibet  denen  Regimen ts- 
i;emeinen,  wie  dann  auch  nur  diese  wechselweis  auf  denen  Gebrauchpferden  mit  dem  Tabon  in 
die  Tränke  zu  reiten,  übrigens  aber  seinerzeit  bei  allen  Pferden  mit  denen  Struschen  die 
Wacht  zu  halten.  Die  4  Gebrauchpferde  werden  alle  Monat  oder  nach  Gutbefund  des  Herrn 
Okolscommandanten  auch  nach  längerer  Zeit  ausgelassen  und  wiederum  aufgestellt,  wobei  aber 
in  Obacht  zu  nehmen,  dass  jedem  solchen  auslassend  beschlagenen  Pferd  vorhero  die  Eisen  ab- 
genommen werden. 

Die  Tabons  sind  öfters  wohl  in  Augenschein  zu  nehmen,  die  mit  diesen  oder  anderen 
Zuföllen  be6ndende  marode  auszufangen,  aufgestellter  so  lang  zu  fütteren  und  zu  curieren,  bis 
selbe  vollkommen  reconvalesciert  werden,  für  denen  mit  verdächtigen  Drüsen  oder  Wurmb   aber 


Digitized  by 


Google 


58  Polek: 

einen  Eztrastand  zu  wählen,  solche  besonders  zu  fUttern,  zu  tränken  und  alle  Sorgfalt  zu  Ver- 
hütung einer  Ansteckung  vorzukehren. 

Die  Reinhaltung  des  Okols  ist  eine  nutzlich  und  schöne  Sache,  verlasse  mich  des  Be- 
folgs  auch  gänzlichen,  doch  erinnere  anbei,  dass  bei  manchmal  einfallender  Ohnmöglichkeit  die 
Leute  nicht  fibertrieben  werden  sollen,  wie  ich  dann  auch  gar  nicht  alle  Tag,  sondern  nur  wann 
es  möglich,  wochen-  oder  halbmonatweis,  solches  wünsche,  um  welche  Zeit  die  Commandierte 
und  Struschen  zusammen  helfen  müssen. 

In  Betreff  des  nöthigcn  Heues  wollen  sich  die  Herren  Oberlieutenants  nach  huhem  Befehl 
Titl.  Herrn  Generalmajor  Baron  v.  Spleni  bei  denen  betreffenden  Herrn  Commissarien  erkun- 
digen, in  welchen  Dörfern  und  wie  viel  in  jedem  derenselben  annoch  Falsclien  vorrHthig  seien, 
hierüber  auch  die  Anweisung  abforderen,  sohin  aber  die  Mühe  auf  sich  nehmen,  daj  Heu  an- 
noch auf  der  Heide  sowohl  wegen  der  Güte  als  in  anderer  Erfordenus  zu  besichtigen,  das  un- 
geniessbare  bezeichnen  und  sohin  bei  gutem  Wetter  einen  oder  auch  2  Mann  von  dem  zweiten 
Oarnisonsregiment  zur  Aufladung  und  Anherotransportierung  abschicken,  welchen  aber  in  spede 
zu  explicieren  kommet,  dass  die  obere  Decken  und  der  Boden,  wann  solches  nicht  geniessliar, 
auf  die  Seite  gelegt,  das  reine  Heu  besonders  und  doch  auch  dieser  Auaschuss  anhero  gefuhret 
werde,  welch  letzterer  zur  Reparation  der  doppelten  Verzftumung  und  des  Daches  gebraucht 
werden  kann.  Nach  vollkommener  Ablieferung  eines  Dorfes  Schuldigkeit  kommet  jeden  deren- 
selben besonders  nach  beiliegendem  Formulare  Quittung  zu  verabfolgen. 

Weilen  Herrn  Oberlieutenant  Schollmeyer  die  sammentliche  Marodi  von  die  G  ersten 
Tabons  belassen  sind,  hat  hingegen  Herr  Oberlieutenant  Szedetzki  die  beim  Cabardiner  Trans- 
port befindliche  Fohlen  auszufangen,  aufzustellen  und  mit  gutem  Heu,  dann  auch  Schrot  oder 
Kleien  zu  fütteren,  damit  selbe  von  der  Muttermilch  abgespindelt  werden  und  das  harte  Futter 
lernen. 

Ich  kann  es  denen  Herrn  Officiers  nicht  zumuthen,  dass  bei  Nachtzeit  bei  der  Fütterung 
jedesmal  Selbsten  zugesehen  werde,  bin  aber  durch  den  bekannten  Fleiss  ttl)erzeugt,  dass  solches 
zu  unterschiedlicher  Zeit  beschehe,  damit  der  betreffende  Unterofficier  und  auch  die  Gemeine 
ihrer  Schuldigkeit  geprüft  und  beständig  in  Obachtsamkeit  gehalten  werden. 

Boeden  Herrn  Oberlieutenants  und  zwar  jedem  besonders  sind  400  fl.  Rh.  unter  heutigen 
Dato  gegen  empfangenen  Quittungen  abgegeben  worden,  womit  anvorderist  der  Haberankauf  zu 
veranlassen  und  der  Rest  auf  andere  Verwendung  vorzubehalten,  künftig  aber  mir  sammentlich 
zu  verrechnen  ist. 

Der  Quasifeldscherer,  Vicecorporal  Steiglehner,  befindet  sich  in  meinem  Quartier  zu 
Szired,  welcher  in  allen  NothfXllen  sogleich  mit  einem  Gebrauchpferd  abgeholet    werden   kann. 

Der  Rapport  mit  angehängtem  Stand  kommet  mir  diesmal  nach  beiliegendem  Formulare  in 
duplo  einzuhändigen,  sohin  aber  alle  Monat  auf  der  gleichen  Art  zu  verfassen,  in  Zeit  meiner 
Abwesenheit  durch  Titl  Herrn  Generalmajor  Baron  v.  Spleni  mit  einem  Begleitungsbittschreiben 
und  ebenfalls  hochdemselben  unterbiegenden  Rapport  und  Stand,  nur  einfach  an  meinen  Auf- 
enthaltsort dergestalten  zeitlich  zuzusenden,  damit  solchen  jedesmal  bis  28ten  empfangen  könne, 
und  zugleich  Titl  Herr  Generalmajor  Baron  v.  Spleni  als  Landesbrigadier  sich  zur  gefälligsten 
Wissenschaft  einsehen  möge.  Wenn  aber  beim  Commando  an  Mann  oder  Pferd  etwas  Neues 
vorfallet  (ist  zu  verstehen  in  Sterbfall  oder  Desertion  erster  und  Umstehn  oder  Entlauf ung  letz- 
terer) wäre  mir  solches  durch  einen  Extrabrief  sogleich  zu  melden. 

Anbei  recommandiere  nochmalen,  sorgfältigst  darauf  zu  halten,  dass  mit  denen  Landes- 
inwohnern sowohl  als  in  allen  übrig  vorfallenden  Gelegenheiten  sich  freundschaftlich  compor- 
tieret  werde.  Auf  Feuer  und  Licht  ist  zu  Verhütung  allen  Unglückes  besonders  Obacht  zu 
halten.  Das  Tabakrauchen  in  der  Okol,  in  dem  Heumagazin,  auch  in  dem  Stall  und  beson- 
ders bei  dem  Heutragen  solle  gänzlich  verboten  sein.  In  Betretung  eines  Mannes,  so  den 
Befehl  nicht  haltet,  wäre  selber  das  erstemal  nachdrücksam  zu  ermahnen,  sohin  aber  das  zweite- 
mal dienstangemessen  exemplarisch  zu  bestrafen,  welcher  Fürgang  und  Anordnung  bei  allmä- 
liger  Ablösung  der  Struschbauem  denenselben  wohl  begreiOich  einzuprägen  ist.  Schliessliche-n 
wollen  t>eede  Herren  Obarlientenants  die  unterhabende  Commandierte  von  löbl.  Regiment  visi- 
tieren und  die  in  diesem  Dienst  zugrunde  gegangene  Monturs,  Pferd  und  andere  Rüstungsaorten, 
welche  ausser  der  vorgeschriebenen  Dauerzeit  abgenützct  worden,  in  einer  formierenden  Tabella 


Digitized  by 


Google 


Die  Anpänöb  des  k.  k.  Staatsgbstütes  Radautz.  59 

coDsignieren,  8ohin  aber  eine  an  das  betreifeud  löbl.  Kegimeut  und  eine  directe  an  mich^baldigst 
uberschicken,  damit  hoherorteo  die  Ansachung  des  Ersatzes  baldigst  bewerken  kann. 

Uebrigens  werde  mich  besorgen,  bei  meiner  Ankunft  in  Czemowitz  von  Titl  Herrn  Ge- 
neralmajor Baron  v.  S|ileni  iür  die  al  hier  über  Winter  verbleibende  Mannschaft  die  nöthige 
Bettfournituren  zu  erwirken ,  westwegen  eben  von  dorten  aus  die  Abssignation  dieser  sowohl  als 
über  die  Struschen  zurücksenden  werde. 

Sigl.  Tzerepkivska,  den  5.  Decembris  1717.  J.  Cavallar, 

Rittmeister. 


22111. 

Cavallar  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Orig.  {K.-A.  II.  S.,  1778—43-31.)  Lemberg,  27.  December  1777. 

Unterthänigst  gehorhnmster  Totalrapport. 
In  unter! hü nig.*t  gehorsamster  Folge  der  von  Einem  hochlöblich  in  denen  Königreichen 
Gallicien  und  Lodoroerien  aufgestellten  Generalmilitärobercommando  erhaltenen  hochgnädigen 
Instruction  ddo.  Lemberg,  28.  Aprilis  1776,  wormittelst  mir  mit  einem  zugegebenen  Commando 
der  hohe  Auftrag  beschehen,  in  denen  r  issisch-kaiberlichen  Provinzen  a  conto  des  allerhöchsten 
Aerario  so  viele  Pferde  anzukaufen,  als  nur  immer  dienstangomessen  aufzubringen  sein  können, 
habe  zwar  sogleich  den  Marsch  angetreten,  weilen  aber  die  Entferntheit  allzuweit,  mithin  sich 
lang  ausgedehnct  hat,  wodurch  das  Frühjahr  (wo  die  meisten  Pferdemärkte  gehalten  werden) 
verstrichen  ist,  habe  in  sotlian  177Gsten  Juhre  mit  all  angewandter  MUhe  und  seitwärts  ge- 
schickten Herren  Oflficiers  nicht  raehrers  dann  2619  Stück  ßemonten  und  58  neue  Gebrauch- 
pferde aufbringen  können. 

Weilen  aber  durch  anfangs  gedacliter  hochgnädigen  Instruction  §  8vo  mir  die  hohe  Wei- 
sung gegeben  worden,  in  Fall  solchen  Jahres  nicht  die  hinlängliche  Anzahl  Pferde  zusammen- 
zukaufen imstande  wäre,  mich  wegen  einer  allenfallig  thunlicheu  Winterung  in  russisch-kaiser- 
lichen Landen  und  wegen  dem  Ankauf  einiger  Pferden  am  Yaiktluss  oder  in  der  Cabarda  ein- 
zuvemehmen  nnd  hoherorten  hierwegen  den  unterthänigst  gehorsamsten  Rapport  zu  erstatten, 
als  habe  sub  dato  Czirkaskoj  in  Donischen  den  20.  Juli  1776  den  befundenen  Plan  unterthänigst 
gehoniamst  eingeschickt,  hierauf  aber  durch  mehrmalig  hochgnädigen  Befehl  von  Lemberg  5.  Oc- 
tobris  zu  vernehmen  gehabt,  dass  mich  mit  denen  bei  mir  verbliebenen  Commandierten  Ober  Winter  in 
Russland  aufhalten  und  durch  diese  W^ege  den  zeitlicheren  Ankauf  deren  Remonten  veranlassen  solle. 
Wie  ich  mir  nun  diese  Winterszeit  mit  Aufsuchung  genügsamer  Handelsleute  sorgsamst 
zunutzen  gemacht,  auch  mit  theils  derenselben  wirklich  contrahiert  habe  und  dadurch  versi- 
cheret sein  können,  dass  gleich  .Anfangs  des  FrUhjahrs  1777  die  nöthige  Pferde  in  Bereitschaft 
sein  werden,  so  habe  den  4ten  Aprilis  1777  mit  1  Corporal  und  2  Gemeinen  mittelst  der  russi- 
schen Post  die  Reise  nacher  Cabarda  angetreten  und  durch  einer  zurückgelassenen  schriftlichen 
Instniction  den  neuerdings  mit  einem  Commando  in  Russland  abgegangenen  Herrn  Rittmeister 
V.  Canisius  zu  allen  Vorfallenhelten  belehrnet.  welcher  dann  nach  seinem  mir  erstatteten  Rapport 
in  der  Gegend  Czirkaskoi  am  Donnfluss  über  Abzug  deren  von  denen  voriges  Jahr  vom  7ten 
Transport  verlorenen  77  über  Winter  eingebrachten  47  Stück  Pferden  neuerdings  2484  Stück 
Remonten,  dann  51  neue  Grebrauch-  und  von  denen  mitgegangenen  Lieferanten  18  Remonta  in 
Szalitschek  übernommen  hat. 

Und  ich  habe  in  der  Cabarda  ebenfalls  341  Remonten  und  17  Gebrauchpferde  eingehan- 
delt, da86  also  in  diesen  2  Jahren  für  dem  allerhöchsten  Aeratio  nachstehende  Remonten  in 
Emp&og  zu  nehmen  kommen. 

Benanntlich  Remonten 

Anno  178C 2619 

Anno  1777  mil  denen  ersten  6  Transports  nach  Abschlag  der  47  gefunde- 

denen  von  anno  1776  2484 

von  denen  Lieferanten  auf  dem  Assentplatz  nachgenommen  18  2502 

mit  dem  7ten  Transport 331 

Summa  des  zweijährigen  Remontaeinkaufs  .         .         .  5462 


Digitized  by 


Google 


60 


Poler: 


Abgang. 

.Anno  1776  sind  marode  unterwegs  eingestellt  worden       ....  3 

Vom  7ten  Transport  sind  verloren  gewesen  77,  weilen  aber  anheuer  47 

nachgebracht  worden,  verbleiben  HO 

8.  y.  crepiert 12 

von  Wolf  zerrissen 1 

ersoffen 1 

in  Szalitscbek  den  Hals  gebrochen         .......  1 

verkauft 4 

Anno  1777  auf  dem  Marsch  crepiert 18 

in  Szalitscbek  „  5 

„  „     todtgeschoBsen 2 

in  der  Buccowina  den  26.  November  S.  v.  crepiert  .... 
vom  7ten  Transport  auf  dem  Marsch  den  Fuss  gebrochen    . 

Summa  des  Abganges 
Wann  von  vorigem  Einkauf  deren  5462  gleich  l)esagter  Abgang  defal- 
eiert  wird  mit         ....       79 

verbleiben  zu  verweisen 

Hier  ist  um  Richtigkeit  willen  der  Umstand  anzumerken,  dass  von 
denen  heuerig  erkauften  Gebrauch pferden  20  Stück  diensttauglich  be- 
funden und  assentiert  worden,  welche  also  denen  Kcnionten  zuzuschla- 
gen mit 

Ist  also  der  Kemontastand 
Verweisung. 

Anno  1776  sind  assentiert  worden: 

Chevauxlegere         .         .         , 1301 

Husaren 1219 

Anno  1777  Carabiniers 1.30 

Chevauxlegers 865 

Husaren 1430 

Von  denen  heuerig  6  ersten  Transporten  schwach  unl  defectuos  llbrig 
verblieben  und  mit  dem  7.  Transporte  nachgebracht,  über  einen  vor- 
bemerkt den  20ten  November  crepierten,  befinden  sich  zur  PAegung  in 

der  Buccowina  annoch  uneingetheilt 118 

vom  7ten  Transport  über  Abzug  1  Stück,  so  vorberaerktermassen  den 
Fuss  gebrochen,  sind  in  der  Buccovina  uneingetheilt  .         .         .       340 

Facit     ". 
An  Gebrauchpferden  sind  mitgenommen  und  neu  verkauft 

Anno  1776  alt  in  Gebrauch  geweste  Pferde  mitgenommen 

dortmals  darzu  gekauft 

Anno  1777  bei  denen  6  ersten  Transporten  erkauft          .... 
bei  dem  7ten  Transport         .         .         .~ 


Remonten 


52 


25 
1 
1 


79 


5383 


20 


5403 
Remonten 

2520 
2425 


458 


5403 
worden,  wie  folgt. 

Gebrauchpferde 
68 
58     X 
51 
17     ' 


126 


Summa     . 
Hievon    kommen    vorderist   abzuschlagen    Vorstehendermassen    zu    Re- 

monta  assentierte 

Verbleiben     . 
Ausweis. 

Anno  1776  S.  v.  crepiert 

durch  Deserteurs  entführt 

entloffen  2,  wovon  aber    mit    dem   7ton  Transport  anno  1777    1  Stück 

nachgebracht  worden,  verbleibt 

verkauft 


194 
20 


174 


16 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütks  Radaltz.  61 

Gebrauchspferde 
Hebert  rag  16 

Anno  1777  verkauft  in  Szalitschek 63 

do.  bei  denen  Regimentern  in  Qallicien  zugeth^lt  geweste  .         28     , 

zum  Verkaufen  dem  Kaiser  Chevauxlegersregiment  nacher  Mähren  mit-  ' 

gegeben 13 

auf  dem  Marsch  crepiert 4 

beim  Klnskischen  Chevauxlegersregiment  gestohlen        ....  1 

zu  Grewen-Husaren  abgegeben       , 2 

vom  7ten  Transport  bei  der  Biszar  Simnik  in  Saporogien  wegen  starker 

Krfirope  zurückgelassen 1 

in  der  Buccowjna  aufgestellt  mit  Zuwachs:  1  Stück,  vom  7ten  Trans- 
port nachgebracht,  hingegen  Abzug:  13  Stück,  zu  Kaiser  Chevauxlegers 
zum  Verkaufe  nacher  Mähren  mitgegeben,  verbleil>en  ....  45 

Sage     .  174 

Uebrigens  habe  mir  zwar  dem  hochgnädigen  Befehl  von  ddto  Lembarg  den  öten  Aprilis 
1777  in  Betreff  eines  fernerhin  anzustossen  suchenden  Contracls  mit  dortendig  armenisch  oder 
jüdischen  Handelsleuten  recht  sehr  angelegen    gehalten 

Ich  bin  die  bekannte  grössere  Pferdehändler  angegangen,  welche  alldortcn  zur  Antwort  erlheilet, 
das»  sie  allerst  hören  wollen,  wie  es  denen  anheuer  bis  Szalitschek  mitgegangenen  Cameraden 
abgelaufen  seie,  an  welchen  selbe  mir  auch  Briefe  mitgegeben.  Derowegen  habe  nach  meiner 
Ankunft  in  Szalitschek  die  2  wohlhabende  Handelsleute  um  ihre  Gesinnung  nochma'.en  befragt, 
welche  nach  gemachter  Ueberlegung  den  Kntschlnss  gegeben:  Wann  auch  russisch- kaiserlicher- 
seits  die  allerhöchste  Erlaubnis  ergienge,  über  denen  Grenzen  frei  Pferde  verkaufen  zu  dürfen 
(welches  aber  dermalen  noch  eingeschränket  und  auf  jedes  Stück  10  Rubel  Maut  geschlagen  ist), 
so  wäre  ihnen  doch  wegen  vielen  zu  passieren  habenden  Länderen  und  Mauten  fast  ohnmöglich 
die  Lieferung  auch  gegen  einen  grösseren  Frei«  einzugehen;  hingegen  sind  sie  erbietig,  wann 
denenselben  in  vorhergehendem  Herbst  aviso  gegeben  würde,  und  dann  ein  Oflficier  im  Früh- 
jahre allhin  kommete,  so  die  Pferde  alldorten  übermesset  und  bezeichnete,  sofort  al>er  mit  denen 
Transports  zurückgienge,  solche  bis  in  das  republicanische  Fohlen  auf  ihrer  Gefahr  zu  treiben 
und  auch  das  halbe  Geld  allererst  alldorten  zu  empfangen. 

Diese  Nation  bestehet  aus  Russen,  Tartarn  und  Kalmuken,  so  zwar  alle  Soldaten,  aber 
ausser  Kriegszeiten  und  besonders  im  Handel  sehr  forchsam  sind.  Armenier  befinden  sich  dies- 
seits des  Donnflufises,  ausgenommen  in  der  Moldau  und  Wallachey,  wenig,  hingegen  bei  Astracan, 
Kislar  und  Mostok  in  Asiatischen  genug,  ist  aber  mit  selben  nichts  Verlässliches  zu  machen 
and  sehr  hart  sich  mit  ihnen  in  einen  Contract  einzulassen.  Von  Juden  aber  ist  in  diesem 
Land,  ausser  auf  der  pohlnischen  Grenz,  aichts  zu  sehen,  weilen  selbe  schon  längsten  aus  dem 
russischen  Reich  verbannet  worden.  Derowegen  bin  auch  unvermögend  gewesen,  diesen  hohen 
Befehl  in  uoterthänigst  gehorsamstschuldigste  Erfüllung  zu  bringen. 

Gleichwie  mir  übrigens  der  hochgnädige  Auftrag  beschehen,  für  denen  gegenwärtiges 
Jahr  von  die  6  ersten  Transports  übrig  verbliebenen  und  dann  für  den  ganzen  7ten  Transport 
in  der  Bnecowina  einen  tauglichen  Platz  zu  suchen,  damit  sothane  Pferde  über  Winter  nach 
Möglichkeit  beqaemlich  untergebracht  und  gefüttert  werden  kennten,  als  habe  nach  unterthä- 
nigst  gehorsamst  beiliegender  fnslruction  nicht  nur  2  gedeckte  Okols,  allwo  in  jedem  deren 
300  Pferde  zum  Unterkommen  vollkommen  Platz  haben,  ohnentgeltlich  des  allerhöchsten  Aerarii 
durch  die  Landesinwohner  neu  aufgestellt,  sondern  auch  denen  bei  sammentlichen  Pferden  Com- 
mandierten  2  Herren  ObeiUeutenants  die  Mannschaft  und  Pferde  eingetheilt  und  selbe  in  allen 
Stücken  zum  Dienst  des  allerhöchsten  Aerario  belehrnet.  wobei  mich  aus  Erfahmis  und  Kennt- 
nis deren  bereits  schon  2,  3,  auch  4  Jahr  mit  mir  gewesten,  ausgesuchten,  guten  Commandierten 
der  Cavallerie  versichere,  dass  mit  sothanen  geringen  Commando  der  zwar  beschwersam,  Tag 
und  Nacht  danemde  Dienst  daiinoch  vollkommen  erfüllet  werde. 


Digitized  by 


Google 


62  Polek: 

Hierbei  finde  aber  zu  meiner  Schuldigkeit  die  unteribänigst  gehorsamste  Vorstellung  und 
Bitte  zu  machen,  dass  die  bei  diesem  Commando  annoch  commandiert  befindliche  Individuen 
der  Cavallerie  nicht  nur  wegen  dem  starken  Dienst,  sondern  auch  wegen  ihrer  schon  lang  in 
diesem  Geschäft  vorzUglich  bezeigten  Eifer  wenigstens  bis  ultima  Mai  1778  einer  sidi  würdig 
gemachten  Zulag  erfreuen  könnten. 

Nach  welch  ein  so  anderer  hoclignädigen  Ermessung  um  die  Ausfolgung  deren  erforder- 
lichen Verlagsgeldem  die  unterthänigst  gehorsamste  Bitte  unterlege. 

Wollte  hingegen  hoherorten  hochgnädigst  begnehmiget  werden,  fQr  jeden  in  der  Bacco- 
wina  verbleibenden  aerarischen  Pferde  a  dato  ihrer  dortländigen  Aufstell-  und  Fütterung  von 
15.  Novembris  1777  bis  15.  Mai  1778  incl.  eine  tägliche  Verpflegung  per  Stück  a  l'/i  Portion 
Heu  und  */,  Portion  Haber  auszumes^en,  welch  letzterer  aber  ausgedroschener  nicht  angebracht, 
sondern  (weilen  die  Pferde  frei  und  unangebunden  sind)  in  Garben  gefüttert  werden  muss, 
könnten  nach  meiner  unterthänigst  gehorsamst  ohnmassgcblichen  Ant^'ag  sammentliche  Pferde  bis 
zu  ihrem  Ausgang  auf  die  Weide  täglich  zweimal  mit  Habergarben  gefuttert  werden,  wodurch 
selbe  besser  zu  Kräften  kommen  und  in  Frühjahr  }>ei  erreichendem  Gras  umso  viel  ehender  das 
ansehnliche  Wachsthura  erreichen  würden. 

Und  weilen  ohne  Zweifel  das  schon  dermalen  fütternde  kais.  königl.  Heu*)  der  Buceowiner 
Cassa  zu  l>ezahlen  sein  wird,  die  unausgedroschene  Ilabergarben  aber  von  denen  Landesinwohnem 
erkauft  werden  müssen,  könnte  durch  Auswerfung  deren  Portionen  in  Geld  nach  Bezahlung 
aller  Fourage  eine  Ersparung  ausfallen,  wormit  nicht  nur  die  erforderlichen  Unkosten  bestritten, 
sondern  auch  die  Zulagen  abzureichen  hinlänglicher  Vorrath  verbleibete,  mit  der  unterthänig 
gehorsamsten  Versicherung,  dass  hierdurch  kein  Pferd  sich  einigen  Abgangs  des  Futters  be- 
klagen würde  und  auch  die  Commandiertc  verdienstUchcrmassdn  befriedigt  werden  könnten. 

Hiermit  wäre  zugleich  imstande,  mein  2jährig  aerarisches  Kemontierungsgeschäft  schon 
dermalen  vollkommen  abzuschliesscn,  und  bleibete  in  Hinkunft  nur  über  den  Gelderempfang  auf 
Naturalien  der  unterthänigst  gehorsamste  Ausweis  zu  erstatten. 


FZM.  Graf  Siskovics  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1778—43—31.)  I^mberg,  31.  December  1777. 

Es  zeiget  sonach  (der)  Remontenrapport,  dass  die  Chevauxlegers-  wie  die  Hnsarenregi- 
menter  auf  den  damalig  bekannten  Abgang  nicht  nur  completiert,  sondern  auch  mit  denen  an- 
getragenen supemumerarien  k  90  und  120  Pferde  vollständig  versehen  worden  und  nur  lediglich 
denen  Carabiniersregimentem  die  denen  jedem  derselben  zugedachten  30  supemumerarien  ni(^ 
haben  ganz  verabfolget  werden  können,  sondern  ein  jedes  hie  von  anstatt  30  nur  0  Stück  über- 
kommen habe. 

Endlich  bemerket  (der)  Remontierungsbericht,  dass  sammentliche  G  Remontentransports 
nicht  nur  von  gut-  und  dienstbarer  Gattung,  von  schönem  Schlag  und  Wachsthum  gewesen 
seien,  sondern  auch  alle  Regimenter  die  Zufriedenheit  finden  müssen,  indem  heuer  nicht  so  viele 
schwache,  gar  zu  junge  und  unter  der  Mass  wie  sonstige  Jahre  vorgefunden  worden. 

Bevor  als  die  Remontenübemalime  der  ersten  G  Transporten  in  Szallescdk  geendiget 
wäre,  träfe  der  Rittmeister  Cavallar  für  seine  Person  daselbsten  ein.  Nachdeme  aber  von  diesen 
6  Transperten  nicht  nur  119  Remonten,  sondern  sein  ganzer  aus  der  Cabarda  anmarschierender 


*)  Die  Heuabgabe  wurde  in  der  Bukowina  im  Jahre  1769  von  den  Russen,  die  damals, 
im  russisch -türkischen  Kriege,  von  diesem  Landstrich  Besitz  ergriffen,  eingeführt.  Sie  blieb  auch 
unter  der  österreichischen  Herrschaft  fortbestehen,  wurde  aber  vom  Jahre  1780  angefangen  in 
Geld  reluiert  (Polek,  die  Bukowina  zu  Anfang  des  Jahres  1783.  Czemowitz  1894.  S.  78). 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k    Staatsgesi>üte9  Radaütz.  63 

Tabao  zur  Ueberwinterung  in  der  Biiccowina  ansfiel,  so  hat  man  in  Rucksicht  dessen,  dass  der 
Rittmebter  die  beste  Einsicht  und  Kenntnis  habe,  auf  welche  Art  ;e.um  Besten  des  Aerarii  und 
des  Dienstes  die  Remonten  allda  überwinteret  werden  könnten,  demselben  die  Ordre  ertheilet, 
sich  in  die  Buccowina  zu  begeben  und  durch  Mitwirkung  des  hievon  glf^ichfalls  verständigtea 
Herrn  Generain  Baron  v.  S  p  1  e  n  y  zur  diesfäUigen  Ueberwinterung  die  nöthigen  Einrichtungen 
zu  machen,  nach  deren  Vollendung  besagter  Kittmeister  anerst  hieher  gekommen  ist,  um  seine 
weitläufige  Rechnungsrichtigkeit  in  Ordnung  setzen  zu  können. 

Auf  den  holien  Erlass  von  22ten  Martii  wurde  dem  Rittmeister  Cavallar  untern  5ten  April 
allbereits  der  Befehl  zugefertiget,  womit  er  sich  bemuhen  solle,  einen  armenisch-  oder  jüdischen 
Pferdlieferanten  z  i  Anstossung  eines  Contracts  auf  einige  100  Pferde  zu  vermögen.  Er  äusseret 
sich  aber  hierüber,  dass  sich  niemand  lierbeigelassen  habe. 

I • • 

Ob  Seiten  des  Generalcommando  ist  man  der  ohnmassgebist-gehorsamsten  Meinung,  dass, 
da  nach  der  Einrichtung  Russlandes  ohne  Bewilligung  des  Hofes  auch  die  Lieferanten  keine 
Pferde  aus  diesem  Gebiete  herausfuhren  können,  und  sie  auch  wegen  der  Erhöhung  der  Maut- 
abgaben nie  sicher  sind,  derowegen  auch  keinen  Contract  eingehen  können,  kein  anderes  Mittel 
übrig  sei,  als  wann  es  anderi  thunlich  wäre,  von  dem  russischen  Hofe  semel  pro  semper  einen 
freien  Pass  auf  einige  100  Pferde  jährlich  zu  erwirken,  wornach  das  allerwohlfeilste  Mittel  pro 
aerario  wäre,  im  Herbste  lediglich  einen  Officier  mit  ein  paar  Commandierten  und  der  Geld- 
halbscheid  in  diese  Lander  abzuschicken,  sodann  die  durch  den  Winter  bestellte  nur  auserlesene 
Pferde  im  Frühjahr  zu  accordieren,  auf  Gefahr  der  Pferdhändler  bis  an  die  Grenzen  von  Pohlen 
darch  ihre  tartarische  Knechte  treiben  zu  lassen,  allda  die  andere  Halbscheid  des  Betrags  zu 
bezahlen  und  entweder  durch  neubestellte  eigene  derlei  Knechte  oder  Commandierte  weiters 
anhero  zu  beforderen.  Es  scheinet,  dass  eine  Anzahl  von  5  bis  600  Pferden  so  gering  ange- 
sehen werden  dürfte,  dass  vielleicht  weder  Russland  den  Ankauf  noch  Pohlen  den  Transito 
diffieultieren  werde.  Ich  rechne  die  Erfordernis  beiläufig  für  die  leichte  Reiterei  jährlich  auf 
1500  Remonten,  und  wann  man  deren  600  aus  der  Tartarey  haben  kann,  so  dürfte  man  wohl 
in  denen  Erblanden  mit  Hilfe  der  nächst  an  uns  liegenden  Moldau  die  übrigen  aufbringen,  be- 
Rooders  wann  Mittel  vorhanden  sind,  iu  der  Ti  mesvarer  Banatsgrenze  und  in  der  Buccowina  die 
3jähiigen  Pferde  durch  ein  Jahr  ohne  besonderen  Aufwand  zu  halten  und  zu  pOegen,  weil  die 
dreijährigen  Pferde  immer  unter  a öderen  mit  angenommen  werden  müssen. 

Vermög  voran  bemerkter  Ausweisung  des  Rittmeisters  Cavallar   sind    an  Remonten    dato 

uneiDgetheilet  in  der  Buccowina  aufgestellt 4.58 

und  an  Gebrauchpferden  dabei 4.5 

zusammen         .     503  Stück. 

Zu  deren  Unterkommen  hat  besagter  Rittmeister  2  Okols  deren  ein  jeder  300  Pferde 
fassen  kann  durch  die  I^ndesinwohner  ohne  Kosten  des  Aerarii  aufgestellt  und  den  Okol  Nr.  1 
dem  Oberlieutenant  Schallmayer  von  Modena  und  den  sub  Nr.  2  dem  Oberlieutenunt  Szedetzky 
von  Hadik  übergeben,  welch  einem  jeden  1  Corporal,  1  Schmied  und  8  Genjeine  von  ihren 
Regimentern,  dann  3  von  Kaiser  Chevauxlegers,  ferners  5  Gemeine  vom  zweiten  (»arnisonsregi- 
ment  und  8  Stnische-Bauern  zugetheilet  werden.  Es  bestehen  sonach  die  Commandierte  bei 
diesen  beeden  Okols  in  2  Oberlieutenants,  dann  30  Köpfen  von  Wachtmeister  an  abwärts  und 
1<»  Bauern,  welche  zur  Versehung  obangezeigter  Anzahl  Pferde  von  ihme  Rittmeister  sufilcient 
befunden  worden. 

Weichergestalten  derselbe  die  Wart-,  Pfleg-  und  Fütterung  der  aufgestellten  Remonten 
angeordnet  und  hierüber  denen  beeden  Oberlieutenants  Schollmeyer  und  Szedetzky  die  Instruc- 
tion schriftlich  ertheilet  hat,  enthaltet  die  seinem  TotJ».lrap|>ort  anverwahrte  Beilage  des  mehreren. 

Bei  dem  Umstände,  wo  der  7te  Remontentransport  erst  den  12ten  Novembris  in  der 
Baccowina  eingetroifen  ist  und  nämlichen  Tages  auch  die  von  Szallesczik  dahin  abgeschickte 
J  19  Remonten  nebst  41  Gebrauch pferden  von  dem  Rittmeister  Cavallar  in  seine  eigene  Verpfle- 
^asg  übernommen  worden  und  nur  lediglich  jene  13  Gebrauchpferde,  die  mit  so  viel  Comman- 
dierten von  Ihro  Majestät  des  Kaisers  Allerhöchsten  Namen  führenden  Chevauxlegersregiment 
nacher  Mähren  abgehen,  aus  dem  Verpflegsmagazin  vom    20ten  Novembris    an    gegen  Quittung 


Digitized  by 


Google 


64  PoLEK : 

verpfleget  werden,  hat  man  dem  Rittmeister  Cavallar  verordnet,  seine  Rechnung  bis  «um  Ein- 
tritt in  die  Buccowina  zwar  ahzuschh'eHsen,  zugleich  aber  aufgetragen,  da»8  er  vom  Eintritt  in 
die  Buccowina  sowohl  über  die  FUtterungs-  als  anderweit  unvermeidliche  Kosten  eine  Nachtrags- 
reehnung  zu  erlegen  haben  werde. 

Aus  dem  Anlass,  dass  sowohl  der  Rittmeister  Cavallar  als  die  beeden  Oberlieutenants 
Schollmayer  und  Szedetzky  und  die  Unteroflficiers  wie  die  Gemeinen  von  dem  RemoDtierungs- 
gcschäft  noch  nicht  entlediget  und  ein  wie  andere  bei  denen  aufgestellten  Remonten  noch  immer 
Schwerer  Arbeit  ausgesetzet  sind,  hat  man  auf  das  gemachte  Ansuchen  des  Rittmeisters  Cavallar 
einem  jeden  derselben  noch  femers  bis  ultima  Mail  1778  die  bishero  genossene  Zulage  verab- 
reichen zu  lassen  ilirae  Rittmeister  die  Bewilligung  ertheilet,  wohingegen  respectu  der  Schreib- 
materialien und  Postspesen,  die  sich  ohnehin  nicht  auf  vieles  belaufen  kennen,  keine  weitere 
Aufrecbnung  passieret  werden  wird,  weilen  eine  solche  die  Officiers  von  den  beziehenden  Liefer- 
geldern gar  füglich  werden  bestreiten  können. 

Ueber  die  in  der  Buccowina  aufgestellte  458  nneingetheilte  Remonten,  dann  die  allda 
verbleibende  45  Gebrauchpferde  wird  man  infolge  hoher  Anordnung  von  8ten  Octobris  anni 
hujus  bei  Ausweisung  des  Standes  der  Regimenter  auch  jedesmal  den  angeordneten  Ausweis 
gehorsamst  einreichen. 

Man  wollte  zwar  Ober  die  diesfällige  Remonten  die  kriegscommissariatische  Revision  an- 
ordnen; nachdem  aber  der  Rittmeister  Cavallar  die  Vorstellung  machte,  dass  es  für  jetzo  nicht 
wohl  möglich  seie,  weilen  die  Pferde  ausgefangen,  beschrieben  und  abgemessen  und  doch  nach- 
hero  wiederum  freigelassen  werden  niUssteu,  und  man  aus  diesem  Grunde  überzeugt  ist,  dass 
sothane  Revision  für  jetzo  zu  keinen  weiteren  Gebrauch  dienen  könne,  so  hat  man  auch  dies- 
fällige Revision  bis  zur  Zeit,  wo  mentionierte  Remonten  unter  die  Regimenter  za  vertheilen  und 
formlich  zu  assentieren  sein  werden,  anstehen  zu  lassen  befunden,  zugleich  auch  dem  Rittmeister 
Cavallar  in  dem  Anbetracht,  dass  er  die  Fütterung  der  Remonten  nach  Verschiedenheit  der 
Zeiten  einzurichten  gedenket,  gestattet,  den  Einkauf  an  Heu-  und  Habergarben  Selbsten  zu  be- 
streiten. 

Uebrigens  ist  man  der  unterthänigst  ohnmassgebigsten  Wohlmeinung,  dass,  wenn  der  BiU- 
meister  Cavallar  seine  Rechnung  vollständig  erleget  und  es  sich  hieraus  verofTenbaret  haben 
wird,  was  für  ein  Nutzen  durch  dessen  eifrige  Verwendung  bei  dem  aufgehabten  Remontenein- 
kauf  dem  Aerario  zugegangen  ist,  demselben,  wie  denen  sich  sammentlich  mit  besonderem 
Diensteifer  verwendeten  Officiers  und  übrigen  Commandierten  eine  allergnädigst  zu  bestimmende 
Douceur  angedeihen  zu  machen  sein  dünle,  wie  solche  denenselben  Inhalt  hohen  Decrets  vom 
16.  Februarii  zugedacht  worden. 


Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1778-43—31.)  Wienn,  21.  Jänner  1778. 

( Randbemerkung)  :  Der  Inhalt  dieses  Vortrags  dient  Mir  einstweilen  zur  Wi^enschafl; 
soviel  aber  den  darinnen  vorkommenden  künftig  ferners  fortzusetzenden  Einkauf  der  Remonten 
in  denen  dortigen  Landen  betrifft,  finde  Ich  für  nöthig,  den  Rittmeister  Cavallar  selbst  anher 
kommen  zu  lassen,  um  denselben  dieses  Gegenstandes  wegen  mündlich  zu  vernehmen.  Der  Hof- 
kriegsratli  hat  dahero  demselben  durch  das  Generalcommando  anzubefehlen,  dass  solchcT  seine 
Rechnungen  über  das  aufgehabte  Remontierungsgeschäft  auf  das  fördersamste  abschliesse,  die 
Oberaufsicht  über  die  Wart-  und  Pflegung  der  in  der  Buccowina  zum  üeberwintem  befindlichen 
Hemonta  einem  andern  von  dem  Generalcommando  hierzu  schicksam  befunden  werdenden  Offi- 
cier  übergebe,  diesem  die  gehörige  Anleitung  hierzu  ertheile  und  sich  sodann  ungesäumt  anhero 
zu  verfugen  habe.  J086ph  Corr. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütbs  Radautz.  65 

Cavallar  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  n.  S.  1778-43—116.)  WienD,  26.  März  1778.- 

Wann  Ein  hochlöblicher  kais.  königl.  Hofkriegsrath  zu  immerhiniger  Completierung  der 
leichten  Cavallerie  femers  den  Ankauf  auf  ärarische  Kosten  fortzuführen  und  mir  dieses  Geschäft 
hochgnädigst  zu  übertragen  geruhen  wollte,  finde  meiner  Pflicht  gemäss,  Nachstehendes  zu  hoher 
Einsicht  unterthänigst  gehorsamst  zu  unterlegen. 

Dermalen  sind  sammentliche  leichte  Cavallerieregimenter  per  6  und  respective  8  Esca- 
drons  (nämlich  ohne  der  allererst  errichtenden  Reserv)  meistens  durch  meinen  Pferdeankauf  und 
zwar  die  Chevauzlegers  per  90  und  die  Husaren  per  120  Stllck  übercomplet  gemacht  worden. 
Zademe  befinden  sich  annoch  in  der  Buccowina  unter  meiner  Obsorg  500  Stück  uneingetheilt 
ärarische  Pferde,  wovon  die  meisten  remontamässig,  einige  aber,  welche  bei  letztvorgewester 
Assentierung  wegen  Zufälligkeiten  und  schlechtem  Ansehen  und  einige,  weilen  selbe  in  Gebrauch 
auf  dem  Marsche  sehr  abgenutzt  waren,  dortmals  nicht  überc^eben  werden  können.  Wann  nun 
diese  in  FrUl\jahr  nach  etwas  genossenem  Gras  zu  deren  Ausreinigung  in  denen  in  der  Bucco- 
wina und  Galliczien  dermalen  genugsam  vorräthig  leeren  Stallungen  aufgestellet  und  zum  harten 
Futter  gewöhnet,  darzu  annoch  diesen  Sommer  in  der  Moldau,  dem  republicanischen  Pohlen 
und  in  Galliczien  eben  500  Stück  nachgekaufet  und  in  ordonanzmässiger  Portion  gehalten 
würden,  könnten  sohin  in  künftigem  Winter  oder  Frühjahr  sothane  Remonten  in  gutem  künftigen 
iStand  und  auch  schon  etwas  zugerittener  successive  an  die  Regimenter  oder  Reservescadronen 
abgeschicket  und  hoffentlich  durch  Fortsetzung  des  ferner  mehr  oder  wenigeren  Ankaufes  die 
leichte  Cavallerie  in  beständigem  completen  Stand  erhalten  werden. 

Zndeme  aber  wäre  erforderlich,  dass  ein  a  parte  Personale  zusammengesetzet  und  ohne 
Vermischung  mit  einem  Regiment  einen  besonderen  Namen  erhielte,  damit  diese  Leute,  vom 
Oberofficier  bis  zum  Gemeinen,  in  eine  Forme  und  ohne  von  solchem  Dienst  verwechselt  zu 
werden,  zur  ordentlichen  gleichen  Futter-  und  Pflegung  belehret  werden  könnten. 

Dieses  angetragene  Personale  besonders  zu  bestimmen  und  beständig  zu  behalten  ist  zu- 
gleich von  darumen  der  nützlichste  Umstand  des  ganzen  Werkes,  damit  nicht  wie  bishero  ge- 
schehen, mit  jährlicher  Zurückeinrückung  deren  Individuen  zu  denen  Regimentern,  wo  meisten- 
theils  in  nachgefolgtem  Jahr  andere  Leute  geschicket  worden,  die  beschwersam  und  gefährliche 
Verlegenheit  vorkomme,  selbe  ihrer  Geschicklichkeit  und  Treue  allererst  zu  prüfen,  welches  in 
einer  so  kurzen  Zeit  nicht  wohl  probmässig  erforschet  werden  kann,  und  wodurch  also  der  aller- 
höchste Dienst  um  nöthiger  Sicherheit  willen  Hindernis  im  Wege  hat. 

In  dem  Fall  sothaner  Zusammensetzung  wäre  es  einerlei,  ob  von  denen  Feldregimentern 
die  unansehnlich  und  zum  Kriegsdienst  untaugliche  Gemeine  oder  auch  diese  sammentlich  von 
denen  halbinvaliden  Cavalleristen  deren  Gamisonsregimentern,  weilen  solche  ohnehin  in  kaiser- 
Hchem  Brot  stehen,  die  Bestconduisierte  abgegeben  würden.  Wie  dann  ebenfalls  die  meiste  Cor- 
poralen  von  dieser  Gattung  sein  könnten.  Sattler,  Schmied,  Feldscherer,  Fourier  und  Wacht- 
meister aber  niussten  wohlgeubte,  annoch  kräftige  lieute  sein.  Von  denen  Oberofficiers  hätte 
wenigstens  4  Individuen  erforderlich,  welche  mir  kennbar  und  zu  dem  Dienst  des  beständigen 
Ankaufes  tauglich  befindete.  Die  übrigen  zur  Pferdewartung  könnten  ebenfalls  von  der  Garnison 
genommen  werden. 

Hierbei  wäre  der  Umstand  in  Betracht  zu  nehmen,  dass  dem  ganzen  obligaten  Dienst- 
personale Reitrequiidten  gegeben  werden  müssten,  weilen  durch  selben  die  Remonten  zuzureiten, 
in  die  Tränke  zu  führen  und  nach  erhaltendem  hohen  Befehl  an  die  Regimenter  oder  Deposi- 
torien  abzuschicken  antrage. 

Eine  Montur  würde  für  das  erstemal  jedes  Individuum  mitbringen,  sohin  aber  würde 
dieses  Personale  eine  egale  Montur  kennbar  machen. 

Die  Verpflegung  könnte  in  der  Zeit,  da  nur  Pferde  gewartet  werden,  also  in  Quartier, 
wegen  vieler  Arbeit  dem  Cavalleristengelmlt  gleich  gerechnet  werden;  auswärtige  Dienste  aber 
würden  auch  gebührende  Zulagen  nöthig  haben. 

7 
Digitized  by  V:iOOQIC 


66  Polkk: 

Wie  ich  nun  vermuthe,  dass  jährlich  wenigstens  1000  Pferde  Nach  wachs  erforderlich 
seie,  also  mache  meinen  Ueberschlag,  das»  zu  sothaner  Pflegung  und  genauer  Uebersehung 
1  Commandant,  3  Rittmeisters,  3  Oberlieiitenants,  3  Unterlieutenants,  3  Wachtmeisters,  3  Fco- 
rier,  3  Feldscherer,  3  Schmied,  3  Sattler,  24  Corporalcn,  360  Gemeine,  wordurch  auf  mehrers 
anwachsenden  Reroonten,  auch  auf  einen  Erkrankungsfall  etwas  beigesehlageu,  409  Köpf  in 
Summa  erforderlich  wären. 

Dermalen  sind  vor  1000  Pferde  nur  3  auf  einen  Mann  zur  Wartung  gerechnet;  sollten 
aber  ein-  oder  anderesmal  die  Remonten  mehrers  wachsen,  könnte  auch  jeder  Mann  4  Stuck 
pflegen,  dass  also  zu  13  bis  1400  Pferde,  genügsame  Mannschaft  ausgesetzet.  Wann  hingegen 
der  jährliche  Nachwachs  auf  einer  noch  höheren  Summa  hochgnädigst  ermessen  werden  wollte, 
wäre  nach  Anzahl  der  mehreren  Stück  auch  das  Personale  mit  allen  dazu  gehörigen  Indiridaea 
zu  verslärkeren  erforderlich. 

Wie  nun  der  fürwährende  Ankauf  der  grösste  und  vorzüglichste  Dienst  sein  würde,  zu 
sothanem  Geschäft  hingegen  nicht  jedwederes  Individuum  angemessen  ist,  als  würde  dem  aller- 
höchsten Aerario  sehr  vortraglich  sein,  ^l7lnn  einige  bekannte,  geschickte,  schon  mehrere  Jahre 
in  diesem  Geschäft  sich  sehr  beeifert,  wohlerfahren  und  getreue  Ober-  und  Unterofficiers,  auch 
Gemeine  mit  Avancement  dabei  belassen  würden. 

Da  übrigens  die  nachzukaufen  gedenkende  Remonten  sogleich  von  dem  Tag  des  Ankaufes 
in  ärarischen  Futter  kommen,  wäre  hochgnädigst  zu  entschliessen,  ob  die  Pferdeportiones  aus 
denen  kais.  königl.  Magazinen  gefas.set  und  quittieret  oder  aber  durch  diesen  Personale  selbeten 
erkaufet  werden  sollen.  Nur  finde  noch  beizurUcken  nöthig,  dass  eben  wegen  der  Fourage  am 
wirtschaftlichsten  sein  würde,  wann  sammentliche  Pferde  in  Podolien,  Pokutien  und  in  der 
Buccowina  aufgestellet  würden,  weilen  alldorteu  gute,  auch  mehrer  und  wohlfeilere  Foura^  zu 
finden  ist. 

Mit  welchem  diesen  verfassten  Plan  Einem  hochlüblichen  kais.  königl.  Hofkriegsrath  zu 
hochgnädigst  beliebsamster  Einsicht  hiemit  in  Unterthänigkeit  gehorsamst  einreiche. 

Sigl.  Wienn,  den  2(5.  März  1778. 

Unterthänigst  gehorsamst 

J.  Cava  Mar 

Rittmeister. 


Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1778-43—116.)  Wienn,  28.  Mira  1778. 

Dieser  Vorschlag  würde  das  Gute  mit  sich  bringen,  dass  die  Remonten  vor  der  Abgabe 
an  die  Regimenter  gereiniget  und  etwas  zugeritten  würden,  somit  gleich  bei  der  Aasentiemng  in 
Gebrauch  genommen  und  auf  den  dienstbaren  Stand  der  Regimenter  richtige  Rechnung  gemadit 
werden  könnte. 

Es  würden  die  Remonten,  wenn  nur  ein  Käufer  sich  einfindet,  im  Preis  nicht  geetei- 
geret,  dann  die  Regimenter  die  Remontierungscommandi  und  die  Leute  zu  Wartung  der  jungen 
Pferden  ersparen. 

Das  Personale,  so  der  Rittmeister  Cavallar  zur  Remontierung  antraget,  konnte  aus  pen- 
sionierten Officiers,  dann  halbinvaliden  Gemeinen  und  Unterofficiers  des  Gamisonsregimenta,  die 
vorhin  bei  der  Cavallerie  gedienet  haben,  genommen,  somit  ein  Theil  des  neuen  Aufwands 
dadurch  verminderet  werden. 

Man  vermeinet  jedoch,  dass,  noch  bevor  diesfalls  eine  Einleitung  geschiehet,  der  Ritt- 
meister Cavallar  Gallizien,  die  Moldau  und  das  republicanische  Pohlen  zu  bereisen,  so  viel« 
Pferde,  als  er  brauchbar  fiodet,  zu  erkaufen  und  sodann  die  Relation  zu  erstatten  hätte,  wie 
viele  gute  Remonten  er  jährlich  aufbringen  zu  können,  vermeine.  Zu  welchem  Ende  der  Hof- 
kriegsrath  ihn  Cavallar  sogleich  abzuschicken  gedenket. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsöbstütbs  Radautz.        67 

SoUteo  Euer  Majestät  nachhin  den  Vorschlag  des  Rittmeistor^  Cavallar  zu  begnehmigen 
gerahen,  so  könnte  dem  diesortig  ohnmassgebigsten  Erachten  nach 

a)  Cavallar  für  die  Remonten  die  Fourage  selbst  anschaffen  oder  das  ärarische  Heu  in 
der  Buccowina  fibemehmen, 

b)  könnte  demselben  zum  Ankauf  der  Remonten  der  dermalige  Husaren-  und  Chevaux- 
legerspreis  per  Pferd  dergestalt  pasitteret  werden,  dass  in  der  Totalite  sothauer  Preis  per  Pferd 
nicht  überstiegen,  ihm  jedoch  gestattet  werde,  das  bei  einem  Rimonta  Ersparende  an  ein  an- 
deres zu  verwenden. 

c)  Scheinet,  dass  die  Superarbitrierung  der  Pferden  in  der  Buccowina  und  in  Pokutien, 
welche  dem  Aerario  vielen  Aufwand  venirsachet,  bis  zur  Abgabe  und  Eintreffung  der  Pferden 
bei  den  Regimentern  verschoben  bleiben  könnte. 

A.  G.  V.  Hadik. 

(Randbemerkung):  Ehe  und  bevor  zur  Ausübung  des  Cavallarischen  Vorschlags  ge- 
schritten werden  kann,  ist  erforderlich  zu  wissen,  wo  er  den  Ankauf  dieser  Remontapferde  zu 
veranlassen  gedenke,  und  auf  wie  viel  Stück  dergleichen  Chevauxlegers-  und  Husarenremonta 
sich  Rechnung  jährlich  gemacht  werden  dürfe.  Beiläufig  kann  dem  Cavallar  eine  Berechnung 
gegeben  werden,  wieviel,  um  5  Chevauxlegers-  nnd  7  Husarenregimenter  beständig  in  completem 
Stand  zu  erhalten,  an  jährlicher  Remonta  erforderlich  sei,  und  ist  nothwendig  dabei  eher  auf 
etwas  mehrers  als  weniger  anzutragen,  damit  auf  die  gedachte  jährliche  Erfordernis  eher  ein 
geringer  Ueberfluss  als  ein  Mangel  sich  ergebe,  und  nachdem  zur  Aufstellung  und  Fütterung 
dieser  Pferde,  bis  sie  zur  Remontierung  tüchtig  sind,  Pokutien,  Podolien  und  die  Bukowina  als 
diejenige  Gegenden  angegeben  werden,  wo  das  Aeranum  hierbei  am  wohlfeilsten  fähren  dürfte, 
so  sind  auch  allerdings  nach  der  Hand  diese  erkaufte  Pferde  dahin  und  zugleich  zu  bestimmen, 
ob  sie  mit  4  oder  5  Jahren  an  die  Regimenter  abgegeben  werden  sollen,  wovor  das  letztere 
Alter  vorzüglich  festzustellen  zu  sein  scheinet. 

Wann  dieses  erst  richtiggestellet  sein  wird,  so  hat  in  Ansehung  des  Personalis,  und  soviel 
die  Officiers  betrifft,  Cavallar  diejenigen  namhaft  zu  machen,  die  er  zu  diesem  Greschäft  zu  ver- 
wenden gedenket.  Wachtmeister  aber,  Corporalen,  Fouriers,  Feldscherer,  Schmiede,  Sattler  müssen 
theils  aufgenommen,  theils  von  denen  Regimentern  und  halbinvaliden  Mannschaft  herbeigebracht 
werden;  soviel  liingegen  die  Gemeinen  überhaupt  betrifft,  ist  dem  Cavallar  in  Ueberlegung  zu 
geben,  ob  es  nicht  besser  sei,  nur  eine  proportionierte  Anzahl  altgedienter  gleichen  gemeiner 
Mannficbaft  hierzu  zu  verwenden,  die  übrige  Mannschaft  aber  zur  Wartung  dieser  Pferde  von 
denen  Landleuten  auf  gewisse,  zu  bestimmende  und  zu  capitulierende  Jahre  aufzunehmen.  Die 
Montierung  der  Mannschaft  ist  ein  Gegenstand,  der  sich  seinerzeit  leicht  wird  bestimmen  lassen. 
Vorzuglich  ober  ist  es  nothwendig,  den  Cavallar  von  hier  abzuschicken  und  seinen  Vorschlag 
wegen  dem  zukommenden  Einkauf  der  Pferde  abzuwarten,  und  muss  derselbe  auch  für  das 
Gegenwärtige  die  Weisung  erhalten,  insofern  sich  bei  seiner  Zurückkunft  in  Gallizien  die  Gele- 
genheit äussern  sollte,  Pferde  durch  eigenen  Einkauf  oder  auch  durch  Contracte  aufzutreiben, 
er  sich  solche  zunutzen  zu  machen  nicht  verabsäumen,  sondern  sich  äusserst  angelegen  halten 
sollte,  Chevauxlegers-  und  Hiisarenpferde  herbeizubringen,  worzu  der  Hofkriegsrath  ihn  dann 
auch  mit  Geld  zu  unterstützen  hat,  und  da  allerdings,  wann  nur  ein  Einkäufer  vorhanden  ist, 
die  Pferde  umsoweniger  im  Preis  übertrieben  werden,  so  hat  der  Hofkriegsrath  auf  dasjenige, 
was  dem  galUzischen  Generalcommando  wegen  Ausfindigmachung  mehrerer  Lieferanten  bereits 
mitgegeben  worden,  dasselbe  dahin  zu  verständigen,  dass,  insoweit  als  daselbst  einige  Contracte 
mit  derlei  Lieferanten  seither  schon  geschlossen  worden,  solche  zwar  in  Erfüllung  bringen  zu 
lawen  getrachtet  werde,  für  die  Zukunft  aber  dortigerenden  der  Ankauf  der  Pferde  für  den 
Dienst  dnrch  keinen  andern  als  den  Rittmeister  Cavallar  zu  besorgen  sei. 

Joseph  Corr. 


Digitized  by 


Google 


68  Polbk: 

Siskovics  an  den  Hofkrtegsrath. 

Orig.  (K.-A.  n.  S.  1778—43—117.)  Leraberg,  28.  Februar  1778. 

Es  wird  Einer  hohen  Instanz  .  .  .  die  von  dem  Rittmeister  Cavallar  über  die  zum  Behuf 
des  pro  ao.  1776  et  1777  aufgehabten  Remontierungsgeschäfts  empfangenen  Gelder  pr.  289.495  fl 
ölVe  kr.  erlegte  Berechnung  .  .  .  überreichet. 

Die  von  dem  erdeuten  Rittmeister  Cavallar  erkaufte  Remonten  sowohl  als  die  Gebrauch- 
pferde  pr.  5588  StUck  sind  sammentlich  rechtens  ausgewiesen,  und  es  kommet  nach  der  dem 
Ausweis  beigefügten  Eventualausrechnung  jedes  der  assentierten  4947  Remonten  ohne  Unter- 
schied, ob  es  an  die  Chevauxlegers-  oder  Husarenregimenter  abgegeben  worden,  auf  52  fl.  547?  kr. 
zu  stehen  ...  Es  veroffenbaret  diesfällige  Ausrechnung  noch  femers,  dass,  wenn  diese  Anzahl 
Remonten  gegen  den  sonst  hierauf  verwilligten  Remontageid  a  19  und  respective  15  ord.  Du- 
caten  wären  gestellet  worden,  dieselbe  um  91.304  fl.  47*/8  kr.  höher  zu  stehen  gekommen  wären, 
und  ist  dahero  in  dem  Anbetracht,  wo  dem  allerhöchsten  Aerario  durch  diesen  Cavallariscben 
Remonteneinkauf  eine  so  beträchtliche  Ersparung  zugehet,  des  .  .  .  Dafürhaltens,  dass,  wie  denen 
sammentlichen  Remontierungscommandierten  vermög  hohen  Decrets  vom  16.  Febr.  1776  eine 
Remuneration  zugedacht  worden,  mehrwiederholter  Rittmeister  Cavallar  wie  denen  sich  sammenl- 
lich  mit  besonderem  Diensteifer  verwendeten  Officiers  und  übrigen  Commandierten  eine  «llergnä- 
digst  zu  bestimmende  Douceur  angedeihen  zu  lassen  sein  dürfte. 


Hofkriegsräth  an  Cavallar. 

Concept.  (K.-A.  IL  S.  1778—43-116.)  Wienn,  30.  März  1778. 

Vermög  herabgelangtem  Allerhöchsten  Befehl  solle  derselbe  sogleich  nacher  Gallicien 
abgehen  und  sich  äusserst  angelegen  halten,  so  viele  Chevauxl  egers-  und  Husaren pferde,  es  seie 
nun  durch  eigenen  Ankauf  oder  durch  Contracten  aufzubringen,  als  es  möglich  sein  wird,  ond 
hat  sich  derselbe  um  Erlangung  der  dazu  nöthigen  Verlagsgelder  an  das  Generalcommando 
in  Gallicien  zu  wenden,  welches  hierwegen  unter  einem  den  Auftrag  erhaltet. 

Was  dessen  Vorschlag  wegen  des  beständigen  Remonteneinkaufs  betrifft,  wird  von  ihm 
über  folgende  Gegenstände  die  Aeusserung  gewärtiget: 

a)  wo  derselbe  den  Ankauf  der  Remonten  zu  veranlassen  gedenke, 

b)  wie  viele  Stucke  an  Chevauxlegers-  und  Husarenremonten  derselbe  jiüirlich  «icher 
aufbringen  zu  können  sich  Rechnung  mache.  Wobei  ihm  zum  Nachverhalt  zu  gereichen  hat, 
dass  man  jährlich  560  Chevauxlegers  und  1050  Husaren  (sie)  brauche,  welche  Summa  etw» 
über  15  procento  für  den  completen  Kriegsstand  der  5  Chevauxlegers-  und  7  Hu^arenregimenter 
gerechnet  ist.  Jedoch  ist  der  Antrag,  die  Remonten  erst  mit  completem  5ten  Jahr  an  die  Re- 
gimenter abzugeben  und  bis  zu  Erreichung  dieses  Alters  in  Podolien,  Pocutien  und  in  der  Bn- 
covina  zu  belassen. 


Cavallar  an  den  Hofkriegsräth. 

Orig.  (K.-A.  U.  8.  1778—48—132.)  Wienn,  3ten  Aprü  1778, 

Unterthänigst  gehorsamste  Äusserung. 
Auf  dem  sub  dato  Wienn,  den  30ten  März,  von  Einem  hochlöbl.    k.  k.  Hofkriegsräth  an 
mich   herabgelangten    hochgnädigen  Befehl    werde  .  .  .  ohnermangeln,    den    6ten    dieses    nacher 


Digitized  by 


Google 


DiB  Anfänge  des  k.  k   Staatsoestütes  Radautz.  69 

Leiuberg  in  Galliczien  abzugehen  und  sohin  nach  äussersten  Kräften  mir  angelegen  halten,  so 
viele  Pferde  von  Chevauxlegers-  und  Husarenschlag,  aU  nur  immer  aufzubringen  sein  können, 
zu  erkaufen. 

Mein  Antrag  des  Pferdeankaufes  ist,  wann  in  russischen  Reiche  nicht  remontiert  wenlen 
solle,  die  Moldau,  das  republicanische  Pohlen  und  Galliczien.  In  letzteren  zwei  Ländern 
wird  wohl  nicht  nel  zu  machen  und  die  wenig  findende  Pferde  sehr  theuer  sein;  doch  konnte 
eine  öilenüiche  Bekanntmachung  des  an  mir  hochgnädig  herabgelangten  hohen  Auftrages  durch 
das  galliczische  Landesgubernium  einigen  Vorschub  machen.  In  der  Moldau  kann,  ohne  ein 
Aufsehen  zu  machen,  mich  ohne  Pass  nicht  wohl  hineinbegeben.  Es  haben  aber  die  in  Disme- 
nitz  ^)  und  Stanislau  beOndÜche  Armenier  einige  Gestüter  in  der  Moldau,  welche  durch  machende 
Contracte  auch  noch  mehrere  an  sich  ziehen  und  herausbringen  könnten.  Wann  hingegen  nach 
hocbgnädigem  Gutbefund  wenigstens  von  der  Krön  Pohlen  ein  Pass  erhalten  würde,  könnte  zu 
Mojhilow  ')  eine  Pferdwerbung  aufgestellt  und  sowohl  aus  dem  Republicani sehen  als  auch  aus 
der  Moldau  Comerz  getrieben  werden,  weilen  es  alldorten  Leute  gibt,  so  ohne  Pass  in  weitere 
fremde  Länder  gehen  können,  welches  aber  mir  jederzeit  gefährlich  füllen  würde. 

Dieser  Gegenstände  wegen,  und  da  zugleich  Hungarn  und  Siebenbürgen  für  denen  Regi- 
mentern zu  eigenem  Ankauf  vorbehalten  werden  solle,  kann  für  dermalen  die  Aufbringungszahl 
nicht  sicher  aussetzen  und  zwar  umsomehr,  da,  wie  bishero  geschehen,  die  königlich- preussischo 
und  eh  urfurstl  ich -sächsische  Truppen  ihre  Remonten  ebenfalls  in  diesen  Ländern  geholet,  welche 
mit  polnisch  und  moldauischen  Pässen  versehen  waren. 

Die  zu  diesem  Geschäft  erforderliche  Ofliciers  bin  derselben  Ursachen  unvermögend  der- 
malen zu  benennen,  indeme  solche  Individua  zu  erhalten  wünschte,  so  zu  diesem  Geschäft 
Selbsten  inclinierten  und  mit  freiem  Willen  darzu  herübergiengen;  dero wegen  vorhero  ein  Nach- 
frag  machen  zu  können  mir  unterlhänigst  gehorsamst  verbitte. 

Weilen  übrigens  hochgnädigst  bekannt,  dass  in  der  Buccowina  500  Stück  aerarische 
Pferde  vorrathig,  welche  nach  etwas  genossenem  Gras  zu  deren  Ausreinigung  künftigen  Juni 
aufzustellen  und  zum  harten  Futter  zu  gewöhnen  wünschte,  zu  solcher  Pflegung  aber  nur 
2  Oberofficiers,  2  Schmied,  4  Corporals  und  22  Gemeine  von  denen  Feld regi meutern  dermalen 
darbei  commandiert  sind,  als  würde  es  ein  Ueberfluss  sein,  wann  wegen  der  mchrers  nöthigen 
Commandierten  die  unterthänigst  gehorsamste  Anfrage  machen  solle,  sondern  ich  halte  mich  in 
Gegentheil  versichert,  dass  auf  schon  gemachte  hochgnädige  Vorsorge  durch  das  hochlöbliche 
galliczische  Generalcommando  sowohl  zu  oben  benanntem  Vorrath  als  künftig  immerhinigen 
Nachkauf  die  erforderlichen  Individuen  erlangen  werde. 

Da  für  derzeit  kein  besonderes  Personale  hoclignädigdt  anbefohlen  ist,  als  wünschte  mir 
nur  die  hochgnädige  Erlaubnis,  wenigstens  2  Fourier  und  einen  Schmied  sogleich  von  hier  aus 
mitnehmen  zu  dürfen. 

Und  gleichwie  mit  dem  Ankauf  und  Pflegung  deren  Pferden  genügsame  Arbeit,  so  dass 
jeder  Mann  seine  Ausmessung  haben  wird,  als  fallet  mir  fast  ohnmöglich,  mich  mit  einer  Wer- 
bong  abzugeben.  Hingegen  wäre  es  einer  hohen  Stelle  sehr  leicht,  wenigstens  200  mährisch  und 
schlesssche  landständische  Recruten  (so  zur  Abgab  an  die  Regimenter  nicht  angemessen,  jedoch 
weilen  solche  meistens  bei  denen  Pferden  aufgewachsen,  zu  diesem  Geschäft  wohl  abgerichtet 
werden  können)  anzuhoffen  und  an  Behörde  abzuschicken.  Den  nöthigen  Rest  der  Mannschaft 
aber  mit  denen  bereits  vorspecificiert  in  der  Buccowina  befindlichen  Individua  und  die  übiige 
Unteroflficieni  und  Gemeine  von  denen  Reservescadronen  oder  auch  denen  Cavalleristen  des 
xweiten  Gamisonsregiment  hochgnadigst  completieren  zu  lassen. 

Wegen  welch  ersterer  Montur,  und  ob  solche  militärisch  oder  auf  andere  Art  gekleidet 
werden  sollen,  Einem  hochlöbl.  k.  k.  Hofkriegsrath  unterthänigst  gehorsamst  anheimstelle,  doch 
finde  dabei  ...  zu  erinnern,  wann  dieses  Geschäft  in  einem  besonderen  Personale  verfasset 
werden  wollte,  dass  ich  mir  selbes  nach  dem  Militärfuss  und  Disciplin  auch  in  egaler  Montur 
za  commandieren  wünschte. 


';  Dismenitz  =  Tysmienica,  Stadt  in  Galizien. 

*)  Mogilew  =  Mohilew,  Hauptstadt  des  russ.  Gouvernements  gleichen  Namens. 


Digitized  by 


Google 


70  PoLEK : 

In  Angemessenheit  dieses  Dienstes,  und  damit  die  Pferde  rittig  gemacht  werden  könnea^ 
wäre  erforderlich,  sammentlich  darzu  Icommende  Mannschaft  mit  Reitrequisiten  und  Stiefel  m 
versehen.  , 

Ich  zweifle  übrigens  nicht,  dass  sothan  zwar  schwer  anscheinendes  Geschäft,  wann  alle 
hierzu  erforderderliche  Hilfe  hoherorten  herab  gedeihe,  den  gewünschten  Fortgang  und  guten 
Ausschlag  erlange,  besonders  wann  in  liochgnädiger  Rücksicht  geuommcp  wird,  dass  andnrch 
ein  beständiger  rfenlenachwachs  und  -Vorrath  vorhanden,  und  dahero  niemalen  eine  Verlegen- 
heit sein,  in  Nothfall  allererst  mit  vielen  Kosten  und  in  theueren  Preis  solche  zusammensuchen 
zu  dürfen,  auch  dass  mittelst  solcher  Aufstellung  kein  jünger  a's  5jährige8  Pferd  in  Dienste 
komme,  wodurch  solche  zu  längerer  Dauer  auswachsen  und  kräftiger  erscheinen  würden. 


35:35:. 

Cavallar  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.   1778—43—373.)  Czemowicz,  11.  Juni   1778. 

Ein  hochlöbliches  in  denen  Königreichen  Gallicien  und  Lodomerien  aufgestelltes  Oeneral- 
niilitärobercommando  wird  die  Mittheilung  und  Kenntnis  desjenigen  Plans  haben,  den  ich  infolge 
eines  Zeit  meiner  Anwesenheit  in  Wienn  an  mich  herabgediehenen  hohen  Rescripts,  inhalt 
dessen  die  Aeusscrung  von  mir  anverlangt  worden,  wie  die  Remontierung  für  die  leichte  Ca- 
vallerie  am  füglicbstcn  fortzusetzen  seie,  dem  bochlöblichen  kais.  königl.  Uofkriegsrath  in  Un- 
terthänigkeit  gehorsamst  unterleget  habe. 

Da  nun  die  gänzliche  Bestätigung  dieses  Plans  von  hohen  Orten  noch  nicht  erfolget,  so 
habe  hiemit  Einem  hochiöbl.  (ieneralmiliiärobercommando  meine  unterthänig  gehorsamste  Vor- 
stellung machen  und  diese  an  den  hochlöblichen  Hofkriegsrath  zu  begleiten,  bitten  wollen. 

Vermög  letzterem  Rapport  befinden  sich    von    dem  7ten  Cabardiner  Transport  Remonten 

in  der  Bukowina 339 

von  denen  6  ersteren  Transporten,    welche    dazumal    wegen  ihrer  Jugend  zu  klein 

und  anderen  Defecten  der  Assentierung  nicht  angemessen  waren         .         .         . 114 

453 

Unter  letzteren  114  Stücken  haben  sich  bei  dermaliger  Revidierung  des  Gestüts 
30  Stück  vorgefunden,  welche  niemals  zur  Assentierung  tauglich,  um  sie  an  die 
Regimenter  als  Rcmonta  abzugeben,  wohl  aber  als  Gebrauchpferde  Dienste  leisten 
können,  kommen  also  von  obigen  Remonten  abzuschlagen  .         .         .         .*  30 

Verbleiben  423 

Hierzu  die  in  Brodi  erkaufte  166  Stück,    wovon    1   Stück   auf  dem  Anheromarsch 

crepiert 165 

Summa  deren  Remonten  588 

Hierunter  befinden  sich  Chevauxlegers 339 

Husaren 249 

588 

Hierzu  die  alte  Gebrauchpferde 45 

Dann  die  dermalig  oben  hierzu  angetragenen  ,         .         .         .    .  30 

Summe  der  Gebrauchpferde  75 

Summe  des  dermaligen  effectiven  Standes  603 

Da  ich  bis  Ende  Augusti  sehr  gerne  diese  663  Stück  Pferde,    worunter    sehr  wenig    sein 

werden,  so  3  .Jahre  haben,  aufstellen  möchte,    um    selbe  in    den    Stand    zu    setzen,    bis    Monat 

Septembris  an  die  Regimenter  die  betreffenden  abgeben  zu  können,    so    habe    zugleich    um    die 

gnädig  hohe  Verfügung  von  einer  hohen  Stelle  zu  treffen,  ganz  gehorsamst  bitt*»n  wollen,  womit 


Digitized  by 


Google 


DiB  Anfänqb  DBS  K.  K.  StaatsoestDtes  Badautz.  71 

die  Regimenter    alBdeon    eingeleitet  werden  möchten,    solche  ganz  alihier  oder    doch  nvenigstens 
auf  der  Hälfie  des  Weges  von  mir  abzunehmen. 

> i     .     . 

Weilen  mir  von  dem  löbl.  2ten  Gamisonsregiment  erstlich  mehr  als  114  Köpfe  zuge- 
schrieben worden,  und  ich  ohne  Nachtheil  des  allerhöchsten  Nutzens  jedem  Mann  zur  Wartung 
nicht  mehr  als  höchstens  3  und  4  Pferde  zutheilen  kann,  umsomehr,  da  die  noch  ber uhrlichsten 
und  tauglichsten  Leute,  in  200  Mann  bestehend,  an  das  errichtet  wordene  Stabsdragonerregiment 
abgegeben  worden  sind,  so  zeiget  sich  von  selbsten,  dass  diese  114  Köpfe  nicht  einmal  hin- 
länglich sind,  die  allschon  im  Vorrath  beHndliche  und  fast  meistentheils  aufzustellende  663 
Pferde,  vielweniger  aber  die  noch  in  diesem  Jahre  ankaufenden  zu  versehen.  Aus  Ursache 
dessen  habe  sammtliche  Pferde  die  vorjährige,  um  sich  noch  etwas  erholen  und  die  in  Brodi 
erkaufte,  um  sich  von  dem  vielleicht  genossenen  falschen  Futter  ausreinigen  zu  können  auf 
einige  Zeit  auf  die  Weide  gelassen. 

Indeme  nun  jedem  dieser  schon  sehr  enervierten  Mannschaft  *}  zur  Wartung  3  und  4 
Pferde  angetragen  sind,  so  befinde  unlerthänigst  vorzustellen  und  ganz  gehorsamst  zu  bitten 
für  nolhwendig,  womit  eine  hohe  Instanz  dem  gesammten  Remontierungspersonali  die  GebQhr 
wie  jenem  beim  kaiserl.  königlichen  Mililärfuhrwescnscorps  allergnädigst  verabreichen  zu  lassen 
geruhen  wolle.  Dahingegen  wären  keine  Diäten  und  Zulagen  zu  verwilligen  als  nur  jenen, 
welche  die  Pferde  an  die  Armee  oder  botretfende  Regimenter  transportieren,  und  in  dem  Fall, 
wenn  welche  in  fremder  Puissancen  Länder,  wo  man  auch  sogar  Dach  und  Fach  aus  Eigenem 
bestreiten  muss,  auf  Remontierung  abgeschicket  wUrden. 

Das  gesammte  Personale  wünschte  ich  mir  nun,  wie  schon  in  eröftertem  Plan  ange- 
suchet  habe,  von  denen  Regimentern  völlig  aus-  und  zu  dem  Remontierungscommando  Ober- 
zutreten,  massen,  wenn  die  Individua  bei  denen  Regimentern,  die  dermalen  weit  entfernt  stehen, 
Kugetheilt  bleiben,  wegen  so  vielerlei  separierten  Berechnungen  und  Entwürfen  in  die  Länge 
sich  eine  Confusion  ereignen  könnte. 

Mit  denen  aufzunehmenden  Landleuteu  habe  ich  zwar  auch  eine  Probe  gemacht,  dereu 
aber  auf  gewisse  zu  capitulierende  Jahre  gar  keinen,  sondern  nur  44  Köpfe,  insolange  es  selben 
gefällig,  a  täglich  15  kr.  Bezahlung,  hier  und  in  Brodi  bekommen  können,  wovon  aber  aus 
äaseerster  Furcht,  unter  das  Militare  genommen  zu  werden,  ohngeachtet  alles  Zuredens,  solche 
bis  auf  18  Mann  anwiederum  ihre  Entlassung  genommen  haben. 

Nachdeme  die  von  dem  7ten  Cabardiner  Transport  über  Winter  alihier  gestandene  Stuten 
bishero  24  Fohlen  bekommen  haben,  so  ermangle  ich  nicht,  mich .  .  .  anzufragen,  ob  diese  ent- 
weder plus  offerenti  verkauft  oder  irgendswohin  abgegeben  werden  sollen. 


Joseph  li.  an  den  General  der  Cavallerie  Grafen  Caramelli. 

Orig-  (K.-A.  II.  S.  1778—43-325.)  Ertina,  13.  Juli  1778. 

Lieber  Graf  Caramelli!  Da  Mir  an  dem  Remontierungsgeschäft,  so  der  Rittmeister  Ca- 
valLar  in  der  Bnccowina  und  den  dortigen  Gegenden  zu  Meinem  Vergnügen  betreibet,  sehr  viel 
gelegen,  Ich  aber  erfahre,  dass  es  demselben  theils  an  der  erforderlichen  Mannschaft  zur  War- 
tung der  Pferden,  theils  an  den  Pferdsrüstung-' und  Montursstücken  annoch  gebricht,  p.ucli  ihm 
auf  dem  Sammelplatz  wegen  der  nöthigen  Grasfatterung  und  wegen  denen  zur  künftigen  Auf- 
stellang  der  Pferde  sehr  schlecht  qualificierte  Stallungen  verschiedene  Hindernisse  im  Wege 
stehen,  so  will  Ich  Ihnen  hiemit  aufgetragen  haben,    dass    von    Seiten    des  Hofkriegsraths  allen 


«)  Die  Gamisonsregimenter  boten  zugleich  Ruheposten  für  minder  kriegstaugliche  Mann- 
schaft und  Officiere  der  Armee.  (Feldzüge  des  Prinzen  Eugen  voj  Savoyen.  I.  Serie, 
1.  Bd.  8.  208.) 


Digitized  by 


Google 


72  Polek: 

diesen  Hindernissen  bestmöglichst  vorgebogen  und  obbemeldtem  Cavallar  zu  nocb  stärkerer  Be- 
treibung dieses  dermalen  so  Avichtigen  Geschäfts  alle  Unterstützung  verschaflet  werde.  Ertina, 
den   13.  Juli   1778. 

Joseph  Corr. 


Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.   1778—43-373.)  Wien,   14.  Juli  1778. 

(Randbemerkung) :  Bei  dem  Umstand,  wo  nach  Anzeige  des  Hofkriegsraths  der  dem 
Rittmeister  Cavallar  mitgegebene  Ankauf  der  Pferden  einen  guten  Fortgang  nimmt,  mithin 
darauf  Rechnung  gebchiehet,  dass  durch  ihn  in  Kriegs-  und  Friedenszeiten  die  angeschlagene 
Zahl  von  I^erden  herb< igebracht  wird,  ist  es  auch  nothwendig,  dass  Cavallar  das  zur  Ausfuhrung 
des  gefassten  Antrags  nöthige  Commando  erhalte. 

Soweit  es  um  Unterofficiers,  Pi-imaplanisten  und  Gemeine  sich  handelt,  muss  der  Hof- 
kriegsrath,  nachdeme  derzeit  aus  dem  Feld  von  ein-  und  andcrm  nichts  detachieret  werden 
kann,  die  Erfordernis  theils  von  dem  2ten  Garnisonsregiment,  theils  von  denen  Reserveesca- 
dronen  abgeben  machen,  hingegen  verwillige  Ich  nicht  nur  dem  pensionierten  Rittmeister 
Stetten  auf  die  Zeit,  als  er  bei  diesem  Geschäft  verwendet  wird,  das  Supplement  zur  Ergänzung 
der  Rittmeistersgebuhr,  sondern  auch  deuen  beeden  Oberlieutenants  Schollmayer  und  Szedeczky, 
dem  Unterleutenant  <ajatzeck  und  dem  Wachtmeister  Kaul  speciali  das  angetragene  Avance- 
ment zu  Secondcapitains,  zum  Oberlieutenant  und  zum  Unterlieutenant  solchergeslalten,  dass 
sie  bis  zu  ihrer  bei  erster  Apertur  zu  geschehen  habenden  Kinbringung  in  die  Wirklichkeit  den 
der  Charge  anklebenden  Gehalt  extraordinarie  beziehen  sollen. 

Ich  lasse,  soviel  das  obberührte  Avancement  betrifft,  dahier  die  nöthige  Verfügung  er- 
gehen und  versehe  mich,  es  werde  der  Hofkriegsrath  das  zur  Erreichung  der  Absiebt  allenthalben 
Erforderliche  einzuleiten  besten  beflissen   sein. 

Joseph  Corr. 


Hofkriegsrath  an  das  galizische  Generalcommando. 

Concept.  (K..A.  II.  S.   1773-43—373.)  Wienn,  22.  JuU  1778. 

Hieraus  ergibt  sich  also  auch,  dass  sämmtliche  zu  bemeldtem  Kemontierungscommando 
bestimmte  Individuen  nicht  so,  wie  es  der  Rittmeister  Cavallar  in  seinem  .  .  .  aro  24  piaet. 
hieher  einbegleiteten  Vorschlag  angetragen  hat,  bei  ihren  Regimentern  völlig  in  Abgang  zu 
bringen  und  zu  gedachtem  Remontieiungscommando  gänzlich  zu  transferieren  .^ien,  sondern 
nach  dem  Sinn  dieser  Allerhoch.sten  Resolution  bei  ihren  Regimentern  fortan  in  Stand  zu  ver- 
bleiben haben.  Inzwischen  kommt  es  nur  darauf  an,  dass  erwähnter  Antrag  des  Cavallar  in  der 
zu  entwerfen  kommenden  Instruction,  wozu  .  .  .  unterm  6ten  hujus  die  Anleitung  gegeben 
worden  ist,  ausilruoklich  bestimmet  werde,  um  sodann  den  weiteren  Allerhöchsten  Entschluss 
darüber  einholen  zu  können. 

In  Ansehung  der  Unterofticiers  und  Gemeinen,  so  der  Rittmeister  Cavallar  nebot  den 
schon  beihabenden  und  von  dem  2ten  Gnmisonsregiment  noch  erhaltenden  Leuten  zu  Coinple- 
tierung  dieses  Commando  nöthig  hat,  ergehet  an  die  allhier  und  in  Ungarn  verlegte  Reserve- 
escadrons  der  IJefehl,  so  viele  unl)eritteno  Kröpfe  dahin  abzugeben,  als  das  .  .  .  von  jeder  Esoa- 
dron  verlangen  wird,  weswegen  sich    dann    dasselbe    mit    dem    hiesigen    und    dem    ungarischen 


Digitized  by 


Google 


Die  Akfäkgr  des  k.  k.  Stäatsqestütes  Radautz.  78 

Generalcommando  einzuvernehmen,  hiemächst  der  Jaroslower  Oekonomiecommission  die  Erfolg- 
lassun^  all  jener  ROstungBsorten,  die  Cavaliar  verlanget,  aufzutragen  und  überhaupt  die  Beförde- 
rung des  KemontierungsgeschäfteH  bestmöglichst  zu  betreiben  hat. 


22:3s:xT7-. 
General  Enzenberg  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Eigenh.  (K.-A.  II.  S.   1779—43—400)  Lemberg,  18.  Jänner  1779. 

Mittels  des  U.  Rittmeister  v.  Cavaliar  an  mich  herüber  gegebene  Eisserung  verlanget 
der  hochlöbl.  k  k.  Hoff  K.  Rath  zu  wissen,  wo  her  oder  aus  was  vor  einen  Fond  die  Remonta 
Stählung  in  der  Buccovina  unterhalten,  dan  die  stahlerfordernusen,  so  aus  schaffen,  schauflen, 
gablen,  Latem  und  der  erforderlichen  Bcleirhtung  in  der  nachl,  dan  sonstigen  erfordernusen 
überhaupt  hergenommen  werden. 

Von  2  Jahren  her  hat  jeder  Buccoviner  Contribuent  per  Familie  auf  das  ganze  jähr 
he.y  gelegenheit  der  eingetrieben  wordenen  Contribution  3  fl.  contribuiret,  und  da  disses  jähr 
nun  mehro  pro  1778  erst  die  Contribution  eingebracht  wird,  und  die  Contribuirende  Summa 
auf  18000  Familien  sich  erstrecket,  so  wird  hinlänglicher  Fond  eingehen,  umb  nicht  nur  disse 
aosgaaben  zu  bestreitten,  sondern  auch  die  annoch  zu  erbauen  kommende  stahlungen  hiervon 
zu  bestreiiten,  4o  wie  alschon  aus  dissen  Fond  die  disses  verflossene  1778te  Jahr  erbaute  3 
grosse  Stahlungen  und  wacht  heusser  nebst  allen  erforderlichen  einrieb tungen  besiuritten 
worden  seind. 

Sigl.  Lemberg  den  18len  Jener  1779.  Enzenberg 

GM. 

Cavaliar  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1779-43—400.)  Lemberg,  29.  Jänner  1779. 

Unterthänigst  gehorsamstes  Promemoria. 

Ich  würde  mir  Vorwürfe  machen,  wenn  ich  mich  denjenig  thätigen  Bemühungen,  in 
welchen  dermalen  ein  jeder  ehrliebende  Soldat  überhaupt  und  insbesondere  jeder  rechtschaffene 
Officier  birh  zu  Glück  und  Beförderung  verdienstlich  zu  machen  Gelegenheit  hat,  durch  freie 
Wahl  entrissen  hätte. 

Aber  Ihre  kaiserl.  kcnigl.  Apostolische  Majestät  allhöchst  selbsteigeaen  und  Eines  hoch- 
löbl. kaiserL  königl.  Hofkriegsraths  gnädigsten  Befehle  haben  mich  nach  einer  schon  mehr  als 
ojührigen  Dienstleistung  bei  Erkaufung  leichter  Remonten  neuerdings  zu  diesem  Geschäfte  aller- 
gnädigst  zu  bestimmen  geruhet. 

Da  ich  das  Glücke  nicht  habe,  nach  meinem  Beruf  in  allerhöchsten  Felddiensten  meines 
Monarchens  (wie  ich  wünschte)  Blut  und  Leben  auszusetzen,  sondern  vielmehr  meinen  Ruhm 
nicht  änderst  als  in  Erfüllung  der  allerhöchsten  Aufträge,  von  der  gnädigsten  Einsicht  hoher 
<ir»nner  entfernet  und  unbemerkt,  suchen  kanp,  so  gelanget  meine  unterthänigst  gehorsamste 
Bitte  an  Einen  hochlöbl.  kaiserl.  königl.  Hofkriegsrath,  mir  huldreichest  nicht  sowohl  für  meine 
bislierig  wenigen  Verdienste  als  vielmeiir  zu  wirksamerem  Nachdruck  auf  das  unterstehende 
Coiuniando  und  milhiniger  Beförderung  dieses  mir  allergnädigst  aufgetragenen,  gleichfalls  zum 
allerhöchsten  Erspriessen  gereichenden  Geschäfts  eine  Stabsofficierscharge  aus  höchsten  Gnaden 
zu  verleiben. 

Der  mich  solcher  durch  unermüdete  Beeiferung  forthin  verdienstlich  zu  machen,  äusserst 
bestreben  werde. 

Sigl.  Lemberg  den  29ten  Januarii  1779.  unterthänigst  gehorsamster 

J.  Cavaliar 

Rittmeister. 

8 


Digitized  by 


Google 


74  Polek: 

XXVI. 

Cavallar  an  das  galiz.  Generalcommando. 

(Aus  den  Anfragen  zu  den  vorläufig  verfasHten  Instructionspuncten.) 
Orig.  (K.-A.  U.  S.  1779—43—400)  Lemberg,  29    Jänner  1779. 


Ein  eigenes  Renionticrungscommando  ist  sowohl  bei  Friedens-  als  Kriegszeiten  fast 
ohnentbehrlich,  indeme  lüerdurch  nicht  nnr  die  mehreste  Anzahl  der  Ikeinonteii  aufgebracht, 
Kaum  gemacht  und  grösstentheils  angeritten  werden,  sondern  es  über  dieses  auch  zur  nicht  ge- 
ringen Bequemlichkeit  der  Armee  gereichet,  wenn  diese  liemonten  wenigstens  immer  bis  Halb- 
scheide des  Weges  an  die  Regimenter  transportieret  werden,  diese  mithin  wenig  Zeit  verlieren 
dürfen,  selbe  zum  allerhöchsten  Dienste  vollends   abzurichten. 

So  kann  ich  nicht  länger  mit  dev  unterthänigsten  Bitte  zurQckhalten,  allerhöchsten  Orta 
gnädig  zu  erwirken,  damit  die  mir  zugetheilte  Mannschaft  bei  ihren  Regimentern  ausser  Stande 
gebracht  werde,  sofort  selbe  ein  eigenes,  von  mir  als  Commandanten  abhängendes,  besonderes 
Corpeto  zu  formieren  habe,  und  ich  hiernächst  mit  der  Stabsofficiers-Graduation  (um  welche 
ich  nicht  sowohl  für  meine  bishero  wenigen  Verdienste  als  vielmehr  wegen  wirksameren  Nach- 
druck auf  das  mir  unterstehende  Officierscorps  mittelst  nebengehenden  Promemoria  den  unter- 
thäuigsten  Anspruch  zu  machen  mich  unterfange  und  selbes  an  den  hochlöbl  kais.  königl. 
Hofkriegsrath  zu  überreichen  submissest  bitte)  allergnädigst  consolieret  werde. 

Die  Mannschaft  ist  bishero  durchgängig  nach  dem  gewöhnlichen  Cavalleriegehalt  in  Gal- 
licien  mit  täglich  6  kr.  Löhnung  und  2  kr.  Brotgeld  verpfleget  worden,  weilen  jedoch  dieselbe 
stets  3  und  4  wilde  Pferde  zu  versehen  hat,  mithin  mit  sehr  schwerer  Arbeit  beladen,  dahero 
dieserwegen  bei  mir  bittlich  eingekommen  ist,  selber  den  (Jehalt  in  etwas  zu  verbessern,  so 
unterlege  ein  solches  der  hochgnädigsten  Entschliessung  hoher  Behörde  und  bitte  .  .  .  für  diese 
Mannschaft  ...  im  Quartier  das  tägliche  Supplementum  zum  Fuhrwesensgehalt,  auf  dem 
Marsche  und  Transportierung  aber  (wo  ohnedies  vermöge  hoher  Verordnung  ddto.  12teo  De- 
cembris  1778  selber  die  doppelte  Löhnung  exclusive  der  in  Ungarn  gewöhnlichen  Contractions- 
zulage  passieret  wird)  die  in  dem  .  .  .  Fntwurfe  .  .  .  angetragene  Zulage  .  .  .  auszumessen. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  e.  k.  StäatsobstOtbs  Radaütz. 


75 


xxvn. 
Ausweis 

fiber  das  RiUmeüter  Cavall»ri«che  KemontieruDgücommando,  wie  aolches  heutdato  bestehet. 
Orig.  (K.-A.  11.  8.  1779—43—400.)  Lemberg,  29.  Jänner  1779. 


Benanntlich 

Obcrofficiers 

von  Wachtmeister  an 

1 

a 

g 

o 

s 
.a 

i 

Lieute- 
nant    j 

s 
1 

1 

o 

<0 
CR 

1 
S 

1 
1 

1 

s 

1 

.2 
B 

^ 

s 

u 

O 

c 

Erfordernis  zur  Errichtung 

Hierauf  befinden  sich  dabei 

von  Ihro  Majest.  des   Kai- 
sers Cbevaiuilegers 

von  Mondena  Chevauxleg. 

von  Hadick  Husaren 

von  Iten  Gamisonsregim. 

von    2ten  Gamisonbregim. 

nen  aufgenommen     . 

neu,  in  der  Pferdcurschule 
zo  Wienn 

1 
1 

3 

1 
1 

3 

1 

3 

3 

3 
2 

3 

2 

1 

3 

1 
1 

24 

1 

1 

4 

20 

360 

6 

9 

8 

59 

227 

409 

7 

12 

11 

63 

248 

2 

1 

Suroma,  eeffective 

Abgang  auf  den  completen 
Stand    des   eingereichten 
Plans      .... 

1 

2 
1 

1 
2 

3 

3 

2 
1 

3 

2 

1 

3 

26 

309 
51 

344 

67 

Summa  des  coropl.  Standes 

1 

3 

3 

3 

3 

3 

3 

2 

1 

3 

26 

360 

411 

Unterthänigst  gehorsamste  Anmerkung. 

Aus  vorstehender  Summa  ist  zu  ersehen,  dass  2  Corporals  über  den  completen  Stand  bei 
dem  Commando  vorßndig  sind,  welche  indessen  zu  Versehung  der  Wachtmeistersdienste  ver- 
wendet werden. 

Dann  befinden  sich  aus  denen  Landleuten  1  Oberknecht,  I  Bereiter  und  38  Wartknechte, 
zusammen  40  Köpf,  bei  diesem  Commando,  welche  zu  Anfang  des  Mai  dieses  Jahres  in  Er- 
manglung genügsamer  Leute  zur  Wartung  deren  Pferden  successive  aufgenommen  worden  und 
«war  in  dem  eingereichten  Plan  nicht  begrifl!en  sind.  Da  aber  diese  Leute  bei  dem  Kemontie- 
ningsgeschäft  besser  als  die  Mannschaft  von  Iten  und  2ten  Garnisonsregiment  zum  Zureiten  der 
wilden  Pferde  verwendet  werden  können,  indeme  von  denen  letzteren  sehr  viele  mit  Leibschäden, 
sehr  hohem  Alter  und  andern  Defecten  behaftet  sind,  so  solle  unterthänigst  gehorsamst  bitten, 
dtas  das  Commando  mit  solchen  verstärket  oder  doch  wenigstens  statt  deren  so  viele  Gemeine 
weniger  anhero  beigegeben  werden  mögen. 

Siirl.  Lemberg,  den  29ten  Januarii  1779. 
^  J.  Cavallar, 

Bittmeister. 


Digitized  by 


Google 


76 


Polek: 


XXVIII. 


Orig.  (K.-A.  II.  8.  1779—43-400.) 


Dislocationstabelle 

wie  das  mir  allergnädigst  anvertraute  Remontierungscommando  in  nachstehenden  Ortschaften 
des  Bukowiner  Districts  mit  Begnehmigung  Titl.  Herrn  Generalens  Baron  von  Enzenberg  be- 
quartieret lieget,  dann  die  pro  aerario  verkaufte  Pferde    aufgesteilet    und    untergebracht    werden 

können,   als 


In  denen 
Ortschaften 

Sil 

1  d    b  e 
jrs 

4 

u  a 

r 

t  i  r 

t 

Be- 

.5 
"5  > 

-1 

2,   ^ 
2  p 

Snmo 
male 
beq 

na  der  der- 

m  wirk  lieb 

Oberoffici< 

Vom  Waclit- 
me  ister  an 

Von  denen 
Landlenten 

sieh 

aanierttin 

Rittmei- 
ster und 

Com- 
mandant 

BItt. 
melster 

en 
Second 

Lleute- 
nants 
Ober 

1 

'S 

s 

1 

o 

t 

o 

.2 

g 

4^ 

1 

o 

1 

o 
c 

S 

00 

s  1 

c 

O 

c 

fl 

09 

Pferde 

Kitzman  ») 

1 

(Jos.  Oa- 

vallar> 

2 

1 

5 

43 

1 

5 

1 
58 

3 

- 

65 

58 

33      10 

Wasskowetz  «) 

- 

- 

2 

89 

" 

— 

7 

48 

2 

— 

100 

48 

66      20 

Laakif  ka ') 

- 

- 

2 

28 

- 

— 

3(1 

5 

— 

65 

30 

38      11 

Wallowa  *) 

- 

- 

2 

25 

— 

— 

— 

27 

5 



67 

27 

28        8 

[ 

Schobranez  *) 

- 

- 

2 

22 

- 

- 

3 

27 

5 

- 

65 

27 

1 
28        8 

Sadobrifka«) 

- 

1 

1 

13 

- 

— 

- 

15 

2 

- 

23 

15 

17        5 

Sattagura ') 

1 
(v.  Sta- 
detiky) 

- 

1 

5 

49 

" 

— 

.  3 

59 

4 

— 

115 

59 

82 1     26 

Kohizno  •) 

1 

V  Scholl. 

mayer 

- 

— 

2 

27 

>_'_ 



29 

4  — 

80 

29 

51 

14 

Kutschurmare  ®; 
Sterza  ^^) 

1 
Zajat. 
sohek 

— 

-^ 

2 
2 

26 
20 

1 

20 

29 
44 

4 

1 

1 

64 

56 
250 

29 
44 

26 

29 
75 

7 

Seret 

— 

- 

1 

17 

~ 

- 

— 

18 

2 

— 

50 

18 

39J      11 

1 

2 

1 

2 

3 

26 

309 

1 

1 

38 

Summa 

4 

340 

1       40 

384 

384 

37 

1 

1000 

384 

512    136 

Unterthänigst  gehorsamste  Anmerkung. 

E}8  würde  dem  allerhöchsten  Dienst  angemessen  und  sehr  zuträglich  sein,  wenn  in  dem 
Orte  Sastavna,  welches  nur  1  Meil  von  dem  Assentierungsplatz  Szalesczik  entlegen  ist,  auch 
ein  Officiersquartier  und  2  Stallungen  auf  100  Pferde  erbauet  würden,  indeme  hierdurch  nicht 
nur  die  Communication  aller  anderen  Ortschaften  von  Szalesczik  bis  an  die  Stadt  und  Fluss 
Seret  stationatim  erreicht  würde,  sondern  auch  anderentheils  in  diesem  Ort  und  um  die  Gegend 
vieler  und  guter  Wieswachs  vorhanden  und  genügsames  kais.  königl.  Heu  gefechset  wird, 
welches  dermalen  in  andere  Ortschaften  verführet  werden  muss;     überdiese«  auch  wäre  es    sehr 


*)  Kotzman.     ')  Waszkoutz   a.  C.     ')  Laszk6wka.     *)  Walawa.     ^)  Szubranetz.     ^) 
br6wka.     ')  Sadag<Sra.     ®)  Rohozna.     ®)  Kuczurmare.     ^°)  Styrcze. 


Zado- 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsobstütes  Radautz.  77 

besonders  bequem,    wegen  Nähe   der  Post  ^)    und    des  Assentterungsplatz  die  Expedition  selir  zu 
erleichtern  und  viele  weite  Ritte  zu  ersparen,  wenn  ich  mein  Quartier  daselbst  nehmen   könnte. 
Sigl.  Lemberg,  den  29ten  Januarii  1779.  J.  C  a  V  a  1 1  a  r, 

Rittmeister. 


XXIX. 

Cavallar  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Orig.  (K.-A.  IL  S    1779—43—400.)  Lemberg,  29.  Jänner  1779. 

Vermög  in  Unterthänigkeit  ganz  gehorsamst  anverwahrtem  Anschluss  ermangle  ich  nicht, 
die  mittelst  Eines  hochlöbl.  hofkriegsräthliciien  Kescripts  vom  6teu  und  hoher  Generalcom- 
mando-Verordnung  vom  löten  Julii  und  iSten  Novembris  1778  gnädigst  anverlangte  Instruc- 
tionspuncta  sammt  angefugten  .  .  .  Anfragen  für  das  mir  .  .  anvertraute  Remontierungsjom- 
mando  der  hochgUHdigsten  Einsicht  submissest  zu  unterlegen,  ferner  aber  in  Verfolg  hoher  Ver- 
ordnungen den  anuoch  ermanglenden  Bericht  über  gleich  nachfolgende  Gegenstände  ...  zu 
erstatten,  und  zwar: 

a)  Wie   viele  Pferde    im   Winter  unterzubringen    seien? 

Auf  welches  .  .  .  erwidere,  dass  vermöge  beiliegender  Dislocationstabcila  in  denen  theils 
neuerbauten,  theils  vorhin  erbaut  gewesenen  kais.  Stallungen  der  innbenannten  Ortschaften  füg- 
lich 1000  Pferde  untergebracht  werden  können. 

b)  Wie  hoch  sich  die  etwan  gleich  nöthige  Reparation  der 
Scheuern  zu  Salesczik  und  anderer  zu  Unterbringung  der  Pferden 
erforderlichen  Gebäude,  dann  deren  selben  künftige  jährliche  Unter- 
haltung belaufen  dürfte? 

Zu  Balesczik  befinden  sich  zwar  2  Scheuern,  welche  dem  Acrario  zugehören,  nachdem 
aber  eine  hievon  das  kais.  königl.  Militürverpflegsamt  innehat  und  in  selber  das  Magazin  ver- 
wahret, so  ist  bei  der  im  September  a.  p.  vorgehabten  Assentierung  einstweilen  nur  eine  zur 
Einstellung  der  Pferde  von  dem  löbl.  Districtsamt  reparieret  und  auf  diese  Reparation  vermög 
anherogegebener  Berechnung  102  fl.  rh.  verwendet  worden. 

Da  aber  diese  Scheuem  durchaus  von  Holz  erbauet  und  die  Standsäulen  fast  gänzlich 
verfaulet  sind,  so  dürfte  fürs  künftige  nicht  mehr  thunlich  sein,  selbe  zu  reparieren. 

Es  gelanget  daher  mein  .  .  .  Vorschlag  dahin,  statt  dieser  Reparation  eher  eine  ganz  neue 
biä  zum  Dach  von  Stein  aufgeführte  Scheuer  zu  erbauen. 

Die  übrigen  zur  Unterbringung  der  Pferden  erforderlichen  Gebäude  und  Ställe  in  der 
Bukowina  sind  scithero  theils  von  dem  Land,  theils  von  der  löbl.  ßukowincr  Districtsadmini- 
stration  bestritten,  gleichwie  auch  die  l)etreffenden  Lichter  in  die  Stallungen  von  daher  aus 
einem  Extra-Landesfundo,  wie  die  von  Titl.  Herrn  Generalen  Baron  v.  Euzenberg  herüber- 
gegebene Beilage  des  mehreren  ausweiset,  bezahlet  worden. 

Was  nun  in  deren  Betreff  fernerhin  gnädigst  verfüget  werden  wolle,  da  die  Remonten  in 
1 1  Ortschaften  verleget  sind,  hierüber  entstehe  nicht,  mir  die  hochgnädigste  Anleitung  ...  zu 
erbitten. 

c)Wie  viele  Pferde  annoch  in  der  Bukowina  mit  Rücksicht  auf 
den   heurigen  Misswachs  und  wo  überwintert  werden  könnten? 

Weilen  für  heuer  von  der  löbl.  kais.  königl.  Districtsidministration  das  anno  praeterito 
gefechste  Heu,  bestehend  in  779*/«  n.  ö.  Klaftern,  vermög  hoher  Verordnung  ddo.  12ten  De- 
ceml»ri«  1778  ii  19487.^  Portionen,  sodann  das  von  dem  Herrn  Administrationssecretär  v.  Mi- 
chalakj  auch  vermög  Contract  überlassene  k  45000  Portionen,  zusammen  in  230875  Portionen 
übernommen  worden,  sodann  in  Pohlen  zu  Snyatin    und  Horodenka    und    in    der  Bukowina    zu 


*)  D.    i.    in  Zaloszc/.vki,    denn    in  der  Bukowina  ist  die  Post  erst  zu  Anfang  des  Jahres 
I7d3  eingerichtet  worden.    (Vgl.  Polek,  die  Bukowina  zu  Anfang  des  Jahres  1783.  S.  48  f.). 


Digitized  by 


Google 


78  Polek: 

Czernowics  and  Saczawa  in  denen  allda  befindlichen  Magazinen  hierzu  genagsamer  Haber  ror* 
banden  ist,  so  können  bis  zu  der  nachfolgenden  Heuernte  1200  Pferde  von  danimea  fuglich,  und 
ohne  einen  Mangel  zu  besorgen  zu  haben,  überwintert  werden,  weilen  solche  von  Zeit  au  Zeit 
wieder  abzunehmen  kommen. 

Gleichwie  nun  infolge  einer  fernerweiten  hohen  Verordnung  ddo.  26ten  Decembris  abge- 
wichenen Jahres  von  mir  die  Aeusserung  anverlanget  wird,  wie  viele  Pferde  ich  vor  heuer  auf- 
bringen und  an  die  Regimenter  abgeben  zu  können  vermeine,  so  solle  .  .  .  einbe ächten,  daas  ich 
von  Anfang  Msi  1778,  seitdeme  mir  nämlich  die  Rcmontierungscommission  wieder  neuerdings 
aufgetragen  worden  ist,  bis  heutigem  Dato  Pferde  pro  aerario  erkaufet  habe  .     1117  Stuck 

dann  sind  voriges  Jahr  in  der  Bukowina  zurückgeblieben        .         ,         .         .         .       498 

zusammen  1615  Stück 

Von  diesen  habe  an  die  Regimenter  abgegeben,  und  zwar: 

an  die  Carabiniers 60       ^ 

„     „     Chevauxlegerg 476       „ 

„     „     Husaren 417       ,, 

und  künftiges  Monat  werde  annoch  an  das  O' Donellische  Freicorps  abgeben       .       200       ,, 
Ansonsten  sind  s.  v.  crepiert,  entloflfen  und  gestohlen  worden      .         .         .         .         14      „ 

Summa  des  Abgangs  1167  Stück 

Wenn  nun  diese  von  obstehender  Summa  defalcieret  werden,  so  verbleiben  annoch 

unter  meiner  Aufsicht 448       „ 

unter  welchen  sich  Gebrauchpferde  befinden 136 

Verbleiben  Remonten         .       312  8töct 
Von  kaum  gesagten  312  Remonten  hoffe  ich  bis  Ende  Martii  annoch  100  Chevauxlegers- 
pferde,  auf  welche  sich  verläesliche  Rechnung  zu  machen  ist,  abzugeben. 

Gleichwie  ich  aber  annoch  auf  700  Stück,  wo  nicht  mehrere,  Bestellung  gemacht  und 
zum  Theil  auch  schon  besichtiget,  jedoch  solche  Jugend  halber,  und  weilen  für  derlei  2Yjjährige 
Pferde  theils  nicht  genügsame  Unterkunft  vorhanden  ist,  theiU  einige  vorhero  gereiniget  werden 
müssen,  selbe  noch  nicht  habe  übernehmen  können,  so  ist  die  Zeit  der  Uebernahm  mit  Einver- 
ständnis deren  Verkäufern  bis  auf  künftigen  Mai  verschoben  worden. 

Wenn  mir  übrigens  der  hochgnädige  Auftrag  annoch  ertheilet  werden  sollte,  anch  in 
Siebenbürgen  zu  remontieren,  so  wollte  nächstkUnftiges  Frühjahr  (im  Fall  ich  so  glücklich  sein 
sollte,  die  complete  .Anzahl  deren  angetragenen  Herren  Officiers  zu  erhalten)  einen  Versuch  all- 
dort  machen  und  glaubte  sodann  mit  Inbegrifl*  dessen,  ohne  Ungarn  zu  betreten,  welches  ich 
denen  Regimentern,  deren  Escadrones  ohnedies  alldort  verleget  sind,  überlassen  möchte,  dass 
ich  jährlich  17  oder  18  Hundert  Stück  Pferde  aufzubringen  imstande  sein  würde.  In  welchem 
Falle  sodann  nicht  nur  das  vermög  meinen  Plan  unterthänigst  angetragene  Commando  xa 
ergänzen,  sondern  solches*  auch  auf  den  in  nebengehendem  Ausweis  klKrlich  angeführten  Stand 
zu  vermehren  eine  ohnumgängliche  Nothwendigkeit  wäre. 

Sollte  mir  al>er  eine  hohe  Stelle  annoch  gnädigst  erlaul>en,  auch  HfKustige  I^erde  im 
Nothfall  an  die  Husarenregimenter  abzugeben,  so  würde  mit  Zuziehung  Siebenbürgen  aach 
jährlich  auf  2000  Siück  und  mehr  der  sichere  Antrag  gemacht  werden  können. 

Weilen  hiernächst  die  allhier  befindliche  24  Fohlen  vergangenen  Herbst  z  i  schlecht  aus- 
sahen, als  dass  solche  nach  ihrem  echten  Werte  hätten  verkauft  werden  können,  so  habe  für 
nützlich  zu  sein  erachtet,  diese  Fohlen  beizubehalten,  jedoch  sind  solche  abgespindelt,  die  Stuten 
aufgestellt  und  die  Fohlen  zu  einem  nöthigen  Nachwuchs  im  Okol  untergebracht  worden. 


XXX. 

Galiz.  Generalcommando  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.   1779—43—400.)  Lemberg,  3.  Februar   1770. 

Eine  hochlöbliche  Instanz  gcruheten  unterm   I6ten  und    22ten  Julius    des    vorigen  Jahres 
durch  dieses  Generalcommando  dem  Herrn  Rittmeister  Oavallar    aufzutragen,    dass    er    in  Anse- 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänöb  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz.  79 

hung  des  zasammenzusetzen  bewilligten  Kenioiitierungscommando  auf  nachfolgende  Gegenstände 
Kucksicht  zu  tragen  bedacht  sein  möge,  nnd  zwar 

Imo  sollen  diese  Instructionspunkten  die  vollkommene  Anleitung  fiir  den  Coromandanten 
imd  all  übrige  aufzustellen  nöthige  Ober-  wie  auch  Unterofficiers  und  Gemeine  zu  Vermeidung 
känftiger  Anfragen  erklärter  vorgetragen  werden, 

2do  mussten  alle  an  die  Regimenter  abgegebene  Pferde  das  Alter  von  5  Jahren  erreichen, 
mithin  die  3-  oder  4jährigen  Pferde  bis  zu  diesem  Alter  in  dessen  Obsorge  verbleiben, 

3tio  würde  ihm  in  Siebenbürgen  und  Hungarn  mit  Ausschluss  aller  andern  Ankäufern  so- 
wie in  der  Bukowina  und  deien  angrenzenden  Ländern  Pferde  zu  kaufen  erlaubet  werden,  wenn 
er  in  Kriegszeiten  900  Chevauxlegers-,  dann  1000  Husarn-,  in  Friedenszeiten  aber  620  Chevaux- 
legers-  und  1380  Husarnpferde  von  complet   5jährigem  Alter  zu  verschaffen  sich  getraue. 

In  Abwesenheit  des  commandierenden  Generalen: 
Freiherr  von  Schröder,  FML. 


XXXI. 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  IL  S.  1778-43-400.)  Wien,  15.  April  1779. 

In  dem  zuliegenden,  vom  Generalcommando  in  Gallizien  einbegleiteten  Bericht  des  Ritt- 
meisters Cavallar  tragt  er  unter  anderem  an,  die  Mannschaft,  die  zum  I*ferdeeinkauf  gewi«lmet 
wird,  in  ein  eigenes  Commando  zusammenzusetzen,  diesem  Commando  eine  besondere  Montur 
zu  gel>euy  selbes  mit  hinlänglichen  Gebrau chpferden  zu  versehen  und  einige  neue  Gebäude 
aufzuführen. 

Bevor  der  Hofkriegsrath  seine  unra^issgebige  Meinung  darüber  anführet,  muss  derselbe 
der  Allerhöchsten  Entscheidung  unterthänigst  unterziehen,  ob  Cavallar  allein  die  Remontierung 
für  alle  leichte  Cavallerie  besorgen  solle,  und  ob  zu  Friedenszeiten  die  Pferde  bloss  in  der 
Moldau,  dem  republikanischen  Pohlen,  in  Gallizien  und  Siebenbürgen  oder  auch  in  Hungarn 
zu  erkaufen  seien. 

Die  jährliche  Erfordernis  für  6  Chevauxlegers-  und  8  Husarenregimenter  dürfte  sich  zu 
Friedenszeiten  beiläufig  auf  1800  Remonten  belaufen. 

Cavallar  meint  in  der  Moldau,  in  Pohlen  und  Gallizien  jährlich  13-  bis  1400  und  in 
Siebenbürgen  3-  bis  400  aufzubringen;  somit  würde  die  Erfordernis  bedecket,  Hungarn  aber 
ganz  ausgeflchlossen  sein.     Hiebei  kann  man  unterthänigst  zu  erinnern  nicht  umgehen,  dass  mit 

dem  Ausbrach  des  Kriegs  in  Hungarn  von  den  Comitaten 1228 

von  den  Magnaten 2826 

von  zerschiedenen  Lieferanten  und  von  dem  Stabsdragonerregiment  erkauft  worden  343 

Zusammen         6136 

Das  Generalcommando  in  Hungarn  zeiget  unterm  3ten  dieses  Monats  an,  dass  der  Lie- 
ferant Molnar  erbietig  seie,  in  Zeit  eines  Jahrs  4000  Pferde  zu  Pest  zu  stellen.  Obschon  er 
sich  dabei  rorbehaltet,  einen  Theil  der  Pferde  aus  Siebenbürgen  und  aus  l'ohlen  zu  nehmen, 
8o  ist  doch  zu  vermuthen,  dass  er  die  meisten  in  Hungarn  aufsuchen  durfte. 

In  Siebenbürgen  sind  seit  dem  Ausbruch  des  Kriegs  vom  Obersten  Baraniay         1670 

von  den  Ständen 1200 

von  den  Sachsen 600 

and  von  dem  Lieferanten  Marco 1968 

zusammen         5438 
gesteüet  worden.     Letzterer  ist  auch  erbietig,    bis  Ende  des    Jahrs  noch  2-  bis  3000  zu  stellen. 
Auch  bei  diesem  ist  zu  vermuthen,    dass    er    mehrere  Pferde    aus    fremden    Landen   an  sich  zu 
ziehen  trachten  dürfte;  demungeachtet  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  allda   weit  mehrere,  als  der 
Kittmeister  Cavallar  antraget,  aufgebracht  werden  mögen. 

Wann  nun  in  Erwägung  gezogen  wird,  dass  durch  den  Ankauf  der  Pferde  in  Hungarn 
imd  Siebenbürgen  das  Geld  in   den    kaiserlichen  Landen    verbleibet,    die    Pferdzucht    beförderet 

Digitized  by  V:iOOQIC 

L 


80 


POLEK : 


werde  und  bei  ausbrechendem  Krieg  die  Leute  an  der  Hand  seien,  die  Armee  mit  tuchdgeD 
Pferden  in  der  erforderlichen  Zahl,  mit  welcher  das  Cavallarische  Commando  allein  in  Krieg 
nicht  aufkommen  dürfte,  zu  versehen:  so  kann  man  nicht  umgehen,  den  unterthKnigsten  Vor- 
schlag zu  thuen,  dass  zu  Friedenszeiten  etwa  4  Regimenter  aus  Hungam,  4  andere  au«  Sieben- 
bürgen, die  in  Gallizien  liegende  6  Regimenter  und  die  Chevauxlegersescadrons  der  Carabiniers 
aber  durch  den  Cavallarischen  Ankauf  remontieret  werden  sollen. 

Der  eigene  Regimentsankauf  in  Hungam  und  in  Siebenbürgen  hat  vor  dem  Krieg  den 
erwünschten  Fortgang  nicht  gehabt;  man  meinet  dahero  unmassgebig,  dass  in  diesen  2  Ländern 
sich  an  verlässige  Lieferanten  zu  halten  wäre,  denen  allenfalls  der  bisherige  in  Hungam  pas- 
sierte Preis  a  19  Ducaten  für  ein  Chevauxlegers-  und  17  Ducaten  für  ein  Husarenpferd  gegen 
deme  erfolget  werden  könnte,  dass  die  Pferde  durchaus  im  Alter  zwischen  6  und  7  Jahr  im 
Frühjahr  und  im  Anfang  des  Herbstes  gestellet  werden  sollen. 

Diese  Pferde  werden  nicht  mehr  als  jene  des  Cavallar  kosten,  der  zwar  die  Husampfenk 
um  2  Ducaten  weniger  bezahlet,  jedoch  die  jüngere  Pferde  eine  Zeit  lang  vor  der  Abgabe  im 
Futter  halten  muss,  und  dessen  Remonten  durch  die  Liefergelder  und  Zulagen,  durch  die  An- 
schaff-  und  Erhaltung  vieler  Gebrauchpferde  und  durch  andere  Nebenauslagen  kostbarer  werden. 

In  Abwesenheit  des  Kriegspräsidentea: 
Carl  Graf  Caramelli. 

{Randbemorklivg) :  Bevor  Ich  auf  gegenwärtige  Nota  Meine  Knt Schliessung  erthc"  c. 
hat  der  Hofkriegsrath  einen  Entwurf  der  Beköntigung  für  dieses  Cavallarsche  Remoniierur  ,«- 
commando  verfassen  zu  lassen,  uud  das  zwar  erstlich  nach  dem  Antrag  des  Rittmeisters  Ca- 
vallar selbst  und  dann  zweitens  nach  denen  ModiHcationen,  welche  der  Hofkriegsrath  hierbei  zu 
machen  anträgt.  Diese  beide  Entwürfe  müssen  sich  aber  auf  alles  und  jedes  :  Geld  Natural- Ver- 
pflegung, Armierung.  Rüstung,  Montur,  Diäten,  Zulag,  Gebrauchpferde  und  deren  Remontierung 
und  was  nur  immer  Namen  haben  mag,  erstrecken,  damit  hieraus  der  Aufwand  sich  standhaft 
erweisen  lassen  möge,  den  das  Aerarium  seinerzeit  zu  tragen  haben  dürfte.  Und  diese  so  gear- 
tete, gründlich  ausgearbeitete  PIntwürfe  wird  der  Hofkriegsrath  Mii*  sobald  möglich  unter  Re- 
producierung  der  gegenwärtigen  Nota  heraufzugehen  haben.  Joseph  Corr. 


XXXII. 


Orig.  (K.-A.  II.  S.  1779—43-400.) 


Aufsatz 

was    die    Errichtungsspesen    eines    besondem    Remontierungscommando    nach    dem  Antrag   dee 

Rittmeisters  Cavallar  betragen,  als 


Errichtungsspesen 

fl.            1    kr. 

Obschon  das  Remontieningscommando  meistens   aus    der    von 
Regimentern  abgebenden  Mannschaft  bestehen  würde,     so    wird  hier- 
orts dannoch  das  Handgeld    für    gesammte  Obligate  angesetzet,  wei- 
len die  abgebende  Zahl   denen  Regimentern  entgehet,  folglich  daselbst 
der  Aufwand  an  Remontierungsgelder  nothwendig  wird.  Solchemnach 

betragen  diese  Spesen  für  517  Köpf  a  3  fl 

an  Monturs-  und  Rüstungsgeldern 

für  517  Paar  Pistolen  ä  4  fl.  61  kr 

für  530  Gebrauchpferd  a  42  fl.  40  kr 

1 

1551 
3247G             43 

2507        1     27 
22613        1     20 

zusammen 

Ausserdeme    wird    noch    nach    dem  Rittmeister  Cavallarschen 
Antrag  ein  Officier^quartier  zu  erbauen  nothwendig  sein,  welches  bei- 

läußg  zu  stehen  kommet  auf 3000  fl. 

desgleichen  2  Stallungen  auf  100  Pferde      .         .         .       26000  fl. 

28000  fl. 

59148        [     37 

Digitized  by 


Google 


Die  AnfIhoe  des  e.  k.  Staatsobstütbs  Radadtz. 


81 


XXXIII. 


Orig.   (K.-A.  IL  S.  1779—43-400.) 


Aufsatz 

wa»  die    Errichtungsspesen    eines    besonderen    Kemontierungscommando    nach    dem    hofkriegs- 
räthlichen  Antrag  in  Geld  betragen,  als 


Errichtungsspesen 

fl. 

kr. 

An  Recrutierungsgeldern    für  246  Köpf  an    Hand-    und  Anbringgeld 

ä  3   fl 

an  Montur  und  Pferdrüstungen 

für  246  Paar  Pistolen  k  4  fl.  51  kr 

fdr  252  Gebrauchpferdo  i  42  fl.  40  kr.              

738 

15446 

1193 

10752 

22 

6 

zusammen 

Notandum.   Da  Cavallar    nach  dem  hohen  hofkriegsräthlichen 
Antrag  nur  800  Pferde  anzukaufen   hätte,    mithin    auch    das    hierzu 
erforderliche  Officierspersonale  schwächer    ist,    als    dor  Cavallarische 
Antrag  enthaltet,  so  dürfte  die  Erbauung  eines  Officiersquartiers  und 
deren  Stallungen  auf    100  Pferde,    welche    Cavallar    antraget,    nicht 
nothweudig  sein,  dabero  auch  hierauf  nichts  angetragen  ist. 

28129 

28 

XXXIV. 


Orig.  (K.-A.  n.  8.  1779-43—400.) 


Wenn  bei  den  Regimentern  so  viele  Ofiicierschargen  offen  gelassen  würden,  als  bei  dem 
Cavallarischen  Commando  stehen,  und  wenn  die  Unterofficiers  und  Gemeine  durchaus  von  den 
Qamisonsregimentem  genommen  würden,  so  wäre  eine  Verminderung  des  neuen  Aufwandes 


bei    dem 

Ankauf 

der  1800  Pferden 

der  800  Pferden 

fl. 

kr. 

fl. 

kr. 

An  der  Oage    .... 

11437 

18 

5163 

10 

,    LdhnuDg     .... 

26596 

20 

12762 

50 

,    Service         .... 

8254 

35 

1539 

5 

„    Medicamenten 

258 

30 

123 

— 

„   Montur  die  Halbscheid 

6193 

— 

2946 

— 

zusammen 

47739 

43 

22534 

5 

Es  würde  demnach  jedes  der  1800 

Pferde  wohlfe 

1 
iler    zu    stehen    komn 

len 

Dm             ..... 

. 

. 

.       26  fl.  30  kr. 

eines  der  800  aber  um 

... 

... 

28  fl.  1( 

)  kr. 

Digitized  by 


Google 


82 


Polbk: 


XXXV. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1779—48—400.) 

Ausweis 

des  Preises  der  leichten  Reraonten. 


Chevauxlegers 


'     fl. 


kr. 


Husaren 


a. 


kr 


Während  dem  Krieg  sind  den  Lieferanten  in  Hungarn  be- 
zahlet worden 

in  Siebenbürgen  wäre  der  höchste  Preis         .... 

durch  den  Ankauf  des  Rittmeisters  Cavallar,  wann  er  ein 
abgesondertes  Commsndo  und  1800  Pferde  einzukaufen  hätte, 
wUrde  eines  zu  stehen  kommen  auf  ..... 

wann  Cavallar  mit  einem  minderen  Commando  800  Pferde 
einkaufet,  auf 

wann  bei  den  Regimentern  so  viele  Chargen  offen  gelassen 
werden,  als  bei  dem  Cavallarischen  Commando  stehen,  und 
wenn  alle  ünterofficiers  und  Gemeine  von  den  Gamisons- 
regimentern  genommen  werden,  so  wird  beim  Ankauf  der 
1800  Pferden  eines  um  26  fl,  30  kr.  weniger  kosten, 
mithin         .......... 

und  beim  Ankauf  800  Pferden  weniger  um  28  fl.  10  kr., 
folglich 


81 
76 


128 
132 


4 
12 


101 
103 


30 
60 


72 
76 


122 
125 


32 
12 


96         l»/f 
96      51 7, 


XXXVI. 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 


Orig.  (K.-A.  II.  S.  177—43—400.) 


Wienn,  den   Iten  Mai  1779. 


{Randbemerkung) :  Da  dieser  Vorschlag  zu  einem  eigenen  Remontieningscommando 
dem  Aerario  zu  hoch  zu  stehen  kommen  würde,  so  ist  von  selbem  kein  Gebrauch  zu  machen. 
Hingegen  wird  Mir  der  Hofkriegsrath  die  Anzeigen  der  hungarischen  und  siebenbürgiBcben 
Kanzlei,  sobald  sie  eingelaufen  sein  werden,  inwieweit  auf  den  inländischen  Pferdemkaof 
Rechnung  gemacht  werden  dürfte,  nebst  Keproducierung  der  gegenwärtigen  Nota  heraufgeben, 
damit  Ich  hiemach  die  abzufassende  Entschliessung  bestimmen    könne. 

Joseph  Corr. 


XXXVII. 

Galiz.  Generalcommando  an  den  Hofkriegsrath. 


Orig.  (K.-A.  U.  S.  1779—43—456.) 


Lemberg,  10.  Juni   1779. 


Gleich  nach  Empfang  der  hohen  Vorordnung  von  25ten  Mai  dieses  Jahres  ist  man  .  .  . 
hierorts  nicht  entstanden,  dem  Rittmeister  Cavallar  aufieutragen,  dass  er  mit  dem  Pferdeinkaaf 
bis  auf  weiteren  Befehl  innezuhalten  habe. 


Freiherr  von  SohrUer 
FML. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfäkge  des  k.  k.  Staatsqestütes  Badaütz.  83 

XXXVIII. 

General  Baron  Enzenberg  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1780-23—11.)  Czernowitz,  30.  October  1779. 

Unterthänigst  gehorsamst  und  unzielsetzliche  Meinung 

auf  die  hochlJSbl.  horkriegsräthliche  Verordnung  vom  25.  August  und  praes.  den  Uten  September 

1779  in  Ansehung  der  Regulierung  des  Buccoviner  Districts. 

2do.  Ob  eine  Ansiedlung  und  aus  was  vor  Absichten  solche,  das  ist,  ob  sie  zur  Beförde- 
rung der  Population,  zur  Erweiterung  des  Feldbau  oder  zur  Anlegung  einer  Pferdgestiiterei 
gemacht  werden  sollte. 

Wie  dermalen  die  Buccovina  lieget,  und  wie  solche  betrachtet  werden  kann,  folgsam  nach 
der  Lage  des  Landes  noch  respectu  der  Nachbarschaft  sehe  nicht,  wie  in  der  Buccovina  eine 
reguläre  Besiedlung  nur  mit  dem  geringsten  Grund  und  nützlich  erfolgen  könnender  Wahrschein- 
lichkeit bestimmet  werden  könnte,  Abermal  gehete  hiezu  das  Höchsterforderliche  ab,  nämlich 
dass  der  Landesherr  keine  eigenthUmliche  Ländereien  habe,  ohne  welchen  eine  Ansiedlung  nicht 
radideret  werden  kann.  Mir  scheinet,  dass  nur  in  jenen  Landen  eine  Ansiedlung  angetragen 
werden  könnte,  wo  Überfluss  deren  unbebauten  Ländereien  bestehen,  und  wo  es  an  Menschen 
gebriebet.  Nun  weder  das  eine  noch  das  andere  gründet  sich  in  der  Buccovina.  Es  scheinet, 
und  jene  die  nur  die  Buccovina  überhaupt  durchreisen,  wollen  behaupten,  dass  in  der  Bucco- 
vina ein  Überfluss  an  unbenutzter  Erden  vorfindig  wäre,  weiln  sie  ganze  Strecken  Land,  und 
zwar  an  der  I^indstrassen,  meistens  nur  mit  Grns  bewachsea  sehen;  sollten  aber  diese  in  dem 
späten  Herbst  oder  Frühjahr  das  Land  mit  Bedacht  durchwandern,  so  werden  sie  sehr  wenig 
Ueofelder  ohnabgemähet  sehen,  die  etwan  stehen  bleiben  müssen,  oder  weil  sie  keine  Zeit  zum 
Machen  hatten,  oder  etwan  ein  oder  der  andere  entflohen.  Nur  an  der  Strassen  rechts  und  links 
bleibet  etwan  40  oder  50  Klafter  breit  das  Gras  stehen,  welches  vor  das  wandernde  Zug-  und 
Reitvieh  zur  Weide  in  allen  diesen  Landen  bestimmet  ist,  und  wo  würde  oder  der  Reisende 
oder  der  mit  Vorspann  fahrende  Fütterung  haben,  da  keine  förmliche  Wirts-,  sondern  nur  Brant- 
weiobäuser  in  der  ganzen  Moldau  existieren.  Das  Bauernvolk  und  die  Dorfschaften  lieget  nur 
an  und  meistens  in  denen  Waldungen,  gegentheilig  die  Gebirgsin wohners  sehr  in  Waldungen 
und  Klippen  zerstreut,  hiemit  nicht  wohl  die  Stärke  der  Bevölkerung  in  der  Buccovina  beur- 
theilet  werden  kann.  Sicher  ist  aber  auch,  dass  das  Landvolk  nicht  im  Lande  nützlich  und  zu 
ihrer  Wirtschaft  vorträglich  sich  angesetzet  habe.  Ein  grosser  Theil,  und  zwar  die  alten  walla- 
chischen Moldauerfamilien  wohnen  nach  ihrer  alten  Gewohnheit  bloss  der  Sicherheit  weegen  in 
dem  wild-  und  rauhesten  Gebirg,  um  von  Tartarn  und  Türken  gesichert  zu  sein;  ein  anderer 
noch  grösserer  Theil,  so  aus  Pohlen  und  Rusniaken  und  die  sich  seit  wenig  Jahren  nach  der 
Buccovina  übersetzet  haben,  bestehet,  wohnet  an  der  Grenze  der  Moldau  und  an  der  Chotimer 
Raja  und  Galliyien,  in  der  Absieht  und  aus  Forcht,  in  Fall  sie  aufgehoben  und  restituieret 
werden  sollten,  sich  nach  der  Moldau  flüchten  zu  können.  Ich  habe  verflossenen  Jahr  conscri- 
bieren  lassen  und  pro  anno  1778  einen  Zuwachs  von  mehr  als  3000  Familien  gefunden,  was 
sich  aus  der  Contributionsaccresccnz  klar  verofl'enbaret,  und  ich  hoffe,  dass  auch  dieses  Jahr 
einiger  Zuwachs  sein  wird,  ohngeacht  auch  gesichert  bin,  dass  mehr  eis  1000  Familien  caeliret 
haben,  die  aber  seinerseit  und  vermög  meiner  schon  eingeführten  Familien-,  nicht  aber  Seelen- 
conscription  eruieren  werde.  Entzwischen  das  aerarium  nichts  verlieret,  als  der  grössere  Theil 
annoch  die  Freijahre  gaudieret.  Wann  dann  gewiss  ist,  dass  seit  wenig  Jahren  laut  beigebo- 
gener Consignation  von  anno  1774  bis  1779  10942  Familien  sich  angesetzet  haben,  und  solche 
natürlich  auch  sich  vermehren,  und  nur  eine  Familie  in  die  andere  zu  5  Seelen  gerechnet  wird, 
und  eine  Familie  in  die  andere  nur  8  Stück  Vieh  unterhaltet,  was  gewiss  nicht  zulanget,  ohn- 
geacht 8  Stück  Schaf-  oder  Geisvieh  nur  als  ein  Stück  Homvieii  anrechne,  so  zeiget  sich,  dass 
bis  64710  Seelen  und  87536  Stück  Hornvieh  zugewachsen  seien,  und  mittelst  der  jährl.  Ver- 
mehrung in  20  Jahren  sicher  das  Doppelte  p.n  Menschen,  und  in  6  Jahren  das  Doppelte  an 
Vieh  zuwachsen  müsse.  Andurch  erprobet  sich  von  Selbsten,    dass    die  Buccovina    keine  Ansied- 


Digitized  by 


Google 


84  Polbk: 

lung  benöthige,  und  ohngeacht  dieses  Stuckel  Land  nicht  klein  ist,  in  wenig  Jahren  sich  zu 
viel  mit  Menschen  aufUllen  wird  und  (insofeme  das  dermalen  bestehende  Volk  nicht  auszu- 
wandern Ursach  haben  sollte,  was  von  der  gegenwärtig  hnld-  und  gnadenreichen  Regierung 
nicht  einmal  gemuthmasset,  vielmehr  dass  mehrere  Volk  anhero  ge reizet  zu  werden,  mit  Grund 
gehoffet  werden  kann)  schwerlich  den  bestehenden  und  nachwachsenden  Seelenstand  nach  der 
hierländisch  üblen  dermal  angewohnten  Wirtschaftsart  unterhalten  wird  können.  Allein  die 
mehrere  Bevölkerung  zeiget  und  lehret  von  sich  Selbsten  eine  wirtschaftlichere  Art  anzugewöhnen 
und  sich  zu  unterhalten.  Ich  habe  in  einer  unterm  15.  Juli  a.  c.  gehorsamst  unterlegten  Aeosse- 
rung  von  Ansiedlung  auch  18  Tausend  Familien  gesagt.  Sicher  seheinet  zu  sein,  dass  in  der 
Buccovina  wohl  annoch  wenigstens  ohne  Nachstand  der  Beholzung  Ys  ^^^  Waldungen  ausge- 
rottet werden  kann,  und  wozu  nur  Menschenhände  erfordert  werden.  Dann  ist  bekannt,  dass  die 
Viehzucht  zu  unterhalteu,  2  und  3  mal  mehr  Terrain  als  die  Unterhaltung  deren  Menschen 
erfordert,  folglichen  auch  gewiss  wäre,  wann  die  Agricultur  vorträglicher  als  die  Viehiucht  wäre, 
diese  Menge  Familien  auch  existieren  könnten.  Es  lasset  sich  aber  auch  und  mit  gutem  Grand 
hoffen,  so  das  Volk  sich  von  Selbsten  vermehret,  wie  die  Ezstirpierung  deren  unglaublich  gross 
und  unnuzbaren  Waldungen,  woher  das  Landel  Bnccovina  ihren  Namen  hat,  auch  annoch  auf 
viele  Tausend  Familien  mit  der  Viehzucht  den  Unterhalt  zu  erlangen,  gehoffet  werden  kann: 
ja  dato  hat  man  schon  da  und  dorten  hiervon  Beweise,  aber  nur  in  kleinen :  die  aus  andern 
Landen  anhero  Emigrierten  haben  schon  angefangen  nach  ihren  Kräften  auszurotten,  und  in  die 
Zukunft  wird  das  mehrem  von  sich  selbsten  folgen. 

Nun  entstehet  die  Frage,  ob  in  der  Buccovina  darauf  gedrungen  werden  sollte,  den 
Ackerbau  zu  erweitern. 

Gleichwie  mir  gewiss  sehr  halte  angelegen  sein  lassen,  die  Beschaffenheit  des  Landes  nnd 
gleiche  Kenntnis  von  der  Nachbarschaft  aus  dem  Grund  zu  erlangen,  so  6nde,  dass  ein  propor- 
tionierter Ackerbau  zur  selbst  eigenen  Erfordernis  eben  so  nutzlich  als  eben  gewiss  ist,  dass  der 
stärkere  Ackerbau  der  Buccovina  (obwohlen  der  Terrain  hierzu  vollkommen  und  so  gut  als  in 
Gallizien  und  Hungarn,  ausser  dem  Gebirgstheil,  ist)  schädlich  werden  mUsste,  und  zwar  bloss 
aus  der  Ursache,  weiln  das  l)enachbarte  Gallizien,  Moldau,  Siebenbürgen  und  Hungarn  selbst 
Überfluss  von  diesem  Product  hat,  und  folglichen  die  Buccovina  keinen  Verschleiss  haben 
könnte.  Auch  dieser  Satz  ist  mit  deme  bewiesen:  Man  hat  die  Buccovina  liei  ihrer  Besitz- 
nehmung angeeifert,  viele  Brodfrilchten  anzubauen,  vielleicht  in  der  Absicht,  um  das  in  der 
Buccovina  so  sehr  schädliche  Remonta  damit  unterhalten  zu  können.  Das  Volk  gehorsamte, 
bauete  sehr  vieles  an,  da  aber  das  Proviantwesen  sich  aus  andern  Landen,  und  meistens  durch 
die  jüdische  Lieferanten  verpflegte,  was  die  Buccoviner  dann  bemerkten,  und  folglichen  Ihre 
erzeugte  Früchten  ihnen  erübrigten  und  nicht  verschleissen  konnten,  so  waren  sie  genöthiget. 
den  Ackerbau  nur  zu  ihrer  eigenen  Erfordernis  zu  betreiben,  so  wie  solcher  dato  betrieben  wird. 
und  kein  Buccoviner  aus  andern  Landen  Brodfruchten  anhero  bringet  und  erkaufet,  wann  aber 
verboten  werden  sollte,  dass  aus  der  Ukraina  und  Fohlen  kein  Brantwein  zum  Verkauf  anhero 
transportieret,  und  dass  das  Getreid  zu  Verpflegung  des  Militare  in  der  Buccovina  erkaufet 
werden  sollte,  so  wurde  natürlich  der  Feldbau  von  selbsten  sich  verbreiten,  und  das  unglaublich 
viele  GeW,  so  jährlich  vor  den  Brantwein  nach  der  Ukraina  bar,  als  kein  Gegenhandel  bestehet, 
hinausgehet,  als  auch  jenes  Geld,  so  aus  andern  Kriegscassen  vor  die  Unterhaltung  des  Militare 
vielleicht  nach  Fohlen  gehet,  in  der  Buccovina  verbleibet,  so  wUrde  dieses  Stückel  Land  sich 
sehr  bereichem.  Da  dann  eben  auch  bewiesen  ist,  dass  die  Verbreitung  der  Agricultur  hier- 
landes  nicht  anwendbar  ist,  so  ist  die  Buccovina  genöthiget,  auf  jene  Producta  sich  zu  ver- 
legen, was  Absatz  findet  und  die  Landeslage  an  Händen  giebet,  das  ist  die  Viehzucht,  und  diese 
Viehzucht  bestehet  aus  Hörn-  und  Schafvieh  und  etwas  Pferden.  Das  Hornvieh  hat  seinen 
guten  Verschleiss  nach  Preslau,  das  Schafvieh  nach  Constantinopel,  und  die  nicht  sonderlich  viel 
bedeutende  Pferdzuchts-Erzeuguag  w^ird  meistens  auch  an  die  Armenier  verhandelt,  die  die  jun- 
gen Pferde  aufkaufen  und  in  der  Moldau  bis  in  das  4te  und  5te  Jahr  erziehen  nnd  weiters  ver- 
handien,  und  da  die  Hornviehzucht,  wie  bekannt,  bis  es  zu  ihrem  Wert  anwachset,  Zeit  und 
vielen  Unterhalt  erfordert,  hinlängliche  Fütterung  eben  aber  in  der  Buccovina  nicht  vorfindig 
ist,  um  auch  Winterszeit  das  so  sehr  anwachsende  und  sich  vermehrende  Hörn-  und  Schafvieh, 
dann  PferdgestUter  zu  unterhalten,  so  wird  alle  Herbste,  wie  nun  allschon    der  Anfang   genoacht 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsöbstütes  Radautz.  85 

wird,  und  täglich  Pässe  hierwegen  abgebe,  eine  sehr  grosse  Menge  von  obbesagten  Viebgat- 
tnngen,  sogar  von  dem  Banemvolk  selbst  nach  der  Moldau  ab-  und  in  Frühjahr,  wenn  die 
Weidung  angehet,  wiederum  zurückgetrieben,  wovon  die  eben  in  der  Buccovina  zerschiedentlich 
aufgestellte  Mautämter  (wo  dieser  Vieh-Aus-  und  Eintrieb,  respectu  der  Vermautung  vorgemerket 
ist)  das  mehrere  bezeugen  können.  Zum  Stärkesten  Beweis  rouss  dienen:  die  Armenier,  Griechen 
und  sonsten  mit  dem  Viehhandel  sich  abgebende  Handelsleute,  so  in  der  Buccovina  wohnen, 
seind  aus  Abgang  der  Putterung  genöihiget,  ihre  Vieh-  und  Pferdzuchten  nach  der  Moldau  zu 
überwintern  zu  treiben,  und  muss  vor  das  Stück  Vieh  oder  vor  das  Winterfutter  1  Ducaten, 
dann  dem  Moldauer  FUrst  vor  die  Erlaubnis,  so  Comarit  heisset,  wann  er  hineintreibet,  2  fl. 
17  kr.  und  wann  er  zurUckkehret,  1  fl.  15  kr.,  vor  ein  gross  oder  klein  Pferd  aber,  so  Corniza 
genennet  wird,  1  fl.  9'/}  kr.  und  extra  die  Maut  mit  1  fl.  30  kr.  bezahlen,  wann  dann  der 
Handelsmann,  vordersauMt  der  wirtschaftliche  Armenier,  in  der  Buccovina  Fütterung  hätte,  so 
würde  er  gewiss  die  merkliche  Ausgabe  nicht  machen,  und  welche  Ausgabe  sich  wegen  denen 
Menschen,  so  er  bei  jeder  Herde  unterhalten  muss,  sehr  vermehret.  Mittelst  diesem  ist  dann 
auch  dargethan,  dass  kein  Überfluss  an  Terrain  a  proportione  der  vielen,  actu  bestehenden  und 
sich  täglich  mehr  vermehrenden  Menschen  und  den  hierzu  erforderlichen  Nahrungszweig,  das 
ist  die  Viehzuclit  und  etwas  wenig  Wachs  und  Honig,  genrtheilet  werden  kann;  und  so  auch 
eine  Ansiedlung  allhier  bestimmet  werden  sollte,  so  würde  solche  aus  teutschen  Landen  anliero 
angetragen  werden,  und  das  leutsche  Volk  würde  durch  den  Ackerbau  nicht  ihre  Erfordernis 
erlangen,  noch  die  harte  und  hierlandes  schon  übliche,  zum  Theil  auch  roh  und  wilde  Lebens- 
art angewöhnen,  welche  die  Viehzucht  verursachet  und  keinen  niedlich,  bequem  und  guten 
Unterhalt  verschaffet.  Man  hat  in  der  Buccovina  den  Beweis,  dass  öfters  eine  Fuhr  Heu,  so 
gewöhnlich  nur  30  Port,  a  10  Pf.  gerechnet,  geladen  hat,  in  FrUhjahr  auch  2  und  3  fl.  koste, 
und  alljährlich  ist  das  Hornvieh  in  Frühjahr  (was  In  der  Buccovina  überwintert  wird)  aus  Ab- 
gang der  Winterfütterung  sehr  elend  und  also  abgemattet,  dass  es  nur  aus  Haut  und  Bein  be- 
stehet und  das  X«eben  erhaltet,  was  eben  die  Ursache  ist,  dass  in  Anbetracht  des  sehr  matt  und 
entkräfteten  Vieh  erst  nach  Georgi  zu  ackern  angefangen  oder  schwere  Arbeit  mit  solchem  vor- 
richtet wird,  wovon  ich  den  Beweis  habe,  als  erst  dazumal  die  Jommunicationstrassen  herz4i- 
stellen  continuieren  kann,  wann  das  Zugvieh  auf  den  Feldern  die  Fütterung  überkommet.  Alles 
wahrhaft  Vorerzählte  wird  doch  bestätigen  und  sicher  glauben  machen,  dass  die  Buccovina 
Überflnss  an  Heu  habe  und  der  mehrere  Theil  der  Buccovina  unbenutzet  verbleibe,  ganz  und 
gar  falsch  und  ungegründet  seie.  Ich  will  zugeben,  dass  vor  6  und  mehrere  Jahren  und  während 
letzten  rus8i8chen  Krieg  ein  grosser  Theil  der  Buccovina  und  der  Moldau  aus  Forcht  des  Kriegen 
unbevölkert,  folglichen  auch  uubebauet  wäre,  so  auch  selbst  anno  1773,  als  einen  grossen  Theil 
der  Moldan,  während  dass  die  russische  Armee  allhier  stunde,  auf  Allerhöchsten  Befehl  durch- 
reisete,  bemerket  habe.  Eine  Ansiedlung  kann  dann  nicht  änderst  erfolgen,  als  dass  dem  An- 
siedler kostsplitterische  Hilfe  und  Vorschuss  gemacht  und  so  zu  sagen  auch  die  Wohnungen 
erbauet  weiden,  und  zwar  auf  die  Art,  wie  in  dem  Bannath.  W^ie  kostbar  und  wie  mühsam  und 
kommer-  und  sorgenvoll  eine  Ansiedlung  mit  Nutzen  zustande  gebracht  werden  möge,  kann 
eben  auch  am  verlässlichsten  und  aus  der  Erfahrung  hiervon  sagen,  als  in  dem  Rodnaer  sieben- 
bürgischen  Militärdistrict  4  Dorfschaften  erbauet  und  mit  Emigranten  aus  der  Moldau  besetzet 
habe,  die  anfänglich  nebst  ihren  Familien,  bis  sie  zu  Kräften  kamen,  erhalten  und  sodann  erst 
mit  Mühe  der  Vorschuss  successive  eingebracht  werden  musste,  und  auch  diese  Ansiedlung  nicht 
mit  gutem  Erfolg  erzwungen  haben  würde,  so  nicht  in  der  Moldau  der  Krieg  continuieret  hätte, 
in  welcher  Zwischenzeit  diese  Ansiedlers  sich  mit  guten  Häusern  und  zureichender  Wirtschaft 
verseheten  und  wiederum  auszuwandern  abgehalten  wurden. 

Nu  folget  die  Erörterung  der  Frage,  ob  in  der  Buccovina  eine  Pferdgestüterei  anzulegen, 
dem  höchsten  Dienst  vorträglich  wäre. 

Sowie  ich  verrauthe,  ja  sogar  gesichert  bin,  dass  die  höchst  und  hohen  Stellen  viel- 
mehrers  mir  gut  als  abgeneigt  anrechnen  werden,  so  alle  nur  untefthänigst  und  getreu  zu  be- 
antworten aufgetragene  Fragen,  ohne  aller  Schmeichelei  oder  Verblümelung  erörtere,  so  rouss 
auch  ich  in  dieser  Frage  mich  ganz  aufrichtig  und  so,  wie  die  Sache  ist,  äussern. 

Da  dann  mittels  all  Vorgehenden  sattsam  dargethan  ist,  wie  in  der  Buccovina  keine 
förmlich  teut^he  und  etwan  kostsplitterische  Ansiedlung  Platz  greife,  sondern  es  bei  der  selbsti- 


Digitized  by 


Google 


86  Polkk: 

gen  Iropopulierung  zu  belassen  wäre,  und  die  bestehende  Ländereien  nur  kümmerlich  zum  Un- 
terhah  vor  den  dermaligen  und  von  sich  selbst  zuwachsenden  Seelenstand  zulangen,  so  ist 
ohnehin  vor  sich,  dass  keine  Aerarial-GestUterei  hier  angebracht,  errichteti  noch  nnterhaltel 
werden  konnte ;  es  wäre  nur,  dass  nützlicher  zu  sein  scheinete,  Menschen  und  Landwirte  abzn- 
schafien  und  hiervor  Pferd gestutercien  anzulegen. 

Es  ist  bekannt,  dass  nur  in  jenen  Landen  derlei  GestUtereien  angebracht  sind,  wo  es  an 
Menschen  gebricht,  und  wo  eonsten  auf  keine  andere  Art  der  Terrain  in  etwas  benutzet  werden 
kann.  Der  klare  Beweis  ist  Hungarn.  Noch  vor  Jahren  existierten  in  Hungam  viele  wilde 
OestUter;  da  nun  aber  sich  Hungarn  sehr  bevölkerte,  so  sind  die  mehresten  GestGtereien  einge- 
gangen, und  auch  die  Viehzucht  hat  sich  gar  um  ein  merkliches  verringert.  Dessenungeacht 
geniessen  die  Herrschaften  doch  von  ihren  Gütern  dermalen  100  procento  mehr  als  in  vori- 
gen Zeiten. 

Vor  50  Jahren  wäre  die  Herrschaft  Gyula  vielleicht  nicht  vor  60  Tausend  fl.  in  Anschlag,  and 
nun  dOrfte  sie  aoch  vor  5000  Tausend  fl.  nicht  hindangegeben  werden  wollen,  weile  diese  Herr- 
schaft nun  mit  Menschen  anstatt  bevor  mit  wilden  Thieren  bewohnet  ist.  Die  hier  unterhalten 
werdende  Cavallarische  Remonta  wird  allerdings  denen  hohen  Behörden  ganz  wohlfeil  scheinen, 
weilen  in  der  Unterhaltung  dieser  )*ferde  wenige  Unkosten  sich  veroffenbaren,  und  wann  icli 
alles  betrachte  und  auch  jenes,  was  die  Buccovina  beitragen  mnss  und  nicht  bezahlet  wird,  mit- 
anrechne, und  dass  wegen  dieser  Remonta  so  viel  weniger  Menschen  in  der  Buccovina  sich 
unterhalten  können,  und  dass  denen  Grundherrn  widerrechtlich  und  ohne  aller  Bezahlung  das 
Gras  zum  Heumachen  abgenommen  und  zum  Unterhalt  der  Remonta  abgegeben  wird,  dvs 
das  Land  die  unausgesetzte  neue  Erbauung  und  Reparierung  der  Stallungen  ohnentgeltlich  be- 
streiten müsse,  sowie  seit  der  hier  existierenden  Remonta  sicher  30  Tausend  Handlangers  und 
eben  auch  15  Tausend  Fuhren,  wo  nicht  mehr,  ohnentgeltlich  hierzu  verwendet  worden  sind, 
dass  der  4te  Mann  und  der  2te  Wagen  von  der  ganzen  Buccovina  4  ganzer  Wochen,  um  das 
Heu  zu  macheu  und  zu  denen  Stallungen,  wie  es  auch  diesen  Herbst  nach  der  l>elegten  Re- 
partition  geschehen  musstc,  von  denen  iiussersten,  an  der  siebenbürgischen  (Srenze  liegenden 
Dorfschaften  Dorna,  O^okaneHti  etc.  bis  Stirzo  und  Kutschur  20  und  31  Meilen  weit,  folglichen 
in  Hin-  und  Herweg  auch  so  viel  Tag  zubringend  (zu  geschweigen,  dass  der  Bauer  auf  dieser 
langen  Reise,  wo  er  auf  dem  Felde  keine  Nahrung  für  seine  Ochsen  findet,  aueh  natürlich  von 
diesen  aufgeladenen  3  Centner  fütteret  und  beim  Abladen,  wie  ich  Selbsten  gesehen,  höchstens 
10  Portionen  noch  übrig  hat,  was  aber,  um  eine  Fuhr  zu  dingen,  mit  12  fl.  bar  Geld  nicht 
finden  könne)  zuzuführen,  ohne  aller  Bezahlung  angestellet  worden  sind,  und  zwar  in  der  besten 
Arbeitszeit,  und  folglich  vor  sich  das  Heu  zu  machen  sehr  viele  Zeit  benommen  wird  (wie  aus 
dem  untern  2C.  Januar  a.  c.  gehorsamst  eingereichten  Commissionsprotokoll  und  demselben  bei- 
gefügten gutachtlichen  Vori»chlag  weitläufiger  gnädigst  beurtheilet  werden  kann);  wann  mehrem 
in  Erwägung  gezogen  wird,  dass  die  jungen  Pferd,  deren  Zahl  sich  bis  300  belaufet,  den  ganzen 
Sommer  in  Gebirg  weidete  und  hiervor  vielleicht  nicht  100  fl.  jenem  Armenier  und  Buccovioer 
Handelsmann  bezahlet  wird,  der  diese  Gebirge  in  Bestand  hatte,  um  seine  eigene  Viehzucht 
und  Gestüterei  zu  erhalten,  wovon  er  seinen  Handel  machet,  die  Contribution  abführet  und 
mit  seinem  Viehbandel  das  Mautgefall  ziemlich  vermehret;  wann  endlichen  betrachtet  wird, 
dass  verliossenen  Jahr  eben  diesem  Remontgeschäft  779  Klafter  Heu,  jede  Klafter  «a 
250  Portionen,  jede  Portion  zu  1 1 V4  Pf-  gerechnet,  abgegeben  nnd  gewiss  jede  Klaftw 
mehr  als  400  Portionen  zu  10  Pf.  austragen  würde,  so  nicht  einen  ganzen  Schoh  rund 
herum  das  Heu  bevor  der  Abwägung  abgeschlagen  wäre  worden,  und  vor  diese  194450 
Portionen,  die  Portion  k  l'/a  kr.  gerechnet,  der  dieses  Commando  besorgende  Herr  Ritt- 
meister v.  Cavallar  mit  4327  fl.  46  kr.  an  die  Buccoviner  Provincial-Cassa  bezahlen  wird, 
das  Land  aber,  um  von  der  Heumachung  befreiet  zu  sein,  18000  fl.  bar  ad  Cassam  er- 
legte, die  Grundherren  aber,  um  damit  sie  kein  Gras  abgeben  dürften,  sich  anerboten  haben, 
von  denen  Bauern  ein  Drittel  lOma  weniger  abzuverlangen:  so  ist  sogleich  bloss  iu  dieser  Hen- 
abgabe  ein  aufgelegter  Schaden  von  mehr  als  13000  fl.  Ich  übergehe,  dass,  und  soferne  kein 
k.  k.  Remontabeu  gemacht  wird,  wenigstens  1000  Familien  mehrer  angesiedelt  und  dotieret  und 
die  Viehzucht  vermehret  und  besser  gepfleget  werden  könnte,  massen  eine  mitte Imässige  Hauern- 
familic  mit  4  Faltschen  Terrain  sehr  gut  auslangen    kann,    und    da    dies    Jahr  4300  Fahachen 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz.  87 

Hea  gemacht  wurden,  so  wurden  auch  1000  Familien  damit  leben  können,  was  andurch  dem 
höchsten  Aerario  in  der  Contribution  und  den  Mautregale  respectu  des  Viehaustrieb  mehrer  zu« 
gehen  könnte,  und  wie  andurch  der  Landmaun  gelbsten  zu  besseren  Kräften  gelangen  und  end- 
lichen in  allem  das  höchste  Aerarium  profitieren  mQsstef  ist  sehr  leichte,  nur  in  kurzem  be- 
trachtet, zu  beurtheilen.  Ich  übergehe,  dass  ausser  vorbemerkten  Belästigung,  die  dieses  Re- 
moDtageschäft  zum  Nachstand  des  Landmann  verursachet,  auch  noch  zerschieden  andere 
Praestationen  vorkommen,  als  da  ist:  die  Transportierungen  des  Haber,  der  Montur,  der  Kran- 
ken, die  Bequartierung  des  Remontacommando  und  deren  Officiers,  die  BeischafiTung  des  Holz, 
Licht,  Latem,  Kandel  und  sonstige  Stallrequisiten  und  endlichen  das  Streustroh,  so  allhier  am 
mehresten  gebricht,  ja  in  einigen  Gegenden  gar  nicht  zu  überkommen  ist,  weswegen  auch  schon 
genöthiget  wäre,  junges  Rohr  mähen,  troknen  und  als  Streustroh  von  Land  ohnentgeltlieh  zu 
denen  Stallungen  zuführen  zu  lassen.  Ich  übergehe,  dass  in  Frühjahr,  und  bevor  in  dem  Ge- 
birg das  Gras  zur  Abweidung  vorkommet,  die  jung,  krank  und  drüsigten  Pferde  oder  die  tra- 
gend und  Fohlenstutea  auf  denen  nächst  an  denen  Stalhingen  vorfindenden  Wiesen  mit  merk- 
lichem Schaden  deren  Dorfsgemeinden  das  junge  Gras  ohnentgeltlieh  abweiden.  All  dieses 
zusammengerechnet  und  in  das  Geld  entworfen,  und  der  Schaden,  so  dem  Landmann  zugehet, 
mitcombinieret,  muss  sich  veroffenbaren,  dass  diese  Remonta  ohngemein  hoch  zu  stehen  kommen 
müsse,  massen  die  Entkräftuog  des  Landmann  auch  die  Entkräftung  des  Aerarii  nach  sich 
ziehet,  so  aber  nicht  comparieret.  Gleichwie  mir  aber  sehr  wohl  bekannt  ist,  dass  Allerhöchst 
die  Majestät  absolute  nicht  zugeben  wollen,  dass  der  Landmann  ausser  denen  landesgewöhn- 
lichen Schuldigkeiten  und  Abgaben  mit  was  mehrern,  und  besonders  mit  solchen,  so  nicht  in  das 
Aüg  fallet,  belästiget  werden  solle,  so  rechne  es  vor  einen  Theil  meiner  Pflicht,  hierwegen  eine 
Erwähnung  zu  machen,  und  kann  auch  nicht  wohl  dem  das  Remontageschäft  besorgenden  Herrn 
Rittmeister  keine,  und  nicht  die  geringste  Schuld  zumessen,  massen  er  gewiss  mit  dem  lobens- 
uDd  belohnungswürdigen  Eifer  das  ihm  anvertraute  Geschäft  zu  beförderen,  sich  alle  erdenkliche 
Muhe  giebet,  auch  sonsten  in  allem  seinen  Betragen  sehr  bescheiden,  und  an  seiner  Ehrlich- 
keit nicht  wohl  gezweifelt  werden  kann,  folglichen  ihme  nur  daran  lieget,  das  Landet  zu  con- 
servieren,  wodurch  eben  das  Aerarium  den  wesentlichen  Nutzen  erwartet.  Ich  will  auch  keines- 
wegs in  jene  sonstig,  so  sehr  merkliche  Unkosten  und  Aufwand  eingehen,  die  dieses  Remonta- 
commando mittelst  der  Verpflegung  und  sonstigen  Unterhalt  von  360  Mann,  dann  150  Brauch- 
pferden, welche  letztere  sehr  wenige  zur  Remonta  als  schon  defectuose  Pferde  abgegeben  werden 
können,  doch  eben  so  kostsplitterisch  als  die  Dienstpferde  unterhalten  werden,  verursachen 
mnss,  ich  aber  andurch  nur  pflichtmässig  erwiesen  haben  wollte,  dass  dieses  Geschäft  sowohl 
dem  höchsten  Aerario  als  vorzüglich  dem  Land  hier  zu  unterhalten  sehr  nachtheilig  seie  und  in 
die  Lange  auf  keine  Art  bestehen  kann. 

und  endlichen,  so  auch  gewiss  wäre,  dass  aus  Abgang  der  Menschen  und  wegen  unbe- 
ntttzet  li^;enden  Feldern  eine  Pferdgestüterei  hier  in  der  Boccovina  unterhalten  werden  könnte, 
was  könnte  der  Monarchie  vor  ein  Nutzen  andurch  zugehen,  sobald  der  Landesfürst  den  Unter- 
halt und  die  Weidung  hierzu  erkaufen  und  noch  die  Winterfütterung  in  der  Moldau  bezahlen, 
Menschen  und  Aufsehers  unterhalten  und  sich  allen  Unglücksfällen  unterziehen  müsste  ?  Ich 
glaube,  kein  Nutzen,  vielmehr  müsste  Schaden  am  Ende  sich  zeigeu.  Ein  Grundherr  kann  sich 
hienron  etwas  und  auch  nicht  sonderlichen  Nutzen  versprechen,  ohngeacht  solcher  seineu  Unter- 
thanen  zur  Wartung,  so  wie  die  Unterhaltung  ohnentgeltlieh  hieran  verwendet.  Nun  hoffe  und 
wünsche  verbreitet  genug  erwiesen  zu  haben,  dass  in  keiner  Betrachtung  in  der  Buccovina  eine 
förmliche  und  kostsplitterische  Ansiedlung  noch  Pferdgestütereien  applicabel  noch  eine  merkliche 
Verbreitung  der  Agricultur  anwendbar,  ja  alle  3  Gegenstände  vielmehr  schädlich  wären. 

Ja  mir  scheinet  in  der  politischen  Betrachtung  vielmehr  übel  gerathen  zu  sein,  eine 
förmliche  und,  wie  vermuthe,  teutsche  Ansiedlung  hier  zu.  etablieren.  Man  l)enehniete  der 
Moldauer  Nachbarschaft  die  Gelegenheit,  sich  anhero  anzusiedlen,  desnen  Ansiedlung  doch  dem 
Btaat  keinen  Kreuzer  kostet,  sondern  jederzeit  Nutzen  verschaffet,  und  ich  glaube  auch  keines- 
wegs zu  irren,  dass  und  in  Fall  der  teutsche  Regierungsform  in  der  Buccovina  wie  bis  anhero 
eingeführt  und  continuieret  wird,  und  so  auch  die  Contributionsabgabe  annoch  so  hoch,  wie  nun- 
mehro,  angeschlagen  würde,  in  wenig  Jahren  man  mehr  Menschen  überkommen  wird,  als  man 
sich  wünschet.     So  wie  voraus  gesagt  und  erwiesen  ist,    so  kann  auch  dermalen  in    der  Bucco- 

Digitized  by  V:iOOQIC 


88  POLEK : 

vina  nicht  sonderlich  viel  mehrers  Volk  untergebracht  werden.  Siebenbürgen  wurde  gerne  annoch 
auch  etlich  Tausend  Familien,  und  die  Marmarosh,  so  auch  an  die  Buccovina  grenzet,  annehmen 
und  unterbringen.  Es  könnte  ja  gehofifet  werden,  dass,  wann  in  der  Buccovina  das  Volk  zu 
viel  wQrde,  so  nicht  alle,  doch  ein  grosser  Theil  sich  nach  Siebenburgen  und  Hungam  uber- 
siedlen  würden,  und  da  die  Buccovina  einem  Theil  von  Siebenbürgen  und  der  ganzen  Mar- 
marosch  vorlieget,  und  diese  2  Länder  ihre  Bevölkerung  wenigstens  aus  der  Moldau  groasenthdl 
anhoflTet  und  auch  zum  Theil  herholet,  so  wäre  nicht  klug  gehandelt,  wann  nicht  die  Buccovina 
so  dirigieret  und  beherrschet  würde,  womit  fremde  Nationen  dahin  gereizet,  und  Hungam  und 
Siebenbürgen  hiervon  auch  so  wie  das  Aerarium  vorzüglich  merklichen  Nutzen  ziehen  konnte. 


XXXIX. 

Cavallar  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Orig.  (K-A.  ir.  S    1779—43—757.)  Kotzman,  29.  Novemb.  1779. 

Es  ist  zwar  das  mir  allergnädigst  anvertraute  Remontengeschäft  von  dem  politischen 
Fach  zu  weit  entfernt,  als  dass  ich  Einem  hochlöbl.  .  .  .  Gencralmilitärobercommando  einige 
Kemarquen  hierüber  zu  unterlegen  mich  anmessen  sollte;  allein  da  die  etwan  ausbrechende 
Landes-Reclami  praeparatorie  schon  auf  das  Remontierungscommando  abgewälzt  und  denen  Re< 
montenstallungen  eine  ursprüngliche  Last  an^Gratisroboten  aufgebürdet  wird;  da  femers  aus  der 
Lieferung  des  für  die  ärarischen  Pferde  erforderlichen,  im  Lande  überflüssig  vorhandenen  Heues, 
welches  ich  für  bares  Geld  bezahle,  eine  Landesbeddlckung  und  Verhinderung  der  BevOlkerang 
hergeleitet  werden  will:  so  sehe  mich  bemüssiget  (und  bitte  unterthäoigst  gehorsamst  mir  dieses 
nicht  in  Ungnaden  zu  bemerken),  dass  ich  einestheils  zur  Ablehnung  dieser  Gravaminum,  an- 
dererseits zum  Beweis  des  Gegentheils  in  Gemässheit  Eines  hochlöblichen  hofkriegsräthlichen 
Rescripts  ddo.  13ten  und  hoher  Generalcommando- Verordnung  vom  25.  September  a.  c  nur 
etwelche  Einheiten  der  politischen  Behandlung  des  Landes  anführe,  die  eben  von  der  hierläo- 
digen  Interimal-Landesadministration  in  ihren  Beschwerden  gegen  dai  Remontierungscommando 
mit  demselben  so  genau  verbunden  worden,  und  zwar: 

Ad  Lit.  A.  Wird  Einem  hochlöbl.  Generalmilitärobercommando  noch  bestemuissen  in  An- 
gedenken sein,  wie  sehr  Seiner  Mijestät  dem  Kaiser  und  dem  hocblübl.  kaiserl.  königl.  Hof- 
kriegsrath  während  vorgewestem  Kriege  die  Stellung  deren  Remonten  angelegen  wäre.  Da  es 
nun  für  die  beigehabten  Pferde  an  hinlänglicher  Unterkunft  gebrochen  hat,  so  wäre  ich  ge- 
nT^thiget,  den  Herrn  Generalmajor  Baron  v.  Enzenberg  um  die  diesfällige  Abhilfe  bittlich  anzu- 
langen, welcher  einestheils  zu  bestmöglichster  Beförderung  des  Remontagescbäftes  als  anderen- 
theils  (da  vorhin  das  kaiserliche  Heu  aus  dem  Czercraoscher  Thal  mit  unsäglich  vieler  Mühe 
der  Unterthanen  sehr  weit  zugeführt  werden  musste),  zu  Verschonung  des  Landes  4  ganz  neue 
Stallungen,  nämlich  2  in  Waskowetz,  1  in  Sattagura  und  1  in  Störza,  dann  2  Quasikasemen, 
1  in  Waskowetz,  die  2te  in  Störza,  und  in  letzterem  auch  1  Officiersquartier  zu  erbauen  ange- 
ordnet hat,  zu  welchen  Gebäuden  also  wie  auch  zu  der  vor-  und  diesjährigen  Reparierang 
saramentlicher  alten  Stallungen  und  des  Okols  von  Seiten  des  Landes  18312  Hand-  und  8195 
Zugroboten  pr.  2  Jahre  abgereichet  worden,  wie  solche  bereits  vermög  Bericht  vom  26ten 
September  ca....  klärlich  ausgewiesen  sind,  und  in  Anbetracht  deren  im  Lande  errichteten 
Proviantmagazins  und  hergestellten  Quartiersgebäuden,  dann  des  Strassen-  und  Brückenbaues 
kaum  angemerkt  zu  werden  verdienen. 

Zwar  sind  auch  anno  1777,  mithin  zu  des  Herrn  Generalwachtmeisters  Baron  v.  Spleni 
Zeiten,  2  neue  Okols,  einer  zu  ('zerepkautz  und  einer  zu  Störza,  für  diejenigen  Pferde,  welche 
bei  der  selbesjährigen  Assentierung  denen  Regimentern  nicht  mehr  zugetheilet  werden  konnten, 
weilen  sie  ohnedies  alle  übercomplet  gemacht  waren,  auf  hohes  Gutbefinden  Eines  hochlöbl. 
Generalmilitärobercommando  erbauet  worden,  um  diese  Pferde  unterbringen  zu  können,  davon 
einer  voriges  und  einer  dieses  Jahr  auch  bereits  wieder  eingefallen,  welches  wohl  wegen  dem 
grünen  Holz,  das  in  der  Eil  und  im  Nothfall  darzu  genommen  werden  musste,  nicht  änderst 
hat  sein  können,  und  zu  jedem  sothaner  2  Okols  gegen  1200  Hand-  und  bis  300  Zugrobotstage 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz.  89 

verwendet  werden;  jedoch  weilen  der  Herr  Generalmajor  Bar.  v.  Knzenberg  in  seinen  einge- 
sendeten Beschwerden  nur  von  Jahr  und  Tag  die  Anzeige  machet,  so  kann  ich  umsoweniger 
vermuthen,  dass  solche  in  dem  Summario  anzuführen  erforderlich  gewesen  wäre. 

Ad  Lit.  B.  Nun  tritt  diese  wichtige  Betrachtung  anvörderist  bei,  ob  diejenigen  2000  Fa- 
milien, wovon  der  Herr  Generalmajor  Bar.  v.  Enzeuberg  in  seinem  Berichte  erwähnet  hat,  auch 
wirklich  aus  dem  Türkischen  oder  anderen  fremden  Ländern  aohero  emigrieret  und  nicht  viel- 
mehr dem  sicheren  Vernehmen  nach  wegen  der  letzten  Recrutenaushebung  aus  Gallicien  anhero 
entwichen  sind  und  sich  hier  niedergelassen  haben,  welch  letzteres,  wenn  auch  noch  einige 
Familien  zugegen  wären,  dennoch  in  allem  Verstände  dem  Staat  somehr  nachtheilig  ist,  als 
solche  bieriandes  3  freijahre  geniessen  und  in  dem  gallizischen  Contributionali  einen  Abfall 
verursachen. 

Um  aber  Einem  hochlöbl.  .  .  .  Generalmilitärobercoramando  umso  verlässlicher  zu  unter- 
legen, dass  die  Unterhaltung  deren  Hemontapferden  den  dermalig  wirklich  ansässigen  Bukowiner 
Bauernstand  an  seiner  benöthigtcn  Flltterung  nicht  verkürzen,  ja  vielmehr  über  diese  Remonta 
alljälirlich  noch  ein  beträchtliches  Quantum  im  Lande  zu  sonstigen  Militär-Heuerfordernissen 
eiTibrige,  zeige, 

Imo  dass  die  Interimal-Landesadministration,  sowie  andere  Jahre,  auch  heuer  über  das 
meinem  unterstehenden  Commando  bereits  abgegebene  Heuquantum  annoch  gegen  1000  Faltschen 
mehr  anrepartlert  und  erzeuget  hat,  von  welchem  Ueberfluss  die  immiltelst  in  die  Bukowina  ver- 
legte lOO  Fuhrwesenspferde  einen  Theil  ihrer  Erfordernis  beziehen,  ohne  ein  weiteres  Aerarial- 
ConBamo  im  Lande  ausweisen  zu  kiinnen. 

2do.  Geruhe  Ein  hochlöbl.  Generalmilitarobercommando  gnädigst  zu  erwägen,  dass  das 
kaiserliche  Heu  nicht  auf  deren  Unterthanen  Gründen,  sondern  auf  jenen  deren  Grundherren 
erzeuget  zu  werden  pflegt,  welche  Gründe  nach  Abschlag  der  denen  Unterthanen  jedenorts  aus- 
kömmlich zugetheilten  Heuschlägen  als  ein  Ueberland  erübriget  und  denen  Grandherren  anheim- 
fallen, und  dass  hinfolgsam  der  Unterthan  zu  dem  kaiserl.  Heu  weiter  nichts  beitraget  als  die 
Arbeit  der  Erzeugung  und  der  Zufuhr. 

Es  lieget  der  unwiderlegliche  Beweis  dessen  darinnen,  dass  jene  Ortschaften,  welche 
keine  derlei  überländige  Heuschläge  besitzen,  mithin  von  ihren  Gründen  nichts  entbehren  können, 
mit  dem  nach  der  Hauptrepartition  sie  betreffenden  Faltschenquanto  in  andere  grasreiche  Dorf- 
schaften auf  4,  5  und  6  Meilen  weit  angewiesen  und  ihr  Heuquantum  auf  fremden  Gründen 
zu  erzeugen  angehalten  werden. 

3tio.  Wird  das  sammentliche  kaiserliche  Heu  eingangs  berUhrtermassen  ab  Seiten  des 
Remontacommando  bezahlt.  Ich  glaube  dahero,  dass  umsoweniger  eine  Bedrückung  der  Unter- 
thanen hievon  abgeleitet  werden  könne,  als  denen  Unterthanen,  wenn  ihnen  solches  nicht  etwan 
statt  deren  schuldigen  Steuern  eines  Theils  abgerechnet  wird,  auch  die  Arbeit  annoch  vergütet 
werden  kann. 

Ad  Lit.  C.  wird  die  in  der  Beilage  erscheinende  oekonomische  Tabella  mit  mehreren! 
bestätigen,  dass  zur  Unterhaltung  der  bisherigen  Anzahl  kaiserl.  Remontapferden  nicht  die  ganze 
Bukowina  erforderlich,  sondern  nur  einige  30  Dörfer  imstande  sind,  ohne  mindester  Verkürzung 
der  Unterthanen,  bloss  von  denen  Ueberlandsheuschlägen  das  benöthigte  Heu  auch  auf  1500 
Pferde  gänzlich  gratis  und  27548  n.  ö.  Metzen  Haber,  ä  15  kr.  gerechnet,  aufzubringen. 

Ich  kann  dieses  Einem  hochlöbl.  Generalmilitarobercommando  mit  so  mehrerer  Gewiss- 
heit unterlegen,  als  heuer  der  Grundbesitzer  von  Kitzmann,  wo  ich  mein  Standquartier  habe, 
nach  reichlicher  Befriedigung  seiner  Unterthanen  und  nebst  200  Faltschen  kaiserl.  Heues  annoch 
andere  200  Faltschen  für  sich  erzeuget  hat,  zu  geschweigen  deren  in  vorgedachter  Tabella  ange- 
führten anderen  derlei  grasreicben  Ortschaften  jenseits  der  Pruth,  wo  in  manchen  wegen  der 
anermesslichen  Grösse  der  Heiden  vieles  Gras  stehen  bleibt,  welches  nicht  abgemähet  wird. 

Ein  welches  meines  Erachtens  zureichend  sein  wird,  den  von  der  hierländigen  Literimal- 
Administration  so  dringend  beklagten  Heumangel  zu  widerlegen  und  statt  solchen  vielmehr 
hieran  einen  Ueberfluss,  mithin  auch  grundbeständig  zu  erweisen,  dess  die  angebliche  Ansiedler 
durch  das  Kemontierungsgeschäft  an  ihrem  nöthigen  Unterhalt  niemalen  aufliegen  und  deswegen 
verdrangen  werden. 


Digitized  by 


"Uoogic 


90  PoLEK  : 

Mir  ist  desseutwegen  gar  nicht  begreiflich,  was  dem  Herrn  Generalmajcr  Baron  v.  £n- 
zenberg,  welcher  doch  sonst  für  das  Wohl  des  allerhöchsten  Dienstes  so  gerecht  und  unermudet 
besorgt  ist,  oder  vielmehr  einer  löbl.  Landesadministration  auf  einmal  eq  diesen  Beschwerden 
wider  das  Bemontencommando  die  Veranlassung  müsse  gegeben  haben,  da  ich  doch  jederzeit 
die  Ordnung  als  die  Grundfeste  des  Dienstes  ansehe  und  hierauf  mit  besonderer  Attention  halte^ 
auch  mir  nicht  bewusst  bin,  jemals  einen  Excess  im  Lande  verursachet  zu  haben. 

Ich  nehme  nun  auch  den  Fall  (welcher  zwar,  wie  ich  voraussehe,  nur  noch  mehr  dienet, 
mich  andurch  je  unangenehmer  zu  machen),  dass  das  Remontierangsgeschäft  nicht  in  der  Buko- 
wina wäre,  so  würden  doch  wohl  wenigstens  wie  vorhin  zu  Deckung  des  Landes  1  oder  2  Di- 
visiones  Cavallerie  hieher  dislocieret  worden  sein,  durch  welche  in  Anbetracht  der  Stallungen  für 
die  Pferde,  der  Zufuhr  des  Heues  imd  der  übrig  erforderlichen  Vorspann  das  Land  gar  nicht 
erleichtert,  sondern  wegen  der  Unterkunft  der  grösseren  Anzahl  an  Mannschaft  noch  um  ein 
mehreres  belästiget  sein  und  dem  allerhöchsten  Aerario  nicht  minder  einen  Aufwand  verur- 
sachen wurde. 

In  dem  ferneren  Verfolg  eingangs  berührten  hohen  Rescripts  und  Verordnung  ist  aucli 
in  auswärtigen  Ländern  kein  Haber  für  mein  unterhabendes  Commando  erkauft  worden,  sondern 
solcher  wird  aus  dem  Snyatiner  und  Horodenker  Magazin,  so  in  Gallicien  liegen,  und  hier 
landes  aus  dem  Czemowiczei  empfangen.  Jedoch  werden  sowohl  der  Herr  Generalmajor  Baron 
v.  Enzenberg  als  auch  der  hier  angestellte  Herr  Verpflegsverwalter  v.  Circo  bestätigen  müssen, 
dass  aus  dem  Czemowiczer  Magazin,  welcher  zwar  aus  dem  Horodenker  uberbracht  sein  soUle, 
dumpfiger  Haber  für  die  Remonten  verabreichet  worden  seie;  woher  aber  eine  löbl.  Verpflegs- 
direction  solchen  genommen  habe,  ist  mir  unbewusst. 

Gleichwie  es  aber  mir  höchst  angelegen  sein  musste,  diesem  Uebel  so  eher  abzuhelfen,  so 
habe  mich  an  die  I^mberger  löbl.  Verpflegsdirection  verwendet,  von  woher  auch  .  .  .  die  schleu- 
nige Remedur  getroffen  worden. 

Ad  Lit.  D.  Ist  nicht  nur  der  Okol,  sondern  sammentliche  alte  Stallungen  so  gut  wie 
möglich  repariert  und  für  diesen  Winter  in  annoch  brauchbaren  Stand  gesetzt  worden. 

Was  nun  aber  die  Anzahl  der  Pferde  belanget,  die  in  der  Bukowina  unterhalten  werden 
können,  davon  ist  schon  oben  einige  En^ähnung  beschehen.  Ich  nehme  also  in  Antrag  1500 
Stück  Pferde  (zu  denen  vermög  beiliegender  Standesausweis  ein  Personale  von  547  Köpfen,  wie 
ich  bereits  unterm  29ten  Januarii  a.  c.  angezeiget  habe,  erforderlich  wäre)  je  mehr  festzusetzen, 
als  solche  in  hiesiger  Gegend  und  in  der  Moldau  alljährlich  erkauft  werden  können. 

Nachdeme  nun  endlichen  (wie  in  meinem  diesfälligen  Berichte  ersichtlich  ist^  ich  1000 
Pferde  in  denen  Stallungen  aufzustellen  und  500  in  denen  Okols  zu  überwintern  antrage,  so 
kann  nicht  vorbeigehen,  bei  Einem  hochlöbl.  Generalmilitärobercommando  meine  submisseste 
Bitte  .  .  .  vorzutragen,  womit  Eine  hohe  Stelle  für  diese  letztere  junge  Pferde,  so  vom  Iten  Mai 
bis  Ende  Octobris  auf  der  Weide  unterhalten  werden,  die  Lutschina-Gebirge,  zwischen  der  Mar- 
morosch  und  Siebenbürgen  an  dem  Gerliba-Fluss  *)  gelegen,  zu  dieser  Weide  von  dem  Kloster 
Putna  alljqhrlich  zu  erstehen  und  anzuweisen  gnädigst  zu  reflectieren  geruhen  mögte. 

Sigl.     Kitzmann,  den  29ten  Novembris  17779. 


*)  d.  i.  Kirlibaba-Fluss. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Die  Anfäkge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz.  91 

XL. 

Oekonomische  Tabeila 

Orig.   (K,-A.  IL  S.  1779—43-757.) 

Vorläufige  Expiication 
nach  welcher  sich  in   folgender   ökonomischen  Tabeila  bei  Berechnung   der   diesfälUgen  Robots- 
tage und  Erzeugung  des  Habers  benommen  worden. 

Als:  Tage 

Jeder  Unterthan  ist  schuldig  an  Robot  jährlich 12 

den  Zehent  von  allen    vegetabilischen  Producten,  den    er  eingefuhrtermassen    gern 

redimieret  mit 12 

die  Gespunst,  die  er  ebenfalls  lieber  erlöst  mit 2 

an  Klaka  oder  Grattsrobot    verrichtet  selber  dem  Grundherrn  willig  des  Jahres      .  2 

Summa  der  Prästation  eines  Unterthans  28 

Diese  werden  verwendet: 
Zu  Mach-  und  Einführung  einer  jeden  Faltschen  Heu 8 

1  Tag  Acker  erfordert  zu  ackern  und  zu  säen 4 

Hierauf  werden  erzeuget  10  Schock  Garben,  welche  an  Schnittern  erfordern          .  4 

zur  Einfuhr 2 

10  Schock  auszudreschen  erfordern 5 

Summa  der  Arbeit  auf  1  Tag  Ackerbau          .  15 

A  u  8  w  w  e  i  s 
was  durch  obetehende  15  Robotstage  an  Frucht  erzeuget  wird 

n.  5.  Hetzen 

Auf  1  Tag  Acker  wird  gesäet  Haber 3 

Davon  werden  eingeerntet  10  Schock  Garben,  deren  jedes  in  mittelmäßigen  Jahren 

2  Metzen  Haber  abwirft,  folglichen  producieren  15  Robotstage  ...  20 

Hievon  den  Samen  pr.  3 

Verbleiben        .  1 7 


Digitized  by 


Google 


92 


Polek: 


Oekonomische 

Über  nachstehende  Ortschaften  nach    dem  wahren  Bestand  ihrer  Gründe  und  anderen  Dominiealien 

kais.  königl.  Hemontierung  in  Pacht  zu  nehmen 

d.iesseit8 


9> 

H    1    e    TT    ( 

5_  rj 

r    e- 

Was  die 

e 

.2 

Ortschaften 

der 

Grund- 

herrschaft 

der 

dermalloen 

Pächter 

Wie  viel  Pachtschilling  jede 
stehenden  Ortschaften  ihre 
Grundherrn  bezahlen 

Juden  in  jedem  Dorf 

uad  wofür  an  Arrenda 

bezahlen 

n 

c 

1 

st 
'      PC 

-£ 
.S 

« 
C 
ai 

haben  in  Arrenda 

ll: 

*S 

fl. 

kJ 

f.    Ikiil    \'u 

56 

Luschan  *) 

Lucas  Armas  in 
Jassy 

Administrations- 

Sccretär  Micha- 

laky 

600 

1  Wirtsh.,  2  Milhl,  jede 
mit  2  Steinen,  dann  den 
ganzen  Zehent  vom  Dorf 

350 

1 
58 

ßojana«) 

Basili  Mutenko 

Ivan  Miteskul 
Capitän 

1000 

5  Wirtsh.,  4  Milhl.,  jede 
mit  1   St.,  15  Falts.  Heu 
extra  den   Zehent 

700 
800 

- 

1 
250j  30 

Kitzmann ') 
Laskiwka  *) 

Herr  Bischof  von 
Radautz 

n 

Administrations- 

Secretfir 

Michalaky  und 

Compagnie 

1  Wirtsh.,    1    Mühl    mit 

2  St.,  auf  60  Metz.  Aus- 
saat und  10  Fattsch.  Heu 

1  Wirtsh.,    1    Mühl   mit 

2  St.  auf  60  Metz.  Aus- 
saat und  10  Faltsch.  Heu 

400 
425 

- 

i 

60    67 
45    36 

Suchower- 
cha*) 

n 

n 

3000 

— 

1  Wirtsh.,   1  Mühl.    mit 

2  Stein  und  den  Zehent 

von  denen  Bauern 

300 

1 

30,  13 

1 

Kliwodin«) 

» 

n 

1    Wirtsh.,    den   Zehent, 

5  Faltsch.  Heu  und  auf 

12  Metzen  Feld 

260 

. 

t8 

26 

Dawidovce  ^ 

n 

n 

1  Wirtshaus,  den  Zehent 
und  5  Faltschen  Heu 

220 

— 

38 

32 

Kisselieu  «) 

Lesczeskul  v.  Hu- 
destie  in  d.  Moldau 

Pächter  Secr.  Mi- 
chalaky, Afterp. 
Herr  v.  Eder 

600 

1  Wirtshaus,  1  Mühl  mit 
1   Stein  und  den  Zehent 

400 

50 

20 

Borouz  «) 

Igumen  Formosky 
in  Jassy 

n 

1100 

l  Wirtshaus,  1  Mühl  mit 

1  Stein,  den  Zehent  und 

12  Faltscheu  Heu 

280 

. 

45 

30 

Cadubestie  »O) 

Blascha  in  der 
Moldau 

Paul  Asianczuk  i 
Armener  von     , 
Snyatin 

700 

1  Wirtshaus,  den  Zehent, 

auf  46  Metz.  Felder  und 

10  Faltschen  Heu 

400 

1 

-i 

t 
7l'  54 

Latus     .     . 

7000 

— 

14  Wirtsh.,  U  Mühl.  mit 
16  St.,  67  Faltsch.  Heu, 
einigen  Zehent  u.  Feldbau 

4535 

_| 

675 

j 

364, 

1 

')  Luian.  •)  Bojan.    ')  Kotzman.    *)  Laszköwka.    *) 


S«chowerch6w.^^;T^^g^^ 


^   Dawideßiie 


DlB   AMFÄNaB   DES   K.   K.    STAATSeSSTÜTES    RaDAUTZ. 


93 


Tabella 

wie  auch    ihrer    gegenwärtig  wirklichen  Revenüen-Erträgnis,  welche    pro    aerario    zum  Nutzen    der 
angetragen  werden  könnten,  und  zwar 
cLer  Fr-vxtDa. 


ZI.    i    e 

s     s 

e    ZI 

d.    e      I^    e    TT    e 

ZI     -C5. 

1 

n 

deren  nach  vorUufiger  Explication  schul- 
diger Robotstage 

Wie  viele   ackerbare  Felder   and   OrQnde   zor 
Frnchtbanang  vorhanden  nnd  wie  viel  Metseu 
naeh  Absoblac  demjenigen,  so  die  Banem  be- 
nutzen, die  Herrsobaft  anatäen  kann 

c 
fl 

J 

tS 

3 
S 

1 

o 

© 
o 

1 

1 

© 

§ 
"So 

© 

fl 

© 

^^ 

•^     Betragen  in  Geld,  den  Metzen  k  15  kr. 

^         gerechnet 

-«                                                      - 

Wie  viele  Heuschläge  und 
auf  wie  viele  Faltschen 
in  jedem  Ort  vorhanden 

Anmerkung 
anderer  Neben- 
nutzungen 

Benanntlich 

O 
a 

fl 

P 

17|Tr 

1 

fl 
© 

X3 

C 
© 

> 

fl 
© 

1 
1 

B 
S 
a 
oc 

i     fl.     jkr 

tu 

111 
iH 

fl 
® 

-fl    oj 

J.i 
it 

e  © 

Betraget  in  Geld,  die  Faltsche 
oder    90    Portions    a   2  fl, 
gerechnet 

n.  o. 
Metzen 

Metzen 

fl.     'kr 

! 

! 

1824 

200 

1000 

1133 

283 

15 

45 

— 

360 

90 

— 

— 

- 

723 

15 

4480 
3556 

260 

1300 

1473 

368 

15 

30 

- 

240 

60 

— 

1   Teicli    in  Kitz- 
mann i.  3  J.  800  fl. 
1  Teich  in  Habri- 
lovce  i.  3  J.  400  fl. 

400 

— 

1928 
2067 

15 
30 

2268 

1  Teich,  ertraget 
alle  3  Jahr  800  fl. 

266 

40 

691 

40 

688 

380 

1650 

1870 

467 

30 

200 

200 

3200 

800 

— 

1   Teich,  ertraget 
in  3  J.  1800  fl. 

600 

— 

900 

— 

864 

— 

— 

- 

260 

— 

1120 

— 

— 

- 

220 

— 

i 

i     1120 

100 

500 

566 

141 

30 

— 

— 

— 

— 

— 

2  T.,  welche  aber 
nicht  mitverpacht. 
sind,  in  3  J.I  80  fl. 

- 

- 

541 

3€ 

1200 

40 

•2(M  • 

226 

56 

30 

300 

300 

4800 

1200 

— 

1              ~" 

— 

— 

1536 

1 

30 

2000 

100 

500 

566 

141 

30 

70 

70 

1120 

280 

1  kleiner  Teich, 

ertraget  in  3  J. 

20  fl. 

6 

40 

1 
1 
i       828 

10 

19120 

1030 

5150 

5834 

1458 

30 

645 

570 

9720 

2480 

5  Teiche  ertragen 
1   in  3  J,  3820  fl. 

1 

1273 

» 

9696 

50 

I 

V  Kieseleu.  »)  Boroutz.  ")  Kadobestie. 


Digitized  by 


Google 


u 


Polek: 


c 

Ä    1    e    TT 

o    X      gr     e- 

h 

"'s 

Was  die 

S 

e 
o 

C 

Ortscliaftei) 

der 

Grund- 

herrschaft 

der 

dermalioen 

Pächter 

Wie  viel  Pwhtschilling  jede 
stehenden  Ortschaften  ihre 
Grundherrn  bezahlen 

Juden  in  jedem  Dorf 

und  wofür  an  Arrenda 

bezableu 

11 

haben  in  Arrenda 

zahlen 
jährlich 
an  Geld 

mit 
ohne 

fl. 

kr 

fl.     \kr^ 

Vieh 

1 

"ranslatus     .     . 

7000 

- 

14  Wirtsh.,  11  Mülüen  ra 
16  Steinen,  67  Falt.  Hea, 
einigen  Zehent  u.  Feldbau 

4535 

675364 

Weruzanka») 

Bojar  Paskann 
in  Jassy 

Ivann  Sott 

700 

l  Wirtshaus,  den  Zehent, 

auf  30  MeUen  Aussaat  u. 

6  Faltschen  Heu 

500 

. 

120    40 

1 

Walliowa*) 

Jonaty  Motenko 

Administrations- 

Secretarius  Mi- 

chalaky 

1 
1 
600 

_ 

1  Wirtsh.,  1  Muhl  mit  1 
Stein,  17F.  Heu,  auf  120 
Metz  Feldbau  u.  d.  Zehent 

450 



1 
73 

1 

42| 

Waskowetz  ') 

Nicolay  Rossno- 
wan 

Ivann  Miteskul, 
Capitän 

1200 



l   Wirtshaus,   3  Mühlen, 
jede  mit  2  Steinen 

700 

1  162 

.5?i 

3er 

IBi 

9lte 

Kutschur- 
raare  *) 

Kloster  Putna 

1 
Administration  s- 
Secretarius  Mi- 
chalaky 

3  Wirtshäuser  und  jähr- 
lich 15  Faltschen  Heu 

iooo 

200 

i 
60 

Walloka») 

n 

n 

" 

170 

26 

Korrovla«) 

n 

n 

1  Wirtshaus  und  den 
Zehent 

260 

— 

58 

— 

Molodia 

n 

» 

1200 

— 

1  Wirtsh.,   1   Muhl    mit 
1  Stein  und  den  Zehent 

350 

,^ 

182 

■J 

Czahor 

Tt 

n 

1    Wirtsh.,    1    Muhl   mit 
1   Stein  und  den  Zehent 

170 

— 

65 

Ostriza  ^ 

n 

n 

2  Wirtshäuser  u.  4  Mühlen 
mit  1   Stein 

300 

— 

100 

15 

Mahala 

n 

»» 

l   Wirtshaus,    2    Mühlen 
mit  1  Stein,  u.  den  Zehent 

500 

— 

162 

•20 

Hluboka  ») 

SUrost  Thadeus 
Turkul 

Armener  Cajetan 
Theodorowics 

350 

— 

1  Wirtshaus  u.  den  Zehent 
von  Tabak 

120 

— 

50 

5<» 

Petroutz 

« 

unterhaltet  sol- 
ches selbst  Herr 
V.  Tnrkul 

500 



1  Wirtshaus,  1  MOhl  mit 
1   Stein 

200 



'     96 

i 

_ 

Latus     .     .     1 

11550 

— 

128  Wirtsh.,  24  Mühlen m. 
32  Steinnn,  104  F.  Heu, 
einigen  Zehent  u.  Feldbau 

9085 

1 

2113 

703 

Die  Anfänge  des  k.  k.  StaatsobstOtes  Radadtz. 


95 


aa.l««ae3a.d.e       Z^e^eaa.'Q.ezx 

1 

nach  vorläutiger  £xplioiition  schul- 
r  Itubotstage 

HS 

tut 

£|f| 

m 

im 

s 

3 

S 

1 

% 
f 

0) 

1 

1 

s 

1^ 

Betragen  in  Geld,  den  Metzen  a  15  kr. 
gerechnet 

Wie  viele  Heuschläge  und 

auf  wie  viele  Falschen 

in  jedem  Ort  vorhanden 

Anmerkung 
anderer  Neben- 
nutzungen 

ßenanntlich 



Deren  Betrag  in  Geld 

Summa  der  ganzen  Revenüen-Erträgnis 

Was  nach  Abncblag  der  diesfälligen  Er- 
fordernis  tiir  die   Untertbanen   dem 
Gmndberru  frei  eigen  übriggeblieben 

08 

1 

.2 

H 

Zu  dessen  Fechs-  und  Einfüh- 
rung benöthigte  Robotstage 

Betraget  in  Geld,  die  Faltsche 
oder    90    Portions   ä   2   fl. 
gerechnet 

n.  0. 
Metzen 

•s 

Metzen 

fl. 

kr 

fl. 

kr 

fl. 

kr 

fl.    !k.| 

19120 

2660 

1840 
6440 

1030 

120 
40 

5150 

600 
200 

5834 

680 
226 

1458 

170 
56 

30 
30 

645 
100 

300 

570 
100 

300 

9720 
1600 

4800 

2430 
400 

1200 

5  Teiche,  ertragen 
in  3  Jahren  3820  fl. 

2  Teiche,  so  wenig 
ertragen  u.  nur  zu 
eigenem  Gebrauch 

2  Teiche,  ertragen 

alle  3  Jahren 

150  fl.  Rh. 

1273 
50 

20 

9696 

1070 

566 
1900 

50 
30 

cLer  Fr-CLtli.                                              v                                                                                 | 

7280 
5488 

928 

3200 
1040 
3220 
2912 
2800 

2688 

'  2000 

100 

200 
100 

200 
60 

60 

10000 

600 

1000 
500 

1000 
300 

300 

11333 

666 

1133 
566 

1133 
340 

340 

2833 

141 

283 
141 

283 

85 

85 

15 

30 

15 
30 

16 

'     100 
20 
60 

50 
70 

800 

100 

— 

800 
160 
480 

400 

560 

6400 

800 

200 

40 

120 

100 

140 

1600 

200 

~ 

Vor  die  allda  be- 
findliche Mühl 
zahlet  jährl.  4  Duc. 

16 

4033 

457 
753 

311 

400 

923 

1805 

485 

16 

30 
16 

30 
16 

59516 

3910 

19550 

22151 

5537 

45 

2246 

970 

25720 

6430 

- 

7  Teiche  ertragen 
i.  3  J.  3970  fl.  u.  1 
MOhl  jährl.  4  fl. 

1339 

20 

22392 

6 

fwia.  *)  Ottrica.  •;  Hliboka. 


96 


Polbk: 


e. 

1 

H    1    e    TT    o    r      gr    e 

' 

deren  nebei 
?m  respect. 

1 
Was  die                       , 

•s 

Ortschäfteo 

3Sra.zxiezi 
der 
Grund- 
herrschaft 

der 

dermaligen 

Pächter 

Wie  viel  Pachtschilliug  jede 
stehenden  Ortschaften  ilm 
Grundherrn  bezahlen 

Juden  in  jedem  Dorf 
und   wofür  an  Arrenda 

bezahlen                       i 

ä 

II 

^     1 

haben  in  Arrenda 

zahlen 
jährlich 
an  Geld 

§1 

0 

1    fl- 

kr 

fl.     Ikr 

Vieh    ! 

IVanslatus     .     . 

11550 

- 

28 WirlHh.724  Mühlenm. 
32  Steinen,   105  F.   Heu, 
einigen  Zehent  u.  Feldbau 

9085 

i 

2113 

703' 

Gorgye»tie  *) 

Kloster  Dragomie 

Jonati  Kodresko 

50 

— 

- 

— 

— 1 

Czerepkoutz 

Kloster  Slatina  im 
Türkischen 

» 

80 

— 

2  Wirtshäuser 

100 

1 

1 
50    16* 

Obreschan  *) 

Klos  .er  Moldovice 

Armener  Stephan 
et  Ursul 

100 

— 

1  Wirtshaus,  1  Mühl  m. 
1   Stein  und  dem  Zehent 

100 

— 

1 
27    17| 

Rogosche- 
stie  ») 

Joniza  Cantoko- 

sonna,  Iwornik  in 

Jassy 

r> 

180 



1    Wirtshaus    und    dem 
Flachszehent 

190 

i 
i 

-i 

21    21 

Boschanze  *) 

Popp  Magary 

2  Wirtshäuser 

1 

176   24 

ügyestie  *) 

Metropolit  von 
Jassj 

1200 

— 

— 

390 

1 

160    40 

Trebulestie«) 

Klofiter  Putna 

haltet  derCaluger> 
selbst,  voriges  J. 
Herr  Kitt.  Nagel 

1  Wirtshaus   und   20  F. 
Heu 

80 

1 

80    40 

Kamenka 

n 

n 

450 

— 

1  Wirtshaus  und  6  Fal- 
tschen  Heu 

50 

— 

50    16 

j 

Szutzaven '')    1 

n 

n 

1   Wirtshaus 

15 

~i 

1 
20',     7 

Kupka 

ji 

n 

l    Wirtshaus    und    dem 
Zehent 

70 

J 
i 

1 

! 

40  - 

1 

Sonima     .     .     .13610 

11 

1 

38  Wirtsh.,  25  Mühl.  mit 

33  St ,  131  Faltsch.  Heu,  10080  ~ 

einigen  Zehent  u.  Feldb.             | 

2737884 

3621 

Sigl.  Kitz  mann  den  29ten  Novembris  1779. 


»)  Jordanestie.  *)  Opriszeny.  ')  Kogozestie.  *)  Bosancze.    *)  üidesti.  •)  Tereblestie.   ^  Suc&awenjr. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfäkoe  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radadtz. 


97 


n 

i    e 

8      B 

e    ZI 

d.    e 

I^e     veÄ-Cleaa. 

"1 

Mi 

iV'i 

m 

r 

1 

1 

o 

■g 

1 

i 

§ 

h 

5 

1^ 

-et 

fl 

s 

n3 

O 

s  1 

1 

Wie  viele  HeuschJäge  und 
auf  wie  viele  Faltschea 
in  jedem  Ort  vorhanden 

Anmerkung 

anderer  Ne)>en- 

nutzungen 

Benanntlich 

2 
O 
.2 

i 

B 

2 
T'kr 

«0 

} 

& 

c 

0) 
:3 

§ 
1 

1 

u 
na 
es 

g 

"5 

a 

u 

o  2 
>  2 

|l 

Was  nach  Abschlag  der  diesfalligen  Er- 
fordernis   für   die   Untertbanen    dem 
Grnndberru  frei  eigen  übriggeblieben 

i 

-s 

s 

K 
.2 

II 

Zu  dessen  Fechs-  und  Einfüh- 
rung benöthigte  Robotstage 

3s  1  Betraget  in  Geld,  die  Faltsche 
oder    90    Portions   ä   2   11. 
^~\       gerechnet 

n.  0. 
Metzen 

TS             ' 

Metzen 

fl. 

kr 

1 

59516' 

3910 

19550 

22151 

5537 

45 

2245 

970 

25720 

6430 

7  Teiche  ertragen 
in  3  J.  3970  tl.,   1 
Mühljährl.4Duc. 

1 

1339 

20 

1 
22392 

5 

- 

400 

2000 

2266 

566 

30 

1000 

— 

8000 

2000 

- 

— 

— 

2566 

30 

IH48 

200 

1000 

1133 

283 

15 

,200 

- 

1600 

400 

— 

— 

- 

- 

783 

15 

704 

40 

200 

226 

56 

30 

150 

— 

1200 

300 

- 

— 

— 

— 

4:)6 

30 

1176 

14 

70 

73 

18 

15 

150 

— 

1200 

300 

~ 

— 

— 

— 

508 

15 

5600 

200 

1000 

1133 

283 

15 

300 

- 

2400 

600 

_ 

— 

- 

— 

1273 

15 

5600 

40 

200 

226 

56 

30 

10 

— 

80 

20 

_ 

— 

- 

- 

76 

30 

1 
3360 

1 

60 

300 

340 

85 

— 

50 

— 

400 

100 

— 

— 

— 

— 

265 

— 

1848 

,  — 

— 

— 

— 

— 

100 

— 

800 

200 

— 

— 

- 

- 

250 

— 

840 

1 

— 

- 

— 

— 

— 

— 

- 

^'i 

- 

- 

15 

— 

640; 

- 

— 

— 

— 

— 

- 

- 

— 

— ll               — 

- 

— 

70 

- 

r 

8113-2 

4864 

24320 

27548 

1 

6887 

4205 
—  517 

970 
5 

41400 

10350 

1 

1 

.7  Teiche  ertratren' 
in  3  J.  3970  H.,   1, 
,Mühljährl.4Duc., 

1339 

1 

•20i 

1 

1 
28656 

20 

Digitized  by 


Gbogle 


98 


POI.BK: 


Recapitulation 

der  in  vorstehender  ökonomischen  Tabella  aasgewiesenen  Bevenuen-Ertragnis. 


a  1  s 

Specifice 

Summariter    1 

fl.           kr. 

fl. 

kr 

Der  jährliche  Pachtschilling  ertraget           .... 

— 

13610 

— 

Hierauf  gehet  ein 

an  Schank-  und  Mühlenarrenda,  dann  einigen  Zehent 

10080 

— 

— 

— 

für  erbauet  werdende  27548  n.  0.  Motzen  Haber  k  15  kr. 
gerechnet 

6887 

— 

— 

— 

für  gemacht    werdende    2175    Faltschen    Heu    pr.  90  Por- 
tiones  k  2  fl 

10360 

— 

— 

— 

an  anderen  Nebennutzungen 

1339 

20 

— 

— 

Summa  der  Revenüen-Erträgnis 

— 

— 

28656 

20 

obstehenden  Pachtschilling  hievon  abgezogen  mit 

— 

- 

13610 

— 

verbleibt  an  klarem  Nutzen 

— 

— 

15046 

20 

Für  diese  werden  gratis  erlangt  5175  Faltschen  Heu  nebst 
Streustroh  und  hingegen  abgezogen  an  Geld 

— 

— 

10350 

— 

womach  auf  Besoldung  deren  zu  Besorgung  der  Pachtgüter 
angestellt  werden    müssenden  Beamten,  denen    verlas- 
liehe  Unterofficiers    und  Oemeine  von  Seiten  des  Be- 
rn ontierungscommando  beigegeben  werden,  und  zu  an- 
deren, nicht  vorhersehen  könnenden  Ausgaben  erübrigen 

— 

4696 

20 

Ausweis    deren    Kobotstagen 

Tage                1 

Speci6ce 

Summariter 

An  Robotstagen  sind    die  Unterthanen  nach  eingangs  ersicht- 
lichen Explication  berechnetermassen  schuldig 

Diese  werden  verwendet 
zu  Bebauung  der  Felder  auf  4864  n.  0.  Metzen  Aussaat 

zu  Machung  deren  obigen  5175  Faltschen  Heu 

Werden  annoch  erübriget    und  können   zum  Stallbau  und  an- 
deren verwendet  werden 

24320 
41400 

81132 

65720 
15412 

Digitized  by 


Google 


DiB  Anfänob  des  k.  k.  Staatsobstütes  Radautz. 


99 


Ausweis 

Wie  viel  Haber-   Dod  Henportiones    fQr    1500  Pferde   jiUirlicli   erfordert   werden,    was    hierauf 
erbauet  werden  kann  und  folglicben  annoch  zu  erkaufen  wäre. 


als 


Haber- 


Heu- 


PorUones 


Die  jährliche  Erfordernis  fiir  1500  Pferde  pr.  365  Tage  ist.      . 

Hievon  kommen  abzuziehen  für  500  Pferde,  welche  den  Sommer  pr. 
6  Monat  oder  180  Tage  auf  «He  Weide  gehen        .... 

Verbleibt  an  Erfordernis 

Hierauf  werden   vermog  Recapitulation  erbauet  27548  n.  ö.  Hetzen 
Haber  und  5175  Faltschen  Heu 

mithin  wird  erübriget 

hingegen  wären  annoch  zu  erkaufen 


547500 


90000 


457600 


220384 


237116 


I 


547500 


90000 


457500 


465750 


9250 


Aus  vorstehender  Recapitulation  ist  also  ersichtlich,  dass  jährlich  auf  1500  Pferde  das 
Heu  ganz  gratis  und  27548  n.  ö.  Metzen  Haber,  deren  jeder  ä  15  kr.  angerechnet  wird,  erbauet 
werden  können. 

Bei  denen  berechneten  jährlichen  Kobotstagen,  welche  zwar  in  ein  und  anderen  Rubriken 
etwas  knapp,  hingegen  in  anderen  wieder  desto  reichlicher  angesetzet  worden,  so  dass  sich 
solche  ausgleichen,  muss  angemerket  werden,  dass  in  denenjenigen  Ortschaften,  wo  der  Zehent 
dem  Juden  mitverarrendieret  ist,  nicht  28,  sondern  nur  16  Tage  Robot  angerechnet,  mithin 
12  T&ge  für  den  Zehent  abgeschlagen  worden. 

Femers  kommt  noch  anzumerken,  dass  des  grösseren  Nutzens  wegen  nöthig  ist,  auf  3 
Jahre  zu  pachten,  weilen  der  Nebennutzen  jahrweise  nicht  beigelassen  wird,  widrigens  ansonsten 
diese  Rubrik  ganzlich  wegfiele. 


XLI. 

Ex  t r  a  et 


aas  dem  von  dem  siebenbUrgischen  Generalcommando    eingereichten  Rapporten    über    die    dort- 
landes  abgehaltene  Pferdmärkte  und  den  durch  die  Officiers  bewirkten  Einkauf. 

Orig.  (K.-A.  IL  S.  1780—43-380.) 

Pferdmarkt  zu  Csik-Szereda  und  Kronstadt. 
Vermög  Rapport  des  Kalnocki'schen  Rittmeisters  Mosatics    seien    daselbst    keine    zu  Re- 
luonten  taagliche  vorgefunden  worden.  Die  meisten  Pferde  wären  von  sehr   kleinem  Schlag,    bis 
30  Stück  zu  14  Faust  und  nur  3  remontenmässige,  jedoch    mit  Defecten    behaftete,    vorhanden 
gewesen. 

Marus  Vasarhely. 
Vermög  Rapport  des  8avoy*schen  Oberlieutenants  Uhl  seien  allda  21  diensttaugliche 
Pferde,  die  meisten  hievon  aber  zu  jung,  vorhanden  gewesen  und  von  einem  Kalnocki'schen 
Wachtmeister  2  sechsjährige  Chevauxlegerspferde,  jedes  pr.  18  Ducaten,  und  ein  Husaren pferd 
ä  17  Ducaten  erkaufet  worden.  Es  seie  Hoffnung,  künftighin  mehrere  Pferde  zu  überkommen, 
jedoch  wäre  von  den  herrschaftlichen  Gestüten  kein  Pferd  auf  den  Markt  gebracht  worden. 


Digitized  by 


Google 


100  Polek: 

Thordae. 
YenuiSg  Rapport  des  Savoy'schen  Oberlieutenants  Uhl  ist  der  gante  Markt  aus  schlechten 
Bauempferden  bestanden  und  von    allen    nur   etwelche    zu  Chevauxlegers    taugliche    vorhanden 
gewesen,  welche  aber  wegen  den  allzu  hohen  Preis  nicht  erkaufet  worden  seien. 

Sepsi  St.  Gyorgy. 
Yermi^g  Rapport  des  Kalnockischen  Rittmeisters  Mosatics    ist    allda    kein    taugliches  Re- 
montapferd  angetroffen  worden. 

Reteck  und  Csik-Szereda. 
Verniög  Rapport  des  Savoy^echen  Oberh'eutennnts  Uhl  und  Kalnockischen  Rittmeisters 
Mosatics  seien  zu  Reteck  in  allem  9  Stuck  Pferde  von  einem  guten  Schlag  vorhanden,  die 
übrigen  aber  alle  abgenutzt  und  veraltet  gewesen,  wegen  welchen  Ursachen  denn  auch  kein 
Remonta  allda  erkaufet  worden  wäre.  Man  habe  wenig  Hoffiiung,  im  künftigen  Jahre  mehrere 
taugliche  Pferde  anzutreffen,  weilen  sehr  wenig  junge  im  Vorschein  kommen.  Auf  dem  in  C*ik- 
Szereda  fürgewesten  Jahrmarkt  hingegen  seie  kein  einziges  zum  Remonta  taugliches  Pferd  vor- 
handen gewesen. 

Szamoss  Ujvar. 
Vermiig  Rapport  des  Savoy'schen  Oberlieutenants  Uhl  habe  sich   auf   dem    ganzen  Jahr- 
markt kein  einziges  zu  einem  Remonta  taugliches  Pferd  vorgefunden,  weder  seie  Hoffnung,    auf 
künftiges  Jahr  etwas  Vortheil  hafte  res  zu  bekommen. 

Clausenburg. 
Verniög  Rapport  des  Savoy'schen  Oberlieutenants  Uhl  seien  auf  dem    ganzen  Markt    nur 
2  Stück  Pferde  vorhanden  gewesen,  welche,  wenn  sie  nicht  im   Preis  Qbrtrieben  gewesen  wären, 
zu  Husarenrcmonten  hätten  gebraucht  werden  ktlnnen.     Es  lasse  sich    auch  ins  künftige    wenig 
Besseres  versprechen,  wenn  nicht  mehrere  GestiUpferde  auf  den  Markt  gebracht  werden. 

Bistritz. 
Vermag  Rapport    des    Savoy'schen  Oberlieutenants    Ubl    seien    auf   diesem  Markte    über 
1000  Pferde  vorhanden  gewesen,  jedoch  wegen  ermangelnder  Tauglichkeit  keines  erkaufet  worden, 
und  es  lasse  sich  auch  künftighin  wenig  Besseres  anhoffen,  da  bishero   roeistentheils    fehlerhafte 
und  von  der  kleinsten  Gattung  Pferde  auf  die  Märkte  gebracht  werden. 

Fogarass. 
Vermög  Meldung  des  Kalnockischen  Rittmeisters  Mosatics  haben  sich  zwar  einige    14f&a- 
stige  Pferde  allda  vorgefunden,  jedoch    seie    wegen  überstiegenen  Alter  keines    hievon    zum  Re- 
monta angenommen  worden ;  es  stehe  aber  dennoch  zu  hoffen,  dass  in  künftigen  Jahren  mehrere 
taugliche  l*ferde  im  Vorsehein  kommen  werden. 

Hermannstadt. 
Vermög  Rapport  des  Kalnockischen  Rittmeisters  Mosatics  seie  nur  ein  einziges  Pferd  für 
tauglich  erkennet  unb  für  ein  Husarenremonta  assentiert  worden. 


XLII. 

General  Baron  Enzenberg  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Orig.  (K.-A.  n.  S.   1780—43—380.)  Sucevice, »)  28.  August  1780. 

Ich  würde  die  hohe  Generalcommando-Verordnung  vom  20ten  Mai  a.  c.  in  Belang  des 
Remontageschäfts  .  .  .  schon  längstens  .  .  .  beantwortet  haben,  so  nicht  vor  not  big  erachtete, 
bevor  und  umsomehr  mit  dem  Herrn  Rittmeister  v.  Cavallar  mich  zu  benehmen  und  von  ihme 
in  die  Gewissheit  gesetzet  zu  werden,  ob  er  die  Verpflegung  deren  Remonten  seibat  besorgen. 
oder  ob  er  diese  Verpflegung  aus  denen  k.  k.  Magazinen  empfangen  wolle.  Da  er  dann  nun 
retoumieret  und  sich  dahin  geäussert,  dass  er  sein  Remontageschäft  Selbsten  verpfl^^en  wolle. 

*)  Suczawitza. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgbstütes  Radaütz.  101 

Es  ißt  die  Frage  vorzüglich,  inwieweit  es  respectu  des  Habers,  Heu,  Streustroh,  Hut- 
weide, Bi^nunkosten,  Stallbeleuchtung  und  -Requisiten,  dann  der  Vorspann  es  seine  Richtig- 
keit habe. 

In  Belang  des  Haber  so  wird  Herr  Rittmeister  jederzeit,  ausgenommen  in  gar  sehr  grossen 
Fehljahren  solchen  in  der  Buccowina  um  einen  sehr  billigen  Preis  aufbringen;  in  Betreff  des 
Heues  aber  stehet  doch  zu  besorgen,  mit  solchem  schwer  aufzukommen,  als  bekanntermnssen  die 
Viehzucht  der  einzige  Buccowiner  Nahrungszweig  ist,  a  proportione  des  vielen  Viehes  der  Heu- 
überflass  nicht  bestehet  und  die  täglich  zunehmende  Ansiedlung  in  der  Folge  auch  die  Heuerzeu- 
gung sehr  verringern  wird.  Dermalen  annoch  ein,  bOchstens  zwei  Jahre  durfte,  um  1000  Pferde 
mit  Heu  zu  unterhalten,  nicht  sonderliche  Schwierigkeit  entstehen,  in  der  Folge  aber  wird  sehr 
schwer  diese  Anzahl  Pferde  mit  Heu  mittelst  ohngezwungenen  Ankauf  unterhalten  werden 
können.  In  Belang  des  Streustroh  wird  sich  in  der  Zukunft  kein  Anstand  ereignen,  massen, 
sobald  das  Remontacommando  in  der  Buccowina  den  Haber  ankaufet,  auch  die  Agricultur 
mehrer  zunehmen,  folglichen  auch  Stroh  zu  überkommen  sein  wird.  Mit  der  Hutweido  dürfte 
es  Anstände  geben,  und  schwer  und  umso  weniger  wird  die  Hutweide  und  Gebirgsweide  in 
Bestand  ohne  Zwang  zu  überkommen  sein,  als  die  Menschen  und  folglichen  auch  das  Vieh  zu- 
wachset und  ohnehin  actu  aus  Abgang  der  Gebirgs-  und  Hut  weide  eine  grosse  Menge  Vieh 
bekanntermassen  aus  der  Buccowina  nach  der  Moldau  auf  die  Grasweide  überführet  wird.  In 
Belang  der  Bauunkosten  kommet  es  bloss  darauf  an,  ob  die  erforderlichen  Hand-  und  Fuhr- 
roboten hierzu  gegen  Bezahlung  von  der  Obrigkeit  beordert  und  wie  hoch  ein  Handlanger  und 
wie  hoch  ein  Fuhrrobot  mit  2  Ochsen  auf  den  Tag  bezahlet  werden  sollen.  Ausserdeme  und 
wenn  es  dem  Buccowiner  freistehet,  ob  er  gegen  bestimmte  Bezahlung  arbeiten  könne  oder 
nicht,  ißt  zu  besorgen,  wie  man  keine  Roboten  ausser  gegen  grösseren  Lohn  wird  Oberkommen 
können.  Meine  unmassgebliche  Meinung  wäre,  in  Betracht  dass  die  Stallerbau-  und  Reparie- 
rung ein  aerarischer  Gegenstand  ist,  der  Landmann  hierzu  und  zwar  dergestalten  beorderet 
werden  könnte,  dass  ihme  vor  eine  Handrobot  9  kr.  und  vor  eine  mit  2  Ochsen  bespannte 
Fuhrrobot  16  kr.,  vor  eine  mit  4  Ochsen  bespannte  Fuhr  umsomehr  das  Doppelte  solle  auf  die 
Hand  bezahlet  werden,  als  der  Landmann  mittelst  Bezahlung  des  Heugulden  allschon  auch  sich 
von  allen  Roboten  reluieret  hat. 

Mit  der  Vorspann  scheinet  aber,  dass  dieser  Gegenstand  einer  andern  Betrpchtung  unter- 
liege. Nachdeme  das  Land  mit  den  Heugulden,  so  doch  nebst  dem  Service-  und  Strohgeld  sich 
von  allem  loskaufet,  und  diese  Heureluierung  ein  Jahr  in  das  andere  bis  22.000  fl.  und  mehr 
abwerfen  wird,  folglichen  von  allem  andurch,  was  das  Remontacommando  Belästigungen  verur- 
sachen mag,  sich  loskaufet,  die  zu  dem  Remontagescbäft  aber  unzählbare  Fuhren  ohnausgesetzt 
benöthigt  werden,  und  solche  als  Vorspann  anzurechnen  eben  in  Betracht  der  Reluierung  un- 
billig wäre,  so  wäre  der  unmassgeblichen  Meinung,  dass  das  Remontacommando  keine  Vorspann 
anverlangen,  sondern  die  Fuhr  per  Tag  mit  6  kr.,  was  in  der  That  ohnehin  wenig  ist,  auf  den 
Tag  be^ablen  oder  dem  Remontacommando  ganz  überlassen  sein  sollte,  wie  es  wolle  oder  könne. 
sich  selbst  die  Handlangers  und  Fuhren  zu  accordieren. 

Wann  dann  die  von  dem  Herrn  Rittmeister  v.  Cavallar  in  der  Berechnung  aufgefuhret 
und  sodann  wiederum  abgeschlagen  werdende  5  Posten  so  41588  fl.  12  kr.,  dann  die  ohnent- 
geltUche  Abgabe  der  Gebrauchpferden,  welche,  wann  sie  auch  ausgemustert,  doch  pro  aerario 
plus  licitanti  hintangegeben  werden,  nicht  mit  in  den  Kostenüberschlag  zu  nehmen  verdienen, 
so  bin  auch  der  gehorsamst  und  unzielsetzlichen  Meinung,  dass  ein  öjähriges.Remontapferd,  be- 
sonders in  Friedepszeiten,  sehr  leichte  vor  103  fl.  47Vio  ^r.  wird  angeschaffet  werden  mögen, 
besonders  die  sammentliche  Mannschaft,  die  zur  Wartung  der  Pferde  bestimmet  wird,  nicht  in 
Betrachtung  gezogen  wird. 

Szucewice,  den  28.  August  1781. 

Enzenberg, 
GM. 


Digitized  by 


Google 


102  Polek: 

XLIII. 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  II.  S.  1780-43-380.)  Wien,  14.  October  1780. 

Wie  es  sich  .  .  .  aus  dem  zur  Allerhöchsten  Einsicht  hier  angebogenen  Extract  der  seit- 
hero  eingelangten  Rapports  veroffenbaret,  sind  sehr  wenig  ^ugliche  Pferde  auf  diesen  Märkten 
angetroffen  und  jrne,  welche  die  erforderliche  Tauglichkeit  gehabt  hätten,  zu  thcuer  geboten, 
dahero  in  allem  nur  2  Chevauxlegers-  und  2  Husarenpferde  bis  nunzu  erkaufet  worden. 

Da  es  aber  nothwendig  ist  zugleich  fUrzudenken  und  sohin  die  Modalität  festzusetzen, 
wie  in  Friedenszeiten  die  nach  Erfordernis  des  Dienstes  benöthigte  leic!ite  Iferde  beigeschaffet 
werden  mögen,  so  nimmt  man  sich  die  allehrbietigste  Freiheit,  Euer  Majestät  folgenden  Vor- 
schlag ...  zu  submittieren. 

Aie  Anschaffung  der  leichten  Pferde  in  der  Buccowina,  wie  solche  bishero  geschehen  ist, 
wird  noch  so  lange  nothwendig  bleiben,  bis  man  in  Ungarn  und  Siebenburgen  mehrere  der- 
selben durch  den  eigenen  Ankauf  aufzubringen  vermögend  sein  wird. 

Es  ist  hier  von  daruroen  bloss  die  Rede  von  <}em  eigenen  Ankauf,  weil  .  .  .  Euer  Ma- 
jestät in  der  über  den  hofkriegsrnthlichen  Vortrag  vom  23.  März  dieses  Jahrs  geschöpften 
.Allerhöchsten  Resolution  unter  andern  ausdrUckÜch  verboten  haben,  sich  in  Friedeuszeiten  der 
Lieferanten  zu  gebraueben. 

Die  Nebenunkösten  des  Cavallarschen  Remontierungscomraando  nebst  der  Fourage  machen 
jedes  unter  der  Obsorge  des  Rittmeistern  Cavallar  stehende  Pferd  im  Preise  namhaft  steigen 
und  da  laut  obiger  Aeusnerung  des  Generalmajors  von  Enzenberg  nach  einem  Paar  Jahren  das 
erforderliche  Heu  und  die  Weide  für  diese  Remonten  in  der  Buccowina  wegen  der  immer  mehr 
zunehmenden  Anzahl  von  Einwohnern  nicht  mehr  zu  haben  sein  soll,  folglich  das  Commando 
nicht  für  beständig  beibehalten  werden  dürfte,  so  wäre  damals,  wann  solches  eingestellet  und 
nicht  etwan  den  Regimentern,  wie  es  sonst  geschehen  ist,  der  eigene  Ankauf  ihrer  Remonten 
überlassen  werden  sollte,  ein  Stabsofficier  oder  Rittmeister  zur  Besorgung  des  Remontaankaufes 
in  Gallizien  anzustellen,  der  den  Markt  in  Brody  zu  besuchen  und  die  Armenier,  deren  sich 
Cavallar  dermalen  bedienet,  beizubehalten  hätte. 

Es  könnte  hierzu  umsomehr  der  Rittmeister  Cavallar  selbst  gewidmet  und  allenfalls  mit 
dem  angesuchten  Avancement  zu  einem  in  Gallizien  liegenden  Regiment  übersetzet  werden,  ab 
er  die  dortigen  Gegenden  am  besten  kennet,  wo  die  meisten  und  tauglichsten  Pferde  zu  be- 
kommen sind.  Zu  jeder  Uebernahm  hätten  ihm  die  in  Gallizien  liegende  Regimenter  die  be- 
nöthigten  Commandierten  mitzugeben  und  die  gebührenden  Zulagen  aus  denen  Regimentsunkosten 
zu  erfolgen,  wodurch  sodann  das  allerhöchste  Aerarium  die  dermaligen  bei  dem  Commando  in 
der  Buccowina  vorfallenden  Nebenunkösten,  als:  Gebrauchpferde,  Beschlag,  Halfter,  Stricke, 
Medicamenten,  Stallrequisiten,  Diäten  und  Zulagen,  die  kostbare  Erbauung  der  Stallungen  und 
derselben  Unterhaltung,  Schreibmaterialien,  Postporto,  Extraordinarien  und  nebst  diesen  die 
F'ourage  für  1000  uneingetheilte  Pferde   ersparen  würde. 

Es  belaufet  sich  die  Remontaerfordemis  jährlich  auf  H80  (Jhevauxlegers-  und  auf  1400 
Husarenpferde.  Zu  Ergänzung  dieser  Anzahl  hätten  die  4  Chevauxlegersescadronen  von  den 
beeden  Carabinierregimentern,  dann  die  in  Gallizien  selbstliegende  3  Chevauxlegers-  und  4  Hu- 
sarenregimenter ihre  Remonten  aus  der  Buccowina,  2  Chevauxlegers-  und  8  Husarenregimenter 
aus  Hungam,  dann  ein  Chevauxlegers  und  ein  Husarenregiment  aus  Siebenbürgen  zu  nehmen, 
womach  dann 

aus  der  Buccowina       480  Chevauxlegers-  und  700     Husarenpferde 
„  Ungarn  270  „  „     525  „ 

„  Siebenbürgen  130  „  „     175  „ 


angeschaffet  würden. 


800  Chevauxlegers-  und  1400  Husarenpferde 

Google 


Digitized  by " 


DiB  Anfänöb  des  k.  k.  Staatsgestütbs  Radautz.  103 

Jedem  Chevauxlegers-  und  Husarenregipent  wäre  sein  District)  wo  selbes  den  Ankauf  zu 
besorgen  hätte,  anzuweisen,  welches  von  dämmen  nöthig    ist,   damit    nicht    mehrere  Käufer  sich 
in  einem  und  dem    nämlichen  District    einfinden    und    sich    also    selbst    die    Preise    der    Pferde  ^ 
vertheuern. 

Ebendahero  aber,  weil  ein  Regiment  in  den  District  des  andern  nicht  gehen  durfte, 
hatten  die  Chevauxlegers  allemal  auch  die  in  ihrem  angewiesenen  Bezirk  vorhandenen  dienst- 
taugliche Husam-  und  die  Husamregimenter  zugleich  Chevauxlegersremonten  anzukaufen,  doch 
so,  dass  letzteren  die  Beibehaltung  der  Chevauxlegersremonten  ausdrücklich  dabei  untersagt  bliebe. 

Die,  obschon  filr  andere  Regimenter  erkaufte  Pferde  hätte  sodann  jedes  Regiment  zwar 
für  sich  zu  assentieren,  nachher  aber  so,  wie  es  der  Hofkriegsrath  anordnen  wurde,  an  andere 
zu  transferieren,  zu  welchem  Ende  alle  Monate  die  Rapports  einzureichen  wären,  worin  die 
erkauften  Pferde  mit  Unterscheidung  der  chevauxlegers-  von  den  husarnmässi^en  zu  erschei- 
nen hätten. 

Zum  Ankauf  hätte  jedes  Regiment  ein  beständiges  Conimando  zu  widmen,  und  obzwar 
das  Haddikische  Regiment  in  Gallizien  stehet,  so  könnte  selbes  dennoch  bei  dem  Kauf  in 
Ungarn  mitwirken. 

Zur  Sicherheit,  dass  keine  aus  Mangel  des  Masses  für  den  Dienst  unbrauchbare  Pferde 
Obemommen  werden,  wäre  das  Mass,  von  welchem  man  während  dem  Krieg  Jn  etwas  abge- 
wichen iBt,  neuerdings  bekannt  zu  machen,  nämlich  dass 

ein  3jähriges  Chevauxlegerspferd  14  Faust  2  Zoll 

n      5  n  n  15  „        —       „ 

ein  Sjähriges  Husarenpferd  14  „  In 

.  4       n  .«  14  „  2      „ 

n  5       „  „  14  „  3      „ 

haben  müsse. 

Die  dermaligen  Preise  könnten  einsweilen  bleiben,  nämlich 

in  Ungarn  ein  Chevauxlegerspferd  17  :^,  für  ein  Husarenpferd  15  ^ 

n    Siebenbürgen    „  „  18    „       ,     „  „  18    „ 

„    Gallizien  „  „  19    „       „     „  „  15    „ 

Da  aber    hei    dem    für  Ungarn    ausgesetzten    geringeren    Preis    meistens    3jährige    aufge- 

suchet  werden  dürften,  so  wäre  festzusetzen  nöthig,  dass  kein  Commando    mehr   als  das  Drittel 

derlei  3jahrigen  Pferde  zu  kaufen  befugt  sein  solle. 

A.  G.  V.  Hadik. 


XLIV. 

Joseph  IL  an  den  Hofkriegsraths-Praesidenten  Grafen  Hadik. 

Qrig.  (K..A.  II.  8.  1780—43—380.)  Wien,  25.  October  1787. 

Lieber  Feldmarschall  Hadik !  Ehe  ich  über  die  künftige  Rimontirung  der  Chevauxlegers- 
und  Hnsarenregimenter  meine  EntSchliessung  ertheile,  gebe  ich  dem  Hofkriegsrath  meine  Ge- 
danken hierüber  mit,  dass  im  Fall  er  etwa  ein  oder  andern  Orts  ein  Bedenken  finden  sollte, 
derselbe  die  diesfällige  Anzeige  bejbringe  und  Mir  seine  Meynung  cum  reproductione  dieses 
V^ortrags  gutachtlich  heraufgebe. 

Weil  der  Hofkriegsrath  den  Einkauf  der  Rimonten  Regimenter-  und  districtsweise  besor- 
gen lassen  will,  so  folgt  nothwendig  hieraus,  dass  in  einem  District  sowohl  Chevauxlegers-  als 
auch  Hnsarenpferde  vorhanden  sind,  ein  Husaren regiment  den  Einkauf  nicht  allein  von  Hu- 
saren-, sondern  auch  von  Chevauxlegerspferden  und  vice  versa  nach  seinem  Antrag  l>esorgen 
muas.  Es  ist  aber  leicht  vorauszusehen,  dass  ein  Chevauxlegersregiment  mit  dem  Ankauf  des 
Hnsarenregiments  nicht  zufrieden  sein  wird,    und  dieses  zu  billigen  oder  unbilligen  Klagen  und 

Digitized  by  VjOOQIC 


104  PoLKK : 

Beschwerden  Anlass  geben  wird.  Um  dieses  zu  vermeiden,  wird  wohl  nichts  besseres  nein,  als 
wenn  Chevnuxlegerspferde  von  Chevauxlegers  und  Husarenpferde  von  Husaren  oingekaufet  und 
darzu  solche  Commandi,  die  aus  Husaren  und  Chevauxlegers  vermischt  bestehen,  aufgestellt 
werden,  wovon  1  in  Siebenbürgen  und  2  in  Hungarn,  deren  jedes  aus  1  Officier  von  den 
Chevauxlegers  und  1  Ofticier  von  den  Husaren  nebst  den  hiezu  gehörigen  Unteroföciers,  Schmied 
und  übrigen  Mannschaft  zu  bestehen  hätte,  zu  stehen  kommen  müsste.  Diese  hätten  zur  ge- 
hörigen Zeit  die  Pferdmärkte  und  Gestüte  zu  besuchen  und  dasjenige,  was  sich  zum  Ankauf 
tauglich  vorfindet,  und  zwar  der  Officier  von  den  Chevauxlegers  chevauxlegersmnssige  und  der 
Husarenofficier  husaren massige  Pferde  einzukaufen.  Die  eingekauft  werdende  Pferde  mussten 
alsdann,  um  nicht  uneingetheilte  Pferde  führen  zu  dürfen,  für  da8Jenige  Cavallerie-,  es  seie 
Curassiers-,  Dragoner-,  Chevauxlegers-  oder  Hnsarenregiment  assentiert  und  demselben  zur  Wart- 
und  Pflegung  zugeschickt  werden,  welches  dem  Ort  des  Einkaufs  am  nächsten  liegt. 

In  80  weit  dieser  Gegenstand  hauptsächlich  Gallizien  betrifft,  da  kann  es  diesfalls  einst- 
weiten, und  solange  bis  die  Verpflegung  der  Rimonten  in  der  HukowinaJ  sich  nicht  mehr  thnn 
lässt,  bei  demjenigen  verbleil>en,  wie  es  bishero  in  BetreflT  der  Hcrbejschaffimg  der  leichten  Ri- 
monten unter  der  Aufsicht  des  Rittmeisters  Cavallar  geschehen  ist.  Sobald  aber  die  Unistande 
in  der  Buccowina  die  Verpflegung  der  Rimonten  daselbst  nicht  mehr  zulassen,  so  wird  alsdann 
in  Galli/ien  das  nämliche  mittelst  einem  aus  Chevauxlegers  und  Husaren  zusammengesetzten 
Commando,  wie  in  Hungarn  und  Siebenbürgen  zu  veranlassen  sein,  und  da  dem  Rittmeister 
Cavallar  ohnehin  die  dortige  (legenden,  Märkte  und  übrige  Umstände  seit  so  langer  Zeit  her, 
als  er  in  diesem  Geschäft  verwendet  worden  ist,  am  besten  bekannt  sein  müssen,  so  wird  es 
auch  am  sicherst  und  rathlichsten  sein,  ihm  die  Aufsicht  über  dieses  vermischte  Commando  mit 
der  oben  angeführten  Belehrung  zu  ül>ertrageu,  da  im  Ganzen  immer  der  richtige  Bedacht  ge- 
nommen werden  muss,  so  viel  leichte  Rimontapferde^  für  Chevauxlegers  und  Husaren  im  Vor- 
rath,  seie  es  in  der  Buccowina  oder  vertheilter  in  Hungarn,  Siebenbürgen  und  Oallizien,  zu 
haben,  um  bei  entstehendem  Krieg  gleich  mit  selben  den  vermehrten  Kriegsstand  in  diesen 
leichten  Truppen   beritten  machen    zu  können. 

Wegen  Avancement  des  Cavallar  erwarte  noch  den  hierüber  mir  das  Ganze  zu  macheu. 
den  Vorschlag. 

Joseph  Corr. 


XLV, 

Galiz.  Generalcommando  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  H.  S.  1781—43—32.)  Lemberg,  5.  Jänner  1781. 

Eine  hohe  Instanz  geruhete  mittels  des  hohen  Decrets  ddo  29.  Octobris  et  praes.  17ten 
Novcmbris  erst  verflossenen  Jahrs  aus  Anlass  des  Allerhöchsten  Entschluss  Sr.  kaiser).  königl. 
Apostol.  Maiestät,  womach  zu  Completierung  der  leichten  Cavallerie  auf  den  Kriegsfuss  eine 
Anzahl  von  7000  Remontapferden  in  Hungarn,  Siebenbürgen  und  Gallizien  vertheilet  werden 
solle,  von  dem  hierländigen  Generalcommando  die  Auskunft  abzuforderen,  wie  viel  dergleichen 
Remonten  gegenwärtig  in  der  Buccowina  Platz  hätten. 

Da  ein  das  anderweite  ebenfalls  vom  21Uen  Octobris  a.  p.  erlassene  hohe  Decret  die 
weitere  Allerhöchste  Entschliessung  dahin  zu  vernehmen  gegeben  hat,  dass  zur  Zeit,  wann  der 
von  dem  Herrn  General  Baron  Knzenberg  angezeigte  Heumangel  sich  bestätigen  sollte,  der 
Ankauf  der  Pferden  hierlnndes  auf  die  nämliche  Art,  wie  es  in  Hungarn  angeordnet  worden, 
unter  der  Direction  des  Rittmeisters  Cavallar,  jedoch  mit  dem  Unterschied  eingeleitet  werden 
solle,  dass  nicht,  wie  in  Hungarn,  zwei,  sondern  nur  ein  Commando  aus  ein  Chevauxlegers-  und 
ein  Husarenoflicier  und  beederseitigen  Coraniandierte  in  Gallizien  zu  stehen  komme,  so  habe 
ich  für  nöthig  befunden  den  Rittmeister  Cavallar  anher  zu  berufen  und  die  Art  und  Weise,  wie 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radaütz.  105 

diese  zweifache  Allerhöchste  Gesinnung  am  besten  erfüllt  werden  möge,  commiqsionaliter  in 
Cberlegung  zn  nehmen. 

Nach  dem  Inhalt  des  erst  angezogenen  zweiten  hohen  Befehls  solle  der  in  Hungarn  und 
Siebenbürgen  angeordnete  Remontaeinkauf  nur  alsdann  auch  hierlandes  unter  der  Direction  des 
Rittmeister  Cavallar  eingeleitet  werden,  wenn  der  vom  Herrn  General  Br.  Enzenberg  im  Sep- 
tember vorigen  Jahrs  besorgte  Heumangel  sich  wirklich  bestätigen  sollte.  Nun  bin  ich  nicht  nur 
allein  von  dem  Gegentheile  dieser  Br.  Enzenberg'schen  Anzeige  während  meiner  im  Novembri 
vorigen  Jahrs  in  der  Buccowina  gemachten  Keise  durch  den  Augenschein  überzeugt  worden, 
sondern  es  hatte  auch  schon  damals  der  Rittmeister  Cavallar  auf  1200  Pferde  die  Heuerfor- 
demiH  für  das  ganze  erst  eingegangene  1781te  Jahr,  die  Portion  k  P/s  kr.,  und  die  Erfor- 
dernis an  Haber  bis  Ende  März,  die  Portion  ä  27i6  ^i*-  angeschaffet.  Es  versicherte  auch  ersagter 
Kittmeister  sowohl  mit  den  übrigen  pro  1781  auf  1200  Pferde  noch  erforderlichen  Haber  als 
Überhaupts  mit  der  Fourage  für  eine  grössere  Anzahl  Pferde  aufzukommen,  ohne  dass  diesert- 
halben  die  mindeste  Beschwerden  von  dem  Land  zu  befahren  sein  werden.  Bei  dieser  Beschaf- 
fenheit dürfte  es  also  nach  dem  Sinn  vorberührter  Allerhöchster  Resolution  hierlandes  von  der 
in  Hangam  angeordneten  Bemonteneinkauf  wieder  abkommen;  in  der  Erwägung  aber,  dass  an 
der  auf  den  Kriegsfuss  erforderlichen  Anzahl  von  7000  Pferden  durch  den  eigenen  Einkauf  in 
Hungarn  et  annexis  provinciis  nicht  so  leicht  2-  oder  3000  Pferde  von  der  vorgeschriebenen 
Ma»  und  Fähigkeit  aufzubringen  sind,  unterfanget  man  sich.  Einem  hochlöbl.  k.  k.  Hofkriegs- 
lath  mit  dem  unmassgebigsten  Vorschlag  wegen  Unterbringung  einer  zu  Oompletierung  des 
Kriegsfuss  erforderlichen  Anzahl  leichter  Cavalleriepferde  auch  jenen  zugleich  vorzulegen,  wie 
der  gröflste  Theil  dieser  Kriegserfordemis  am  leichtesten  und  geschwindesten  aufgebracht  wer- 
den könne. 

Die  eigene  Remontierung  der  Regimenter  kann  alsdann,  wann  sie  inner  den  Erblanden 
vorgenommen  würde,  an  sich  sehr  viele  Vortheile  für  den  Dienst  und  das  allerhöchste  Aerarium 
haben.  Denn  das  Ungemach,  welches  die  Regimenter  durch  den  eigenen  Einkauf  der  Pferden 
and  durch  die  Verrechnung  der  diesfälligen  Kosten  haben,  wird  durch  den  Vortheil  überwogen, 
welcher  ihnen  von  daher  zugehet,  dass  sie  alsdann  keine  Ursache  mehr  haben,  sich  über  ihre 
Pferde  zu  beklagen.  Weil  aber  die  inländische  Pferdezucht  derzeit  noch  nicht  so  beschaffen 
ist,  dass  man  daraus  leichte  Cavalleriepferde,  wie  sie  der  dermalige  Dienst  erforderet,  nach  den 
Tausenden  ziehen  könue,  so  ist  doch  kein  anderes  Mittel,  als  den  Abgang  an  leichten  Caval- 
leriepferden  wie  bisher  aus  fremden  Landen  einzukaufen;  denn  so  eine  grosse  Menge  Pferde 
es  hierlandes  gibt,  so  sind  doch  sehr  wenige  darunter,  die  zu  unserem  Cavalleriedienst  taugen, 
und  die  wenige  dienstbare  Pferde  in  einem  übertriebenen  hohen  Preis. 

Einer  hohen  Instanz  sind  die  Vorzuge  des  bishero  von  dem  Rittmeister  Cavallar  besorgten 
Remontaeinkauf  am  besten  bekannt;  ja  8e.  Maiestät  Selbsten  haben  darüber  ihre  allerhöchste 
Zufriedenheit  erkennen  zu  geben  geruhet. 

Bei  einer  solchen  Überzeugung  kaun  das  Generalcommando  nicht  wohl  irregehen,  wenn 
das^lbe  auf  die  Fortsetzung  des  Cavallarischen  Remontaeinkauf  unterthänigst  einrathet. 

Man  misskennet  nicht,  dass,  je  stärker  der  Einkauf  der  auswärtigen  Pferden  betrieben, 
umso  inehrere  Barschaft  dem  inländischen  Geldumlauf  entgehet.  Man  stellet  sich  auch  vor, 
dass  von  ein-  cder  anderem  Cavallerieregiment  Klagen  wider  die  Cavallarische  Remonta  vor- 
kommen werden.  Dem  ersten  und  nothwendigen  Übel  kann  derzeit  nur  der  Wunsch  zu  einer 
ergiebigeren  inländischen  Pferdezucht  begegnen,  hingegen  die  Klagen  über  die  den  Remonten 
Kustossendeu  Krankheiten  oder  Defecten  dadurch  grösstentheils,  weil  Pferde  wie  andere  Crea- 
turen  ungefähren  Zufallen  ausgesetzet  sind,  vorgekommen  werden,  wann  sich  bei  der  Unterbrin- 
gung, Wart-  und  Futterung  der  Pferden  nach  der  vom  Rittmeister  Cavallar  hinausgegebenen 
Bemerkung  benommen  würde.  Sollte  aber  auch  unter  den  im  letzten  Krieg  erkauften  mehreren 
Tausend  Pferden  ein  oder  andere  etwas  unter  der  Mass  sich  vorgefunden  haben,  so  wird  die 
Zahl  sehr  gering  und  die  Pferde  dennoch  brauchbar  ge weben  sein. 

Die  Unterkunft  einer  gewissen  Anzahl  von  den  auf  den  Kriegsfuss  erforderlichen  7000 
Pferden  kr>nnte  hierlandes  und  in  der  Buccowina  für  beiläufig  3000  Pferde  verschaffet  werden, 
ond  zwar  1500  in  die  Buccowina  und  1800  in  Gallizieu  und  Lodomerien. 


Digitized  by 


Jtoogic 


106  Polek: 

Von  de^en  in  der  Buccowina  angetragenen  1500  Pferden  wären  1000  Stück  in  den  theils 
vorhandenen  und  theils  noch  zu  erbauenden  Stalhingen  aufzustellen  und  500  Stucke,  vfie  bishero 
geschieht,  auf  die  Weide  zu  lassen. 

Die  vorberührte  1000  Kimonten  können  in  der  Buccowina  an  nachbenannten  Ortschaften 
in  Stallungen  aufgestellet  werden,  und  zwar  zu 

Sastafna  1)  oder  Kutcherraik  «)  ....     100  Pferde 

Luschan 100 

Waskowez 200 

Sattagura 100 

Bohjana  ■) 50 

Kutscharmare 100 

Sterza*) 100 

Seret 100 

Boinze 100 

Fradauz**) 50  1000 

hierzu  die  auf  die  Weide  gehende 500 

welche  im  Winter  in  die  Okols  zu  Bohjana  und  Fradautz  untergebracht  werden. 

Was  nun  die  Stallungen  betrifft,  so  sind  in  der  Buccowina  zwar  auf  700  Pferde  Stal- 
lungen erbauet  worden,  die  meisten  aber  drohen  den  Einsturz,  dass  man  derzeit  nur  200  Pferde 
wohl  unterbringen  kann;  es  müssten  also  annoch  auf  800  Pferde  einige  Stallungen  er- 
bauet werden. 

In  der  Buccowina,  wo  das  Holz  im  ÜberHuss  vorhanden  ist,  kann  die  Erl>auuug  derlei 
Stallungen  gar  nicht  viel  kosten;  hingegen  wird  in  Gallizien  dazu  ein  grösserer  Aufwand  er- 
fordert werden,  welcher  sich  aber  dermalen  nicht  bestimmen  lässt,  weil  die  diesfalls  mit  Ingen.- 
Officiers  vorzunehmende  Beaugenscheinigung  in  einem  jeden  Ort  nicht  so  geschwind  und 
auch  bei   gegenwärtiger  Jahreszeit  sehr  hart  vorgenommen  werden  kann. 

In  Ermanglung  des  commandierenden  Generalen 

Freiherr  von  Schröder 

FML. 


XLVI. 

Vortrag  des  Hofkriegsrathes. 

Orig.  (K.-A,  11.  S.  1781—43-32.)  Wienn,  29.  Jänner  1781. 

(Randbemerkung):  ich  begnehmige,  dass  die  Kemontierungscommandi  nach  dem  An- 
trag des  Hofkriegsraths  zusammengesetzet  werden. 

Die  Auswahl  des  nach  Pest  zu  Dirigierung  dieser  Commandi  angetragenen  Staahsofficiers 
kann  unter  denjenigen  Individuis  vom  hungarischen  Generalcommando  getroffen  werden,  welche 
im  Vortrage  benannt  worden. 

In  Siebenbürgen  darf  dermalen  und  solang  bis  nioht  etwa  die  dortigen  Einwohner  zur 
Pferdzucht  mehr  aufgemuntert  werden  und  sich  selber  mit  Werkthätigkeit  widmen,  kein  eigenes 
Remontierungscommando  aufgestellet,  sondern  dieser  Ankauf  allda  einsweilen  durch  einen 
Officier  von  Savoye  und  durch  einen  von  Kalnocky  besorget  werden. 

Solang  als  die  vom  Rittmeister  Cavallar  herbeigeschafft  werdende  Kemonten  in  der  Buc- 
cowina zu  verpflegen  thunlich  sein  wird,  bleibt  es  in  Rücksicht  auf  Gallizien  bei  Meiner  dies- 
falls bereits  ergangenen  Resolution,  und  nur  im  entgegengesetzten  Falle  wurde  alsdann  erst 
nöthig  sein,  in  Gallitzien  ein  eigenes  Remontierungscommando  aufzustellen. 


*)  Zastawna.  •)  Kuczurraik.  ^)  Bojan.  *)  Baince.  *)  Fratautz. 

Digitized  by  V:iOOQI( 


Die  Anfänge  des  k.  k.  StAATSGBSTüTEs  Radaütz.  107 

Was  übrigens  die  auf  den  Fall  eines  ausbrechenden  Krieges  nöthige  Anzahl  leichter 
Pferde  betrifft,  so  wäre  Meine  Gesienung  keinerdings,  dass  solche  schon  in  Friedenszeiten  an- 
gekaufet  und  unterhalten  werden  sollten,  sondern  dass  die  bei  den  Remontierungscomraandi  in 
HaDgam  aufzustellende  Officiers  sich  bei  ihrem  Geschäfte  die  Kenntnissen  von  den  an  guten 
Pferden  reichesten  Gegenden  beizulegen  hätten,  damit  man  im  erforderlichen  Falle  die  nöthige 
Anzahl  leichter  Pferden  herzunehmen  wisse;  welchen  Endzweck  man  umsoweniger  verfehlen 
dürfte,  als  die  Einwohner,  sobald  sie  sehen  werden,  dass  es  mit  dem  inländischen  Einkaufe  ein 
Ernst  ist,  ohne  Zweifel  dadurch  zur  besseren  Pferdzucht  aufgemuntert  werden,  und  man  wird 
in  der  Zeitfolge  den  auswärtigen  Einkauf  leichter  Pferden  nach  der  inländischen  Ergiebigkeit 
abmessen,  und  sowie  diese  zunimmt,  jene  verminderen  kennen,  wornach  es  dann  von  dem  be- 
trächtlichen Aufwände  sowohl  der  Anschauung  als  der  Unterhaltung  von  7000  Stück  Pferden  in 
soweit  abkömmt,  als  Ich  in  der  Buccowina  unter  dem  Rittmeister  Cavallar  nur  den  alljährlichen 
Friedensabgang  aller  gallitzischen  Regimenter  allzeit  im  voraus  allda  auf  ein  Jahr  beisammen 
zu  halten  gesinnt  bin. 

Joseph. 


XLVII. 

Hof  kriegsrath  an  das  galizische  Generalcommando. 

Concept.  (K.  A.  II.  8.   1781—43-38.)  Wien,  17.  Februar  1781. 

Wie  bekannt,  soll  pach  der  Allerhöchsten  Absicht  Seiner  Majestät  so  lang,  bis  sich  die 
Verpflegung  in  der  Buccowina  nicht  mehr  wird  thun  lassen,  es  bei  demjenigen  verbleiben,  wie 
es  bishero  in  Betreff  der  Herbeischaflfung  der  leichten  Remönten  unter  der  Aufsicht  des  Ritt- 
meisters Cavallar  geschehen  ist,  und  unter  dem  Rittmeister  der  alljährige  Friedensabgang  aller 
galizischen  Remönten  jederzeit  im  voraus  auf  ein  Jahr  beisammen  gehalten  werden. 

Nun  wird  infolge  einer  andern  Allerhöchsten  Resolution  der  Abgang  zu  Friedenszeiten 
jährlich  k  10  procento  gerechnet,  folglich  würden  für  die  drei  dortlandes  verlegte  Chevauxlegers- 
regimenter  und  für  die  zwei  Carabiniersdivisionen,  die  man  auch  mit  Cavallarischen  Remönten 
versehen  zu  lassen  antraget,  jährlich      .         .         .         .         .         .         .         401  Chevauxlegers 

-und  für  4  Husarenregimenter 584  Husaren 

mithin  zusammen         .         985  Remönten 
erforderlich  sein,  welches  also    die    eigentliche  Zahl    ist,    die    der    Rittmeister  Cavallar  beständig 
vorrathig  zu  haben  und,   wie  eine  Abgab  an  die  Regimenter  erfolget,  gleich  wieder  ergänzen  muss. 

Nach  dieser  zum  Grundsatz  zu  setzenden  Zahl  ist  nun  der  Stand  des  Commando  und  der 
erforderlichen  Stallungen  zu  regulieren. 

Seine  Majestät  haben  über  den  Vorschlag  des  Rittmeisters  Cavallar,  ein  eigenes  Remon- 
tencommando  zu  errichten  und  demselben  eine  besondere  Montursfarbe  zu  geben,  nichts  resol- 
vieret;  es  bleibt  also  dabei,  dass  dieses  Commando  aus  Leuten  von  verschiedenen  Regimentern 
zusammengesetzet  werde. 


XLVIII. 

Galiz.  Generalcommando  an  den  Hofkriegsrath. 

Orig.  (K.-A.  II.  8.  1781—43-390.)  Lemberg,  30.  September  1781. 

Ein  hochlobl.  Hofkriegsrath  beliebte  Ober  den  von  diesem  Generalcommando  wegen  Re- 
gulierung de«  Cavallarischen  Remontierungsgeschäftes  unterm  lOten  April  a.  c.  gemachten  Vor- 
schlag und  die  zugleich  entworfene  Instruction  die  Verfassung  der  Plans  und  Überschläge  über 
die  zu  erbauende  Stallungen  und  Kasems  anzubefehlen,  zugleich  aber  auch  über  zerschiedene 
Gegenstände  Auskünften  abzuforderen. 


Digitized  by 


Google 


108  Polek: 

Da  nun  der  Ing.-Oberlieutenant  Grotger,  welchen  man  diesertwegen  eigeods  in  die  Buko- 
wina abgeschickt  hat,  sothane  Plans  und  Überschläge  zustande  gebracht,  so  verweilet  man  nicht. 
Ober  das  Ganze  den  abgeforderten  Bericht  punctatim  abzustatten. 

Ad  Imum  könnte  die  Zahl  der  236  Gebrauchpferden  ohne  Nachtheil  des  Dienstes  nicht 
auf  200  herabgesetzet  werden,  wenn  nach  dem  Vorschlag  vom  lOten  April  600  Remonten  in 
Stallungen  aufgestellt  werden  sollen,  weil  diese  Remonten  immer  mit  Gebmuchpferden  spazieren 
gefUhret  werden  müssen,  und  dazu  keine  Remonten  gebraucht  werden  können,  ohne  dies^be 
der  Gefahr  einer  Beschädigung  auszusetzen. 

Um  aber  die  nicht  allein  in  diesem  StQck,  sondern  bei  dem  ganzen  Remontiemngs- 
geschäft  auf  alle  mi^gliche  Wirtschaft  abzielende  hohe  Gesinnung  desto  sicherer  zu  erreichen, 
hat  man  das  ganze  Werk  nochmal  mit  dem  Herren  Rittmeister  Cavallar  in  Überlegung  genom- 
men und  für  gut  befunden,  die  meisten  Remonten  Sommer  und  Winter  in  den  Okols  frei 
füttern  zu  lassen. 

Die  Fütterung  der  Remonten  in  den  Okols  ist  der  Natur  dieser  Pferden  mehr  ange- 
messen; sie  gibt  denselbeu  mehr  (Tesundheit  und  Kräften  und  verminder:,  die  Unterhaltungs- 
kosten fast  um  die  Hälfte,  weil  die  Remonten  beständig  in  der  freien  Luft  und  natürlit^n 
Bewegung  verbleiben  und  im  Sommer  auf  der  gesunden  Weide  und  bei  frischem  Wasser,  im 
Winter  aber  bloss  mit  Heu  unterhalten  und  auf  diese  Art  nicht  allein  die  mit  236  Stück  ange- 
tragene Gebrauchpferde  bis  auf  182  vermindert,  sondern  auch  der  mit  400  Köpf  angeschlagene 
Stand  der  Commandierten  auf  246  herabgesetzet  werden  kann. 

Ad  2dum  zweifelt  man  nicht,  dass  die  beede  Gamisonsregimenter  bei  einem  ausbrechenden 
Krieg,  wo  sie  zum  Theil  zur  Completierung  der  Stabsregimenter  und  zu  anderen  Diensten  be- 
stimmt sind,  auch  hinlangen  werden,  uiu  das  Remontierungscommando  bloss  aus  Leuten  vom 
2ten  Gamisonsregiment  zusammensetzen  zu  können,  nachdeme  dieses  Regiment  allein  3600  8u- 
pemumerarien  zählet  und  bei  mehreren  Cavallerie-  und  Infanterieregimenter  viele  Halbinvslide 
zum  Garnisonsregiment  praenotieret  sind. 

Das  Generalcommando  ist  vielmehr  der  Meinung,  dass  bei  einem  ausbrechenden  Krieg 
Cavallar  aus  seinen  Commandierten  gleich  eine  Division  des  Stabsdragonerregiment«  werde 
formieren  und  mit  ihr  ins  Feld  marschieren,  vorhero  aber  wegen  ununterbrochener  Fortsetzung 
des  Remontierungsgeschäfts  die  nöthige  Ankehrungen  ti*eifen  können. 

Aus  dieser  und  der  weiteren  Betrachtung,  dass  die  Cavallarische  Remontierungsmann- 
schaft  im  Sommer  bei  dem  Gestüte  und  im  Winter  in  den  Okols  aller  Witterung  ausgesetzet 
ist,  traget  man  kein  Bedenken,  die  wiederholte  Bitte  des  Rittmeister  Cavallar  zu  untenttützen, 
auf  dass  seinen  Commandierten  die  blaue  Muntur  nach  dem  Stabsdragonerfuss  abgemchet 
werden  möge. 

Ad  3tium.  Der  zu  Szaleszik  auf  130  Pferde  erbaut  werdende  Stall  ist  eigentlich  der 
Ort,  wo  die  wilden  Pferde  vor  der  Abgabe  an  die  Regii^enter  das  erstemal  an  die  Halfter  ge- 
wöhnet und  angebunden  werden,  weil  bio  sonsten  bei  dem  ersten  Anbinden  eine  nicht  sehr 
befestigte  Krippe  oder  Verzaumung  zusammenreissen  und  sich  dadurch  beschädigen,  wessetwegen 
diese  Stall ung  mit  keinen  Krippen  und  Barren  versehen  und  daher  mehr  ein  Stadl  als  ^tallung. 
dabei  aber  nach  Versicherung  des  Rittmeisters  Cavallar  höchst  nöthig  ist. 

Ad  4ten.  Man  hat  zwar  in  dem  Vorschlag  vom  lOten  April  angetragen,  nur  400  Re- 
monten in  die  Okols  unterzubringen  und  600  nebst  den  Gebrauch pferden  in  Stallungen  aufeu- 
stellen,  zu  diesem  Ende  nebst  den  vorhandenen  brauchbaren  Stallungen 

200 


zu  Waskowecz  auf 

100 

„    Satagura  und  Sterza 

100 

noch  zu  Kitzmann 

auf 

100 

„       „    Waskowez 

n 

100 

„       „    Kutschermik 

» 

100 

„      „    Kutschermare 

n 

100 

n      .    Sereth 

n 

60 

„      „    Boinze 

n 

150 

600 

Pferde  neue  Stallungen  und  einen  neuen  Okol  zu  Fraudauz  zu  erbauen. 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Eadaütz.  109 

Aus  denen  ad  Imum  angeführten  Betrachtungen  hat  man  diesen  Antrag  dahin  abzuändern 
für  rathsamer  erkennt,  dass  900  Remonten  in  den  Okols  und  nur  300  Pferde  in  Stallungen 
unterhalten,  zu  dem  Ende  3  neue  Okols,  und  zwar  zu  Bojana,  Fraudauz  und  Bajacestie,  jeder 
zu  300  Pferden,  errichtet  und  nebst  den  zu  Waskowez,  Sattagura  und  Sterza  auf  200  Pferde 
vorhandenen  Stallungen  noch  ein  neuer  Stall  zu  Waskowez  uebst  dem  Quartier  für  den  Cora- 
mandanten  und  die  Commandierte  erbauet  werde. 

Zu  Waskowez  hat  man  die  Stallung  auf  100  Pferde  und  das  Stabsquartier  von  darumen 
angetragen,  weil  allda  ein  guter  Stall  auf  100  Pferde  und  schon  einige  Quartiere  vorhanden, 
auch  der  Commandant  zur  Besorgung  des  Dienstes  allda  besser  als  zu  Kizman  untergebracht  wird. 

Die  Okols  sind  in  solchen  Gegenden  ausersehen  worden,  wo  frisches  Wasser  und  Über- 
fluss  an  Grasfutter  vorhanden  ist. 

Unter  andern  ist  Baja  und  Bajacestie  nicht  weit  von  guten  Waldungen  und  des  Moldau- 
flusses entlegen;  es  wird  auch  der  Ankauf  aus  der  Moldau  Ober  Baja  nach  Bajacestie  sehr 
eiieichteret;  es  stehet  auch  zu  hoffen,  dass  durch  die  ohnehin  näclistens  in  der  Bukowina  für 
sich  gehenden  Untersuchung  der  Grundeigenthumsrechten  ein  und  anderer  Terrains  und  mit 
solchen  ein  schöner  Wiese  wachs  dem  Aerario  anbei  m  gebracht  werde. 

Der  Ing. -Oberlieutenant  Grotger  hat  zwar  nach  Ausweis  der  hier  angebogenen  Plans  und 
Überschläge  die  Baukosten  für  den  neuen  Okol  zu  Fraudauz  mit  EinbegrifF  des  Quartiers  für 
l   Rittmeister,  1  Lieutenant,  2  Unterofficiers  und  24  Mann  auf  3.696  fl.  47  kr. 

für  den  zweiten  Okol  zu  Bojana  und  für  den  dritten  zu  Bajacestie  6.324    „18    „ 

für  den  Stall  auf  100  Pferde  zu  Waskowez  und  die  Kaserne  auf      .         .         2.915    „  61    „ 

dann  für  das  Stabsquartier  dallda 4.557    „  44    „ 

17.494  fl.  44  kr. 
berechnet;  Herr  Generalmajor   B.  Enzenberg    versicheret    aber,    dass    der    Bau    bei    weitem 
nicht  so  hoch  zu  stehen  komme,    und  dass  er  den    ganzen    Bau    von    dem   jährlich    zu    diesem 
Ende  von  jeder  Familie  mit  5  kr.  entrichtet  werdenden  Beitrag  bestreiten  werde,    besonders    da 
fast  alle  Materialien  schon  vorhanden  seien. 

Ad  ötum  werden  keine  Hand-  oder  Zugroboten  zu  dem  Gebäude  verwendet  werden, 
welche  die  Unterthanen  nicht  zu  leisten  schuldig  sind. 

Ad  6tum  hat  Herr  General  B.  Enzenberg  sich  erkläret,  die  Reparation  bei  ein-  und 
anderen  Gebäude  jährlich  mit  1500  fl.  und  aus  dem  nämlichen  Fundo  besorgen  zu  lassen. 

Ad  7mum.  Die  Anlage  erweiset,  wie  die  Officiers  und  übrige  Commandierte  bei  dem  Re- 
montierungsgeschäft  einzutheilen  dem  Dienst  angemessen  befunden  worden  ist. 

Ad  8vum.  Die  Remonten  werden,  wie  vorbesagt,  in  den  Okols  im  Sommer  auf  der 
W^eide  getrieben,  im  Winter  mit  blossem  Heu,  und  zwar  jedes  täglich  mit  einer  doppelten 
P.  P.  Portion  gefüttert,  hingegen  bekommen  die  in  den  Stallungen  aufgestellte  Remonten  ohne 
Untenichied,  ob  sie  zum  Chevauxlegers-  oder  Husarendienst  geeignet  sind,  im  Winter  eine  ganze 
Haber-  und  1  P.  P.  Heuportion,  im  Sommer  aber  nur  Vs  Haber  und  1  ganze  Heuporlion. 
Ueberhanpt  aber  ist  es  die  Sache  des  Rittmeister  Cavallar  das  Futter  nach  den  Kräften  der 
Pferden  abreichen  zu  lassen  und  darüber  Rechnung  zu  legen. 

Ad  9num.  Sobald  die  Mannschaft  nach  diesem  unmassgeblichen  Vorschlag  in  Kasemes 
befiuartieret  wird,  welches  wegen  Abgang  anderer  Unterkunft  unumgänglich  nöthig  ist,  so  wird 
Cavallar  der  Mannschaft  vom  Wachtmeister  abwärts  den  Service  gegen  Schlaf kreuzer  ver- 
schafi'en. 

Da  die  Kasemes  von  den  anderen  Örtem  und  besonders  von  den  Verpflegsmagazinen 
entfernt  sind,  so  dürfte  der  Service  von  dem  Verpflegsamt  wegen  der  Zuftihrunkosten  nicht 
wohlfeiler  verschaffet  werden  können. 

Ad  lOmum.  Der  Aufsatz  über  die  Erfordernis  an  Montur  und  Rüstung  wird  hier  nach 
dem  ersteren  und  dem  gegenwärtig  antragenden  Stand  mit  Bemerkung  der  nach  letztem  aus- 
fiftllenden  Ersparang  gehorsamst  angeschlossen. 

Ad  llmum.  Zur  Ausmessung  des  auf  Zulagen  jährlich  erforderlichen  Geldbetrags  ist  kein 
richtiger  Satz  vorhanden.  Anno  1778,  wo  das  Remontierungsgeschäft  stark  betrieben  worden, 
haben  die  Zulagen  5154  fl.  32  kr.,  anno  1779  5058  fl.  9  kr.  und  anno  1780  1250  fl.  47  kr. 
betragen. 


Digitized  by 


Google 


110  Polek: 

Durch  die  Unterbringang  der  Pferden  in  die  OkoU  werden  die  Commandierte  zw«r  künf- 
tig verminderet,  hingegen  wird  ihre  Dienstleistung  umso  beschwerlicher,  weil  sie  Tag  und  Nacht 
wirksam  sein  müssen.  Um  also  die  Leute  doch  besser  leben  zu  machen  und  dienstbar  zu  er- 
halten, könnte  auf  Zulage  4500  fl.  angetragen  werden. 

Ad  12dum.  Bishero  haben  die  Wartknechte  nichts  mehr  als  täglich  15  kr.  Liohn,  und 
von  diesem  müssen  sie  »ich  den  Unterhalt  und  die  Kleidung  verschaffen. 

Die  Wartknechte  werden  weder  gegen  Capitulation  engagieret  noch  in  Eid  und  Pflicht 
genommen,  weil  eine  solche  Behandlung  diese  Leute,  die  mit  den  wilden  Pferden  wohl  umgehen 
können,  folglich  unumgänglich  nöthig  sind,  abhalten  wurde,^  sich  bei  dem  Remontienings- 
gcschäft  zu  engagieren. 

Gleichwie  nun  das  Generalcommando  der  zuversichtliehen  Hoffnung  lebet,  durch  gegen- 
wärtigen gehorsamsten  Bericht  die  hohe  Gesinnung  Eines  hochlöbl.  kaiseri.  königl.  Hofkriegs- 
raths  erfüllet  zu  haben,  also  bleibet  demselben  nichts  weiteres  übrig,  als  sich  tiberhaupts  auf 
seine  in  dieser  Materie  unterm  5ten  Jänner  und  lOten  April  a.  c.  erstattete  Berichte  nochmal 
geziemend  zu  beziehen  und  das  für  das  Avancement  des  Herrn  Rittmeister  Cavallar  wiederholt 
eingelegte  Vorwort  gehorsamst  zu  erneuem. 
Ijemberg,  den  30ten  September  1781. 

In  Ermanglung  des  commandierenden  Generalen 
Freiherr  v.  Schröder 
FML. 


XLIX. 

(Ueberschläge.) 

Orig.  (K.-A.  IL  S.  1781-43-390.)  Wienn,   19.  October  1781. 

Über  die  von   Einem  löbl.  kaiserl.  königl.  Hofkriegsrath   brevi    manu    anhero  roitgetheilt. 

hiemeben  rückschlUssige    3  Plans    und  Überschläge    einiger    in    der  Buccovina    zu    errichtenden 

Gebäude  befindet  die  Hofkriegsbuchhalterei  Nachfolgendes  zu  erinnern. 

Imo.  Wird  zu  Fradautz  ein  Okol  auf.  300  Pferde,  dann  eine  Quasikasem  für  die 
daselbst  commandierte  Mannschaft  von  24  Gemeinen  und  2  Unterofficiers,  dann 
einen  Lieutenant,  auch  einen  Rittmeister  angetragen  mit 369G  fl.  47 

Desgleichen  werden  zu  Bojana  und  Bajascre  (sie)  zwei  Okols  nebst  Käsern  und 
respective  Unterkunft  für  die  dabin  commandiert  werdende  Mannschaft,  jedoch 
ohne  des  Rittmeisters  Quatiers  angetragen  und  jeden  Orts  auf  31G1  fl.  9  kr., 
beide  zusammen  also  gerechnet  auf 6324  „    IH 

2do.  Zu  Waskowiz  wird  ein  Remontenstall  auf  100  Pferde,  desgleichen  die  Unter- 
kunft für  die  dahin  commandiert  werdende  Mannschaft  nebst  einem  Officier  an- 
getragen mit 2915  r.   51 

3tio.  Wird  ebenfalls  zu  Waskowiz  ein  Remontierungs-Stabsquartier  sammt  Kanzlei-, 

Fouriers-,  Wachtmeisters-  und  Domestiquenwohnung  angetragen  mit  .  4557  „   44 

Summae  el  Latus         .  17494~?L  40 

Weilen  aber  in  diesem  Überschlag  bei  der  Schlosserarbeit  für  42  Stück  2flüglichte 
Fensterstöck  mit  dem  nöthigen  Beschlag  zu  versehen  pr.  Stück  ä  2  fl.  20  kr. 
anstatt  des  eigentlichen  Betrages  von  98  fl.  nur  35  fl.  angesetzt  werden,  so 
kommen  annoch  dieser  Erfordernis  nachzutragen  die    zu  wenig  angesetzte  .         63  fl.  — 

Solchemnach  betraget  die  ganze  Erfordernis  zu  den  obenannten  Objecten  .  17567  fl.  40 

Für  die  Steine  zum  Mauern  wird  bloss  das  Fuhrlohn  pr.  Klafter  li  1  fl.  30  kr.    und    die 

Mauerziegel  das  Tausend  Ji  5  fl.  sammt  Fuhrlohn  l)erechnet,  der  Kalch  zu  denen  Gebäuden  bei 

Waskowiz  wird  pr.  Korez  a  38  kr.  zu  erkaufen,  zu  jenen  Gebäuden  aber  bei  Fradauz  von   dem 

zum  Behuf  des  Verpflegsamtes  in  Seret  erliegenden  Vorrath    pr.  Korez    k    17  kr.    herzunehmen 

angetragen;    wegen  des  Sfinde»    wird  nur   auf   die  Vergütung   des  Brodea    für    die  Robotfuhren 


Digitized  by 


Google 


DiB  Anfänge  des  k.  k.  STAATSG£STt3TES  Radautz.  111 

gerechnet,  die  Mauerarbeit  und  zwar  die  Steinmauer  wird  pr.  Cubikklafter  mit  2  fl.  50- kr.,  die 
Ziegelmauer  aber  mit  2  fl.  33  kr.  angesetzt;  für  das  Holz  werk  wird  ebenfalls  nur  auf  die  Ver- 
gütung der  Robotfuhren  angetragen  und  auf  das  Anarbeiten  für  jede  Currentklafter  6  kr.  ge- 
rechnet. Man  findet  sowohl  das  Materiale  regelmässig  berechnet  als  desselben  und  vorberührte 
Arbeitspreise,  wie  jene  derer  Tischler-,  Schlosser-,  Glaser-  und  Hafnerarbeiten  der  Billigkeit 
angemessen. 

Auf   die    erforderliche  Requisiten    zu  Fradauz,  Bojana    und  Bajasere    werden    jeden  Orts 

100  fl.,  zusammen  also 300  fl.  — 

zu  denen  beiden  Objecten  bei  Waskowiz  aber         .         .         .       '  .         .         .         .        158  fl.  20 

in  Summa  also  auf  Requisiten 458  fl.  20 

dann  auch  auf  Besoldung  deren  Mauer-  und  Zimmerpoliers  für  jedes  Object  100  fl., 

zusammen  also  angetragen 500  fl.  — 

Bei  diesen  beiden  Articuln  kann  man  nicht  umhin  zu  bemerken,  dass  durch  Beobachtung 
einer  genauen  Wirtschaft  sich  eine  merkliche  £r8parung  machen  lassen  werde. 
Wienn,  den  19ten  October  1781. 

Jos.  Ant.  Paumann 
Vidi  Paohmann  Regierungsrath  und  Hofbuchhalter. 

Hofrath.  Joach.  Friedr.  Holzius 

k.  k.  Hofkriegsbuchhaltungs-Raitofiicier. 


L. 

Vortrag  des  Hof kriegsrathes. 

Orig.  (K.-A.  n.  8.  1781—43     390.)  Wien,  31.  October  1781. 

Euer  Majestät  haben  über  den  diesseitigen  Vortrag  vom  29ten  Jänner  anni  currentis  zu 
befehlen  geruhet,  dass  in  der  Buccovina  unter  dem  Rittmeister  CavaUar  der  jährliche  Friedens- 
abgang an  Pferden  von  allen  in  Gallizien  verlegten  Cavallerieregimentern  allzeit  auf  1  Jahr  im 
voraus  beisammen  gehalten  werden  solle. 

Da  es  nothwendig  war,  den  jährlichen  Abgang  nach  einem  sichern  Satz  zu  berechnen, 
80  hat  man  sich  bei  dessen  Bestimmung  an  die  dem  Hofkriegsrath  am  29ten  November  1780 
zugekommene  Allerhöchste  Resolution  gehalten,  mit  welcher  der  Antrag  der  Hofrechenkammer, 
den  Abgang  an  Pferden  mit  10  Procento  zu    berechnen,  allergnädigst  begnehmiget    worden    ist. 

In  der  Ungewissheit,  ob  die  in  Hungarn  und  Siebenbürgen  aufgebracht  werdende  Re- 
monten  von  der  Qualität  sein  werden,  die  fUr  die  leichte  Carabiniersdivision  erforderlich  ist, 
wurde  einsweilen  die  Ergänzung  dieser  Divisionen  aus  der  Buccovina  angetragen. 

Nach  diesem  Antrag  ist  sodann  der  beim  Cavalar  beständig  zu  haltende  Remontenvor- 
rath  beiläufig  mit  400  Chevauxlegers-  und  600  Husarenpferden  ausgefallen. 

Die  Erfordernis  dieses  Vorraths  hat  der  Hofkriegsrath  dem  gallizischen  Generalcom- 
mando  mit  dem  Auftrag  bekannt  gemacht,  einverständlich  mit  dem  Rittmeister  Cavalar  dea 
hierzu  angemessenen  Stand  seines  Commando  inclusive  der  Gebrauchpferden  und  die  nöthige 
Stallungen  festzusetzen,  bei  letzteren  aber  die  Rücksicht  2u  nehmen,  dass  kostbare  Gebäude 
annutz  errichtet  werden  Würden,  wenn  es  nach  der  Hand  an  der  Fourage  mangeln  und  das 
Bemontiemngsdepöt  aus  der  Buccovina  weggezogen  werden  sollte. 

Hierüber  sind  die  hier  in  originali  an  verwahrten  zwei  Berichte  eingelanget,  worinnen 
das  Generalcommando  versichert,  dass,  so  wie  es  demselben  bekannt  seie,  und  der  Rittmeister 
Cavalar  wiederholt  bestätige,  in  der  Buccovina  ausser  einem  besondem  Misswachs  kein  Mangel 
an  Fourage  jemalen  zu  besorgen  seie. 

EXen  Stand,  die  Gebühr  des  Commp.ndo  und  die  Erfordernis  an  Stallungen  und  Quar- 
tieren hat  selbes  mit  dem  Bericht  vom  30ten  September  a.  c.  rectifideret  und  die  Gebäude- 
übeTBchläge  zugeleget. 

Nach  der  gleich  vorerwähnten  Zusicherung  des  Generalcommando,  dass  die  Fourage  nie- 
mals mangeln  werde,  siebet  der  Hofkriegsrath    das  Cavalarische  Commando  für  ein  beständiges 

Digitized  by  V:iOOQIC 


112  Polkk: 

Commando  an,  wornach  dessen  ordentliche  Regulierung  so  nützlich  als  nothwendig  wird,  wes- 
wegen man  die  angefahrte  zwei  Generalcomniando-Berichte  mit  nachfolgender  ohnmassgeblicb- 
sten  Meinung  Euer  Majestät  allerunterthänigst  vorzulegen  nicht  ermanglet. 

Was  endlich  noch  die  Rechnungsrichtigkeit  anlanget,  wird  man  nach  Yemommener  Buch- 
halterei  die  Einleitung  so  treffen,  üaäs  alle  eigentliche  Kemontimngsunkosten  besonder»  ausfallen 
und  jenes,  was  die  Officiers  und  übrigen  Leute  beim  2.  Gamisonsregiment  ohnehin  gekostet 
haben  würden,  den  Reraontirungsauslagen  nicht  zugeschlagen,  somit  der  wahre  Betrag  sichtbar 
gemacht  werde;  inzwischen  aber  wird  ein  Aufsatz,  was  dieses  Commando  auf  sothane  Art  bei- 
läufig jährlich  kosten  dürfte,  mit  der  unterthänigsten  Erinnerung  hier  beigebogen,  dass  der  dies- 
fällige  Aufwand  von  dem  Militarfonds  Yorgestrecket  und,  im  Fall  die  Militardotation  andorch 
überschritten  werden  sollte,  um  den  allergnädigsten  Zuschufis  werde  gebeten  werden. 

Wien  den  3lten  Oktober  1781. 

A.  6.  V.  Hadik. 

(Randbemerkung) :  Den  Stand  und  die  Gebühr  dieses  Cavallarschen  Rlroontierungs- 
commando  sowie  den  Aufwand  zu  Herstellung  der  Gebäuden  begnehmige  Ich  vollkommen,  und 
da  selber  nunmehro  ganz  recht  bloss  aus  Commandierten  vom  2ten  Garnisonsregiment  zu  be- 
stehen hat,  so  werden  die  geschicktesten,  vom  Cavallar  auszusuchende  und  anjetzo  bei  ihm  com- 
mandierte  Individuen  von  andern  Regimentern  das  erstemal  zu  Formierung  dieses  Commando 
zum  zweiten  Gamisonsregiment  zu  übersetzen,  jene  aber,  die  nicht  dazu  ausgewählet  werden,  zu 
ihren  Regimentern  zurückzuschicken  sein. 

Auf  den  Antrag  des  Genenilcomniando,  wornach  bei  einem  entstehenden  Kriege  Cavallar 
sogleich  eine  Division  des  Stabsdragonerregiments  werde  formieren  und  mit  solcher  zu  Felde 
marschieren  können,  wird  sich  nicht  sehr  zu  verlassen  sein,  weil  zu  einer  solchen  Zeit  eben 
der  Remontae.'nkauf  am  stärksten  und  eifrigsten  betrieben  werden  muss,  mithin  er  auf  einer 
andern  Seiten  genug  beschäftiget  werden  würde,  jedoch  kann  der  ausführlichere  Vorschlag  des 
Generalcommando  diesfalls  erwartet  werden.  Den  Lieutenant  Höpler  und  Adjutant  Bauer  will 
Ich,  da  sie  zu  Beförderung  des  Geschäfts  besonders  anempfohlen  werden,  auch  wider  die  be- 
stehende Regel  atis  besonderer  Gnade  das  angetragene  Avancement  verleihen  und  sie  beim  Be- 
montierungscomroando  femershin  angestellet  lassen,  sowie  Ich  das  vom  Cavallar  vorgeschlagene 
Avancement  der  Corporals  begenehmige  und  diese  sammentlich  zum  zweiten  Gamisonsregiment 
zu  übersetzen  gesinnet  bin. 

Der  vom  Hofkriegsrath  unterstützte  Antrag,  diesem  Remontierangscommando  blaue  Mon- 
tierung, wie  das  Stabsregiment  hat,  ist  weder  nöthig  noch  fürträglich.  Es  hat  also  bei  der 
Farbe  der  Montierung  des  zweiten  Gamisonregiments  zu  verbleiben,  in  dessen  Stand  und  Ge- 
bühr dasselbe  steht,  umsomehr,  nachdem  immer  von  Zeit  zu  Zeiten  Officiers  und  Gemeine  vom 
Regiment  zum  Commando  und  vom  Commando  zum  Regiment  übersetzet  werden,  auch  bei 
dem  Antrag  die  Beköstigung  höher  steigt. 

Da  der  Dienst  dieses  Commando  von  jenem,  der  im  Cavalleriereglement  vorgeschrieben 
ist,  die  Subordination  allein  ausgenommen,  sehr  unterschieden  ist,  so  finde  Ich  diese  3  anver- 
langte Exemplaren  umsomehr  unnöthig,  als  eine  besondere  Instruction  für  dieses  Commando 
bereits  entworfen  ist. 

Den  Cavallar  ernenne  Ich  wegen  seinen  bereits  geleisteten  Diensten  und  zu  noch  mehrerer 
Aneiferung  zum  Cavalleriemajor  mit  der  ganzen  Gage. 

De  cactero  placet.  Joseph. 


LI. 

Hofkriegsrath  an  das  galiz.  Generalcommando. 

Concept  (K.-A.  II.  S.  1781—43-390.)  Wien,  7.  November  1781. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  haben  den  Stand  und    die    Gebühr   des  Biiccoviner  Remonten- 
commando  sowie  den  Aufwand  zu  Herstellung   der  Gebäuden    nach  des  Generalcommando  Vor- 


Digitized  by 


Google 


Die  Anfänge  des  k.  k.  Staatsgestütes  Radautz.  113 

schlag  vom  30ten  Septemlwr  allergnädigst  begnehraiget,  ausserdem  anch  den  Rittmeister  Cavallar 
wegen  seiner  bereite  geleisteten  Diensten  und  zu  noch  mehrerer  Aneifernng  zum  Cavalleriemajor 
mit  der  ganzen   Gage  ernannt. 


LH. 
Historische  Beschreibung. 

über  die  Entstehung  des  Bukowiner    Militär-Gestüts-,  Beschäl-  und  Remontierungsdepartements. 
Concept  ?  (Archiv  der  k.  k.  GestüUdirection  in  Radautz.) 

Vor  dem  Jahre  1774  hal>en  die  Cavallerieregimentcr  den  jeweiligen  Abgang  an  Dienst- 
pferden durch  eigens  eingeleiteten  Remontenankauf  gedockt,  zu  welchem  Zwecke  selbe 
Officiere  nach  verschiedenen  Ländern  und  damals  besonders  nach  Galizien  und  der  Bukowina 
comroandierten,  unter  welchen  zur  Zeit  auch  der  Herr  Oberlieutenant  Cavallar  von  Kaiser 
Chevauxlegersregiment  sich  befand,  welcher  durch  seine  thätige  Bemilhung.  verbunden  mit  der 
Pferdskenntnis,  stets  besonders  ausgezeicimet  gute  Remonten  filr  sein  Regiment  aufbrachte,  so 
zwar,  dass  dieses  auch  bei  andern  Regimentern  nicht  unbemerkt  blieb,  und  dieserwegen  auch 
von  mehreren  derselben  nach  der  Hand  der  Remontenankauf  an  besagten  Herrn  Oberlieutenant 
übertragen  wurde. 

I>ie  nun  von  envähntera  Herrn  Oberlicutenant  in  grü8.seror  Anzahl  erkauften  und  zu 
denen  verschiedenen  Cavallerieregimentern  gelangten  Remonten  entsprachen  in  jeder  Hinsicht 
der  allgemeinen  Zufriedenheit  so  sehr,  dass  dei;  hochlöbliche  Hofkriegsratli  fllr  gut  fand,  dem- 
selben im  Jahre  1774  den  Remontenankauf  für  die  ganze  Armee  zu  übertragen  und  ihrae  zur 
Leitung  und  Aufsicht  dieses  bedeutenden  angefangenen  Geschäfts  die  n<Hhige  Mannschaft  von 
andern  Regimentern  als  zugetheilt  beizugeben,  welche  iosgesammt  damals  den  Titel  Cavallari- 
sches  Remonteneinkaufscommando  führte,  und  das  Stabsetablissement  zu  Kotzmänn  stand. 

Auf  diese  Art  wurde  von  dem  Jahre  1774  bis  1792  in  diesem  Geschäfte  manipuliert  und 
die  Armee  mit  Remonten  und  sonstigen  zu  Kriegsdiensten  erforderlichen  Pferden  aus  Galizien 
und  der  Bukowina,  dann  aus  der  Moldau  und  aus  den  tiefsten  Theilen  Russlands  versehen. 

Eintretende  Umstände  geboten  es,  hie  und  da  in  der  Bukowina  grosse  Remontendepots 
zu  anterhalten.  Die  Wohlfeilheit  ihrer  Unterhaltung  mit  Rauhfutter  und  Weiden,  die  vor- 
trefflichen, hie  und  da  gefundenen  Anlagen  zum  Gedeihen  deren  Pferdezucht  und  endlichen  sowohl 
die  mit  denen  erkauften  Remonten  zugleich  vielen  überkommenen  als  auch  die  von  Remonten 
im  Depot  selbst  häufig  geworfenen  Fohlen  von  besten  Pferdracen  waren  die  Hauptveranlassung 
und  machten  den  Anfang  zu  der  Bukowiner  Gestütsanstalt. 

In  dem  Jahre  1792  wurde  dies  bishero  sogenannte  Cavallarische  Remontenankaufscom- 
mando  vom  hochlftblichen  Hofkriegsrath  zu  einem  selbständigen  Körper  unter  dem  Titel:  Buko- 
«•nner  Beschäl-,  Gestüts-  und  Remontierungsdopartement  mit  einem  bestimmt  bemessenen,  eige- 
nen Stand  von  Mann  und  Pferden  organisiert,  wobei  der  mittlerweilen  successive  bis  zum 
Olierstlietitenant  avancierte  Oberlieutenant  Cavallar  als  förmlichen  Commandanten  angestellt 
blieb  nnd  selbem  instructive  von  höchster  Stelle  besonders  die  Verbessenmg  und  Verbreitung 
der  Pferdezucht  in  Galizien,  dann  der  Bukowina  anempfohlen  und  zu  diesem  Zwecke  zugleich 
anch  die   Herrschaft  Waskoutz  und  Fratautz  in  Pacht  genommen  wurde. 

Es  wurde  gesucht  sowohl  fürs  eigene  Gestüt  als  die  Landesbeschälung  Vaterpferde  von 
guter  Kace  herbeizuschaffen;  die  besten  Stuten  aus  denen  in  Depot  befindlichen  Remonten 
iheils  fürs  eigene  Gestüt,  theils  für  den  armem  Landman  ohne  Bezahlung,  nur  gegen  einen 
Vorbind Hchkeitsrevers,  wurden  stets  fürgewählt,  und  sohin  allenthalben  möglichst  getrachtet,  das 
}?ute  Gedeihen  der  Pferdezucht  nebst  einer  guten  Race  hervorzubringen. 

Wegen  der  zu  sehr  ausgedehnten  Geschäftsführung  wurde  im  Jahre  1809  die  Beschäl- 
anstalt Galiziens  von  der  Bukowina  getrennt  und  in  Galizien  ein  eigenständiges  Beschäl-  und 
Keraontierungsdepartement  errichtet,  welches  bis  dato  dergestalten  noch  bestehet. 

In  dem  Jahre  1805  wurden  dem  Departement  in  der  Moldau  zwei  Güter  und  respective 
Odayen    Namens  Draguscheny  und  Stubieny  nach  Auflösung  einer,  unter  Commando   des  dama- 


Digitized  by 


Google 


114  Polek:  Die  Anfänge  des  k   k.  Staatsoestütks  Radaütz 

ligen  Rittmeisters  Traun  gestandenen  Annee-Fleischregie  zur  Fortsetzung  und  Benutzung  des 
schon  von  der  Kegie  eingegangenen  Pacht  von  drei  Jahren  sammt  den  hierauf  betindlich  Mast- 
ochsen  und  sonstigen  Hornvieh  Obergeben'!  und  da  man  in  den  ersten  Pachtjahren  sicli  von 
dem  Nutzen  zum  Vortheil  des  allerhöchsten  Aerars  überzeugte  und  auch  hiedurch  die  fliglichste 
Gelegenheit  hatte,  in  der  Moldau  selbst  die  besten  Kemonten  in  grösserer  Anzahl  zu  erhalten, 
und  daselbst  in  DepCit  fiir  die  Armee  in  ungemein  wohlfeiler  Fütterung  zu  unterhalten,  k> 
wurden  diese  Güter  nach  Verlauf  der  ersten  drei  Jahren  Pachtzeit  auf  weitere  3  Jahre  in  Pacht 
genommen,  doch  musste  derselbe  nach  diesen  6  Jahren,  anno  1811,  wegen  verschiedenen  zur 
Zeit  eingetretenen  politischen  Verhältnissen  aufgehoben  werden. 

Das  Stabsetablissement  dieses  Departements  blieb  bis  anno  1812  jn  Waskoutz;  da  aber 
der  Grundherr  daselbst  mit  dem  Pachtzins  später  steigen  wollte  und  die  Herrschaft  Fratantz 
angemessen  war,  die  sämmtliche  Anstalt  in  sich  aufzunehmen,  so  wurde  das  StAbsetablissement 
zu  Ende  des  Jahres  1812  noch  Radautz  übersetzt  und  in  diesem  .Jahr  auch  der  Errichter  dieser 
Militär-Gestütsanstalt  und  bisher  Departementscommandant  gebliebene  Herr  ^Generalmajor  Baron 
Cavallar  als  Generalfeldmarschallieutenant  in  Ruhestand  übersetzt  und  das  weitere  Commando 
anno  1812  provisorisch  vom  Herrn  Oberstlieutenant  Bukowski,  vom  Jahre  1813  bis  zu  Ende 
August  1822  vom  Herrn  Oberstlieutenant  Hoifmann,  vom  September  1822  bis  Ende  August  1«23 
nur  als  Interim  durch  Herrn  Rittmeister  v.  Köntzöl,  dann  vom  Iten  September  1823  und  dato 
vom  ganz  unterthänigst  in  Ehrfurcht  Gefertigten  *)  fortgeführt. 

Seit  Errichtung  des  Departements  bis  inclusive  1825,  mithin  durch  51  Jahre  her,  wurden 
in  allem  104.681  Stück  Pferde  von  allen  Gattungen  an  verschiedene  Regimenter,  Corps  imd 
Branchen  der  Armee  abgegeben,  welche  in  folgenden  Jahrgängen  und  Anzahlen  sich  ergaben.  aU. 


Anno 

Pferde 

Anno 

Pferde 

Anno  Pferde 

Anno 

Pferde 

Anno 

Pferde 

1774 

766 

1784 

310 

1794   4739 

1804 

1456 

1814 

967 

1775 

871 

1785 

2164 

1795   J276 

1805 

1159 

1815 

91 

1770 

2520 

1786 

878 

1796   4040 

1806 

3238 

1816 

103» 

1777 

2425 

1787 

2508 

1797   5880 

1807 

1609 

1817 

647 

1778 

703 

1788 

3212 

1798   2250 

1^08 

1944 

1818 

20^ 

1779 

775 

1789 

2231 

1799   2740 

1809 

5066 

1819 

1191 

1780 

610 

1790 

5937 

1800   6350 

1810 

3411 

1820 

.S86 

1781 

977 

1791 

201 

1801   5070 

1811 

600 

1821 

790 

17H2 

615 

1792 

1303 

1802    636 

1812 

933 

1822 

615 

1783 

1483 

1793 

6440 

1803   1307 
Anno  1824   1106 
„   1825   1219 

1813 

5023 

1823 

383 

Summa  104681   Pferde. 

Auf  der  Herrschaft  Fratautz  sind  dermalen  folgende  GestütshAfe,  als:  zu  Wadu  Wladiki. 
Milleschout/.  Mittoka,  Okruch,  Tokmitura,  Woitinel,  Hardeggthal,  Ober-Wikow,  Frasin,  Bojaiia. 
Merlowa,  in  welchen  die  silmmentlichea  GestUtspferde  und  Fohlen  nach  allen  Jahrgängen  durch 
die  Wintermonate  sich  befinden;  im  Sommer  sind  dieselben  in  dem  Weidgebirge  Luczina  und 
Bobaika,  allwo  sich  auch  Wohnungen  von  Holz  für  die  commandierte  Ofiiciers  und  übrige 
Mannschaft  befinden. 

In  Ort  Radautz  selbst  befindet  sich  der  Stab  der  ganzen  Militäranstalt  nebst  dem  Menschen- 
und  Thierspital,  wohin  alles,  was  vom  Departement  in  denen  Gestütsh^fen  an  Menschen  und 
Pferden  erkranket,  zur  zweckmässigen  Heilung  abgegeben  wird. 

Die  Landesbeschäler  werden  ausser  der  Beschälzeit  im  Gestütshof  zu  Ober-Wikow  aufge- 
stellt, allwo  auch  alljährig  die  4jährigen  Hengste  von  eigener  Zucht  vor  deren  Abgabe  an  an- 
dere Ikschäldepartements  früher  zur  Bezähmung,  dermalen  bloss  um  Ausbildung  aufgestellt  stehen. 

Ausser  denen  zur  Beschälanstalt  gehörigen  Lande8l)eschälern  und  Gebrauchspferden  liefert 
die  Herrschaft  Fratautz  zur  Unterhaltung  der  sämmtlichen  GestOtspferde  das  noth wendige 
Haber-.  Heu-  und  Strohijuantum,  dann  die  Sommerweidungen  und  unterhält  auch  die  Reparatur 
sämmtlicher  Gebäude  zur  Unterbringung  der  Mannschaft  und  Pferde;  die  zeitweise  nothwendig 
werdenden  neuen  Bauführungen  werden  aber  vom  allerhöchsten  Aerar  extra  bestritten. 


*)  Die  hier  benutzte  Handschrift  ist  nicht  unterzeichnet,  aus  obiger  Angal>e  folgt  jedoch, 
dass  Oberst  Martin  Ritter  von  Hermann,  der  vom  1.  September  1823-  bis  26.  März  1867  dem 
Radautzer  Gestüt  vorstand,  der  Verfasser  ist. 


Digitized  by 


Google 


Aus  den  „Mittheilungen  der  k.  k.  Central-Gommission". 

(Fortsetzung  aus  dem  Jahrbuche  1893). 

J 
1893.  Band  19,  Notiz  130,  Seite  242. 

{Menschliche  Gerippe  in  Suczawa,)  „Conservator  Komstorfer  hatte  mitge- 
tbeilt  dass  ihm  angezeigt  wurde,  dass  bei  dem  Umbaue  des  griechisch-orientalischen  Klosters 
zu  Suczawa  unterirdische  Gewölbe  aufgedeckt  \yorden  wären,  was  ihn  veranlasste,  über 
diesen  Fund  nähere  Erhebungen  zu  pflegen.  Diese  ergaben,  dass  bei  den  bisher  durchgefillirten 
ErHaoshebungen  für  zwei  Kalkgruben  (mit  dem  Fläcbenmasse  von  60  nM.  und  der  Tiefe  von 
•2  M.)  und  der  Kellerräume  für  die  Priorswohnung  mit  der  Fläche  von  500  QM.  und  in  der 
Tiefe  von  1  —  1  Ys  M.,  zwar  kein  altes  Mauerwerk,  wohl  aber  über  300  menschliche  Gerippe 
ausgehoben  wurden." 

1893.  Band  19,  Notiz  135,  Seite  243. 

{Gefässe  aus  Schipenitz,)  „Nach  Mittheilungen  des  Professors  E.  Kolbenheyer 
und  des  Landesnusschuss-Beisitzers  Nicolaus  Freiherrn  von  Mustatza  wurden  vor  kurzem 
in  Schipenitz,  einem  kleinen,   im  breiten  Pruththale    in    der  Nähe    der    galizisch-bukowini- 

schen  Gränze  fast 
eben  ,  gelegenen 
Orte,  vom  dorti- 
gen Lehrer  in- 
teressante Gefässe 
aufgedeckt.  Letz- 
terer stiess  näm- 
lich, als  er  im  In- 
nern seines  Vieh- 
stalles ein  Loch 
behufs  Aufstei- 
lens einer  Holz- 
säule aushub,  vor- 
erst auf  eine  ziem- 
lich     verwitterte 


Fig.  7. 


Ziegel-  (oder  gebrannte  Thon- y)Hchichte,  deren  seitliche  Begränzung  er,  nachdem  er  das  Loch 
bis  an  2  M.  Durchmesser  verbreitert  hatte,  noch  nicht  erreichen  konnte.  Der  Boden  erwies 
sich  bis  auf  die  Oberfläche,  d.  h.  bis  zum  Stallboden  als  fester  Letten.  Unterhalb  der  erwähnten 
ersten  Ziegelnchichte  stiess  er  wieder  auf  eine  Lettenschichte,  dann  auf  eine  zweite  Ziegel- 
Mihiehte.  unter  welcher  er  einen  mit  lockerem  Material,  Thonscherben  und  Ziegelbrocken  er- 
föHlcn  Kaum  aufdeckte,  der  überdies  mehrere  ganze  oder  aus  den  Scherben  ergänzbare  Thon- 
g<>fas8e  enthielt.  Die  Sohle  dieses  Raumes  lag  c.  2  M.  unter  dem  Stallfussboden.  Von  den  Ge- 
fässen  äbemahm  vorläufig  E.  Kolbenheyer  eine  Schüssel  und  zwei  Töpfe,  dann  Baron 
Mustatza  zwei  Töpfe.  Diese  Gefasse,  atis  feinem  Thon  mit  freier  Hand  angefertigt  und 
Mch  dem  Trocknen  mit  einem  scharfen  Instrumente  nachgebessert,  sind  unglasirt;  ihre  Ober- 
ääcbe  ist  jedoch  mit    einer    eigenartigen    Ornamentirung  versehen,  welche    in    den  Abbildungen 

Digitized  by  VjOOQIC 


116 


Aus   DEN    MlTTHSILÜNOEX  DEB   K.    K.    CENTRAL- CoMMISSION. 


developpirt  und  ziemlich  charakteristisch  zur  Anschauung  gebracht  ist.  Der  Hauptsache  nach 
besteht  das  Ornament  aus  verschieden  breiten,  flott  mit  dem  Pinsel  gezeichneten,  sich  kreuzen- 
den und  verschlingenden,  mehr  oder 
weniger  geraden  und  Kreis-Linien  und 
sind  die  dicken  Linien  mit  theils 
schon  verwitterter  schwarzbrauner,  die 
dünnen  Linien  mit  rothbrauner,  besser 
erhaltener  Farbe  hergestellt,  lieber 
die  dünnen  Striche,  welche  ein  noten- 
iinienartiges  Aussehen  zeigen,  sind 
bei  dem  einen  Oefässe  kurze  breitere 
Querstriche  mit  schwarzbrauner  Farbe 
gezeichnet.  Das  erste  Gefaaa,  Abbil- 
dung Fig.  8,  ist  eine  Schüssel  mit 
etwa  5—6  Mm.  starken  Wänden;  der 
lichte  Durchmesser  beträgt  27  Cm., 
die  Höhe  7*5  Cm.  Die  Bemalung  ist 
äusserlich  angebracht  und  zieht  sich 
sowohl  an  den  »Seiten  herum  als  über 
den  Boden.  Die  Töpfe  Fig.  7  und  9. 
haben  einen  lichten  Durchmesser  von 
10.  bezw.  8*5.  einen  Bauchdurchmes- 
ser von  15,  resp.  11,  einen  äusseren 
Bodendurchmesscr  von  5*5  und  4  und 
eine  Höhe  von  15  und  12  Cm.;  die 
Wanddicke  beträgt  3—4  Mm.  am  Bo- 
den und  in  den  Ecken  entsprechend 
mehr.  Bei  den  Töpfen  ist  nur  die 
obere,  äussere  Hälfte  bemalt.  —  Von 
Knochen  wurde  nichts  vorgefunden,  dagegen  soll  ein  weisses  Feuersteinmesser  von  9  Cm.  Länge, 
durchschnittlich  2  Cm.  Breite,  und  einer  grössten  Dicke  von  05  Cm.,  desesn  beide  Längskanten 
sägeartig  ausgesplittert  erscheinen,  ebenfalls  aus  dieser  Fundstelle  stammen.    Das  Terrain  neben 

der  letzteren,  derzeit  mit 
Kukunitz  bebaut  ißt  ganx 
eben  und  zeigt  keinerlei 
hügelartige  Erhebungen,  da- 
gegen ündet  man  hier  leichte 
Schlacken  u.  Asche.  Schrei- 
ber dieser  Zeilen  wird  dem- 
nächst mit  Br.  Mustat 7. a 
den  Fundort  besuchen  und 
für  das  Bukowiner  Landes- 
Museum  mit  grösster  Vor- 
sicht weitere  Grabungen  vornehmen  lassen.  Es  sei  bemerkt,  dass  Schipeuitz  in  der  Nähe  von 
Hlinitza  liegt,  in  welchem  Orte  sich  das  sogen.  Tartarenlager  betindet.  woselbst  ebenfalls  weisse 
im  Bukowiner  Landes-Museum  deponirte  Feuersteinsplitter  aufgedeckt  wurden.  Carl  A.  R  o  ui- 
s  t  o  rf  e  r.** 

1893.  Jahresbericht,  Seite  86. 

„Dr.  R.  F.  K  a  i  n  d  1  legte  das  fünfte  und  sechste  Heft  seiner  Publication  »Der  Buchen- 
wald« vor,** 

„Conservator  Profebsor    Komstorfer    übersendete    ein    Exemplar    seiner    Publication 
»Typen  der  landwirthschaftlichen  Bauten  in  der  Bukowina«.** 


Fig.  8. 


Fig.  9. 


Digitized  by 


Google 


Aus   DEN   MlTTHEILÜNGEN   DER   K     K.    CeNTBAL-CoMIHSSION.  117 

1893.  Jahredbericht,  Seite  40. 

„Conservator  Professor  Eomstorfer  berichtete  über  die  Eröffnung  und  das  erste 
Wirken  des  Landes-Museums  für  die  Bukowina  zu  Czernowitz." 

1893.  Jahresbericht,  Seite  52. 

„Dr.  R.  F.  K  a  i  n  d  1  berichtete  über  das  Mün^-Cabinet  der  Universität  zu  Cze r  n o  w  i  tz.** 

1893.  Jahresbericht,  Seite  62. 

„Dr.  R.  F.  Kaindl  übermittelte  einen  Bericht  über  prähistorische  Forschungen  in  der 
Bu  k  o  win  a.** 

1893.  Jahresbericht,  Seite  113. 

,,Das  Ministerium  machte  Mittheilung  über  die  beabsichtigte  Restuurirung  der  Miroutz- 
Kirche  zu  S  u  c  z  a  w  a.  Das  der  Central-Commission  übermittelte  Kestaurirungs-rroject  wurde 
^Is  durchaus  entsprechend  anerkannt.^ 

„Conservator  Professor  Komstorfer  berichtete  über  die  Klosterkirche  zu  W  o  r  o- 
n  e  t  z  und  über  Funde  in  Schipenitz.  Bezüglich  der  ersteren  Kirche  theilte  das  Ministe- 
rium mit,  dass  es  dieser  Kirche  wegen  und  wegen  jener  zu  W  a  t  r  a  -  M  o  1  d  a  w  i  t  z  a  die  An- 
träge der  Central-Commission  zur  vollen  Würdigung  empfohlen  hat.** 

„Das  Ministerium  machte  Mittheilung  über  einige  Massnahmen  an  der  griechisch-orien- 
talischen Kirche  zu  R  e  v  n  a.** 

1894.  Band  20,  Seite  43. 

(Die  griechisch-orientalische  ehemalige  Klostericirche  in  Woronetz.)    von 

Conservator  Carl.  A.  Romstorfe  r.  (Mit  2  Text-Illustrationen  und  1  Tafel). 

1894.  Band  20,  Notiz  2,  Seite  49. 

(Neuere  interessante  Funde  in  der  Bukowina^  beziehungsweise  Erweichungen 
des  Landes-Museums.)  „in  Fortsetzung  meiner  im  Jahrgang  1889  der  „Mittheilungen- 
13.  Band,  S.  32  „Funde  in  der  Bukowina"  und  Notiz  36,  S.  54),  1890  (16.  Band,  Notiz  6, 
S.  69  und  Notiz  18,  S.  77),  1891  (17.  Band,  Notiz  175,  S.  183  und  Notiz  196,  S.  188)  und 
1893  (19.  Band,  Notiz  1,  S.  65)  erschienenen  Fundberichte,  sowie  der  Abhandlung:  „Sereth 
als  Fundort  archäologischer  Gegenstände"  (1890,  Band  17,  S.  80),  endlich  meines  jüngsten  Be- 
richtes über  „Gefasse  aus  Schipenitz"  sei  im  Nachfolgenden  über  einige  neuere  interessante 
Funde  in  unserem  Kronlande,  beziehungsweise  über  neue  Erwerbungen  des  Bukowiner  Landes- 
Museums  kurz  berichtet.  Vorausgeschickt  sei,  dass  die  Anthropologische  Gesellschaft  in  Wien 
im  Einvernehmen  mit  unserem  Museums-Vereine  im  August  und  September  1893  durch  den 
Custos  am  k.  und  k.  Hofmuseum  Herrn  Josef  Szorabathy  prähistorische  Forschungen  vor- 
nehmen Hess,  an  welchen  in  Vertretung  des  Landes-Museums  das  Curatoriumsmitglied  Nikolaus 
Freiherr  von  M  u  s  t  a  t  z  a  und  ich  als  Schriftführer  des  Museums  nach  Thunlichkeit  theil- 
nahmen  und,  im  Vereine  mit  einzelnen  Herren  in  den  verschiedenen  Orten,  dem  Forscher  hin- 
sichtlich der  localen  Vorarbeiten  an  die  Hand  zu  gehen  trachteten. 

Szombathy  setzte  zuerst  die  Grabungen  in  Schipenitz  fort,  an  welchem  Fundorte 
er  neben  zahlreichen  Gefässen  von  10  Cm.  Durchmesser  an  und  Scherben  zu  Gelassen  bis  zu 
70  Cm.  Durchmesser,  Asche.  Kohlenresten,  gebrannten  Thonstücken  und  Feuersteinsplittern  und 
Werkzeugen  noch    eine  Feuersteinschlagkugel,  Thierknochen    und  kleine  Broncestückchen    fand. 

Von  den  Mobilen,  deren  die  Bukowina  wohl  einige  Hundert  (ausser  den  zahlreichen 
lediglich  als  „Gränzhügel**  bezeichneten)  besitzt,  u.  zw.  mit  ciuem  Durchmesser  zwischen  15 
und  20  M.  und  einer  durchschnittlichen  Höhe  von  etwa  1*/«  M.,  wurden  fünf  Tumuli  in  H  1  i- 
boka  und  Horodnik  von  H.  v.  Szombathy  vollständig  durchforscht.  Die  Ausgrabung 
ergab,  das»  dieselben  keineswegs,  wie  vielfach  angenommen  wurde,  Massengräber  aus  der  Zeit 
der  polnisch-walachischen  Kriege,  sondern  vielmehr  weit  älteren  Datums  sind  und  wohl  immer 
nur  die  Ueberreste  je  einer,  selten  mehrerer  Personen  enthielten.  Es  fanden  sich,  m<,'ist  unter 
einer  nur  1  bis  2  Cm.  dicken  bituminösen  Schichte,  theils  gebrannte  Thonstücke,  zahlreiche 
Gefissscherben  und  mehr  oder  weniger  erhaltene  Thonuruen    mit  Leichen  b  ran  d,  theils  ein 


Digitized  by 


Google 


118  Aus    DEN    MlTTHEILüNGEN   DER   K.    K.    CENTRAL- COMMIS8ION. 

Skelet  ohne,  bzw.  mit  tiefer  liegendem  Leichenbrand,  ein  Steinhammer,  eine  an  den  Ecken 
durchlochte  nur  10  Cm.  lange  Steinplatte,  einige  Feuersteine  und  in  einem  Falle  ein  kleinesi 
messerartiges  Eisenwerkzeug.  —  Zahlreiche  früher  theils  vom  Conservator  K 1  a  u  s  e  r,  th^8 
auch  von  Bauern,  von  letzteren  allerdings  unvollkommen  durchgeführte  Grabungen  an  Mobilen 
ergaben  meist  ein  negatives  Resultat.  —  Die  Grabungen  an  den  mit  drei  gerundeten  unter  sich 
nahezu  parallel  laufenden  Wällen  des  Hügels  „Zamczyste"  bei  Hliboka  ergaben  Scherben  älteren 
Charakters  und  ein  leider  in  Trümmer  gegangenes  Spinnwirtl  aus  gebranntem  Thon,  dann  Topf- 
Hcherben  und  drei  Feuerstein späne.  Am  „Sad**  bei  Hliboka,  an  welchen  Ort  sich  wie  an  die 
Tumuli  dieser  Gegend  Volk&sagen  knüpfen  und  welcher  speciell  ein  „uralter  Friedhof-*  sein  solK 
fanden  sich  nur  einige  TopfstOckchen  aus  jüngerer  Zeit. 

In  dem  südlich  den  8ad  abschliessenden  Wasserriss  haben  Hauern  vor  xwei  Jaliren  nach 
einem  Regengüsse  zwei  grosse  Goldringe  gefunden,  welche  nach  Angabe  4  Cm.  im 
Durchmesser  hatten  und  nach  der  Beschreibung  genau  die  Fonn  und  Omamentirung  durch 
eingegrabene  kurze  Striche  besassen,  wie  sie  an  den  meisten  broncenen  Amispangen  vorkommen. 
An  ihrer  dicksten  Stelle  betrug  ihr  Durchmesser  etwa  4— 1>  Mm.  Sie  gelangten  in  den  Besitz 
des  F<)rsters  Julius  E 1  n  e  i  n  in  Hliboka,  welcher  angibt  sie  an  einen  Goldarl>eiter  verkauft 
zu  haben. 

Alis  derselben  Gegend,  nämlich  aus  dem  Walde  von  Hliboka«  stammen  fünf  offene 
kleinere  Goldringe  mit  einem  Durchmesser  von  1 7*  bis  1 7«  Cm.  und  einer  groästen 
Dicke  von  27^  Mm.  Die  Form  einschliesslich  der  Omamentirung  gleicht  ebenfalls  der  der 
meisten  Bronce-Armspaugen.  Man  fand  die  Ringe,  welche  sich  dermalen  im  Landes-Museum 
befinden  und  Eigenthum  der  Frau  Olga  von  Grigorcea  sind,  vor  einigen  Jahren. 

Zahlreich  sind  die  .Steingeräthe,  von  welchen  einiger  bereits  oben  Erwähnung  geschah. 
Das  Interessanteste  dürfte  wohl  das  von  Fmu  S.  Za/oziecka  gespendete  Steinbeil  sein, 
welches  eine  sehr  regelmässige  Bearbeitung  bei  der  bedeutenden  Länge  von  23  Cm.  zeigt.  Drei 
andere  Steinbeile  kleiner  Sorte  stammen  aus  der  Gegend  von  Kotz  man;  eines  hievon 
wurde  1872  vom  Lehrer  Procopowicz  gefunden,  von  den  beiden  übrigen,  wohl  auch  zur 
selben  Zeit  aufgefunden,  sind  nur  Stücke  vorhanden.  Nicolaus  Baron  Mustatza  widmete 
ein  hübsches  aus  O  n  u  t  h  stammendes  schlankes  Steinbeil,  das  lOV«'  Cm.  lang  ist  und 
eine  grösste  Dicke  von  nur  l'/4  Cm.  besitzt,  sowie  ein  zweites,  in  Czernowitz  (Waggasse) 
ausgegrabenes  von  plumper  Form  und  12  Cm.  Länge,  4  Cm.  Schneidelänge  und  27s  Cm. 
grösster  Dicke.  Eine  Feuersteinschlagkuge'l  stammt  aus  Kotzman,  Feuerstein- 
splitter, mehr  oder  weniger  bearbeitet,  kamen  dem  Museum  eben  aus  Kotzman  und  Dymka 
(Huf  dem  Felde  des  J.  Frycki  im  heurigen  Frühjahre  ausgeackert)  zu.  Ein  grosser  grüner 
Steinhammer,  Eigentbum  A.  IsseccscuTs,  bereicherte  kürzlich  die  Sammlungen;  eine 
S  t  c  i  n  k  u  g  e  1  jüngeren  Alters  spendete  W.  Schmidt  in  Suczawa. 

An  B  r  o  n  c  e  n  sind  ein  aus  Kotzman  stammender  K  e  1 1,  dann  ein  von  Frau  C.  von 
B  u  b  e  r  1  in  Bol>estie  gespendeter  Armring  zu  verzeichnen. 

Ausser  den  bereits  eingangs  erwähnten  Thongefässen  und  Scherben  ist  noch  ein  ganz 
kleines  ca.  8  Cm.  hohes  Gefdss  mit  zwei  durchlochten  als  Oehren  dienenden  Ansätzen  versehen, 
aus  Kotzman  stammend,  interessant.     Carl  A.  Rom  st  orfer,  k.  k.  Conservator.** 

1894.  Band  20,  Seite  80. 

(Die  Kirchenbauten  in  der  Buicowina.)  vonConser\ator  cari  a.  uomstorfer. 

I.  (Einleitung,  1.  Geschichtlicher  Überblick).  Fortsetzung  folgt. 

1894.  Band  20.  Notiz  77.  Seite  115. 

(Bericht  über  im  August  1893  in  der  Bukowina  vorgenommene  prähisto- 
rische Forschungen.)  ^Die  Anthropologische  Gesellschaft  in  Wien  hat  schon  im  Jahre 
1892  den  Beschliiss  gefasst,  in  der  Bukowina  Ausgrabungen  vorzunehmen.  In  diesem  Friib- 
linge  leitete  sie  sodann  durch  den  Unterzeichneten  mit  dem  Bukowinaer  Landes-Museum  die 
bezüglichen  Unterhandlungen  ein.  Am  15.  August  traf  Herr  Ciistos  J.  Szombathy  hier  ein, 
um  in  Begleitung  des  Unterzeichneten  die  Forschungen  in  Angrirt'  zu  nehmen.  Zunächst  wurde 
l)fschlo^sen,  in  S  c  h  i  p  e  n  i  t /.,  wo  um  Ostern  mehrere  Funde  gemacht  worden  waren,  syste- 
matische Grabungen  vorzunehmen.  Diesielben  wurden  am  Donnerstag  den  17.  und  hierauf  am 
19.  August  durchgeführt.     Die  Forschungen  ergaben,  dass  im  nordwestliche»  Gebiet»  von  Schi- 

Digitized  by  VjOOQIC 


Aus    DKN   MiTTHBniüNGEN    DKP    K.    K.    CeNTRAL-CoMMISSION.  119 

penitz  eine  Ansiedlung  (wohl  aus  der  älteren  Bronzezeit)  durch  Feuer  zerstört  worden  Bei.  In 
einer  Tiefe  von  50  Cm.  his  2  M.  finden  sich  urtzählige  gut  gebrannte  Gefässscherben,  femer 
beträchtliche  Mengen  von  durch  daB  Feuer  gerötheter  Lehmverkleidung  ruthengeflochtener  Wände, 
bedeutende  Aschenlager,  Thierknochen,  endlich  spärliche  Feuersteinsplitter.  Spätere  von  Baron 
MttBtatza  vorgenommene  Nachforschungen  fitrderten  auch  das  Bruchstück  eines  kleinen 
Bronzegefässes  und  ein  zusammengeschmolzenes  BronzestQck  zutage. 

Vom  23.  bis  29.  August  wurden  hierauf  die  in  H 1  i  b  o  k  a  und  den  Nachbardörfern 
vorhandenen  Tumuli  —  etwa  80  —  aufgenommen  und  zwei  derselben  durchforscht.  Dieselben 
maiisen  etwa  15  M.  im  Durchmesser.  Es  sind  Brandgräber;  zwischen  dem  anstehenden  Ertl- 
reiche  und  dem  aufgeschaufelten  Hügel  war  die  Brandschichte  deutlich  bemerkbar.  In  einem 
derselben  fanden  sich  ausser  Kohle,  Asche  und  zahlreichen  Topfscherben  ^or  allem  neun  Thon- 
gefanse,  welche  im  Centrum  des  Tumulus  standen  und  imter  denen  in  einer  kleinen  Vertiefung 
sich  die  zusammengescharrten  caicinirten  KnochenUberreste  fanden.  In  dem  zweiten  Grabhügel 
fanden  sich,  abgesehen  von  Kohle,  Asche  und  den  Scherben,  noch  ein  eisernes  kleines  Messer 
und  Bwei  Thongefässe,  von  denen  das  eine  mit  den  Knochenresten  gefüllt  war.  Femer  würde 
in  H  1  i  b  o  k  a  die  als  „Starvisad**  }>ezeichnete  Oertlichkeit  untersucht  und  daselbst  an  einer 
Stelle  in  der  Tiefe  von  etwa  80  Cm.  mittelalterliche  Topfscherben  und  gebrannte  Wandbewurf- 
stücke  gefunden.  Hierauf  wurden  Ausgrabungen  am  sogenannten  Zamczeszcze  ausgefilhrt. 
Dasselbe  besteht  aus  drei  concentrisch  angeordneten  Wällen,  welche  das  abstürzende  Ende  eines 
Bergrückens  abschliessen.  Gefunden  wurden  Feuersteinspäne,  zum  Theil  sehr  dicke  Gefass- 
scherben  und  Kohle. 

Schliepslich  wurden  von  den  zahlreichen  Grabbügeln  (etwa  50),  welche  sich  von  üntcr- 
Horodnik  gegen  Voitinell  hinziehen,  in  der  Zeit  vom  30.  August  bis  1.  September  drei  unter- 
sucht. Es  sind  Skeletgräber  aus  der  jüngeren  Steinzeit.  Gefunden  wurden  ausser  einzelnen 
KnochenstUcken  noch  Kohle,  Topfscherben,  Feuersteinsplitter,  ferner  eine  Steinplatte  mit  vier 
Bohr)r>chern  und  ein  durchbclhrtes  steinernes  Hamnierbeii. 

Alle  Fundgegenstände  wurden  zunächst  nach  Wien  an  das  k.  k.  naturhistorischc  Museum 
gesandt;  doch  wird  ein  Theil  an  das  Landes-Museum  zurückgelangen.   Dr.  R.  F.  Kaindl." 


der  Conservatoren  und  Correspondenten  der  k.  k.  Central-Commission. 

In  dem  Stande  äer  Conservatoren  und  Correspondenten  in  der  Bukowina  ist  seit  dem 
Vorjahre  keine  Änderung  eingetreten.  Zu  dem  im  Jahrbuche  1893  enthaltenen  Ver/^ichnisse 
ist  zu  bemerken,  dass  der  ehemalige  Conservator  A.  M  i  k  u  1  i  t  s  c  h  als  solcher  l>ereit«  im  .lahr- 
biiche  185G  der  k.  k.  Central-Commission  genannt  wird. 

a)    Conservatoren. 

Isopescul  Demeter,  k.  k.  Schulrath,  Director  der  Lehrerbildungsanstalt  in  Czemowitz; 
nir  die  III.  Section,  seit  1875;  wiederbestätigt  mit  Min.-Erl.  vom  24.  März  1890,  Z.  3278. 

Klauser  Heinrich,  k.  k.  Schulrath,  Gymiiasial-Director  in  Kadautz;  für  die  1.  Serlion, 
«eit  1887;  wiederbestätigt  mit  Min.-Erl.  vom  20.  Jänner  1892,  Z.  27489  ex  1891. 

Romstorfer  Carl  A.,  Architekt  und  k.  k.  Gewerbeschul- Professor  in  Czemowitz;  für 
die  II.  Section,  seit  1888;  wieder  bestätigt  mit  Min.-Erl.  vom  27.  April  1893,  Z.  7804. 

b)  Correspondenten. 
(i  e  t  z  1  i  n  g  e  r  Leopold,  Dr.,  k.  k.  Bezirksarzt  in  WiÄnitz,  seit  1881. 
Neu  mann  Ferdinand,  k.  k.  Baurath  i.  Pi  in  Czemowitz,  seit  i871. 
Kluczenko  Basil,  Dr.,  k.  k.  Sanitätsrath  in  Czemowitz,  seit  1883. 
Stefan  clli  Theodor,  k.  k.  Bezirksrichter  in  Kimpolung,  seit  1880, 
Laizner  Josef,  k.  k.  CJewerbeschul-Director  in  Czemowitz,  seit  1888. 
Schmidt  Wilhelm,  k.  k.  emer.  Gymnasial -Professor  in  Suczawa,  seit  1889. 
Olinski-Olinescu  Dionys,  k  k.  Finanz-Concipist  i.  F.,  z.  Z.  in  Bukarest,  seit  1891. 
Polek  Johann,  Dr.,  k.  k.    Universitäts-Bibliolheks-Custos  in  Czemowitz,  seit  1893. 

.^^ — - 

Digitized  by  VriOOQlC 


Vermischtes. 


(Alexander  Freiherr  von  Wassilko-Serecki.)  Das  Hnkowiner  Landes-Miiseum  erlitt  einen 
»ehr  schweren  Verlust  durch  das  am  20.  August  1893  in  Lopuszna  l>ei  Berhometh  a.  S.  erfolgte 
pliUzliche  Hinscheiden  8r.  Kxcellenz  des  Herrn  Alexander  Freiherrn  v.  Wassilko- 
Screcki,  welcher  in  seiner  Eigenschaft  als  Landeshauptmann,  u.  zw.  Im  Jahre  1892,  als 
erster  die  Stelle  eines  Obmannes  des  Curatoriums  des  Landes -Museums  bekleidete  und  als  solcher 
das  Museum  in  thatkräftigster  Weise  unterstützte.  —  Alexander  Freiherr  v.  Wassilko-Serecki 
wurde  als  Sohn  des  Freiherm  Georg  Wassilko  am  29.  Dezember  1827  in  Berhometh  am  Sereth 
geboren,  studirte  das  Gymnasium  und  die  Philosophie  in  Czemowitz  und  absolvirte  im  Jahre 
1849  die  juridischen  Studien  an  der  Universität  in  Lemberg.  In  die  Heiraath  zurückgekehrt, 
vermählte  er  sich  mit  Katinka  von  F 1  o  n  d  o  r  und  widmete  sich  der  Verwaltung  seines  (»iil*- 
liesitze«.  Auf  die  politische  Bühne  trat  Alexander  Baron  Wassilko  bald  nach  Beginn  der  ver 
fassnngsmjissigen  Aera;  im  Jahre  1862  wurde  er  als  Landtagsabgeordneter  ans  dem  zweiten 
WahlkiVrper  des  Grossgrundbesitzes,  seit  dem  Jahre  1870  als  Vertreter  der  Landgemeinden  des 
Bezirkes  Wi^itz  gewählt.  Im  Jahre  1870  wurde  er  zum  Landeshauptraanne  ernannt,  welchen 
Posten  er  bis  zu  der  im  Jahre  1871  erfolgten  Auflösung  des  Landtages  bekleidete.  Vom  Jahre 
1884,  neuerdings  zum  Landeshauptmanne  ernannt,  hatte  er  diese  Stelle  bis  zu  der  im  Febniar 
1892  erfolgten  Auflösung  des  Landtages,  beziehungsweise  zu  dem  im  September  1892  erfolgten 
Zusammentritt  des  neugewählten  Landtages  inne.  Im  Jahre  1808  wurde  Alexander  Baron  Was- 
silko-Serecki  zum  lebenslänglichen  Mitgliede  des  Herrenhauses  berufen,  im  Jahre  1885  mit  dem 
Orden  der  eisernen  Krone  zweiter  Klasse  ausgezeichnet  und  im  Jahre  1888  zum  wirklichen  ge- 
heimen Rathe  ernannt. 

(Zur  Errichtung  eines  Landes-Rluseumsgebäudes  In  Czernowitz.)  In  der  am  6.  Mai  i894 
abgehaltenen  dritten  Curatoriumssitzung  nahm  Herr  i^nton  Ritter  von  Kochanowski,  Bür- 
germeister von  Czemowitz,  welcher  als  erster  Stellvertreter  des  in  Folge  der  Reichsrathssession 
eben  in  Wien  gewesenen  Obmannes  des  Curatoriums,  Herrn  Landeshauptraanne  Johann  L  o  p  u  1. 
den  Vorsitz  führte,  vor  Übergang  zur  Tagesordnung  das  Wort  zu  dem  nachstehenden,  von  den 
Anwesenden  mit  grösstem  Beifalle  begrüssten  und  ohne  Debatte  einstimmig  zum  Beschlüsse  er- 
hobenen Antrage:  „Das  Bukowiner  Landes-Museum  wird  alle  seine  Kräfte  aufbieten,  um  d»s 
fünfzigjährige  Regierungs-Jubiläum  Seiner  Majestät  unseres  Kaisers  und  Herrn  Franz  Josef  L. 
des  ersten  Förderers  von  Wissenschaft  und  Kunst  in  unserem  Vaterlahde,  durch  Errichtung 
eines  der  Wissenschaft  und  der  Landeskunde  gewidmeten  Museumsgebäudes  zu  feiern,  welches 
den  Namen  des  Allerhöchsten  Herrn  —  Francisco-Josephinum  —  tragen  soll*. 

Die  Idee,  das  Bukowiner  Landes-Museum  in  dem  in  Krrichtung  begriffenen  Gewerbe- 
Museumsgebäude  unterzubringen,*)  musste,  in  Anbetracht  des  für  da88ell>e  zur  Verfügung  ste- 
henden, verhältnismässig  kleinen  Bauplatzes  fallen  gelassen  werden. 

Das  mit  der  Durchfllhrung  der  Vorarbeiten  für  den  Museumsbau  betraute  Comite.  beste- 
hend aus  dem  Obmanne  des  Curatoriums,  Herrn  Landeshauptraanne  Johann  L  u  p  u  1  als  Vor- 
sitzenden und  der  Museunisleitung,  d.  i.  den  Herren  Museumsleiter  Demeter  Isopescul  und 
den  Custoden  Dr.  Josef  Frank,  Erich  K  o  1  b  e  n  h  e  y  e  r,  Dr.  .Johann  P  o  1  e  k  und  Carl  A. 
Romstorfe r,  das  sich  durch    die    Landes-Museums-Mitglieder    Anton    Ritter    von    Kocha- 


*)  Vergleiche  die  bezügliche  Notiz  im  Jahrbuche  1893  Seite  82. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Vermischtes.  121 

n  o  \v  s  k  i,  NicolaiiB  Fretherm  von  M  n  s  t  a  t  z  a,  Dn  Josef  R  o  1 1  und  David  T  i  1 1  i  n  g  e  r  ver- 
Ktärkie,  beschloss  in  seiner  Sitzung  vom  20.  Juni  v.  J.  einstimmig,  den  Gemeinderatii  von  CV.er- 
nowitz  um  kostenlose  Überlassung  des  für  den  Museumsbau  in  jeder  Beziehung  als  am  geeig- 
netst  erscheinenden  in  der  Siebenbörgerstrasöe,  Orient.-Nr.  35  und  87  gelegenen  Bauplatzes  unter 
Vorlage  eines  Bauprojeetes  anzugehen.  Gleichzeitig  wurden  die  Herren  Ingenieur  Prof.  K  o  1- 
benheyer  und  Architekt  Prof.  Romstorfer  ersucht,  im  Einvernehmen  mit  den  übrigen 
Oiistoden,  Herren  Dr.  Frank  und  Dr.  P  o  1  o  k,  das  Bauprojekt  auszuat  betten.  Bei  Verfassung 
des  letzteren  nun  kamen  den  Projectanten  die  Kathschläge  zu  Gute,  welche  von  dem  eben  in 
Czemowitz  anwesenden  k.  u.  k.  Custos  vom  Nalurhistorischen  Hofmuseum  in  Wien,  Herrn  Josef 
Szoroba.,hy,  erbeten  und  von  demselben  in  bereitwilligster  Weise  ertheilt  wurden.  Da« 
Gesnch  an  den  Gemeinderath  wurde  am  ü.  .August  Olierreicht;  es  ist  zu  hoffen,  dass  es  im  gün- 
stigen Sinne  Iwld  erledigt  wird. 

(Prähistorische  Forschungen  in  der  Bukowina,  1893.)  In  dem  Jahresberichte  der  An- 
thropologischen Gesellschaft  in  Wien  für  1893  bemerkt  hierüber  der  Präsident  Herr  Ferdinand 
Freiherr  v.  A  n  d  r  i  a  n  -  W  e  r  b  u  r  g.  folgendes :  „Die  Angriffnahme  der  prähistorischen  Studien 
in  der  Bukowina  wurde  langst  von  unserem  Specialcomite  für  praktische  Arlieiten  als  eine  der 
dringendsten  Aufgaben  unserer  Gesellschaft  bezeichnet.  Herrn  Custos  Szorabathy,  dem  thä- 
thigsten  Mitgliede  dieses  Comites,  gebührt  das  Verdienst,  dieses  Postulat  durchgeführt  zu  haben. 
Von  Behörden  und  Privaten  in  reidistem  Masse  unterstützt,  besuchte  derselbe  von  Czemowitz 
aus  die  Punkte  Hliboka,  Kadautz,  Horodnik,  Suczawa,  Hatua,  Calinesti,  Sereth.  Hadikfalva, 
Schipenitz  und  Hlinitza.  Kr  eriiifnete  die  ncolithischen  Tumuli  von  Horodnik  bei  Radautz  und 
die  grossartige,  durch  verschiedene  Perioden  reichende  Ansiedelung  von  %Schipenitz  und  unter- 
suchte die  riSmlschen  Tumuli  von  Hliboka,  sowie  die  ßurgwälle  von  Hliboka  und  Hlinitza.  Als 
l>e»onders  werthvoll  erwies  sich  dabei  die  Mithilfe  des  Herrn  Conservators  C.  Romstorf  er, 
dnrch  dessen  Localkenntniss  eine  rasche  Orientirung  behufs  Eröffnung  von  aussichtsreichen 
Grabungen  ermöglicht  wurde.  Dank  diesem  einträchtigen  Zusammenwirken  der  verschiedenen 
liemfenen  Factoren  wurde  in  relativ  kurzer  Zeit  ein  Forschungsgebiet  erschlossen,  welches  sich 
viel  ergiebiger  zeigte,  als  man  früher  anzunehmen  geneigt  war.  Sollte  Herr  %Szombathy, 
wie  wir  hoffen,  auch  in  diesem  Jahre  seine  Arbeiten  in  der  Bukowina  fortzusetzen  in  der  Lage 
sein,  so  wird  bei  dem  lebhaften  Interesse  aller  Kreise  in  der  Bukowina  ein  Centrum  für  nclho- 
dische  und  prähistorische  Forschung  entstehen,  welches  die  Entwicklung  des  Landesmnseums 
auch  nach  dieser  Richtung  hin  kräftigst  fördern  kann.** 

(GoldSChmuck  aus  Merizei.)  über  denselben,  welcher  im  Jahrbuche  189.3,  Seite  70,  be- 
gehrieben und  abgebildet  erscheint  und  welchen  das  Bukowiner  I^ndes-Museum  über  gutige  In- 
tervention seines  Mitgliedes,  des  Herrn  k.  k.  Bauadjunkten  A.  Issecescul  erworben  hat, 
schreibt  Herr  Dr.  M.  Much  in  den  ,,Mittheilungen  der  Anthropologischen  Gesellschaft"  1894, 
Seite  [28]:  „Conservator  Romstorfer  Ijerichtete  an  die  k.  k.  Central-Commission  Ql>er  den 
Fond  eines  Goldschmnckes  aus  Merizei  in  der  Bukowina,  in  welcher  Gegend  schon  früher  Gold- 
g^enstande  an  den  T)Rg  gekommen  sind.  Bemerkens  wer  th  an  diesem  Funde  ist  wesentlich  die 
technische  Herstellung  der  Ornamente,  welche  aus  in  Zellen  eingefügten  Almantinplättchen  be- 
stehen und  lebhaft  an  den  Goldfund  auf  der  Puszta  Bakod  bei  Kalocza  in  Ungarn  und  an  den 
l>ernhraten  Fund  von  Petroasa  in  Rumänien  erinnern. 

(Die  Bukowina  im  Kronprinzen  werke.)  Unter  dem  Vorsitze  des  Leiters  der  k.  k.  Bukowiner 
Landesregierung  Herrn  k.  k.  Hofrathe  Grafen  G  o  e  ß  fand  am  7.  .luli  die  constituirende  Versamm- 
lang der  literarischen  Mitarbeiter  für  den  Band  Bukowina  des  Werkes:  „Die  österreichisch- 
angarischen  Monarchie  in  Wort  und  Bild"  und  im  Beisein  des  Redakteurs  des  Werkes,  Herrn 
k.  k.  Hofrathe  Dr.  Ritter  v.  Zeissberg  statt.  Herr  Graf  GoeO  begrüsste  die  anwesenden 
Herren  and  kennzeichnete  unter  besonderer  Hervorhebung  der  Bedeutung  des  Kronprinzenwerkes 
für  jeden  Österreicher  den  Zweck  der  Versammlung.  Er  verlas  sodann  ein  von  Ihrer  k.  u.  k. 
Hoheit  der  durchlauchtigsten  Frau  Kronprinzessin- Wittwe  Erzherzogin  Stefanie  aus  Fran- 
zensbad eingelangtes  Telegramm,  welches  lautet:  „Frohen  Herzens  ergreife  ich  wieder  die  Gele- 
genheit, da  eine  Reihe  bewährter  Kräfte  sich    zu    einem    vaterländischen    schönen    Zwecke    ver- 


Digitized  by 


Google 


122  Vermischtes. 

einigt,  um  alle  Jene,  die  sich  an  der  heutigen  Sitzung  betheiligen,  uiit  hestein  Grusse  wärniatens 
willkommen  zu  heissen.  Seien  Sie,  meine  Herren,  überzeugt,  daüs  ein  jeder  neu  entstehende 
Band  unserem  Werkes  mein  Interesse  unverändert  rege  liält  und  mich  Ihre  Arbeiten,  Ihre  Bemü- 
hungen, Ihre  Ausdauer  fortdauernd  mit  patriotischer  Genugthuung  und  neuer,  aufrichtiger 
Freude  erfüllen.  Stephanie/'  IJer  Herr  Landeschef  übersendete  hierauf  das  nachstehende  Dauk- 
telegramm  an  Ihre  k.  u.  k.  Hoheit  ab:  .,Die  Mitarbeiter  an  dem  der  Bukowina  gewidmeten 
Bande  des  Werkes  „Die  österreichisch-ungarische  Monarchie  in  Wort  und  Bild'*  erlauben  sich 
hiemit  Euerer  kaiserlichen  Hoheit  den  unterthänigsten  Dank  für  die  so  überaus  ehrende  Begrus- 
sung  ihrer  constituirenden  Versammlung  darzubringen;  sie  fühlen  sich  ■  dadurch  ermuntert  im 
Dienste  jener  schJ^nen  Aufgabe,  die  ihnen  im  Hahmen  des  grossen,  patriotischen  Untemehmenh 
zufallt,  ihre  besten  Kräfte  zu  erproben  mit  jener  Hingebung  und  Begeisterung,  die  den  erhabenen 
Intentionen  Euerer  kaiserlichen  Hoheit  entspricht/' 

Die  einzelnen  Arbeiten  wurden  nun  in  nachstehender  Weise  endgiltig  vertheilt: 
Landschaftliche  Schilderung,  Professor  Ludwig  Adolf  S  i  m  i  g  i  n  o  w  i  c  z  -  S  t  a  u  f  e ; 
Vorgeschichte;  Custos  Josef  Szombathy  in  Wien; 
Landesgeschichte,  a)  vor  der  Vereinigung  (bis  1775),  Professor  Dr.  Demeter  v.  O  n  c  i  u  I.  b»  die 

Besitzergreifung,    Custos    Dr.    Johann    P  o  1  e  k,    c)    bis    zur    Gegenwart,    Kegierungsrath. 

Prof.  Dr.  Ferdinand  Zieglauer  v,   Blumenthal; 
der  hukovinisch  gr.-oi*.  Heligionsfond,  Prof.  Dr.  Isidor  Ritter  v,  Onciul; 
Volkskunde,  a)  physische  BeBchafi*enheit  der  Bevölkerung,  Regierungsrath  Dr.  Basil  Kluczenko. 

b)  Volksleben  der  Humanen,  Prof.  Dr.  Johann  S  b  i  e  r  a  und  Prof.  S.    Fl.    M  a  r  i  a  n  u. 

c)  Volksleben  der  Kuthenen,  gr.-or.  Pfarrer  Alexander  Manastyrski  in  Slobodzia- 
Banilla,  d)  Volksleben  der  Huzulen,  Dr.  K.  F.  K  a  i  n  d  I,  e)  die  Lipowaner,  gr.-or.  Pfarrer 
Demeter  D  a  n  in  Lui»n,  f)  Armenier  und  Zigeuner,  derselbe,  g)  die  Deutschen.  Cnstoe 
Dr.  Johann  P  o  1  e  k,  h)  die  Ungarn  und  Slowaken,  derselbe,  i)  Ortsanlagen  und  Woh- 
nungen (alle  Nationalitäten),  Architekt  Professor  ('arl  A.  Komst  orfer; 

Musik,  Professor  Isidor  Worobkiewicz; 

Literatur,  a)  rumänische  Literatur  und  Dialecte,  Prof.  Dr.  Johann  S  b  i  e  r  a,  b;  ruthenische  Li- 
teratur und  Dialecte,  Prof.  Dr.  Emil  Kafuiniacki,  c)  deutsche  Literatur,  Dr.  Rudolf 
W  o  l  k  a  n ; 
Bildende  Kunst:  Architektur  (einschliesslich  der  Burgen    und    Schlösser;,    Malerei    und    Plastik. 

Architekt  Professor  Carl  A.  R  o  m  h  t  o  r  f  e  r; 
Hausindustrie,  Ingenieur,  Professor  Erich  Kolbenheyer; 

Volkswirthschaften,  a)  Landwirthschaft  und  Viehzucht,  Landesrath  Anton  Zachar,  b)  Forat- 
wirthschaft,  Forstrath  Vincenz  E  c  k  l,  c)  Jagd  und  Fischerei.  Nicolaus  Freiherr  v.  M  u- 
s  t  a  t  z  a,  d)  Bergbau  und  Hüttenwesen,  Regierungsrath  Prof.  Friedrich  Kleinwächter. 
e)  Gewerbe,  Industrie,  Handel  und  Verkehr,  Handelskammer-Secretär  Dr.  Hubert  Wi- 
g  I  i  t  z  k  y. 

Von  den  22  Mitarl^itern  sind  neun  Mitglieder  des  Landes-Museums.  Eine  Anzahl  Objecte 
des  Landes-Museums  wird  im  Kronprinzenwerke  bildlich  zur  Aufnahme  gelangen  und  machte 
Herr  Hofrath  R.  v.  Z  e  i  s  s  b  e  r  g  gelegentlich  seines  Besuches  der  Sammlungen  selbst  noch  auf 
ein  oder  das  andere  diesbezügliche  Stück  aufmerksam.  Custos  Josef  Szombathy  veranstaltete 
für  diesen  Zweck  eine  fotografische  Aufnahme  interessanter  Fundgegenstände.  Zahlreiche  foto- 
grafische Aufnahmen,  ca.  140  Stück,  aus  allen  Theilen  der  Bukowina,  zumeist  von  Bau-  and 
Kunstobjecten,  fertigte  Professor  C.  A.  Romstorfer  an. 


'-^l^ß--^ 


Digitized  by 


Google 


Inhalts  -Verzeichnis. 


Seite 
Vortrag:*) 

Dr.  Jobano  Poiek:  „l^ie  ehemalige  russische  Münzstätte  in  Sadagura*", 
abgehalten  in  der  zweiten  Hauptversammlung  des  Bukowiner  Landes-Museums  am 
6.  Mai  1894  (mit  6  Abbildungen) 3 

Josef  Szombathy :    „Prähistorische     Recognoscierungstour     nach    der 

Bukowina  im  Jah  re  1893" 11 

Dr.  Raimimd  F.  Kaindl:  «Der    rumänische    arehäologiscbe  Verein   in    der 

Bukowina« 22 

Wütela  Schmidt:  „Eine  moldauische  Sturmfahne  dreihundertjähriger 

Vergangenheit** 25 

Dr.  iobaiin  PoIek:  „DieAnfängedesk.  k.  StaatsgestUtesKadautz''.        .    35 

Carl  A.  Roastorfer :  Aus  den  „Mittheilungen  der  k.  k.  Centrai-Commission'* 

(mit  3  Abbildungen) 116 

Vermischtes 120 


^'^'^cS^f^iri^^^ 


^^^^^ 


*)  Der  filr  das  heurige  Jahrbuch  zum  Abdrucke  in  Aussicht  genommene,  am  26.  März  1893 
I>.  Olinski-Olinescu  abgehaltene  Vortrag:  „Ergebnisse  der  archäologischen  For- 
Bchung  in  der  Bukowina**  entfällt,  da  Herr  Olinski-Olinescu  nach  Rumänien  übersiedelte 
und  in  seinem  neuen  Wirkungskreise  nicht  die  entsprechende  Müsse  fand,  den  Vortrag  nieder- 
ximch  reiben. 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


ini--^  .'rymtif/  ^ 


A 


fl/hrf^^^'^^^lXÖ'h^ 


JAHRBUCH 


des 


likowme;  Laadts-MQSiims 


*     7     '■ 


Dritter  Jahrgang. 

1895. 

Reclactions-Coniit^ : 


C.  Mandyczewski,  A.  Mikulicz,  Dr.  J.  Poiek 

(Curatoriums- Mitglieder) 
und 

C.  A.  Romstorfer 

(Schriftführer). 


Czernowitz,  1895. 

Co/nc  T  j  p  c)-  u.  L  i  t  h  u  j<  r.  des  E  r  z  b.  8  i  1  v.  M  o  rii  r  i  u  -  A  n  «l  r  i  e  w  i  <;  z. 
Verlaj?  «les  Biikowiner  I^ind<\<5-Mnseunis. 


Digitized  by 


Google 


Digitized  by 


Google 


JAHRBUCH 


des 


Dritter  Jahrgang. 

1895. 

Redactioiis-Coniit^ : 

C.  Mandyczewski,  A.  Mikulicz,  Dr.  J.  Poiek 

(Curatoriums-Mitglieder) 

und 

C.  A.  Romstorfer 

(Schriftführer). 


^ 


Czernowitz,  1895. 


C  o  n  c.  T  y  p  T)-  u.  L  i  t  li  o  ;r  r.  «l  es  Er  z  b.  S  i  1  v.  M  o  r  ii  r  i  u  -  A  n  d  r  i  e  w  i  <•  z. 

/Google 


Vorlag  de»  Bukowiner  [^ndOvS-Museums. 

Digitized  by  ^ 


Für  den  Inhalt  der  Artikel  sind  die    Verfasser  allein  verantwortlich. 


Digitized  by 


Google 


Ueber  die  Grenzregoliernng  der  Bukowina  zur  Zeit 
der  Vereinigung  mit  Oesterreicli.'' 

Vortrag,  gehalten  am  24.  März  1895  in  der  III.  Hauptversammlung  des    Ver- 
eines y^Bnkowiner  Landes- Museum^  von  Dr.   DANIEL   WERKNKA. 

Bekanntlich  erwarb  Oeston'eich  im  J.  1772  einzelne  Theile  des  fiiiheren 
Königreiches  Polen,  die  vereinigt  den  Namen  Königreich  Galizien  und  Lodo- 
merien  erhalten  haben.  Durch  diese  Erwerbung  sah  sich  Oesterreicli  in  die 
Xothwendigkeit  versetzt  aus  strategischen  und  politischen  Rücksichten  auch  einen 
Theil  der  Moldau  zu  erwerben.  Die  damaligen  i)olitischen  Verhältnisse  ermög- 
Uchten  auch  dieses,  so  dass  am  7.  Mai  1775  zwischen  Oesten-eich  und  der 
Türkei  ein  darauf  bezüglicher  Vertrag  zustande  kam,  der  die  Grundlage  zu  weiteren 
Verhandlungen  bildete.  Dieser  Vertrag  besteht  aus  4  Artikeln,^)  von  denen  uns 
hauptsächlich  der  erste  interessiert,  weil  er  im  allgemeinen  alles  enthält,  was 
die  Regulierung  unserer  Grenze  betrifft. 

Dieser  Artikel  lautet  in  deutscher  Uebersetzung  folgendermassen : 
i>In  Hinsicht  auf  die  freundschaftlichen  Vorstellungen  Ihrer  k.  und  k.  k. 
aiK>stolischen  Majestäten,  betreffend  das  Bedürfnis  einer  leichten  Verbindung  und 
eines  unmittelbaren  Angrenzens  zwischen  Siebenbürgen  und  den  Provinzen  von 
Galizien  und  Lodomerien,  welche  gegenwärtig  zufolge  ihrer  Wiedererlangung  von 
dem  polnischen  Könige  und  der  polnischen  Republik  im  Besitze  des  kaiserlichen 
Hofes  sind;  und  um  einen  unzweideutigen  Beweis  von  Freundschaft,  Zuneigung 
und  guter.  Nachbarschaft  zu  geben,  überlässt  die  hohe  Pforte  und  tritt  ab  dem 
kaiserlichen  Hofe  die  Landstriche,  welche  sich  erstrecken  einestheils  zwischen 
dem  Dniester,  Pokutien,  den  Grenzlanden  Ungarns  und  Siebenbürgens,  und 
welche  anderntheils  begrenzt  sind  durcli  die  im  nachstehenden  erklärten  und 
dargelegten  Grenzen  derart,  dass  das  oberwähnte  zwischen  den  genannten  Grenz- 
linien eingeschlossene  Gebiet  von  nun  an  für  immerwährende  Zeiten  voll  in  den 
Genuss  und  in  das  Eigenthum  des  kaiserlichen  Hofes  übergeht  Demzufolge 
werden  sowohl  Ihre  k.  und  k.  k.  apostolischen  Majesüiten,  als  auch  die  hohe 
Pforte  C  o  m  m  i  s  s  ä  r  e  bestimmen  und  a  b  s  e  n  d  e  n,  um  eii»e  Grenzlinie 
festzusetzen,  welche  in  klarer  und  genauer  Weise  die  Gebiete  der  beiden  Kaiser- 
reiche scheidet  und  um  Grenzen  zu  bestimmen  und  festzustellen,  welche  in  Zu- 


M  Die  darauf  bezügliche  Karte  wird  HpHU^r  j^druekt  wiM-den. 

*)  Dr.  1).  Werenka.  >Bukowinafl    Entstehen    und    Aufbhihen^    I.  Theil,    Archiv    fiir   «'»sterr. 
«•'»»fi^-h.   Bd.  lAXVlll.  1.  }Vd\ne  1892,  ö.  181,  182  (279,  280):    Avant  egard    aux    n>imWnfc\tionj; 

aink-ales  de  L.  L.  31.  M.  I.  et  I.  R.  A.  etc '  r^^^r^T^ 

Digitized  by  V:i(JOv  IC 


2  Werenra  : 

kiinft  den  wechselseitigen  Besitzungen  als  dauernde  Scheidelinie  dienen  sollen; 
und  da  ausgemacht  wurde,  dass  die  genannten  beiderseitigen  Commissäro  sich 
von  der  Grenze  Siebenburgens  bis  zum  Gebiete  von  Chotzim  an  die  Karte  halten 
sollen,  welche  seitens  seines  Hofes  der  Internuntius  und  bevollmächtigte  Minister 
Ihrer  k.  und  k.  k.  apostolischen  Majestäten  vorgewiesen,  und  die  die  hohe  Pforte 
ihrerseits  gleichfalls  angenommen  hat,  so  sollen  zwei  authentische  Copien  l)e- 
sagter  Karte  gemacht  werden,  von  welchen  die  eine  den  Commissären  Ihrer  k. 
und  k.  k.  apostoHschen  Majestäten  und  die  andere  den  Commissären  der  hohen 
Pforte  übergeben  werden  soll,  so  dass,  wenn  sie  an  das  Werk  der  Grenzbestim- 
mung gehen,  indem  sie  am  äussei-sten  Ende  Siebenbürgens,  bei  dem  Bache 
^>Tesna  impuziti«  beginnen,  und  nacheinander  die  Dörfer  Kandreny,  Stulpikani. 
Kapokodrului,  Suczava,  Siret  und  Tschernovitze  einbeziehen  und  jenseits  des 
Prut  vor  Tchernauka,  einem  im  Tchernovitzer  Bezirke  gelegenen  Orte,  der  inner- 
halb der  kaiserlichen  Grenzen  bleiben  soll,  bis  zum  Gebiete  von  Chotzim,  sie 
sich  an  die  oben  erwähnte  Karte  halten  sollen,  und  ohne  über  die  Ländemen 
hinauszugehen,  welche  daselbst  bezeichnet  sind,  sollen  sie  zur  Festsetzung  der 
Grenzen  geeignete  Punkte  auswählen,  um  neue  Streitigkeiten  zu  venneiden,  zu 
welchen  Zweifel  und  Unsicherheit  Anlass  geben  könnten,  und  sollei»  Sorge 
tragen,  die  vereinbarten  Grenzen  in  der  besten  und  passendsten  Weise  festzu- 
setzen. Was  die  weitere  Abgrenzung  der  Ländereien  bis  zum  Dniester  Ix^tritR. 
von  der  Stelle  an,  wo  das  Gebiet  von  Chotzim  mit  dem  Czernowitzer  Kreis 
sich  vereim'gt^  hat  man  sich  in  Uebereinstimmung  mit  den  zwei  Parteien  dies- 
bezüglich dahin  geeinigt  unter  der  B(»(lingung,  wenn  die  Commissäre  der  hohen 
Pforte  ausserhalb  des  Gel)ietes  von  Chotzim  vom  genannten  Punkt<^  bis  zum 
Dniester  gut  kennbare  Grenzlinien  angel)en,  welche  denjenigen  gleich  kommen, 
welche  gegenwärtig  die  Offiziere  des  kaiserlichen  Hofes  festgesetzt  haben,  die 
Commissäre  des  genannÜMi  Hofes  weder  Schwierigkeiten,  noch  Einspnich  er- 
helxMi  werden  dagegen,  dass  die  zur  Festung  Chotzim  gehörigen  Grundflächen 
wie  früher  im  Besitze  der  hohen  Pforte  verbleiben.« 

Die  in  diesem  Artikel  erwähnte  Karte, ^)  welche  der  Pforte  vorgelegt  wurde, 
wm*  von  Major  v.  Mieg  ausgearl)eitet  und  mit  Anmerkungen  bezüglich  einer 
natürlichen  Grenzlinie  gegen  die  Türkei  versehen.  Zur  Markierung  dieser  Linie 
bestimmte  Mieg  auch  19  Punkte,  welche  in  eineiu  anderen  Zusammenhange 
bereits  dargestellt  und  veröftenthcht  wurden.*) 

Auf  Grund  der  Conventions-Kai-te  erstreckte  sich  die  Grenzlinie  von  der 
Quelle  der  Tesna  impuzita,  längs  dieses  Baches,  fenier  Dorna  niare,  gtddene 
Bistritza,  Valea  Arama,  Raren,  Toderescu,  Valea  Riiboja,  Valea  Gemene,  Stul- 
))ikani,  La  Rus,  Dorothea,  Woronez,  Capu  Codrului,  Stupka,  Tolowa,  ül>er  Mogila, 
dann  den  Bergrücken,  welcher  sich  bei  Suczawa  gegen  die  Ruine  hinzieht.  Jen- 
seits <les  Suczawatiusses  über  Burdujeni    und  den  Bergrücken,  welcher  bis  Gni- 

*)  (fcnoml-Plan  «lor  nou  fixirti'n  (träntzlinio  (U\s  l^ukowinaor  Districts  von  8if»lK*nhui>!t*n  l'i- 
('/•'mauka  als  deu  l«4ztrii  Ort  <l«'s  Czomowitzcr  Distr'cts  mit  Ik^niorkimjjim  der  ersten  P(ws«^^ii »n- 
linie.  dann  einer  zweiÜMi  Linie  naeli  dor  Conventions-Karte,  endlieh  der  leUt  ausj^^telltoii  uvw^u 
(kränze,  v.  Major  Miejr  des  (ieneralstahs  Ix'arbeitet  und  «^'zeiehnet.*   1775.   1«  =  1820".  1  :  130.«HM». 

♦)  Dr.  I).  Wrrenka    lJukowina.s  Kntstelirn  und  Aufblühen^.  Beila^»e».  i 

Digitized  by  VriOOQlC 


Uebeb  die  Grenzreüuliebung.  •  3 

meschti  bei  Siret  reicht.  Von  letzterem  Orte  über  den  Siretiluss,  den  Berg- 
lüeken,  der  bei  Sinouz  gegen  Prohorod  streidit,  längs  des  Nikolniza-  und  De- 
rehluibaches  bis  zur  Mündung  desselben.  Ferner  längs  des  Prutflusses  bis  zur 
Einmündung  des  Stanalionibacbes ;  dann  diesen  aufwärts  bis  zur  Quelle  und 
den  Bergrücken  bis  zur  Vereinigung  der  Quellen  des  Hukeubacbes.  Die  Grenze 
von  diesem  Punkte  bis  zum  Dniesterflusse  blieb  noch  unentschieden. 

Die  Pforte  gieng  auf  die  Intentionen  Oesterreichs  ein,  acccptiei-te  im  all- 
gemeinen alles  und  bestimmte,  dass  eine  gemischte  Commission  im  Sinne  des 
I.  Artikels  der  Convention  die  Grenzlinie  genauer  feststelle. 

Vor  der  Ernennung  der  Commissäre  erheischten  aber  mancherlei  Rück- 
sichten ein  Vorschieben  der  österreichischen  Truppen  über  die  erwähnte  Linie, 
infolge  dessen  wir  eine  zweite  Grenzlinie  erhielten.  Diese  begann  am  Dniest^r 
von  Prewoi-odek  {bei  Chotzim)  und  zog  sich  hin  über  die  Kammhöhe  und  Dial 
Marc  Beresowa  bis  zur  Quelle  des  Rakitnabaches,  diesen  abwärts  bis  zur  Ein- 
mündung in  den  Prut;  den  Pnit  abwäi'ts  bis  zum  Einflüsse  des  Ternaukabaches ; 
diesen  aufwärts  bis  zur  Quelle.  Die  Gewässer  Turiatka-Molniza,  Siret,  Sa- 
muschu  mare  bis  in  die  Gegend  von  Sanmscliin  und  ein  unbedeutendes  Thal 
ergänzten  die  TJnie  bis  zum  Moldauflusse,  wobei  der  wichtige  (3rt  Baja  in  diese 
ein  bezogen  wurde. 

Von  der  Mündung  des  Bogat'i  bis  zum  Einflüsse  des  Slatiniascabaches 
in  die  Afoldau,  bildete  letztere  die  Grenzlinie.  Slatiniascabacli,  Muncelberg,  Vadu 
Ne^lesi,  Negi'ileasa,  Gemene-  und  Rabojathal,  Todorenscaberg,  <ler  Bergrücken 
des  Rai*eu,  Arama,  goldene  Bistriza-,  Niagra  Dorna-  und  KiHmanelthal  ergänzten 
die  Grenzlinie.^) 

Durch  letztere  Darstellung  erfäln't  aucli  das  Oilsverzeichnis  des  k.  k.  Ge- 
neralmajors V.  Spleny  vom  J.  1775  eine  Beleuchtung.") 

Zur  Regelung  der  Grenzverhältnisse  wurden  Commissäre  gewählt.  Oester- 
reich  wählte  den  Feld-Marschall-Lieutenant  Br.  Barco,  die  Pforte  Tahir  Agha. 
Dem  ei-steren  wurden  Major  v.  Mieg,  Hofsecretär  Jenisch,  Hauptmann  Scherz  und 
Dollraetsch  Klezl  beigegeben,  dem  letzteren  der  Ijegist  Molla  Mehmed  Effendi 
und  Secretär  Emin  Effendi. 

Von  der  Ernennung  der  Grenzcommissäre  bis  zu  ihrer  Zusammenkunft, 
die  am  1;].  Sept   1775  in  Baja  ')  stattfand,  vergingen  ungefähr  V/^  Monate. 

Am  13.  September  traf  Tahir  Agha  mit  seinem  Gefolge  in  Baja  ein  und 
wurde  von  Barco,  Mieg,  Jenisch  und  andern  Offizieren  empfangen.  Nach  gegen- 
seitiger Begrüssung  und  Auswechslung  der  Vollmachten  brach  die  Ommiission 
am    17.  Sept.  auf  und  en^eichte  am   19.  Sept.  Campidung. 

Am  21.  Sept  bestiegen  Barco  und  Tahir  den  Gipfel  des  Giumrdeuberges, 
um  die  Grenzlinie  von  dem  Tesnabnche  bis  zum  Moldauflusse  besser  in  Augen- 


**)  Splonv  >TiiMla",  Narhbonannt<'r  in  doni  Kav«.  Könijxl.  Buki>\viiu»r  District  sicli  Ih'HihI- 
lirlien  Ortwbaft<»n 

^)  Dr.  I).  WVrenka  -I)m'  Vi*rhaii<l'.unj^'ii  Oostoni'ii-lis  mit  thr  Türkoi'  hozüj^lirh  der  Er- 
w»'rbun|^  <l<»s  Hukowinor  Dis^trictÄ  nach  der  Convention  vom  7.  Mai  1775.  8«'paiMt-AlMlnick  ans 
«U-ni  17.  .JalmMlx'ricbti'  dvr  k.  k.  Stiiats-rnt*»m'alschule  im  V.  Bezirk««  von  Wien.  Wien  1S92. 
S.  7  ff.  .  «  .  ^-^  I 

Digitized  by  V:iOOQIC 


4  Werenka  2 

schein  nehmen  zu  können  und  Hessen  auf  den  dominierenden  Punkten  Feuer 
anzünden. 

Da  Tahir  an  Fiel)er  erkrankte,  wurde  vereinhart,  dass  Mieg  und  JenLsch 
einei-seits,  Molla  Mehmed  ^ffendi  und  Emin  Effendi  andererseits  nach  Ma«?uni 
Calului  (an  der  Quelle  der  Tesna  impuzitTi)  sich  begeben  und  von  diesem  Punkte 
die  GrenzreguHenmg  in  Angriff  nehmen.  Barco  und  Tahir  kehrten  vom  Giu- 
mrden  nach  Campulung  zurück.  Auf  Miigura  Calului  entstanden  aber  wegen 
der  zu  bestunmenden  Linie  zwischen  den  östenoichischen  und  türkischen  Sul>- 
delegierten  einige  Difterenzen,  die  ei-st  nach  Einholung  weiterer  Befehle  seitens 
der  Connnissäre  ausgeglichen  wurden.  Die  türkischen  Subdelegierten  wollten 
nändich  die  auf  der  Conventions-Kai-te  eingezeichnete  Grenze  als  giltig  an- 
nehmen ;  während  die  österreichischen  auf  eine  entsprechendere  besU^nden ;  und 
zwar  auf  eine  Linie,  die  von  llagura  Calului  quer  über  den  Oberlauf  der  Dor- 
nischora  und  Dorna  Marc  auf  die  Kamnduihe,  von  hier  über  Pietrile  Ros*'h. 
Lukacz,  Poiana  Venatoriului  zur  Quelle  des  Serischor  Marc,  diesen  Bach  ab- 
wärts bis  zur  Eiimiündung  in  die  goldene  Bistriza  sich  hinzog.^)  Tahir  acee^>- 
tieiie  die  Grenzlinie  im  Sinne  der  (isterreichischen  Subdelegierten  und  befahl 
dieselbe  mit  Grenzzeichen  zu  versehen.  AVährend  Barco  und  Tahir  nach  Vania 
reisten,  setzten  die  Subdelegierten  die  Grenzregulierung  fort.  Von  Dorna  Vatr« 
ei-streckte  sich  die  Linie  längs  der  Bistriza  bis  zur  Einmündung  des  Arama- 
Thales  in  das  Bistriza-Thal.  Dieses  wurde  verlassen  und  die  Grenze  durch  das 
Arama-Thal  gezogen,  fei'ner  über  Raieu,  den  Kamni  dieses  Gebirgszuges.  T<>- 
dorefusca  (Toderescul),  Obcina  Kirilu,  Tarniza,  Vervu  Klitile  (Klifi),  Alunisch. 
Muntele  Lung  (picioinil  Lung),  Obcina  rea  (Butka  reu),  Capu  Baiaschesku  (ar- 
schiza  Baiasch.),  ferner  über  den  Grund  des  Dorfes  Stulpikani,  Vadu  Negrilesi. 
diesen  Bach  durchschneidend  auf  Obcina  Czumerna,  von  hier  über  PQetita  Mari\ 
Rotunda,  Capu  Pleschi,  dann  gerade  auf  Valea  Saca  und  den  Moldaufluss; 
ferner  längs  dieses  bis  zur  Einmündung  des  Valea  Saca-Baches. 

Am  10.  October  kam  die  ganze  Commission  in  Baja  an,  um  ül)er  die 
Grenzlinie  zwischen  dem  Moldau-  und  Suczawafluss  ein  Einverständnis  zu  er- 
zielen. Es  ergab  sich  diesbezüglich  keine  Differenz,  so  dass  am  15.  October  in 
Liten  Marc  die  Commission  den  Namenstag  der  grossen  Kaiserin  Maria  Tlie- 
resia  feiern  konnte. 

Vom  Moldauflusse  wurde  die  Grenzberichtigung  wieder  aufgenommen : 
wobei  die  Linie  durch  Samuschelgraben,  einen  Theil  des  Sanmschel,  Samusch 
Marc,  Sanuisch  Mik,  Hreaska,  Dialu,  Hirtop,  Plavalar  und  Rakowabach  bis  zum 
Suczawafluss  markiert  wurde. 

Zwischen  dem  Suczawa-  und  Prutfluss  zog  sich  .die  Linie  von  der  Ein- 
mündung des  Suczawaflusses  in  den  Siret,  diesen  aufwärts  bis  zur  Einmündung 
des  Molnizabaches  in  jenen,  ferner  den  Molnizabach  aufwärts  bis  zu  seiner 
Quelle,  dann  über  einen  Bergrücken,  der  sich  zwischen  Prohorod  und  Buda 
gegen  Lukawiza-  oder  jVLamoniizabach  hinzieht,  diesen  abwärts  bis  zu  Einmün- 
dung in  den  Prut.^) 


®)  Ibidem. 

»)  Ibidem.  r^^^r^T^ 

Digitized  by  V:iOOQ  IC 


Ueber  die  Grenzbegülieeüng  5 

Obwohl  auf  dieser  Strecke  die  Grenzregiilienuig  ohne  besondere  Schwierig- 
keiten vor  sich  gieng,  so  niuss  doch  bemerkt  werden,  diiss  die  neue  Linie  nicht 
l)ehauptet  werden  konnte.  Denn  auf  Grund  eines  neuen  Uebereinkonimens  vom 
2.  Juli  1776  wurde  die  Siretlinie  seitens  Oesterreichs  aufgegeben  und  die  Su- 
czawalinie  bis  zur  Einmündung  des  Mitokabaches  acceptiert.  Von  diesem  Punkte 
bis  zum  SiretHuss  stimmt  die  neu  aufgenommene  Grenze  mit  der  auf  der  Con- 
ventions-Karte fast  ganz  überein.  Aber  die  zwischen  Siret-  und  Prutfluss  ent- 
spricht der  GrenzHnie  auf  der  Conventions- Kai*te  nicht. 

Bis  Ende  October  1775  war  die  Grenze  zwischen  Prut  und  Czernauka  in 
der  Weise  festgestellt,  dass  der  Sttiiuthorabach  aufwäi*ts  bis  zur  Quelle,  dann 
der  in  der  Verlängenmg  streicliende  Bergrücken  bis  zur  Vereinigung  der  Quellen 
Hukeubaches  und  der  Salonizagraben  Bukowina  vom  türkischen  Gebiete  trennte.  ^^) 

Wegen  der  von  Czernauka  bis  zum  Dniester  zu  ergänzenden  Grenzlinie 
entstanden  grosse  Streitigkeiten,  die  nur  in  Constantinopel  geschlichtet  werdeu 
konnten.  Am  14.  November  1775  war  die  Arbeit  unterbroclien  und  erst  am 
\H.  .Jänner  177t>  wieder  aufgenommen.  Xacli  AViederauf nähme  der  Grenzl)erich- 
tigung  tniten  neuerdings  zahlreiche  Zweifel  auf,  welche  die  Beendigung  der 
Grenzn^gulierung  bis  zum  2.  Juli  1776  vei-zögerten.  An  diesem  Tage  wurde  die 
Grenze  vom  Stanahonibach  bis  Rakitnabach  erweitert,  jedoch  die  bis  Prevorodek 
vorgeschobene  Grenze  bis  zum  Chrinowa-  und  Onutbach  zurückverlegt,") 

Auf  diese  Weise  wurde  die  scliwierige  Arbeit  der  Grenzregulierung  zur 
Zufriedenheit  beider  Mächte  beendet.  I^nter  dem  Schutze  des  Habsburgischen 
HeiTscherhauses  erlangte  die  Bevölkerung  der  Bukowina  die  lang  ersehnte  Ruhe 
wieder  und  das  Land  ejitwickclte  sich  allmählich  in  erfreulicher  Weise. 


->--f~4^.. 


»<*;  Ban*«>.  „(tränz-Bcschivibun«;  von  der  Tesnu  iinpntzitu    bis    zur  Czornauka  .     IVvorotlok 

'^.  Xo\.  1775:  Jian-o  ^SjH'dlicijtion  dortMi  <rränz-A<U(T,  \vt*l<-lio  in  Bfvsoyn  donm  Tiirkisclion  (Jränz- 

''<rtnrais*^ion8<lelogirten  aiifjtn.'SM'zot  wurd^'n.  Pn^vorodt^k,  d«'!i  Dton  9bns  1775. 

**)  *ln  nonifi  di  dio  Altissimo  .  Palaiuutca  2d()  Julio  1776, 

^Google 


Digitized  by ' 


Altere  Vertheidigungsanlagen  in  der 

Bukowina. 

Vortrag^  gehalten  in  der  3.  Hauptoersammlang    vom    24    März  dp»  Biikowiner 
Landes  Museums  von  CARL  A.  ROMSTORFER. 

Seit  der  Übenialinie  unseres  Kronlandes  in  die  österreicliisclie  Verwaltung, 
d.  i.  seit  12  Decennieii,  hat  sich  die  Bevölkerung,  die  damals  ziemlich  spärlich  vertre- 
ten war,  nahezu  verzehnfacht.  Daraus  kann  allerdings  nicht  geschlossen  wenlen.  das> 
die  Einwohnerzahl  auch  vor  dieser  Zeit  in  gleich  rapider  AVeise  zunahm,  denn  dann 
hätte  es  im  .Tahre  1300  ungefähr  nur  7  Personen  hier  gegeben  ;  im  Gegentheile 
mag  vielleicht  eliedem  ab  und  zu  die  Population  in  der  Bukowina  aii  Zahl  griiMser 
gewesen  sein,  als  Osterreich  zu  Untei-thanen  erhielt,  und  jedenfalls  gab  es  schon 
vor  R<3merszeiten  hier  ein  sesshaftes  Volk,  w.as  wol  auch  durch  die  400  bis  500 
Tumuli  bestätigt  ei'scheint,  die  in  der  Bukowina  existiren,  und  deren  Entstehen, 
wenigstens  eines  Theiles  dei-selben,  in  diese  Zeit  verlegt  wird.  Ja,  es  wird  si»gar 
behauptet,  dass  lange  vor  dem  Beginn  der  cln'istlichen  Zeitrechimng  die  eliedem 
sumpfige  Dubowa  bei  Sereth  —  und  diesfalls  wol  auch  noch  andere  Gebiete  der 
Bukowina  —  bevölkert  waren,  was  allerdings  bis  heute  noch  keineswegs  er^aesen 
ist,  immerhin  aber  möglich  sein  könnt(\  Diese  Bewohner,  —  so  nimmt  man  au 
—  hätten  in  Pfahlbauten  gewohnt,  wie  man  solche  bekanntlich  seit  dem  Jahre 
1854  mit  den  interessantesten,  über  das  Leben  und  Treiben  der  Bewohner  Auf- 
schluss  gebenden  FundgegcMJständen  zahlreich,  namentUch  in  den  Schweizer  See'n 
entdeckte.  Diese  Pfahlbauten  nun  wären  dann  wol  an  die  Spitee  unserer  heutigen 
Betrachtung  zu  setzen,  denn  sie  stellen  völlig  zur  Vertheidigung  gegen  Thiere 
und  Menschen  eingerichtet«  Ansiedelungen  dar,  welche  behufs  Eri*eichung  dieses 
Zweckes  nicht  auf  dem  Lande,  sondern  im  AVasser,  u.  zw.  in  der  ISähe  von 
See-,  seltener  Flussufern  auf  Pfählen  errichtet  wurden,  und  zu  jenen  Zeiten  wol 
als  vollkommen  gesicherte  Plätze  gelten  konnten,  wenn  man  den  Verbindungssteg 
zwischen  Ufer  und  Pfahlbau  gegen  letzteren  zurückzog. 

Abgesehen  von  diesen,  in  ferner,  vorgeschichthcher  Zeit  hier  etwa  bestan- 
denen, leicht  zu  veiiheidigenden  Wohnsitzen  begegnen  uns  in  historischer  Zeit 
wahrhaft  gi'ossai*tige  Veilheidigungs werke,  welche  die  Römer  zu  Ende  des  ersten 
und  zu  Beginn  des  zweiten  »Jahrhunderts  unserer  Zeitrechnung  zur  Sicherung 
des  von  Trajan  untenvorfenen,  bis  gegen  den  Dniester  reichenden  Theiles  des 
Dakerlandes  in  unserer  Gegend,  wenngleich  nicht  direct  in  der  Bukowina,  errich- 
teten. Es  sind  dies  gewaltige,  unter  dem  Namen  Traj  ans  wälle  l>ekaiuite. 
noch  jetzt   bestehende  Erdaufwüife.    von    denen    ^ich    einer   in  Bessarabien    von 

Digitized  by  VjOOQIC 


Roiistorfeb:  Ältere  Vbrtheidigüngs anlagen  in  der  Bukowina.  7 

I^ieowa  am  Pruth  bis  Cirkajestie  hei  Bender  am  Duiester,  ungefähr  110  Kilo- 
meter lang,  ein  zweiter  ebendaselbst  von  AVadylui  Isaki  am  Pruth  bis  zum  Salz- 
see am  Schwarzen  Meere,  circa  130  Kihmieter  lang  ei^treckt,  ein  dritter,  sich 
schlingenartig  entwickelnder  und  vierter  in  der  Dobrudscha,  welche  beide  von 
der  unteren  Donau  zwischeji  den  heutigen  Oilen  Tscheniawoda  und  Medschidieh 
in  der  Richtung  der  Eisenbahnlinie  bis  Küstendsche  am  Schwarzen  Meere  laufen; 
Die  dritte  Wallaidage  mit  nnhezu  90  Kilometern  Länge  wird  viermal  von  der 
Bahnlinie  durchschnitten;  der  vierte  Erdaufwurf  ist  70  Kilometer  lang  und 
durch  einen  an  20  Kilometer  langen  AV^all  mit  dem  dritten  Erdaufwurf  ver- 
bunden. —  Es  wird  noch  eines  römischen  AValles  Erwähnung  gethan,  welcher 
sich  vom  buken  Dniesterufer  durch  Podolien  nordwestlich  bis  nach  (iralizien 
hinein  ei-streckt  und  speciell  einiger  AV^älle  gedacht,  welche  im  Bezirke  Rawa 
ruska  bei  Magieröw  (in  der  Nähe  von  Zolkiew,  nördlich  von  Lemberg)  bestehen, 
eine  Breit(^  voji  migefähr  50  Meter  besitzen  und  el)enfalls  von  Trajan,  aus  dem 
Jahre  105  n.  Chr.,  heiTühren  sollen. 

Diese  mächtigen  Veitheidigungsardagen,  welche  an  ähnliche  Bauten  des 
alten  Babyh)n  erinnern,  wurden  mehr  oder  weniger  im  Zusammenhango  mit  der 
den  Donauübergang  herstellenden,  an  und  für  sich  durch  Schanzen  gesicherten 
Trajansbriicke  beim  heutigen  Turn-Severin  errichtet,  welche  als  ein  Weltwunder 
galt,  aber  schon  von  Trajans  Nachfolger,  Hadrian,  zerstört  wurde,  um  nach  dem 
Aufgeben  der  am  linken  Donauufer  gelegenen  Provinz  Dacien  durch  den  Bestand 
des  Donauüiwrganges  nicht  die  am  rechten  Ufer  der  unteren  Donau  sich 
erstreckende  Provinz  Mösien  zu  gefährden.  Hier  errichtete  auch,  beiläufig 
bemerkt,  Trajan,  u.  zw.  bei  Adamklissi  in  der  Dobrudscha,  nach  den  dakischen 
Kriegen,  einen  mächtigen,  in  den  jüngsten  Jahren  erst  aufgedeckten  Rundbau 
mit  Trophäen.  Reste  der  riasigeu  Ijandpfeiler  der  vom  Erbauer  der  Trajanssäule 
in  Rom,  dem  berühmten  Appolodorus,  ins  Werk  gesetzten  Trajansbrücke  bestehen 
noch  heute. 

Gehen  wir  nun  speciell  auf  unser  Kronland  über,  so  begegnen  wir  wol  als 
ältester,  geschichtlicher  Ansiedlung  und  seinerzeit  wichtigstem  Orte  daselbst,  dem 
heute  ziendich  unbedeutend  gewordenen  Städtchen  S  e  r  e  t  h.  Die  Lage  des- 
selben an  dem  durch  Bachschluchten  zerklüfteten  Noixlabhange  des  hohen,  an 
dieser  Stelle  steil  gegen  das  breite  Sereththal  uiul  gegen  den  knapp  herantre- 
tenden Fluss  abfallenden  Hochplateau  Horaica  zwischen  dem  Sereth  und  der 
Suczawa,  ermöglicht  an  und  für  sich  schon  eine  voraigliche  Yeitheidigung, 
welche  noch  erleichtert  wird  durch  eine  im  Osten  das  Plateau  dominirende 
Kuppe.  Noch  heute  führt  diese  den  Namen  Ruina  und  nach  Berichten  sollen 
noch  im  Jahre  1756  daselbst  Tilauern  bestanden  haben.  Im  vorigen  Jahre 
besuchte  ich  die  Ruina  und  fand  von  Mauenverk  keine  Spur,  dagegen  aber  zahl- 
reiche zu  Tage  liegende,  ausgeackerte  Scherben  von  Thongefässen  der  verschie- 
densten Art,  von  denen  ich  typische  Stücke  für  das  Tjiindes-Museum  mitnahm. 
Der  Sage  nach  bestand  auf  der  Ruina  ein  befestigtes  Schloss,  von  welchem  aus 
unterirdische,  zu  Vertheidigungsz wecken  dienende  Verbindungsgänge  nach  anderen 
wichtigen  Punkten  der  Ansiedlung  hinführten.  Der  I'mstand  allein,  dass  die 
Sage  von  solchen  unterirdischen  Gängen    erzählt,    bietet    einen    sicheren  Beweis 


Digitized  by 


Google 


8  ROMSTORPEB : 

für  den  dereinstigen  Bestand  eines  festen  Schlosses  an  dieser  Stelle.  Ahnliche 
Sagen  knüpfen  sich  nänilicli  -  theilweise  vielleicht  mit  voller  Berechtigung  — 
an  viele  Burgen  und  Schlösser,  wie  beispielsweise  an  das  später  noch  zu  erör- 
ternde Füi-stenschloss  in  Suczawy,  das  mit  der  durch  das  tiefe  Thal  des  Ksdcaina- 
baches  von  ihm  getrennten  Miroutzkirche  in  Verbindung  gestanden  sein  soll ;  in 
ähnlicher  Weise  an  die  Burg  Xeamtz  in  Rumänien ;  an  den  Bergfrit ')  am  Cecina 
nächst  Czernowitz ;  ferner  an  Rauhenegg,  Rauhenstein  und  Scharfeneck  l)ei  Baden, 
und  an  das  Breiten further  Schloss  bei  Liesing  und  Kloster  HeiHgenkreuz,  welche 
miteinander  durch  unterirdische  (liänge  verbunden  gewesen  sein  sollen ;  —  an 
die  Karlsbnrg  in  Böhmen,  welche  mit  der  wol  drei  Kilometer  entfernten  SUult 
Bergreichenstein ;  an  die  prähistorische  Bm'g  Nachod  ^)  in  Böhmen,  welche  mit 
dem  1270  erbauten  Schlosse  in  Xachöd;  an  die  nach  der  Mitte  des  zehnten 
Jahrhunderts  so  kunstvoll  befestigte,  am  Ai-patschaisHuss  gelegene  Königsstadt 
Ani,  dem  -armenischen  Palmyra«,  welche  mit  dpui  aiuleren  Ufer  des  Flusses 
eine  unterirdische  Verbindung  gehabt  haben  soll,  u.  s.  w. 

An  der  Südseite  der  Stadt  Seivth  befindet  sich  der  Burghügel  Saska, 
welcher  den  Namen  vom  Woewoden  Sjis,  Sohn  des  Dragosch,  besitzen  dürfte, 
der  in  der  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  hier  re-.idirte.  Am  Nordfusse  dieses  Hügels 
fiiesst  der  tief  in  den  Ijehmboden  eingeschnittene  Kakainabach,  welcher  sich  mit 
dem  nordwärts  gerichteten  Solonecbach,  unweit  der  Einmündung  desselben  in 
den  Sereth,  vereinigt.  Von  dieser  Stelle  aus  führt  gegen  die  Saska  zu  ein  etwa 
8  Meter  hoher  Erdrücken,  der  in  den  dreissiger  Jahren  durch  die  neu  angelegte 
Strasse  durchschnitten  wurde.  Mindestens  zwei  Meter  seiner  Höhe  sind  künstlich 
aufgeschüttet  und  erscheint  derart  der  Wall  fiir  Vertheidigungszwecke  einge- 
richtet worden  zu  sein.  Er  trägt  an  seinem  östhchen  Ende  den  alten  jüdischen 
Friedhof,  während  anderei-seits  an  demselben  die  BeilFsche  Ziegelei  liegt  die 
zur  ausgiebigsten  Fundstätte  Sereths  wurde.  ^)  Wie  berichtet  wird,  erbauten  zu 
Anfang  des  dreizehnten  Jahrhunderts  die  deutschen  Ritter  auf  der  Saska 
eine  kleine  Burg,  ähnhch  der  noch  jetzt  erhaltenen,  ebenfalls  den  deutscheu 
Rittern  zugeschriebenen  Burg  in  Neamtz.  Noch  im  Jahre  1819  fand  man  auf  der 
Saska  Mauerreste  vor.  Späteren,  eingehenden  wissenschaftlichen  Forschungen 
wird  es  vorbehalten  sein,  die  frühere  Bedeutung  Sereths,  ehemals  einer  der  wich- 
tigsten, auf  dem  Verkelu^wege  von  der  Moldau  nach  dem  Norden  gelegenen 
Handelsplätze,  als  befestigten  Punkt  zu  würdigen.  Gelegenheit  für  Forschungen 
wird  wol  auch  die  Erbauung  der  projectierteji  Localbahnstrecke  Czerepkoutz- 
Sereth  bieten. 

Ich  habe  bereits  ol)en  des  B  e  r  g  f  r  i  t  s  am  Cecina  Erwähnung  getlian. 
Der  Cecina,  der  höchste  nordöstliche  Punkt  der  Ausläufer  der  Bukowiner  Wald- 
karpathen,  noch  im  Gebiete  der  Stadt  Czernowitz  und,  mit  seiner  Höhe  von 
539  Meter  über  dem  Meeresspiegel,  ungefähr  380  Meter  über  dem  Prutliilusse 
liegend,  hat  die  Fonn    eines    sehr    schmalen,    langgestreckten  Kammes,    der    an 


*)  Berj^rit  =  Wiiilthimii.     Vor^l.    Xotiz  246    zum    Aiiff^itze     Tymler  Bui^fii     von    Paul 
Cloinon  in  den  Mittheilun^ni  <l«'r  k.  k.  (Vnitnil-Conunission,  1894,  St»ito  26. 
*)    Mittboilunp-n  «kr  k.  k.  Contral-Connnission  ,  SiMto  95,  1895. 
')  Zalilroichc  Kunilobjectc  aus  der  Bciirschcn  Ziejreloi  iM'finden  sk'h  im  Ixin^U^-Museum, 


Digitized  by 


Googk 


Ältere  Veetheidigunosanlagen  in  der  Bukowina.  9 

seinem  südöstlichen  Ende  mit  einer  steilen  Spitze  abschliesst,  sich  aber  anderer- 
seits mit  dem  breiten,  westlich  gegen  Hlinitza  gerichteten  Rücken  verbindet.  Hier 
bestand  ein  Bergtnt,  dessen  Eirichtung,  »»ach  den  gemacliten  Funden  zu  schliessen, 
ebenfalls  dem  deutschen  Ritterorden,  oder  den  »rohannitern  zugeschrieben  werden 
köniite;  Wickeidiauser  aber  hält  den  Hthauischen  Füi'stensohn  und  Fürsten  der 
Moldau  Georg  Koriatowicz  (1874—1377?)  für  den  P^rbauer.  ^)  Nachdem  in 
neuerer  Zeit  daselbst  ein  Steinbnich  angelegt  wurde,  vei-schwand  nach  und  nach 
(las  Gemäuer  und  nur  noch  die  Reste  einer  sehr  breiten,  mm  umgestürzten 
Mauer  bedecken  die  Spitze,  sowie  knapp  darunter  zahlreiche  Löcher,  weK4ie  von 
Grabungen  heniihren.  ^)  Reitersi)orne  und  Waffen,  der  Form  nach  deutsche 
Rittei"scliwerte,  wurden  hier  aufgefunden,  von  denen  ein  Theil  im  Landes-Museum 
seine  gesichei*te  Aufbewahnmg  besitzt  Weitere  Grabungen  sind  verboten  und  es 
hat  die  Gemeinde  Czernowitz  vielmehr  bereits  die  Aufforstung  des  Cc(!ina  in 
dankenswertlier  Weise  eingeleitet. 

Der  Bergfrit  am  Cecina,  sowie  die  etwa  vor  der  Erbauung  desselben  hier 
vorhanden  gewesene  Sicherungsanlage,  ist  indess  blos  als  der  Endpunkt  einer 
Reihe  von  Bauten  anzusehen,  welche  auf  dem  zur  Pruthebene  steil  abfallenden 
Bergrücken  errichtet  ei-scheinen.  Bildete  doch  dieser  an  und  liir  sich  schon  eine 
ffist  uneinnehmbare  Veste  und  eine  wohlgeschützte  Verbindung^  zwischen  den 
wichtigen  Handels-  und  Heereswegen,  welche  aus  Polen  nach  Süden  lührten 
und  den  Pruth  bei  Czernowitz,  bezw.  bei  Hlinitza  übei-setzten,  von  denen  der 
letztgenannte  Fbergang  seinerzeit  der  wichtigste  und,  —  nach  den  in  Hlinitza 
gemachten  prähistorischen  Funden  und  der  neuester  Zeit  auf  dem  entgegen- 
gesetzten Pruthufer  bei  Schipenitz  aufgedeckten,  längst  untergegangenen  Ansied- 
lung  ^  zu  schliessen,  —  auch  der  ältere  war.  Über  13  Kilometer  ist  der  Berg- 
rücken von  der  Cecinaspitze  bis  zu  dem  westhchen  Endpunkte,  dem  an  der 
Einmündung  des  Hlinitzaflüsschens  in  den  Pruth  steil  abtallenden,  130  Meter 
über  dem  Wasser  gelegenen  Pohar  lang  und  im  Süden  überdies  noch  durch 
den  Dialu  dracului  (Teufelsberg)  geschützt,  während  seine  Mitte  durch  die 
Spaskahöhec  (Verhack-  oder  ZuHuchtstätte)  bezeichnet  erscheint 

Längs  des  Rückens  des  Pohar,  von  welchem  das  Auge  ebenso  wie  vom 
Cecina  das  breite  Pniththal,  ja  die  ganze  Gegend  nordwärts  bis  über  den 
Duiester  nach  Galizien  hinein  beherrscht,  besteht  nun  ein  Schanzgraben,  der 
möglicherweise  als  Waldgrenze  aufgeworfen  worden  sein  mag.  Neben  demselben, 
u.  zw.  etwa  200  Meter  vom  abfidlenden  Ende  des  Pohar  entfernt,  bemerkt  num 
einen  5 — 6  Meter  im  Durchmesser  haltenden  Hügel,  der  vielleicht  ebenfalls  blos 
zur  Grenzbezeichuung  dient,  aber  angegraben  erscheint,  was  beweisen  kömite, 
«lass  man  ihm  eine  andere  Bedeutung  als    die    eines    gewöhnlichen    Grenzhügels 


*)  In  soiner  kürzlich  erschionenen  (irschithte  (Ur  BukowiniK  IL,  ho/Aicbnet  Dr.  R.  F. 
K  a  i  n  d  1  den  ixdnischen  Könij,'  Kasimir  III.,  den  Grossen  als  den  Erbauer  des  IJerjjrl'rits 
am  Cei'ina. 

*)  Der  verstorlx»ne  Finanzratli  Wiekenliauser  tlieilte  Hemi  Dr.  Kaindl  (vei^rl.  des  l«'tzteivn 
Biuhenwald'  Nr.  1,  8tMte  ^)  mit,  dass  ungt^fähr  im  .Jahn.^  1S46  ein  (ir»'is  aus  Kt>s(h  «»r/äldte.  er 
'rinnea»  sieh,  auf  dem  Gemäuer  des  (Veina  einst  Reste  eines  Daehes  ^nveben  zu  liahen. 

*>  Auch  die  Sage  spricht  von  einem  vei"sunkenen  Dorl"  bei  Scliipenitz;  über  die  neob'tbi.scbc 
Ansiedlunj^  1mm  .Schii>enitz  berichtete  ausbibrlicb  der  k.  u.  k.  Cu^to.s  J<iseF  S  z  o  m  b  a  t  li  y  im 
•IihrlMiche  1H94  <Ies  Bukowiner  Iiandes-Museums< .  St^te  i:^  fl", 


Digitized  by 


Google 


10  Romstorfee: 

beimisst.  XhcIi  weiteren  700  Metern  bemerkt  nuui,  bereits  schon  im  Walde, 
einen  südwestlieli  verhiufenden  kleinen  Zweiggraben  mit  Wall,  dem  Avir  auch 
noch  keine  besondere  Bedeutung  zusprechen  wollen,  obwol  Graben  und  \Vall 
derzeit  mit  Buchen  bewachsen  sind.  900  Meter  weiter  und  mitten  im  Wahk 
begegnen  wir  indess  einem  (juer  über  den  Rücken  lautenden,  von  einem  starken 
Graben  begleiteten  Wall,  der  seiner  Form  und  Lage  nach  wohl  nur  für  Sicbe- 
rungszwecke  ernchtet  worden  sein  dürfte,  wie  ein  zweiter  ähidicher,  etwa  1500 
Meter  entfernt  und  schon  gegen  Spaska  zu  gelegener  Wall  mit  Graben  vor- 
handen ist,  in  dessen  NiUie  nun  ein  schimder,  rund  1)^00  Meter  langer  Rücken 
gegen  Nordnordwest  abzweigt.  Dieser  eigenthündich  geformte,  nach  allen  Seiten 
steil  abfallende  Rücken  bildet  den  Hinteigrund  der  engen  Schlucht  des  Koriwati- 
baches  und  besitzt  mu-  von  Süden  her  einen  Zugang.  Von  ihm  aus  ist  ebenfalls 
ein  weiter  Ausblick  gegen  Norden  möglich,  insofern  dies  der  mächtige  Bucheii- 
bestand  von  heute  zulässt.  Auf  demselben,  der  die  Bezeichnung  Miserdziw 
z  a  m  k  i  (nach  Wickenhauser  richtiger  Myserdshiu  zamki,  aus  dem  Kunmnischen. 
d.  i.  Bollwerk  bei  der  ('b(»rffduv)  führt,  befindet  sich  nun  eine  ausgedehnte  Wall- 
burg, die  unter  dem  Volke  die  Bezeichnung  Tatarenlager  führt.  Möghcher- 
weise  wurde  sii*  von  den  Tatm'en  benützt,  welche  in  der  ei-sten  Hälfte  des 
1.'5.  Jahrhunderts  in  Kumanien  einfielen,  das  Ijand  ein  Jahrhundert  lang  fast  in 
völligem  Besitz  b(»hielten  und  dann  wiederholt  die  nachniidigc  Moldau  beunru- 
higten,     -  errichtet  wurde  sie  W(d  schon  früher. 

Der  Rücken  steigt  von  seinem  südöstlichen  Ende  in  einer  Ausdehnung 
von  ungefähr  500  Meter  sanft  bis  zum  höchsten  Punkte  und  fällt  von  hier  sehr 
massig  in  einer  Länge  von  rund  800  Meter  bis  zur  Nase.  In  der  Entfernung 
von  200  Meter  vom  höchsten  Punkte  aus  beginnt  die  Wallburg,  welche  ül)er 
300  Meter  lang,  am  rückwärtigen  Ende  durchschnittlich  50,  an  der  vonlereu. 
gegen  die  Nase  zu  gerichteten  Seite  aber  130  Meter  breit  ist  Fünf  Querwälle, 
darunter  drei  als  Doppelwälle,  mit  Gräben,  theilen  die  Anlage  in  vier  Felder, 
deren  gWisstes,  zwischen  dem  dritten  und  vierten  Wall  liegendes,  als  eigentüches 
Lager  zu  gelten  hat,  das  wohl  9000  Quadratmeter  gross  ist,  und  von  welchem 
aus  die  Wälle  nach  auswärts,  d.  h.  einei^eits  gegen  den  Zugang,  auderereeits 
g(\gen  die  N.ise  zu  gerichtet  sind.  Dort,  wo  die  einzelnen  Felder  seitlich  nicht 
schoji  durch  den  steilen  Absturz  allein  genügend  gesichert  erscheinen,  sind  auch 
Längswälle  angeordnet,  welche  mit  den  Querwällen,  namentlich  was  die  Lauf- 
gräben anbelangt,  in  entsprechender  Verbindung  stehen.  Ein  Laufgraben  des 
Lageri'eldes  geht  in  einen  an  dem  steilen  Ostabhange  gelegenen  sanft  verlau- 
fenden Einschnitt  über,  der  als  ehemaliger  Auffahrtsweg  fiir  die  Wasserzufuhr 
u.  dgl.  gedeutet  werden  köinite.  Die  Entfernung  vom  letzten  AVall  bis  zur  Nase 
beträgt  ungefähr  noch  300  Meter.  ^) 

Namentlich  die  dem  Hauptlagerfekle  am  nächsten  hegenden  WiUle  sind 
an  ihrer  Aussen-,  d.  i.  der  dem  Angreifer  zugekehrten  Seite,  wie  Untersuchungen 
ergaben,  die  ich  im  vorigen  Jahre  im  Auftrage  der  k.  k.  Central- Comniission 
für  Kunst-  und  historische  Denkmale,  und  welche  später  noch  derk.  u.  k.  Custosani 

')  l)«'r  Situati«  ns|)lan  «lirstT  MMsrlu'in«Mi(l  naclirr»niisclien  Wallbui'g  \\inl  mit  eiiuMu  ausfuhr- 
liclion  H»Ticlit<'  «loninäcliht  in  <K»n    MittlH'ilinijxiMi  <Ut  k.  k.  (Vntral-Coinmission    erscJu^inen. 


Digitized  by 


Google 


Ältere  Vertheidigüngsanlagen  in  der  Bukowina.  11 

Naturhistorischeii  Hofmuseuin  in  Wien,  Herr  Josef  S  z  o  ni  b  a  t  li  y  .  liierüber 
anstellte,  vei*schlackt,  um  gegen  Geschosse  und  eventuelles  Abrutschen  möglichst 
widerstandsfähig  zu  sein,  ~  d.  h.  es  wurde  der  Lehm,  nach  seiner,  zumeist  auf 
einer  Steinunterlage  erfolgten  Aufschüttung  gebrannt.  Derartige  Wallburgen 
(Hradiszte)  bestehen  zahlreich,  namenthch  in  Böhmen.  Professor  Dr.  J.  N. 
Woldrzich  beschrieb  solche  in  den  Mittheilungen  der  Anthropologischen  Gesell- 
schaft^ (Jahrgang  1893)  und  setzt  sie  theilweise,  nach  den  erzielten  Funden,  in 
die  ältere  Metall-  oder  La  Tene-Zeit.  Er  fand  indess  bei  einzelnen  Wällen  der 
sog.  Glasburgen,  speciell  der  vei-schlackten  Wallburg  Na  Hradu^  bei  Litoradiic, 
die  Verschlackung  mehr  an  der  Lmenseite  vorgenommen. 

Die  in  der  WalUmrg  bei  Hlinitza  genmchten  Funde :  zahlreiche  Topf- 
scherben der  vei*schiedensten,  vielfach  piimitivsten  Art,  rauchgeschwärzte  Ix»hm- 
platten,  gebminite  Blockwand-Rewiu-fstücke,  Feuersteinsplitter,  Knochenstückchen, 
gebrannter  Weizen  u.  s.  w.  übergab  ich  dem  Bukowiner  Landes- Museum. 

Eine  in  der  Anlage  mit  dem  sog.  Tatarenlager  äbnhche  Wallburg 
von  allerdings  geringerer  Ausdehnung  befindet  sich  auf  dem  Z  a  m  c  z  y  s  t  e  i  n 
Hliboka,  den  l'bergang  aus  dem  Dehreluithale  ins  breite  Serethtlial  und 
di(*se^s  selbst  beherrschend.  Ks  ist  bemerkenswerth,  dass  im  Baimkreise  dieses 
verschanzten  lüigei-s  ebenfalls,  u.  zw.  im  nahen  Orte  Presecareni,  prähistorische 
Funde  (Broncekelte)  genuicht  wurden.  ^)  Die  AVallburg  li(»gt  auf  einer  ainiähernd 
g(»gen  Osten  gerichteten  Nasö  mit  sehr  steilen  Hängen,  welche  gegen  Westen 
hin  in  ein  sanft  ansteigendes,  breites  Plateau  übergeht.  Ich  habe  das  ver- 
schanzte Liiger  ZamczystI'  im  Jahre  1898  in  Gesellschaft  des  k.  u.  k.  Custos, 
Herrn  Josef  S  zo  m  b  a  th  y  besucht  und  aufgenommen.  °)  Der  genannte  Herr 
hat  späterhin  noch  Grabungen  vorgenommen,  welche  nur  unbedeutende  Funde 
ergaben,  u.  zw.  wenige  Topfscherben  und  drei  kleine  Feuerstein  Werkzeuge  '°). 

Das  Ende  der  Nase,  den  Innonraum  des  Lagers  bildend,  hat  nahezu  die 
Fonn  eines  Dreiecks  und  erscheint  durch  einen  segmentfiinnig  nach  auswärts 
(^egen  Westen)  gerichteten  Wall  und  Graben  abgeschlossen.  An  der  Bogen- 
sehne ist  das  Lager  an  40  Meter  breit,  während  die  grösste  Länge  sammt  der 
etwa  10  Meter  betragenden  Pfeilhöhe  des  Segments  ebenfalls  40  Meter  misst ; 
der  Wall  selbst  ist  ca.  45  Meter  lang.  In  der  Entfernung  von  ungetähr  80  Meter 
ist  ein  zweiter,  mit  dem  ei*steren  mehr  oder  weniger  concentrisch  verlaufender 
Wall  mit  (iraben  von  80  Meter  Tünge  angeordnet,  während  in  der  weiteren 
Entfernung  von  etwa  30  Metenj  ein  dritter,  fast  geradliniger  Wall  von  80  Meter 
Länge  enichtet  erscheint,  welcher  sich  an  der  Nordseite,  wo  der  Abhang  nicht 
mehr  genügend  steil  ist,  rechtwinkelig  abbiegt  und  mit  seinem  21  Meter  hingen 
Schenkel  an  den  zweittMi  Wall  anschliesst.  In  der  Nähe  dieses  Lagei^  belindet 
sich  im  AValde  noch  ein  hoher  Erdrücken,  von  welchem  vorläufig  nicht  bestimmt 

*>  In  «Uomt  (Je^'inl.  H.  zw.  juil'  diT  scIiw.ir/An  Alm  zwischen  l{lil)(»ka  un<l  Korowia  wiinlcn 
»«•kanntlirli  die  Pulon  unter  Könijr  Juhann  AlUredit  im  .Jalm»  14U7  «hin-h  Stefan  den  (irussen 
;i*'M'liIa^'n. 

•)  Der  Situalion8|)hin  wird  demnäehst  in  den  !Miltheilunj::en  <ler  k.  k.  Central-Commissii»!;' 
efM-lieinen. 

*")  Wrj^l.  »Jahrbuch   1S94  des  Buk.  binde.s-Mupeums«,  S^ite  16.  ^^  I 

Digitized  by  V:iOOQIC 


12  Romstorfee: 

ist,  ob  ('v   auf   kiinstlicho  Weise    entstand    oder    doch    für  Vertlieidigungszwecke 
benutzt  wurde. 

Südlich  von  Hhboka,  im  Suczawathah»,  Hegt  der  langgestreckte  Ort  X  e  u- 
Fratautz,  bei  welchem  sich,  u.  zw.  auf  der  Ciemeinde- Hutweide,  gegen  ^0 
Tumuli  befinden  sollen.  Nach  li'eundhcher  Mittheilung  des  Hen'u  Dr.  Isidor 
Ritter  v.  Onciul  bestehen  in  dem  zu  Neufratautz  gehörigen  ^yalde  auf  der 
Cet^itea  (Schloss)  benannten  Anhöhe  am  steilen  Bachufer  Gräben  und 
alte  Mauerreste,  welche  sicher  für  Vertheidigungszwecke  dienten.  Eine 
eingehende  Untersuchung  dies<*r  Anhige  ist  in  Aussicht  genommen.  '') 

P^inem  Ijericlite  des  k.  u.  k.  Oustos,  Herrn  Josef  Szombathy  zufolge  '^) 
betinden  sich  in  C  a  1  i  n  e  s  t  i  bei  S  c  h  e  r  b  o  u  t  z,  u.  zw.  auf  der  Anhöhe, 
(\)te  öliO.  etwa  1  '/j,  Kilometer  westlich  vom  Schlosse,  drei  Wälle,  von  denen 
zwei  (juer  über  den  Nonhibhang  der  Kuppe  gelagert  ei'scheinen,  wähi-end  der 
dritte  siMikrecht  gegen  die  ei*stei*en  und  mit  seiner  Front  ungelalu*  gegen  das 
Scbloss  bin  situirt  ist  Es  ist  hier  zu  bemerken,  dass  knapp  lünter  dem  Schlosse 
vor  etlichen  .Jahren  durch  unser  Vereinsmitglied,  dem  Gutsbesitzer  Heirn  Gustiiv 
Marin  ein  rrnen gräberfei d  aufgedeckt  wurde,  und  dass  ungefähr  2'/,  Kilo- 
meter südlich  bievon  eine,  das  Hatnabachtlial  beheiTscliende  Anhöbe  mit  der 
Cote  508  den  bezeichnenden  Namen  Z  a  m  c  z  y  s  z  führt,  auf  welcher,  nach  Mit- 
tbeilung  unseres  Vereinsmitgliedes  Herrn  Ingenieurs  Aleko  Isecescul,  Spuren 
von  Gräbern  bemerkbar  sind.  Bekanntlich  wurden « im  Hatnabache,  namentlich 
nach  'Hochwässern,  zu  wiederholten  Malen  Goldfunde  gemacht,  so  u.  Ä.  im 
Jahre  1892  der  Fund  von  Merizei  ^^). 

Nach  einer  Mittheilung  des  gr.-or.  Pfarrei"s,  Herrn  Vasile  T  o  m  i  u  k  in 
ililleschoutz  soll  am  linken  Ufer  der  Suczawitza,  dem  Orte  Badeutz  gegenüber- 
liegend, wie  eine  Sage  hiiitet,  Stefan  der  Grosse  auf  dem  Felde  V  a  r  n  i  t  z  a 
einen  Theil  der  Tatnren  vernichtet  haben.  **)  Als  man  vor  Jahren  die  Weide  in 
Ackerboden  verwandelte,  stiess  man  beim  Pflügen  auf  einen  backofenähnlichen 
Raum,  in  welchem  sich  noch  Kohlen  befanden  und  auf  einen  Keller,  ui  dem 
allerdings  bereits  in  Verwesung  übergegangene  Hirse  lagerte.  Auf  dem  Felde 
wurden  ferner  Münzen,  Pfeilspitzen,  SäbelkUngen  und  Sporne  ausgeackert,  welche 
Objecte  von  den  Landleuten  zumeist  verarbeitet  wurden.  Bis  vor  4 — 5  Jahrzehnten 
waren  daselbst  auch  Verschanzungen  sichtbar,  die  aber  heute  bereits  verschütte 
und  ausgeglichen  sind. 

AVeit  nachhaltiger  als  Sereth  entwickelte  sich  in  der  Folge,  der  günstigen 
geogratischen  Lage  wegen,  Suczawa,  das  mit  der  Ausbreitimg  des  Handels, 
namentlich  auch'gegen  Siebenbürgen  und  Ungarn  zu,  dor  Hauptstappelplatz  des- 
selben wurde.  Hier  wechselten  zahlreiche  Waren,  einerseits  von  Braila  über 
Berlad,  Bakau,  Roman,  mit  dem  Wege  über  Neamtz  und  Baia  und  von  Akjer- 

»M  Wie  mir  «Icr  «.T.-or.  PlarnT  Herr  I.  Poru  ml)  e  s  cn  in  Neu-Fmtautz  eben  mittlieilte, 
knü|>ren  sicli  an  ilie  Wiildhir»sH'  Cetateii  eini^'»^  Vulkssa^^^n. 

»5)  Vei^rl.  >Jalirl)Urli   lx\)4  des  Jliik.  Landes-Museums«.  SiMte  20. 

»»)  Verjrl.  ».Fahrbueh  ist)8  des  Ibik.  huides-Mu.s«Mims<,  Seite  70,  mit  Al)büdun;j. 

'*)  Ani^a'blieh  ihr  dicsrn  ^'\v<x  stirtet4*  Stefan  der  (Jrosse  das  Klcster  Putua  (ver^l.  aiieh 
Wirkenbausor  *Mnlda^  1,   1.  Heft.  S^'it*'  81. 


Digitized  by 


Google 


Ältere  Vertheidigungsanlagen  in  der  Bukowina.  18 

man  über  Bender  und  Jassy,  andererseits  nach  Bistritz  und  Hermannstadt  über 
Wama;  nach  Ijemberg  über  Sereth  und  Czernowitz  und  nach  Kamjeniec  über 
Chotin  und  Dorohoi.  Die  Terraingesüiltung  bei  Suczawa  hat  gi\)sse  Ahnhchkeit 
mit  jener  Sereths  und  bietet  eine  mindestens  gleich  günstige  natürliche  Siche- 
nmg,  die  nicht  unwahrschein  Heb  schon  frühzeitig  durch  Erdwerke  u.  dgl.  erhöht 
wurde.  Ein  Punkt  ist  es  namenthch,  der  Schlossberg  (Cetatea),  welcher  im  Norden 
und  Osten  schroff  gegen  den  Suczawafluss  und  im  Westen  gegen  den  tief  ein- 
geschnittenen Kakainabach  abtällt,  während  er  gegen  Süden  durcli  seine  kuppen- 
fönnige  Gestalt  eine  dominirende  Lage  erhält.  An  .der  nordöstHchen,  etwas 
zurückspnngenden  Ecke  liegt  die  ausgedehnte,  heute  völlig  verfallene,  s.  z.  mäch- 
tigste Burg  der  Bukowina,  das  ehemahge  Füi^tenschloss,  viellei(*lit  an  Stelle  einer 
schon  von  den  Johannitern,  welche  im  Jahre  1247  Kumanien  von  Bela  T\.  zu 
liehen  erhielteji,  aber  kaum  zwei  Decennien  im  Lande  verbheben,  errichteten 
Befestigung.  Im  vorletzten  Decennium  des  14.  Jahrhundeils  verlegte  der  AVoje- 
wode  Peter  IL  Muschat  (der  Schöne)  die  Residenz  von  Sereth  nach  Suczawa; 
nach  Anderen  hat  vor  ihm  Georg  Koriatowicz  bereits  in  Suczawa  residii*t,  wo 
er  vergiftet  wurde.  Es  ist  indess  noch  fraglich,  ob  die  jeti^ige  Ruine  des  Füi-sten- 
schlosses  im  Osten  Suczawa's  die  ui-sprüngliche  Residenz  war,  denn  ausser  dieser 
Ruine  bestehen  in  Suczawa,  u.  zw.  ungefähr  in  der  geraden  Linie  zwischen  dem 
Bahnhofe  Itzkany  und  der  aniienischen  Kirche  zum  hl.  Axentius,  Zamka  genamit. 
mächtige  Reste  von  Mauerwerk  aus  alter  Zeit.  Nun  berichtet  Gabriel  Freiherr 
v.  Spien y  in  seiner  Beschreibung  der  Bukowina"^)  bezüglich  Suczawa:  »Es 
findet  sich  diiselbsten  ein  altes  Schloss,  welches  die  ganze  Stadt  dominieret  Bey 
Besichtigung  dieser  Antiquitaet  fand  ich  über  einem  Fenster  die  hungarischen 
AVappen  in  Stein  ausgehauen«.  Unter  diesem  alten  Schloss,  wclclies  über  die 
Stadt  dominirt,  können  wol  nur  die  ausgedehnten  Ruinen  im  Osten  der  St^ult 
gemeint  sein.  Er  erwähnt  zwar,  dass  auch  noch  Mauen^este  von  Kirchen,  Häusern 
und  Kellern  vorhanden  seien,  hebt  aber  die  oberwähnten  Reste  von  Mauerwerk 
am  Abhänge  der  Zamka  nicht  besonders  hervor.  Dagegen  schreibt  General  Karl 
Freiherr  von  Enzenberg  in  seiner  Denkschrift:  '")  >  Annoch  werden  in  Suczawa 
siebzehn  grosse  demolirte  Kirchen,  vielleicht  hundert  der  kost- 
barsten, auch  80  Staffeln  tiefen  gewölbten  Kellern,  eine  sehr  weitläufige,  und 
zusammengefallene  Residenz  und  eine  grosse,  auch  zusammengefallene  B  e  r  g- 
festung  gezählt«.  Unter  der  »Re.sidenz«  ist  nuu  wol  unzweiheliiaft  das  jetzige 
ruinenhafte  sog.  Fürstenschloss  zu  verstehen,  während  unter  der  »Borgfestung« 
die  erwähnten  Mauerreste  am  Abhänge  der  Zamka  —  und  nicht  vielleicht  letztere 
selbst,  welche  hauptsäclüich  aus  noch  vollständig  inüict  gebliebenen  AVällen  als 
ältere  Befestigung  besteht  —  gemeint  sein  werden.  Zur  Zeit  Enzenberg's 
mögen  aber  die  Mauerreste  noch  sehr  umfangreich  gewesen  sein,  welche  jedoch 
bald  infolge  der  Entimhme  von  Baumaterialien  mehr  und  mehr  vei*schwanden. 
Untersuchungen  an  Ort  und  Stelle,  welche  ich  im  Verlaufe  des  heurigen  Jahres 
im  Auftrage  des  k.  k.  Ministeriums  für  Cultus    und  Unterricht    in  Suczawa,    in 


^^)  Vom  Jahn?  1775:  herausf^ef^^bcn  von  Dr.  Johann  P«»lok.  1^93. 
")  Vom  Jahre  1779:  horauflf^et^'bon  von  Prof.  Dr.  v.  Zio^laiuM-  ((Joschuhtliche    PiMor 
aus  (W  Bukowina  zur  Zeit  <ler  östtuT.  Oc<-uiMition),  1894.  r^^y-./^!^ 

Digitized  by  VjOOQ  IC 


14  Romstorfer: 

erster  Linie  am  sog.  Füi'steiischlosse,  vorzunehmen  lial)e,  werden  wol  einige  Klar- 
heit in  die  noch  ziemUch  ungelöste  Frage  hringen  und  düi'ften  inshesonders  auch 
sicherstellen,  inwieweit  die  vorhandene  Handzeichnung,  betitelt  ^das  Fürsten- 
schloss  von  Suczawa  im  Jahre  1536«  auf  Authenticität  Anspruch  erhel)en  kann. 

Im  Xachstehenden  bringen  wir  das  AVichtigste  von  dem,  was  über  diesem 
Schloss  bis  jetzt  bekannt^  resp.  beobachtet  wurde;  möghcherweise  wäre  einiges 
hievon  auf  diis  von  Enzenberg  als  » Bergfestung «^  bezeichnete  Bauwerk  zu  beziehen. 

Ob  Suczawa  schon  unter  den  Dakern  oder  Römern  bestand,  ist  nicht 
erwiesen;  bisher  hat  man  keinerlei  darauf  hindeutende  Funde  gemacht  Nach 
einer  Sage  hätte  Dragosch  Alt-Itzkany  gegründet,  welches  sich  nach  und  nach 
zur  Stadt  Suczawa  erweiterte,  indem  ans  Siebenbürgen  deutsche  und  später  un- 
garische Handwerker  und  Geschäftsleuti»  '^)  und  hauptsäddich  aus  Lemberg  und 
Sereth  armenische  Kaufleute  einwanderttMi.  Den  verhältnismässig  grössten  Auf- 
schwung und  neue  Besiedelungen  erhielt  Suczawa  wol  zu  Beginn  des  15.  Jahr- 
hundeils  unter  dem  AVqjewoden  Alexander  dem  Guten,  der  bekanntlich  dem 
Fürstenthume  Moldan  ei-st  eine  staatliche  Begründung  gab,  die  Gebeine  des  hl. 
Johaimes  Novi  (1402)  nach  Suczawa  in  die  alte,  der  Sage  nach  von  Dragosch 
wahrscheinlich  aber  erst  von  Juga,  dem  Vorgänger  Alexanders,  im  letzten  De- 
cennium  des  14.  Jahrhundeits  erbauten,  dem  Schlosse  gegenüber  gelegenen  Me- 
tropolitankirche  l)rachte  und  hiedurch  jahraus  jahrein  zahlreiche  Pilger  heranzog, 
endlich  eine  detaillirte  Zollrolle  festsetzte.  Diese  ITrkunde  gewährt,  Iwiläufig 
bemerkt,  einen  überaus  instructiven  Einblick  in  die  damaligen  Handelsverhält- 
nissc».  Es  ist  nicht  erwiesen,  ob  Koriatowicz  den  Bau  des  Suczawer  Schlosses 
begann  und  Peter  II.  dasselbe  im  Wesentlichen  vielleicht  vollendete.  E.  R,  Neu- 
bauer erwähnt,  dass  der  Woewode  Roman  T.  in)  Jahre  l,-593  Sucz^iwa  als 
Residenz  neu  herrichten  liess.  wo  auch  seine  Scihne  und  seine  Mutter  r.^sidirten. 
Die  Sage  aber  meldet  dass  bereits  Alexander  in  den  ausgedehnten  unterirdi- 
schen Gewölben  des  Schlosses  ungeheure  Schätze  verborgen  hielt,  ein  Beweis, 
dass  das  Schloss  unter  diesem  Fürsten  gewiss  schon  der  Hauptsache  nach  voll- 
endet war.  Indess  scheinen  spätere  Fih-sten  noch  mancherlei  Bauveränderungen 
behufs  Wrstirkung  des  Schlosses  vorgenommen  zu  haben.  So  Stephan  der 
Grosse  in  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  während  seiner  rund  vierzig- 
jäbrigen  Regiennig,  welcher  für  derlei  Arbeiten  auch  gefangene  Tataren  verwen- 
dete. In  einer  Urkunde  vom  31.  August  1458  eitheilt  er  dem  Dorfe  Borginestie 
ausser  sonstigen  Freibeiten  auch  die,  dass  die  Bewohner  desselben  bei  der  Burg 
Suczawa  nicht  zu  frohnen  hätten.  Unter  dieser,  für  andere  Orte  demnach  beste- 
henden Frohnde  sind  vielleicht  hauptsächlich  Erd-  und  Bauarbeiteji  zu  verstehen. 
Auch  von  Petn-  Raresch,  im  zweiten  Viertel  des  16.  Jahrhunderts,  wird  ei-\i'ähnt 
dass  er  das  Schloss  weiter  befestig(Mi  liess,  währ.Mid  »Tacob  Heraclides  D(*sj)ot 
dasselbe  nach  der  Mitte  des  1(5.  Jahrhunderts  nach  All  der  deutsehen  Ritter- 
burgen umgebaut  und  daselbst  einen  Thnrm  mit  seinem  in  Stein  gemeisst4ten 
Namen  erriditet  baben  soll. 

'")  Schdii  i!iit4M-  Kr.jiiV  [j<.i;i  IV.  uMiil.Tli'ii  Sit'lMMilnir-r*M-  8ai-!iH«'n  zablroidi,  naiut^ntlH-h  iu 
«lio  Wahi'lipi.  :ni^,  \i\\<\  «v,  crlhss  chsliaHi  «b'r  Küiii^  im  .Jahr.'  1247  ein  W^rhot  t^i'i^^n  «liest»  Ait- 
waihlerun^'  (F.  Miilh'r:  D'w  liinhliclK«  naukmist  «Irs  n.jnanisclu'n  Stiles  in  8ielH»nhrir«i«in. 


Digitized  by 


Googfe 


Ältere  Vertheidigungsanlagen  in  üer  Bukowina.  15 

Nach  den  lückenhaften  geschichtlichen  Aufzeichnungen  üher  die  Moldau 
und  den  sich  nicht  selten  widei^prechenden  Angaben  hält  es  schwer,  auch  in 
Bezug  auf  das  Suczawer  Fürstenschloss  vollständig  verlilssliche  Daten  festzusteHen. 
Durch  meine  detailliiien  Aufnahmen  der  ruinenhaften  Miroutzkirche  und  wieder- 
holte, vergleichende  Studien  in  den  Trümmern  des  ehemaligen  Schlosses,  scheint 
die  Annahme  bestätigt,  dass  der  Baubegimi  beider  Denkmale  ziemlich  zusammen- 
fällt. Andererseits  erkennt  man  genau,  dass  einzehie,  vielleicht  mehr  oder  we- 
niger nur  unwesentliche,  Bautheile  am  Schlosse  nachträglich  Jiergestellt  w^urden, 
u.  A.  ein  niedriger,  breiter  Pfeiler  in  der  äusseren  einspnngenden,  annähernd 
gegen  Norden  gelegenen  Ecke  Jieben  der  Kapelle.  Die  Aussenwand  der  Haupt- 
apsis  derselben  erscheint  lerner  mit  theilweiser  Verwendung  älteren  Bau- 
materials autgefiihrt  und  es  lassen  sich  leicht  und  sicher  sieben  profilirte 
Steine  nachweiseji,  welche  als  gewöhnhches  Baumaterial  in  der  Bnichsteinwand 
vermauert  wurden,  früher  aber,  wie  ihre  Form  zeigt,  an  einem  anderen  Object(\ 
u.  zw.  h()chstwahrscheinlich  an  einem  grösseren,  reicher  gegliederten  Gotteshause, 
theils  als  Thünerdachungsgesims,  tlieils  als  Gewölbrippen  oder  Dienste  Verwen- 
dung fanden.  Aus  der  Miroutzkirche,  welche  um  das  Jahr  1513  durch  ein  un- 
bekanntes Ereignis  devastiil  worden  sein  soll,  worauf  die  Metropolie  (sammt  den 
Reli<piien  des  heiligen  Johannes  Novi)  in  die  ungelähr  ein  Decennium  späU^r 
vollendete  St.  Georgskirche  verlegt  wurde  und  welche  in  ihren  wesentlichen 
Mauern  noch  heute  besteht,  stammen  sie  indess  nicht,  denn  hier  wurden  derlei 
profihrte  Steine  nicht  benützt.  Vielleicht  gelingt  es  gelegentlicli  der  im  Zuge 
!>efindlichen  stilgerechten  ResUuirirung  dieser  Kirche  die  Inschrifttafel  aufzudecken, 
welche  nmn  in  der  Nälie  der  Kirche  vei-sohültet  wähnt  und  hiedurch,  oder  sonst 
viie,  weitere  Daten  zu  gewinnen,  vielleicht  auch  durch  die  Ikonosasis  der  Mii-outz- 
kirche,  die  heute  noch  bestehen  soll,  u.  zw.  einer  allerdings  unverbürgten  Aus- 
sjige  nach,  in  einem  Filialkloster  des  rumänischen  Kloster  Neamtz.  Bemerk(Mis- 
werth  ist,  dass  theilweise  mit  Ziegelmehl  hergestellter  Mörtel  zur  Verwendung 
gelangte. 

Die  heutigen  Ruinen  von  kolossalen  Mauern  und  starken  Thürmen,  in 
denen  eine  vielhundertköpfige  Schar  von  Dohlen  die  einsam  hausende  Eule  aus 
ihrem  Schlupfwinkel  vei'scheucht,  —  der  riesige,  die  Burg  von  drei  Seiten  um- 
gebende Graben,  sowie  der  steile  mit  Mauertrünnneni  übei-säte  Abhang  auf  der 
vierten  Seite  zeugen  noch  von  der  einstigen  Stäi'ke  des  Fürstenschlosses,  welches 
zahlreichen  Belagerungen  während  der  seit  seinem  Bestünde  bis  zum  vorigen 
Jaiu-huudert  auf  der  Tagesordnung  gewesenen  Kriegs-  und  Greuelthaten  im 
Luinde  überdauerte  und  nur  durch  Ven'ath,  List  und  durch  Aushungerung  der 
Belagerten  ab  und  zu  in  die  Hände  der  Feinde  kam,  und  welches  deshalb  eine 
sichere  Schatzkammer  der  oft  sehr  reichen  Wojewoden  bildete,  unter  den(Mi  ins- 
besondei-s  noch  Peter  Raresch  und  Basil  Lupul  genainit  werden.  Seine 
Bedeutung  verlor  das  Schh)ss,  von  dessen  Ausstattung  noch  eiinge  Rudimente 
figiiraler  Frescomalerei  in  der  Schlosskapelle  Proben  liefern,  noch  lange  nicht, 
als  nach  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  der  Wojewode  Alevander  Lopusch- 
nean**^  Jasny  ziu*  Residenz  wählte  und  nachdem  im  .Jahre    Ki.iO    unter  Miron 

")  Ver«?!.  Dr.  1).  ()  n  <•  i  u  1 :  „Zur  (iosrlnVIit**  (l»r  Buk«»\viiia".  f^ r^^r^]r^ 

Digitized  by  V:iOOQ  IC 


16  Uomstorfer: 

Baruowski  ebenso  die  Metropolie  nach  Jassy  verlegt  wurde,  mit  welch  letz- 
terer auch  die  Reliquien  des  heilij^en  Johannes  dahin  gelangten.  Suczawa  ind(*ss 
ging  auf  diese  Weise  als  Süidt  und  Handelsplatz  langsam  zurück,  das,  einer 
Aufzeichnung  aus  dem  17.  Jahrhundert  zufolge,  zu  jener  Zeit  doch  noch  mehr 
als  20.000  Einwohner  gehabt  haben  soll,  d.  i.  fast  dreimal  soviel  als  heute,  fer- 
ner 17  Kirchen.  Nach  einer  bereits  citirten  Denkschrift  des  Generals  Enzen- 
berg  zählte  man  in  Suczawa  zur  Zeit  der  Übernahme  der  Bukowina  in  die 
(isterreichische  Verwaltung,  u.  zw.  im  Jahre  177  1  aber  nur  mehr  59,  im  Jahn» 
1779  allerdings  schon  wieder  417  Famihen. 

Unter  Kcinig  Johann  S  o  b  i  e  s  k  i  s  Zügen  gegen  die  Türkei  wird  zwar  der 
bereits  früher  einmal,  1485,  durch  die  Türken  in  Bi-and  gesteckten,  nun,  11)75, 
Hbernnils  durch  Feuer  verwüsteten  Stadt  Suczawa  gedacht,  des  Schlosses  sell>st 
aber  gescbieht,  wie  auch  in  der  Folge,  keine  Erwähnung  mehr.  Alexander  Lo- 
puschnean  soll,  1507,  das  Schloss,  wie  alle  Vesten  des  Landes,  haben  zer- 
stören lassen,  worauf  dasselbe  leremia  Mogila  nochmal  herstellte.  Nach 
W  i  cke  nha  user*'-*)  wäre  es  endlich  im  Jahre  1677  durch  den  Wojewoden 
Demeter  K  a  n  t  a  k  u  z  i  n  o,  welcher  die  Türken  gegen  die  Polen  zu  Hilfe  rief, 
verwüstet  worden,  welches  Datum  aber  Schmidt ^^)  als  verfrülit  bezeichnet. 
Erwähnt  wird,  dass  bereits  im  Jahre  1672  infolge  eines  Erdbebens  ein  Schloss- 
thurm  einstürzte.  Indess  ist  gewiss  keine  der  vereinzelten  Zerstöiningen  am 
Füi^tenschlosse  für  den  Bestand  desselben  so  schädigend  gewesen,  wie  die  spä- 
teren nachhaltigen  Devastationen  durch  unl)efugte  Raubgräbei'eien  und  haupt- 
sächlich durch  Vei^chleppung  der  Bausteine  zur  Herstellung  neuer  m^issiver 
Häuser.  General  Enzenberg  hebt  nämhch  in  seiner  Denkschrift  u.  A.  hervor, 
dass  die  Armenier,  die  er  gerne  zunickhalten  wollte,  die  Bitte  um  Entnalime 
von  Steinen  von  den  demolirten  Kirchen  und  der  zusammengefallenen  Residenz 
an  ihn  stelltc^n,  welcher  Bitte  er  aus  dem  Grunde  nicht  Folge  leisten  und  deren 
Gewähining  er  nicht  befürwoi-ten  koinite,  weil  man,  wie  er  sagt,  „selbst  ab  aerario 
Niederlagen,  Häuser  und  Gewölbe,  daim  öftentliche  Gebäude  aufliihren  wenle. 
folglich  dieses  sehr  schöne  Material,  so  allschon  in  loco  ist,  sehr  benöthigen 
dürfte".  Trotzdem  wurde,  wie  wir  wissen,  dem  Armenier  Iwan  Kapri  gestattet. 
Steine  vom  Bergschlosse  zur  Erbauung  des  jetzigen  Hotels  Ijanger  zu  verwenden. 
eines  umfangreichen  Gebäudes,  dessen  weitvei'zweigte  unterirdische  Keller  und 
Gänge  wohl  Waaren-Lagerräume  darstellen.  Pietät  wunle  also  den  frühereu 
Baudenkmalen  zu  jener  Zeit  auch  seitens  der  einflussreichen  Persöidichkeiten 
nicht  entgegengebracht.  Heute  ist  dies  glücklicherweise  anders  und  es  bleiben 
wenigstens  die  noch  vorhandenen  geringen  Reste  des  einst  so  stolzen  Berg- 
schlosses, Dank  der  vereinigten  Fürsorge  seitens  der  Gemeinde  Suczawa  und  der 
Bezirkshauptmannschaft  daselbst,  der  Nachwelt  erhalten. 

AVir  kommen  nun  schliesslich  noch  zu  einer  ganz  besonderen  Art  von  Ver- 
theidigungsanlagen,  welche,  wie  im  Oriente  überhaupt,  auch  in  der  Bukowina 
sehr  häufig  angetroffen  wird  und  hier  noch  bis  in's  17.  Jahrhundert  zur  Ausfiili- 
nmg  gelangte,  nämlich  zur  Befestigung  der  wichtigeren  und  speziell 
der  Klosterkirchen. 


)  ..Siiczawa's  historische  I)onl\Wür(li«^k«'it<^n,  Seite  180  unn  '1^  W.  o 


Ältere  Vertheidiqünosaxlagen  ix  der  Bukowina.  17 

Bereits  im  Alterthum  legte  man  geheiligte  Stätten  und  Tempel  gerne  an 
^gesicherten  Punkten  an,  umgab  sie  mit  Mauern  u.  dgl.;  die  Tndier  namentlich 
erbauten  um  ihre  Tempel  hemm  starke,  mit  Thürmen  versehene  Ringmauern. 
Audi  im  Mittelalter,  z.  B.  in  Deutseldand  seit  Kaiser  Heinrich,  finden  >yir, 
hauptsächlich  um  bei  feindlichen  ÜbeiftUlen  das  Leben  und  die  wichtigste  Habe 
retten  zu  können,  in  Dörfern  und  kleineren  Städten  die  Kirche  und  den  dieselbe 
Uiiigebenden  Friedhof  als  khnne  Veste  ausgebaut.  Im  „burgenreichen"  Sieben- 
bürgen legttm  sich  die  ersten  deutschen  Einwanderer  neben  gewöhnlichen  sog. 
ßauendmrgen  bald  auch  starke  Kirchburgen  an,  und,  um  die  Ansiedlung  in  dem 
fremden,  unruhigen  Lande  entsprechend  zu  schützen,  'in  möglichst  vollkommener 
Weise,  indem  sie  um  die  freistehende  Kirche  Ringmauern  mit  Thürmen,  Schiess- 
schart<Mi,  Wehrgängen  und    Ausfallsthüren,   sowie  Vertheidigungsgräben  zogen. ^^) 

Bei  keinem  Volke  findet  man  den  religiciscn  Fanatismus  so  sehr  «ausge- 
bildet, wie  beim  Orientalen,  der  sich  einei-seits  gerne  dem  beschauhchen  Leben 
hingibt,  andererseits  aber  zum  erbittertsten  Verfolger  Fremdgläubiger  wird,  — 
Eigenschaften,  die  heute  allerdings  schon  wesentlich  von  ihrer  Intensität  einge- 
büsst  haben.  Kein  Wunder^  dass  die  für  die  neue  Lehre  gewonnenen  Anhänger 
lies  Christenthums,  -  welche  fiir  ihnMi  (ilauben  selbst  oft  den  schnun-zlichsten 
Tod  erduldeten,  —  um  der  Verfolgung  möglichst  zu  entgehen,  zu  jener  Zeit  die 
unwirth liebsten  Gegenden  und  sichei-sten  Versüvke  aufsuchten.  So  find(Mi  wir 
im  Balkan,  in  Serbien,  (liriechenland,  Kleinasien,  namentlich  auch  in  Annenien, 
(Trusien  und  Georgien  das  Einsiedler-  und  Mönchsh^ben  bald  in  höchster  Blüte 
und  in  d(T  Folge  die  ei*sten  und  ältesten  Kirchen  und  Klöster  in  Schluchten 
vei-steckt  oder  auf  felsigen,  schwer  zugänglichen  Höhen  emchtet,  und  in  späterer 
Zeit  von  den  Laiulesherren  oder  sonstigen  Grossen  des  Ijandes  entsprechend 
fortiticatorisch  verstärkt  und  zur  Bergung  der  Schätze  sowohl  als  der  eigenen 
P(*rson,  wenigsti»ns  nach  dem  Tode,  benützt. 

Ganz  ähnliches  vennögen  wir  in  den  Donaufiii-stenthümern,  einschliesslich 
unserer  Bukowina,  nachzuweisen.  Gar  manche  Sage  über  bedeutendere  Kloster- 
gründungen  knüpft  an  Einsiedler,  so  die  bezüglich  Woronetz  an  den  Einsiedler 
Diuiiel,  welcher  am  Abhänge  des  gegen  Gurahumora  zu  gelegenen  Falkensteins 
in  einer  aus  dem  Felsen  gemeisselten  Zelle  hauste,  —  und  nächst  Putna  ist 
noch  sehr  wohl  erhalten  die  Kilia  in  peatra,  welche  eine  aus  dem  Felsen  ge- 
ineisselte  Zelle  und  eine  über  ihr  liegende  Kapelle  darstellt,  woran  sich  genau 
ixK-h  Sactuariun),  Naos  und  Pronaos  nachweisen  lassen.  Im  oberen  Ijaufe  des 
Piitnahaches,  ganz  versteckt  im  Gebirge,  in  der  kleinen  Thalenveit<^»rung  Zaha- 
stria,  Iwmerkt  man  die  Ruinen  ein(»r  wenig  umfangreichen,  zu  dem  ehemals  hier 
bestandenen  Einsiedlerkloster  oder  Skit  gehörigen  Kirche;  und  so  findet  nmn 
au(*h  im  Dragoschathale  oberhalb  des  IXirfchens  Dragoscha  auf  der  den  Namen 
Einsiedelei  (Zahastria)  ftihrenden  Stelle  altes  Mauerwerk,  ferner  weiter  hinauf  in» 
Gebirge  an  der  Waldstelle  Kiha  Mauerreste,  ül)er  welche  Niemand  nähere  Aus- 
kunft zu    geben    vermag.^^)     Die  Sage    aber    erzählt    speziell    hier    von    grossen 


'*)  A  c  k  n  e  r,  M.  J.  „Dit»  rüniisclu'ii  Alt^MihünuT  und  (Icut.sThcn  Huix«'n  in  Siclxnibür^^'ii'* 
Wun  1K>7. 

«>  Wick>*nhau8t'r:  Bmhi^tin,  Hint*^  14.  Digitized  by 

2 


Google 


18  I^omstorfrr: 

Schätzen,  welche,  in  dieser  Ge^^end  verhörten,  aus  Stefan  des  Wojewodeii  Zeiten 
stammen  sollen,  und  sie  wirkt  noch  so  nachhaltig,  dass  sicli  vor  vier  Jahren 
Bauern  zu  geheimen  Nachgrahungen  veranhisst  fiihlten.  Sie  sollen  allerdings 
nur  einen  26  Meter  langen  unterirdischen  (iang  aufgefundeu  haben  und  in  die- 
sem ledigHch  Erde  und  Steine. 

Derartige?  Sagen  knüpfen,  wie  wir  zun»  TheiU»  schon  gesehen  haln^n,  noch 
an  manche  andere  Punkte,  und  der  im  Jahn*  18H7  auf  dem  BtTge  Istritia  IkI 
Petnisa  in  Rumänien  gelegentlich  des  Brech(»ns  von  Steinen  entdeckte  IxTühmte 
Goldschatz  beweist  u.  A.,  dass  ähnliche  Sagen  wohl  nicht  immer  ganz  unl)e- 
gründet  sind. 

Da.ss  jene  durch  die  Einsiedler  und  Mr»nchsvereine  geheihgten,  versttM^kten 
Olle  uamentlich  in  den  unruhigtMi  Zeiten  der  fioiheren  Jahrhunderte  auch  bei 
uns  an  Bedeutung  gewinnen  mussten  und  mit  ihnen  Einfluss  und  Macht  der 
Kaluger,  ist  leicht  erklärlich,  und  so  giengen  denn  die  moldauischen  Hospoilan^ 
bald  daran,  neue  Klöster  an  derlei  Oiix^n  zu  gründen  oder  bestehende  KU^ster 
zu  enveitern  und  reich  zu  b(*stiften,  —  namentlich  auch  wüi'dige  Klosterkin  heu 
zu  errichten,  oft  als  Dank  für  erfochtene  Siege,  dann  für  ihr  und  ihrer  Familie 
Glück  uiul  S(H»lenheil,  hauptsächlich  aber  auch,  um  in  der  Klosterkin^he  eine 
gesicheile  Grabstätte  zu  Ix^sitzen.  Gleichzeitig  aber  sollte  das  Kloster  einen 
UK'iglichst  festen  Zufluchtsort  in  Feindt^snöthen  bieten  und  der  walachische  Woje- 
wode  Neagoe,  welcher  mit  grosstnu  Aufwände  zu  Anfang  dc^  16.  Jahrhunderts 
die  Kirche  Curtea  de  Argesch  eiTicht^'te,  beschwört^^  ausdrücklich  seine  Xach- 
folger,  die  Schätze  der  vor  dem  Feinde  flüchtenden  Bojaren  schützend  zu  empfan- 
gen, sowie  die  Kirche  zu  hüten.^') 

Damit  nun  das  Kloster  dieser  Aufgabe  gewachsen  sei,  musste  es  zu  einem 
förmlichen  festen  Platze  umgestaltet  werden,  und  so  finden  mr  denn  in  der  Bu- 
kowina die  meisten  ehemaligem  Klöster  mit  oft  klafterdicken,  stockliohen,  mit 
Wehrgängen,  Schiessscharten  und  vorspringenden  Thüraien  versehenen  Ring- 
mauern umgeben,  so  insbesonders  Putna,  Watra-Moldawitza,  Suczawitza,  welche 
an  Stelle  früher  bestandener  Klöster  neu  emchtet  wurden,  dann  Solka,  etc. 
Ein  altes,  aus  dem  vorigen  Jahrhundert  stammendes  Bild  des  Klosters  Putna  ^*) 
zeigt  letzteres  noch  mit  den  die  Ringmauern  umfassenden,  allerdings  nicht  1k*- 
deutenden  Wassergräben.  In  der  Thorhalle  des  Eingangsthurmes  zum  Kloster- 
hofe sieht  man  ferner  überall  noch  die  Vorrichtungen  zum  Verrammeln  dt*s 
Thores,  sowie  man  besondere  Vorbauten  mit  Schiessscharten  behufe  Enfilirens 
der  Mauern  und  hie  und  da  auch  Machikuhs  bemerkt  Die  Kirche  selbst  aber 
diente  als  letzter  Zufluchtsort,  gewissermassen  als  Citadelle,  und  besitzt  deshalb 
mächtige  Mauern,  ganz  kleine,  fest  vergitterte  Fensterchen,  sichere  Gewölbe  und 
stets  nur  eine  einzige  niedrige,  schmale  Thüre,  welche  von  iinien  mit  starktm 
Vorlegbalken  vei-schlossen  werden  koimte.  Viele  Kirchen  besitzen  femer  noch 
einen,  mittels  einer  ganz  schmalen  Wendeltreppe  zugänglichen,  blos  von  einem 
einzigen,  lochartig(Mi  Fensterchen  beleuchteten,  gewölbten  Raum  über  einem  nie- 
deren Zwischenschifi*e,  der  noch  heute  den  Namen  Schatzkammer  fuhrt, 

*')  H  (•  r  j^  n  e  r.  „Kumänion".  ^^ 

*^)  V(»ii  mir  puhlicirt  in  d<'n  „MittluMlunj^on  «irr  k.  k.  ^'^'iitn^-|fV]jmmb^|^*^^t5H|^-^^^  S.  47. 


ÄliTEBE    VeRTHEIDIOUNGSANLAGKN    TN    DER    BUKOWINA.  19 

Die  jüngste  derartige  Befestigung  wurde  bei  der  prachtvollen,  im  Jahre 
1602  erbauten  Klosterkirche  Dragomirna  ausgeführt,  und  zwar  erst  nachträglich, 
um  das  Jahr  1630. 

Wir  haben  nun  noch  einer  jüngeren  Vertheidigungsanlage  in  der  Bukowina 
zu  gedenken,  das  ist  jener  des  armenischen  Klosters  zum  heiligen  Axeuti,  das  im 
♦Fahre  1551  gegründet  wurde  und  dessen  Umfassungsmauern  allerdings  kaum 
einen  Meter  dick  sind,  aber  Strebepfeiler  besitzen.  Es  liegt  ausserhalb  und  im 
Westen  der  Stadt  Suczawa  am  Steilnnule  des  luichsten  Punktes  der  Umgebung 
der  Statlt  Zamka  genannt  Johann  Sobieski  hat  nun  im  Jahre  1686,  als  er 
aus  Jassy  zurückkehrte,^^)  das  Kloster  in  der  Weise  befestigt,  dass  er,  mit  Aus- 
nahme der  Nordseite,  lun  die  Maueni  Aussen  wälle  und  Gräben  anlegen  liess, 
welch  erstere  eine  Höhe  von  inind  8  Meter  besitzen  und  sich  an  den  vier  Ecken 
hastionenartig  verbreitem. 

Auch  in  der  Umgebung  von  Gui^ahumora  sind  Verschanzungen  zu 
sehen,  welche,  wie  auch  anderweitige  Verschanzungen  in  der  Bukowina  (beispiels- 
weise bei  Lenkoutz,  Czernauka,  Zwiniacze  u.  a.  O.)  vielleicht  aus  neuerer  Zeit 
stammen,  hier  möglicherweise  aber  an  Stelle  älterer  Erdwerke  errichtet  worden 
waren.^^)  So  findet  man  am  Abhänge  des  Piciorul  Nald  eine  Vei'schanzung, 
innerhalb  welcher  ein  mit  Bruchstein  eingewölbtes  Kellergelass  angeordnet  ist, 
f(Tner  eine  ausgedehnte  Verschanzung  mit  riesigen  Gräben  auf  dem  PrunkuFsclien 
Felde.  Es  wird  erzählt,  djxss  man  vor  etwa  einem  Decennium  eine  Messerklinge, 
ein  altes  Gewehr  u.  dgl.,  aber  auch  eiserne  Pfeilspitzen  fand,  und  djiss  nicht 
seiton  Ijeute  Grabungen  vornehmen,  in  der  Antwju^tschaft,  auf  Schätze  zu  stossen. 

So  hätten  wir  demi  in  unserem  kleinen  Kronlande  eine  ganz  ansehnliche 
Reihe  von  älteren  Vertheidigungsanlagen  kennen  gelernt  Eine  zielbewusste 
Forschung  wird  wohl  noch  manches  hier  Gesagte  ergänzen  oder  richtig  stellsn; 
das  gewonnene  Material  aber  wird  gleichzeitig  auch  die  Landeskunde  in  histo- 
rischer und  kunstgeschichtlicher  Hinsicht  bereichern. 


*— ^^JP[§^— ' 


'^)  Kr  ♦'ntfiihrt«^  b«'i  difstT  (Jt'l«'pnihoit  iM'kanntlidi  dio  li(»Ii<(ui«'n  «les  hl.  Joluinii^s  ans  .Ia>sy 
fiinl  bnK'lit*'  si«'  iiiich  Z(»Jkicw,  von  wo  sü»  (»rst  uut4'r  KaisiT  Jost'l'  II.  wie<lor  an  ihn»n  ursprün^- 
Iw-b'-n  Ort  niU'h  fcfmrzawa,  zurückkamen;  sie  bolimlcn  sich  (hisclbst  ncK'h  beute  in  der  Klosterkirche 
iiini  hl.  <iet»r^. 

•*)  Die  Schanzen  bei  Ix^nkoutz  wurdtii  nach  F.  A.  Wickenhauser  (BiK'hotin,    Seite    21)   im 
Jahn'   1497  durch  die  Masuron  «»rrichtet  welche  Konrad,  Fürst   Masoviens,    <h'm    Könige   .Johann 
Albn*<*lit  eutf^e^ensiuulte,  als  letzterer,  von  Stefan  d.  (Jr.  verfolj^t,  mit  siMuem  llet^n'   aus  Snczawa      | 
na^h  Polen  zurückkehrte.  Digitized  by  VriOOQlC 

2* 


Zweite  Reeognoseirungstour  in  die 
Buko>A^ina/^ 

Vom  k.  u.  k.  Gustos  Josef  Szombathy. 

Molno  vorjährige  Reise  diente  huuptsäclilich  der  Durclunusteniiig  der  süd- 
östlichen Bezirke  des  Landes  nach  praliistorischen  Fundstellen.  Für  die  di(*s- 
jährige  Reise  hatte  ich  mir  die  Untersuchung  des  nördlichen,  zwischen  Prntli 
und  Dniester  gelegenen  Landestheiles  als  Hauptaufgahe  gestellt  Leider  niiLsste 
di(»  {[ir  den  Frühling  geplante  Fahrt  der  Ungunst  des  Wetters  wegen  1ms  in  den 
Hochsommer  vei-schohen  werden,  wo  sie  daini  durch  die  in  unseren  östlicluMi 
Provinzen  zum  Aushmclu»  gelangte  Cholera-Epideniie  eine  empfindhehe  Beein- 
trächtigung erlitt. 

Die  ansehnlichste  Ausheuti»  ergah  mir  die  FoHsetznng  der  (iral>ung(»n  in 
Schipenitz  (ßez.  Kotznian),  wo  auf  den  (innulstücken  des  Ijehivi^;  Basil  Aricz 
(—  Areyczuk)  im  westlichsten  Theile  des  Dorfes  weitere  Antheile  der  im  Vor- 
jahre aufgefundenen  neolithischen  Ansiedelung  durchgegralMMi  wunlen.  Es  wunlf 
unter  An<lerem  die  Spur  einer  zweitiMi  viereckigen  Hütte,  deren  Wände  iu\< 
Reisiggefiecht  errichtet  und  mit  Lehnd)ewurf  verdichtet  wai-en,  gefunden.  Die 
Ij(*hnd)ewurffragmente  waren  wied(»r  ziegelroth  gehrannt  und  an  zwei  Stellen  des 
Innenraumes  Ingen,  von  einer  Y^  vi  mächtigen  Humusschichte  hedeckt,  Thon- 
scherhenhaufen  von  CJehrauchsgeschirnMi,  welche  erkennen  Hessen,  dass  da  ver- 
schiedene Gefäss<»  an  ihrem  alten  Platze  stehen  gehliehen  und  durch  den  dariilKT 
sich  anhäufenden  Schutt  zcM'drückt  w(»rden  waren.  Ausser  dem  charakteristi- 
schen hemalten  Geschin*  aus  hellhraunem,  gut  g(\glättetem  Thon  konnt(Mi  wieder 
ziendich  viele  geschhigene  Feuei^stein Werkzeuge  gesammelt  werdcMi.  Den  Ver- 
suchen, die  (irahungen  auf  henachharte  Grundstück«»  und  entfenit<'iv  Theih*  des 
weitläutigen  DoHes  auszuhreiten,  um  di(^  Ausdehnung  der  alten  Ansi<^leluni,' 
kennen  zu  lernen  und  vielleicht  die  dazugehörige  Begrähnissstätte  ausfindig  zu 
machen,  setzten  trotz  der  üh(Maus  chink(MJswei*then  Protecti(»n  des  einflussivichei» 
Heirn  Baron  Nikolaus  Mustatza  der  tief  eingewurzelte  Aherglauhen  und  ver- 
schiedene Eigenthunisinteressen  unüherst(Mgliche  Hindernisse  entgegen.  Auch  der 
unhesieghehe  Mangel  an  geeigneten  Arheitskräft4'n  und  die  Vei-schleppung  inter- 
essanterer Fundstücke  ist  zu  heklngen. 

Um  üher  die  Fundstidlen  des  [Bezirkes  Kotzman  (von  welchen  die  in  un- 
serem   Besitz(^    hefindliclie    Manuscript-Fundkarte    des    H(»iTn    O  1  i  n  s  k  i  -  0 1 i- 

*)  Nach  dem  in  ihr  Afonats-Vi'rsainmluiijr  drr  Antlin»])Ml(.^is(]i<'n  (JcwUschaft  in  Wien  v«  ni 
Vi.  l)t*(vnil)cr  1H94  Y(»if^«'traf^<"mMi  lii'riclili'  des  Vcrtassn-s.  ^  * 

Digitized  by  VriOOQlC 


Szombathy:  Zweite  KECoaNOsoiRUNasTOü»  in  die  Bukowina.  21 

II es c  11 1  etwa  ein  Dutzend  anfuhrt)  eine  Uebersiclit  zu  gewinnen  und  die  in 
Stefanovka  aufl)ewalirte  Sammlung  präliistorisclier  Funde  des  Herrn  Dr.  Johann 
V.  Zotta  kennen  zu  lernen,  unternahm  ich  in  Gesellschaft  des  Herrn  Professors 
C.  A.  Romstorfer  eine  mehi-tägige  Wagenfahrt  durch  dieses  Gebiet  Unser 
Weg  fülirte  über  Sadagora,  Waslowce,  Kuczunnik,  Zastawna,  Kadobestie,  Krisz- 
czatek,  Zjdeszczyki  am  Dniester  und  Zwiniacze  nach  Stefanovka.  Mehrere 
(lieser  Orte  sind  als  Fundstätten  von  Alterthümern  l)ereits  bekannt.  Eine  südlich 
von  Waslowce  gelegene  Anliöhe,  namens  Horodlszcze,  verräth  sich  durch  den 
ahgeflachten  Scheitel  und  teirassiile  Abhänge  schon  von  weitem  als  idte  Ansie- 
delung. Rohe  ThonscherlxMi  sollen  hier  gefunden  worden  sein.  Von  Zastawna 
werden  die  Funde  dacischer,  rönnscher  und  späterer  Münzen  gemeldet.  Die 
nonliistlich  von  diesem  Orte  gelegenen  Hachen  Hcihenrücken  tragen  eine  ganze 
Rt»ihe  Tumuli,  zu  gross,  um  als  gewöhnliche  Grenzhügel,  wie  sie  hierzulande 
sehr  häufig  sind,  angesehen  zu  werden  und  dennoch  venlächtig  durch  den  Um- 
stund, dass  sich  denselben  Rücken  entlang,  über  die  Hügel  die  heutige  Ge- 
meindegrenze,  die  vielleicht  einer  uralten  Gemarkung  entspricht,  hinzieht.  Auch 
die  südwestlichen  Hügelketten  zeigen  solche  Tumuli  vereinzelt  oder  in  Gruppen 
von  zwei  oder  dixn  Stücken.  Zwiniacze  ist  nnt  neolithischen  Funden,  Thon- 
scherben,  Feuers teinmessern  uijd  geschliff(»nen  Steinhännnern  verzeichnet.  Diese 
Funde  sind  zum  Theile  in  Dr.  Zotta's  Samndung  aufbewahil. 

In  Stefanovka  wurden  wir  nicht  inn*  von  der  das  Schloss  bewohnenden 
Familie  Leon  Wassilko  auf  da,s  (lastfreundlichste  aufgenommen,  sondern  der 
B«*sitzer.  Herr  Dr.  v.  Zotta,  welcher  jetzt  in  Nowosiehtza  wohnt,  war  sogar 
><>  irtK»raus  liebenswünlig,  den  eine  volh^  Tagreise  ausmachenden  Weg  per  Wagen 
lileher  zu  machen,  um  s(»ine  Funde  und  die  Hauptfundst<»ll(^  pei-sönlich  zefgen 
zu  können.  An  die  bereite;  erwähnten  Fund(»  von  Zwimacze  reihen  sich  an : 
(In-i  runde  Klopfst4»ine,  vier  grosse,  kegelfiirmigt»,  thöncTue  Netzsenker  oder  Web- 
stuhlgewichte, ein  Spinnwiiiel  und  primitive  Thongefässscherben  mit  Wülsten 
ini«l  Fingernagelvei-zierungen,  wahi-scheinlich  aus  dem  benachbarten  Orte  ßabin, 
ferner  ein  ungarisches  ßronzezierbeil  von  28*5  cm  Ijänge  mit  runder,  gestielt(»r 
Kopfplatte  und  nihrenai-tig  verlängertem  Stielloche,  wahi-scheinlich  dem  Depot- 
funde aus  dem  nahen  Orte  Prelipcze  zugehörig.  Die  interessantesten  Stücke  der 
Sammlung  stammen  aus  dem  von  Dr.  v.  Zotta  neu  angelegten  40  eFoch 
grossen  Parke  auf  der  dem  Scldosse  Stefanovka  benachbarten  Haideka  (Ge- 
meinde Kissileu),  wo  beim  Abtragen  einer  massig  geneigten  Terniinwelle  in  (Ut 
Mitte  des  Parkes  verschiedene  recente  Säugethierknochen,  zwei  eiserne  Lanzen- 
spitzen  nachrömischen  Charakters,  vei'schiedene  Thongefässe  und  zwei  charakte- 
ristische Ija  Tene-Stücke  getiinden  wurden.  Die  letzteren  sind  eine  9  cm  lange 
Mittel-La  Tene-Fibula  aus  Bronze  mit  prächtig  verziertem  Fussknopfe  und  ein 
T'/j  cm  langes  Fragment  eines  blauen  Glas-Anni-eifes. 

Die  Rückfahrt  führte  uns  über  Borowce,  Kissileu  und  Werenczanka  nach 
Kotzman.  Von  Kissileu  ist  seit  1865  eine  St(^*inaxt  bekannt.  Die  Höhen  zwi- 
schen diesem  Orte  und  Werenczanka,  sowie  die  weiter  südwestlich  gelegenen 
flachen  Rücken  bis  Stiiwczan  und  Dawidestie  hinab  tragen  wieder  zahh'eiche, 
WHthiii  sichtbare  Tumuli,  unter  welchen  besonders  eine  Gruppe  von  drei  grossen 

Digitized  by  V:iOOQIC 


22  SZOMBATHY : 

Hügeln  bei  Stawczan  auffällt.  In  Kotzman  besitzt  Herr  Bezirkshauptmann 
Zachar  eine  den  bemalten  Thonj^efässen  von  Scbipenitz  anjüoge  grosse  Unie 
von  Doroscboutz  am  Dniester.  Hen*  Lebrer  Prokopowicz  in  Kotzman. 
welolier  im  Vorjabre  durcb  meine  Vermittbmg  eine  kleine  Collection  präbistori- 
seber  und  römiscber  Antieaglien  an  das  Czernowitzer  Äfuseum  abgab,  bat  seiner 
kleinen  Sanunlung  neuerlieb  eine  Anzabl  präbistoriscber  Funde  einverleibt,  dar- 
unt4T  aueb  mebren*  interessante  kl^^ine  Gef'ässe  von  unserer  Scbii>enitzer  Fund- 
stelle. Ibm  verdanke  ieb  aueb  Naebriebten  üIhm*  Fundstellen  in  Cblibestie  und 
Dawidestie  bei   Kotzman. 

Wie  man  siebt,  ist  di<»ser  Bezirk  nicbt  arm  an  Pimkten,  welebe  zu  Narli- 
grabungen  einladen.  Ix'ider  batten  in  den  Tagen  meiner  Anwesenbeit  die  v<ir- 
ausgegangene  abnornu?  Witterung,  die  den  Feldarbeiten  sebr  binderlieb  gewissen 
war  und  nun  alle  Arbeitskräfte  auf  die  Aeeker  fordeile,  und  der  Einbnicb  der 
Cbolera-Epidemie,  für  welebe  besonders  das  nabe  Zaleszczyki  einen  gefährlicben 
Herd  bildete,  Verbältnisse  gescbaffen,  unter  welcben  es  trotz  der  speeiellen  freund- 
lieben  Vermittlung  des  Herrn  B<»zirksbauptmannes  Zacbar  niebt  uiöglieb  w;ir. 
eine  grössere  Ausgrabung  in  Angntf  zu  nebnien. 

Die  vorjäbi-igen  (Grabungen  zu  IJ  nterborod  n  ik  Inn  lljidautz  liatten 
uns  Tumuli  mit  neolitliiseben  Gräbern  kennen  gelebrt  Diese  Tumiüi  sind  in 
seebs  Gnippen  über  den  von  Unterborodnik  gegeti  Voitinell  sieb  binziebendon 
Höbenrüek(Mi  vei-streut.  ßisber  waren  durcb  Herrn  Scbulratb  Klauser  ein 
Tumulus  der  ersten  und  durcb  mieb  drei  Tumuli  der  vierten  Gruppe  luiter- 
suebt,  anden»  durcb  die  Bauern  geöH'net  wonlen.  leb  niacbtc  micb  beuer  daran, 
die  aus  zwei  Grabbügeln  bestebende  zweite  und  die  aus  drei  soleben  bestebende 
dritte  Grupi)e  zu  untei-sucben.  Wie  im  Vorjabre  erfreute  ich  mich  \\ieder  der 
werktbätigen  Unterstüty.ung  der  HemM)  Bezirkshauptmann  Wilhelm  Rothen- 
burg, Dr.  Michael  Kipper  in  Radaiitz  und  Gemeindevorsteher  Onofrei  Te- 
leaga  in  Horodnik.  Auch  Herrn  Professor  Siegfried  Leder  er  in  Radautz 
verdanke  ich  mannigfache  Fördeiiing.  Mein  bescheidenes  Resultat  ist,  dass  ich 
in  zwei  Grabhügeln  der  dritten  Gruppe  Brandgräber  mit  sehr  schlecht  erhal- 
tenen, einfachen  neolithischen  Thongeschirren  und  zwei  Feuersteinspänen,  in 
einem  Tunmlus  der  zweiten  (Truppe  jc^doch  ein  Steinkisten  grab  mit  Skelet  ohnt^ 
Beigabe  (den  vorjährigen  Erfahrungen  nach  wabrscbeinbcb  einer  jüngeren  Stufo 
angehörig)  fand. 

Von  Satulmare,  einem  zur  Hälfte  von  Rumänen,  zur  Hälft*»  von 
Deutschen  bewohnten  Dorfe,  5  km  östlich  von  Radautz,  sind  im  Czeniowitzor 
Musi^um  acht  dreitiügelige,  zum  Theile  vom  Feuer  defonnirte  und  zwei  zwei- 
flügelige Bronzepfeilspitzen  mit  Dülle  auflx^wabrt  Dieser  Fund  deutet  auf  ein 
Bnmdgrab  einer  unserer  Hallstatt-Periodc^  entspn»chenden  Stufe.  Ich  spürte  dem 
Funde  nach  und  brachte  bc^raus,  dass  er  1866  auf  dem  nönllich  vom  Dorfe  in 
einer  Länge  von  etwa  1  km  sich  ausdehnenden  isolii-ten  Höhenrücken,  und  zwar 
auf  dem  F(dde  des  Gabriel  Lopanko  gemacht  wurde.  Der  Bruder  des  Be- 
sitzers erinnert  sich  noch  eines  grossen  Steinsatzes,  der  die  Fundst^dle  imigaK 
und  dass  ausser  den  Pfeilspitzen  noch  ein  Thongefäss  und  eine  lange  (vennutLlitli 
eiserne)  Lanzenspitze    gefunden  wurde.     Herr  Pfarrer   Polonjk  von  Satuhnar»' 


Digitized  by 


Google 


Zweite  Recognoscirungstoür  in  die  Bukowina.  28 

roiii.  war  so  frouiHllioli,  mir  dio  Goh'gtMilieit  zur  Nitchgrabuii":  zu  veniiittehi. 
Ich  fand  an  der  liöelisten  Stt^lle  dos  genannten,  quer  ü!)er  den  Hügelzug  verlau- 
fenden Feldstreifens  in  einer  Tiefe  von  80  cm  eine  35  cm  dicke,  IGO  cm  lange 
und  45  cm  breite  Scliiclite  giusser  Klaubsü'ine  mit  einigen  unbestimmban^n 
Topfseherben,  an  einer  zweiten  circa  20  m  nordöstlich  davon  gelegenen  Stelle 
eine  ähnliche  unt(»rirdische  Steinansamndung  und  40  m  nordwestlich,  nelien  dem 
vor  Kurzem  emchti»ten  zweiten  Trianguliningszeichen  dieser  Anhöhe,  einen 
inuldenfiirmigtMj  St(*insatz  von  circa  1  m  Dicke,  5  m  Länge  und  8*5  m  Bivite, 
welcluT  an  den  Rändern  bis  zu  80  cm  unt<'r  (He  Oberliäclie  und  in  der  Mitü* 
bis  2*8  m  tief  reichte,  aber  auch  nichts  als  einigte  Topfscherben  enthielt.  Meine 
Wahrnehmungen  Hessen  mich  bezweifehi,  dass  ich  es  mit  intacten  Fundstellen 
zu  thun  habe,  und  die  ei nchin glichen  Nachfragen  bei  den  Besitzern  erzielten 
endlich  das  Geständniss,  dass  sie  nach  dem  Pfeilspitzenfunde  heimlich  alle  ihi-e 
(ii-undstücke  mich  Schätzen  durchgraben  hätten.  Mittheilungen  über  ihre  etwaigen 
Funde  konnte  ich  nicht  erhalten.  Nur  eine  von  dem  ersten  Funde  heiTÜhrende 
Pfeilspitze  brachte  man  mir  noch.  Die  (Grabungen  setzte  ich  natürHch  nicht 
weiter  fort 

Hen*  Schulrath  Klauser  machte  mich  auf  eine  bisher  nicht  bekannt 
gew(*sene  Tumulusgruppe  in  Wolowetz,  circa  5  km  südsüdwestlich  von  Ra- 
dautz  aufmerksam.  Ihre  Haupthügel  sind  von  Radautz  aus  auf  der  als  Hut- 
w(»ide  dienenden,  südöstlich  von  Wolowetz  sich  erhebenden  Anhöhe  (östHch  von 
der  Cote  510  der  Specialkarte)  zu  sehen.  Ich  fand  dort  drei  sehr  grosse,  drei 
mittelgrosse  und  16 — 17  kleinere  Tumuli,  zum  Theilc  intact,  zum  Theile  vom 
(Tipfei  aus  angegraben.  Gegen  Westen  schliesst  sich  an  diese  Tumulusgnippe 
ein  mehrfach  terrassirtcs  Terrain  an,  vielleicht  die  alte  Ansiedelungsstätte.  Auch 
hier  waren  Ausgrabungen  wegen  des  augenblicklichen  Arbeitermangels  unmöglich. 

Die  8  km  südlich  von  Radautz  gelegene  grosse  Hutweide  der  Gemeinde 
Burla  hat  den  Flurnamen  Mohyla  (=  Tunmkis)  und  wird  diesem  Namen 
durch  zwei  Tumulusgnippen,  deren  eine  östlich  von  der  Strasse  drei  grosse  und 
deren  zweite  westlich  von  derselben  zwei  mittelgrosse  Tumuli  umfasst,  gerecht. 
Von  da  aus  sind  auch  auf  den  den  Gesichtskreis  begrenzenden  Hcihenzügen 
einige  den  Gemeinden  Mileschoutz  und  Bodnareni  angehöiige  grosse  Tumuli  zu 
erldicken. 

Die  letzten  Tage  meines  Aufenthaltes  in  der  Bukowina  widmete  ich  einem 
zweiten  Besuche  der  Wälle  auf  der  Aidiöhe  Zamka  misargiu  bei  Hlinitza 
am  Pruth.  l>ber  eine  frühere  Untei'suchung  dieser  Localität  durch  OberHeute- 
nant  Kruzlewski  hat  Conservator  Romstorf  er  in  den  Mittheilungen  der 
k.  k.  Central-Couunission,  Bd.  XV,  1889,  berichtet.  Er  unternahm  heuer  im 
Auftrage  <Ueser  Commission  weitere  eingehende  Nachgrabungen  daselbst  welche 
interessante  Details  über  die  in  den  Wällen  eingeschlossenen  gebrannten  Scliichten 
ergal}en.  Seine  Funde  weisen  in  ihrer  Hauptmenge  auf  eine  nachrömische  Pe- 
riode, was  eine  gewisse  Altersübereinstimmung  dieser  Anlage  mit  der  von  mir 
im  Vorjahre  bei  Hliboka  untereuchten  Wallanlage  ergibt.  Es  war  Hemi  Pro- 
fessor Romstorfer's  Wunsch,  djiss  auch  ich  mir  durch  eigene  Grabung  eine 
Ansicht  über    die  Wälle  von  Hlinitza    bjlde,  und  ich    konnte    diesem  Wunsche 


Digitized  by 


Google 


24  Szombathy:  Zweite  Recognoscirungstoue  in  die  Bukowina. 

um  so  leichter  entsprechen,  als  ich  der  zuvorkommendsten  Unterstützung  des 
Besitzei*s,  Herrn  Alexander  v.  Flondor,  sicher  war.  Meine  Resultate  stimme» 
mit  jenen  Romstor fer's  —  me  vorauszusehen  war  —  überein;  für  einige 
Einzelnheiten  des  Baues  der  theilweise  gebrannten  Wälle  stel^pn  al>er  unan- 
fechtbare Erklärungen  noch  immer  aus. 

Bei  dieser  Gelegenheit  will  ich  einen  Irrthum  meines  vorjährigen  Be- 
richtes ^)  verbessern.  Ich  habe  dort  den  am  weitesten  vorgeschobenen  Tlu*il  der 
aus  fiinf  längs  dos  Bergrückens  aufeinanderfolgenden  Abtheilungen  bestehenden 
Wallanlage,  welcher  von  dem  zweiten  Theile  durch  einen  theils  doppelten,  theil> 
dreifachen  Wall  getreiuit  ist,  als  zwei  selbstständige  Abtheilungen  beschrieben, 
was  sowohl  dem  von  Professor  Romstorfer  gezeichneten  Plane  als  auch 
meinen  genaueren  Aufnahmen  widerspricht.  Er  ist  nur  als  eine  einzige  Al>- 
theilung  aufeufassen. 

Intensiver  als  im  Vorjahre  drängte  sich  mir  bei  der  diesjährigen  Reise 
die  Beobachtung  der  interessanten  und  mannigfaltigen  ethnographischen  Momente 
auf,  welche  das  Land  auf  Schritt  und  Tritt  dem  Reisenden  darbietet  Eiiiij^e 
Mittheilungen  werde  ich  mir  bei  anderer  Gelegenheit  gestatten. 

Mir  erü])rigt  noch,  an  dieser  SkA\v  den  zahlreichen,  zum  Theile  bei^its 
namhaft  gemacht^Mi  Herren,  welchen  ich  eine  bereitwillige  Förderung  meiner 
Aufgabe  nachzurühmen  habe,  an  ihrer  Spitze  Herrn  Ijandespräsidenten  Gmfeu 
G  0  e  s,  meinen  verbindlichsten  Dank  auszusprechen.  Es  ist  wahrlich  nicht  Schuld 
dieser  eifrigen  Freunde  der  LandeseHbrschung,  dass  sich  die  ganz  ungewöhnliche 
Häufung  von  Hindernissen  auf  dieser  Reise  nicht  besser  bewältigen  Hess. 


1-^^ 


')  .lahrburli  (\v^  HnkowiivT  buKlesmusnimR,  II.  ('zoniowitz  1894,  paj^.  21. 

Digitized  by  VjOOQIC 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Gallzlen  und  der  Bukowina  und  Ihre 
Bedeutung  für  letztere  Provinz. 

Von  Dr.  Johann  Poiek, 

Gustos  der  k.  k.  Universitäte-Bibliothek  in  Czernowitz. 


Einleitung. 

tloseph  IL  zählte  das  Reisen  zu  den  Ptiichten  eines  Herrschers.  Dass 
dieser  dabei  immer  alles  unverhüllt  zu  sehen  bekonmie  und  die  offenkiuidigen 
Schäden  schon  durch  seine  blosse  Gegenwart  heilen  könne,  das  glaubte  der 
grosse  Kaiser  nicht;  er  huldigte  nur  der  gewiss  uiumfechtbaren  Ansicht,  dass 
man  lM*i  öfterer  Wiederkehr  das  Wahre  von  dem  Falschen  unterscheiden  und 
die  Dinge  und  Pei^sonen  richtiger  beurtheilen  und  verwenden  lerne.  Thatsächlich 
verstrichen  wenige  Jahre,  ohne  dass  er  ein  auswärtiges  Land  oder  eine  öster- 
reichisch-ungarische Provinz  besuchte.') 

Wie  Kaiser  Josc^ph  IL  auf  den  Reisen  seine  Zeit  vei^wendcte,  darüber  ist 
in  einer  zeitgenössischen  Quelle  folgendes  zu  lesen :  >Er  besuchte  allerley  Per- 
sonen, betrachtete  viele  Sachen  von  mannigfaltiger  Ai-t  um  sich  als  Regent, 
als  Staatsma!)!!,  als  Soldat  und  Feldherr,  als  Liebhaber,  Betörderer  und  Be- 
schützer der  Wissenschaft^Mi,  Künste,  Manulacturen,  Gewerbe,  als  Oekonom,  als 
Bürgerfreund,  als  Mensch,  nicht  sowohl  nur  so  zu  ergötzen,  als  vielmehr,  worauf 
es  einzig  und  allein  bei  ihm  ankam,  zu  unterrichten.«  ^) 

Aber  nicht  allein  bei  längerem  Aufenthnlte  nahm  er  allenthalben  das 
Nützliche  und  Sehenswürdige  in  Augenschein ;  er  sah  sich  auch  bei  kuraem 
Verweilen  nach  dem  und  jenem  Merkwürdigen  uni.^) 

Die  tagsüber  gemachten  Wahrnehmungen  brachte  er  abends  zu  Papier. 
Damit  waren  sie  keineswegs  begraben  imd  vergessen ;  im  Gegen theile,  aus  ihnen 
ei-M-uchsen  die  grossen  Veränderungen  und  Verbessenmgen,  die  sich  an  Jo- 
seph's  IL  Namen  knüpfen.  Hiefür  bieten  die  Kaiserreisen  nach  Galizien  und 
der  Bukowina  besondei-s  lehrreiche  Beispiele  dar. 


*)  Siolic  die  ^-Denkschrift  des  Kaiw.TK  .Joseph  fiber  den  Znstand  der  (»steriviehisehi'n  M«>- 
min-hie  in  ^Mariii  Then'sia  nnd  Joseph  11.  Ihre  CorreHi>on<lenz  sjinnnt  Briefen  Josephs  jin  Feinen 
Bruder  Iieo]whl^.     Herausf;e<(«'hen  von  A.  Ritt«T  v.  Arneth.  111.  S.  .335  flF. 

')  Antholo;risehe  Beschnnbung  der  Reise  des  Herrn  (Jrafen  v.  Falkenstein  naeh  Fraiika'ieli 
1777.  S^hwabaeh  1778.  S.  73. 

',>  Ebenda. 


Digitized  by 


Google 


26  Poi  EK : 

I. 

Reise  nach  Siebenbürgen  und  Galizien  1773. 

Am  5.  Februar  177;^  richtete  Kaiser  Joseph  II.  au  den  Hofkriegsmths- 
Präsideiiten  folgeiules  Haiulhillet :  *) 

>  Lieber  Feldin arseha  11  Graf  Ijiiey!  Aus  uebenfolf^jender  nur  obenhin  ent- 
worfener Marsch-rotite  werden  sie  (M*sehen,  auf  was  vor  Alt  und  mit  was  für 
einem  CJefolg  Ich  gesinnet  bin,  Meine  R(»ysse  durch  tiallizien,  Ludomerien  und 
Siel»enbiirgen  anzutretten.  Sie  werden  demnach  alsogleicb  an  das  Cieneral-Com- 
mando  in  (Tallizien  den  Befehl  ertlieih^i,  djuss  es  eine  d<»taillirte  Marsch-nmte 
mit  Benennung  der  stMti<»nen  von  Tag  zu  Tag,  und  der  dabey  zu  sehenden  ver- 
schie<lenen  Objecten  entwerfe,  und  Ilinen,  so  bald  alss  möglich  ist^  hieher  schicke. 
Ich  erlasse  d:us  nemliche  durch  den  Fürsten  von  Kaunitz  an  den  Grafen  von 
Pergen,'^)  welcher  zu  selben  hilf  liehe  Hand  zu  leisten,  sich  aber  in  die  Einthei- 
lung  und  Anordnung  nicht  mengen  wird.  Zu  mehrerer  Erleichterung  schliess(» 
Ich  Ihnen  endlich  hier  noch  bey  die  Abschriften  der  vonn  .lahr  in  Siebenbürgen 
getroffenen  Veranstaltungen  und  erhtssenen  Expeditionen,  damit  sie  tlieils  dar- 
nach auch  in  Gallizien  eingerichtet,  und  tlieils,  nur  mit  Abänderung  der  Tagen, 
bey  der  nachhero  durch  Siebenbürgen  zu  machenden  Reysse,  wirklich  ihr  Ver- 
bleiben haben. 

Wienn  den  5t4'n  Februarii   177.*5. 

.Joseph  Corregens.v 

Nach  der  beigeschlossenen  Marschroute  sollte  die  Reise  am  If).  April 
von  Wien  aus  angetreten  werden  und  nach  Passierung  von  Brunn,  Olmütz  und 
Bielitz,  »ohne  Unterlassung  aller  deijenigen  seitwärts  liegenden  Orter,  Berg- 
werke und  Festungen  wie  auch  anderer  merkwürdigen  Sachen^,  längs  der  Nord-, 
Ost-  und  Südgrenze  Gahziens  bis  gegen  Sniatyn,  dann,  >Pokutien  in  der  Mitte 
durchschneidend«,  auf  dem  »geradesten  und  kürzesten  Weg^^  nach  Ijembei^g  und 
von  da  ^nach  dem  noth wendig  findenden  Aufenthalt  ^  über  Jaroslau,  Przemysl, 
durch  den  Lupkover  Pass  und  das  nordöstliche  Ungarn  nach  Siebenbürgen 
gehen,  wo  der  Besuch  aller  bedeutenderen  Ortschaften,  insbesondere  an  der  Süd- 
und  Ostseite,  beabsichtigt  war.") 

Noch  vor  Ablauf  eines  Monats  hatte  der  Kaiser  seinen  Reiseplan  ge- 
ändert. W(»il  es  die  Zeit  nicht  gestatte,  ;  in  dem  Friihjahr  die  angetragene 
Tour  durch  Galizien  und  Siebenbürgen  zu  machen  und  gleichwohlen  zu  recliter 
Zeit  in  dem  Lager  Ijei  Pest  einzutreffen^^  —  schrieb  er  zu  Anfang  des  März 
an  den  Grafen  Lacy  —  müsse  er  es  >fur  diesmal  bei  der  Reise  durch  l'ngarn, 
da«  Ranat  und  Siebenbürgen «>  bewenden  lassen.'') 

*)  K.  u.  k.  Krie<ri^irchiv,  II.  S.,  1778—98-69.  (OriK.) 

^)  Johann  B.  Anton  (traf  v.  Person  war  vom  20.  Octohor  1772  bis  .Jännor  1774  Ih»- 
volhnächti^tcr  Commi.Hsiir  nnd  (iubeniator  (Irr  h«'i  dor  crston  Tlu'ilun^  Polens  (1772)  n<Mionr4»r- 
bonon  Krtni«,nvicbo  (Jalizion  und  bKloniorion. 

ß)  Ko.vss-  und  Stations-Lista  (K.-A.  II.  S.  1778  -98— ()9)  und  HrM-ript  dtvs  Hofk^i.'J:^- 
rathfs  an  das  jrali/jscho  (i»'n"ralroinnmndo.  (K.-A.  11.  S.   1773—77  —  2). 

')  ll<»rknV^sratb  an  das  j^alizische  (icncralronnnando,  11.  Mäns  1773.  (K.-A.  II.  S. 
1778_77__18.) 


Digitized  by 


Google 


Joskpf's  II.  Reisen  nach  Gauzcen  und  deb  Bukowina.  27 

Diese  Sinnesänderung  hatte  Maria  Theresia,  die  den  Reisen  ihres  Sohnes, 
insbesondere  einer  Reise  nacli  Gahzien,  abhohl  war,  bewirkt.®) 

Docli  nur  ungern  liatte  Joseph  IL  auf  den  Besucli  Gahzicns  verachtet; 
kein  Wunder  also,  dass  er  sclion  nach  kui-zeni  wieder  daran  dachte.  Am 
20.  April  177)5  trug  er  nämlich  dem  Grafen  Lacy  auf,  ihm,  ungeachtet  dass 
die  Reise  nach  Galizien  »bis  auf  künftigen  Herbst  verschoben -^^  bleibe,  dennoch 
die  Eintheilung  der  Reyss-Täge'<,  wenn  sie  von  den  Generalcommanden  einge- 
langt sei,  zu  seiner     Einsicht  gleich  dermalen«  zu  übei*senden.°) 

Die  ungarisch-banatisch-siebenbürgische  Reise  wurde  am  6.  Mai  von  Wien 
aus  angetreten.'^)  Sie  gieng  über  Pest  (0.  und  7.  Mai),  Szegedin  (8.),  Arad  (9.), 
Teniesvar  (10.  bis  12.),  Werschetz  (13.),  Pancsova  (14.),  Kubin  (15.),  Mehadia 
(18.),  Karansebes  (U).)  und  Marga  (20.).  Am  21.  Mai  traf  Se.  Majestät  zu  Li- 
vadia  in  Siebenbürgen  ein  und  besuchte  Deva  (23.),  Karlsburg  (24.  bis  26.), 
Mülilbach  (27.),  HermannsUidt  (28.  bis  31.),  Reps  (31.).  Hierauf  folgten  die 
Nachtstiitionen :  Ebesfalva  (1.  Juni),  Tahnacs  (2.),  Also-Porumbak  (3.),  Fogaras 
(4.),  Csany  (5.),  Kronstadt  (6.  und  7.),  Hossufalu  (8.),  Buza  (9.),  Zagon  (10.), 
Bereczek  (11.)  und  Väsärhely.*') 

In  der  letztgenannten  Süidt  fasste  der  Kaiser  den  Entschluss,  diese  seine 
Reise  dennoch  auf  Galizien  auszudehnen.  Doch  wollte  er  diesen  Schritt  nicht  ohne 
die  Einwilligung  seiner  Mutter  thun.  Wie  schwer  es  ihm  auch  ankomme,  schrieb 
er  ilir  (am  12.  Juni),  sich  von  ihr  und  idl  dem,  was  man  AnnehmHchkeiten 
des  I^bens  nenne,  entfernt  zu  sehen,  so  vermöge  er  dennoch  nicht  den  Wunsch 
zu  unterdrücken,  Galizien  zu  sehen,  wo  er  durch  seine  Inspicierung  ihr  und 
dem  Staate  wahre  Dienste  leisten  zu  können  glaube.  Er  opfere  sich  einzig  und 
tdlein  für  das  Staatswohl,  weim  er,  auf  den  Besuch  des  Lagers  verzichtend,  sich 
durch  die  Marmarosch  direct  nach  Pokutien  begebe  und  die  Tour  durch  diese 
neuen  Länder  mache.  Rire  Majestät  werde  zu  beurtheilen  wissen,  was  ihrem 
Dienste  fromme;  er,  der  Kaiser,  kenne  nichts  als  diesen.  Käme  es  nur  auf  sein 
Vergnügen  an,  so  würde  er  sicherlich  lieber  ins  Lager,  insbesondere  aber  nach 
Wien  gehen.  Uebrigens  würde  die  Reise  im  Spätherbste  mit  noch  mehr  Schwie- 
rigkeiten verbunden  sein.     Alles  hänge  von  ihren,  der  Mutter,  Befehlen  ab.^^) 

Nur  höchst  ungern  willfahrte  Maria  Theresia  dem  Wunsche  ihres  Sohnes. 
Meine  Ruhe,  meine  gute  Laune<,  schrieb  sie  ihm  am  20.  fluni  1773  von 
Scbönbninn,  >haben  nicht  lange  gedauert  An  demselben  Abende,  an  welchem 
ich  Dir  scherzend  schrieb,  erhielt  ich  den  Courier,  der  mich  in  die  tiefsten 
Triiumereien  vei-senkt  hat.  Denn  ich  kann  weder  diese  schreckliche  Reise  noch 
irgend  eine  andere,  die  Du  mit  so  vieler  Beschwerde  unternimmst,  durch  welche 
Du  Deine  schönsten  Lebenstage  abnützest  und  mir  nicht  nur  die  wenigen  Augen- 

«r)  Arnoth,  G(whirhte  Maria  Tliorosia's.  Bd.  VIH.  S.  409. 

»)  Vortra«,'  tle.;  Hofkriof^'firatheH,  21,  April  1773.  (K.-A.,  IL  8.,  1773-77—18.) 

»*>)  Wienor  Diarium  177.3,  Nr.  37. 

")  \Vr/.»'ichni8  (lon*n  von  Stnner  Rom.  KavB.  Majestät  .Tost^ph  dorn  II.  auf  Al!erliöclist«lori> 
K*'iVn  p^nommciien  Nachtstatiunon  vom  Jahn^  1764  bis  1790.  Von  L.  de  Selliers  Chevalier 
dl'  Moranrille.  (Manusc.  Nr.  7427  der  k.  k.  Hofbibliotliek  in  Wien.)  Siebe  au»b  Radics.  Reir^en 
J<«M*]ih  1I.<  in  der  »Oesti^rr.-unj^ar.  Revue  ,  Bd.  IX.  S.  9. 

'*)  Briefe  der  Kaiserin  Maria  Theresia  an  ihn»  Kinder  imd  Frinrnde.  Heraus<,a»«roben  von 
A,  v.  Arneth.  I.  (Wien  1881),  Ö.  8  f. 


Digitized  by 


Google 


2S  PoLEK : 

blicke  raubst,  die  mir    noch  übrig    bleiben,  sondern    sie  auch    mit  Kummer    er- 
füllst, aus  dem  gleichen  Gesichtspunkte  betrachten  wie  Du.    Hill  mir  lieher  den 
Provinzen,  die  Du  schon  durchreist    hast  und  welche  unter  unseren  Augen  sich 
befinden,  bessere  Einrichtungen  zu  geben.     Wenn    dies  bei  ihnen  in  dauerhafter 
Weise  geschehen  sein  wird,  dann    sollen  Siebenbürgen   und  Polen  an  die  Reihe 
kommen;    wenn  nmn  sich  aber  vorei^t   mit  diesen  letzteren    beschäftigt,  en^eicht 
man  keinen  so  wichtigen  Zweck  als    es  bei  jenen   der  Fall  wäre.     Verzeih  mir. 
aber  ich  bin  es,  die  Dir  die  Wahrheit  sagen  niuss.   Es  ist  tmtz  Deines  Scharf- 
sinnes und  Deines  unermüdlichen  Fleisses  unmögHch,  dass  Du  auf  diesen  Reisen 
von  zwei  oder  drei  Monaten    alles  zu  sehen    und  daraus  die  noth wendigen  Fol- 
gerungen   zu    ziehen  vermagst,    insbesondere    in  Polen,  wo    niemand,  die  Einge- 
bornen  noch  weniger  als  die    anderen.  Dir    die  erforderlichen  Aufschlüsse  gel>en 
kann.    Und  in  welcher  Krise  verfügst  Du  Dich  dahin  ?    Weder  die  Zarin  nwh 
der  König  von  Preussen  waren  bis  jetzt  dort.    Du  hast  diesen  Winter  gestehen, 
dass  er  selbst  eine    solche  Rt^ise  nicht    als  piussend    betrachtete,  und    dwh    bi>t 
Du  so  grausam,  von    mir    das  Jawoil    zu  verlangen !     Du  rt^chnest    immer    auf 
meine  Zärtlichkeit,  welche    es  jederzeit    mit  Dir  hält  wider  mein    eigenes  Herz. 
Da  ich  gegen    meine  Ueber/eugung    keinen    Beschluss    fassen    konnte,    zog    ich 
Kaunitz  zu  Rathe.     Hier  ist  seine  Note;  in  Gemässheit  dei-selben  habe  ich  idle 
Schreiben  vei*sendet    Idi  hoffe,  dass  dadurch  Dein  Wille  erfüllt  wird,  und  Gott 
möge  das  Opfer  annehmen,  das  ich  ihm  darbringe,  nicht  Dir,  sondern  ihm  allein, 
auf  dass    er  Deine  Absichten    und    Unternehnmngen    segne.     Du  wiret  wie    ge- 
wöhnlich weder  Klagen    noch  Murren  von    mir    hören,  alles    dies    bleibt    einzig 
und  allein  für  mein    eigenes  Herz.     Urfheile    über  den  Zustiind    der  Kränkung, 
in  welchem    es  jetzt  sich  befindet    nach  der  Ti-östung,  welche  Du    ihm  wälmMid 
des  vergangenen  Wintei-s  durch    den  Vorschhig  bereitetest,  nicht  mehr  an  diese 
Reise  zu  denken,  wodnrch  ich  zu   dem  guttMi  Glauben  verlockt  wurde,  es  werde 
von  ihr  nimmer  die  Rede   sein.     Trotz    der  dumpfen  Gerfichte,  welche    sich  vor 
zwei  Wochen    hier  verbreitettm,    sie  werde    gleichwohl    stattfinden,  war    ich    die 
Einzige  ruhig;   jety.t  ist  sie  zugestanden    und  ich  rede  nichts    mehr  davon,  alK»r 
meine  Qual  wird  nicht  enden.     Ich  nniss    nur  noch    hinzufiigen,  dass.  wenn  Du 
durchaus  noch  in  diesem  Jahre  die  Reise  unternehmen  willst,  solches  jetzt  nicht 
passender  ist  als  im  September.     Denn    der  Eid  der  Treue,  der  nm-h  nicht  ge- 
l(»ist(»t  werden  konnt<^,  ist  nichts  als  eine  Ceremonie,  da  er  immer  imr  eiv.wungen 
und  diesen  armen  Ijeuü^n  al)genöthigt  sein  y\in\.<  *^) 

Wie  sehr  die  ei-habene  Kaiserin  von  den  hier  zum  Ausdruck  kommenden 
Gefühlen  durchdnnigen  war,  zeigt  uns  ein  Brief,  den  sie  an  demsell>en  Tage 
an  ihre  Schwiegertochter  Erzherzogin  Marie  Beatrix,  Er/her/og  Ferdinand's 
Gemahlin,  richtete.  Darin  sagt  sie  wörtlich:  »Die  Reise  des  Kaisers  kostet 
mich  mindestens  zehn  Jahre  meines  lA4)ens.  Er  will  den  Weg  weiter  nach 
Polen  nehmen  und  durch  Mähren  heimkehren.  Er  ermüdet  sich  zu  sehr  und 
wird  die  Nachwehen  davon  verspüren;  in  wenig  Jahren  wird  er  alt  und  ge- 
brochen sein.«  ^*) 


")  Arn»»tli,  (;.'S(hi<'litt*  Maria  Tliorosias.  VIII,  S.  409  f. 

")  Brirli'  (|<T  Kaist'rin  Maria  TIxTfsia  an  ihn*  KIndtT  und  KnMiinlo.    Urs;;,  von  A  riif'tk 
HI.  S.  1(50. 

Digitized  by  ^ 


^Google 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Gauzien  und  der  Bukowina.  29 

Vier  Tage  später,  am  24.  Juni,  klagt  sie  dem  Erzherzog  Ferdinand  ihr 
Leid  mit  folgenden  Worten:  »Ich  bin  seit  sechs  Tagen  in  einer  wahren  Ver- 
zweiflung; der  Kaiser  meldet  mir  dm-ch  einen  Eilboten,  dass  er  es  unbedingt 
nothwendig  finde,  die  Reise  nach  Polen  sofort  zu  unteriiehmen  und  nicht  bis 
auf  den  October  zu  vei-schieben.  Ich  hatte  darauf  gerechnet,  dass  er  heuer 
nicht  dahin  gehen  werde,  da  ich  es  für  mizeitgemäss,  ja  sogar  für  sehr  gewagt 
halte.  Aber  er  hat  vorausgesehen,  dass  wir  ihn,  wenn  er  einmal  zurückkommt^ 
nicht  sobald  fortlassen  werden;  darumhat  er  seine  Vorsichtsmassregeln  getroffen, 
indem  er  alle  Lager  abbestellte.«  ^^) 

In  der  That  hatte  Joseph  IT.  auf  die  Nachgiebigkeit  seiner  Mutter  mit 
Sicherheit  gerechnet;  deim  an  demselben  Tage,  an  welchem  er  sie  um  ihre  Zu- 
stimnmng  bat,  sandte  er  an  den  Hofkriegsratlis-Prilsidenten  folgendes  Hand- 
schreiben *^)  ab : 

:> Lieber  Feldmarschall  Lacy !  Da  Ich  des  Dienst«  Ihro  Majestät  der  Kay- 
serin  zu  seyn  gefimden,  bey  diesen  geänderten  Umständen  Midi  nacher  Galli- 
zien  zu  verfugen;  So  werden  Sie,  so  viel  als  noch  immer  möglich  ist,  zu  Er- 
sparung der  Kosten,  die  abzuhaltende  Liuigers  KHiaffetaliter  abstellen,  und  die 
Regimenter,  nur  ein  jedes  sich  in  seinem  Numero  *')  zu  üben,  veranhissen,  zu- 
gleich den  General  Hadick  ^^)  bedeuten,  dass  Ich  zu  sicherer  Bc^fiirderung  die 
eingeschickte  Marche  Route  und  Njicht- Stationen,  da  sie  in  ganz  andern  Ord- 
nung gt*setzt  sind,  m'cht  weiters  zu  befolgen  gedenke,  sondern  die  Reserve-Sta- 
tionen von  Wirowa  angefangen,  rukwei^s  nur  bis  nacher  Lemberg  halten  werde,'^) 
also  zwar,  dass  ich,  da  doch  mehrere  innere  St^itionen  zu  fahren  gedenke,^'') 
auch  geschwinder  als  diese  ausgesetzte  Tage  sind,  mit  Beybehaltung  der  nem- 
hchen  Route  und  Reütung  in  denjenigen  Oertern,  wo  Gebürg  oder  der  Weeg 
ül)e],  (Hier  Situationen  zu  sehen  sind,  zu  machen  gesinnet  bin ;  Darnach  ist  der 
Hadick  zu  instniiercn;  Von  Lemberg  aus  wird  ei*st  die  weitere  Tournre,  weldie 
wohl  anwiederum  verkehiix^r  nemlich  in  Pokutien  bey  General  Fabris  anfangend 
und  bei  d' Alton  aufhörend,^')  entschieden,  und  dessen  eigentliche  Tage  beneimet 


»»)  Ebenila.  I.  S.  213.  / 

**^)  Das  Orif^'nal  di«*M<*s  Handschii'ilw'ns  —  es  hofindot  sich  in  dorn  k.  und  k.  Kricj^wircliiv 
(II.  8.  1773  77-  2G)  —  ist  vom  12.  Jidi  datifit.  Dass  dies  nur  ein  Seh riMhfe hier  ist,  dafür 
«priebt,  ali^'sehen  von  dem  iVusstellunj^orte  -  in  Kezdi-Vasarhely  hielt  sieh  der  Kaiser  am 
12.  Juni  (nieht  Juli)  auf  ~  der  Fmshmd,  dass  am  oberen  Kande  der  ei-sten  SeiU'  des  Hand- 
?s<'hivil>ens  die  Worte:  Hend>^elan«;t  am  19.  Juni  stehen  und  dass  die  infolge  dieses  Hand- 
^•hivilM*ns  vom  Hofkrie^rathe  an  das  j,'aliz.  Generalefunmando  erlassene  Vrronlnun«^  j^leiehfalls 
Irtztert's  iJat^mi  träj^. 

"^)  d.  i.  in  seinem  \Verbl>ezirke. 

")  Oeneral  der  Cavallerie  Andn'as  (iraf  v.  Hadik  war  damals  ctnnmandiertMider  (ieneral 
in  <>alizien. 

*•)  <iemäHs  der  ihm  unterm  S.  Febniar  1773  übennittelten  Mai"s<*hroute  hatte  II  a  d  i  k  am 
24.  Mai  für  die  Tour  vou  I^-mbeix  an  di»'  <^aliziseh-unfr'U'i<^<lH*  (in^nz«»  fbl^'ude  (Kesen'e-)Naeht- 
Ktati«»nea  vor«res<-hla^'n :  Jaw(»r«»w.  Przemvsl,  Sambor,  Tstvanowa,  Lisko  und  Szezawne.  (K.-A., 
U.  S.   1773-9X-2H7. 

»**)  Na«-h  der  am  12.  Jum'  dem  Ilorkriej^sratbe  übermittelten  Taj^s  Lista^  (K.-A..  II.  S. 
1773 — 77 — 2f>)  sollte  von  Vin>va  bis  liend>er;^    <lurehaus  «,'eritten     werden. 

*')  (ieneral  (Jraf  Fabris  eonmianilieile  die  zwis<"hen  b^ml)ep^  und  Sniatvn,  <ren«'ral 
d' AI  ton  die  zwischen  Bielitz  und  Mielee  (an  der  Nord«^renze  (Jabziens)  liej^ende  Iiri«;ade.  Zwi- 
M-hen  IxMflen  wan^n  an  <ler  Nord-  und  Ostj^n'uze  die  lU-i«raden  der  (Jenerab*  Sehrr»der.  (Jri^ 
vi'o  und   .Vlmasy  (letzteiv  v(»n  Mibio    bis  Zaleszezyki)  aufirestellt.     (Hadik    an  d.   H<»rkriejr.s- 

ralb.  24.  Mai   1773.)  *  C^  r\r\c^\o 

Digitized  by  VjOOv  IC 


30  Polek: 

werden  können.  Icli  werde  über  Caschau,  Eperies,  Haraona  nadier  AVirowa, 
inid  so  weitei^,  wie  es  die  hieme})en  folgende  Tags  Lista  zeiget  in  Gallizien 
eintreffen.  Die  fernei>i  beygebogene  Lista  zeiget  Ibneii,  was  loh  in  einer  jedeu 
Nacbt- Station  an  Victualien  und  zu  weiterer  Fortkomniung  an  Pferden  brauche.**) 

>^Es  n)uss  auch  auf  einer  jeden  solchen  Nacht  Station  ein  Ofäcier  mit 
HO  Mann  von  den  nächst  gelegenen  Truppen,  scye  es  Infanterie  oder  Cavalleric 
connuandiret  werden,  sowie  unterwegs  zu  Ueberniaass  der  Sicherheit  einige  Vor- 
sichten in  Wäldern  und  andern  abseitigen  Gegenden  durch  Patrouillen,  oder  in 
gefährlichen  Oertern    auch   Convoyinnigen    leichter  Truppen    zu    nehmen  wären. 

>ner  General  Hadick  soll  luich  nur  in  Ijeiuberg,  wohin  ich  mich  ohne- 
diess  schier  grad  verfiigen  werde,  erwai*t<^n.  Die  Brigadiei's  und  unterschied  Hohe 
Stabs-Officiers,  durcli  deren  Numero  ich  reysen  werde,  hätten  mich  allezeit, 
längst  ihrer  Brigade  oder  Regiments-Xumero  zu  begleiten.  Das  übrige  der 
Reyse,  wo  gefahren  oder  geritten  werden  wird,  werde  ich  erst  in  Lemberg  besser 
ausmachen  kommen,  da  ich  den  Aufenthalt  allda  noch  nicht  bestimmen  kann. 

»Den  hier  beygeschlossenen  Brief  werden  Sie  den  Feldzeügmeister  Loudon 
allsogleich  überschicken,  da  ich  Selben  auf  dieser  neuen  Towmee  mitzunehmen 
gedenke,  und  Ihn  auf  den  2H.  July  nacher  C.^aschau  dadurch  bestellet  habe. 
Bey  den  übrigen  in  allen  Meinen  Reysen  gebräuchlichen  Verordnungen  ^')  hat 
es  innner  sein  Verbleiben. 

Kesdl    Vasavhdy^  den   12.  Julii   1773. 

Joseph  CoiT.' 

Von  Kezdi-Vasärhely  reiste  der  Kaiser  über  Szepviz  (13.  und  14.  Juni). 
Bereczk  (15.),  Gyergyo-Sz.  Miklos  (IG.),  Parajd  (17.),  Szäs-Regen  (18.),  Bistritz 
(19.),  Borgo  (20.),  Rodna-Contumaz  (21.),  Rodna-Dorf  (22.),  von  da  zurück  über 
NaszcSd  (23.),  Dees  (24.),  Klausenburg  (25.  und  26.)  und  Thorda  (27.)  nacli 
Hennannstadt,  wo  er  vom  28.  Juni  bis  10.  Juli  blieb.  Hierauf  besuchte  er 
Maros-Väsäriiely  (11.  Juli),  Tötsch  (12.),  Banya  (13.),  Szigetli  (14.,  15.  und  17.). 
Kfirösmezö  (16.),  Huszt  (18.),  Hidegpatak  (19.),  Munkacz  (20.  und  21.),  Kaschau 
(22.  bis  24.),  Hanusfalu  (25.)  und  Virova  (26.),  überschritt  am  27.  Juni  die 
galizische  Grenze,  passierte  Lisko  (27.),  Dynöw^  (28.),  Jaroslau  (29.)  und  erreichte 
am  30.  JuH  Lemberg,  das  er  am  5.  August  verHess,  um  die  Rundreise  durch 
das  neuerworbene  Land,  und  zwar  über  Stiv.cliska  (6.),  Stanislau  (7.),  Zabtot^Sw 
(8.),  Sniatyn  (9.  und  10.),  Zaleszczyki  (11.),   Boryszkowce  (12.),  Skahi  (13.),  Ka- 

**)  Diosor  >I.ista<'  zufolge  sollteu  in  jedor  Nachtatiition  an  >Victimb'en<  vorhandon  sein: 
70  Pfun(l  Rincltti'isch,  ein  ganzes  Kalb,  ein  ganzes  Lamm,  dann  24  junge  und  2  alte  Hühner. 
3  (länse  und  2  Indianer  (sämmtlieli  gerupft),  ferner  24  l*f.  Sehmalz,  6  Pf.  Butter,  40  Eier. 
2  Achtel  Mundmehl,  2  Pf.  Zucker,  8  Citronen,  4  Pf.  S|H'ek,  4  Pf.  Knwliemuark  und  vcrsehi»*- 
denes  Grünzeug,  als:  Zeller,  Petersilie,  Zwiel»eln,  100  Stück  Kohl,  2  Pf.  Sauerkraut  oder  elnn- 
soviel  anden^s  derartige  (leniüse.  endlieh  Weisshrot,  ordinärer  Wein,  Küehengeschirr,  zinnern»* 
Si'hüsseln  und  Teller.  Messer,  (iabeln,  Liiffel  und  (iläser.  Die  Zahl  der  an  jeder  Station  ben'it- 
zuhaltenden  Pferde  war   auf  58  Zug-  und  2  Kritpfenb'  festges,»tzt.     (K.-A.  IL  S.  1773—77-2(5.) 

*^)  Daraus  sei  hii'r  nur  folgt  nde  angeführt:  K-^  >\nr<l  kundz»miach(-n  sein,  dass  einem 
jeden  fii'i  stünde,  seie  er  Militär  oder  Civil,  Mir  seine  Klagen  oder  Hesebwerden  sehriftlieh  ein- 
zun'icben.  nur  mit  diesem  Beisatz,  dass  sie  mit  seinem  Namen  bezeichnet  si'in  niüs*>i'n,  un<l  als<» 
Ich  weder  anonymisehe  noch  virsteckte  Anzi'igeu  annehmen  werde,  da  eln<'m  je<len  mit  uuver- 
hehlteni  Namen  d'c  Wahrheit  anzuzeigen  frei  .^tehet.  Diese  Angaben  wenb»  leb  sämmtlich  unter- 
suchen bissen  und  Ihro  Maje;t:it  der  Kaiserin  vorlegen  .  (K.-A.  IL  S.  1773^  OS     69 J 

Digitized  by  VriOOQlC 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Gamzien  und  der  Bukowina.  31 

laharowka  (14.),  Oszo^owcy  (15.),  Milno  (16.),  Brody  (17.  und  18.),  Byszow  (19.), 
Sokal  (20.),  Hnibieszow  (21.),  Dnbionka  (22.),  Bukoliipy  (28.),  Zaniosc  (24.  und 
25.),  Goray  (27.),  Kosin  (29.),  Nadbr/ezie  (29.),  Zaduszniki  (30.),  Boslestaw  (31.), 
Niepolomic«  (1.  September),  Kaziniierz  (2.  und  3.),  Kalwarya  (4.),  Oswiecini  (5.) 
und  Wleliczka  (6.  und  7.).  Am  8.  September  eneichte  er  Bielitz,  am  9.  Weiss- 
kirchon,  am  10.  war  er  bei  Kaunitz  in  Austerlitz  zu  Gaste,  am  11.  übernacbtete 
er  in  Pohrlitz,  am  12.  in  Stammersdorl*  und  am  13.  kam  er  in  Wien  an,*^) 
•zur  allgemeinen  Freude,  in  höchstem  Wohlsein.«  ^•') 

»Mit  einem  Eifer,  einer  Unermüdlichkeit  ohne  gleichen«  suchte  Joseph  in 
Galizien  die  inneren  Zustände  des  Landes  zu  erforschen  und  sich  mit  dessen 
Bedürfnissen  vertraut  zu  machen. 

Gleich  nach  seiner  Ankunft  in  Tjemberg  schrieb  er  seiner  Mutter,  er  sehe 
voraus,  dass  eine  unermessliche  Arbeit  seiner  harre.  Neben  grosser  VcrwiiTung 
in  allen  öifentlichen  Angelegenheiten  heri'sche  dort  ein  walirhait  ei^ch  recken  der 
Parteigeist  Im  allgemeinen  aber  scheine  das  Land  von  gutem  Willen  erfüllt 
zu  sein.  ^^) 

Doch  es  liegt  nicht  im  Plane  dieser  Arl)i»it,  die  Veränderungen  zu  be- 
trachten, die  diese  Kaiserreise  für  Galizien  zur  Folge  hatte ;  nur  ihix3  Bedeutung 
für  die  Bukowina  soll  uns  hier  beschäftigen.  Zu  diesem  Zwecke  sei  es  ge- 
stattet, etwas  weiter  auszuholen. 

Es  ist  bekaimt,  dass  Katharina's  IL  Einmischung  in  die  Angelegenheiten 
Polens  im  Herbste  1768  zu  einem  I^iege  z\Nnschen  der  Türkei  und  Russland 
führte.  Die  Russen  besetzten  im  »Jahre  1769  die  beiden  Donaufürstenthümer 
und  nahmen  im  folgenden  Jahre  den  Türken  die  meisten  Festungen  diesseits 
der  Donau  weg.*^) 

Diesen  Ereignissen  gegenüber  konnte  der  Wiener  Hof  nicht  nihig  bleiben. 
Er  Hess  nicht  nur  einen  Militärcbrdon  durch  Ungarn  und  Siebenbürgen  ziehen 
und  das  dort  streitige  Grenzgebiet  besetzen,  sondern  suchte  auch  eine  Verstän- 
digung mit  der  Pforte.  *®) 

In  der  Convention  vom  6.  Juli  1771  erklärte  sich  letztere  zur  Zahlung 
von  20.000  Beuteln  (circa  11 7^  Millionen  Gulden)  und  zur  Abtretung  der 
kleinen  Walachei  bereit  Dafür  versprach  ihr  Oesten-eich  einen  annehmbaren 
Frieden  mit  Russland  zu  vermitteln.^*). 

Die  im  Jahre  1772  eingeleiteten  Friedensunterhandlungen  scheiterten  an 
dem  Widerstreite  der  russischen  und  türkischen  Begehren.  Dieses  Resultat  kam 
selbst  dem  Sieger  unerwünscht,  so  dass  auch  dieser  jetzt  die  guten  Dienste 
Oesterreichs  in  Anspruch  nahm. 

Fürst    Kaunitz    schlug    damals    vor,  der    Pforte    fünf   bis    sechs  Millionen 

•*)  il  0  Soll  icr  .s,  a.  a.  0. 

«*)  Wit'iior  Diarium.  177.S.  Xr.  74. 

W)  Arnoth,  (iosi-hichte  Maria  Thoivsia's.  VIII.  S.  413. 

«7)  ßrücknor.  Xatluinna  dio  Zwcito.  UtTÜn  1888.  S.  2m.  ff. 

**)  Arnt'th,  a.  a.  O.  S.  170  f.,  Polok.  Dio  Envorhunj^  der  Bukowina  durch  ()<\stor- 
n'ich.  (Vrnowitz  1S89,  8.  6  und  K  a  i  n  d  1,  Die  Knvor1>un.!i:  dvr  Bukowina  durch  Ocstcrrcich. 
(•/>.'mowitz  1H94.  S.  9.  ^^  i 

f)  A  rneth.  a.  a.  O.  S.  290  f.  Digitized  by  GOOglC 


32  l^OLEK : 

Gulden  anzubieten,  damit  sie  sich  billigere  Friedensbedingungen  erkaufen  könne ; 
dagegen  sollte  sie  die  kleine  Walachei  an  OesteiTeich  abtreten. ^°) 

Nur  mit  Widerstreben  stimmte  Joseph  II.  diesem  Plane  zu.  Er  hielt  die 
kleine  Walachei  weder  in  militärischer  noch  in  politischer  und  commercicUtT 
Hinsicht  eines  solchen  Geldopfers  wert*')  Die  Wahrnehmungen,  die  er  auf  der 
siebenbürgisch-galizischen  Reise  machte,  bestärkten  ihn  noch  mehr  in  seiner 
Meinung;  dagegen  lenkten  sie  seine  Aufmerksamkeit  auf  einen  anderen  Theil 
des  türkischen  Grenzgel)ietes :  auf  den  nordwestliclien  Theil  der  Moldau,  d.  L 
die  heutige  Bukowina.  Durch  den  Besitz  dieses  Landes  hoffite  er  die  Herstel- 
lung einer  directeren  und  bequemeren  Verbindung  zmschen  Siebenbürgen  und 
Ostgalizien  zu  en^eichen.^^) 

Hierüber  schricl)  er  am  19.  Juni  1S73  von  Szäsz-Regen  an  seine  Mutter: 
*Wir  haben  soeben  die  Csik  und  Gyorgyo  mit  allen  ihren  nach  der  Moldau 
führenden  Pässen  sowie  einen  Theil  des  wiederbesetzten  Gebietes  besichtigt 
Letzteres  ist  eine  wahre  Wildnis,  bedeckt  mit  den  schönsten  Bäumen,  die  aber 
unbenutzt  verfaulen.  Wenn  man  durch  die  Zurückgabe  dieser  ziemlich  ausge- 
delniten,  aber  ohne  Beurbann)g  und  Besiedelung  fast  wertlosen  Gebietstheile  a» 
die  Moldauer  jene  Ecke  gewinnen  köimte,  die  an  Siebenbürgen,  an  die  Marma- 
roscli  und  an  Pokntien  stösst,  so  würde  man  sicher  etwas  sehr  Nützliches  voll- 
bringen.«^ Er  bittet  die  Kaiserin,  diese  Angelegenheit  von  dem  Füi'sten  Kaunitz 
in  Erwägung  ziehen  zu  lassen  und  fährt  dann  also  fort:  Diese  Erwerbung 
(cela)  würde  nicht  nur  unsern  Handel  und  Verkehr  erleichtern,  sondern  tür  die 
Truppen,  die  jetzt  behufs  ihrer  Vereinigung  einen  furchtbciren  Ihn  weg  nmchen 
müssen,  fiir  den  Kriegsfall  Ausgänge  aus  einer  in  die  andere  diesen*  Provinzen 
schatt\ni.« 

Als  erwerbenswert  bezeichnet  Joseph  IL  den  inzwischen  dem  Rodnapass 
un<l  den  Strassen  von  Horodenka,  Sniatyn  und  Zaleszczyki  längs  des  Sert»tli 
bis  zum  Pruth  und  Dniester  und  ganz  Pokutien  enthnig«  gelegenen  Theil  der 
Moldau.  Dies«  würde,  meint  er  schliesslich,  »in  militärischer  und  politischer 
Beziehung  zum  mindesten  der  kleinen  Walachei  gleichkommen.«  ^') 

Bei  dem  Hinweis  auf  den  zur  Eraielung  einer  besseren  Verbindung  der 
beiden  Provinzen  Siebenbürgen  und  Gtdizien  lu'ithigen  Landstrich  und  der  An- 
gabe der  Art  und  Weise,  wie  dessen  Erwerbung  zu  bewerkstelligen  sei,  liess  es 
Joseph  ir.  nicht  bewenden.  Er  traf  sofort  Anstalten,  um  eine  genaue  Keimtnis 
von  dem  ins  Auge  gefassten  Gebiete  zu  erlangen.  Zu  diesem  Zwecke  schickte 
er  den  Obei-sten  des  2.  walachischen  Infanteriereginientii  Karl  JVeiherrn  von 
Enzenberg  mit  einem  Officier  und  zwei  Unt^Toflicieix^n  zur  Recognoscieioing 
in  die  Moldau  wh.^*) 

Heber  fünf  -Punkte^  sollte  die  Expedition  Auskunft  bringen:  ül)er  die 
M(iglichkeit    der  Hei-stellung    einer    dauerhaften,  fahrbaren    Strasse    aus  Sieben- 

="•)  P^heinhi.  S.  455. 
»')  KluMula.  S.  457. 
")  Polck,  II.  a.  ().  S.  11. 

")  Polck,  a.  a.  ().  S.   12.  f.  un.l  Arnetli,  a.  a.  O.  Vill.  8.  613. 
»*)  Sirlu»  «las  w.'ittT  inin^n  t  .l'^t-iile  kaistTÜi-h'  HandMlH  iiTnl  v^'l.  l\uj  r  k,  a.  ji.  O.  S.  i:U. 

Digitized  by  VjOOQIC 


JosEPH^s  11.  Reisen  nach  Oalizien  und  der  Bukowina.  33 

bürgen  über  Doma  nach  Galizien,  zweitens  ül)er  die  Ausdehnung  der  Besitz- 
ergreifung mit  Rücksicht  auf  die  Gewinnung  einer  leicht  zu  vertheidigenden 
Grenzlinie,  dann  über  die  Beschaffenheit  und  den  Wert  des  benöthigten  Land- 
striches, fenier  über  die  \  ortheile  dieser  »Acquirierung«  für  die  Monarcliie, 
endlich  über  die  Haltung    der  Bevölkerung    im  Falle    eines  Regierungswechsels. 

Nach  Verlauf  von  ungelähr  sechs  Wochen  hatte  Enzenberg  die  ihm  über- 
tragene schwierige  Aufgabe  gelöst.  Sein  Bericht  '^)  sprach  laut  für  das  Project 
des  Kaisers.  Dieser  war  denn  auch,  wie  das  folgende,  am  10.  August  von 
Sniatyn  an  den  Hofkriegsraths-Präsidenten  gerichtete  Haiidbillet  l)eweist,  mit 
dem  Ergebnisse  der  Expedition  zufrieden.     Er  schrieb: 

»lieber  Feldmarschall  Graf  von  Lacy!  Da  dem  Obristen  des  zweyten 
Wallachischen  Infanterie  Regiments  Baron  von  Enzenberg  der  Auftrag  von 
Mir  geschehen  ist,  sich  mit  einem  Oflicier  und  zweyen  Unter  Officieren  in  die 
Moldau  zu  begeben,  derselbe  auch  bereits  mehrere  Zeit  allda  zugebracht,  wie 
es  ihnen  schon  bewust  ist,  und  die  ihme  «auferlegte  Commission  auch  wirklich 
gut  vollendet  hat;  So  werden  sie  dem  General  Commando  in  Siebenbürgen 
den  Befehl  ertlieilen,  dass  selbes  gedachten  Obristen  Enzenberg  alle  zu  sothaner 
Reyse  gemachte  Ausgaaben,  Unkosten  und  diurna^  ohne  hierüber  von  ihme  eine 
liesondere  genaue  Berechnung  zu  fordern,  ohnaufhaltlich  verabfolgen  lasse. 
Sniatyn  den  10.  August  1773. 

Joseph  Con\ :  ^'') 

Eine  weitere  Massnahme  des  Kaisers  war  die  Anordnung  der  kartho- 
graphischen  Aufnahme  des  an  Gahzien  und  Ungarn  stosseiulen  Gebietes.  Diese 
Aufgabe  fiel  dem  Generalstabs- Hauptmaime  Friedrich  von  M  i  e  g  zu,  der  schon 
am  17.  September  1773  eine  »Generalkarte«  von  dem  zwischen  dem  Pruth  und 
Dniester  gelegenen  Landstriche  nebst  Specialplänen  von  Chotin  und  Kamieniec 
an  das  galizische  Generalcoramando  sandte,  indem  er  gleichzeitig  in  einem  bei- 
gefügten Berichte  ebenso  wie  wenige  Wochen  früher  Enzenberg  die  grossen 
Vortheile  einer  Grenzerweiterung  nach  der  Türkei  hin  auseinandersetzte.^^) 

.Schliesslich  liess  der  Kaiser  »zur  Erweisung  der  diesseitigen  Anspiüche 
und  Gerechtsamen  auf  die  Moldau«  durch  den  geschieh tskundigen  Obersten 
Baron  von  S  e  e  g  e  r  eine  Geschichte  dieses  Landes  schreiben,  die  denn  auch 
darthat,  dass  der  Bukowiner  Wald  und  der  von  Czeniowitz  gegen  Sereth  uiul 
Borgo  laufende  Bergrücken  die  Grenze  zwischen  der  Moldau  und  Pokutien,  also 
Galizien,  gebildet  habe.*®) 

Staatskanzler  K  a  u  n  i  t  z  zollte  dem  Projecte  Joseph's  Beilall.  Schon  im 
Juli  1773  hatte  er  den  österreichischen  Geschäftsträger  in  Constantinopel  Franz 
Freiherrn    von    Thugut    davon    unterrichtet,  und  obwohl    dieser    in    seinem  Be- 


•*)  Er  ist  unter  dem  Titel:  »Von  und  aus  der  Bukow-ina.  Im  September  1781  <  (anonym) 
in  Schlözer  s  »Stiiais-Anzeij^en«,  Bd.  I,  Heft  1,  S.  38  ff,  dann  in  Hurmuzakis  ^Dofu- 
menie  la  istoria  Rot/ianihro^y  Vol!  VII,  S.  488—496  und  im  Auszuj^e  bei  Pole  k,  a.  a.  S.  14  ff 
veröffentlicht. 

**)  K.-A.  n.  S.  1773—62—33.  (OriJ,^) 

■0  Werenka  »Bukowinas  Entstellen  und  Aufblühen,  I.*^  im  Archiv  fiir  östeiT.  (ie- 
M-hichte.  LXXVm,  Beilage  I. 

")  Bei  Werenka,  a.  a.  0.  Beil.  II.  u.  XUI. 

Digitized  by  ^  _ 


.Google 


84  PoLEK : 

richte  vom  3.  August  die  Willfährigkeit  der  Pforte  sehr  bezweifelte,  kam  er 
dennoch  sofort  auf  die  Sache  neuerdings  zurück.^^)  Ein  Jahr  später  wjir  der 
YOni  Kaiser  ins  Auge  gefiisste  Landstrich,  die  Bukowiiui,  von  Oesterreich  besetzt**] 


II. 

Reise  nach  Gaiizien  und  Russiand  1780. 

Nach  allen  aus  der  Zeit  der  Besitzergreifung  stammenden  Berichten  *^) 
war  die  Bukowina  damals  grösstentheils  mit  Wald  bedeckt 

Und  wie  spärlich  war  das  Land  bevcilkert!  Auf  den  10.456  QKilometenj. 
die  es  mnfasst,  wohnten  nicht  mehr  als  circa  12  bis  15  Tausend  Familien  oder 
60  bis  70  Tausend  Seelen.*^)  Demgemäss  lagen  auch  die  kleinen,  zumeist  niu* 
eine  einzige  Stube  enthaltenden,  aus  Holz  aufgefuhii^n  Häuser  überall,  besondei^ 
aber  im  Gebirge,  weit  auseinander.**) 

Der  Nationalität  nach  gehörte  die  Mehraahl  der  Bewohner  dem  rumäni- 
schen Volksstamme  an.  Im  Russisch-Kimpolunger  Bezirke  (Gerichtsbezirke 
Wiznitz  und  Putilla)  sassen  neben  den  Rumänen  auch  Ruthenen.**)  Auch  zwei 
kleine  deutsche  Colonien  waren  schon  vorhanden :  Prelipcze  und  Sadagora.**) 
Ausserdem  gab  es  in  Suczawa  eine  ziemlich  starke  Gemeinde  von  orientidischen 
Armeniern  *^)  und  im  ganzen  fjande  zei'streut  Juden  und  Zigeuner.*') 

Die  Rumänen  bekannten  sich  sämmtlich  zur  griechisch-orientilischen  Kirche. 
Dieser  Kirche  hiengen  aus  Mangel  an  eigenen  Priestern  auch  die  ehedem  grie- 
chisch-katholischen Ruthenen  an.  Doch  hatten  weder  die  einen  noch  die  an- 
deren einen  rechten  BegriflF  von  ihrer  Religion.*^) 

8»)  Arncth,  (Joschicht*^  Maria  Thm-sia's.  VIIT.  S.  463  f. 

*°)  üeber  die  Ei-werbunj?  der  Bukowina  siebe  A  r  n  e  t  b,  a.  a.  0.  VIII,  8.  369  ff  sowie  die 
bt^reits  citierten  Arbeiten  von  K  a  i  n  d  1,  P  o  1  e  k  und  W  e  r  e  n  k  a. 

*^)  (ianz  (xler  theilweise  sind  davon  veröffentliebt :  1.  General  Baron  Spien y's  »ohnmass- 
j^eblicher  Entwurf  zu  einer  inilitäriscben  Einriebtung  des  k.  k.  enelavirten  Moldauischen  AdUkmIs- 
vom  10.  Deeember  1774  (bei  Pn>f.  Dr.  v.  Ziej^lauer,  Der  Zustand  der  Bukowina  zur  Z*»it  d-T 
österreichiscben  Oc<*upation.  Czemowitz  1888.),  2.  Spien  y's  ^Be.*5chi-eibung  des  Bukowiner  I)i- 
stricts  nach  der  vorberiji^m  und  jetzo  n^wh  bestehenden  Beschaffenheit'^  aus  d.  J.  1775  (unter  dem 
Titel:  ^General  Spleny's  Beschi-eibunj^  der  Bukowina<^  und  »Ortschafb^verzeichnis  der  Bukowina-, 
hi-sj?.  von  Polek.  Czemowitz  1893.),  3.  General  Baron  Enzenberj^s  Ik'nkschrifben  vom 
30.  October  1779  (bei  Ziej^lauer,  Geschichtliche  Bilder  aus  der  Bukowina  zur  Zeit  der  öster- 
reidiiscben  Oecupation,  CzemoM-itz  1893)  und  4.  die  ^Beschreibiuijc  d(?s  Buew\iner  Distri<-tä^  de^ 
Mappierung8dire(^)rs  .1.  B  u  d  i  n  s  z  k  v  aus  d.  J.  1783  (l)ei  Polek,  Die  Bukowina  zu  Anfanp 
des  Jahres  1783,  Czemowitz  1894.) 

*")  Spleny's    BescbriMbunji:  der  Bukowina,  S.  166^  f.,  dann  Orisciiaftsverzeichnis    S.  4  ff. 

*')  Spleny's  Besehreibung  der  Bukowina,  S.  25  ff  und  66  f. 

**)  Werenka,  »Maria  Theresia  und  die  Bukowina«,  Wiener  Zeitung,  1888  Xr.  107.  Vgl. 
auch  Polek,  Die  Anfangs»  des  Volksschulwesens  in  der  Bukowina.  Czemowitz  1891.  S.  42. 

**)  Ueber  Prehj)cze  u.  Sadagora  siehe  W  i  c  k  e  n  h  a  u  s  e  r,  Die  deutschen  Siedelungen  in 
der  Bukowina.  1.  (Czemowitz  1885),  S.  34  ff,  über  Sadag<'>rd  auch  Polok,  Die  ehemalige  rus- 
sische Münzstätte  in  Sadagc'mi.  Czemowitz  1894. 

*«)  Siehe  D.  Dan,  Die  orientalischen  Amienier  in  der  Bukowina.  Czemowitz  1890.  Vgl 
auch  Zieglauer,  Geschichtliche  Bilder,  S.  61—63. 

*')  Ueber  die  Juden  siehe  Polek,  Statistik  des  Judentbunis  in  der  Bukowina  (S.-A.  aui^ 
d.  Statist.  Monatschrift.  Wien  1889),  über  die  Zigeuner:  A.  Ficker,  Die  ZigiMiner  in  der  Bu- 
kowina (S.-A.  aus  d.  Statist.  Monatschrift  1875)  und  Dan,  Die  Zigeuner  in  der  Bukowina.  Czer- 
nowitz  1892.  Vgl.  auch  Zieglauer,  a.  a.  0.  S.  69  ff. 

*®)  S  p  1  e  n  y,  Beschivibung  der  Bukowina,  S.  34. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Josbph's  II.  Reisen  nach  Galtzten  und  der  Bukowina.  35 

Um  Schulung  und  Bildung  stand  es  überhaupt  sehr  schlecht  in  dem  neu- 
ei-^^'orbenen  Lande.  Von  den  Adehgen  pflegte  nur  ein  einziger  (der  Bojar  Ba- 
silius  Bai  seh)  »die  Rechte  und  die  Wissen  schaftejK,  die  Geistlichen  waren 
zufrieden,  wenn  sie  nur  lesen  und  schreiben  konnten,  und  die  grosse  Masse  des 
Volkes  genoss  gar  keinen  Unterricht*^) 

Den  Hauptnahrungszweig  der  Bewohner  bildete  die  Viehzucht,  deren  Pro- 
duete  (Rinder  und  Pferde,  Schafe  und  Ziegen,  Häute  und  Wolle  etc.)  von  den 
Juden  und  Armeniern  aufgekauft  und  theils  nach  der  Türkei,  theils  nach  Schle- 
sien verhandelt  wurden.  Der  Ackerbau  bestand  hauptsächlich  im  Anbau  von 
Kukuruz,  und  zwar  für  den  eigenen  Bedarf '*^) 

Der  ganze  Gnnul  und  Boden  eines  Dorfes  war  dem  Grundherrn  eigen. 
Der  Bauer  besass  nicht  eine  Handbreit  eigenen  Ten-ains.  Er  erhielt  jährlich 
soviel  Grund,  als  er  zum  Unterhalt  des  Viehes  und  zum  Anbau  brauchte.  Dafür 
hatte  er  dem  Grundherrn  von  allen  seinen  Erzeugnissen  den  Zehnt  zu  geben, 
12  Tage  im  Jahr  zu  frohnen,  eine  Fuhr  Holz  zuzuführen  und  bei  der  Ausbes- 
serung der  herrschaftlichen  Gebäude  mitzuwirken.^')  Im  übrigen  war  der  Bauer 
fi*ei ;  leibeigen  war  nur  ein  Theil  der  Zigeuner,  die  sogenannten  Roby.**) 

Von  den  weltHchen  Grundbesitzern  hatten  die  meisten  ihren  bleibenden 
Wohnsitz  ausserhalb  des  Landes.  Aber  auch  die  innerhalb  des  Cordons  be- 
güterte Geistlichkeit  gehörte  nicht  ausschliessHch  der  Bukowina  an.  Ein  grosser 
Tlieil  von  Grund  und  Boden  war  nämlich  dem  Metropoliten  von  Jassy  und 
moldauischen  Klöstern  eigen.  Anderer;;eits  hatte  sowohl  der  Radautzer  oder 
BukoH-iner  Bischof  als  auch  die  Bukowiner  Klostergeistlichkeit  in  der  Moldau 
Güter.  ") 

Wenn  schon  aus  .diesen  eigentliümlichen  Besitzverhältnissen  mannigfache 
Irrungen  entsprangen,  so  nmsste  das  äussere  Gefüge  der  Kirche  —  es  reichte 
nämlich  einerseits  die  Radautzer  Diöcese  weit  in  das  moldauische  Fürstenthum 
hinein,  während  andererseits  nicht  nur  viele  Seelsorgstationen,  sondern  auch  alle 
Kliister  der  Bukowina  dem  Jassyer  Erzbischofe  unterworfen  waren  —  noch 
grössere  Uebelstände  zur  Folge  haben.  Die  Weltgeistlichen  (Popen  und  Dia- 
konen) machten  sich  bei  dem  Abgang  von  Pftiinden  und  Stolgebühren  durch 
unerlaubte  Mittel  fiir  ihre  geistlichen  Verrichtungen  bezahlt,  die  Mönche  aber 
führten,  da  ihre  Vorsteher  das  Eiträgnis  der  Klostergüter  vergeudeten,  entweder 
ein  erbarmungswürdiges  Dasein  oder  gewannen  ihren  Lebensunterhalt  ausserhalb 
der  Klostermauem.'^*) 

Nicht  besser  war  die  Verwaltung  des  Landes  beschaffen.  Sie  bestand 
eigentlich  nur  in  der  Einsammlung  der  Steuern  und  in  der  Pflege  der  Justiz. 
Dazu  war  in  Czerno^itz  ein  Starost  (Aeltester),  in  Suczawa  ein  Isprawnik  (Ver- 
walter), in  jedem  Okol  (Bezirke)  Namestniks  (Stellvertreter)  imd  in  den  Dörfern 


**)  P  o  l  c  k,  Aiifiingp  d.  Volkssehulwesens  in  <1.  Buko>rina.  S.  6  ff. 
***)  S  p  1  o  n  v'  ß  Beschreibung  d.  Bukowina.  8.  35  ff. 

»»)  Spleny,  a.  a.  0.  S.  64  f.  —  V^rl.  auch  Zieglauer,  a.  a.  0.  S.  16  ff. 
**)  Zieglauer,  a.  a.  0.  S.  71. 

**)  N<H-h  im  Jahre  1788  zählte   man  80  OrtschafUm,  dei-en  Eigenthünier  sicli  theil>»  in  der 
M«44biii.  theils  in  der  Walachei  aufhielü^n.  (Polek,  Die  Bukowina  zu  Anfang  1783.  8.  62.) 

**)  Spien  y'  s  B«?s<*hrtMhung  d.  Bukowina.    8.  51  f  un<l  Z  i  e  g  1  a  u  e  r,    a.  a.  0.  8^4  ff,        - 

Digitized  by  V:iOOQIC 


36  Polek: 

Dwoniiks  (Richter)  angestellt  Dem  Starosten  und  dem  Isprawnik  waren  je 
drei  Ix)gofeten  (Srhreil)er),  einer  fiir  die  Steuersachen  luid  zwei  fiir  die  Gerichts- 
pHege  und  die  Corresi)ondenz,  den  Namestniks  je  zwei  Zlotaschen  (Steuerein- 
nehmer), den  Dwoniiks  je  nacli  der  Grösse  und  Ausdehnung  des  Dorfes  1,  2 
oder  3  Wat^imans  (Gehilfen)  zugetlieilt.  Dem  Starosten  standen  überdies  eine 
Anzahl  Gerichtsdiener  (Barans,  Umblators)  und  Amanten,  letztere  zumeist  zu 
auswärtigen  Dienstverrichtungen  und  zur  Ueberbringung  der  Berichte  nach  Ja^j, 
zur  Verfügung.  Die  Aufsicht  über  die  Grenze  besorgten  100  Kalaraschen  oder 
Grenzwächter  unter  einem  Capitän  und  4  Vicecapitäns. 

Nur  die  Amanten  erhieltcMi  ihren  Sold  vom  Fürsten;  das  ganze  übrige 
Verwaltungspersonale,  vom  Starosten  angefangen,  war  auf  sogenannte  Sportein 
angewiesen.  Uebrigens  waren  die  vornehmeren  Aemter  nicht  auf  Lebenszeit 
sondern  nur  auf  2  oder  3  Jahre  und  meistentheils  an  den  Meistbietenden  ver- 
handelt Kein  Wunder,  dass  (he  Bemühung  solcher  Beamten  dahin  gieng,  das 
für  das  Amt  ausgelegte  Geld  sobald  als  möglich  herauszuschlagen  und  sich 
während  der  kurzen  Amtszeit  auf  Kosten  des  armen  Volkes  zu  bereichem.**) 

Die  Steuem  waren  maimigfach.  Vor  allem  ist  der  Tribut  zu  nennen,  der 
zumeist  die  Aenneren  drückte;  denn  der  höhere  Adel  und  die  Klostergeistlich- 
keit war  davon  befreit  Dann  gab  es  eine  Gostina  (Weidegeld  fiir  fremde  Schafe), 
eine  Desetina  (Zehnt  von  Borstenvieh  und  Bienen),  ein  Solarit  (Salzsteuer,  nur 
im  Czernowitzer  District),  eine  Starostie  und  Isprawniksie  (Steuer  fiü*  den  Sta- 
rosten und  Isprawnik  von  allen  ausgeführten  Waren),  eine  Kapitanie  Dikitzman 
(Steuer  für  den  Grenzcapitän  von  Kotzman  von  dem  ausgeführten  Vieh),  eine 
Dworniksie  mare  und  eine  Schartrarie  (ebensolche  Steuer  für  den  Gross-Dwomik 
oder  Obei*st- Hofmarschall,  bezw.  für  den  Schartrar  oder  General-Quartiermeister), 
ein  Boeritul  (Steuer  von  jedem  Schank-  und  Brantweinhaus  für  den  Gross- 
Mundschenk),  ein  Venitul  Metropolitului  (Steuer,  welche  die  Juden  für  ihre  Dul- 
dung dem  Metropoliten  zu  entrichten  hatten)  etc.**) 

Was  die  Rechtspflege  anbelangt,  so  war  für  den  processierenden  Baueni 
der  Dwornik  die  ei-ste,  der  Namestnik  die  zweite,  der  Starost  bezw.  der  Isprawnik 
die  dritte  Instanz.  Der  Adel  brachte  seine  Klagen  sofort  bei  letzterem  vor. 
Die  Geistlichen  aber  unterstanden  in  Temporalibus  wie  in  Spiritualibus  der 
Jurisdiction  des  Bischofs. 

Alle  Processe  wurden  ohne  Advociiten,  ohne  Beisitzer,  ohne  Protokoll, 
bloss  nach  der  natürhchen  Einsicht  oder  Willkür  des  Richters  durchgeführt; 
doch  stand  es  dem  Bauern,  dem  Edelmann  und  auch  dem  Geistüchen  frei,  gegen 
den  Aussi)mch  des  Starosten,  bez.  Isprawniks  und  Bischofs  die  Entscheidung  des 
Füi'sten  anzumfen,  der  die  Streitsache  von  dem  in  Jassy  eingesetzten  Divaii 
(Gerichtshof)  untersuchen  Hess. 

Criminalfälle  konnten  nur  in  Jai^sy  zur  Verhandlung  kommen,  Todes- 
urtheile  nur  mit  Zustinmmng  der  Pforte  vollzogen  wenlen ;  die  Verbrecher  waren 
jedoch  »meistens  so  glücklich  <,  sich  untenvegs  oder  im  Gefängnisse  mittels  eines 
Geldgeschenkes  von  ihren  Fesseln  zu  befreien.*^^ 


W)  Spion  V,  a.  a.  O.  S.  45  ff. 
^)  KiM'iMla/a.  a.  O.  S.  53  ff. 

»0  Elxnula,  S.  50  ff. 

Digitized  by 


Google 


Josbph's  II.  Reisen  nach  Galizien  und  der  Bukowina  37 

Von  der  Handhabung  der  Polizei  war  keine  Rede.  Im  gajizen  Lande  gab 
es  keinen  Chirurgen,  keinen  Arzt  und  keine  Apotheke.  Nirgends  war  man 
seines  Eigenthums  imd  Lebens  sicher,  da  die  in  und  an  den  Wäldoni  einsam 
lebenden  Bewohner  aus  Furcht,  misshandelt  oder  getödtet  zu  werden,  dem  räu- 
berischen Gesindel  allzeit  Unterkunft  gewährten.  Die  Landstrassen  waren  der- 
gestalt vernachlässigt,  dass  die  Reisenden  alle  AugenbUcke  in  Morästen  stecken 
blieben.  Auch  Brücken  fehlten,  so  dass  man  zur  Zeit  des  Regenwetters  an 
Flüssen  und  Bächen  warten  musste,  bis  das  Wasser  sich  etwas  verlaufen  hatte. 

Dieselbe  Fahrlässigkeit,  die  auf  dem  Lande  überall  in  die  Augen  sprang, 
herrschte  auch  in  den  Städten.  Keine  Vorsicht  gegen  Feucrsbiamst,  kein  ordent- 
liches Mass  und  Gewicht,  keine  Reinlichkeit,  überhaupt  nichts,  was  den  Auf- 
schwung einer  Stadt  befördert,  war  daselbst  zu  finden.'^^) 

Das  war  der  Zustand  der  Bukowina  zur  Zeit,  als  Oesterreich  von  diesem 
Land  Besitz  ergriff. 

Die  erste  Frage,  die  hinsichtlich  des  neugewonnenen  Gebietes  zu  lösen 
war,  betraf  die  Art  und  Weise  seiner  künftigen  Verwaltung.  Es  musste  ent- 
schieden werden,  ob  dieses  Land  eine  selbständige  Provinz  bilden  oder  zu  Ga- 
lizien geschlagen  oder  etwa  zur  Verlängerung  der  siebenbürgischen  Militärgrenze 
verwendet  werden  sollte.  Dann  kamen  die  einzuführenden  Verbesserungen  in 
Betracht 

Der  commandierende  General  in  Galizien,  Feldzeugmeister  Freiherr  v. 
Elrichshausen,  redete  der  Grenzeinrichtung  das  Wort  und  rieth,  sie  da- 
durch anzubahnen,  dass  man  das  Land  gleich  anfangs  unter  militärische  Ijei- 
tung  stelle.^®)  Die  Beschaffenheit  und  die  Ziele  dieser  Verwaltung  legte  er  in 
einer  vom  6.  Jänner  1775  datierten  Denkschrift  dar.^°)  Er  schlug  die  Einthei- 
lung  des  Landes,  fiir  welches  er  den  Ausdruck  »moldauisches  Generalat«  ge- 
braucht, in  2  Kreise  oder  Regimentsstände  (Czernowitzer  und  Suczawer  Regi- 
mentsstand) vor.  An  der  Spitze  des  Generalats  sollte  ein  Feldmarschall-Lieu- 
tenant •*),  an  der  Spitze  der  Regimentsstände  je  ein  Officier  mit  dem  Titel 
Standespfleger  stehen.  Das  Generalat  sollte  vom  Hofkriegsrathe  abhängen  und 
mittelbar  an  das  galizische  Generalcommando  angewiesen  sein.  Generalat  und 
Regimentsstände  sollten  auch  die  Justiz  ausüben,  und  zwar  ersteres  als  Appel- 
lationsgericht für  alle  Stände,  letztere  als  Gerichtshöfe  ei-ster  Instanz  fiir  die 
Edelleute  und  zweiter  Listanz  fiir  die  Bauern,  die  Bürger  und  die  Judenschaft, 
die  ihr  Recht  in  erster  Listanz  von  ihren  Richtern  (Dorf-,  Stadt-,  Judenrichtern) 
zn  nehmen    hätten.     Das    bisherige  Abgabensystem  wollte    der   Feldzeugmeister 


w)  Ebenda,  S.  52  f  und  Ziüj,Mauer,  a.  a.  0.  S.  117  ff. 

*•)  Btrirht  an  den  Hofkriej^srath,  Lt>ni])ei^  14.  DecembtT  1774.  (Orij^.  K.-A.  IL  S. 
1774—23—24.) 

*>)  Sie  befindet  sieh  unter  dem  Titel:  »Entwurf  auf  was  Art  der  enelavirte  Kays.  Könlj^l. 
Mcjlilauische  Bezirk  unter  der  militairisehen  Direetion  zu  verwalten  soyv^  in  dem  k.  u.  k.  Kriej??- 
art-hive  (II.  8.  1775 — 879)  und  stimmt  bis  auf  wenij^o,  zumeist  nur  stilistische  Aendenmgen  mit 
«lern  ebendaselbst  (I.  S.  1774—23 — 31)  aufbewahrt(»n.  oben  (Anmerkun<jj  41)  erwähnten  Hpleuy'- 
M-hen  >Entwurfe«  vom  10.  December  1774  nahezu  wörtlich  übercin.  Auf  <licsp  Uelx'nnnstimmimg 
hat  übrigi?ns  8pleny  stdbst  in  einem  unterm  9.  Juni  1776  an  den  Ifofkriejjsraths-Präsidenten 
^Irafen  v.  Hadik  ^reriehteten  Schreiben  hinj^^wiesen.  (Vj^l.  auch  Anmerkunj^  67.) 

•')  Nach  (lem  Spleny*  sehen  Entwürfe  sollte  ein  (Jeneral  die  Oberleitung^  haben. 


Digitized  by 


Google 


88  Polek: 

bis  auf  die  Steuer  für  Bienenstöcke,  Schafe  und  Boi'stenvieh,  deren  Abschaffung 
er  beftirwortetOj  beibehalten  wissen ;  ebenso  wideriieth  er  jede  Aenderung  an 
dem  Verhältnisse  der  Bauern  zu  den  Grundherren.  Dagegen  sprach  er  sich  für 
die  x\nlegung  von  Strassen,  in  erster  Linie  fiir  die  Enveiterung  des  von  Pozo- 
rittta  (unweit  Kim  polung)  nach  dem  Borgopasse  führenden  »Fusssteiges^  zu 
einem  »ordentlichen  Fuhi^ege«  aus,  empfahl  zur  Abwehr  der  von  der  Türivci 
her  beständig  drohenden  Pest  die  Errichtung  von  5  Quarantaineanstalten  und 
zur  Hebung  des  Verkehrs  zwischen  Galizien  mid  Siebenbürgen  die  Herstellung 
einer  regelmässigen  Postverbindung,  betonte  die  Nothwendigkeit,  die  Bauern  zum 
Anbau  von  Korn  und  Hafer  sowie  zur  Schonung  der  AVälder  zu  verhalten, 
rietl»,  durch  Gewähnmg  von  Freiheiten  Handwerker  herbeizulocken,  und  hob 
schliesslich  die  Vortheile  hervor,  die  dem  Lande  aus  der  Errichtung  zweier  ade- 
liger Convicte  und  Lateinschulen  (in  Czernowitz  und  Suczawa)  erw^achsen  wünlen. 

Wenngleich  Verbesserungen  nicht  abgeneigt,  hielt  Kaiser  Joseph  doch  die 
Umwandlung  des  Landes  in  eine  Militärgrenze,  ja  selbst  die  Feststelliuig  einer 
bestimmten  Regierungsform  noch  fiir  verfrüht  »Diesen  (District)  anjetzo  zu  einer 
gränitz  zu  machen  und  zu  bewaffnen,  wäre  nicht  rathsam.«  So  hatte  er  im  De- 
cember  1774  über  Elrichshausen's  Vorschlag  resolviert^')  Ueber  dessen  «Ent- 
wurf« schrieb  er  eigenhändig  folgende  Entscheidung  nieder:  i>Da  die  um- 
stände noch  nicht  so  beschaffen  sind  in  diesen  tlieill  der 
Moldau  eine  Regierun  gs  Form  einzuführe  n,  so  ist  des  Elrichs- 
h  ausen  Ei  fer  z  war  zu  beloben,  ihme  aber  aufzutragen,  alles 
in  statu  quo  zu  belassen  und  nur  interimaliter  durch  das  darin- 
nen befindliche  Militare  die  gewöhnlichen  Steuern  eintrei- 
ben zu  lassen,  die  höchst  nöthigen  Sanitäts  anstalten  zu 
treffen  und  die  bestmöglichst  und  leichtesten  defensions  und 
zugleich  am  eliora  tions  anstalten  zu  treffen.«  ^^)  Diesen  Befehl 
wiederholte  der  Kaiser  am  8.  Febniar  1775  unter  Beifügung  der  Gründe,  die  ihn 
dazu  bewogen.  Er  trug  nämlich  dem  Hofkriegsrathe  auf,  dem  galizischen 
G.eneralcommando  »zur  unverbrüchlichen  Regel  vorzuschreiben, 
dassnoch  dermalen  und  bis  auf  wei  tere  n  Befehl  in  dem  ge- 
dachten enclavirten  Bezirk  (d.  i.  in  der  Bukowina)  nichts  neues, 
als  was  die  äusserste  und  unvermeidliche  Nothwendigkeit 
erfordert,  verordnet,  alles  übrige  in  statu  quo  belassen  und  be- 
sonders die  Publicirung  solcher  öffentlichen  Patente  oder  die  Verfugmig  solcher 
Anordnungen  vermieden  werden  solle,  welche  die  mit  der  Pforte  wegen  des 
erwehnten  besetzten  Districts  vorhabende  Unterhandlung  ®*)  erschweren,  die  dor- 
tigen Unterthanen  missmuthig  machen  oder  denen  in  den  benachbarten  Gegen- 
den annoch  befindlichen  Kussischen  Truppen  zu  Beschwerden  Anhiss  geben« 
könnten.'^'') 

Dasselbe  Schicksal  wie  der  von  Elrichshausen  vorgelegte   »Entwurf-,  hatte 


")  Vortra«,'   dos    Hofkric^rsrathes,  27.  IVcvnibor   1774.    (Orij?.  K.-A.  II.  S.  1775— 23--24.) 

ßJ»)  Vortiiij?,  15.  Jänner  1775.  (OriK-  K.-A.  II.  S.  1775—87-9.) 

**)  (ienieint  sind  die  Unterliandliinj^'im  in  Botroff  der  Abj^^a'nzun«?  der  Bukowina. 

^^)  Werenka,  a.  a.  ().,  Boil.  lA'XXIII. 


Digitized  by 


Google 


Joseph's  II.  Eeisen  nach  Galizien  und  der  Bukowina.  39 

das  umfangreiche  Elaborat,  ^^)  das  der  seit  dem  Eiumareche  in  die  Bukowina 
daselbst  ad  Interim  mit  der  Militär-  und  Civilgewalt  ausgestattete  General  Frei- 
herr von  Spleny  am  10.  Februar  1776  dem  Präsidenten  des  Hofkriegsrathes 
übersandte,  und  worin  im  grossen  und  ganzen  das  in  dem  ebengenannten  »Ent- 
würfe« dargelegte  Reformprogi'amm  weiter  ausgefiihrt  und  begiündet  wird.^^)  In 
dem  darüber  abgegebenen  Gutachten  sprach  sich  nämlich  der  Hofkriegsrath, 
auf  Joseph's  Befehle  in  Betreff  der  Aufrechterhaltung  des  Statm  quo  verwei- 
send, dahin  aus:  »es  könne  und  müsse  das,  was  der  Bukowina 
^schädlich«  und  gegen  deren  »vorige  Gewohnh  ei  ten*  sei,  »hint- 
angehalten^  und  alles,  was  den' Ein  wohnern  »zum  Vortheil« 
gereiche  und  »keine  wesentliche  Veränderungen«  nach  sich 
ziehe,  zur  Ausführun  g  kommen;  »alles  übrige«  dagegen,  »was 
auf  die  künftige  Dist  ri  ctsverwaltung  und  auf  die  vorgeschla- 
genen neuen  Einrichtungen  einen  Bezug  habe,  könne  »so 
lange  nicht  zur  Deliberation  und  Ausübung  gebracht  werden, 
bis  die  eigentliche  Grenze  des  Districts  (d.  i.  der  Bukowina) 
festgesetzt  und  in  Betreff  dessen  künftiger  Administration 
die  Allerhöchste  Gesinnung  bekannt  sein  werde«.  Dieser  An- 
sicht pflichtete  auch  Kaiserin  Maria  Theresia  bei.  »Bevor  nicht  die 
vollständige  Grenzberichtigung  erfolget«,  entschied  sie, 
^kann  dem  Spleny  lediglich  die  Weisung,  worauf  Hofkriegs- 
rath ganz  wohl  anträgt,  gegeben  werden.«  ®®) 

Die  Grenzverhandlungen  fanden  am  2.  Juli  1776  in  der  Convention  von 
Palamutka  ihren  Abschluss.  Trotzdem  verstrichen,  da  die  l}aierische  Erbfolge- 
frage um  jene  Zeit  auftauchte,  noch  drei  volle  Jahre,  bis  man  hohenorts  »die 
Regulierung  des  Bukowiner  Districts«  in  enistHche  Ersvägung  zog.  Aber  gleich 
nach  Unterzeichnung  des  Teschener  Friedens  ergieng  an  General  Baron  En- 
zenberg  —  dieser  hatte  am  6.  April  1778  an  Spleny's  Stelle  die  interimi- 
stische Leitung  der  Bukowina  übernonmien  —  von  Seite  des  Hofkriegsrathes  der 
Befehl,  über  den  Zustand  des  Landes  zu  berichten  und  Verbesserungsvoi-schläge 
zu  unterbreiten.  In  letzterer  Hinsicht  sollte  der  General  insbesondere  darüber 
seine  Meinung  äussern,  »ob  in  der  Bukowina  eine  »Grenzmiliz«  »mit  Nutzen« 
erichtet  werden  könne,  oder  ob  es  genüge,  die  Bevölkenuig  »zu  Erhaltung  der 
Sicherheit  im  Land    und  an    denen  Grenzen    zur  Dienstleistung«  beizuziehen.*^) 


••)  Herausgegeben  von  m  i  r  unter  dem  TiU^l :  »General  Spleny's  Beschreibung  der  Buko- 
wina*. Czemowitz  1893.  (Vgl.  Anmerk.  41.) 

•^  Spleny  selbst  äussert  sich  darüber  in  dem  BegleitscJirelben  folgendermassen :  »Ich 
hatte  zwar  einen  TheU  dieses  Werks,  wiw?  nämlich  die  zukünftige  Verfassung  dieses  Districts  an- 
belangt auf  An  verlangen  meines  vorhinigen  commandirenden  Ucneralens,  Herrn  Feldzeugmeistt^rs 
B.  Ellrichshausen  Excellenz,  nur  bald  nach  der  von  mir  in  dieser  Gegend  angetretenen 
AnsteDung  einzureichen  die  (inade  gehabt,  nachdem  ich  aber  damals  die  gehörige  Zeit  nicht 
hattt\  <las  innerliche  jeden  Gegen.standes  verlässig  einzusehen  und  diesemnach  die  vorhinige  Ge- 
wohnheiten oder  die  sonstige  liage  aller  Dingen  mit  dem,  was  künftig  mit  Nutzen  des  Souverains 
veranstaltet  werden  könnte,  zu  combiniren,  so  konnte  sothan  meine  ei-ste  Bemühung  natürlicher- 
weise nicht  anders  al  \  ohn vollkommen  gerathen ;  welch  fehlorhaftt^s  zu  ver)je-wem,  zugleich  aber  auch 
«im  lias  jetiige  Werk  so  viel  möglich  in  Vollkommenheit  zu  bringen,  erdcht<»  ich  fiir  nöthig,  auch 
•iiej5<3n,  obschon  einmal  abgehandelten  Theil  in  einer  verbesserten  Gesüilt  gleichsam  zu  wiederholen.« 
(Orig.  K.-A.  n.  S.  1776—53-42.) 

^  Vortrag  d.  Hofkriegsrathes,  13.  April  1776.  (Orig.  K.-A.  H.  S.  1776-53-42.>  j 

«»)  Rescript  vom  25.  August  1779.  (Protok.  d.Hofkriegsr.  1779,  G.,  Nr.  6376.)    jOOglC 


40  PoLKK : 

Aus  Enzeiibergs  » System isierungsplano«  —  so  bezeichnet  der  GenenJ 
selbst  sein  aus  sieben,  vom  80.  October  1779  datierten  Denkschriflen  bestehendes 
Elaborat  —  ist  zunächst  ersichtlich,  dass  trotz  des  im  allgemeinen  noch  auf- 
rechterhaltenen Status  quo  die  ersten  fiinf  Jahix?  österreichischer  Ven^altung  in 
der  Bukowina  nicht  erfolglos  waren;  denn  die  Einwohnerzahl  hatte  sich  tlieils 
auf  natürlichem  Wege,  theils  durch  Zuwanderungen  nahezu  verdoppelt,  der  Ver- 
kehr hatk*  sich  durch  die  Hei*stellung  der  Verbindung  zwischen  Siel)enl)ürgen 
und  Galizien  gehoben,  die  Justiz  wurde  nicht  mehr  willkürlich,  sondern  nach 
Gesetzen  gehandhabt,  und  die  Enichtung  von  Scliulen  war  durch  die  Giündung 
eines  Schulfonds  angebahnt.'^) 

Die  Vorschläge  Enzenl)erg's  zur  Beseitigung  der  noch  bestehenden  Uebel- 
stände  gehen  über  die  Elrichshauseji'schen,  l)eziehungsweise  Spl^ny'schen  Re- 
formgedanken weit  hinaus.  Die  Meinungsverschiedenheiten  betreffen  insbesondere 
die  grundherrlich-bäuerlichen  Verhältnisse  und  das  Steuerwesen.  In  ersterer 
Hinsicht  schlägt  Enzenberg,  um  den  Landwirt  an  die  Scholle  zu  fesseln  m\d 
zur  Erbauung  besserer  Wohngebäude  anzueifern,  vor,  dem  Grundherrn  zu  ver- 
bieten, den  einem  Unterthan  einmal  zugewiesenen  Grund  diesem  oder  dessen 
Nackkommen  wieder  abzunehmen  oder  ^o^^cn  einen  anderen  zu  vertauschen. 
Dafür  sollten  die  Prohnen  (Hand-  und  Spanndienste)  grösser  als  bisher  sein 
und  überdies  nicht  mehr  von  allen  Tlnt^iihanen  in  gleichem  Ausmasse, 
sondern  dem  zugetheilten  Besitz  entsprechend  geleistet  werden.  In  Hhisicht 
auf  die  laudesfüi-stlichen  Abgaben  empfahl  der  General,  an  Stelle  der  Mehr- 
heit der  Steuern  eine  einzige,  auch  vom  Adel  und  der  Geistlichkeit  zu 
entrichtende  Steuer  einzufiihreri  und  zu  ihrer  Bemessungsgiimdlagc  Grund  und 
Boden  anzunehmen.  Grösstentheils  neu  sind  Enzenberg's  Vorschläge  in  Betreff 
der  Verbesserung  des  Kirchenwesens.  Damach  sollte  im  Einverständnisse  mit 
dem  Patriarchen  die  Bukowina  zu  einer  Diöcese  allein  bestimmt,  die  geistliche« 
Güter  eingezogen,  der  Biscliof  und  die  Mönche  vom  Staate  besoldet  und  der 
Unterhalt  der  Weltgeistlichen  durch  Feststellung  von  Stolgebühren,  sowie  durch 
Zuweisung  von  Wiesen  und  Feldern  (portio  canonica)  seitens  der  Grundherren 
gesichert  Averden.  Was  endlich  die  Grenzmihz  betrifft,  konnte  Enzenberg  zwar 
nicht  umhin,  auf  die  Abneigung  der  Bukowiner  gegen  den  Militärdienst  hinzu- 
weisen ;  ein  wirkliches  Hindernis  für  die  Errichtung  einer  solchen  Miliz  erblickte 
er  jedoch  vorläufig  nur  in  dem  Mangel  der  zur  Dotierung  der  Grenzer  nötliigen 
landesfüretlichen  Ländereien.  Diesem  Mangel  sollte  dadurch  abgeholfen  w^erden. 
dass  die  weltlichen  und  geistlichen  Grundbesitzer  zum  Nachweise  ihres  Besitz- 
rechts verhalten  und  jene  Güter,  für  welche  dieser  Beweis  nicht  ,  zu  erbringen 
wäre,  confisciert  w^ürden.  Unterdessen,  meinte  der  General,  würde  es  genügen, 
das  Bukowiner  Landvolk  unter  der  Leitung  von  Soldaten  %Qg'^^\  einen  täglichen 
Sold  von  je  G  kr.,  sowie  gegen  Befreiung  von  den  öffentlichen  Arbeiten  zur  Be- 
wachung der  Grenze  zu  verwenden.^') 

Diesen  Systemisierungsplan  unterbreitete  der  Hofkriegsrath  am  15.  Jäjmer 
1780  dem  Kaiser    mit    dem  Antrag,    dass    sowohl  General  Enzenberg   als 

'°)  Dazu  sowie  zu  <lom  F()l«^^n(lim  \\i\.  Z  i  c  j?  1  a  u  o  r,  Gt^chichtlicbe  BiUk^r  aus  der  Bukowina. 

'*)  DenkBtlirift  Nr.  1 :  ;>UntcrthäniK  ^ebor?amst  und  unzielsetzliche  Meinung...  in  Ajisefaun^ 

der  I^^ulinint?  des  Bukowiner  üistricts.«  (K.-Ä.  Memoiren.  Abth.  2.3,  Nr.  32  und  U.  S.  1780— 62-  3.Vk 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Gai.izien  und  der  Bukowina.  41 

auch  der  in  Tjeniberg  angestellte  Oberkriegscomniissär  W  a  g  ra  u  t  h,  letzterer 
in  Vertretung  des  mit  d3n  Enzenberg'schen  Ideen  nicht  ganz  ein versUm denen 
Coinnijuulierenden  in  Galizien,  des  FeldTnai*schall-Lieutenants  Bai'on  Schröder, 
behufs  endgiltiger  Feststellung  des  Bukowiner  Regulierungsplanes  nach  Wien 
benifen  werde.     Diesem  Antrage  stimmte  Josei)h  zu.*^^) 

Es  ist  nicht  unwahi-scheijdich,  dass  sich  der  Kaiser  schon  damals  mit 
dem  Ginlanken  tiug,  im  Fnihjahre  1780  die  Bukowina  zu  besuchen,  um  sich 
ül)er  die  Wünsche  und  Bedürfnisse  dieses  Landes  an  Oit  und  Stelle  zu  unter- 
richten. Jedenfcills  war  er  Ende  Jänner  zu  dieser  Heise  fest  entschlossen,  ja  er 
knü])fte  daran  noch  ganz  andere  Pläne. 

Während  Maria  Theresia  die  Allianz  zwischen  Oesterreich  und  Frankreich 
noch  immer  für  die  natürlichste  und  passendste  (la  plus  naturelle  et  la  plus 
convpnable)  ansah, ^''^)  hielt  es  Joseph  seit  dem  Ende  des  baierischen  Erbfolge- 
krieges für  die  Aufgabe  der  östen*eichischen  Politik,  Russland  von  Preussen  ab- 
zuziehen und  ein  österreichisch-russisches  Bündnis  zustande  zu  l)ringen.^*)  Als 
er  daher  zu  Anfang  des  Jahres  1780  von  Katharina's  II.  Absicht,  in  den  Mo- 
naten Mai  und  Juni  eine  Reise  nach  Weissrusshmd  zu  untiTnehmen,  hörte, 
glaubte  er  die  Zeit  und  Gelegeidieit  zu  pei-söidicher  Annälienuig  an  die  giT)sse 
Kaiserin  gekommen.  Den  entscheidenden  Schritt  wollte  er  jedoch  nicht  ohne 
Vorwissen  seiner  Mutter  thun.  Er  Uieilte  ihr  also  mit,  dass  er  die  Czarin  an- 
lässlich ihrer  Reise  auf  russischem  Gebiete  zu  begrüssen  gesonnen  sei,  indem  er 
sich  zu  gleicher  Zeit  in  die  Bukowina  beigeben  wolle.  Diese  Mittheilung  hielt 
Maria  Theresia  für  einen  Scherz ;  umso  betiiibter  war  sie,  als  sie  sah,  wie  ernst- 
haft der  Kaiser  die  Sache  behandelte.^'') 

Am  1.  Februar  1780  machte  Joseph  auch  den  i*ussischen  Botschafter 
Fürsten  Galitzin  mit  seinem  Plan  bekannt.  Er  fügte  hinzu,  dass  diese  Ange- 
legenheit durchaus  zu  keiner  Staatsaction  werden  solle;  er  wünsche  nichts  als 
die  i-ussische  Kaiserin  zu  sehen.^^) 

Katharina  nahm  das  Anerbieten  des  Kaisers  in  den  verbhidlichsten  Aus- 
drücken au  und  bezeichnete  die  Stadt  Mobile  w,  wo  sie  am  7.  Juni  einzu- 
treffen gedachte,  als  den  geeignetsten  Ort  für  die  Zusammenkunft.^^) 

Jetzt  eret,  am  29.  Februar,  erhielt  Fürst  K  a  u  n  i  t  z  von  den  Absichten 
des  Kaisei-s  Kunde.  Dass  er  sich  darüber  empfindlich  zeigte,  ist  begreiflich. 
Noch  mehr  aber  fiihlte  sich  Maria  Theresia  gekränkt.  »Das  ist  ein  neuer 
Beweis«,  schrieb  sie  vier  Tage  nach  dem  Eintreffen  der  Antwort  aus  St.  Pe- 
tersburg an  den  französischen  Botschafter  Grafen  Mercy- Argen teau,  »wie  wenig 
ich  imstande  bin,  den  Ideen  meines  Sohnes  Einhalt  zu  tluui,  obwohl  ich  dann 
iumier  in  die  Lage  komme,  einbezogen  zu  werden  in  dere^n  Tadel«. ^®) 


'«)  OriK.  K.-A.  ü.  S.  1780-23-6. 

"•)  Maria  Therosia  an  Mario  Aiitoinotto.  1.  .Tiinner  1780.  (Ihr  Briefwochsel,  heraiis- 
^'.•j,n»}H'ii  von  A.  V.  Arno  ib.  2.  AiiH.  lA])zh^  1866.  8.  811.) 

•*)  A  r  II  e  t  h,  Oosohielite  Maria  TlioivHia>.  X.  S.  667  und  H  u  b  o  r,  OosU'rroicliisobe  Roiebs- 
^'H^obirbt*',  Pmg,  Wien  und  IxMpzijif  1895.  ö.  186. 

»)  A  r  u  e  t  h,  a.  a.  0.  S.  668. 

■«)  Ebentbi.  S.  668. 

")  Ebonda.  S.  669. 

")  Eb<-nda.  S.  671.  C  r^r^n]o 

Digitized  byXpOOQlC 


42  J'OLEK : 

Inzwischen  war  der  Kaiser  mit  seinem  Heiseplan  schon  vollauf  beschäftigt. 
Das  zeigt  das  folgende  Handbillet  an  den  Präsidenten  des  Hofkriegsrathes.") 
Er  schrieb : 

»Lieber  Feldmarschall  Graf  von  Hadick !  Die  Wichtigkeit  einer  zu  er- 
richtenden graden  und  so  viel  möglich  gemächlichen  Communic  ation  zwischen 
Olmütz  und  Gallizien  durch  Hungarn  rückwärts  der  Jablunka,  dann  die  ein- 
malige Bestimmung  derjenigen  Beschaffenheit,  so  einmal 
die  Buccowina  überkommen  muss,  veranlassen  Mich  anheuer  in  diesem 
Frulijahr  und  Sommer  zu  Beaugenscheinigung  dieser  beeden  Objecten  allhin  eine 
Reise  zu  unternehmen.  Sie  werden  dann  in  Gemässheit  dem  FML.  Schnkler 
als  Interims  Commandirenden  Generain  in  Gallizien  den  Auftrag  machen,  dass 
er  so  bald  als  mögHch  und  aufs  schleunigste  deii  Bericht  erstatte,  ob  bevge- 
schlossene  ideale  Marche-Route  leicht  zu  bewerkstelligen  möglich  seye,  oder  was 
er  daran  wesentUches  abzuänderen  für  notliwenig  hielte,  damit  Ich  darnach  Meine 
weitere  Anstalten  treffen  köime.  Zu  Gewinnung  der  Zeit  aber  wird  zugleich 
dem  Oberst  Lieutenant  Mieg  in  BieUz  zuzuschreiben,  und  ihm  die  Liste  von 
OUmütz  bis  Wielizka  zuzuschicken  sejii,  damit  er  wegen  der  von  Wallachisdi 
Meseritz  aus  bis  Oswiezin  durchaus  zu  Pferd  angetragenen  Route  seine  Meynung 
alsogleich  hier  einschicke,  weil  ihm  am  besten  der  Weeg  wegen  der  allda  neu 
zu  errichtenden  Strassen  bekannt  seyn  muss.  In  jede  Nacht  Station  werden  von 
dem  nächsten  Militari,  seye  es  Cavalerie  oder  Garnisonß-Regiment,  12  Mann 
commandieret  werden.  In  die  Buccowina  vom  Niester  an  bis  nach  Siebenbürgen 
werde  ich  durchaus  reuten,  und  werden  entweder  gute  Bauern  oder  Dienstpfenle 
in  Bereitschaft  seyn.  Die  Quartiere  werden  schon  von  meinen  eigenen  Leuten 
gemacht  und  besorget  werden. 

^Iden  Tag  meiner  Abreise  kann  ich  noch  nicht  bestimmen,  ich  werde  ihn 
aber  l>ey  Zeiten  durchaus  avisiren  lassen,  so  wie  ich  auch  eine  lista  von  einigen 
Victualien,  die  man  in  den  Nacht  Stationen  wird  in  Bereitschaft  halten  müssen, 
früh  genug  übei'scliicken  werde.  Alle  zwey  Meiln  werden  frische  Pferde  müssen 
in  Bereitschaft  gehalten  werden,  deren  Anzahl  bey  läufig  50  machen  wird. 

»Wenn  General  Enzenberg  in  Lemberg  mit  dem  Schröder  könnte 
die  Sache  ausgearbeitet  haben  und  noch  ehender  hieher  kommen,  so  könnten 
mündlich  mit  ihm  einige  Sachen  abgeredet  werden,  und  er  nachhero  noch  zeitlich 
genug  in  die  Buccowina,  um  mich  allda  zu  empfangen,  sich  wieder  zurück  verfugen. 

»Da,  wo  die  Wägen  in  der  Buccowina  und  anfangs  von  Wallacliisch  Me- 
seritz aus  vennuthlich  nicht  werden  folgen  köinien,  so  wird  vor  selbe  eine  andere 
Route  einzuleiten  seyn,  fiir  Mich  und  eine  kleine  Suite  aber,  die  ich  in  solclien 
Gelegenheiten  mitnehme,  einige  gesattelte  Reitpferde  und  einige  Saum-  oder 
Tragpferde  bereit  seyn,  um  einige  Bagage  fortzubringen,  wann  nicht  auf  Landes 
Art  einige  Karren  oder  Leitenvagen  dennoch  von  Station  zu  Station  könnten 
geführet  werden,  wo  alsdann  dergieich  vorzüglich  zu  bestellen  wären.  Es  ver- 
steht sich,  dass  aller  Orten  gute  und  ausrichtsame  Bothen  zu  Pferd  müssen  be- 
stellet werden. 


'»)  OnV-  K.-A.  II.  S.  1780-49—1. 

Digitized  by 


Google 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Gauzibn  und  der  Bukowina.  43 

»Zu  Beschleinigung  dieser  an  verlangenden  Auskünften  können  Sie  aucli 
eine  Estaffette  damit  au  FMK  Schröder  abschicken  und  ihm  diesen  Brief  von 
Mir  beyschhessen.  Diese  nemHclie  Estaffette  kann  auch  dem  Obirst  Lieutenant 
Mieg  dasjenige,  was  ihn  betrift,  übergeben.  Wien  den  3.  März  1780. 

Joseph  Corr.<? 

In  der  »Marschroute«  werden  Brunn,  Olmütz,  Wall.  Meseritsch,  Ober- 
Beczwa,  Wisoka,  Csacza,  Jablunkau,  Skalice,  Milöwka,  Saybusch,  Kety,  Oswie- 
cim,  Wieliczka,  Bochnia,  Mielec,  Rmlomysl,  Tarnogrod,  Zamose,  Hrubieszöw, 
Sokal,  Brody,  Lemberg,  Zboröw,  Ti-embowla.  Sniatyn,  Zaleszczyki,  Okopy,  Wer- 
lK>utz,  Czeniowitz,  »Molesick«  (Molnitza),  Sereth,  Suczawa,  Baya,  »Ottumori«, 
(Gurahumora),  Kirapolung  und  Rodna  als  »Nachtstationen«  angeführt,  und  es 
wird  nur  noch  bemerkt,  dass  über  die  Strecke  von  Wall.  Meseritsch  bis  Oswie- 
cim  OberstUeutenant  Mieg,  über  die  von  Zaleszczyki  bis  Rodna  Genend  Enzen- 
berg  zu  veniehmen  sei.*®)  Russische  Ortschaften®')  sind  darin  ebensowenig  wie 
in  dem  kaiseriichen  Handschreiben  genannt  Der  Grund  hiefiir  liegt  in  dem 
Umstand,  dass  die  beabsichtigte  Reise  Joseph's  nach  Russland  vorläufig  noch 
geheim  gehalten  werde.®*) 

Noch  an  demselben  Tage,  an  welchem  er  das  kaiseriiche  Handschreiben 
erhielt,  d.  i.  am  3.  März,  schickte  der  Hofkriegsrath  sowohl  an  den  Feldmar- 
schall-Lieutenant  Baron  Schröder  als  auch  an  den  Obei^stlieutenant  v.  Mieg 
durch  Eilboten  die  entsprechenden  Befehle  ab. 

Mieg  berichtete  am  6.  März  von  Biala  aus,  dass  vor  Ende  April  weder 
der  Bergrücken  zwischen  der  Beczwa  und  der  Waag,  noch  der  Ucbergang  vom 
Waag-  ins  Czeniathal  passierbar  seien,  imd  dass  auch  in  dem  Falle,  wenn  der 
Kaiser  später  durch  jene  Gegend  reise,  einzelne  Strecken  Weges,  wie  z.  B.  in 
den  sumpfigen  Wäldeni  am  Kisucza-  und  am  Czemabach  würden  ausgebessert 
werden  müssen.  Er  bat  daher  um  die  Erlaubnis,  in  einer  den  Absichten  Seiner 
Majestät  »angemessenen  Zeit«  2  Officiere  abzuschicken,  um  »die  üblen  Wege 
in  den  obbesagten  Wäldeni  vor  Seine  Majestät  nur  zimi  Reiten«  herzurichten. 
Die  Wägen,  fiigte  er  hinzu,  köimten  von  Wall.  Meseritsch  über  Neutitschein, 
Friedeck,  Teschen,  Bielitz  nach  Oswiecim  »geleitet«  werden.  Diesem  Antrage 
stimmte  der  Kaiser  zu.  Er  hätte  zwar,  heisst  es  in  der  hierüber  erfolgten  Aller- 
höchsten Entschhessung,  »noch  nicht  den  Tag  bestimmt«,  wann  er  die  Reise 
antreten  werde,  glaube  auch  nicht,  dass  dies  »vor  Ende  April«  geschehen  werde; 
aber  er  gedenke  »immer  von  Czaza  nach  der  Jablunka  zu  gehen,  allda  zu 
schlafen  und  von  da  wieder  zurück  nacher  Skalice  zu  gehen  und  so  weiter« 
seine  Reise  fortzusetzen.  »Gegen  die  Mitte  des  Aprils«  solle  jedoch  Oberst- 
lieutenant Mieg  immerhin  die  2  Officiere  abschicken,  »um  die  Wege  zum  reiten 
yracticabU  zu  machen «.^^) 

Am  11.  März  erstattete  auch  FML.  Schröder  seinen  Bericht  Darnach 
stiess  die  vorgeschlagene  »Marschroute«,    soweit    sie  Gahzien    betraf,    auf   keine 


»•)  EbcTula. 

*»)  Tani<^^(l,  Zaniosc  »ind  Hnil)u»sz6w  j,^'höi-ttm  damals  zu  Galizion. 

»»)  \>L  Arneth,  a.  a.  0.  S.  671. 

")  Vortrag  deH  Hofkrie^^^nithes,  U.  Miirz  1780.  (Ori^'.  K.-A,  II.  S.  1780-49-2.)  ^^  j 

^  .  -  V      n  Digitizedby  Google 


44  PoLEK : 

Hindeniisse.  Ueherdies,  erklärte  Schröder,  werde  »alle  Aufmerksamkeit  dahin 
getragen  werden,  damit  allda,  wo  sich  etwa  ein  oder  andere  mindere  Anstände 
ergebe^l  möchten,  solchen  in  rechter  Zeit  und  nach  Seiner  Majestät  Allerhöch- 
sten Tntention,  das  ist  ohne  dem  Land  einige  Unkosten  zu  verursachen  abge- 
holfen werden.*  In  Hinsicht  auf  die  Bukowiner  Route  seien  jedoch  einige  Ab- 
änderungen nöthig.  Vor  allem  gebe  es  in  der  Bukowina  keinen  Ort,  der  den 
Namen  >Molesik«  führe.  Demnach  müsste  die  Reise  längs  des  Prutli  nach 
Molnitza  geheji.  Da  Baya  sich  ausserhalb  des  Cordons  l>efinde,  könnte  daiur 
Litten  mika  (Liteni)  als  NachtsUition  gewählt  werden.  Damber  werde  übrigens 
General  Enzenberg,  der  von  Czernowitz  schon  abgegangen  sei  und  denniächst 
in  Lemberg  erwartet  werde,  das  Nähere  angeben. 

Darauf  erfolgte  nachstehende  Allerhöchste  Resolution :  »Die  zwey  An- 
merkujigen  und  Abändeiningen  der  zwey  Stationen  sind  ganz  wohl  vom  Feld- 
marschalleütenant  Schröder  gemacht  worden,  und  hat  es  bey  selben  sein  Be- 
wenden. Die  Bestinnnung  der  eigentlichen  Tage  wird  ei-st  erfolgen ;  und  soh:Jd 
(Jeneral  Enzenberg  hier  anlangen  wird,  hat  sich  solcher  bey  Mir  hierwegen 
zu  Ttielden. 

Joseph  Corr.  •  ®*) 

Wenige  Tage  später  schrieb  der  Kaiser  an  den  Hofkriegsraths- Präsidenten 
Grafen  Hadik :  ^') 

»Lieber  Feldmai-schall  H  a  d  i  c  k !  Beigeschlossene  Liste  enthält  diejenige 
Marche  Süiüonen,  so  Ich  für  meine  Reise  nach  Gallizien  entworfen  habe.  Sie 
werden  in  Gemässheit  allsogleich  den  Betehl  ergehen  lassen,  damit  iüler  Orten 
das  schon  Anbefohlene  in  Bereitschaft  seye. 

)^ Oberst  Lieutenant  Mieg  wird  sich  in  OUmütz  oder  zu  Wallachiscli 
Meseritz  einzufinden  haben,  und  mit  mir  die  Reise  bis  Oswieczin  fortsetzen.  Er 
kaiui  auch  noch  einen  Oflicier  vom  General  Staab,  wann  er  es  fiir  nöthig  findet, 
mit  sich  nehmen. 

>In  Radomischel,  in  Zamosc,  dann  in  Rubieschow  werden  entweder  gute 
Dienst-  oder  Landpferde,  4  in  einem  jeden  Ort,  gezäumter  ohne  Sattel  in  Be- 
reitschaft gehalten  werden,  auch  mit  den  ncitliigen  Connnandirten,  sie  zu  fuhren, 
und  wird  sich  Oberst  Lieutenant  Mieg  von  Wallachisch  Meseritz  bis  Oswieczin. 
und  nachhero  in  allen  Nacht  Süitionen  von  ein  paar  verlässlichen  berittenen 
Bothen  zu  versicheni  haben. 

»Auch  folget  hierneben  bey,  was  ich  an  die  Böhmisch  OesteiTeichisclu*. 
dann  Hungarische  Kanzley  wegen  Bestellung  der  Pferden  und  allen  andeni  An- 
stalten erlasse,  welches  Sie  auch  den  betreffenden  General  Commandis  zu  Missen 
machen  werden. 

An  eijier  jeden  Nacht  Station,  ansgenonnnen  in  dem  Gebürge  von  Me- 
seritz bis  Kentj,  also  von  Kentj  aus  kann  von  dem  nächstgelegenen  Militiiri 
ein    geringes    Commando  von   12  Mann    zu   Bewachimg    der  Bagage    bestinnnet 

8*)  VortniK  <les  Hufkrioj^^ratlies,  17.  Mür/..  lier.il)j,n^lanf^  20.  Miii-z  1780.  (Grit?.  K.-A.  H. 
S.  1780-49-8.) 

•*)  ()ri<r.  K.-A.  U.  S.  1780-49-4. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Joseph's  II.  IIeisen  nach  Galizien  und  der  Bukowina.  45 

werden,  seye  es  nun  nach  ihrer  Lage  von  Infanterie,  Cavalerie  oder  Garnisons 
Regiment. 

Wien  den  29.  März  1780.  Joseph  Corr.« 

Das  an  den  obersten  Hofkanzler  gerichtete  Allerhöchste  Handschreiben 
zählt  die  weiteren  Reise  Vorkehrungen  aiif;  es  sei  darum  gleichfalls  mitgetheilt. 
Es  lautet: 

»Lieber  Graf  Blümegon!  Da  Ich  gesinnet  bin  eine  Reissc  durch 
ilälmMi  nach  Gallizien  zu  unternehmen,  so  schHesse  Ich  Ihnen  hier  die  bey- 
läufig  entworfene  Mai-sch- Route  bis  nach  Lemberg  bey.  Auf  einer  jeden  Station 
weitlen  ^forderlich  seyn  5  angeschinte  Züge  zu  G-  und  3  zu  4  Pfenlen,  also  in 
allem  42  Zugpferde ;  da  aber  in  der  Reise  einige  Abänderungen  vorkommen 
können,  so  ist  nur  diese  Anzahl  Pferde  in  der  Nachbarschaft  der  ausgemessenen 
Haupt-  und  Zwischen- Stationen  zu  bestimmen,  da  Ich  immer  1  oder  2  Tage 
voraus  mittelst  EstafFette  die  eigenthche  Eintreffung  zu  deren  Zusammenruckung 
bestimmen  werde,  damit  der  Landmann  nicht  unnütz  zu  warten  habe,  und  von 
seiner  Wirthschaft  entfernt  bleibe. 

»Von  Wallachisch  Meseritsch  aus  werden  gesamte  Wägen  über  Miestek, 
Frideck,  Teschen,  Schkotzau,  Rielitz  den  Weg  nach  Kenti  nehmen,  und  werden 
in  dem  Gebürge  bis  Kenti  in  einer  jeden  angezeigten  Nacht- Station,  wo  es 
raöghch  seyn  wird,  4  auf  Landes  Art  gebräuchliche  Leiter  Wägen,  und  imr  avo 
es  gar  nicht  möglich  ist,  mit  Wägen  fortzukommen,  eine  Anzahl  von  12  Saum 
Pferden  in  Bereitschaft  seyn,  in  einer  jeden  aber,  es  mögen  nun  Leiter- Wägen 
oder  Saum  Pferde  vorhanden  seyn,  müssen  doch  noch  12  gesattelte  Pferde  zum 
reuten  für  die  unterschiedliche  Ijeüte  und  Bediente  vorhanden  seyn. 

» Wegen  der  Quailieren  in  den  Nacht  Stationen,  diese  werden  schon  immer 
Selbsten  ausgesucht  werden,  nur  wird  in  selben  auf  Lieger  Stroh,  dann  etwas 
an  lauter  allgemeinen  Victualien  in  Bereitschaft  zu  seyn  der  Bedacht  genom- 
men werden. 

»Die  weitere  Reise  wird  von  Lemberg  aus  erst  bestellet  werden.«  ®^ 

Die  diesen  Handschreiben  beisgeschlossene  »Marschroute«  enthält  nur  die 
Nacht-  und  Raststationen  A^on  Brunn  bis  Lemberg.  Ausserdem  weicht  sie  von 
der  fi-ühcrcn  noch  dadurch  ab,  dass  sie  nicht  nur  mehr  Zeit  der  Besichtigung 
des  Jablunkapasscs  widmet  und  die  Station  Skalice  beiseite  lässt,  sondern  auch 
von  Bochnia  ostwärts  über  Oströw,  Debica,  S^dzitzöw,  Rzeszöw,  Lancut,  Prze- 
worsk  nach  Jaroslau  und  ei-st  von  dieser  Stadt  aus  über  Radomysl  und  Zamosc 
nach  Hrubieszöw  ftihil.  Weiter  ist  aus  ihr  ei*sichtlich,  dass  der  Kaiser  am  26. 
April  von  Wien  abzureisen,  am  14.  und  16.  Mai  in  Jaroslau  zu  übernachten 
und  am  25.  Mai  in  Lend)erg  anzukommen  gesoimen  war. 

Von  Lemberg  nach  Mohilcw  wollte  Joseph  den  kürzesten  Weg  —  über 
Broily,  Mir,  Minsk  —  benützen  ;  die  Rückreise  sollte  über  Kiew  und  Brody 
erfolgen.  Dagegen  hatte  Katharina  von  allem  Anfang  an  den  Weg  über  Kiew 
als  den  besten  und  becpiemsten  vorgeschlagen  und    hier  auch  Vorkehrungen  zur 

»•)  Copio.  K.-A.  II.  S.  1780-49  -4. 

Digitized  by  V:iOOQIC 


46  PoLEK : 

ErrichtuDg  von  Poststationen  trefTen  lassen.®^)  Der  Umweg  betrug  beiläufig  200 
Kilometer ;  seine  Wahl  musste  daher  die  völlige  Aenderung  des  Reiseplanes  zur 
Folge  haben.  Kein  Wunder,  dass  der  Kaiser,  der  übrigens  in  Russland  nur  als 
Privatmann  (en  particalier)  unter  dem  Namen  eines  Grafen  Falkenstein  reisen 
zu  können  wünschte  und  auch  Unbequemlichkeiten  zu  ertragen  sich  nicht  scheute, 
dem  schL»chteren,  aber  kürzeren  W^eg  vor  dem  besseren,  aber  längeren  den 
Vorzug  gab.  Nur  auf  des  Fürsten  Kaunitz  Bitten  nahm  er  den  \  erschlag  der 
Czarin  an.^^) 

Dass  durch  die  Aenderung  der  das  i-ussische  Gebiet  betreifenden  Marschroute 
die  Zeiteintheilung,  ja  selbst  der  ganze  Reiseplan  wirklich  ins  Schwanken  gerieth. 
davon  zeugt  zunächst  ein  Allerhöchstes  Handschreiben  vom  10.  April  1780,**) 
womit  der  Kaiser  dem  Grafen  Hadik  auftrug,  »an  den  General  Schröder  in 
Lcmberg  den  Befehl  sogleich  zu  erlassen,  dass  er  den  in  der  Bucco^vina  befind- 
lichen Rittmeister  C  a  v  a  1 1  a  r  ^")  anweise,  sich  mit  einem  Kalesch  versehener . . . 
auf  deji  18.  May  zu  Jaroslaw  einzufinden«,  um  ihn,  den  Kaiser, 
»allda  zu  erwarten ^<  und  auf  seiner  »weiteren  Reyse«  zu  begleiten.  Noch  deut- 
licher aber  spricht  die  folgende,  einem  Briefe  Maria  Theresia's  an  die  Erzher- 
zogin Marie  Christine  vom  12.  April  entnommene  Stelle.  »Die  ganze  Reise-. 
heisst  es  dort,  »ist  geändert.  Er  (der  Kaiser)  geht  über  Holitsch  nach  Tren- 
tschin.  Der  Tag  der  Abreise  ist  noch  nicht  bestimmt;  ich  werde  ihn  Dir  be- 
kannt geben,  sobald  ich  ihn  weiss.«  ®^) 

Am  14.  April  ist  der  Reiseplan  endlich  festgestellt  vich  reise«,  schrieb 
Joseph  an  diesem  Tage  seinem  Bruder  Leopold,  »am  26.  April  ab  und  rechne, 
dass  ich  am  6.  Juni,  am  Tage  vor  der  Ankunft  der  Kaiserin,  in  Mohilew  bin.«  **) 
Gleichzeitig  benachrichtigt  Maria  Theresia  hievon  den  Erzherzog  Ferdinand, 
aber  als  glaube  sie  selbst  noch  nicht  daran,  fiigt  sie  hinzu :  >Das  wechselt  je- 
den Augen bhck;  es  hegen  schon  drei  Marschrouten  vor.«  '*)  Allein  noch  vor 
Ablauf  einer  Woche  muss  sie  diese  Nacliricht  bestätigen.  »Ich  gestehe«,  tügt 
sie  hinzu,  »diese  Reise  macht  mir  Kummer.  Ich  fiihle  mich  ganz  nieder- 
gedrückt.« ®*) 

Während  der  Kaiser  die  Anstalten  zu  seiner  Reise  traf,  wurden,  und  zwar 
vom  4.  bis  zum  15.  April,  im  Schosse  des  Hofkriegsrathes  in  Gegenwart  des 
Generals  Baron  E  n  z  e  n  b  e  r  g  und  des  Oberkriegscommissärs  W  a  g  m  u  t  h 
die  Berathungen    über  die    der  Bukowina    zu  gebende  »Einrichtung«  gepflogen. 


*^  Joseph  IL  an  Kaunitz,  1.  und  15.  März  1780.  (Joseph  IL,  I^eopold  11.  und  Kaunitz. 
Ihr  BricfwechseL  Heraus«,^;^bon  von  A.  Beer.  Wien  1873.  S.  3—7.) 

88)  Kaunitz  an  Joseph  IL,  8.  April,  und  Joseph  U.  an  Kaunitz,  7.  April  1780. 
(Ebenda.  8.  7  f.) 

M)  Orig.  K.-A.  IL  S.  1780-49     6. 

^)  Ueber  Cavallar,  den  Bejirriinder  des  k.  k.  8üuits*j:t^stütes  Radautz,  siehe  Polek, 
Die  Anljint^i  des  k.  k.  8taatsjr<^^tütt^s  Radautz.  (S.-A.  aus  dem  ^Jahrbuch  dt^  Bukowiner  I^ndes- 
nuiseums'-,  IL  Czemowitz  1894.) 

»»)  Briefe  der  Kaiserin  Maria  Then»sia  an  ihre  Kinder  und  Freunde.  Herau8g»»f?eben  von 
A.  V.  Arneth.  IL  8.  458  f. 

®*)  Maria  Theresia  und  Jost^ph  11.  Ihre  Correspondenz.  Herausgi^ben  von  A.  v.  Arneth. 
m.  (Wien  1868.)  8.  241. 

«>')  Briefe  der  Kaiserin  Maria  Theresia  an  ihre  Kinder  und  Freunde.  Herausg.  von  A.  v. 
Arneth.  IL  S.  263. 

»*)  Ebenda.  8.  265. 


Digitized  by 


Google 


JoSEPH's    IL    liEESEN    NACH    GaLIZIEN    UND    DKR    BUKOWINA  47 

Im  grossen  und  ganzen  pflichtete  die  Commission  den  Enzengberg'- 
schen  Vorschlägen  bei;  nur  wahrte  sie  nicht  immer  deren  bestimmte  Form, 
sondeni  machte  sie  durch  mannigfache  Zusätze  zweifelhaft.  Hier  sei  nur  der 
erste  Berathungsgegenstand  hervorgehoben.  Er  betrifft  die  Beschaflfenheit  der 
künftigen  Regierung.  In  dieser  Hinsicht  stimmten  alle  Meinungen  darin  überein, 
dass  in  der  Bukowina  sowohl  die  »poHtische«  als  auch  die  militärische  Ver- 
waltung statthaft  sei.  Letztere  würde  jedoch,  heisst  es  in  dem  Protokoll  ®^) 
jedenfalls  dann  platzzugreifen  haben,  wenn  das  Land  in  eine  Militärgrenze  um- 
gewandelt würde.  Aber  auch  bei  Einfühning  der  Civilvenvaltung  würde  die 
Besorgung  der  Cordons-  und  Contumazanstalten  dem  Militär  obliegen  müssen. 
Doch  welche  Regierungsform  man  auch  immer  wähle,  in  keinem  Falle  lasse  sich 
die  Bukowina  »ihrer  Lage  imch«  ganz  mit  Siebenbürgen  oder  Galizien  ver- 
einigen; allenfalls  könnte  der  Theil  »von  der  galizischen  Grenze  bis  an  den 
Moldaufluss  an  Galizien,  der  übrige  Theil  aber,  vom  Moldaufluss  angefangen 
bis  an  die  siebenbürgische  Grenze,  an  Siebenbürgen  abgegeben  werden.« 

Selbstverständlich  lag  es  nicht  in  der  Absiöht  des  Monarchen,  sofort  seine 
Willensmeinung  kundzugeben  ;  er  wollte  sich  vielmehr  über  die  Richtigkeit  und 
Ausführbarkeit  der  ihm  unterbreiteten  Vorschläge  an  Ort  und  Stelle  überzeugen. 
Beweis  hiefiir  ist  ein  am  21.  April,  4  Tage  nach  Einreichung  des  Protokolls, 
an  den  Hofkriegsraths-Präsidenten  gerichtetes  Handschmben.  Es  lautet: 

»Lieber  Feldmarschall  Graf  Hadik!  lieber  das  Mir  wegen  künftiger  Ein- 
richtung des  Bukowiner  Districts  hinaufgegebene,  hienieben  zurückfolgende  Pro- 
tokoll bleibt  Meine  Entschliessung  annoch  in  suspenso^  weil  Ich  bekanntennassen 
ohnedies  an  dem  bin.  Mich  in  das  Land  selbst  zu  verfiigen  und  die  Möglichkeit 
der  vorgeschlagenen  künftigen  Einrichtungen  in  loco  einzusehen.  Einstweilen 
sind  aus  diesem  Protokoll  alle  Hauptpunkte  zu  extrahieren  und  diese  Extracte 
sammt  dem  ganzen  Protokoll,  dann  unterschiedenen  Meinungen  Mir  wälirend 
Meiner  Reise,  bevor  ich  noch  in  die  Bukowina  :  elbst  gelange,  nachzusenden ; 
zugleich  aber  ist  dem  General  Enzenberg  und  Oberkriegscommissario  AVagmutli 
von  nun  au  zu  bedeuten,  dass  sie  sich  sogleich  auf  ihre  Posten  zurückverfügen, 
sich  mit  allen  nöthigen  Beilagen  und  Auskünften  zu  der  Sachen  gründlichen 
Erörterung  und  Auseinandersetzung  versehen  und,  solchergestalt  wohl  instruirt 
und  gefasst,  um  Mir  über  alles  Auskunft  zu  geben,  Mich  eniv^arten  mögen. 

Joseph  Correg.«  ^*) 

Zur  Zeit  als  der  Hofkriegsrat!)  »das  in  Angelegenheit  der  Bukowiner 
Districtseinrichtung  verhandelte  Commissionsprotokoll«  mit  dem  »hierüber  ver- 
fassteu  Auszug«  ^^)  dem  Kaiser  zurücksandte  —  es  geschah  am  13.  Mai  1780 
—  war  dieser  bereits  in  der  Hauptstadt  Galiziens  angekommen.  Er  hatte  am 
26.  April  Wien  verhissen  und  den  weiten  Weg  mit  vielen  Mühen  und  Beschwer- 
den zurückgelegt 


«)  Siehe  Beilage  I. 

»)  Copie  nach  dem  HofkriegHraths-ProtokoU,  1780,  Lit.  G.  pa*^.  1294.  (K.-A.)  . 
*^  Eine  AbHchrift   diesem  >Au8Zuj?i*8*  befindet    sich    unter    der  Sij^.  II.  A  6.  1780  Nr.  10 
in  dem  An^hive  des  k  k.  Ministeriums  des  Innern.  ^  j 

Digitized  by  VriOOQlC 


48  PoLEK : 

FjV  selbst  besclireiht   die  Reise   in    seinem    Tagebuche  °^)    folgendennassen : 

»Hol i CS  den  20.  April.  Tn  der  Pndi  um  8  Uhr  fuhr  ich  von  Wien 
fort,  den  gewöhnlichen  Weeg  über  Süssenbrunn,  Schönkirchen,  Ebenthiil  bey  der 
Überfuhr  Dressing  (Drösing),  St  Johann,  Protzka  (Broczka)  nach  Kopschai»  in 
8  Stunden.  Allda  besähe  ich  das  Gestütt,  asse  und  fuhr  nach  Hohcs.^ 

^>Trentschin  den  27.  April.  In  der  Früh  nach  Besehung  des  Ho- 
lizer  Gartens  fuhr  ich  über  AVessely,  Pisenitz  (Bisenz),  Roshigau  (Horozinkau) 
nach  Trentschin,  wozu  ich  schier  12  Stunde  brauchte.  Die  Communic^ition  über 
Skalitz  mit  Hungarn  und  über  Wessely,  so  eine  von  den  grossen  auf  dieser 
Seite  ist,  ist  wegen  denen  vielen  "Wässern,  Morästen  und  Ausgiessung  der  Mairli 
ziendich  beschwerlich,  so  wie  die  Gegend  gegen  Ostrau  (Ungarisch  Ostni).  be- 
sondei-s  aber  gegen  H ungarisch  Brod  schon  sehr  hügelicht  zu  werden  anfangt 
Bey  Hosenaw  (Hrozinkau)  ist  endlich  schon  das  hohe  Gebirge  und  ein  beschwer- 
samer AVeeg  über  einen  Berg  und  nachhero  durch  ein  Thal,  in  welchem  es 
beständig  durchs  Wasser  bis  Trentschin  gehet. 

^J)ie  AValdungen  sind  in  diesen  Gegenden  sehr  vernachlässigt  und  im 
übelsU^i  Stande. 

-Trentschin  ist  eine  kleine,  nicht  viel  bedeut<»nde  Stadt,  deren  Festungs- 
werker bestehen  nui*  aus  einer  Ringmauer  und  einem  Schloss  nn  dem  Berge. 
so  schier  ganzlich  zusammen  fallt  Vergeblich  sind  alle  Unkosten,  die  man  drauf 
verwendet  und  ist  nichts  daran  zu  machen,  als  damit  die  Stadt  durch  Erfial- 
tinig  der  ]\rau(*r  ein  gescidossener  Ort  bleibe. 

Das  Tbal,  das  der  WaagHuss  allda  durchströmet,  ist  nicht  unangenehm, 
nur  macht  selber  sehr  vielen  Schaden  durch  den  ungleichen  Lauff,  so  er  hat 
Bey  Trentschin  ist  eine  Brücke  von  Holz,  welche  darum  sehr  lang  seyn  muss 
und  für  die  Stadt  sehr  kostbar  ist  Der  Comitat  hat  hin  und  her  zimlich  gute 
Strassen  auf  Chausseeart  angelegt  1  Compagnie  ist  in  Garnison  samt  dem 
Conmiandanten  und  Vice  Commandanten  und  etwas  Artillerie.* 

»Wsetin  den  28.  April.  In  der  Früh  fuhren  wir  um  6  Uhr  weg 
über  Niemschowa,  Brumow,  Ijedetzko  auf  Wsettin.  Der  beständige  Regen,  die 
Steigung  der  Wässer,  besonders  der  Wlara,  in  dessen  Bett  man  schier  allezeit 
ftihren  nmss,  und  die  Hohe  der  Pezwa  (Becwa)  nöthigten  uns  in  Wsettin  zu 
verbleiben,  wo  wir  ei'st  gegen  9  Uhr  Abends  ankamen,  weil  wir  über  die  Berge 
fahren  nmssten,  allwo  die  Weege  ganz  uid)eschreiblich  schlecht  sind.  Diese  zwey 
Comnmnicationen  von  Hungarn,  nemlich  von  Trentschin  nach  Mähren  über 
Rosenau  und  jene  über  Brumow  sind  alle  beede  sehr  besclnveream  und  wegen 
der  Wässern  letztere  öfters  ganz  impracticable.  Da  über  diese  letztere  ein 
ziemlicher  Handelzug  gehet  und  auch  fiir  Krieg  Zeiten  selbe  sehr  nothwendig 
scheiiu^t,  so  sollte  sie  vorzüglich  auf  den  Anhöhen  doch  dergestalten  zubereitel 
werden,  dass  sie  für  alle  Jahres  Zeiten  fahrbar  wäre.s 

^'*)  Diosos  Ta«^ol)iK'h,  Journal  von  der  R('i.<(^  St»in<T  Majestät  des  KaiftTs  im  Jahn*  1780 
nach  (lalizirn  b«'tit''lt,  wird  in  doni  k.  u.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchiv  verwahrt.  Da  j-ej^^n 
dessen  Vers«'n(hin<^  «^'ejiri-ündete  IJedenken  vorlieiren,  haben  sicli  auf  Vei-anlassun»?  der  Archiv*- 
dirci'tion  die  Hem^n  ArchivsK»aniten  Concipist  K  r  a  t  o  e  h  v  i  1  und  Couivplsaspirant  Dr.  S  t  o  k  k  a 
benMt  j^efunden,  den  auf  (talizien  lH'zü.u:lichen  Absatz  fiir  mich  kostenfriM  zu  copien»n.  Für  die#*»n 
mir  erwiesenen  ims<hätzbaren  Dienst  sa^irt'  ich  hier  Sr.  P'xcellenz  Herrn  Hofrath  Dr.  Alfn^l  RitttT 
v.  Arneth  sowohl,  wie  den  l)eiden  j^enannton  Heri-en  Archivsbeamten  dejr^wärmsteif  Dank. 

igi  ize     y  ^ 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Galizien  und  dee  Bukowina.  49 

2>Wall€achisch  Meseritz  den  29.  April.  Li  der  Früh  reiste  ich 
wog  und  käme  über  diis  Gebirge  in  schlechten  AVeegen  nach  Meseritsch,  welches 
ein  ziemlich  gutes  Städtchen  ist  nebst  einem  schönen  Schloss,  so  dem  Grafen 
Czerotin  gehöret.     Allda  fände  ich  einen  Coiirierj  welchen  ich  expedirte. 

>  Wsettin  ist  ein  von  den  Hauptörtern,  wo  die  lAitheraner  sich  am  mehresten 
ausgebreitet  haben.  Die  Ixnite  sollen  aber  sehr  ndiig  seyn  und  ihre  Schuldig- 
keiten wohl  verrichten.     Ich  hörte  auch  von  ihnen  keine  Klagen. 

xOber  Bezowa  den  80.  April.  In  der  Früh  ritten  wir  nach  ge- 
hörter heiligen  Messe  von  Wallachisch  Meseritsch  über  Krasna,  Saschowa  (Zaschau), 
Subrz}-  (Zubri),  Kosenow  (Roznau),  Tilowitz,  Hasowitz  (Hazowitz),  Vigantitz, 
Hutyisko  (Hutisko),  Solanetz,  Mitter- Beczowa  (Mittel- Becwa)  nach  Ober  Beczowa, 
wir  passirten  mehrmalen  die  Rosenower  Beczowa  und  die  Hasowka,  nach  welcher 
wir  über  die  Solanetz  wieder  an  die  Bezowa  kamen,  welches  der  zu  machen  an- 
getragene Weeg  ist ;  er  ist  wirklich  ganz  wohl  fahrbar,  obwolen  man  öfters  i]^ 
Wasser  passieren  njuss.  Er  wird  aber  dessen  ohngeachtet  dergestalt  an  dem 
Al)hange  der  Bergen  können  zugerichtet  werden,  dass  bis  auf  2  oder  3  nicht 
gar  grosse  Brücken  die  ganze  Strecke  ganz  wohl  wird  fahrbar  gemaclit  werden 
können. 

Die  Waldungen  sehen  in  diesem  ganzen  Gebürge  sehr  elend  aus,  sie  sind 
von  (Baissen  und  Schafen  sehr  abgehüh^,  welche  der  Inn wohnern  ihre  beste 
Nahning  ist.  Ich  wohi\te  l)ey  dem  Ober  Beczowaer  Richter,  welcher  ein  ganz 
wohlhabender  Mann  zu  seyn  scheint. 

Visoka  den  1.  May.  In  der  Früh  ritten  wir  längst  Ober  Bezowa 
hinauf,  daini  über  den  Visokaer  Berg,  welcher  sehr  hoch  und  ziendich  steil  ist 
auch  noch  mit  vielem  Schnee  bedeckt  war,  über  diesen  herunter  auf  die  hunga- 
rische  Gränze  nach  Visocka.  Beede  diese  Dörfer  sind  sehr  lang  und  bestehen 
mehrentheils  aus  zei*streuten  Häusei'.  Der  Weeg  wird  hier  ziemlich  beschwehr- 
sani  zu  machen  seyn  und  besonders  wegen  dem  häufigen  Schnee,  der  lange 
liej^eii  bleibt,  vielem  Ungemach  unterliegen.  Indessen  als  der  Weeg  von  Visoka 
ül>er  Karlowitz  viel  bequemer  und  leichter  herzustellen  seyn  wird,  derweil  ist  an 
diesem  zu  viel  gearbeitet  worden  und  auf  eine  solche  Art,  die  zu  nichts  dient, 
weil  selber  gleich  wird  verdorben  seyn.  • 

»Jablunka  Schantz  den  2.  May.  In  der  Früh  ritte  ich  um  7  Uhr 
von  Visoka  innner  längst  der  Kisucza  auf  einem  chaussee-ähnlichen  guten  Weege 
iilM»r  Tui-sowka,  Nova  Diedina,  Staskow,  Rackowa,  Czacza  und  durch  die  unteren 
Häusser  von  Schwerzinowetz  (Szuresniowce),  allwo  ich  ül)er  den  (!)  —  passirte 
und  mit  der  grossen  Ijandstrasse  bis  auf  die  Jablunkaer  Schanz  gelangte.  Bey 
meiner  Ankunft  fände  ich  einen  Kourir,  diesen  expedirte  ich,  gienge  alsdann 
zum  essen  und  besähe  Nachmittag  die  ganze  Jablunkaer  Schanz,  dessen  Aidage 
g(»gen  einen  Ueberfall  nicht  so  übel  wäre,  wann  nur  das  Oi*t  glücklicher  gewählet 
und  nicht  Strassen,  oder  besser  zu  sagen  sehr  practicable  Weege  durch  die  sehr 
niinirte  Waldungen  giengen,  welche  die  Jablunkaer  Schanz  völlig  zu  umgehen 
die  Möglichkeit  verschafen.  Doch  bleibt  es  immer  ein  Posto,  dessen  Erhaltung 
keine  Unkmten  verursachet    und    in    Kriegs    Zeiten    dennoch    einiger  Rücksicht 

Digitized  by  MriOOQlC 


50  PoLBK : 

wüitlig  ist  wogen  Zufuhr  über  Trcuesiu  und  Silain  aus  Hungani  und  wegen  der 
lückwärts  zu  errichtenden  Communic^ation  nach  Galhzien'^. 

*M i  1  o  w k a  de  n  3.  M a y.  In  der  Früh  ritten  wir  von  der  Jablunka- Schanz 
durch  die  oberen  Haüsser  von  Mosti  (Mosty)  auf  die  Stutzzenitzny  auf  den 
Hexenberg  o(k^r  üirowa,  von  da  auf  die  Walesko- Schanz,  weiter  auf  Jabor- 
schinka,  dann  auf  das  Matischka-Zollhauss,  über  die  Ochsen-Schanz,  dann  auf 
die  Ochotito  (Ochoz(hto),  ferners  beständig  auf  dera  Rücken  Petmschinka,  rechts 
Schniirlufka  (Jaroszowka  ?)  und  links  Kanietsnica  (Kamesznica)  laf^end,  dann 
am  Abhänge  des  Berges  durch  die  Sohia  nach  Mihiwka.  Allda  nahm  ich  d«s 
Quartier  im  Würtshausse«^. 

»Seibus  (Saybusch)  den  4.  May.  In  der  Früh  hörten  wir  Mess,  hernach 
ritte  ich  über  C^isclizetz  (Oisiec),  (Jtzintina  (Ciecina),  Zäblotze  (ZaMocie)  und 
2  ujal  üb(T  die  Solna  nach  Seibus.  Das  Thal  fangt  allda  schöner,  weiter  und 
fruchtbarer  zu  werden  an.  Allda  asse  ich,  gäbe  einige  Audienzien,  schriebe  und 
expedirte. 

»Ken  ty  den  5.  M  ay.  In  der  Fndi  ritte  ich  von  Seibus  über  den  Galgen- 
berg, Starisyviecz  (Zywiec  stary)  vorbey  auf  Zodzilye  (Zadziele)  über  den  Jjen- 
kawka  Bach,  von  da  über  den  Schiroke  und  Visoker  Berg,  dann  über  den  Ja- 
voi"schina  Berg,  von  da  zu  den  Poremka  (Porabka)  Haüser  und  so  hinunter  zu 
der  Sola  und  so  längst  derselben  Poremka  und  Czaniecz  rechts  lassend  auf  Konty. 

»Von  Seil)us  aus  müsste  der  Militär- AVeeg,  da  es  noch  von  hohen  Gebiü^ 
gedeckt  ist,  über  Landscron  und  Mislenitz  (Mysleriice)  gegen  Bochnia  gefuhret 
werden,  wo  er  mit  der  Hauptstrassen  zusammen  käme.  Die  sonstige  Strasse 
von  Seibus  auf  Kenty  gehet  entweder  durch  die  Sola,  oder  über  Biala  nach 
Kenty.  Die  Thäler  sind  sehr  fruchtbar  und  schönes  Land,  auch  ziemUch  wohl 
angebauet,  nur  das  AVachsthum  des  Zugviehes  ist  sehr  schlecht. 

»Przesnica  (Brzeznica)  den  6.  May.  In  der  Früh  fuhren  wir  den 
graden  Weeg  von  Kenty  auf  dem  rechten  Ufer  der  Sola  nach  Oswiezin  (Osi^iecim). 
allda  sezten  wir  uns  zu  Pferd  und  besahen  das  grosse  Magazin  von  Salz  im 
Schloss,  so  allda  angeleget  worden.  Von  dannen  ritten  wir  in  das  Dorf  Dwory, 
so  bey  dem  Einfluss  der  Sola  in  die  Weichsel  gegenüber  von  dera  Pohlnischen 
Schloss  Bobereck  liegt  und  ganz  nahe  an  den  Schlesischen  Gränzen  ist  und 
besahen  allda  die  Position  zwischen  dem  Oswieziner  Teich  und  den  Anhöhen, 
so  ein  steiles  Ufer  gegen  die  Weichsel  haben.  Von  da  fuhren  wir  endlich  nach 
Zator,  dann  über  die  Scava  nach  Przesnica.  Das  Land  ist  sehr  schön,  gut  be- 
bauet und  die  Felder  wohl  bestellt  Längst  der  Weichsel,  doch  in  einiger  Ent- 
fernung derselben,  laufen  immer  Anhöhen,  worauf  Positionen  zu  nehmen  wären«. 

»AVieliczka  den  7t en  May.  In  der  Früh  fuhren  wir  fort  nach  Scabina 
(Skawina),  allda  hörten  wir  Messe.  Hernach  giengen  wir  über  Ludwinow  (lit- 
winöw)  und  Podgorze  nach  AVieliczka.  In  Podgorze,  so  gegenüber  von  Cracau 
hegt,  hat  man  angefangen  einige  wenige  Haüsser  anzubauen,  welche  aber  noch 
sehr  unbedeutend  sind.  Die  Weichsel  i*eisset  allda  sehr  ein  und  stehen  A\-irkIich 
die  Salz-Magazine  in  Gefahr,  wozu  daini  nothwendig  einige  Arbeit  gemacht 
werden  müsste«.  ^^  . 

Digitized  by  V:iOOQIC 


Joseph's  II.  Reisen  nach  Galizien  und  deb  Bukowina.  51 

»Wieliczka  den  8.  May.  In  der  Früh  gäbe  ich  ehiige  Audieuzien, 
arbeitete  und  gieng  sodann  zuin  Essen.  Nach  demselben  arbeitete  ich  wieder, 
discurirte  mit  dem  General  Browne  und  den  2  Staabs-Officieren  und  legte  mich 
heniach  schlafen. 

:^Bochnia  den  9ten  May.  In  der  Früh  fuhr  ich  von  Wiehczka  über 
Staniensky  (Staniatki)  nach  Bochnia;  die  Gegend  und  das  Land  continuirt 
immer  schön  und  wohlgebaut  zu  seyn ;  passirten  die  Raba  und  sahen  den 
Mühlen-Damm,  welcher  schon  2  mal  eingerissen  worden,  mithin  alle  fernere 
Arbeit  daran  umsonst  ist«. 

»Tarn  ow  den  10.  May.  In  der  Früh  expedirt<}  ich  den  Kourier,  fuhr 
alsdann  über  Przisko  (Brzesko)  und  Woinice  nach  Tarnow,  allwo  ich  die  Du- 
iiajetz  mittels  einer  Pletten  passirte  und  durch  die  ßila  fuhr.  Das  Land  fängt 
an  etwas  hüglichter  zu  werden,  der  Boden  sandiger  und  etwas  mehr  Waldung 
gibt  es  auch  hier.     Wir   assen,  ich  gab    einige  Audienzien    und  gieng    schlafen. 

»Rzeszow  den  11.  May.  In  der  Früh  um  6  Uhr  fuhr  ich  von  Tarnow 
l)ey  Bilsno  (Pilzno)  vorüber,  wechselte  eine  Viertel-Stunde  weit  von  dieser  Stadt, 
Pferde,  passirte  über  die  Wislocka  und  hatte  ziemlich  guten  Weeg  bis  Dembice 
und  Sediczow  (S^dziszöw),  von  wannen  ich  allhier  anlangte,  mein  Quartier  beym 
Kreisshauptmann  nahm«. 

»Przemisl  den  12.  May.  In  der  Früh  um  öYg  Uhr  von  Rzeszow  über 
Ijancut,  Przeworks  nach  Jaroslaw,  allda  besähe  ich  die  Oeconomie-Commission 
welche  ziemlich  gut  untergebracht  ist,  imr  im  Rjithauss  ist  der  Kaum  etwas 
enge.  Die  Commission  kömmt  allda  mit  Ijeder  und  Leinwand  vom  Lande,  nicht 
aber  mit  dem  Tuche,  weil  keines  fabricirt  wird,  auf. 

»Heniach  speisste  ich,  schrieb  mit  dem  von  Kiow  gekommenen  Russischen 
Courier  nach  Wien  und  setzte  meine  (Reise)  über  Radimno  weiter  bis  Przemisl 
fort,  allwo  ich  den  San  passirte. 

»Lemberg  den  13.  May  1780.  In  der  Früh  um  öYa  Uhr  besähe  ich 
die  bey  Przemislaw  über  den  San  erbaute  neue  Brücke,  fuhr  sodann  über  Sze- 
hinie  (Szechynie),  Mosicsa  (Mosciska),  Sadowa  Wisnia  (Sadowa  Wisznia),  Gro- 
deck,  Pschan  (Mszana)  nach  Lemberg«. 

Ueber  den  Aufenthalt  in  Lemberg  und  die  Fortsetzung  der  Reise  bis  zur . 
Grenze  berichtet  das  Journal: 

sLemberg  den  14.  May.  In  der  Fruli  dictirte  ich  die  Instniction  für 
den  nach  Kiow  vorausgeschickten  Rittmeister  Cavallar,  gieng  sodann  in  die  Ca- 
thedral  Kirche,  hörte  allda  das  Hochamt,  arbeitete  wieder  ^)is  zum  essen,  ex- 
I>edirte  nach  dem  Essen  den  obbemelten  Rittmeister,  schrieb  an  I.  M.  die  Kai- 
serinu  und  machte  ein  und  andere  Dispositionen  zu  der  Reise  (und)  gieng 
Abends  zu  der  Gräfin  Dietrichstein  in  Gesellschaft. 

»Lemberg  den  15.  May.  In  der  Früh  arbeitete  ich  bis  10 Y^  Uhr, 
hernach  hörte  ich  in  der  deutschen  Kirche,  so  vormals  den  Jesuitern  zugehört 
hat,  ein  Hohes  Amt,  darauf  gab  ich  Audienzen,  dictirte  wieder,  gieng  sodann 
zum  Essen,  arbeitete  darauf  fort  bis  6  Uhr,  gieng  spazieren  in  den  Bresselischen 
und  exjesuiter  Garten,  die  beydo  ganz  schön  sind,  hernach  gieng  ich  eine  Weile 

Digitized  by  V:iOOQIC 


52  Polek: 

auf  dem  Platz  in  der  Stadt  herum,  besähe  die  Cassine  und  das  Arsenal,  welches 
letztere  wegen  Enge  des  Raumes  nicht  zum  Besten  untergebracht  ist« 

»Lemberg  den  16.  May.  In  der  Früh  ai4>eitete  ich  bis  um  11.  Uhr. 
heniach  hörte  ich  in  der  Exjesuiten  Kirche  Messe,  gab  euiige  Audienzien,  asse 
und  dictirte  wieder,  gieng  sodaini  mit  den  Herren  spazieren. 

»Lemberg  den  17.  May.  In  der  Früh  schriebe  ich  wieder,  redete  nnt 
dem  FML  Schröder,  Brigido  und  Sporck,  a.sse  und  fuhr  nach  demselben  aus 
einige  Gärten  anzusehen. 

»Lemberg  den  18.  May.  In  der  Fmh  arbeitete  ich  bis  zum  Essen  und 
nach  dem  Essen  wieder  bis  in  die  Nacht. 

»Brody  den  19.  May.  In  der  Fmh  expediite  ich  einen  Kourier  und 
fuhr  nach  diesem  über  Jariczow,  Kutkier  (Kutkoi-z),  Busk,  Sokolowka  nach 
Brody,  allwo  ich  um  6  Uhr  ankam,  ass,  mit  den  Herren  sprach  und  schlafen 
gieng.  Ich  besähe  auch  in  Vorbeyreissen  die  Ijeeder  Fabrick  von  Busk,  so  die 
Jaroslawer  Cominission  mit  allem  Leeder  nämlich  mit  ^l  Hauten  des  Jahrs  ver- 
sieht Dann  eine  Meile  von  Brody  sind  die  Mauten  angelegt,  wodurch  diese 
Stadt  gänzlich  aus  dem  Cordon  ausgesclilossen  ist. 

»Das  Land  ist  allhier  viel  weniger  angebaut,  schlecht  bevölkert,  viele  Wälder 
und  Moräste. 

»Brody  den  20.  May.  In  der  Früh  arbeitete,  sähe  einige  Oavalliers,  den 
Grafen  Mosinsky  und  andere,  dann  Rzebusky,  dann  asse  ich,  nach  dem  Essen 
expedirtc  ich,  besähe  die  Salniter-Laüternng ;  das  Citadelle  in  Brody  venlient 
allerdings  in  gutem  Stande  erhalten  zu  werden,  sowohl  wegen  dessen  Cjisse- 
matten,  als  solidem  Mauerwerck. 

»Jampole  den  21.  May.  In  der  Früh  fuhr  ich  nach  gehörter  heiligen 
Messe  von  Brody  über  Bodbrecze  nach  Jampole«. 

In  Lemberg  hatte  der  Kaiser  seine  ganze  Aufmerksamkeit  den  Angelegen- 
heiten Galiziens  zugewendet;  über  die  Bukowiner  Angelegenheiten  wollte  er 
seine  EntSchliessung  in  der  Bukowina  lassen. °^)  Indess  nahmen  die  Dinge  wider 
Erwarten  einen  andern  Lauf. 

Die  Begegnung  der  beiden  Majestäten  in  Mohilew  —  Joseph  war  am  2.. 
Katharina  am  4.  Juni  dort  eingetroffen  —  Hess  in  Bezug  auf  Hei*zlichkeit  nichts 
zu  wünschen  übrig;  allein  zu  politisclien  Gesprächen  fand  sich  keine  günstige 
Gelegenheit.  Umso  eifreuter  mochte  der  Kaiser  sein,  als  die  Czarin  schon  nach 
wenigen  Tagen  in  ihn  drang,  ihr  nach  St.  Petensburg  zu  folgen,  wo  sie  uiif^*- 
störter  mit  einander  verkehren  nnd  reden  könnten.  Da  er  ausserdem  auch  den 
Grossfürsten-Thronfolger  und  den  Minister  Grafen  Panin,  die  sehr  eifrige  An- 
hänger Fiiedrich's  II.  waren,  kennen  lernen  und  für  Oesten'eich  gewinnen  wollte, 
war  er  rasch  entschlossen,  dem  Wunsche  Katharina's  zu  entsprechen.  Eine 
Besorgnis  jedoch,  scheint  es,  hegt<^  ei*,  die  Besorgnis  nämlich,  duss  seine  Muiter 
diesen  Entschluss    nicht    billigen  werde.     Um  sie    leichter    damit    zu  vei-söhnen. 


^)  DtiH  fi^iliz.  (ionoralconiinan<lo  zvi^riv  jun  21.  Juni  1780  (l«mi  irofknV^ratlK»  an,  <1;k> 
8<Mne  Maj«»stät  der  Kaiser  die  EntschlieHsiiiii,^  üImt  <lio  [{iikowinor  Systejnisifrunirsanj^'lej^-uhoitrii 
bis  zur  orfolj^'U  Zurückkunft  na<'h  8zalosr/.ik  (Zaleszczvki)  aufzusoliieNMi  «^'ruhet^  hab«\  (^Kr.-A.. 
Hcfkriejrsraths-Protok.  17S0.  Lit.  0.,  Nr.  37:^7,  i).  1719.) 


Digitized  by 


Google 


JosEPH^s  II.  Reisen  nach  Galizien  und  der  Bukowina.  53 

erklärte  er  sich  bereit,  die  Reise  nach  der  Bukowina  aufzugeben  oder,  wenn  er 
sie  dennoch  machen  dürfte,  sie  nicht  auf  Siebenbürgen  und  das  Ranat  auszu- 
dehnen, so  dass  er  nur  vierzehn  Tage  später,  als  ursprünghch  festgesetzt  ge- 
wesen, in  Wien  eintreffen  würde. ^°^) 

Die  Antwort,  die  Maria  Then^sia  auf  diese  Nachricht  dem  Kaiser  gab, 
besitzen  wir  nicht  mehr;  dagegen  ist  uns  ein  Brief  erhalten,  den  sie  damals, 
am  22.  Juni  1780,  an  den  Erzherzog  Ferdinand  gerichtet  hat  Darin  theilt  sie 
diesem  den  Entschluss  Joseph's,  von  Mohilew  nach  Moskau  und  von  da  nach 
St  Petersburg  zu  gehen,  mit  und  sagt  daim  wörtlich:  »Weini  ich  dadurch  die 
Reise  nach  der  Bukowina,  nach  Siebenbürgen  und  dem  Banat  gewänne,  so  würde 
und  müsste  ich  mich  zufrieden  geben ;  zu  viel  aber  win-de  es  sein,  wenn  auch  noch 
die  Bukowiner  Reise  stattfände.'®^)  Ebenso  dürfte  auch  ihr  Schreiben  an  den 
Kaiser  gelautet  haben ;  denn  dieser  zeigte  ihr  am  8.  Juli  aus  St  Petersburg, 
wo  er  nach  einem  mehrtägigen  Aufenthalte  in  Smolensk  (vom  12.  bis  zum  15.) 
und  Moskau  (vom  17.  bis  zum  24.)  am  28.  Juni  eingetroffen  war,  an,  er  gebe 
ihrem  letzten  Briefe  zufolge  Gegenbefehle  in  Hnisicht  auf  die  Bukowina  und 
komme  geradenwegs  nach  Wien.'®*) 

Am  3.  August  1780  traf  Joseph  wieder  in  Galizien  und  zwar  zu  Zamosö'^^ 
ein.  Hier  harrte«  seiner  der  Landespräsident  Joseph  Graf  Brigido  und  der  com- 
niandierende  General  Baron  Schröder.  Letzterer  hatte  bei  dem  Kaiser  auf 
Grund  einer  »Concerbition«,  die  er  sieben  AVochen  früher,  am  16.  Juni,  mit  dem 
Administrator  der  Bukowina,  General  Baron  Enzenberg,  in  I/}mberg  abge- 
halten hatte,*"*)  über  die  Bukowiner  Systemisierungsangelegenheitcn  Vortrag,  dem 
zufolge  ihm  am  5.  August  das  nachstehende  Allerhöchste  Handschreiben  zugieng: 

»Lieber  Feldmarschall-Lieutenant  Schröder!  Sie  werden 
gern  einschaftlich  mi  t  dem  Grafen  v.  Brigido  in  reife  U  eber- 
legung  n  ehmen,  wie  die  Bukowina  mit  Galizien  am  schick- 
samsten zu  vereinigen,  dann  was  für  ein  Theil  davon  dem 
2.  W  a  1 1  a  c  h  i  s  c  h  e  n  Regiment  z  u  z  u  t  h  e  i  1  e  n  und  Siebenbürgen 
einzuverleiben  wäre.  Uel)er  diese  swei  Gegenstände  sowohl  als  über  das 
allda  anzustellende  höchstnöthige  Personale  und  hierzu  antragende  Individuen, 
sowie  ül)er  alle  sonst  noch  hiemit  zusannnenhängende  Fürkehnnigen  sehe  Ich 
ihrem  gemeinschaftlich-schrifthchen  Aulsatze  und  den  mit  Rücksicht  auf  die 
thunlichste  Wirtschaft  zu  veifassenden  Kosten übei-schlägen,  wovon  Mir  ein  so 
anderes  Uiich  Wien  einzuschicken  sein  wird,  sobald  als  nuiglich  entgingen,  um 
hiernach  das  AVeitere  veranlassen  zu  können.  Joseph  Correg.^*^'') 

Von  dieser  Anordnung  setzte  J()sei)h  am  folgendiMi  Tagi*  auch  seine  Mutter 
in  Kenntnis.       »Ich    habe,    schrieb    er    ihr,    >>dem    hiesigen    commandierenden 

»<»^)  .Ios«'i»li  au  Miiriii  TlH'n\si:i,  Mohilew,  8.  Juni  1780.  (Arneth,  Maria  Tlioivsia  uii<l 
J*^[*h  II.,  Bil.  III.  S.  250  ff.) 

"")  Hriofo  (lor  Kaiserin  Maria  Then\sia  an  ihre  Kinder  und  Freunde.  Hrsg.  v.  Arne  t  h. 
IL  S.  276. 

'««)  Arneth.  Maria  Theresia  und  .Tcseph  II.,  Bd.  111.  S.  275  f. 

*°^)  Zanio.sc  und  das  «lazu  gehörige  (Jehi<'t  wurde  im  Scljönhninner  Frie<len  (Oetul).  ISO«») 
dem  Her/<jgthiinie  Warsehau  und  mit  <li«'s«'m  im  Jahre  1815  dem  ( 'zarten reiehe  «'inverleihl. 

»«*;  Sitdie  Heilag»^  II. 

'^')  llnfkriegM-aths-rr.^tnk.  1780.  Lit.  <;.,  Nr.  5()(>0,  p.  2\yM  f.  (K.-A.) 

Digitized  by  V:iOOQIC 


54  PoLEK : 

General  und  dem  Landespräsident(Mi  die  Abfiissung  eines  gemeinsamen  Vor- 
scldages  aufgetragen,  wie,  falls  man  es  für  nothwendig  fände,  diese  Bukowina 
als  ein  Kreis  mit  Galizien  vereinigt  werden  könnte.  Diese  Arbeit  wird  mir  nach- 
gesdiickt  werden,  und  ich  werde  mich  dann  beehren,  sie  Euerer  Majestät  zu 
unterbreiten.  Einen  Theil  der  Gebirgsgegenden  wird  man  davon  abtrennen  und 
dem  zweiten  walachischen  Regimente  ehiverleiben  köiuien«.'^*) 

Von  Zamosc  fuhr  der  Kaiser  am  7.  August  über  Ulanöw  (7.),  Radomysl 
(8.),  Dabrowa  (9.),  Bochnia  (10.),  Wieliczka  (IL),  Kety  (12.),  Mähr.  Ostrau  (18.), 
Troppau  (14.),  Olmütz  (15.  u.  lO.)  und  Brunn  (17.  bis  19.)  nach  Wien,  wo  er 
am  20.  August  ankam. ^'^^) 

AVie  in  Mohilew,  so  war  auch  in  Petersburg  »gar  nichts«  verhandelt  wor- 
den. Dessenungeacht^^'t  konnte  Joseph  IL  mit  dem  Ergebnisse  seiner  Reise  nach 
Russland  zufrieden  sein  ;  war  es  ihm  doch  gelungen,  Katharina's  tief  eingewur- 
zelte Vorurtheile  gegen  Oest^rreich  zu  zerstreuen.  *°®)  Dagegen  mochte  die  Bu- 
kowiner  Bevölkerung  das  Fernbleiben  des  Kaisers  umso  bitterer  empfunden  ha- 
ben, als  ihr  der  Plan  der  Zerreissuiig  und  Auftheilung  ihres  Landes  wohl  nicht 
verborgen  blieb.  Um  das  drohende  Missgeschick  abzuwehren,  wurde  der  Bojar 
Basilius  B  a  1  s  c  h  »von  dem  Bischof  von  Radautz  sowohl  als  den  gesammten 
Ständen  der  Bukowina«  beauftragt,  ihre  Anschauungen  über  das,  was  dem  Lande 
fromme,  allerhöchstenorts  darzulegen. 

Balsch  reichte  am  18.  November  1780  nebst  einem  an  den  Gnifen  Hadik 
gerichteten  unterthänigst(?n  Promemoria«  eine  »Beschreibung  der  Bukowina  und 
denMi  inneren  Verhältnisse«  bei  dem  Hofkriegsrathe.  ein.  In  dem  letztgenannten 
Schrittstücke  wird  um  »die  Beibehaltung  der  Militärjurisdiction«  gebeten  und  zur 
Untei-stü